Ährenlese im Neuen Testament (Apostelgeschichte)

Kapitel 5-8

Ährenlese im Neuen Testament (Apostelgeschichte)

Apostelgeschichte 5,1–16

Das 4. Kapitel fing mit einem «aber» an, das die Tätigkeit des Feindes gegen die Wahrheit von aussen her ankündigte. Das 5. Kapitel beginnt mit einem anderen «aber», als Einleitung seines verderblichen Werkes innerhalb der Versammlung. Satan hat bis heute nicht aufgehört, auf diese zweifache Weise tätig zu sein. Der Geist der Nachahmung und der Wunsch, fromm zu scheinen, haben Ananias und Sapphira zur Lüge verleitet. Petrus tadelt sie in heiliger Entrüstung, und sie werden sogleich durch die Hand Gottes geschlagen. Ihr ewiges Los wird hier nicht in Frage gestellt. Es handelt sich um eine Offenbarung der Regierung Gottes. Lasst uns nicht denken, Gott betrachte jetzt die Sünde als weniger abscheulich, weil wir Gegenstände seiner Gnade sind. Er ist heilig, und auch seine Kinder sollen es sein (1. Petrus 1, 15–17).

Eine grosse Furcht kommt über alle Anwesenden. Diese Empfindung gegenüber Dem, der unsere geheimsten Gedanken lesen kann, sollten auch wir pflegen.

Die Verse 12–16 reden von den Wundern der Liebe, die «durch die Hände der Apostel» geschahen, und zeigen uns, dass es nicht genügt, die Gläubigen zu bewundern; man muss selbst den Schritt tun und sich «dem Herrn» anschliessen (Verse 13,14). In Offenbarung 21,8 werden «die Feigen» von allen, die ewig verloren sind, zuerst genannt.

Apostelgeschichte 5, 17–32

Als der Hohepriester und die mit ihm waren sahen, welchen Erfolg ungelehrte Männer, die nicht zur Geistlichkeit gehörten, bei der Volksmenge hatten, wurden sie mit Eifersucht erfüllt. Die Sadducäer, welche die Auferstehung leugneten, waren besonders aufgebracht gegen die Apostel, da sie die Auferstehung des Herrn Jesus verkündigten (Vers 17; Kapitel 4,1.2). Unfähig, ihre Autorität auf andere Weise geltend zu machen, werfen sie diese Männer, die sie nicht zum Schweigen bringen konnten, ins Gefängnis. Aber der Herr schickt einen Engel, um seine Diener zu befreien, und diese kehren sofort in den Tempel zurück, um zu lehren. Das wird den Obersten mitgeteilt, die sie vor dem Synedrium erscheinen lassen. «Ihr wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen», sagen sie zu ihnen; dabei hatten sie doch vor Pilatus selbst ausgerufen: «Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!» (Matthäus 27,25). Dann schärfen sie ihnen nochmals ein, zu schweigen. «Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen», antworten Petrus und die Apostel (siehe Kapitel 4,19). Und einmal mehr geben sie ein leuchtendes Zeugnis von der herrlichen Auferstehung des Herrn Jesu, «des Führers und Heilands», sowie von der «Vergebung der Sünden» durch den Glauben an Ihn.

Apostelgeschichte 5,33–42

Nach seinem Engel benützt Gott Gamaliel, einen angesehenen Pharisäer (Gegenpartei der Sekte der Sadducäer), um die Seinigen zu befreien. Er war ein Gesetzgelehrter, der unter den Juden bekannt und geehrt war. Mit Ruhe ermahnt er seine Koliegen zur Geduld, indem er Beispiele anführt, die jeder kannte. Das Ende werde es zeigen, ob dieses Werk von Menschen oder von Gott sei. Es ist übrigens nicht schwierig, zu unterscheiden, wo man die einreihen muss, die sagen «selbst etwas zu sein» (Vers 36). Aber bei den Aposteln war es nicht so. Sie erkannten, dass sie in sich selbst nichts waren, und gaben die ganze Ehre dem Namen Jesu, den sie unaufhörlich verkündigten (Kapitel 3,12; 4,10).

Der Herr hatte seinen Jüngern im voraus gesagt, dass man die Hände an sie legen, sie verfolgen und an die Synagogen und Gefängnisse überliefern werde (Lukas 21,12). Diese Prüfungen Hessen tatsächlich nicht lange auf sich warten (Verse 17–32) und haben bis heute nicht aufgehört, das Teil der Gläubigen zu sein. Wir danken dem Herrn oft, dass er uns vor Verfolgungen, wie sie in andern Ländern wüten, bewahrt. Vergessen wir aber nicht, dass es eine Ehre ist, für seinen Namen zu leiden. Die Apostel freuten sich, dass sie dazu gewürdigt worden waren (Vers 41; vergleiche 1. Petrus 4,19; Matthäus 5,11.12).

Apostelgeschichte 6, 1–15

Das harmonische Gemälde von Kapitel 2,42 und 4,32 wird schon getrübt. Ein Murren (eine Beschwerde, die man nicht laut zu äussern wagt) entsteht in der Mitte der Jünger. Wachen wir darüber, dass wir solches Murren der Unzufriedenheit und der Eifersucht in uns zum Schweigen bringen, denn «der Verderber benützt es, um die Gemeinschaft der Kinder Gottes zu stören (lies 1. Korinther 10,10).

Um diesem Zustand der Dinge abzuhelfen, werden Diener ausgewählt. Wir hätten nicht gedacht, dass es sogar für die Bedienung der Tische nötig wäre, «voll Heiligen Geistes» zu sein (Vers 3). Aber das ist der Normalzustand des Christen – und es kann auch der unsrige sein, wenn wir es begehren! Nicht dass wir um ein neues Kommen des Heiligen Geistes bitten müssten, wie manche meinen. Er wohnt schon im Gläubigen. Aber wir wollen Ihm den ganzen Platz im Tempel unseres Herzens geben.

Bei Stephanus zeigt sich der Heilige Geist besonders in seinen drei Charaktereigenschaften: Kraft, Liebe und Weisheit (oder Besonnenheit: Verse 8 und 10; vergleiche 2. Timotheus 1,7). Die Werke und die Worte (Verse 8 und 10) dieses Gottesmannes verschliessen allen seinen Feinden den Mund. Sie sehen sich gezwungen, falsche Zeugen gegen ihn zu dingen (vergleiche Matthäus 26,59). Aber sein Angesicht leuchtet schon von himmlischer Schönheit (Vers 15).

Apostelgeschichte 7,1–19

Der Hohepriester gibt dem Stephanus das Wort. Aber dieser benützt die Gelegenheit nicht, um sich gegen die falschen Anklagen, wodurch er beschuldigt wird, zu rechtfertigen. Der Heilige Geist, der ihn erfüllt, lehrt ihn «zu dieser Stunde», was er antworten soll (Lukas 12,11.12). Er bedient sich der Geschichte Israels, um die Wege Gottes und seine Treue, aber gleichzeitig auch die Untreue seines Volkes zu beleuchten. Diese Erzählung, die einen wichtigen Platz im Wort Gottes einnimmt, enthält in der Tat viele Belehrungen, in Form von Vorbildern, die zur Ermahnung dienen (1. Korinther 10,11). Abraham war gerufen worden und gehorchte (Hebräer 11,8). Er hatte im Glauben die Verheissungen ergriffen, die Gott ihm vor und seit der Geburt Isaaks gemacht hatte. Seine Nachkommen sollten sich in Aegypten aufhalten und dort das Joch erdulden, dann ausziehen und im Land der Verheissung dem Herrn dienen. «Sie werden mir dienen» (Vers 7): Dieses Wort war geeignet, das Gewissen dieses ungehorsamen und rebellischen Volkes zu erreichen.

Die Geschichte Josephs, der von seinen Brüdern verworfen und dann durch Pharao erhöht wurde, ist eine bemerkenswerte Illustration des Hasses der Juden gegen Christus und der herrlichen Stellung, die Gott Ihm gab, nachdem Er Ihn «aus allen seinen Drangsalen» errettet hatte (Vers 10).

Apostelgeschichte 7, 20–43

Stephanus war angeklagt worden, Lästerworte wider Moses geredet zu haben (Kapitel 6,11). Aber seht mit welcher Ehrfurcht er im Gegenteil von diesem Patriarchen spricht! Die Schönheit, die Gott von seiner Geburt an in ihm sah (Vers 20), später seine Macht in Worten und Werken (Vers 22), seine Liebe zu seinen Brüdern, die ihn drängte, sie zu besuchen (Vers 23), der Unverstand, dem er bei ihnen begegnete, als er sie befreien wollte (Verse 25,35), alle diese Züge waren dazu angetan, die Blicke des Volkes auf den kostbaren Erlöser zu lenken, den es verworfen hatte. Moses hatte übrigens sein Kommen mit der Ermahnung «ihn zu hören» angekündigt (Vers 37). Und Petrus hatte in seiner Rede (Kapitel 3,22) schon vor Stephanus diesen 15. Vers aus 5. Mose 18 angeführt. Ein doppeltes Zeugnis der Erfüllung der Schriften! Aber dieses Volk hat sich von Anfang seiner Geschichte an als ungehorsam und götzendienerisch gezeigt, und trotz der grössten Beweise der Liebe und Geduld Gottes hat sich sein natürlicher Charakter nicht geändert. So ist es auch mit unseren armen Herzen. Soweit wir uns erinnern können, selbst bis in die früheste Kindheit zurück, finden wir bei uns Ungehorsam und Begierde. Nur die Macht Gottes hat uns eine andere Natur geben können.

Apostelgeschichte 7,44–60

Stephanus beendigt seine Erzählung. Er war als Angeklagter vor dem Synedrium erschienen, aber nun hat sich das Blatt gewendet. Er ist es, der diesem halsstarrigen Volk von selten Gottes den Prozess macht (siehe schon 2. Mose 32,9; 33,3 ff.). Er, der vom Heiligen Geist erfüllt ist, sagt zu ihnen: «Ihr widerstreitet allezeit dem Heiligen Geist». Ach! geht es nicht auch uns oft so, dass wir dem Heiligen Geist widerstehen, wenn es sich darum handelt, den Willen des Herrn auszuführen oder den unsrigen nicht zu tun?

Welch ein Kontrast zwischen dem Frieden des Jüngers, der in den Anblick der Herrlichkeit des Herrn Jesus, zur Rechten Gottes stehend, versunken ist, und der Wut seiner Gegner. Der Hass treibt sie, ohne auch nur eine Scheinhandlung von Verurteilung, zu dem Verbrechen, das für viele Jahrhunderte die Verwerfung der Juden als Nation und ihre Zerstreuung über die ganze Erde zur Folge hat. Wenn wir die letzten Worte dieses treuen Zeugen (Verse 56,60) mit denen seines Herrn am Kreuz (Lukas 23,46 und 34) vergleichen, stellen wir noch einmal fest, wie sehr dieser Jünger seinem Meister, auf den er seine Augen gerichtet hält, gleicht. Dieser Mord ist der tragische Abschluss der Geschichte des rebellischen Volkes, die Stephanus erzählt hat. Er besiegelt sie mit seinem eigenen Blut, indem er nach der langen Liste der verfolgten Propheten (Vers 52) der erste Märtyrer der Kirche wird (lies 1. Thessalonicher 2,15.16).

Apostelgeschichte 8, 1–25

Der Herr hatte seinen Jüngern geboten: «Ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde» (Kapitel 1,8). Bisher hatten sie nur den ersten Teil dieses Befehls ausgeführt. Um sie zum Weitergehen zur nächsten Etappe zu veranlassen, benützt der Herr in seiner Weisheit ein schmerzliches Mittel: die Verfolgung. Der Tod des Stephanus gab das Signal dazu. Sie hat die Zerstreuung der Gläubigen zur Folge, und dadurch wird das Evangelium anderswo verbreitet. So hat ein unangenehmer Wind oft die glückliche Wirkung, nützlichen Samen weithin zu tragen.

Der Evangelist Philippus (der in Kapitel 6,5 genannt wird) begibt sich nach Samaria, um «den Christus» zu predigen: also nicht eine Lehre, sondern eine Person (Vers 5; vergleiche Vers 35). Welche Kraft hätte unser Zeugnis, wenn wir, statt nur Wahrheiten vorzustellen, in unserer Umgebung von Dem sprächen, der unser Herz erfüllt -oder erfüllen sollte!

So kommt es, dass diese von den Juden verabscheuten und verachteten Samariter nun mit der gleichen Taufe getauft werden und die gleiche Gabe des Heiligen Geistes empfangen, wie sie. Weder die Geburt, noch irgendwelche Verdienste oder Geld -wie der Zauberer Simon es sich einbildete -geben Zugang zu einem solchen Vorrecht. Alles kommt allein von der Gnade Gottes.

Apostelgeschichte 8,26–40

Philippus ist eben das Werkzeug eines grossen Werkes in Samaria gewesen. Wie muss es ihn deshalb erstaunen, dass er den Befehl bekommt, sein Arbeitsfeld zu verlassen, um sich auf einen «öden Weg» zu begeben! Wahrlich ein merkwürdiger Ort, um das Evangelium zu verkündigen! Er gehorcht jedoch ohne Widerrede. Und da geschieht es, dass der Wagen eines hohen afrikanischen Ministers vorbeifährt, der eine lange Reise unternommen hat, um in Jerusalem anzubeten. Aber wie hätte er in dieser Stadt Gott finden können, hier, wo sein Sohn verworfen worden war? Immerhin bringt dieser Mann einen Schatz von dort mit sich, der unendlich höheren Wert hat, als alle Schätze seiner Königin (Vers 27): einen Teil der Heiligen Schriften. Und Gott hat ihn in seiner Lektüre bis zum Herzen des Buches Jesaja, dem 53. Kapitel, geführt. So hat der Herr für seinen Diener alles vorbereitet-Der Aethiopier lernt durch ihn den Herrn Jesus kennen. Er kann getauft werden und seinen Weg «mit Freuden» fortsetzen, um, wie man es gern annimmt, ein Botschafter der Gnade in seinem entfernten Land zu werden.

Nicht nur solche, die sich an Volksmengen richten, sind Evangelisten. Beginnen wir damit, gehorsam zu sein, vor allem wenn wir unseren Arbeits-oder Wohnort wechseln. Dann wird der Herr es erlauben, dass auch wir, gerade im rechten Moment, jemandem begegnen, dem wir vom Herrn Jesus sagen können.

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