Ährenlese im Neuen Testament (Apostelgeschichte)

Kapitel 1-4

Ährenlese im Neuen Testament (Apostelgeschichte)

Apostelgeschichte 1,1–14

Lukas, der inspirierte Verfasser der Apostelgeschichte, beginnt seine Erzählung mit der Auffahrt des Herrn Jesus in den Himmel, obwohl er schon am Ende seines Evangeliums von diesem Ereignis berichtet hat. Denn das Kommen des Heiligen Geistes und das ganze Werk «bis an das Ende der Erde», das sich daraus ergeben sollte, entspringen der Gegenwart Christi in der Herrlichkeit (Johannes 16,7). Zudem bestätigt dieser Anfang, dass alles, was die Apostel tun werden, den Befehlen entspricht, die sie vom Herrn empfangen haben (Verse 2,8). Das wird ihren Dienst rechtfertigen. «Ihr werdet meine Zeugen sein», sagt ihnen Jesus, denn ihre Gedanken waren noch auf die Dinge dieser Erde gerichtet (Vers 6). Sie wurden die Verwahrer der wunderbaren Wahrheiten, die Ihn betrafen: Er, der gelitten hatte, war jetzt lebendig (Vers 3). Er wurde von ihren Augen hinweg in den Himmel aufgenommen (Vers 9) und wird, gemäss der sicheren Verheissung, die ihnen durch Engel mitgeteilt wurde, in gleicher Weise wiederkommen (Vers 11). Und sie sollten durch die Kraft des Heiligen Geistes, den sie bald empfangen würden (Vers 8), diese Dinge verkündigen.

Die erste Zusammenkunft nach der Himmelfahrt des Herrn ist dem Gebet geweiht, und alle Apostel sind anwesend. Möchten wir, die wir am Ende der Geschichte der Versammlung auf Erden angekommen sind, an der Zusammenkunft, die die letzte vor Seinem Kommen sein wird, nicht fehlen!

Apostelgeschichte 1,15–26

Petrus ergreift das Wort in der Mitte der ersten Jünger. Er erinnert sie an das unglückliche Ende des Judas, der sich erhängte (Matthäus 27,5–8). Das war ein entsetzlicher Tod, aber das ewige Los wird noch viel schrecklicher sein! (Vers 25). Gestützt auf das Licht und die Autorität der Schriften, zeigt Petrus die Notwendigkeit, den weggefallenen Jünger zu ersetzen. Zwölf Apostel mussten offizielle Zeugen dieser grundlegenden Tatsache des Christentums, der Auferstehung des Herrn Jesus sein (vergleiche 1. Korinther 15,5). Joseph und Matthias befanden sich unter denen, die das Vorrecht gehabt hatten, den Herrn Jesus während seines Dienstes hienieden zu begleiten. Vielleicht gehörten sie zu den siebzig, die Er seinerzeit ausgesandt hatte (Lukas 10,1). Nachdem die Jünger den Herrn, der alle Herzen kennt (Vers 24), gebeten haben, ihnen seine Wahl zu zeigen, werfen sie das Los, und Matthias wird bezeichnet.

Heute wäre es nicht mehr richtig, Lose zu werfen; denn der Heilige Geist ist da und gibt den Gläubigen die Einsicht, die sie nötig haben. In diesem Zusammenhang ist es interessant, diese Szene mit Apostelgeschichte 13,2 zu vergleichen, wo der Geist gebietet: «Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werke aus, zu welchem ich sie berufen habe».

Apostelgeschichte 2,1–21

Seit der Himmelfahrt des Herrn sind einige Tage vergangen. Nun geht seine und seines Vaters Verheissung in Erfüllung (Kapitel 1,4). In Form von «zerteilten Zungen wie von Feuer» kommt der Heilige Geist, diese göttliche Person, auf die Erde herab und bleibt auf den Jüngern. Seine Kraft offenbart sich sogleich in ihnen: sie werden fähig, sich in Sprachen auszudrücken, die sie nicht kannten. So begegnet Gott in Gnade dem Fluch von Babel (1. Mose 11,1–9).

Das jüdische Pfingstfest führte jedes Jahr eine beträchtliche Anzahl der unter die Nationen zerstreuten Israeliten nach Jerusalem. Dieser Zustrom gibt Gelegenheit zur ersten grossen Evangelisationsversammlung. Aber was für erstaunliche Dinge bekommt die Volksmenge zu hören! Jeder kann «die grossen Taten Gottes» in seiner eigenen Sprache vernehmen. Und die Redner sind ungelehrte «Galiläer» (vergleiche Kapitel 4,13; Johannes 7,15). Es ist nicht nötig, zu einer Elite zu gehören, oder besondere Studien gemacht zu haben, um ein Arbeiter des Herrn zu sein. Von Ihm abhängig sein und sich unter die Leitung seines Geistes stellen, das sind die einzigen erforderlichen Bedingungen. Möchte jeder von uns sie erfüllen!

Apostelgeschichte 2,22–41

Von einem Text aus dem Propheten Joel ausgehend hat Petrus den Juden gezeigt, dass die in ihrer Mitte wirkende Kraft göttlichen Ursprungs ist. Wenn wir einen biblischen Text betrachten, wollen wir nie vergessen, dass Gott zu uns spricht. Nun erinnert Petrus an den wunderbaren Weg Christi hienieden, an seinen Tod und seine Auferstehung, die in vielen Schriftstellen angekündigt und von den Aposteln bezeugt wurden. So hat Gott «diesen Jesus», den das Volk gekreuzigt hatte, zu seiner Rechten gesetzt, und Ihn zum Herrn und Christus ernannt. Welch ein Schrecken für seine Mörder, von einem solchen Verbrechen überzeugt zu werden! In ihrem Gewissen getroffen, erfasst die Zuhörer aufrichtige Reue, und sie werden von Furcht und Bestürzung ergriffen. Wie kann man Gott nach einer derartigen Schmähung wieder zufriedenstellen? In erster Linie durch Busse, antwortet Petrus. Das ist nicht einfach ein Bedauern, Böses getan zu haben, sondern ein gottgemässes Verurteilen seiner begangenen Taten und das Aufgeben der früheren Lebenshaltung. Sie ist bereits eine erste Offenbarung des Glaubens (deshalb hat der Apostel nicht nötig, sie zum Glauben aufzufordern). Als Folge dieser ersten Predigt werden dreitausend Personen bekehrt und getauft.

Apostelgeschichte 2,423,11

Das 2. Kapitel endet mit einem bewundernswerten Bild der Versammlung in ihren Anfängen. Es gab wie heute Zusammenkünfte zur Belehrung, zum Gottesdienst und zum Gebet (Vers 42). Aber wir beschränken das Leben der Versammlung oft auf diese Zusammenkünfte, während es doch seine Fortsetzung findet, in den Häusern derer, die sie bilden (Vers 46).

«Es kam aber jede Seele Furcht an», lesen wir im 43. Vers. Der Ernst kann in vollkommener Harmonie mit der Freude sein (Vers 46).

Im 3. Kapitel sehen wir, wie sich die Kraft des Heiligen Geistes nicht nur in den Worten der Apostel, sondern auch in ihren Werken, offenbart.

Als der arme Gelähmte, der an der «schönen» Tempelpforte sass, Petrus und Johannes um ein Almosen bat, erwartete er in keiner Weise die Gabe, die er nun erhalten sollte: eine wunderbare Heilung durch den Glauben an den Namen Jesu. «Was ich habe, das gebe ich dir», sagt Petrus (Vers 6). Wenn es sich um Geben handelt, denken wir gewöhnlich zuerst an Geld (Vers 6), seltener an den unerschöpflichen himmlischen Reichtum, den wir in unserem Erlöser besitzen, und doch haben wir das Vorrecht, unsere Umgebung damit bekanntzumachen.

Welche Veränderung für diesen armen Lahmen! Bisher war er «an der Pforte». Jetzt tritt er in die Gegenwart Gottes, um Ihn zu loben (Vers 8). Ist vielleicht einer unserer Leser noch «an der Pforte»?

Apostelgeschichte 3,12–26

Sowie die Leute von der Heilung des Gelähmten hören, kommt eine Menge Neugieriger zusammen. Alle sind von Verwunderung und Erstaunen erfüllt (Vers 10). Aber Petrus lenkt die Aufmerksamkeit sofort von sich und Johannes ab, um das Wunder der Macht des Namens Jesu zuzuschreiben. Dieses Werk war ein offensichtlicher Beweis des Lebens und der Kraft, in der Auferstehung Dessen, den sie getötet hatten. «Ihr habt den Heiligen und Gerechten verleugnet», erklärt ihnen der Apostel, nicht um sie zu verdammen, sondern wie einer, der die Schande dieser Sünde aus Erfahrung kannte (Vers 14; Lukas 22,57 ff). «Ich weiss, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt», fügt er hinzu, und bestätigt damit das Wort des Herrn am Kreuz: «Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!» (Lukas 23,34). Die Gelegenheit, die den Juden hier gegeben wurde, das Evangelium zu hören und Busse zu tun, war eine Antwort auf diese Bitte des Herrn. Sie hatten in ihrer Mitte das Zeugnis des Heiligen Geistes, der durch den Mund des Petrus redete und in der Versammlung sichtbar wurde (Kapitel 2,44–47). Wenn sich das Volk, in Erkenntnis seiner Sünde, jetzt zu Gott gewandt hätte, wäre der Herr wiedergekommen; das wollte es nicht und hatte hinfort keine Entschuldigung der Unwissenheit mehr.

Apostelgeschichte 4,1–22

Ein so grosses Wunderwerk musste notwendigerweise den Widerspruch Satans herausfordern. Seine Werkzeuge sind uns bekannt: Annas, Kajaphas, die Priester, die Ältesten und Schriftgelehrten, kurz, die Hauptverantwortlichen für die Verurteilung des Herrn. Durch ein schonendes Behandeln der Jünger hätten sie zugegeben, ungerecht gewesen zu sein, als die deren Meister töteten. Der Hochmut hindert sie daran. Sie verharrten in ihrem Hass gegen den Namen Jesu. Er selbst wurde fortan der eigentliche Prüfstein: für die einen der «auserwählte, kostbare Eckstein», für die andern «ein Stein des Anstosses und ein Fels des Ärgernisses» (vergleiche Vers 11 und 1. Petrus 2,4–8). Der 12. Vers ist von fundamentaler Wichtigkeit: er bestätigt den einzigartigen Wert und die absolute Notwendigkeit dieses kostbaren Namens, um gerettet zu werden.

Bei den Jüngern erkannte man, dass sie «mit Jesus gewesen waren» (Vers 13). Wenn wir ständig in der Gemeinschaft des Herrn leben, wird man das merken.

Der ganze Widerstand der Obersten der Juden kann die Wirksamkeit des Evangeliums nicht verhindern (Vers 4), noch den Aposteln den Mund verschliessen; denn diese haben ihren Ruf und ihren Auftrag von Gott selbst bekommen (Vers 19). Und das Wort ist wie «ein brennendes Feuer» in ihnen (Vers 20; Jeremia 20,9).

Apostelgeschichte 4,23–37

Petrus und Johannes kommen wieder zu den anderen Jüngern (in Vers 23 «die Ihrigen» genannt) und berichten ihnen den Entschluss der Obersten des Volkes. Aber anstatt zu tun, was ihnen geboten worden war, nehmen sie Zuflucht zu ihrem gemeinsamen Hilfsmittel, dem Gebet (siehe auch Kapitel 6,4; 12,5.12; 14,23). Sie erkennen in der Empörung der Juden und Nationen gegen Gott und seinen «heiligen Knecht Jesus» die Erfüllung der Schriften (bis jetzt noch teilweise, deshalb lassen die Apostel in ihrem Zitat aus Psalm 2 die schreckliche, göttliche Antwort auf diese Herausforderungen der Menschen weg).

Das Wort «Freimütigkeit» ist bezeichnend für dieses Kapitel (Verse 13.29.31). Es hat nichts gemein mit der fleischlichen Energie, die den Petrus früher nach vorn drängte -und ihn im nächsten Augenblick wieder verliess. Die Jünger bekommen diese Freimütigkeit als Antwort auf ihr Gebet. Ahmen wir sie nach, wenn wir fühlen, dass es uns an Mut fehlt!

In den Versen 32–37 folgt eine neue, wunderbare Beschreibung der Versammlung in der Frische ihrer ersten Liebe. Wenn wir auch nicht behaupten, diesen glücklichen Anfang wieder zu erreichen, wollen wir uns doch anstrengen, diesen Geist zu verwirklichen, indem wir unseren Egoismus auf die Seite tun und jede Gelegenheit ergreifen, unseren Brüdern zu dienen.

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