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Das Kommen des Herrn, Israel und die Gemeinde

T. B. Baines

„Zeiten und Zeitpunkte“

Die Schriftstellen, die wir in den vorhergehenden Kapiteln untersucht haben, zeigen, dass Gottes Segensabsichten mit der Welt nicht im übertragenen Sinn durch das Christentum, sondern nach der Entrückung der Kirche in der Wiederherstellung seines auserwählten irdischen Volkes und der Herrschaft und Herrlichkeit des zweiten Menschen wörtlich erfüllt werden. Um den Unterschied zwischen Gottes derzeitigem Handeln und seinen Zielen mit der Welt besser zu erkennen und die Dinge zu klären, die für viele eine Quelle der Verwirrung oder sogar Irreführung sind, ist es hilfreich, wenn wir einmal untersuchen, was uns das Wort in Bezug auf den Beginn dieser Periode irdischen Segens sagt und welche Zeichen diesem Ereignis vorangehen werden.

„Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seine eigene Gewalt gesetzt hat“ (Apg 1,7). Das war die Antwort des Herrn auf die Frage, ob Er das Reich für Israel wiederherstellen würde. Es wird kein Anhaltspunkt genannt, womit die Zeit vom Tod Christi bis zur Wiederherstellung Israels berechnet werden könnte. Das ist zu erwarten, denn Israels Wiederherstellung folgt dem Kommen des Herrn für die Seinen und dieses ist, wie wir gesehen haben, zeitlich völlig unbestimmt, damit die Gläubigen in einer ständigen Erwartungshaltung bleiben. Aber wenn das Kommen des Herrn in Bezug auf den Zeitpunkt nicht festgelegt ist, ist die nachfolgende Wiederherstellung Israels ebenfalls ungewiss. Kurz gesagt: die genannten Zeitpunkte treffen nicht auf die Gegenwart, die Zeit der Kirche, zu.

In Daniel wird prophetisch gesagt: „70 Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt, um die Übertretung zum Abschluss zu bringen und den Sünden ein Ende zu machen und die Ungerechtigkeit zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen und Gesicht und Propheten zu versiegeln und ein Allerheiligstes zu salben“ (Dan 9,24). Das heißt, nach den 70 Wochen oder Perioden von sieben Jahren, wird Jerusalem, das „von der Hand des HERRN Zweifaches empfangen hat für alle ihre Sünden“ (Jes 40,2), wiederhergestellt und zur „Stadt der Gerechtigkeit“. Daher nennt die Schrift an dieser Stelle die Zeit der Wiederherstellung Israels.

Die gerade zitierte Prophezeiung wird diesen offenbaren Widerspruch erklären. Nach 70 Zyklen von sieben Jahren würde die Wiederherstellung Israels stattfinden. Es ist daher klar, dass die siebzigste Woche noch nicht beendet ist. Die Prophezeiung geht jedoch weiter: „So wisse denn und verstehe: Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten, sind 7 Wochen und 62 Wochen ... Und nach den 62 Wochen wird der Messias weggetan werden und nichts haben“ (Dan 9,25–26, s. Fußnoten). 69 Wochen waren daher bis zum Kreuzestod Christi bereits vergangen. Aber was können wir daraus schließen, wenn 69 Wochen schon vorbei waren und die siebzigste Woche noch nicht vollendet ist? Ganz einfach: da diese Wochen sich nur auf die Juden beziehen, wird die Zeit, in der Gott sein Handeln mit den Juden unterbrochen hat, nicht gezählt. Da sie Christus abgelehnt haben, sind die Juden derzeit vollständig beiseite gesetzt und Gott ist derzeit damit beschäftigt, „die Vollzahl der Nationen“ einzubringen. Die Uhr der prophetischen Zeit wurde mit dem Wegtun des Messias angehalten und die letzte Woche wird nicht eher anbrechen bis die Vollzahl der Nationen eingegangen ist und Gott sein Handeln mit Israel wieder aufnehmen wird. Die Zeit der Kirche, unsere Zeit, liegt außerhalb der Prophetie. Davor und danach können Daten fixiert werden, aber jetzt sind „Zeiten und Zeitpunkte“ in Gottes Hand. Die Kirche soll nicht nach der Zeit irdischen Segens, sondern nach dem Kommen des Herrn zur Entrückung der Seinen Ausschau halten.

Es liegt nicht in meiner Absicht, Einzelheiten dieser einen Woche zu betrachten. Der große Grundsatz ist, dass nichts davon stattfinden wird, während die Kirche noch auf der Erde ist. Diese Zeit ist prophetisch gesehen ein leeres Blatt, es werden „viele Tage“ sein, in denen die Kinder Israel „ohne König bleiben und ohne Fürsten und ohne Schlachtopfer und ohne Bildsäule und ohne Ephod und Teraphim“ (Hos 3,4). Ohne ins Detail zu gehen, mag es jedoch gut sein, einmal Gottes Handeln mit den Juden von ihrer Ablehnung bis zu ihrer Wiederherstellung zu betrachten. Nach der Vorhersage, dass der Messias weggetan wird, fügt Daniel hinzu: „Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören, und das Ende davon wird durch die überströmende Flut sein; und bis ans Ende: Krieg, Festbeschlossenes von Verwüstungen. Und er wird einen festen Bund mit den Vielen schließen für eine Woche; und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Und wegen der Beschirmung der Gräuel wird ein Verwüster kommen, und zwar bis Vernichtung und Festbeschlossenes über das Verwüstete ausgegossen werden“ (Dan 9,26–27). Der Messias wird also weggetan und nicht das Reich empfangen. Dann werden die Römer die Stadt zerstören und bis zum Ende dieses großen nationalen Streites herrschen. Das ist der einzige Hinweis bezüglich des Zeitraums zwischen der Zerstörung Jerusalems und der letzten Woche.

Unser Herr macht im folgenden Vers eine Art Auslassung: „Jerusalem wird von den Nationen zertreten werden, bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind. Und es werden Zeichen sein an Sonne und Mond und Sternen“ (Lk 21,24–25). Der komplette Zeitraum zwischen der Eroberung Jerusalems durch Titus und den Drangsalen, die dem Kommen des Sohnes des Menschen vorangehen, wird stillschweigend übergangen.

Aber zurück zu Daniel. In den letzten sieben Jahren vor der Wiederherstellung Israels gibt es eine Person, die für eine Woche einen Bund mit den Vielen oder der Masse des jüdischen Volkes eingeht. Diese Person muss der kommende Fürst sein, der im vorhergehenden Vers genannt wird. Dieser Fürst ist jedoch der Fürst des Volkes, das Jerusalem zerstört hat; er ist der Anführer des Römischen Reiches, das somit einmal mehr auf dem Schauplatz der letzten Tage der Nationen erscheint. Zwischen ihm und der Menge der Juden wird ein Bund für sieben Jahre geschlossen. Die Juden werden zu diesem Zeitpunkt nach Jerusalem zurückgekehrt sein und ihre alten Opfer wieder eingeführt haben. In der Hälfte dieser Zeit wird er die Opfer aufhören lassen und ein Gräuel oder ein Götze wird aufgestellt, der Verwüstung bringen wird bis zum Ende dieser Epoche, an dem der Verwüster von einem vorherbestimmten Schicksal überwältigt werden wird. Diese letzte halbe Woche, in der Boshaftigkeit und Elend zunehmen werden, sind dreieinhalb Jahre oder „eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“ oder 42 Monate oder 1260 Tage, Ausdrücke, die wir häufig in der Beschreibung dieser schrecklichen Ereignisse, die der Wiederherstellung Israels und der Errichtung des Messianischen Reiches vorausgehen, finden werden.

Aber neben diesem Alleinherrscher, der mit der Mehrheit der Juden verbündet ist, berichten andere Schriftstellen von einem todbringenden Gegner, der in dieser Zeit des Elends gegen sie agieren wird. „Siehe, ein Tag kommt für den HERRN, da wird deine Beute in deiner Mitte verteilt werden. Und ich werde alle Nationen nach Jerusalem zum Krieg versammeln; und die Stadt wird eingenommen und die Häuser werden geplündert und die Frauen vergewaltigt werden; und die Hälfte der Stadt wird in die Gefangenschaft ausziehen, aber das übrige Volk wird nicht aus der Stadt ausgerottet werden. Und der HERR wird ausziehen und gegen jene Nationen kämpfen, wie an dem Tag, da er kämpft, an dem Tag der Schlacht. Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem im Osten liegt“ (Sach 14,1–4). Es gibt also zwei Mächte oder große Bündnisse; das eine wird mit teilweisem Erfolg die Stadt erobern, das andere wird zusammen mit der Menge der Einwohner von dem „Fürst“ angeführt. Beide tragen jedoch dazu bei, das Elend zu verschlimmern und das Gericht zu verschärfen. „Es wird eine Zeit der Drangsal sein, wie sie nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht bis zu jener Zeit“, bei der die Juden „errettet werden, jeder, der im Buch geschrieben gefunden wird“ (Dan 12,1). Es ist die Zeit, von der auch Jeremia spricht, wenn „jedes Angesicht in Blässe verwandelt [wird]? Wehe, denn groß ist jener Tag, ohnegleichen, und es ist eine Zeit der Drangsal für Jakob! Doch er wird aus ihr gerettet werden. Denn es wird geschehen an jenem Tag, spricht der HERR der Heerscharen, dass ich sein Joch von deinem Hals zerbrechen und deine Fesseln zerreißen werde, und Fremde sollen ihn nicht mehr dienstbar machen, sondern sie werden dem HERRN, ihrem Gott, dienen und ihrem König David, den ich ihnen erwecken werde“ (Jer 30,6–9). Es ist die Zeit der „Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit bei dem Tosen und Wogen des Meeres; indem die Menschen vergehen vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen“, wenn den Treuen gesagt wird: „Hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht“ (Lk 21,25–28).

Daniel symbolisiert in Kapitel 7 mit den vier Tieren die vier großen Mächte der Nationen, die nacheinander über die Erde herrschen. Das erste (babylonische) „war gleich einem Löwen und hatte Adlerflügel“. Das zweite (medo-persische) „glich einem Bären“. Das dritte (griechische) war „gleich einem Leoparden“ und hatte vier Flügel und vier Köpfe. Das letzte war „schrecklich und furchtbar und sehr stark ... und es hatte zehn Hörner“. Bei diesem gibt es eine große Veränderung: ein kleines Horn entsteht mit „Augen wie Menschenaugen und ein Mund, der große Dinge redete“ (V. 3–8). Dieses kleine Horn übt die Macht des Tieres aus und fordert sein Gericht heraus. Das Tier ist das Römische Reich, dessen spätere Geschichte wie folgt skizziert wird: „Und die zehn Hörner: Aus jenem Königreich werden zehn Könige aufstehen; und ein anderer wird nach ihnen aufstehen, und dieser wird verschieden sein von den vorigen und wird drei Könige erniedrigen. Und er wird Worte reden gegen den Höchsten und die Heiligen der höchsten Örter vernichten; und er wird darauf sinnen, Zeiten und Gesetz zu ändern, und sie werden eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit in seine Hand gegeben werden“ (Dan 7,24–25). Aber seine Herrschaft wird ihm genommen werden und sein Reich „wird dem Volk der Heiligen der höchsten Örter gegeben werden“ (Dan 7,27).

Lasst uns nun die beiden anderen Prophezeiungen betrachten: „Und von der Zeit an, da das beständige Opfer abgeschafft wird, und zwar um den verwüstenden Gräuel aufzustellen, sind 1290 Tage. Glückselig der, der ausharrt und 1335 Tage erreicht!“ (Dan 12,11–12). Diese Tage werden oft grundlos für Jahre gehalten. Da 69 Wochen vergangen waren, bevor der Messias verworfen wurde, muss jetzt nur noch eine Woche vergehen. In der Mitte dieser Woche wird das beständige Opfer aufhören, so dass von da an nur dreieinhalb Jahre oder, nach dem jüdischem Maßstab von 360 Tagen pro Jahr, 1260 Tage bleiben, bis „Festbeschlossenes über das Verwüstete ausgegossen werden“ wird. Aber nach diesem wird es weitere Gerichte geben und Feinde werden vernichtet. Die Zeiträume, die in dieser Prophezeiung genannt werden, übertreffen die dreieinhalb Jahre um 30 bzw. 75 Tage, anscheinend ein Zeichen dafür, dass zwischen dem Gericht über den „Fürsten“ und dem vollen Segen Israels eine Periode von 75 Tagen verstreichen wird, ein bedeutendes Ereignis, vielleicht die Vernichtung der belagernden Feinde, wird nach diesen 30 Tagen stattfinden.

Die andere Prophezeiung steht in Matthäus 24,15–31: „Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, stehen seht an heiligem Ort – wer es liest, beachte es –, dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge fliehen; ... denn dann wird große Drangsal sein, wie sie seit Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nicht wieder sein wird. Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch errettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. Dann, wenn jemand zu euch sagt: ‚Siehe, hier ist der Christus!‘, oder: ‚Hier!‘, so glaubt es nicht. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. ... Sogleich aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden alle Stämme des Landes weh-klagen, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit. Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende“ (Mt 24,15–31).

All diese Prophezeiungen beziehen sich auf die gleiche Reihe von Ereignissen. In dreien wird entweder der Gräuel der Verwüstung oder das Ende des beständigen Opfers mit der nachfolgenden Drangsal ausdrücklich erwähnt. In der anderen, der Vision von dem kleinen Horn, ist unschwer zu erkennen, um wen es sich handelt. Er ist der Herrscher, der in der letzten Phase des Römischen Reiches regiert. Beide bleiben bis zum Messianischen Reich und werden dann vernichtet. Das kleine Horn „wird darauf sinnen, Zeiten und Gesetz zu ändern“, der Fürst bringt durch sein Handeln alle Gläubigen dazu, aus Jerusalem zu fliehen; das kleine Horn wird „die Heiligen der höchsten Örter vernichten“. Des Fürsten große Macht zum Bösen wird eine halbe Woche dauern, das kleine Horn verfolgt seine lästerlichen Ziele „eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit“. In Bezug auf Nationalität, Charakter, Zielsetzung, Schicksal, Dauer der Macht und geschichtlicher Zeitabschnitt sind der kommende Fürst und das kleine Horn identisch.

Wir können uns nun ein schwaches Bild von dieser dunklen Zeit machen. Zu Beginn der letzten „Woche“ schließt der Fürst, der die letzte Epoche des wieder erstandenen Römischen Reiches regiert, einen Bund mit der Masse der Juden, die dann nach Jerusalem zurückgekehrt sind, ihren Tempel wieder aufgebaut und ihren Opferdienst wieder eingeführt haben werden. Eine Minderheit jedoch, Heilige oder Auserwählte, lehnt dieses Bündnis ab und ist deshalb der härtesten Verfolgung ausgesetzt. Nach dreieinhalb Jahren beendet der Fürst den Opferdienst, lästert Gott und ändert Zeiten und Gesetze. Es werden auch falsche Christi aufstehen, große Wunder wirken und alle, bis auf die Auserwählten, verführen. Als krönenden Akt des Bösen wird der Fürst einen Gräuelgötzen einbringen, der verheerendes Gericht bringen wird. Dann werden die Heiligen, ohne einen Moment zu zögern, aus Jerusalem fliehen. Es folgt die Stunde unsagbarer Drangsal, eine Zeit, die bei längerer Dauer die gesamte Rasse vernichten würde. Aber um der Auserwählten willen, ist diese Periode verkürzt. Nach einem schrecklichen Aufruhr der Nationen, erscheint der Sohn des Menschen und der Fürst, „der Verwüster“, wird in dem zuvor angekündigten Gericht vernichtet. Danach werden die Nationen und die abtrünnigen Juden gerichtet und die auserwählten Israeliten, die noch über die Erde zerstreut sind, gesammelt. Es folgt die endgültige Errichtung des Messianischen Reiches zusammen mit den Auserwählten oder Heiligen der höchsten Örter, die der Fürst kurz zuvor noch verfolgt hatte.

Ein Abschnitt aus den Briefen Paulus‘ hilft uns, diesen Gegenstand besser zu verstehen. Wir haben gesehen, dass der Begriff „Tag des Herrn“ gelegentlich im Alten Testament für Zeiten großer Drangsal und Gericht verwendet wurde. Dies ist eine Art Vorschattung des Gerichts und der Vergeltung am tatsächlichen Tag. Die Thessalonicher, die eine Zeit schlimmer Prüfung durchlebten, wurden durch einen gefälschten Brief davon überzeugt, dass „der Tag des Herrn da wäre“ (2. Thess 2,2). Der Apostel versichert ihnen: „Dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens, der widersteht und sich erhöht über alles, was Gott heißt oder verehrungswürdig ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst darstellt, dass er Gott sei. Erinnert ihr euch nicht, dass ich dies zu euch sagte, als ich noch bei euch war? Und jetzt wisst ihr, was zurückhält, damit er zu seiner Zeit offenbart wird. Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur ist jetzt der da, der zurückhält, bis er aus dem Weg ist, und dann wird der Gesetzlose offenbart werden, den der Herr Jesus verzehren wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten wird durch die Erscheinung seiner Ankunft, ihn, dessen Ankunft nach der Wirksamkeit des Satans ist, in aller Macht und allen Zeichen und Wundern der Lüge und in allem Betrug der Ungerechtigkeit denen, die verloren gehen, darum, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen, damit sie errettet würden. Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irr-wahns, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit“ (2. Thess 2,3–12).

Der hier beschriebene Mensch hat große Ähnlichkeit mit dem kleinen Horn. Er ist genauso böse und lästerlich, lebt zur gleichen Zeit, vor dem Kommen des Herrn, und wird zur gleichen Zeit vernichtet „durch die Erscheinung seiner Ankunft“. Er sitzt im Tempel Gottes, der, wie wir bereits gesehen haben, zu diesem Zeitpunkt in Jerusalem wiederaufgebaut wurde, und wenn er nicht selbst „der Fürst“ ist, so muss er mit diesem verbündet sein. Er hat jedoch Machtbefugnisse, die niemals dem Fürsten zugeschrieben wurden, insbesondere die Macht, Wunder zu tun. Er ist daher wahrscheinlich der Anführer der von Matthäus genannten falschen Christi, dessen Wundertaten alle bis auf die Auserwählten verführen. Dieser Verführer wird von der Masse der Juden angenommen und ist Teil des Bündnisses mit dem Fürsten, dessen geschichtlichen Verlauf wir schon betrachtet haben. Zur Zeit Paulus‘ war zwar der Same des Bösen und der Lästerung bereits gesät, sein Wachstum wurde jedoch durch eine Person kontrolliert, die die gleiche zurückhaltende Macht ausüben würde, bis „er aus dem Weg ist“. Diese Person kann nur der Heilige Geist sein, der sich hier auf der Erde für die Gläubigen verwendet. Nach der Entrückung der Kirche wird diese Beschränkung durch den Geist aufhören. Wenn „er aus dem Weg ist, ... dann wird der Gesetzlose offenbart werden“ in seiner ganzen satanischen Macht. Er wird sein teuflisches Geschick darauf verwenden, nicht nur die Masse der Juden, sondern auch die abgefallene Christenheit, die den wahren Christus abgelehnt haben, zu verführen, die nun „einer wirksamen Kraft des Irrwahns“ überlassen werden, „dass sie der Lüge glauben“.

In der Offenbarung jedoch werden die Ereignisse dieser dunklen Tage noch viel detaillierter beschrieben. Besonders erwähnt wird die lästerliche Auflehnung des Fürsten und des Menschen der Sünde gegenüber Gott. Dieses Buch, dessen Studium mit besonderem Segen verbunden ist, zeigt uns den Herrn Jesus in einem Charakter, der sich sehr von dem unterscheidet, wie Er uns in den Briefen vorgestellt wird. Er ist „der treue Zeuge ..., der Erstgeborene der Toten und der Fürst der Könige der Erde“. Er wird hier nicht als das Haupt des Leibes gesehen, sondern als der Richter, „der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt“, und wenn das seine Haltung selbst der Kirche gegenüber ist, so ist seine Haltung gegenüber der Welt noch mehr von Gericht geprägt. Er sitzt nicht länger zur Rechten Gottes, darauf wartend, bis seine Feinde gelegt sind als Schemel seiner Füße, sondern als Sohn des Menschen, dem das ganze Gericht übergeben wurde, ist Er aufgestanden, um die Nationen mit eisernem Zepter zu zertrümmern und wie ein Töpfergefäß in Stücke zu zerschmettern. Das Thema dieses Buchs kann man den ersten Worten nach dem Grußwort zu Anfang entnehmen. Es ist die Erfüllung der Prophezeiung Sacharjas bezüglich des Offenbarwerdens Jesu gegenüber der Welt: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, die ihn durchstochen haben, und wehklagen werden seinetwegen alle Stämme des Landes“ (Off 1,7). Diese Prophezeiung wird, wie wir gesehen haben, nicht am Ende der Welt erfüllt, sondern dann, wenn Juda wiederhergestellt und gesegnet wird.

Das Buch ist in drei Teile unterteilt: „Schreibe nun das, was du gesehen hast und was ist und was nach diesem geschehen wird“ (Off 1,19). Was Johannes gesehen hatte, waren die Dinge, über die in der Vision des ersten Kapitels berichtet wurde. Das „was ist“ bezieht sich auf die Kirche und wird in den sieben Briefen des zweiten und dritten Kapitels beschrieben. „Was nach diesem geschehen wird“ (d. h. nach dem Ende dessen „was ist“), sind die Visionen und Prophezeiungen des restlichen Buchs. Es mag sein, dass diese bereits teilweise erfüllt wurden, die Frage ist, ob ihre wahre und vollkommene Erfüllung bereits geschehen oder noch zukünftig ist.

Die Sendschreiben des zweiten und dritten Kapitels beschreiben zwar die sieben Versammlungen in Kleinasien, sind jedoch als Warnung und Ermahnung durch alle Epochen gedacht. Die letzten vier beschreiben die Zustände der Kirche bis zu dem Kommen des Herrn. So schreibt der Herr an Sardes: „So werde ich kommen wie ein Dieb“ (Off 3,3), an die treue Gemeinde in Philadelphia: „Ich komme bald“ (V. 11), an das laue Laodizäa: „So ... werde ich dich ausspeien aus meinem Mund“ (V. 16), den falschen Lehrern in Thyatira droht Er mit „großer Drangsal“, den Treuen, die standhaft geblieben sind „bis ich komme“, verspricht Er, dass sie mit Ihm herrschen werden (Off 2,22.25–27). Dass so häufig darauf hingewiesen wird, welche Auswirkungen das Kommen des Herrn für die bekennende Kirche hat, zeigt, dass der Geist hier nicht nur die Versammlungen in Kleinasien vor Augen hat, sondern den Zustand der Christenheit bis zu ihrem Ende. Tatsächlich umfasst das „was ist“ den ganzen Zeitraum der Kirchengeschichte. Wenn das so ist, müssen mit „was nach diesem geschehen wird“ Ereignisse gemeint sein, die nach der Entrückung der Kirche stattfinden.

Es gibt jedoch noch weitere Beweise. Wir werden feststellen, dass von dem Zeitpunkt, wo die Kirche im Himmel ist, sie in der nachfolgenden Drangsalszeit nicht mehr auf der Erde gesehen wird und dass diese Drangsale in hohem Maß mit den Wehen der letzten Woche vor der Wiederherstellung Israels und dem Reich des Messias übereinstimmen. Kapitel 4 und 5 öffnen den Himmel und zeigen 24 Älteste „bekleidet mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern goldene Kronen“ (Off 4,4). Das ist nicht charakteristisch für Engel, sondern für Heilige. Den Aposteln wurde gesagt, dass sie auf Thronen sitzen würden (Mt 19,28) und den Überwindern in Laodizea wurde das Versprechen gegeben: „Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron“ (Off 3,21). Derartiges wird nie von Engeln gesagt, diese sind, im Gegenteil, immer „dienstbare Geister“. Den Überwindern in Sardes wird auch gesagt „und sie werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern“ (Off 3,4.5). Es sind auch die weißen Kleider, zu deren Kauf die lauen Laodizeer angehalten werden „damit die Schande deiner Blöße nicht offenbar wird“ (Off 3,18). Danach wird die Kirche gesehen gekleidet „in feine Leinwand, glänzend und rein; denn die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten der Heiligen“ (Off 19,8). Auch Kronen werden den Heiligen versprochen, die Aufforderung an die Versammlung in Smyrna lautete: „Sei getreu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben“ (Off 2,10), während eine goldene Krone besonders zu denen passt, die mit Christus herrschen sollen. Diese Ältesten unterscheiden sich außerdem dadurch von den Engeln, indem sie in dem Lied, das sie alleine singen, vor allem von der Erlösung sprechen. Es heißt: „Du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation, und hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!“, während in dem Lied der Engel, die Würde und Herrlichkeit Christi gepriesen wird, von der Erlösung wird allerdings nichts gesagt (Off 5,9–12). Diese gekrönten Ältesten repräsentieren demnach die Erlösten in himmlischer Herrlichkeit. Sie sind nicht bloß Seelen im Paradies mit Jesus. Die Seelen der Heiligen, die danach auf Grund des Wortes Gottes getötet werden, werden zwar gegenwärtig gesehen, ihr Status ist aber ein völlig anderer. Die Kirche wird daher entrückt werden, bevor das Gericht über die Erde, das in den folgenden Kapiteln näher beschrieben wird, beginnt.

Diese Gerichte werden nacheinander ausgeführt, nachdem ein bestimmtes versiegeltes Buch geöffnet wurde. Das Buch wird von Gott an Christus übergeben. Es ist bemerkenswert, dass Christus in Gegenwart der Ältesten als das Lamm wie geschlachtet erscheint, aber wenn Er das Buch nimmt, tut Er dies als der „Löwe, der aus dem Stamm Juda ist, die Wurzel Davids“ (Off 5,5). Den Erlösten erscheint Er als Erlöser, wenn Er die irdischen Gerichte anordnet, wird Er jedoch ausschließlich in seinem jüdischen Charakter gesehen. Jetzt ist die Zeit des Ausharrens des Christus, die Zeit, auf die hier Bezug genommen wird, ist der Tag seiner Vergeltung, wenn Er von dem Thron des Vaters aufstehen wird und der „große Tag seines Zorns“ gekommen ist.

Die ersten vier Siegel zeigen Den, der auszog „siegend und damit er siegte“, gefolgt von einem weltweiten Krieg, der Frieden wird von der Erde genommen, damit die Menschen sich töten; es gibt eine große Hungersnot und etwas später eine umfassende Zerstörung und Verwüstung, symbolisiert durch die Macht, die dem Tod und dem Hades gegeben werden „über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger und mit Tod und durch die wilden Tiere der Erde“. Das fünfte Siegel zeigt die Seelen derer, die „um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten“ getötet worden waren. Dem Öffnen des sechsten Siegels folgt ein Erdbeben „und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum, geschüttelt von einem starken Wind, seine unreifen Feigen abwirft. Und der Himmel entwich wie eine Buchrolle, die zusammengerollt wird“ (Off 6,12–14). Die Könige und das Volk werden sich „in die Höhlen und in die Felsen der Berge“ verbergen um dem zu entkommen: „dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes; denn gekommen ist der große Tag seines Zorns, und wer vermag zu bestehen?“ (Off 6).

Auf welche Zeit in der Weltgeschichte trifft diese Beschreibung zu? Es ist nicht, wie es vielleicht den Anschein hat, das Ende der Welt, denn das Buch führt unmittelbar darauf eine lange Liste aufeinanderfolgender Gerichte auf. Gibt uns die Schrift eine Antwort auf die Frage, wann die hier genannten Drangsale stattfinden werden? Wir werden sehen, dass die sechs Wehen, die das Öffnen der ersten sechs Siegel bringen wird, der Schilderung unseres Herrn vom „Anfang der Wehen“, die seinem Kommen und dem Ende der Welt vorausgehen werden, auffallend ähnlich ist. „Denn Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und Hungersnöte [und Seuchen] und Erdbeben werden an verschiedenen Orten sein. Dies alles aber ist der Anfang der Wehen. Dann werden sie euch der Drangsal überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen“ (Mt 24,7–9). Aber neben diesen eindrucksvollen Parallelen zwischen den Ereignissen, die in der Offenbarung angekündigt werden und den Ereignissen, von denen unser Herr sagt, dass sie vor seinem Kommen stattfinden werden, gibt es noch andere Merkmale, die zeigen, dass das die Zeit ist, um die es geht. Wir haben bereits gesehen, dass die Kirche im Himmel ist. Somit sind die Seelen unter dem Altar nicht die Seelen gläubiger Märtyrer, sondern die Seelen derer, die nach der Entrückung der Kirche aufgrund ihres Glaubens getötet wurden. Es sind gläubige Juden, die umgebracht wurden und die „von allen Nationen gehasst werden“ um des Namens des Messias willen. Das Gebet des christlichen Märtyrers ist: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu“ (Apg 7,60). Diese Märtyrer beten: „Bis wann, o Herrscher, der du heilig und wahrhaftig bist, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?“ (Off 6,10). Ersteres stimmt mit der Haltung des Christen in der Zeit der Kirche überein. Letzteres passt zu seiner Haltung, wie die Psalmen und Propheten zeigen, „wenn er sich aufmacht, um die Erde zu schrecken“ und sein gerechtes Gericht über die Nationen auszuführen. Vergleichen wir einmal die sechs Siegelgerichte mit den folgenden Passagen aus den Propheten: „Und ich werde Wunder geben im Himmel und auf der Erde: Blut und Feuer und Rauchsäulen; die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln und der Mond in Blut, ehe der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare“ (Joel 3,3–4). Und auch: „Und das ganze Heer der Himmel zerschmilzt; und die Himmel werden zusammengerollt wie ein Buch; und ihr ganzes Heer fällt herab, wie das Laub vom Weinstock abfällt und wie das Verwelkte vom Feigenbaum ... Denn der HERR hat einen Tag der Rache, ein Jahr der Vergeltungen für die Rechtssache Zions“ (Jes 34,4–8). Eine weitere Stelle: „Und der Hochmut des Menschen wird gebeugt und die Überheblichkeit der Männer erniedrigt werden; und der HERR wird hoch erhaben sein, er allein, an jenem Tag. ... Und die Götzen werden ganz und gar verschwinden. Und man wird sich in Felsenhöhlen und in Erdlöcher verkriechen vor dem Schrecken des HERRN und vor der Pracht seiner Majestät“ (Jes 2,17–19). In diesen Prophezeiungen finden wir fast genau die gleiche Sprache wie in der Offenbarung. Welche Periode beschreiben diese Verse denn jeweils? Die Gerichte, die dem Kommen des Tages des Herrn und der Errettung Israels vorausgehen bzw. mit ihm einhergehen. Auf diesen Zeitabschnitt bezieht sich also die Offenbarung. Der Herr Jesus selbst gebraucht in Bezug auf die gleiche Zeit ähnliche Worte; Worte, die offensichtlich dazu dienen sollen, seine Jünger an die Worte des Propheten zu erinnern. Er sagt: „Sogleich aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden alle Stämme des Landes wehklagen, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit“ (Mt 24,29–30). Obwohl ich diese Verse bereits zuvor zitiert habe, erwähne ich sie hier noch einmal, um die bemerkenswerte Übereinstimmung der Worte unseres Herrn und der Offenbarung mit den prophetischen Äußerungen des Alten Testaments zu zeigen – eine Übereinstimmung, die irreführend und unglaubhaft wäre, wenn die verwendeten Ausdrücke sich nicht auf das gleiche Ereignis beziehen würden. Die Prophezeiungen der früheren Schreiber und die Worte unseres Herrn schildern eindeutig die Zeit unmittelbar vor der herrlichen Ankunft des Messias, wenn Er kommt, um Gericht zu üben und seine Gerechtigkeit einzuführen, wenn Er die Nationen mit eisernem Zepter zerschmettern und den gläubigen Überrest seines Volkes von ihrer Not und ihrem Elend erlösen wird. Es kann daher kein Zweifel daran bestehen, dass das auch die Zeit ist, von der die Offenbarung hier spricht.

Jetzt kommt eine Pause bis die Knechte Gottes an ihren Stirnen versiegelt werden. Wer sind denn diese Knechte Gottes? Wenn die Kirche noch auf der Erde wäre, würde sie mit Sicherheit an dieser Stelle erwähnt werden. Aber kein Wort über sie, im Gegenteil: diese Knechte sind ausschließlich aus den zwölf Stämmen Israels. Dann erscheint, zusammen mit ihnen, eine Volksmenge aus allen Nationen; dennoch bleibt Israel die zentrale Figur dieser Szene wie auch im tausendjährigen Reich. Diejenigen, die dieses Reich erreichen, werden beschrieben als die „die aus der großen Drangsal kommen“ (Off 7,14). Nun ist die „große Drangsal“ diese schreckliche Zeit, die Daniel am Ende beschreibt. „Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, der im Buch geschrieben gefunden wird“ (Dan 12,1). Der Herr sagt, dass diese Zeit unmittelbar vor dem Moment sein wird, wenn der „Sohn des Menschen“ kommt „auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit“ (Mt 24,29–30). Diese Zeit wird „um der Auserwählten willen“ verkürzt werden, sonst würde kein Fleisch errettet werden. Sie werden in einen wunderbaren Zustand des Segens eingehen, wenn Gott „jede Träne von ihren Augen abwischen“ wird. Der Herr wird „die Tränen von jedem Angesicht abwischen, und die Schmach seines Volkes wird er wegnehmen von der ganzen Erde“ (Jes 25,8). Das Ereignis beschreibt also offensichtlich den Moment, wenn Israel aus unbeschreiblicher Drangsal in die Herrlichkeit und den Segen des Messianischen Königreiches eingeht.

Der Geist, der uns hier einen wunderbaren Einblick davon gegeben hat, welcher Segen die erwartet, die durch diese Zeit der Erprobung gegangen sind, kehrt nun wieder zu den noch ausstehenden Gerichten über die Erde zurück. Damit müssen wir uns hier nicht näher beschäftigen, in Kapitel 10 finden wir jedoch einen wichtigen zeitlichen Hinweis: Ein mächtiger Engel, „den ich auf dem Meer und auf der Erde stehen sah erhob seine rechte Hand zum Himmel und schwor bei dem, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, der den Himmel erschuf und das, was in ihm ist, und die Erde und das, was auf ihr ist, und das Meer und das, was in ihm ist, dass keine Frist mehr sein wird,“ – das heißt, kein weiterer Aufschub – „sondern in den Tagen der Stimme des siebten Engels, wenn er posaunen wird, ist auch das Geheimnis Gottes vollendet, wie er seinen Knechten, den Propheten, die gute Botschaft verkündigt hat“ (Off 10,5–7). Das ist der Charakter, in dem sich Gott Abraham und den Juden zeigt und nicht die Beziehung, in der Er zu der Kirche steht. In diesem Charakter verkündet Gott also durch Engel, dass die Erfüllung der Absichten, die „er seinen Knechten, den Propheten, ... verkündigt hat“ kurz bevorsteht. Die Absichten, die Gott den Propheten offenbart hatte, betrafen jedoch nicht die Kirche, sondern handelten von der Wiederherstellung seines auserwählten Volkes, dem herrlichen Reich seines Gesalbten auf der Erde und von den Gerichten, die zuvor über die Welt kommen würden. Wie wir bereits festgestellt haben, ist das die Zeit, von der die Offenbarung spricht.

Von dieser Zeit – dem Ende der „Zeit der Nationen“ und der siebzigsten Jahrwoche Daniels – werden uns ganz bestimmte Merkmale gezeigt. Wir haben zuvor gesehen, dass die Juden zu diesem Zeitpunkt bereits nach Jerusalem zurückgekehrt sein werden, dass es einen „Tempel Gottes“ gibt, in dem ein Betrüger sitzt, der „sich selbst darstellt, dass er Gott sei“, dass der wieder eingeführte Opferdienst von dem Anführer der Nationen auf heimtückische Weise wieder beendet wird und dass dieser Herrscher des wieder aufgerichteten Römischen Reiches von Jerusalem Macht ausüben und einen Bund mit der Masse des jüdischen Volkes schließen wird, während er den auserwählten Überrest, der auf das Kommen des Messias wartet, gnadenlos verfolgen wird. Gibt uns die Offenbarung irgendwelche Zeichen dieser Zeit? Unmittelbar nachdem die Stimme des Engels die rasche Erfüllung der Absichten Gottes, die Er den Propheten gegenüber erklärt hatte, verkündet hat, sagt der Apostel: „Und es wurde mir ein Rohr, gleich einem Stab, gegeben und gesagt: Steh auf und miss den Tempel Gottes und den Altar und die, die darin anbeten. Und den Hof, der außerhalb des Tempels ist, wirf hinaus und miss ihn nicht; denn er ist den Nationen gegeben worden, und sie werden die heilige Stadt 42 Monate zertreten. Und ich werde meinen zwei Zeugen Kraft geben, und sie werden 1 260 Tage weissagen, mit Sacktuch bekleidet. ... Diese haben die Gewalt, den Himmel zu verschließen, damit während der Tage ihrer Weissagung kein Regen falle; und sie haben Gewalt über die Wasser, sie in Blut zu verwandeln, und die Erde zu schlagen mit jeder Plage, sooft sie nur wollen. Und wenn sie ihr Zeugnis vollendet haben, wird das Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt, Krieg mit ihnen führen und wird sie überwinden und sie töten“ (Off 11,1–7). Das wird in der Stadt stattfinden, in der „auch ihr Herr gekreuzigt wurde“ (V. 8). Hier finden wir alle Merkmale der letzten Woche Daniels: die Juden sind nach Jerusalem zurückgekehrt, der Tempel wurde wiederaufgebaut; es gibt einen Altar und Anbeter, ein Hinweis darauf, dass der Opferdienst wieder eingeführt wurde; gleichzeitig steht die Stadt unter heidnischer Herrschaft, die treuen Zeugen Gottes werden verfolgt und einer wird als Tier beschrieben, der, wie das kleine Horn in Daniel, Krieg gegen die Heiligen führt und über sie herrscht. Gewiss stimmen auch die 42 Monate und die 1260 Tage nicht zufällig mit der halben Woche überein, wenn der kommende Fürst sich mit den abtrünnigen Juden verbündet und Zeiten und Zeitpunkte ändert. Die zwei Zeugen haben außerdem einen jüdischen Charakter, der an Mose und Elia erinnert und der vollkommen gegensätzlich zu den Kennzeichen eines christlichen Lehrers ist.

Die Übereinstimmung der hier beschriebenen Periode mit dem, was in Daniel erwähnt wird, tritt noch deutlicher zutage, wenn wir uns mehr mit dem „Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt“ beschäftigen. Bis dahin gibt Gott uns einen anderen Hinweis auf seinen Plan inmitten all dieser Wehen und Gerichte. Als der siebte Engel die Posaune ertönen lässt „geschahen laute Stimmen in dem Himmel, die sprachen: Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Off 11,15). Das sind dann die Gerichte, die der Herrschaft Christi über die Erde vorausgehen werden. „Die Nationen sind zornig geworden, und dein Zorn ist gekommen“ (V. 18) – das ist genau das, was der zweite Psalm über den Zustand auf der Erde vor Beginn des Messianischen Reiches sagt.

Aber wenn die hier beschriebene Zeit das ist, was wir vermutet haben, dann sollte es auch Hinweise eines göttlichen und verfolgten Überrestes geben, der, getrennt von der Masse der Juden, die Rückkehr des Herrn zu ihrer Erlösung erwartet. Gibt es denn solche Hinweise? In Kapitel 12 sehen wir eine „Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupt war eine Krone von zwölf Sternen. Und sie ist schwanger und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen zu gebären. Und es erschien ein anderes Zeichen in dem Himmel: Und siehe, ein großer, feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner hatte und auf seinen Köpfen sieben Diademe; und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels mit sich fort; und er warf sie auf die Erde. Und der Drache stand vor der Frau, die im Begriff war zu gebären, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind verschlänge. Und sie gebar einen Sohn, ein männliches Kind, der alle Nationen weiden soll mit eiserner Rute; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron. Und die Frau floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort ernähre 1 260 Tage“ (Off 12,1–6). Und nach diesem wird der Drache, Satan, der als der Ankläger Zugang zum Himmel hatte, hinausgeworfen und kommt auf die Erde – mit großer Wut, da er weiß, dass er wenig Zeit hat. Sein besonderes Hassobjekt ist die Frau, die vor ihm flieht und „eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit“ unter dem Schutz Gottes verborgen wird. Nun ist es eindeutig, dass das männliche Kind, das alle Nationen mit eiserner Rute regieren sollte, Christus ist. Die Frau ist offensichtlich nicht seine natürliche Mutter, sondern die Nation, aus der Er dem Fleisch nach kam. Aber „nicht alle, die aus Israel sind, diese sind Israel“ und diese Frau symbolisiert nicht die abgefallene Nation als ganze, sondern das Herzstück, Gottes wahres auserwähltes Israel. Zuerst versucht Satan, ihren Samen, der besonders Gegenstand seiner Boshaftigkeit ist, zu vernichten. Aber obwohl die Schlange am Kreuz seine Ferse verletzte, obwohl Er durch den Tod ging, konnte Er unmöglich im Tod gehalten werden und wurde als Herr und Christus in den Himmel aufgenommen. Nun ist die Zeit der Kirche vorbei. Israel, wie es war, ist in dieser Zeit in Gottes Gedanken außen vor. Es tritt erst wieder in den 1260 Tagen auf den Plan, wenn Satan in dem Wissen, dass er wenig Zeit hat, seine ganze Kraft darauf verwendet es zu zerstören, während Gott eingreift, um es zu beschützen. Es wird daran erinnert, dass, wenn der Gräuel der Verwüstung in der Hälfte der Woche eingeführt wird, die Treuen die Warnung erhalten, sofort aus der Stadt zu fliehen. Wie genau stimmt das hinsichtlich der Zeit und der Umstände mit der Flucht der Frau in diesem Kapitel überein.

Aber die Übereinstimmung endet hier nicht. Kapitel 13 zeigt uns die irdischen Mittel, die Satan für seine Verfolgung benutzt. Das erste ist „ein Tier“, das aus dem Meer heraufsteigt und „zehn Hörner und sieben Köpfe hatte, und auf seinen Hörnern zehn Diademe, und auf seinen Köpfen Namen der Lästerung. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Leoparden, und seine Füße waren wie die eines Bären, und sein Maul war wie das Maul eines Löwen. Und der Drache gab ihm seine Macht und seinen Thron und große Gewalt. Und ich sah einen von seinen Köpfen wie zum Tod geschlachtet. Und seine Todeswunde wurde geheilt, und die ganze Erde verwunderte sich über das Tier. ... Und ihm wurde ein Mund gegeben, der große Dinge und Lästerungen redete; und ihm wurde Gewalt gegeben, 42 Monate zu wirken. Und es öffnete seinen Mund zu Lästerungen gegen Gott, seinen Namen zu lästern und seine Hütte [und] die, die ihre Hütte in dem Himmel haben. Und ihm wurde gegeben, mit den Heiligen Krieg zu führen und sie zu überwinden“ (Off 13,1–7).

Dieses „Tier“ vereint daher die Charakteristiken aller Tiere aus Daniel – des Löwen, des Bären, des Leoparden und des Tieres mit den zehn Hörnern, wobei es besondere Ähnlichkeit mit dem letztgenannten hat. Es wird jedoch umgestaltet und auffallende Ähnlichkeit mit dem großen roten Drachen haben, das heißt, es verkörpert die grundlegenden Merkmale der heidnischen Mächte, hat aber im Großen und Ganzen römischen Charakter. Die Veränderung findet nur statt, um die bedeutendsten Charakterzüge satanischer Autorität darzustellen. Es gibt aber Unterschiede im Detail zu den vier Tieren in Daniel: bestimmte Eigenschaften finden wir in Daniel, die in der Offenbarung nicht genannt werden und umgekehrt. Es steht allerdings außer Frage, dass es sich dabei um dieselbe Macht handelt, jedoch in anderer Gestalt, damit der satanische Charakter offenbar wird. In Kapitel 17 tritt es erneut auf als scharlachrotes „Tier ..., voller Namen der Lästerung, das sieben Köpfe und zehn Hörner hatte“, auf seinem Rücken eine Frau „trunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu“ (V. 6). Diese Frau wird beschrieben als „die große Stadt, die das Königtum hat über die Könige der Erde“ (V. 18). Die sieben Köpfe haben eine doppelte Bedeutung: erstens, sind damit die „sieben Berge, auf denen die Frau sitzt“ gemeint, zweitens, die sieben Könige oder sieben Regierungsformen, wovon fünf in der Vergangenheit liegen, während das Tier selbst den Charakter der sieben Regierungsformen in sich vereint und damit die achte Form bildet (V. 9–11). Die Stadt ist Rom, die Siebenhügelstadt regiert über die Könige der Erde. Das Tier ist die wiederbelebte römische Macht, eine Macht, die „war und nicht ist und da sein wird“, wie wir in Vers 8 lesen.

Wenn wir zu der Beschreibung in Kapitel 13 gehen, sehen wir, wie exakt es in seinem moralischen Charakter mit der in Daniel beschriebenen letzten Form der römischen Macht übereinstimmt. In beiden Fällen gibt es zehn Hörner, die zehn Könige symbolisieren, obwohl in der Offenbarung ihre Verbindung unter der Leitung des Tieres noch deutlicher zutage tritt. Beide lästern Gott, beide verfolgen die Heiligen der höchsten Örter. Das eine besteht „eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“, das andere 42 Monate, d. h. beide bleiben jeweils für dreieinhalb Jahre bzw. die schon häufig erwähnte halbe Woche jüdischer Drangsal und heidnischer Gesetzlosigkeit. Wir sehen nun, wen Satan, der seine Macht dem Tier gegeben hat, benutzt, um die Frau zu verfolgen, die für „eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit“ in die Wüste flieht.

Aber Satan hat noch ein anderes Instrument: „Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde heraufsteigen: Und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm, und es redete wie ein Drache. Und die ganze Gewalt des ersten Tieres übt es vor ihm aus, und es bewirkt, dass die Erde und die, die auf ihr wohnen, das erste Tier anbeten, dessen Todeswunde geheilt wurde. Und es tut große Zeichen, so dass es sogar Feuer vom Himmel auf die Erde herabkommen lässt vor den Menschen; und es verführt die, die auf der Erde wohnen, wegen der Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben wurde“ (Off 13,11–14). Ist darin nicht eindeutig der Anführer der „falschen Christi“ zu sehen, der in den letzten schlimmen Tagen der Drangsal auftritt und mit seinen Zeichen und Wundertaten alle bis auf die Auserwählten verführt? Die Ähnlichkeit zwischen diesem falschen Propheten, wie er nachher genannt wird, und dem „Mensch der Sünde“, „dessen Ankunft nach der Wirksamkeit des Satans ist, in aller Macht und allen Zeichen und Wundern der Lüge“ ist unübersehbar. In der Offenbarung wird nichts davon gesagt, dass dieser falsche Christus in Jerusalem ist, aber das ist der Ort, wo falsche Christi zu erwarten sind, und außerdem setzt sich der Mensch der Sünde in den Tempel Gottes. Dass das Tier des Römischen Reiches Macht in Jerusalem ausübt, geht aus dem Bericht der zwei Zeugen hervor, die in der Stadt getötet werden, „wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde“ (Off 11,7–8).

Der falsche Prophet verführt „die, die auf der Erde wohnen, wegen der Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben wurde, indem es die, die auf der Erde wohnen, auffordert, ein Bild dem Tier zu machen, das die Wunde des Schwertes hat und wieder lebendig wurde. Und es wurde ihm gegeben, dem Bild des Tieres Odem zu geben, damit das Bild des Tieres sogar redete und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten“ (Off 13,14–15). Wo dieses Bild aufgestellt werden wird, erfahren wir nicht. Aber da der Mensch der Sünde als der falsche Messias im Tempel Gottes sitzt und deshalb in Verbindung zu den Juden steht – welche die Gegenwart Christi in seinem Tempel in Jerusalem erwarteten – und der Beginn der Lästerungen des Tieres und seiner teuflischen Macht zeitgleich mit der Errichtung des Gräuels der Verwüstung am heiligen Ort stattfindet, ist es sehr wahrscheinlich, dass dieses, auf wundersame Weise sprechende Bild, der Gräuel oder Götze ist, den der Prophet vorhergesagt hatte und mit dessen Errichtung alle Heiligen zur Flucht aus der Stadt getrieben werden.

Das Gericht über Babylon, das korrupte kirchliche System, das nach der Entrückung aller wahren Gläubigen übrig bleibt, ist hier nicht Gegenstand der Betrachtung. In Kapitel 16 sehen wir „aus dem Mund des Drachen und aus dem Mund des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, wie Frösche ... die zu den Königen des ganzen Erdkreises ausgehen, um sie zu versammeln zu dem Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“ (Off 16,13–14). Das ist genau das, was wir in Psalm 2 lesen: „Die Könige der Erde treten auf, und die Fürsten beraten miteinander gegen den HERRN und gegen seinen Gesalbten: ‚Lasst uns zerreißen ihre Fesseln und von uns werfen ihre Seile!‘“ Dann wird der Herr aufstehen und die Nationen Christus als Erbteil geben, um sie mit eisernem Zepter zu zerschmettern. Christus erscheint mit den himmlischen Heerscharen, der Kirche, auf einem weißen Pferd, dem Symbol siegreicher Macht. „Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um den Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinem Heer. Und das Tier wurde ergriffen und der falsche Prophet, der mit ihm war, der die Zeichen vor ihm tat, womit er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen und die sein Bild anbeteten – lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt“ (Off 19,19–20). Das ist das schreckliche Schicksal dieses „Sohns des Verderbens“, des Gesetzlosen „den der Herr Jesus verzehren wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten wird durch die Erscheinung seiner Ankunft“ (2. Thess 2,8). Das ist das „Festbeschlossene“, das über „das Verwüstete ausgegossen werden“ wird.

Die Offenbarung geht nicht auf Gerichte über andere Feinde ein. Diese werden an verschiedenen Stellen in Sacharja, Daniel, Jesaja, Joel und in Matthäus 25 gezeigt. Der Gegenstand dieses Buchs ist, das, was die Propheten bereits über diese letzte und wahrlich teuflische Phase menschlicher Gesetzlosigkeit gesagt haben, zu ergänzen, und das Ende des lang andauernden Widerstands Satans gegenüber Gott zu berichten. Die Vernichtung des Tieres und des falschen Propheten wird ein Teil davon sein, das Binden Satans ein anderer. Das Alte Testament stellt den Messias vor, wie Er mit den Seinen herrscht, das sind jedoch die irdischen Heiligen. Die Offenbarung fügt die Herrschaft der himmlischen Heiligen hinzu. Neben den Heiligen, die beim Kommen Christi auferweckt oder entrückt wurden, werden die, „die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, die das Tier nicht angebetet hatten noch sein Bild“ in dem letzten Teil der ersten Auferstehung auferweckt, um mit Christus 1000 Jahre zu leben und zu herrschen (Off 20,4–5).

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