Setze einen König über uns
Eine Auslegung zum ersten Buch Samuel

Kapitel 1

Setze einen König über uns

Gleich zu Beginn des ersten Buches Samuel wird die Gnade Gottes sichtbar, die sich trotz aller menschlichen Schwachheit wirksam erweist und ein Werkzeug zum Segen des Volkes hervorbringt. Zunächst geht es um Samuels Elternhaus. Samuels Vater Elkana hat zwei Frauen: Hanna und Peninna. Hanna hat keine Kinder, sie ist unfruchtbar. Als die Familie in Silo ist, um zu opfern und anzubeten, klagt Hanna ihre Not dem HERRN: Sie bittet um einen Sohn. Zugleich gelobt sie, dieses Kind zeitlebens dem HERRN zu weihen. Ihr Gebet wird erhört und Hanna erfüllt ihr Gelübde, indem sie ihren Sohn Samuel in das Haus des HERRN nach Silo bringt.

Die Familie Elkanas

Und es war ein Mann aus Ramatajim-Zophim, vom Gebirge Ephraim, und sein Name war Elkana, der Sohn Jerochams, des Sohnes Elihus, des Sohnes Tochus, des Sohnes Zuphs, ein Ephratiter. Und er hatte zwei Frauen: Der Name der einen war Hanna, und der Name der anderen Peninna; und Peninna hatte Kinder, aber Hanna hatte keine Kinder. Und dieser Mann ging Jahr für Jahr aus seiner Stadt hinauf, um den HERRN der Heerscharen anzubeten und ihm zu opfern in Silo; und dort waren die beiden Söhne Elis, Hophni und Pinehas, Priester des HERRN. Und es geschah an dem Tag, als Elkana opferte, da gab er seiner Frau Peninna und allen ihren Söhnen und ihren Töchtern Stücke; aber Hanna gab er ein doppeltes Stück, denn er liebte Hanna; aber der HERR hatte ihren Mutterleib verschlossen“ (V. 1–5).

Elkana, der Vater Samuels, stammt aus Ramatajim-Zophim („Doppelhöhe“), einer Stadt im Gebirge Ephraim. Der volle Name der Stadt wird nur hier erwähnt, im weiteren Verlauf des Buches wird die Kurzform „Rama“ („Höhe“) gebraucht (vgl. V. 19; Kap. 2,11). Elkana ist ein Levit von den Söhnen Kehats, aus der Linie Korahs (1. Chr 6,7–13). Sein Name bedeutet „von Gott erkauft“ oder „Gott gehörend“ – ein passender Name für einen Leviten, von denen der HERR gesagt hat, dass sie Ihm gehören sollen (vgl. 4. Mo 3,12). Schon ein direkter Sohn Korahs trug diesen Namen (2. Mo 6,24). Obwohl Elkana ein Levit ist, wird er hier Ephratiter genannt, da die Leviten zu dem Stamm gezählt werden, in dessen Gebiet sie wohnen. Wie dem Buch Josua zu entnehmen ist, sind den Kehatitern Städte im Gebiet des Stammes Ephraim zugeteilt worden (1. Sam 21,5).

Im Text werden auch die Namen von Elkanas Vorfahren genannt. Aus der Bedeutung ihrer Namen lässt sich ableiten, wie Gott seinen Plan der Gnade verwirklicht hat. Elkana ist der Sohn Jerochams („der HERR erbarmt sich“, „geliebt“, „begünstigt“), des Sohnes Elihus („mein Gott ist Er“), des Sohnes Tochus („niedrig“, „unten“), des Sohnes Zuphs („Späher“, „Schauer“).

In Elkanas Familie herrscht Uneinigkeit. Elkana hat zwei Frauen, die nicht miteinander harmonieren: Hanna („Gnade“) und Peninna („Koralle“, „Perle“). Hanna hat keine Kinder. Möglicherweise ist das der Grund, warum Elkana zusätzlich Peninna geheiratet hat: Er will Kinder haben. Doch zwei oder mehr Frauen zu haben, ist eine Herausforderung. Gott hat es anders vorgesehen. Von Anfang an ist es sein Wille gewesen, dass ein Mann eine Frau haben soll (1. Mo 2,24; vgl. auch Eph 5,31).

Zur Zeit des Alten Testaments duldete Gott es, wenn ein Mann mehrere Frauen heiratete. Dass die Vielehe oft mit Not und Problemen verbunden war, machen allein die Beispiele Abrahams, Jakobs und Salomos deutlich. In Elkanas Haus ist es nicht anders. Peninna, die Kinder hat, fühlt sich von ihrem Mann nicht geliebt. Dies führt zu Kränkung und Streit. Und Elkana ist mit dieser Situation überfordert; er ist nicht imstande, zwischen seinen Frauen Frieden zu stiften. Das liegt letztlich auch an seiner Vorliebe für Hanna. So muss er die Folgen seiner Entscheidung und seines Verhaltens tragen.

Dieses Familienproblem spiegelt zugleich den Zustand des Volkes Israel in jener Zeit wider:

  • Peninna hat Söhne und Töchter – das heißt, die Untreuen sind in der Mehrzahl. Wir finden sie sowohl im Volk als auch im Priestertum (Söhne Elis) und im Königtum (Saul).
  • Hanna steht allein da – ebenso sind es nur wenige, die Gott treu nachfolgen wollen.
  • Peninna kränkt Hanna – die Untreuen sind gegen die Treuen (siehe auch Davids Verfolgung durch Saul).
  • Die Treuen vertrauen auf Gottes Gnade, sind sich der eigenen Ohnmacht bewusst und begehren nicht auf.

Elkana hat die gute Gewohnheit, jedes Jahr mit seiner Familie nach Silo zu gehen, um dort dem HERRN der Heerscharen zu opfern. Der Ausdruck „HERR der Heerscharen“ kommt hier zum ersten Mal in der Bibel vor. Es ist ein Titel, der die Herrschaft des Herrn Jesus über die Engelscharen, die Menschen und jede Macht im Universum vorstellt (1. Kön 22,19). Es ist bemerkenswert, dass dieser Name erstmalig in 1. Samuel genannt wird, dem Buch, das die Einführung des Königtums in Israel zum Thema hat.

Der Herr hat angeordnet, dass die Israeliten ihre freiwillige Gabe an den Ort bringen sollen, den Er erwählen wird (vgl. 5. Mo 12,17.18). An diesem Ort sollen sie gemeinsam essen und sich vor Gott erfreuen an allem Erwerb ihrer Hand. Elkana kommt dieser Anordnung nach und geht jährlich nach Silo. Dort steht zu diesem Zeitpunkt die Bundeslade, und die beiden Söhne Elis, Hophni und Pinehas verrichten den Priesterdienst. Elkana lässt sich von dem schlechten geistlichen Zustand des Volkes und den Missständen in der Priesterschaft nicht davon abhalten, Gott anzubeten und zu opfern. Das schändliche Treiben der Söhne Elis ist allgemein bekannt und hat dazu geführt, dass die Leute die Opfergabe des HERRN verachten (1. Sam 2,17). Aber Elkana bleibt treu und geht weiter regelmäßig zum Haus des HERRN. – Auch wir wollen uns von dem Niedergang im Volk Gottes nicht entmutigen lassen. Gott freut sich, wenn wir Ihm „Lob opfern“, denn dadurch wird Er verherrlicht (Ps 50,23).

Am Friedensopfer haben nicht nur Gott und der Priester ihren Anteil, sondern auch der Opfernde und alle, die er dazu einlädt. Die ganze Familie Elkanas nimmt an der Opfermahlzeit teil. Hanna bekommt von Elkana ein doppeltes Stück Fleisch – er will ihr und den anderen zeigen, dass er sie besonders lieb hat. Dass diese Bevorzugung zugleich den Zwist zwischen Peninna und Hanna anfacht, ist ihm offensichtlich nicht bewusst. – Wie wichtig ist es, dass Menschen einsichts- und rücksichtsvoll mit ihrer Familie umgehen, damit sich niemand zurückgesetzt fühlt oder Neidgefühle provoziert werden.

Hannas Not und Gebet

Und ihre Widersacherin kränkte sie mit vieler Kränkung, um sie aufzubringen, weil der HERR ihren Mutterleib verschlossen hatte. Und so, wie er das Jahr für Jahr tat, so kränkte sie sie, sooft sie zum Haus des HERRN hinaufzog; und sie weinte und aß nicht. Und Elkana, ihr Mann, sprach zu ihr: Hanna, warum weinst du? Und warum isst du nicht? Und warum ist dein Herz betrübt? Bin ich dir nicht besser als zehn Söhne? Und Hanna stand nach dem Essen und nach dem Trinken in Silo auf. Eli, der Priester, aber saß auf dem Stuhl am Türpfosten des Tempels des HERRN. Und sie war in der Seele verbittert, und sie betete zu dem HERRN und weinte sehr. Und sie tat ein Gelübde und sprach: HERR der Heerscharen, wenn du das Elend deiner Magd ansehen und meiner gedenken und deine Magd nicht vergessen wirst, und wirst deiner Magd einen männlichen Nachkommen geben, so will ich ihn dem HERRN geben alle Tage seines Lebens; und kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen“ (V. 6–11).

Hanna ist kinderlos und darunter leidet sie. Hinzu kommen die Kränkungen Peninnas, die sogar als ihre „Widersacherin“ bezeichnet wird. Die Kränkungen durch Peninna finden wohl stets auf dem Weg nach Silo und in Silo ihren Höhepunkt. Darüber hinaus fühlt sich Hanna auch von ihrem Mann nicht verstanden. Elkana fehlt das notwendige Einfühlungsvermögen. Dreimal fragt er: „Warum ...?“ Weiß er nicht, was Hanna zu schaffen macht? Dass er sich selbst als Ersatz für fehlenden Nachwuchs anbietet, lässt erkennen, wie wenig er sich in die Situation seiner Frau hineinversetzt hat. Wer kein Mitgefühl zeigt, kann andere nicht trösten.

Hanna schweigt. Offensichtlich kann sie mit ihrem Mann nicht über ihre Empfindungen sprechen. Nach dem Essen geht sie allein zum Haus Gottes, um dort zu beten. Sie weiß, wem sie sich anvertrauen und wo sie ihre Bitterkeit loswerden kann – bei Gott.

Vor Bitterkeit müssen wir uns hüten. Gottes Wort fordert uns auf, achtzugeben, damit nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosst, denn sonst kommt Unruhe auf und viele werden dadurch verunreinigt (vgl. Heb 12,15). Bitterkeit kann hässliche Narben hinterlassen. Hanna tut hier das einzig Richtige: In ihrer Not betet sie zu dem HERRN. Und sie erlebt, wie wunderbar Er hilft.

Manchmal schickt der Herr uns Prüfungen, um uns näher zu sich zu ziehen. Dann lernen wir wieder neu, intensiv zu beten. Schauen wir, wie Hanna betet:

  • Hanna spricht direkt Gott an und nennt Ihn beim Namen (V. 11).
  • Sie betet konkret (V. 11).
  • Sie betet anhaltend (V. 12).
  • Sie betet im und von Herzen (V. 13).
  • Sie betet rückhaltlos (V. 15).

Hanna betet in einer demütigen Gesinnung. Sie ist sich bewusst, mit wem sie redet (dem HERRN der Heerscharen) und vergisst dabei nicht, wer sie ist. Dreimal bezeichnet sie sich als seine „Magd“ (V. 11).

Wie Hanna können auch wir jederzeit mit allen Nöten in unserem persönlichen und gemeinschaftlichen Leben als Kinder zu unserem Gott und Vater kommen. Außerdem haben wir einen Hohenpriester im Himmel, der Mitleid mit unseren Schwachheiten hat (Heb 4,15). Er versteht uns und sieht jede Träne, die wir weinen.

Hanna vertraut auf Gott und nur auf Ihn – so, wie David es auch tat: „Nur auf Gott vertraut still meine Seele“, sagt er in Psalm 62,2, „von ihm kommt meine Rettung“. Das darf uns Beispiel und Ansporn sein.

Hannas Kinderwunsch ist mehr als der natürliche Wunsch einer Frau. Ihre innere Haltung ist nicht mit der von Rahel zu vergleichen, die ja auch unbedingt Kinder haben wollte. Von ihr heißt es in 1. Mose 30,1: „Und als Rahel sah, dass sie dem Jakob nicht gebar, da beneidete Rahel ihre Schwester und sprach zu Jakob: Gib mir Kinder! Und wenn nicht, so sterbe ich.“ Hanna hingegen verbindet mit ihrem Wunsch ein geistliches Anliegen. Sie hat den schlechten geistlichen Zustand ihres Volkes vor Augen und will mehr als nur ein Kind für sich: Sie bittet um einen „männlichen Nachkommen“ (V. 11), um ihn vollständig Gott zur Verfügung zu stellen. Es ist interessant, dass hier nicht einfach von einem Sohn gesprochen wird, sondern dass ein Ausdruck benutzt wird, der die Männlichkeit betont. Sie wünscht sich einen Mann, der in einer Zeit des Verfalls voller Kraft vor dem HERRN stehen kann.

Hanna gelobt, ihren Sohn dem HERRN als Nasir zu weihen (vgl. 4. Mo 6), nicht nur für eine begrenzte Lebenszeit, sondern für immer! Was ist Hanna für eine selbstlose Frau! Sie ordnet ihr irdisches Glück dem geistlichen Wohlergehen des Volkes Gottes unter.

Für uns stellt sich die Frage, welche Pläne und Wünsche wir für unsere Kinder haben. Erziehen wir unsere Kinder mit dem Ziel, dass sie für Gott abgesondert und Ihm geweiht leben? Es gibt zwei große Gefahren für Eltern in Bezug auf ihre Kinder: Egoismus und Gleichgültigkeit. Manche Eltern wollen sich in ihren Kindern verwirklichen (Egoismus), andere dagegen kümmern sich wenig um die Entwicklung ihrer Kinder (Gleichgültigkeit). Beides wollen wir vermeiden.

Egoismus und Gleichgültigkeit sind Hanna fremd. Als Samuel geboren ist, will sie ihn nicht für sich behalten, sondern weiht ihn Gott. Andererseits ist Samuel ihr auch nicht gleichgültig: Jährlich geht sie nach Silo, schaut nach dem Jungen und bringt ihm ein passendes Oberkleid (1. Sam 2,19).

Elis Reaktion auf Hannas Gebet

Und es geschah, als sie lange vor dem HERRN betete, dass Eli ihren Mund beobachtete. Hanna aber redete in ihrem Herzen; nur ihre Lippen bewegten sich, aber ihre Stimme wurde nicht gehört; und Eli hielt sie für eine Betrunkene. Und Eli sprach zu ihr: Bis wann willst du dich wie eine Betrunkene gebärden? Tu deinen Wein von dir! Aber Hanna antwortete und sprach: Nein, mein Herr, eine Frau beschwerten Geistes bin ich; weder Wein noch starkes Getränk habe ich getrunken, sondern ich habe meine Seele vor dem HERRN ausgeschüttet. Halte deine Magd nicht für eine Tochter Belials; denn aus der Fülle meines Kummers und meiner Kränkung habe ich bisher geredet. Und Eli antwortete und sprach: Geh hin in Frieden; und der Gott Israels gewähre deine Bitte, die du von ihm erbeten hast! Und sie sprach: Möge deine Magd Gnade finden in deinen Augen! Und die Frau ging ihres Weges und aß, und ihr Angesicht war nicht mehr dasselbe (V. 12–18).

Während Hanna leise zum HERRN betet, beobachtet Eli sie und meint, sie sei betrunken. Wie kommt es zu dieser Fehlinterpretation? Offensichtlich sind intensiv betende Personen in Silo kaum noch zu sehen. Die Feste des HERRN werden zu dieser Zeit mit ausschweifenden Gelagen gefeiert, so dass vielmehr Trunkenheit anzutreffen ist. Andererseits lässt Elis Reaktion einen Mangel an geistlichem Unterscheidungsvermögen erkennen. Er gibt insgesamt ein trauriges Bild ab. In Vers 9 zum Beispiel lesen wir, dass er am Türpfosten des Tempels auf einem Stuhl sitzt. Er sitzt dort, wo Gott gar keinen Stuhl vorgesehen hat (vgl. Kap. 4,18; Heb 10,11). Eli ist zwar ein alter Mann und seine Kräfte haben nachgelassen, aber mangelt es ihm nicht zugleich an geistlicher Seh- und Handlungskraft? Von einem Priester Gottes könnte man Besseres erwarten.

Elis Tadel muss die verzweifelte Hanna getroffen haben, doch sie strahlt Frieden aus. Entschieden und zugleich respektvoll weist sie die Anklage Elis zurück. Dabei machen ihre Worte deutlich, was in ihrem Innern vorgegangen ist. Sie spricht von ihrem „beschwerten Geist“, von der „Kränkung“, die sie erfahren hat, und von der „Fülle ihres Kummers“ (V. 15–16). Eli lässt keine besondere Anteilnahme erkennen. Weder entschuldigt er sich bei Hanna, noch fragt er sie nach der Ursache ihres Kummers. Er wünscht, dass Gott ihre Bitte erfüllen möge: „Geh hin in Frieden; und der Gott Israels gewähre deine Bitte, die du von ihm erbeten hast!“ (V. 17).

Hannas Reaktion in Vers 18 zeigt: Wahrer Glaube ist „eine Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht“ (Heb 11,1). Sie „ging ihres Weges und aß, und ihr Angesicht war nicht mehr dasselbe“. Wie kommt es zu dieser Veränderung? Hat sich etwas an ihren Umständen geändert? Nein, aber sie hat ihr Herz vor dem HERRN ausgeschüttet und ihre Sorge auf Ihn geworfen (vgl. 1. Pet 5,7). Das hat ihr Herz verändert. Die Verbitterung ist gewichen. Und das macht sich in ihrem Gesicht bemerkbar. Sie erlebt das, was David später in einem Psalm beschreibt: „Sie blickten auf ihn und wurden erheitert, und ihre Angesichter wurden nicht beschämt“ (Ps 34,6). Philipper 4,6.7 sagt: „Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus.“ Das hat Hanna erfahren, und wir können es ebenfalls erleben, wenn wir unsere drückenden Sorgen im Gebet bei unserem Gott ablegen.

Hannas Gebet wird erhört

Und sie machten sich frühmorgens auf und beteten an vor dem HERRN; und sie kehrten zurück und kamen in ihr Haus nach Rama. Und Elkana erkannte Hanna, seine Frau, und der HERR gedachte ihrer. Und es geschah, als die Zeit um war, da war Hanna schwanger geworden und gebar einen Sohn; und sie gab ihm den Namen Samuel: Denn von dem HERRN habe ich ihn erbeten“ (V. 19–20).

Bevor Elkana und seine Familie die Rückreise antreten, beten sie den HERRN an. Sie starten mit Dank und Anbetung in den Tag. So dürfen auch wir jeden Tag beginnen.

Gott steht zu seinem Wort und belohnt den Glauben der Seinen. Die Bibel berichtet mehrfach davon, wie der gnädige Gott kinderlosen Frauen, die in schwierigen Zeiten leben, Söhne schenkt, die dann zum Segen für andere werden. Der HERR gedenkt Rahels (1. Mo 30,22) und sie bekommt Joseph, der später zum „Erhalter des Lebens“ in Ägypten wird. Lukas 1 berichtet davon, wie Gott Elisabeths Unfruchtbarkeit beendet und Johannes geboren wird, der in einer dunklen Zeit der Vorläufer des Herrn wird. Diese Beispiele zeigen, dass jeder Segen allein der Gnade Gottes entspringt. Gott möchte sich durch schwache Werkzeuge mächtig erweisen.

Hannas Vertrauen wird reichlich belohnt: Gott erhört ihr Gebet und schenkt ihr einen Sohn. Dafür ist Hanna sehr dankbar, was sich in der Namensgebung zeigt: „Samuel“ – „von Gott erhört“ oder „von dem HERRN erbeten“ bzw. „dem Herrn geliehen“ (V. 28). Hannas Verhalten motiviert uns, immer daran zu denken, dass wir in allen Dingen unseres Lebens auf unseren himmlischen Herrn angewiesen sind. Seien wir dankbar für die Gebetserhörungen, die wir erleben!

Samuel wird entwöhnt

Und der Mann Elkana ging hinauf mit seinem ganzen Haus, um dem HERRN das jährliche Schlachtopfer zu opfern und sein Gelübde zu erfüllen. Aber Hanna ging nicht hinauf; denn sie sprach zu ihrem Mann: Bis der Knabe entwöhnt ist, dann will ich ihn bringen, damit er vor dem HERRN erscheine und dort für immer bleibe. Und Elkana, ihr Mann, sprach zu ihr: Tu, was gut ist in deinen Augen; bleibe, bis du ihn entwöhnt hast; nur möge der HERR sein Wort aufrechterhalten! So blieb die Frau und stillte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnt hatte“ (V. 21–23).

Elkana hat die gute Gewohnheit, jährlich mit seinem ganzen Haus nach Silo zu gehen, um dem HERRN Schlachtopfer zu opfern. Wenn der Herr uns eine Familie anvertraut hat, dann wollen wir sie gerne mitnehmen zu den christlichen Zusammenkünften, dorthin, wo der Herr Jesus in der Mitte sein will (Mt 18,20).

Hanna hält es für besser, nicht mit nach Silo zu gehen, bis Samuel entwöhnt ist (V. 22). Elkana weiß offensichtlich, dass seine Frau Hanna ihm geistlich voraus ist. Er stimmt ihrem Vorschlag zu. Die Frau soll in der Ehe nicht die Führung übernehmen – diese ist dem Mann vorbehalten. Aber in jedem Fall sollten wir Männer den Rat unserer Frauen berücksichtigen. Zu Abraham sagt Gott einmal: Höre auf deine Frau (1. Mo 21,12). Wie gesegnet, wenn Ehepaare gemeinsam vor dem Herrn nach seinem Willen fragen und dann zu einer gemeinsamen Überzeugung kommen.

Nun wird berichtet, dass Elkana sein Gelübde erfüllen möchte. Während Hannas Gelübde ausführlich geschildert wird (V. 11), wissen wir nicht, worin Elkanas Gelübde besteht. Vielleicht hat seine Frau ihn durch ihr Verhalten dazu motiviert, auch ein Gelübde auszusprechen. Elkana hätte nach 4. Mose 30,7–9 die Möglichkeit, das Gelübde seiner Frau aufzuheben. Doch das tut er nicht. Er unterstützt offensichtlich ihr Gelübde. Mann und Frau haben hier dasselbe Ziel für ihr Kind – ein ganz entscheidender Punkt in der Kindererziehung.

Interessant sind die Worte Elkanas am Ende von Vers 23: „nur möge der HERR sein Wort aufrechterhalten!“ Welches Wort des Herrn meint er? Das Wort, das der HERR durch Eli zu Hanna geredet hat, ist ja schon in Erfüllung gegangen. Ob der HERR darüber hinaus noch mehr zu Elkana und Hanna gesagt hatte, wissen wir nicht. Es scheint, dass sich Elkana bewusst ist, dass Gott mit ihrem Sohn etwas Besonderes vorhat und dass dieser zu einem Segen für das Volk werden soll.

Es fällt auf, dass in diesen wenigen Versen viermal erwähnt wird, dass Samuel „entwöhnt“ wird. Das ist offensichtlich in Israel ein bedeutender Augenblick – hier besonders im Blick auf das Gelübde Hannas. Der junge Samuel soll so bald wie möglich dem Herrn zur Verfügung stehen. Aber zuerst sehen die Eltern ihre Verantwortung darin, ihren kleinen Sohn gut zu versorgen, damit er gesund heranwächst.

Es wird uns nicht mitgeteilt, in welchem Alter Hanna ihren Sohn zu Eli bringt1, doch verschiedene Punkte machen deutlich, dass Samuel zu diesem Zeitpunkt noch sehr jung gewesen sein muss. Hanna „stillte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnt hatte“ (V. 23), und „sobald sie ihn entwöhnt hatte, brachte sie ihn mit sich hinauf ... und der Knabe war noch jung“ (V. 24). In Kapitel 2,19 findet sich ein weiterer Hinweis auf das junge Alter Samuels. Dort wird berichtet, dass Hanna ihrem Sohn Jahr für Jahr ein kleines Oberkleid brachte. Vor diesem Hintergrund leuchten Hannas Hingabe an den HERRN und ihr Vertrauen zu Ihm hell hervor.

Wie schwer muss es für Hanna sein, ihren kleinen Sohn, auf den sie so lange gewartet hat, so früh abzugeben! Sie hat um dieses Kind gebetet – das wird in diesem Kapitel wiederholt erwähnt (vgl. V. 10.17.20.26.27.28). Doch sie steht zu ihrem Gelübde, das sie dem HERRN gegenüber abgelegt hat. In ihrer Hingabe an den HERRN bringt sie ihren Sohn so bald wie möglich, „damit er vor dem HERRN erscheine und dort für immer bleibe“ (V. 22). Wie selbstlos ist Hanna! Die geistlichen Belange des Volkes Gottes stellt sie vor ihre eigenen Wünsche als Mutter. Auch wenn Gott von niemand solche Gelübde und einen derartigen Verzicht verlangt, können gläubige Eltern von Hanna lernen: Ein wichtiges Ziel der Kindererziehung ist, dass die Kinder brauchbare Werkzeuge für den Herrn werden.

Hanna und Elkana zeigen große Hingabe an Gott, indem sie ihren kleinen Sohn früh bei Eli abgeben. Darüber hinaus setzen sie ihr Vertrauen in Gott, denn der kleine Samuel kommt jetzt in eine sehr schwierige Umgebung. Eli ist alt und schwach. Er ist bestimmt nicht die geeignetste Person, um einen kleinen Jungen großzuziehen. Seine Söhne sind „Söhne Belials“, die den HERRN nicht kennen (1. Sam 2,12). Ihre Sünde ist „sehr groß vor dem HERRN“ (V. 17). Unter Androhung von Gewalt berauben sie Gott bei den Opfergaben und die Leute verachten deshalb die Opfergabe des HERRN. Hinzu kommt, dass sie in großer Unmoral im Zelt der Zusammenkunft leben (1. Sam 2,22). Doch Hanna und Elkana vertrauen dem HERRN, dass Er ihr Kind in dieser bösen Umgebung bewahren wird.

Mit zunehmendem Alter müssen Eltern ihre Kinder Stück für Stück loslassen und in eine gottfeindliche Umgebung gehen lassen. Dabei kann uns das Verhalten von Elkana und Hanna ermutigen: Wir wollen unsere Kinder im Vertrauen auf den Herrn Jesus gehen lassen und sie mit unseren Gebeten begleiten.

Damit Kinder geistlich keinen Schaden erleiden, ist es jedoch nötig, dass sie in geistlicher Hinsicht „entwöhnt“ werden. Sie brauchen Hilfe, um geistlich zu wachsen und geistlich eigenständig zu sein. Wie gut, wenn Eltern ihre Kinder schon früh mit der „vernünftigen, unverfälschten Milch“ des Wortes Gottes versorgen (1. Pet 2,2), und zwar so, wie es ihrem Alter und ihrem Entwicklungsstand entspricht. Dabei ist eine regelmäßige Familienandacht eine gute Hilfe. So unterstützen wir unsere Kinder dabei, so früh wie möglich ein eigenes geistliches Leben zu entwickeln.

Es ist wichtig, dass Kinder lernen, ein eigenes Glaubensleben zu führen, damit sie geistlich auf eigenen Füßen stehen können. Dazu ist es nötig, dass wir sie anleiten, regelmäßig zu beten und das Wort Gottes zu lesen. Doch was wir unseren Kindern vermitteln möchten, müssen wir selbst tun. Kinder beobachten ihre Eltern und übernehmen vieles von ihnen. Es wird einen bleibenden Eindruck auf sie machen, wenn sie merken, wie wichtig den Eltern das Gebet ist, dass sie das Wort Gottes lieben und es ihr Leben bestimmt. Dadurch legt man in den ersten Lebensjahren die Grundlage dafür, dass die Kinder zu Männern Gottes und Frauen Gottes heranwachsen.

Welche Freude muss es für Hanna und Elkana sein, in der weiteren Entwicklung ihres Sohnes zu sehen, wie Gott ihr Vertrauen belohnt und ihre Bemühungen beim „Entwöhnen“ reichlich segnet. Das ermuntert alle gläubigen Eltern, im Vertrauen auf die Gnade und Hilfe des Herrn ihre Kinder für Ihn zu erziehen.

Samuel wird nach Silo gebracht

„Und sobald sie ihn entwöhnt hatte, brachte sie ihn mit sich hinauf samt drei Stieren und einem Epha Mehl und einem Schlauch Wein und brachte ihn in das Haus des HERRN nach Silo; und der Knabe war noch jung. Und sie schlachteten den Stier und brachten den Knaben zu Eli. Und sie sprach: Bitte, mein Herr! So wahr deine Seele lebt, mein Herr, ich bin die Frau, die hier bei dir stand, um zu dem HERRN zu beten. Um diesen Knaben habe ich gebetet, und der HERR hat mir meine Bitte gewährt, die ich von ihm erbeten habe. So habe auch ich ihn dem HERRN geliehen; alle Tage, die er lebt, ist er dem HERRN geliehen. Und er betete dort den HERRN an“ (V. 24–28).

Zum frühestmöglichen Zeitpunkt gibt Hanna ihren Sohn Samuel dem HERRN. Ob der Herr ihr weitere Kinder schenken wird, weiß sie damals noch nicht. In Verbindung mit der Erfüllung ihres Gelübdes bringt sie ein Friedensopfer dar – so wie Gott es unter Mose angewiesen hat (3. Mo 7,16). Es ist ein außerordentlich großes Opfer: drei Stiere (das größtmögliche Opfertier), ein Epha Mehl (ca. 30 kg) und ein Schlauch Wein. Dieses Opfer weist in allen Bestandteilen vorbildlich auf Christus hin. Der geschlachtete Stier weist auf seinen Tod hin, das Mehl auf sein vollkommenes Leben und der Wein spricht von der Freude Gottes an seinem Sohn.

Mit welcher Freude geht Hanna wohl diesmal nach Silo! Als sie einige Jahre vorher in Silo dem Herrn ihr Herz ausgeschüttet hat und von Eli zur Rede gestellt worden ist (1. Sam 1,15.16), hat sie Eli nicht gesagt, worum sie gebetet hat. Doch jetzt will sie Eli zeigen, wie Gott auf ihr Flehen geantwortet hat. Und sie tut es in einer demütigen Haltung. Sie zeigt sich nicht nachtragend, denn sie erwähnt die Fehlinterpretation Elis von damals mit keinem Wort. In dem, was sie sagt, berührt sie kurz die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie hat um einen Knaben gebetet, und jetzt hat der HERR ihre Bitte erhört. Nun will sie ihn dem HERRN leihen. Ihre Worte sind so lehrreich, dass der Geist Gottes sie in sein Wort aufgenommen hat. Von Elis Worten bei dieser Gelegenheit wird dagegen nichts berichtet.

Samuel ist „vom Herrn erbeten“ worden und „dem Herrn geliehen“. Hanna benutzt hier ein Wortspiel, denn im Hebräischen sind „erbitten“ und „leihen“ die gleichen Wörter.

Das Ende des Kapitels bildet einen gewissen Höhepunkt: „Und er betete [o. sie beteten] dort den HERRN an.“ Wenn hier Samuel gemeint ist, dann wird er schon älter als drei Jahre sein. Wenn die Familie Elkanas hier anbetet, gibt sie eine herrliche Antwort auf all das, was sie mit dem HERRN erlebt hat. Eine gewisse Parallele dazu finden wir in der Gruppe gottesfürchtiger Israeliten, die über 1000 Jahre später im Tempel um ein kleines Kind versammelt ist, das zur „Herrlichkeit (des) Volkes Israel“ sein soll (Lk 2,27–32).

Samuels Dienst beginnt und endet mit Anbetung (1. Sam 7,17). Dieser geistliche Rahmen sollte alle Diener Gottes kennzeichnen.

Fußnoten

  • 1 Verschiedentlich kann man lesen, dass ein Kind bei den Juden damals mit ca. 3 Jahren entwöhnt wurde. 2. Chronika 31,16 nennt dieses Alter in Verbindung mit den Leviten (zu denen auch Elkana gehörte, vgl. 1. Chr 6,7–13) und ihrem Dienst im Haus des HERRN: „außer denen von ihnen, die als Männliche in das Geschlechtsverzeichnis eingetragen waren, von drei Jahren an und darüber, allen, die in das Haus des HERRN kamen, nach der täglichen Gebühr zu ihrem Dienst in ihren Aufgaben, nach ihren Abteilungen.“
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