Betrachtung über Lukas (Synopsis)

Kapitel 14

Betrachtung über Lukas (Synopsis)

In diesem Kapitel werden einige moralische Einzelheiten entwickelt 1. Der Herr, von einem Pharisäer zu Tische geladen, macht dort die Rechte der Gnade über den Sabbat, das Siegel des Alten Bundes geltend, indem Er die Heuchelei richtet, die diesen ohne Bedenken brach, wenn das eigene Interesse in Frage kam. Dann zeigt Er den Geist der Demut und der Niedriggesinntheit, der dem Menschen in der Gegenwart Gottes geziemte, sowie die Vereinigung dieses Geistes mit der Liebe, wenn der Besitz weltlicher Güter vorhanden war. Freilich beraubt uns ein solcher Wandel (der in Wirklichkeit der Seinige war), weil er dem Geiste der Welt entgegensteht, unseres Platzes in derselben; denn die Welt vergilt nicht Gleiches mit Gleichem. Allein eine andere Stunde begann durch Seine Verwerfung zu dämmern, die in der Tat eine notwendige Folge dieser Verwerfung war: die Auferstehung der Gerechten. Durch die Welt aus deren Schoß ausgeworfen, sollten die letzteren in dem, was die Macht Gottes bewirken würde, ihren besonderen Platz haben eine Auferstehung der Gerechten würde stattfinden. Dann sollten sie für alles das belohnt worden, was sie aus Liebe für den Herrn und um Seines Namens willen getan hätten. Man versteht, mit welcher Kraft diese Anspielung sich auf die Stellung des Herrn in jenem Augenblick anwendet, wenn man bedenkt, dass Er auf dem Punkte stand, in dieser Welt getötet zu werden. Aber was sollte denn aus dem Reiche werden? Der Herr macht, mit Rücksicht auf jenen Augenblick, eine Schilderung davon in dem Gleichnis, das in den Versen 16-24 enthalten ist. Verachtet durch den vornehmsten Teil der Juden, als Gott sie einlud, an dem großen Abendmahl teilzunehmen, sucht der Herr die Armen der Herde. Allein es war noch Raum in Seinem Hause; und so sendet Er Seine Boten aus, um die Heiden zu suchen und sie einzuführen infolge Seines Rufes, der in wirksamer Kraft erging, als sie Ihn nicht suchten. Es war die Tätigkeit Seiner Gnade. Die Juden als solche sollten kein Teil daran haben. Aber diejenigen, die eingingen, mussten die, Kosten überschlagen sie mussten alles in dieser Welt verlassen und jede Verbindung mit ihr brechen. Je näher irgendetwas dem Herzen war, desto gefährlicher war es, und desto mehr musste es gehasst werden. Nicht als ob die natürliche Liebe etwas Böses sei; allein da Christus durch diese Welt verworfen ist, so muss alles, was uns an die Erde bindet, Ihm geopfert werden. Wir müssen Ihm nachfolgen, koste es, was es wolle; wir müssen unser eigenes Leben zu hassen wissen und es sogar lieber verlieren, als in der Nachfolge des Herrn erschlaffen. Alles war hier in diesem Leben der Natur verloren. Es handelte sich um Errettung, um den Heiland und um das ewige Leben. Sein Kreuz auf sich nehmen und Ihm nachfolgen war daher der einzige Weg, um Sein Jünger zu sein. Ohne diesen Glauben war es besser, nicht anzufangen zu bauen. Man musste überzeugt sein, dass man, trotz des Bewusstseins, dass der Feind äußerlich stärker ist als man selbst, es wagen könne, diesem mit Entschlossenheit und unter allen Umständen durch den Glauben an Christum entgegenzutreten; und ebenso war es nötig, mit allem zu brechen, was mit dem Fleische als solchem in Verbindung stand.

Überdies war ein jeder berufen, ein besonderes Zeugnis abzulegen und zugleich den Charakter Gottes selbst zur Schau zu tragen, so wie Er in Christo verworfen worden war, und von dem das Kreuz der wahre Maßstab ist. Wenn die Jünger dieser Berufung nicht entsprachen, so waren sie wertlos; denn zu keinem anderen Zweck waren sie Jünger in dieser Welt. Hat die Kirche diesen Charakter aufrechterhalten? Eine ernste Frage für uns alle!

Fußnoten

  • 1 Die Kapitel 15 und 16 stellen uns die unumschränkte Energie der Gnade, ihre Früchte und ihre Folgen vor Augen, und zwar im Gegensatz zu aller sichtbaren irdischen Segnung. Das 14. Kapitel zeigt uns, bevor es uns in diese volle Offenbarung einführt, den Platz, den man - im Blick auf die Gerechtigkeit Gottes, die Strafen und Belohnungen austeilt, und im Blick auf das Gericht, das Jesus bei Seiner Wiederkunft ausüben wird - in einer Welt, wie die gegenwärtige ist, einnehmen soll. Die Selbsterhöhung in dieser Welt führt zur Erniedrigung; die Selbsterniedrigung, d. h. das Einnehmen des niedrigsten Platzes gemäß dem, was wir sind, einerseits, und das Handeln in Liebe andererseits, führt zur Erhöhung von Seiten Dessen, der moraliseli richtet. Danach wird uns die Verantwortlichkeit vorgestellt, die aus der Anbietung der Gnade entspringt, und was es kostet, derselben in einer Welt wie diese zu entsprechen. Mit einem Worte, da die Sünde in der Welt vorhanden ist, so heißt sich selbst erhöhen der Sünde dienen; es ist Selbstsucht, es ist Liebe zu der Welt, in der die Sünde sich entfaltet. Man erniedrigt sich in sittlicher Hinsicht und ist fern von Gott. Wirkt hingegen die Liebe, so heißt das, Gott darstellen vor den Menschen in dieser Welt. Nichtsdestoweniger kostet es uns alles, wenn wir Seine Jünger werden wollen.
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