Betrachtung über den Propheten Hesekiel (Synopsis)

Kapitel 8-11

Betrachtung über den Propheten Hesekiel (Synopsis)

Mit Kapitel 8 beginnt eine neue Prophezeiung. Dieselbe umfaßt mehrere verschiedene Offenbarungen und reicht bis zum Schluß von Kapitel 19, wobei jedoch Kapitel 8 - 11 ein zusammenhängendes Ganzes bilden. Juda bestand noch in Jerusalem, obwohl bereits ein großer Teil des Volkes mit dem König Jojakin in die Gefangenschaft geführt worden war. Der Tempel wurde erst fünf Jahre später zerstört. - In diesen Kapiteln wird nun der Zustand der Dinge, wie er damals in Jerusalem bestand, gerichtet. Die Ältesten von Juda kommen zu dem Propheten, und Jehova benutzt diese Gelegenheit, um ihm alle die Frevel zu zeigen, um derer willen das Gericht über das Volk kommen würde. In der Weissagung vom vorhergehenden Jahre hatte Gott durch den Mund des Propheten Israel mit der Aufgabe Seines Heiligtums an die Unreinen gedroht (Hes 7, 20 - 22). Hier führt Er im einzelnen die Ursachen dieses Gerichts aus. Wenn wir die Geschichte Jeremias hiermit vergleichen und besonders daran denken, welch eine anmaßende Sprache damals geführt wurde: dem Priester gehe das Gesetz nicht verloren (Jer 18, 18) - so werden wir einigermaßen die große Schlechtigkeit und Heuchelei der Juden verstehen.

Die Herrlichkeit Jehovas besucht den Tempel. Er nimmt Seinen Platz auf der nach der Stadt zu gerichteten Seite und zeigt dem Propheten die abscheulichen Sünden, welche dort verübt wurden. Sodann gibt Er Befehl, die verdiente Rache auszuführen, jedoch den Überrest zu verschonen, der über alle diese Greuel seufzt. Die moralische Erklärung des Herzenszustandes der Bösen sowie das, was sie veranlaßte, ihrer Schlechtigkeit ungehinderten Lauf zu lassen, finden wir in dem Worte: „Jehova hat das Land verlassen, und Jehova sieht uns nicht.“ Sie redeten so, weil Jehova wegen ihrer Sünden noch nicht eingeschritten war. Ihre Herzen waren völlig verhärtet.

In Kapitel 10 wird die ganze Stadt der Vernichtung preisgegeben. Die Herrlichkeit Jehovas gebietet und überwacht das Gericht. Er steht auf der Schwelle Seines Hauses, das Er nun von Seiner Herrlichkeit im Gericht erfüllt werden läßt, wie es früher im Segen geschehen war. Der Thron Jehovas wird für sich allein gesehen.

Kapitel 11 zeigt uns das Gericht Gottes über die Leiter der Bosheit, die sich mit dem Gedanken trösteten, die Stadt wäre uneinnehmbar 1. Darum sollten sie aus der Mitte derselben herausgebracht und an der Grenze Israels gerichtet werden. Als einer dieser bösen Männer vor den Augen des Propheten stirbt, werden der Schmerz seines Herzens und seine Fürbitte für Israel laut. Gott antwortet hierauf und unterscheidet die Bewohner Jerusalems von den Weggeführten. Wo auch die letzteren sein mochten, Gott war ihnen zum Heiligtum gewesen. Er verheißt, daß Er sie zurückbringen, ihnen das Land wiedergeben, sie reinigen und ihnen ein neues Herz geben wolle. Sie würden Ihm zum Volke, und Er würde ihnen zum Gott sein. Aber jene, die ihren Greueln nachwandelten, sollte das Gericht für ihre bösen Wege treffen. Wir sehen: der Überrest wird immer unterschieden, und das persönliche Verhalten bildet die Bedingung für den Segen, nur machen am Ende die Treuen als solche das Volk Gottes aus.

Die Herrlichkeit Jehovas verläßt jetzt die Stadt und stellt sich auf den Ölberg. Es ist der Berg, von welchem aus Jesus gen Himmel fuhr, und auf den Er auch wiederum zur Aufrichtung der Herrlichkeit Israels herabkommen wird. Damit endet dieser besondere Teil der Weissagung.

Fußnoten

  • 1 Man wird sich erinnern, wie Jeremia dazu ermahnt hatte, sich Nebukadnezar zu unterwerfen, ja sogar die Stadt zu verlassen und zu ihm hinauszugehen (vgl. Jer 21, 8 - 10).
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