Der zweite Brief an die Korinther

Kapitel 9

Der zweite Brief an die Korinther

Das Geben soll freigiebig sein

„Denn was den Dienst für die Heiligen betrifft, so ist es überflüssig für mich, euch zu schreiben. Denn ich kenne eure Bereitschaft, deren ich mich euretwegen den Mazedoniern gegenüber rühme, dass Achaja seit vorigem Jahr bereit gewesen ist; und euer Eifer hat viele angespornt“ (Verse 1.2).

Paulus hatte der Versammlung in Korinth geschrieben, um ihre Fürsorge für die bedürftigen Gläubigen unter dem Volk Gottes zu wecken. Dennoch fühlte er, dass diese Ermahnung in gewisser Weise überflüssig war. Denn er sah ihre Bereitschaft, in diesem Dienst mitzuhelfen. Er hatte sich ja sogar in dieser Hinsicht ihretwegen gegenüber den Gläubigen in Mazedonien gerühmt, genauso wie er soeben die Heiligen in Mazedonien als ein Beispiel für diejenigen benutzte, denen er in Achaja schrieb. Der Eifer der Korinther, schreibt Paulus nun, spornte viele zu diesem guten Werk an.

„Ich habe aber die Brüder gesandt, damit nicht unser Rühmen über euch in dieser Beziehung zunichte würde, damit ihr, wie ich gesagt habe, bereit seid, damit nicht etwa, wenn die Mazedonier mit mir kommen und euch nicht bereit finden, wir – dass wir nicht sagen, ihr – in dieser Zuversicht beschämt würden. Ich hielt es daher für nötig, die Brüder zu bitten, zu euch vorauszuziehen und diesen euren zuvor angekündigten Segen vorher zuzubereiten, dass er so bereit sei als Segen und nicht als Habsucht“ (Verse 3-5).

Dennoch befand Paulus es für gut, die Brüder, von denen er geschrieben hatte, zu ihnen zu senden. Er wollte bewirken, dass die Gabe, welche die Versammlungen in Achaja vorgeschlagen hatten, den armen Geschwistern in Jerusalem und Judäa zu senden, wirklich zur Verfügung stand, wenn er zu ihnen käme, begleitet von einigen Brüdern aus Mazedonien. Wenn die Gabe bereits vor seinem Eintreffen zubereitet wäre, hätte er sich nicht darüber zu schämen, dass er so gut von den Heiligen in Korinth zu denen aus Mazedonien gesprochen hatte. Er wünschte, dass ihre Gabe wirklich den Charakter von Freigiebigkeit und nicht den Geruch davon hätte, als nähme man den Korinthern etwas weg und begehrte ihren Wohlstand.

„Dies aber sage ich: Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten“ (Vers 6).

Paulus zitiert nun das Buch der Sprüche und erinnert die Korinther daran, wie wahr es ist, dass derjenige, der sparsam sät, auch sparsam ernten wird, genauso wie der, der freigiebig sät, freigiebig ernten wird (vgl. Spr 11,24.25; 22,9).

Das Geben bewirkt überströmende Gnade

„Ein jeder, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat: nicht mit Verdruss oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber liebt Gott“ (Vers 7).

Das führt den Apostel dazu, von der Gesinnung des Gebens zu sprechen, die in den Augen Gottes wichtiger ist als die Gabe selbst. Jeder möge geben, „wie er es sich im Herzen vorgenommen hat“. Die Korinther sollten sich nicht durch äußeren Druck noch durch Groll oder Zwang beeinflussen lassen. Denn Gott liebt einen fröhlichen Geber.

„Gott aber vermag jede Gnade gegen euch überströmen zu lassen, damit ihr in allem, allezeit alle Genüge habend, überströmend seid zu jedem guten Werk, wie geschrieben steht: „Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit““  (Verse 8.9).

Darüber hinaus kann Gott denen gegenüber, die den Bedürftigen in der richtigen Gesinnung geben, jede Gnade überströmen lassen, damit der Geber selbst von allem genug hat und in der Lage ist, zu jedem guten Werk überströmend zu sein. Das entspricht den unveränderbaren Grundsätzen des Regierungshandelns Gottes, wie geschrieben steht: „Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit“ (Ps 112,9).

Das Geben führt zu Dankbarkeit und Verherrlichung

„Der aber, der dem Sämann Samen darreicht und Brot zur Speise, wird eure Saat darreichen und vermehren und die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen, indem ihr in allem reich gemacht werdet zu aller Freigebigkeit, die durch uns Gott Danksagung bewirkt. Denn die Bedienung dieses Dienstes ist nicht nur eine Erfüllung des Mangels der Heiligen, sondern ist auch überströmend durch viele Danksagungen zu Gott,“ (Verse 10-12).

In diesem Vertrauen auf die Gnade Gottes schaute der Apostel zu Gott auf, damit dieser die Mittel vervielfältige, so dass die Korinther in der Lage wären, mit aller Freigiebigkeit zu geben. Dadurch würden sie ein Anlass zur Dankbarkeit Gott gegenüber werden. Denn dieser Dienst des Gebens dient nicht nur den Bedürfnissen der Heiligen, die arm sind, sondern wird auch zu einem Anlass, dass sich viele Herzen in Dankbarkeit Gott zuwenden.

„... indem sie durch die Bewährung dieses Dienstes Gott verherrlichen wegen der Unterordnung eures Bekenntnisses zum Evangelium des Christus und wegen der Freigebigkeit der Teilnahme ihnen und allen gegenüber, und in ihrem Flehen für euch, die sich nach euch sehnen wegen der überreichen Gnade Gottes an euch“ (Verse 13.14).

Zudem wird diese Gabe der bekehrten Heiden zugunsten der jüdischen Gläubigen zu einem Anlass, Gott zu verherrlichen, dass die Heiden das Evangelium des Christus empfangen haben, aber auch wegen der Freigiebigkeit der Gläubigen aus den Nationen. Diese Gabe bewirkte auch die Gebete der jüdischen Gläubigen für die Heiligen in Korinth und ihren Dank Gott gegenüber.

„Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!“ (Vers 15).

Vor allen irdischen und damit zeitlichen Gaben, für die wir zu Recht dankbar sein dürfen, erinnert uns der Apostel aber daran, nicht zu vergessen, Gott für seine unaussprechliche Gabe zu danken. „Denn was auch immer die Früchte der Gnade sein mögen, der Beweis und die Macht liegen in dem, was Gott gegeben hat“, wie John Nelson Darby einmal sagte.

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