Der zweite Brief an die Korinther

Kapitel 6

Der zweite Brief an die Korinther

Gnade verpflichtet und wird verkündigt

„Mitarbeitend aber ermahnen wir auch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt“ (Vers 1).

Am Schluss von Kapitel 5 hat der Apostel uns gesagt, dass er Sünder an Christi statt bittet, sich mit Gott versöhnen zu lassen. Unser Kapitel beginnt mit einem Appell an Heilige. Er bittet sie, die Gnade Gottes nicht vergeblich zu empfangen. In dieser Ermahnung liegt nicht der Gedanke, dass die Sicherheit des Heils von Gläubigen in Frage gestellt würde. Paulus deutet auch nicht an, dass die einmal empfangene Gnade wieder verloren gehen könnte. Der Zusammenhang in Vers 3 zeigt deutlich, dass es sich um einen Appell an diejenigen handelt, welche die Gnade Gottes empfangen haben, die ihnen Errettung bringt. Sie werden nun ermahnt, nichts in ihr praktisches Leben hineinkommen zu lassen, was mit dieser Gnade nicht in Übereinstimmung ist. Auf diese Ermahnung sollten wir alle gut achten. Sie hat allerdings eine besondere Bedeutung für diejenigen, deren Lebenswandel - wie der bei den Korinthern - einen scharfen Tadel nötig machte.

„(denn er spricht: „Zur angenehmen Zeit habe ich dich erhört, und am Tag des Heils habe ich dir geholfen.“ Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils);“ (Vers 2).

Um die Größe der Gnade Gottes zu zeigen, die einer Welt von Sündern Heil verkündigt, zitiert der Apostel den Propheten Jesaja, Kapitel 49. In dieser Weissagung lernen wir, dass Christus zwar von Menschen verworfen wurde, Gott jedoch in Christus verherrlicht worden ist. In den Augen des Herrn ist Christus der Geehrte (Verse 3-5). Wir lernen dann weiter, dass Gott, der durch Christus geehrt worden ist, auf dieser Grundlage das Volk Israel in künftigen Tagen wiederherstellen und zugleich den Heiden Segen schenken wird, indem die Rettung bis an die Enden der Erde gebracht wird (Vers 6).

Das führt zu dem Vers, den der Apostel in 2. Korinther 6 zitiert, wo wir lesen, dass all dieser Segen dadurch fließen kann, dass Christus von Gott erhört, angenommen und geholfen worden ist (Vers 8). Auf der Grundlage all dessen, was Christus ist und getan hat, kann die Gnade Gottes Heiden gepredigt werden in einer Zeit, in der Christus der von Gott in der Herrlichkeit aufgenommene Mensch ist. Die Gläubigen werden dadurch in Christus angenommen. Auf diese Weise führt die Gnade Gottes den Tag ein, an dem das Heil Sündern verkündigt werden kann.

„... indem wir in keiner Sache irgendeinen Anstoß geben, damit nicht der Dienst verlästert werde,“ (Vers 3).

Wie wichtig ist es daher an diesem Tag des Heils, dass diejenigen, die diese Gnade erhalten haben, nichts in ihrem Leben zulassen, was nicht in Übereinstimmung mit dieser Rettung ist. Denn all das würde denjenigen zum Anstoß werden, denen die Gnade verkündigt worden ist. Zugleich würde dadurch die Predigt verlästert. Die christliche Botschaft soll nicht nur durch die Verkündigung großer Wahrheiten bekannt werden, sondern auch durch das veränderte Leben derer, die diese Wahrheiten verkündigen.

Der Lebenswandel des Apostels empfahl ihn

„sondern uns selbst in allem als Gottes Diener erweisen, in vielem Ausharren, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten,“ (Vers 4).

Um das zu erklären, spricht der Apostel nun von dem Lebenswandel, der ihn selbst und seine Mitarbeiter angesichts von Übungen und Widerstand prägte. Sein Leben brachte nicht nur keine Lästerung auf den Dienst, sondern offenbarte moralische Qualitäten, welche die Diener empfahlen.

1. Zunächst spricht der Apostel von prüfenden Umständen, die jeder Mensch mehr oder weniger gut kennt:

  • Bedrängnisse: Hier geht es um körperliche Übungen.
  • Nöte: Diese stammen aus täglichen Bedürfnissen.
  • Ängste: Diese kommen von einem Mangel an Mitteln, den Nöten begegnen zu können.

Paulus und seine Mitarbeiter begegneten all diesen Nöten „in vielem Ausharren“. Das empfahl sie als Diener.

„... in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufständen, in Mühen, in Wachen, in Fasten;“ (Vers 5).

2. Darüber hinaus empfahlen sie sich durch die Geduld, mit der sie auf die besonderen Übungen reagierten, die sie als Diener des Herrn erdulden mussten: Schläge, Gefängnisse, Aufstände.

3. Sie empfahlen sich auch durch das Ausharren, mit dem sie den Übungen begegneten, die im Zusammenhang mit dem Werk des Herrn und dem Volk Gottes über sie kamen: Mühen, Wachen, Fasten.

Christus ausstrahlen

„... in Reinheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Güte, im Heiligen Geist, in ungeheuchelter Liebe; im Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes; durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Unehre, durch böses Gerücht und gutes Gerücht, als Verführer und Wahrhaftige; als Unbekannte und Wohlbekannte; als Sterbende, und siehe, wir leben; als Gezüchtigte und nicht getötet; als Traurige, aber allezeit uns freuend; als Arme, aber viele reich machend; als nichts habend und alles besitzend“ (Verse 6-10).

4. Diese Diener empfahlen sich darüber hinaus, indem sie einige der lieblichen moralischen Eigenschaften offenbarten, die Christus auf seinem Weg durch diese Welt kennzeichneten: Reinheit, Erkenntnis, Langmut und Güte.

5. Sie empfahlen sich auch durch die Kraft und die Beweggründe, durch die sie in ihrem Dienst angetrieben wurden. Er wurde nicht im Fleisch, sondern „im Heiligen Geist“ ausgeführt; nicht in Bosheit und Neid, sondern „in ungeheuchelter Liebe“; nicht aufgrund menschlicher Spekulationen, sondern „im Wort der Wahrheit“; nicht in menschlicher Kraft, sondern „in der Kraft Gottes“.

6. Sie empfahlen sich auch durch ein Leben praktischer Gerechtigkeit in ihren Beziehungen zu Menschen, welcher Art diese Beziehungen auch sein mochten. Sei es, dass sie mit Ehre und Unehre behandelt wurden, sei es, dass sie durch böses oder gutes Gerücht gingen. So trugen sie den Brustharnisch der Gerechtigkeit (vgl. Eph 6,14) und waren dadurch bewaffnet gegen jeden Angriff des Feindes.

7. Sie empfahlen sich auch als Diener Gottes, indem sie - in ihrem Maß - dem Weg Christi folgten, den Er in Vollkommenheit gegangen ist. In einer Welt wie der heutigen wird der wahre Diener Gottes zu Zeiten von einigen Menschen als ein Verführer bezeichnet, von anderen als ein Wahrhaftiger. So war es auch bei dem Herrn, denn manche wagten zu sagen: „Er verführt die Volksmenge“ (Joh 7,12). Auf seinem Weg wurde der Herr als ein „Unbekannter“ behandelt, denn die Pharisäer sagten: „Von diesem wissen wir nicht, woher er ist“, während der Mann, der das Wunder an seinen Augen erlebt hatte, sagen konnte: „Wir wissen“, dass Er „von Gott“ ist (vgl. Joh 9,29–32). Auch der Herr Jesus musste dem Tod immer wieder ins Auge sehen, und doch lebte Er zu diesen Zeiten noch (vgl. Lk 4,29.30; Joh 8,59). Auf diesen Wegen ist der Jünger nicht über seinem Meister, noch der Diener über seinem Herrn. Denn es ist dem Jünger genug, dass er wie sein Meister ist, und dem Diener reicht es, wie sein Herr behandelt zu werden.

Prüfungen zur Disziplinierung des Jüngers

Darüber hinaus haben wir auf unserem Lebensweg mit Dingen zu tun, die der Herr nicht kannte. Damit unsere Füße mitten auf der Spur bleiben, mag es notwendig sein, dass wir durch übende Umstände diszipliniert werden, auch wenn wir darin nicht umkommen mögen. In solchen Übungen können sich die Diener des Herrn durch ihre Unterwerfung unter den Willen Gottes bewähren, wie es auch Hiob tat, der in seiner großen Prüfung sagen konnte: „Der Herr hat gegeben und der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen!“ (Hiob 1,21). Dieses Handeln des Herrn mit uns wird uns zubereiten, in einem gewissen Maß in die Erfahrungen unseres Herrn einzugehen. Er war wirklich der Mann der Schmerzen, aber mit einer verborgenen Quelle der Freude (vgl. Lk 10,21). Er war es, der arm wurde, damit wir durch seine Armut reich würden (vgl. 2. Kor 8,9). Er war es auch, der durch diese Welt als jemand ging, der nichts besaß, und doch gehörte Ihm alles. Er hatte kein Geld, um die Doppeldrachme zu bezahlen, und doch besaß Er die Autorität, um den Fischen im See zu befehlen (vgl. Mt 17,24–27).

So empfahlen sich der Apostel und seine Mitarbeiter als Diener Gottes,

  • in den Umständen, durch die sie zu gehen hatten,
  • in den Übungen, die sie zu durchleiden hatten,
  • in den geistlichen Erfahrungen, die ihr Dienst mit sich brachte,
  • durch die moralischen Eigenschaften, die sie ausstrahlten,
  • durch die praktische Gerechtigkeit, die sie auszeichnete, und auch
  • auf dem Weg, den sie - ihrem Meister folgend - gingen.

Ein weites Herz auf schmalem Weg

„Unser Mund ist zu euch aufgetan, ihr Korinther; unser Herz ist weit geworden. Ihr seid nicht verengt in uns, sondern ihr seid verengt in eurem Innern. Zur gleichen Vergeltung aber (ich rede als zu Kindern) werdet auch ihr weit!“ (Verse 11-13).

Paulus gab vor den Ohren der Korinther eine Übersicht über sein Leben ab, um sein Herz ihnen gegenüber weit zu öffnen. Dass sein Herz wirklich weit geworden war, bewies seine Liebe zu ihnen. Die Korinther hatten nicht nur einen kleinen Platz in seinen Zuneigungen, auch wenn sie ihm gegenüber ihre Zuneigungen verloren hatten.

Durch das weite Öffnen seines Herzens ihnen gegenüber suchte er ein Aufleben ihrer Liebe ihm gegenüber zu bewirken, damit seine Liebe gewissermaßen belohnt würde. Sie waren seine Kinder im Glauben. Daher hatte er ein Recht, darauf zu zählen, dass sich ihre Herzen in Liebe ihm gegenüber öffneten.

Gemeinschaft von Gläubigen und Ungläubigen

„Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen. Denn welche Genossenschaft haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis?“ (Vers 14).

Nachdem sich der Apostel an die Herzen der Korinther gewandt hat, spricht er nun ihre Gewissen an. Ihre beschränkten Zuneigungen ihm gegenüber stammten vielleicht aus ihren laxen Verbindungen mit Ungläubigen. Weltliche Beziehungen rauben den Gläubigen immer die richtigen geistlichen Zuneigungen und machen sie unpassend für die Gemeinschaft mit Christus und den Genuss innerhalb des christlichen Bereichs. Mit einem einfältigen Auge für Christus werden unsere Füße auf dem schmalen Weg der Absonderung von der Welt bewahrt, während unsere Herzen weit werden für alle, die des Christus sind.

Der Apostel spielt in diesem Vers auf das Gesetz an, in dem verboten war, zwei Tiere unterschiedlicher Art - wie Ochse und Esel - vor einem Pflug zusammenzujochen (5. Mo 22,10). Im Blick auf die Beziehungen von Christen warnt uns der Apostel vor einem „ungleichen Joch mit Ungläubigen“. Paulus fährt fort und zeigt anhand von vier Gründen die vollkommene Unvereinbarkeit eines Christen mit einem ungleichen Joch.

1. Gläubige und Ungläubige werden durch zwei entgegengesetzte Prinzipien regiert. Gerechtigkeit kann keine Gemeinschaft mit Ungerechtigkeit haben, genauso wenig wie Licht und Finsternis. Der Apostel sagt damit nicht, dass ein Ungläubiger grundsätzlich unehrlich mit seinem Mitmenschen umgeht. Aber er handelt nach seinem eigenen Willen, ohne Gott in seine Überlegungen einzubeziehen. So führt er sein Leben in bewusster Unwissenheit über Gott.     

„Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?“ (Vers 15).

2. Gläubige und Ungläubige befinden sich unter einer sehr unterschiedlichen Führung. Der Gläubige wird von Christus kontrolliert. Der Ungläubige wird vom Fürsten dieser Welt, Belial, geführt . Dieser Name spricht von einer wertlosen bzw. gesetzlosen Person und wird daher als Eigenname für Satan verwendet. Was für eine Übereinstimmung kann es aber zwischen Christus und Belial geben?

3. Wenn es keine Übereinstimmung zwischen Christus und Belial gibt, kann es auch kein gemeinsames Teil ihrer Nachfolger geben - also zwischen Gläubigen und Ungläubigen.

„Und welchen Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: „Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein“ (Vers 16).

4. Die Heiligen Gottes werden als Tempel Gottes gemeinschaftlich angesprochen. Als solche können sie nicht in Übereinstimmung mit denen sein, die einem götzendienerischen Bild nachlaufen bzw. davor niederfallen und somit Gott außen vor lassen. Die Schriften zeigen deutlich, dass Gott auch schon in der Zeit, die durch das Gesetz geprägt war, den Wunsch hatte, inmitten seines Volkes zu wohnen (vgl. 2. Mo 29,45; 3. Mo 26,12). In viel tieferem und geistlichem Sinn ist das wahr, seit der Heilige Geist auf diese Erde gekommen ist. Deshalb kann der Apostel hier sagen: „Ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes.“

Absonderung aus dem System „Welt“

„Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen;“ (Vers 17).

Wenn man erkennt, dass die Gläubigen durch Gerechtigkeit und Licht gekennzeichnet sind, zudem unter der Führung Christi stehen und den Tempel Gottes bilden, gibt es die unbedingte Verpflichtung, aus der Mitte der Welt herausgehen und sich vom Bösen zu trennen. Der Apostel unterstreicht seine Ermahnung dadurch, dass er auf Jesaja 52,11 anspielt. Dort lesen wird: „Weicht, weicht, geht von dort hinaus, rührt nichts Unreines an! Geht hinaus aus ihrer Mitte, reinigt euch, die ihr die Geräte des Herrn tragt!“

„... und ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet mir zu Söhnen und Töchtern sein, spricht der Herr, der Allmächtige“ (Vers 18).

Noch einmal zitiert der Apostel aus dem Alten Testament, um zu zeigen, dass die Gläubigen ihre Beziehung mit Gott als Vater (nur) an dem Platz „draußen“ genießen können - in Trennung von der Welt und ihrer Unreinheit. Es ist gerade die Gnade, die den Gläubigen auf der Grundlage des Werkes Christi diese Beziehung erworben hat. Wir können diese jedoch nur in Trennung von der Welt und ihrem Bösen genießen. Der Vater ist stets bereit, seine Liebe zu offenbaren. Aber Er kann dies nicht auf Kosten seiner Heiligkeit tun.

Daher versucht der Apostel, unsere Gewissen im Blick auf jede Verbindung aufzuwecken, die im Widerspruch zu unserer Stellung und unseren Vorrechten als Christen steht. Sein Wunsch ist,

  • dass unsere Füße auf dem schmalen Weg der Absonderung bewahrt werden,
  • dass wir uns dabei weite Herzen erhalten, die das ganze Volk Gottes umfassen, und
  • dass wir in der Furcht Gottes unser Leben führen.

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