Setze einen König über uns
Eine Auslegung zum ersten Buch Samuel

Kapitel 31

Setze einen König über uns

Das letzte Kapitel unseres Bibelbuches beschreibt das Ende Sauls und damit auch das Ende der Verfolgung Davids. Es ist ein sehr trauriges Kapitel, in dem nahezu jeder Vers zeigt, wie schrecklich das Ende eines Menschen sein kann, der sich von Gott abgewandt und den Gott verworfen hat. Hier ein kurzer Überblick über die Ereignisse:

  • Sauls Armee wird verfolgt und geschlagen (V. 1).
  • Sauls Söhne werden getötet (V. 2).
  • Der Feind treibt Saul in die Enge und verwundet ihn (V. 3).
  • Saul begeht Selbstmord (V. 4).
  • Sauls Waffenträger begeht Selbstmord (V. 5).
  • Alle Männer Sauls sind tot (V. 6).
  • Die Philister belagern einige Städte Israels (V. 7).
  • Das Lager Israels und die Erschlagenen werden geplündert (V. 8).
  • Die Philister „feiern“ Sauls Tod (V. 9).
  • Sauls Leichnam wird öffentlich geschändet (V. 10).
  • Männer von Jabes-Gilead erweisen Saul Ehre (V. 11–12).

Das Ende Sauls und seiner Söhne

Die Philister aber kämpften gegen Israel; und die Männer von Israel flohen vor den Philistern, und Erschlagene fielen auf dem Gebirge Gilboa. Und die Philister setzten Saul und seinen Söhnen hart nach; und die Philister erschlugen Jonathan und Abinadab und Malkischua, die Söhne Sauls. Und der Kampf wurde heftig gegen Saul, und die Schützen erreichten ihn, Männer mit dem Bogen; und ihm wurde sehr angst vor den Schützen. Da sprach Saul zu seinem Waffenträger: Zieh dein Schwert und durchbohre mich damit, dass nicht diese Unbeschnittenen kommen und mich durchbohren und mich misshandeln! Sein Waffenträger aber wollte nicht, denn er fürchtete sich sehr. Da nahm Saul das Schwert und stürzte sich hinein. Und als sein Waffenträger sah, dass Saul tot war, da stürzte auch er sich in sein Schwert und starb mit ihm. So starben Saul und seine drei Söhne und sein Waffenträger, auch alle seine Männer zusammen an jenem Tag“ (V. 1–6).

Die Israeliten haben einen König gefordert, der ihre Kriege führen soll (vgl. Kap. 8,20). Gott hat ihrem Willen nachgeben und Saul als König eingesetzt. Saul bekommt dann von Gott den konkreten Auftrag, sein Volk aus der Hand der Philister zu retten (vgl. Kap. 9,16). Es ist eine große Aufgabe: „Der Kampf war heftig gegen die Philister alle Tage Sauls“, heißt es in Kapitel 14,52. Nach dem glorreichen Sieg Davids über Goliath ist der Krieg also noch nicht beendet. Immer wieder gibt es Konflikte mit den Philistern. Nun führt Saul seinen letzten Krieg gegen die Philister, und das Ergebnis ist eine große Niederlage. Damit endet die Regierung des Königs nach den Vorstellungen der Menschen.

Die Philister haben es in diesem Krieg besonders auf Saul und seine Söhne abgesehen. Sie setzen ihnen hart nach und erschlagen Jonathan, den Kronprinzen, sowie zwei seiner Brüder. Bis auf Isboseth (vgl. 2. Sam 2,8) sterben an diesem Tag alle Söhne Sauls. Auch für Saul wird die Lage immer gefährlicher. Da sind Bogenschützen, die ihn erreichen und ihm hart zusetzen, so dass er große Angst bekommt. Er selbst scheint keine Bogenschützen bei sich zu haben; diese sind – zumindest teilweise – zu David nach Ziklag gekommen (1. Chr 12,1–2). Saul ist verloren. Ganz anders verhält es sich mit Joseph, von dem Jakob in seinen Segensworten sagt: „Es reizen ihn und schießen, und es bekämpfen ihn die Bogenschützen; aber sein Bogen bleibt fest, und gelenkig sind die Arme seiner Hände durch die Hände des Mächtigen Jakobs“ (1. Mo 49,23.24) – eine Prophezeiung auf Christus, den kommenden König.

In seiner Verzweiflung weiß Saul weder aus noch ein und bittet seinen Waffenträger, ihn mit dem Schwert zu töten. Die Möglichkeit, in der Todesgefahr Zuflucht beim HERRN zu suchen, gibt es für Saul nicht mehr. Er will lieber von seinem Waffenträger getötet werden als von den „Unbeschnittenen“. Dieser Wunsch ist aus Sicht eines Königs in Israel gut nachvollziehbar, denn Israel ist ein Volk, das Gott für sich beiseitegestellt hat und das „sich nicht zu den Nationen rechnete“ (4. Mo 23,9). Die Frage ist nur, ob Saul sich jemals dieser Stellung entsprechend verhalten hat. Bis zum letzten Atemzug geht es ihm um seine eigene Ehre und um äußere Religiosität. Durch die Hände der Feinde misshandelt zu werden, ist für ihn unvorstellbar. Da greift er lieber zum Selbstmord, als dass er sich von den Philistern töten lässt. Was für ein schreckliches Ende dieses ersten Königs von Israel! Er wird der zweite Selbstmörder, von dem das Wort Gottes berichtet.1

Vielleicht denkt David an den Selbstmord Sauls, wenn er schreibt: „Der Gottlose sinnt gegen den Gerechten, und mit seinen Zähnen knirscht er gegen ihn. Der HERR lacht über ihn, denn er sieht, dass sein Tag kommt [vgl. 1. Sam 26,10]. Die Gottlosen haben das Schwert gezogen und ihren Bogen gespannt, um den Elenden und den Armen zu fällen, um hinzuschlachten, die in Geradheit wandeln. Ihr Schwert wird in ihr eigenes Herz dringen und ihre Bogen werden zerbrochen werden“ (Ps 37,12–15). Saul (der Gottlose) hat jahrelang David (den Gerechten, den Elenden und Armen) verfolgt. Jetzt tötet er sich selbst mit seinem Schwert.

Wer sich selbst das Leben nimmt, greift in die Rechte des Schöpfers ein, der uns für sich geschaffen hat (Kol 1,16). Ihm sind alle Menschen verantwortlich. „Niemand hat Macht über den Tag des Todes“ (Pred 8,8) und die Zeit des Menschen ist in der Hand Gottes (vgl. Ps 31,16). Diese Verse zeigen, wie ernst der Suizid ist, wenn er bei vollem Bewusstsein getan wird.2 Gott allein ist der Herr über Leben und Tod.

Samuels Worte haben sich genau erfüllt (1. Sam 28,19): Saul, seine Söhne, sein Waffenträger sowie sein ganzes Heer haben nicht überlebt. Gewiss sind darunter auch die 3000 auserlesenen Männer, die Saul begleitet haben. Sie haben die falsche Wahl getroffen und müssen jetzt sein Schicksal teilen. Gott steht zu seinem Wort und führt seine Pläne aus. Dass der Tod Sauls letztlich Gottes Gericht ist, wird später zweimal bestätigt: „Ich gab dir einen König in meinem Zorn und nahm ihn weg in meinem Grimm“, sagt Gott in Hosea 13,11. Und Stephanus sagt über Saul: „Nachdem er [Gott] ihn [Saul] weggetan hatte“ (Apg 13,22). Wie ganz anders beurteilt Gott den Tod Davids: „Denn David freilich, als er zu seiner Zeit dem Willen Gottes gedient hatte, entschlief [o. entschlief durch den Willen Gottes]“ (Apg 13,36).

Das Verhalten der Sieger

Und als die Männer von Israel, die diesseits des Tals und diesseits des Jordan waren, sahen, dass die Männer von Israel geflohen und dass Saul und seine Söhne tot waren, da verließen sie die Städte und flohen; und die Philister kamen und wohnten darin. Und es geschah am nächsten Tag, da kamen die Philister, um die Erschlagenen auszuziehen; und sie fanden Saul und seine drei Söhne gefallen auf dem Gebirge Gilboa. Und sie hieben ihm den Kopf ab und zogen ihm seine Waffen aus; und sie sandten in das Land der Philister ringsumher, um die frohe Botschaft in den Häusern ihrer Götzen und unter dem Volk zu verkünden. Und sie legten seine Waffen in das Haus der Astarot, und seinen Leichnam hefteten sie an die Mauer von Beth-Schean“ (V. 7–10).

Als die Israeliten, die auf der östlichen Seite des Jordan wohnen, von der Flucht Israels und dem Tod Sauls und seiner Söhne erfahren, ergreifen auch sie die Flucht. Damit ist die Niederlage Israels vollständig. Der Weg ist nun frei, dass David sein Königtum antreten kann. Ebenso wird der Herr Jesus seine Herrschaft auf dieser Erde erst dann antreten, wenn der römische Herrscher, der Antichrist und jedes andere Hindernis aus dem Weg geräumt sein werden.

Nach ihrem Sieg kommen die Philister am nächsten Tag zurück auf das Schlachtfeld, um die Beute zu plündern. Dort finden sie auch den Leichnam Sauls. Ihre Freude ist groß: Nach damaliger Sitte werden Sauls Kopf und seine Waffen als Siegeszeichen im Land der Philister umhergesandt. Der Leichnam wird zur Schau gestellt und die Waffen im Haus der Göttin Astaroth verwahrt.

Wie tragisch, wenn das Volk Gottes eine Niederlage erlebt! Das bedeutet nicht nur einen Verlust für das Volk, sondern auch für Gott. Die Ehre, die bei einem Sieg dem lebendigen Gott zukommt, beansprucht der Feind für sich bzw. für seinen „Gott“. Wie nötig deshalb, dass wir dem Feind standhaft im Glauben widerstehen – egal, auf welche Art er uns angreift.

Die mutige Tat der Männer von Jabes-Gilead

„Als aber die Bewohner von Jabes-Gilead über ihn hörten, was die Philister mit Saul getan hatten, da machten sich alle tapferen Männer auf und gingen die ganze Nacht; und sie nahmen den Leichnam Sauls und die Leichname seiner Söhne von der Mauer von Beth-Schean weg; und sie kamen nach Jabes zurück und verbrannten sie dort. Und sie nahmen ihre Gebeine und begruben sie unter der Tamariske bei Jabes und fasteten sieben Tage“ (V. 11–13).

Die Bewohner von Jabes-Gilead haben offensichtlich in Saul den Gesalbten des Herrn gesehen. Sie werden auch nicht vergessen haben, was Saul lange Zeit vorher für sie getan hat (s. Kap. 11). Das verschafft ihnen Respekt vor dem Leichnam, und sie wollen ihrem König eine letzte Ehre erweisen. Dafür nehmen sie sogar große Mühe und Gefahren auf sich: Sie gehen bis nach Beth-Schean ins Land der Philister und machen dem Schauspiel dort ein Ende. Als sie nach Jabes zurückkommen, verbrennen sie die Toten. Ob sie das tun, weil die Leichname stark misshandelt worden waren? Grundsätzlich entspricht es nämlich nicht Gottes Gedanken, dass Leichname verbrannt werden. Die Verbrennung bleibt ausschließlich als Strafe für Schandtaten vorbehalten (vgl. 3. Mo 20,14). So erklärt sich, dass die Leichname hier nicht völlig verbrannt werden – die Gebeine werden begraben.3

Das Buch endet mit einer siebentägigen Trauer. Der Tod Sauls gibt Anlass dazu, die Lage in Israel ebenso. Wie soll es nun weitergehen? Der Prophet Samuel ist ohne Nachfolger gestorben, die Priester sind bis auf Abjathar ausgerottet worden und nun ist auch noch der König tot. Anscheinend hat niemand die Hoffnung auf David gesetzt. Doch gerade jetzt ist Gottes Zeit gekommen. Er hat darauf gewartet, dass Er den Mann nach seinem Herzen als König einsetzen kann. Das ist das Thema des zweiten Buches Samuel.

Schluss

Damit sind wir am Ende des ersten Buches Samuel angelangt. Wir haben einen Blick in die Geschichte des Volkes Israel geworfen und einmal mehr festgestellt, dass „alle diese Dinge ... geschrieben worden sind zu unserer Ermahnung, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist“ (1. Kor 10,11). Die Unterweisungen aus dem Leben Samuels, Sauls und Davids können uns helfen, in unserer Zeit zur Ehre Gottes zu leben.

Das Leben Davids zeigt, dass es oft nicht einfach ist, dem Herrn Jesus nachzufolgen. Dazu benötigen wir eine lebendige Glaubensverbindung zu Ihm. Manchmal führt der Weg über Höhen und Tiefen, denn „wir alle straucheln oft“ (Jak 3,2). Aber der Weg zurück in die Gemeinschaft des Herrn steht uns immer offen – sofern wir unsere Fehler einsehen und bereit sind, unsere Sünden zu bekennen und zu lassen.

Es reicht nicht, dem Herrn nur äußerlich und in eigener Kraft nachzufolgen. Ein guter Anfang garantiert kein gutes Ende. Das macht die Geschichte Sauls deutlich. Für alle, die kein Leben aus Gott haben, endet der Weg im ewigen Verderben.

Wie beispielgebend dagegen ist das Leben Samuels. Von seiner Kindheit an diente er treu seinem Gott. Von ihm wollen wir lernen, unserem Herrn mit Hingabe zu dienen, für seine Ehre einzustehen und nicht aufzuhören, für das Volk Gottes zu beten.

„Ihr erforscht die Schriften ... und sie sind es, die von mir zeugen“ hat der Herr Jesus einmal den jüdischen Führern gesagt (Joh 5,39). Das trifft auch auf das erste Buch Samuel zu, wie wir an vielen Stellen gesehen haben. Gott hat Freude daran, uns seinen Sohn großzumachen – auch durch die Begebenheiten und Gegenstände des Alten Testaments. Auf Ihn wollen wir blicken, damit unsere Herzen brennend werden (Lk 24.32).

Fußnoten

  • 1 Weitere Personen, von der die Bibel berichtet, dass sie sich das Leben genommen haben, sind: Abimelech (Ri 9,54), Ahithophel, (2. Sam 17,23), Simri (1. Kön 16,18.19) und Judas Iskariot (Mt 27,5).
  • 2 Wenn sich Menschen oder sogar Gläubige das Leben nehmen, weil sie aufgrund von Krankheiten wie Depressionen, Angstzuständen, Verfolgungswahn oder Schizophrenie keinen Ausweg mehr sehen, wollen wir vorsichtig urteilen und die Sache Gott überlassen.
  • 3 Die Männer von Jabes-Gilead wurden von David direkt zu Beginn seiner Regierung belohnt für die Güte, die sie an Saul erwiesen haben (2. Sam 2,5–7). Später lässt David die Gebeine von Jabes wegholen und im Familienbegräbnis Sauls in Zela im Land Benjamin begraben (2. Sam 21,12–14).
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