Das Passah des HERRN
Eine aktuelle Auslegung

2. Das Passah des HERRN – Errettung für das Volk Israel

Das Passah des HERRN

„Im ersten Monat, am Vierzehnten des Monats, zwischen den zwei Abenden, ist Passah dem HERRN.“ (3. Mose 23,5)

Gott selbst bestimmt die Geschicke der Menschen. Er hält alle Fäden in der Hand. Er weiß, wann Er wen welche Erlebnisse machen lässt. So auch beim Volk Israel. Er bestimmt, wann das Passah stattfinden soll. Wie bereits angesprochen, fällt dieses Ereignis in eine bestimmte Zeit in der Geschichte des Volkes. Dieses befindet sich in einer fast ausweglosen Situation: Es wird von den Ägyptern auf unmenschliche Weise unterdrückt, und es sieht so aus, als kümmerte sich der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs nicht darum.

In dieser Situation sendet Gott Mose, seinen Diener, den Er in der Stille beim Hüten der Schafe auf diese Aufgabe vorbereitet hat. Er sendet, wen Er senden will, und Er bestimmt auch, wann Er jemanden sendet. So handelt Gott auch heute noch. In unserer Ungeduld meinen wir manchmal, in einer Sackgasse gelandet zu sein. Warum antwortet Gott nicht? Und dann redet Er doch und handelt in unnachahmlicher Weise und vollkommener Güte.

Das Lamm ist das Licht

In den ersten Kapiteln von 2. Mose lesen wir von den ersten acht Plagen, die Gott durch die Hand Moses über Ägypten brachte (Kapitel 7–10). Das neunte Wunder wurde genau wie das dritte und sechste nicht angekündigt. Gott bringt durch die Hand Moses als neunte Plage eine dichte Finsternis über das Land Ägypten, drei Tage lang. „Aber alle Kinder Israel hatten Licht in ihren Wohnungen“ (2. Mo 10,23). Man mag sich fragen, wo dieses Wunder-Licht herkam.

Es hat den Anschein, als ob uns die Schrift selbst die Antwort gibt, warum ausgerechnet im Land Gosen in den Häusern der Israeliten Licht war: „Am Zehnten dieses Monats, da nehme sich jeder ein Lamm für ein Vaterhaus, ein Lamm für ein Haus“ (2. Mo 12,3). War vielleicht in den Häusern der Israeliten bereits das Lamm, von dem wir hier lesen? Dieses war dann – symbolisch – dafür verantwortlich, dass in den Häusern der Israeliten Licht war. Das Lamm ist in der Schrift immer wieder ein Hinweis auf den Herrn Jesus selbst (vgl. z. B. Jes 53,7; Joh 1,29.36;1. Kor 5,7; Off 5,6; 22,1–5). Weil also sozusagen der Herr inmitten der Häuser wohnte, gab es dort Licht. Denn der Herr ist das Licht der Menschen (Joh 1,4). Und von dem himmlischen Jerusalem heißt es: „Und ihre Lampe ist das Lamm“ (Off 21,23).

Wie kommt man zu diesen Gedanken? Am Ende des zehnten Kapitels, also nach dem Wunder der Finsternis in Ägypten, lesen wir die Worte des Pharaos zu Mose: „Geh weg von mir; hüte dich, sieh mein Angesicht nicht wieder! Denn an dem Tag, da du mein Angesicht siehst, wirst du sterben.“ Mose antwortet: „Du hast recht geredet, ich werde dein Angesicht nicht mehr wieder sehen.“ Im Anschluss an diese Worte Moses finden wir einen Einschub in den ersten acht Versen des elften Kapitels, in dem wir von der letzten Plage, dem Schlagen der Erstgeburt, lesen. Am Ende dieses Abschnitts finden wir noch einmal die Bemerkung: „Und er [Mose] ging vom Pharao hinaus in glühendem Zorn.“

Tatsächlich sah der Pharao das Angesicht Moses danach nicht mehr.1 Weil er sein Herz mehrfach gegen Gott und Mose verhärtet hatte, verhärtete Gott das Herz des Pharaos schließlich endgültig. Aber der Pharao würde nicht nur das Angesicht Moses nicht mehr sehen, er würde auch kurze Zeit darauf in den Fluten des Roten Meeres umkommen. Das ist eine ernste Warnung an jeden, der wie der Pharao nicht auf die Stimme Gottes hören möchte: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht“ (Heb 4,7). Dabei gilt dieses Wort nicht nur für Ungläubige. Auch wir, die wir an den Herrn Jesus glauben dürfen, wollen uns der Wirkung einer solchen Ermahnung nicht verschließen, sondern handeln, wenn uns seine Stimme ermahnend und zurechtweisend etwas zuruft.

Nun mag man zu Recht fragen, warum das Passah erst im zwölften Kapitel genannt wird, wenn die Anweisung darüber schon vor der neunten Plage gegeben worden sein soll. Eine Erklärung dafür: Gott folgt in seiner Darstellung eben nicht immer der Chronologie, sondern gruppiert oft thematische Zusammenhänge. So auch in 2. Mose 12. Das Passah ist ein in den Gedanken Gottes besonderes und in gewisser Hinsicht eigenständiges Geschehen. Daher stellt Gott die Schilderung darüber in einen eigenen Abschnitt, nicht einfach in die zeitliche Reihenfolge der Ereignisse.

Wenn die hier geäußerten Gedanken richtig sind, können wir gut verstehen, warum in den Wohnungen der Israeliten Licht war. Gott hatte vor der neunten Plage den Israeliten gesagt, dass sie sich ein Lamm nehmen sollten für ihre Häuser. Sie sollten es jedoch nicht sofort schlachten, sondern erst vier Tage später. So konnte in den drei Tagen der Finsternis (Kapitel 10,22) bei ihnen Licht sein.

Der HERR hatte also das Volk Israel in Bezug auf das Passahlamm belehrt, bevor Er Finsternis über das ganze Land kommen ließ. Das gibt der historischen Begebenheit einen besonderen Wert. Wir können uns gut vorstellen, dass die Israeliten während der dann folgenden drei Tage nicht aus ihren Häusern gingen. Draußen herrschte ja Finsternis. Dadurch konnten sie sich in ganz besonderer Weise mit den Vorschriften des HERRN und insbesondere mit dem Lamm beschäftigen.

Gott gibt Anweisungen an Mose und Aaron

„Und der HERR redete zu Mose und Aaron im Land Ägypten und sprach: Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein, er soll euch der Erste sein von den Monaten des Jahres. Redet zu der ganzen Gemeinde Israel und sprecht: Am Zehnten dieses Monats, da nehme sich jeder ein Lamm für ein Vaterhaus, ein Lamm für ein Haus. Und wenn das Haus nicht zahlreich genug ist für ein Lamm, so nehme er es und sein Nachbar, der Nächste an seinem Haus, nach der Zahl der Seelen; jeden sollt ihr nach dem Maß seines Essens rechnen auf das Lamm. Ein Lamm ohne Fehl sollt ihr haben, ein männliches, einjährig; von den Schafen oder von den Ziegen sollt ihr es nehmen. Und ihr sollt es in Verwahrung haben bis zum vierzehnten Tag dieses Monats. Und die ganze Versammlung der Gemeinde Israel soll es schlachten zwischen den zwei Abenden.“ (2. Mo 12,1–6)

Der HERR hatte das Elend des Volkes in Ägypten gesehen und wollte es aus Ägypten herausführen. „Und ich will euch annehmen mir zum Volk und will euer Gott sein; und ihr sollt erkennen, dass ich der HERR, euer Gott, bin, der euch herausführt unter den Lastarbeiten der Ägypter weg“ (2. Mo 6,7). Sein Wunsch war, dass das Volk im verheißenen Land, Kanaan, Gottesdienst übte, so wie es sein Wunsch heute ist, dass wir Ihn anbeten. Dazu hatte Gott Mose als Führer des Volkes auserwählt, damit dieser das Volk nach Kanaan brächte. Jetzt wendet der HERR sich jedoch nicht allein an Mose, sondern auch an Aaron. Warum? Weil Mose nicht bereit war, den ihm von Gott anvertrauten Dienst allein auszuführen (2. Mo 4,13).

Obwohl Mose hätte wissen müssen, dass der HERR nur dann jemandem einen Auftrag gibt, wenn Er ihm dazu auch die nötigen Fähigkeiten schenkt, war Mose nicht bereit, diese Aufgabe allein in Abhängigkeit vom HERRN auszuführen. Er hatte offensichtlich zu viel Angst vor den Menschen (und der Aufgabe) und zu wenig Gottvertrauen.

Der HERR antwortete auf die eigenwilligen Worte Moses, indem Er ihm seinen älteren Bruder Aaron zur Seite stellte. Das zeugt von der unendlichen Gnade Gottes, der bereit ist, auf die Fragen und Schwierigkeiten seiner Knechte einzugehen. Aber es zeigte sich, dass Mose durch Aaron auch eine Last auferlegt wurde; man denke nur an die Begebenheit mit dem goldenen Kalb. Gott machte Mose dadurch deutlich, dass es besser ist, sofort auf die Stimme Gottes zu hören.

Der Anfang der Monate

„Dieser Monat ... soll euch der Erste sein von den Monaten des Jahres.“ (Vers 2)2

Der HERR wollte für das Volk mit diesem Passah etwas schaffen, das ihre Gewohnheiten ändern sollte. Ihr Kalender wurde grundlegend verändert. Es sollte nicht mehr – wie bis dahin – mit dem Monat Tischri (oder Ethanim, entspricht unserem September/Oktober) beginnen, sondern mit dem Monat Abib (oder Nisan, entspricht unserem März/April).3 Mit dieser Anordnung war allen Israeliten klar, dass Gott mit etwas Neuem, Besonderem beginnen würde. Das Volk würde von nun an immer auf dieses Ereignis als auf den Beginn einer völlig neuen Zeitepoche zurückblicken. Und sie würden das alles einerseits mit der Knechtschaft in Ägypten, andererseits aber auch mit dem einen Lamm in Verbindung bringen. Denn sie wurden an diesem 14. Tag des Monats Abib aus der Unterdrückung befreit, und zwar durch ein Lamm, oder genauer durch das Blut des Lammes, also durch ein gestorbenes Lamm.

Wenn Gott auch mit dem Passah etwas völlig Neues schaffen wollte, so ist es doch wichtig zu erkennen, dass es nicht in Kanaan, auch nicht in der Wüste, sondern in Ägypten das erste Mal begangen, „gefeiert“ wurde. Zwar lesen wir in Verbindung mit der Einsetzung des Passahs nichts von einer Feier, dazu waren die Umstände zu ernst. In der Ankündigung jedoch (2. Mo 10,9) wird zumindest der Gottesdienst als Feier bezeichnet; später lesen wir von den Festen des HERRN in 3. Mose 23. Bereits in 2. Mose 12,14 heißt es: „Und dieser Tag soll euch zum Gedächtnis sein, und ihr sollt ihn als Fest dem HERRN feiern; als ewige Satzung bei euren Geschlechtern sollt ihr ihn feiern.“ In jedem Fall sehen wir, dass das erste Passah in Ägypten stattfand, an dem Ort, wo das Volk vom Pharao und seinen Leuten so hart bedrängt wurde, also am Ort der Knechtschaft.

Es geht uns alle an

„Redet zu der ganzen Gemeinde Israel und sprecht: Am Zehnten dieses Monats, da nehme sich jeder ein Lamm für ein Vaterhaus, ein Lamm für ein Haus.“ (Vers 3)

Mose und Aaron mussten sich an die ganze Gemeinde Israels wenden. Es handelte sich um eine solch wichtige Sache, dass es nicht genügte, lediglich einen Teil wie z. B. die Führer zu informieren. Es ging alle an. So ist es auch heute. Gott hat uns in seinem Wort Mitteilungen hinterlassen, die alle Menschen angehen. Niemand ist hier ausgeschlossen.

Aber nicht nur das: Gott wendet sich in seinem Wort auch an jeden Gläubigen. Christen dürfen alle seine Gedanken verstehen und sollten ihr Leben danach ausrichten. Hier legt der Herr auf jeden von uns eine große Verantwortung.

Das Lamm

Am Zehnten des Monats sollte sich dann jeder ein Lamm für ein Vaterhaus aussuchen. Wir können uns gut vorstellen, wie der Familienvater zu seinen Schafen oder Ziegen ging, um sich ein geeignetes männliches, einjähriges Tier auszusuchen. Vielleicht nahm er seine Kinder mit, damit sie zusehen konnten, nach welchen Kriterien er vorging. Dem Vater war bewusst, dass es um etwas Besonderes ging. Wir haben ja schon gesehen, dass eine völlig neue Zeitrechnung begann. Also suchte er ein besonders gutes Lamm aus. Der HERR hatte ja genaue Vorschriften über die Beschaffenheit des auszusuchenden Tieres gegeben.

„Ein Lamm ohne Fehl sollt ihr haben, ein männliches, einjährig; von den Schafen oder von den Ziegen sollt ihr es nehmen.“ (Vers 5)

Somit hatte der Familienvater keine unbegrenzte Auswahlmöglichkeit. Er musste eines seiner besten Tiere nehmen. Man könnte gut verstehen, wenn ihm das zu schade gewesen wäre. Ein besonders gutes Tier, das schön aussah und keinen Mangel hatte, würde ihm später noch gut dienen können: zur Arbeit, zur Viehzucht, zum Verkauf oder einfach nur dazu, es anderen zu zeigen und stolz darauf zu sein. Jetzt musste er es nach der Vorschrift aussuchen, weil Gott es wollte.

Sind auch wir bereit, wenn der Herr von uns etwas für seine Zwecke nutzen will, Ihm das Beste zu geben, zu opfern? Das betrifft unsere Zeit, unsere Freizeit, unser Geld, unsere Energie und vieles andere mehr. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Ihm ohnehin alles gehört. Uns ist das nur „geliehen“ worden. Wir dürfen es benutzen, das Eigentumsrecht liegt jedoch bei unserem Herrn (vgl. 1. Kor 7,31). Wir sollen uns Ihm sogar ganz zur Verfügung stellen! Selbst unsere „Arbeitszeit“ gehört Ihm (Kol 3,24).

Für ein Haus

Dieses vorzügliche Tier sollte nun für ein Haus sein: für die Eltern, für die Kinder, vielleicht für die Großeltern, Urgroßeltern usw. Es fällt auf, dass in 2. Mose 12 immer nur von einem Lamm die Rede ist, obwohl für jedes Haus ein eigenes Tier ausgewählt wurde, also insgesamt sehr viele. Es zeigt uns eine ganz praktische Lektion: Jeder Haushalt, jede Familie, die durch Glauben an den Herrn Jesus gekennzeichnet ist, darf Ihn, das Lamm, als Mittelpunkt der Familie besitzen. Obwohl somit viele Familien dieses Lamm besitzen, ist es doch der eine Retter, der für alle der Mittelpunkt ist. Es gibt eben nur einen Herrn (Eph 4,5), und nicht mehrere. Und wir alle dürfen Ihn besitzen.

Was in diesem Zusammenhang zählte, war das „Maß des Essens“ (Vers 4). Wenn jemand viel aß, konnten dementsprechend weniger Personen von dem Lamm essen, und umgekehrt. Wie steht es mit unserem „Appetit“ an der herrlichen Person Christi? Nähren wir uns täglich von Ihm, indem wir in seinem Wort nach den Herrlichkeiten seines Wesens forschen? Der Herr freut sich über jemanden, der ein großes Maß des „Essens“ hat. Das beinhaltet mehr als nur die berühmten „fünf Minuten“ am Tag.

Es ist bemerkenswert, dass der HERR nur die Möglichkeit erwähnt, dass das Lamm zu viel für ein Haus ist, so dass dann zwei Familien ein Lamm essen sollten. Nie wird jedoch angenommen, dass ein Lamm zu wenig für eine Familie ist. Christus ist genug für alle unsere Bedürfnisse, wie groß sie auch immer sein mögen. Wir können seine Fülle nicht ausschöpfen, selbst wenn wir noch so viel „essen“, uns noch so viel von Ihm nähren.

„Essen“ trägt in der Bibel zuweilen allerdings noch einen weiteren Charakter: Oft isst man nicht allein, sondern mit anderen. Daher spricht „Essen“ oft von Gemeinschaft. Über zehnmal lesen wir davon, dass die Israeliten aßen bzw. essen sollen. Die Passahfeier war in gewisser Hinsicht ein Akt der Gemeinschaft. Man saß zusammen und unterhielt sich – bei dieser Einsetzung des Passahs zweifellos über das Gericht, das die Ägypter treffen sollte und auch über die Angst vor dem eigenen Gericht, sofern es an Glaubensvertrauen fehlte.

Auch wir dürfen heute Gemeinschaft mit Gläubigen pflegen. Wir können uns über die Person unseres Retters unterhalten, wir haben eine gemeinsame Zukunft, wir haben gemeinsame Interessen. Gerade Gemeinschaft in Bezug auf die Beschäftigung mit der gesegneten Person unseres Retters führt dazu, dass wir andere Seiten kennen lernen, die wir im persönlichen Bibelstudium allein nicht gesehen hätten. Allerdings bleibt wahr, dass die praktische Gemeinschaft damals zumindest unvollständig war – denn jeder aß das Lamm in seinem eigenen Haus. Die Gemeinschaft, die wir heute verwirklichen dürfen, wird durch Hausgrenzen nicht begrenzt!

Bis die Israeliten das Passahlamm essen sollten, hatten sie das Tier vier Tage in Verwahrung. Wenn wir davon ausgehen, dass drei dieser Tage durch die Finsternis außerhalb der Häuser gekennzeichnet waren, dann spielte sich in der Tat das ganze Leben in den Wohnungen und um das Lamm ab. Die Eltern und die Kinder sahen das Tier die ganze Zeit. So kann man wohl annehmen, dass jeweils die ganze Familie das Lamm lieb gewann, so weit das in vier Tagen möglich ist. Wir dürfen uns heute mit Christus beschäftigen und Ihn „lieb gewinnen“, eine innige Beziehung mit Ihm genießen.

Die Schlachtung des Lammes

„Und die ganze Versammlung der Gemeinde Israel soll es schlachten zwischen den zwei Abenden.“ (Vers 6)

Am Ende des vierten Tages sollten die Israeliten also das Tier schlachten. Wir lesen hier nichts davon, dass es die Väter tun sollten, obwohl wir wohl annehmen dürfen, dass sie diesen Schritt ausführten. Nein, die ganze Gemeinde Israel war angesprochen. Bei einer solch wichtigen Aktion konnte sich keiner ausschließen.

Auch heute ist es genau so. Wenn es um die Dinge des Herrn geht, kann sich keiner zurückziehen, jeder ist gefordert. Und was die Errettung des Menschen betrifft: Hier ist jeder Einzelne ganz persönlich gefordert, eine Entscheidung für den Herrn Jesus zu treffen. Niemand kann diese Entscheidung für mich treffen, als nur ich selbst.

Die Schlachtung – ein Hinweis darauf, dass es sich bei dem Passah um eine Opferung handelte (vgl. z. B. 3. Mo 1,5; 3,2; 4,4; 17,3 ff.) – sollte zwischen den zwei Abenden stattfinden. Dieser heute eher ungebräuchliche Ausdruck weist wohl darauf hin, dass die Schlachtung am 14. Abib zwischen Sonnenuntergang und Einbruch der Dunkelheit stattfinden sollte. Dies können wir 5. Mose 16,6 entnehmen, wo der Untergang der Sonne mit dem Passah in Verbindung gebracht wird.4

Man nimmt also an, dass dieser spezielle Ausdruck die Zeit zwischen 15 und 18 Uhr bezeichnet. In dieser Zeit wurde in Israel später auch das Abendopfer gebracht. Am Abend des ersten Passahs hatten die Israeliten also bis zum Einbruch der Dunkelheit das geschlachtete Passahlamm vor Augen.

Das Blut des Lammes

„Und sie sollen von dem Blut nehmen und es an die beiden Pfosten und an den Türsturz tun, an den Häusern, in denen sie es essen.“ (Vers 7)

In diesem Vers gibt Gott die jetzt entscheidenden Anweisungen. Das Blut war es, das dafür sorgte, dass die Erstgeborenen Israels im Gegensatz zu denjenigen Ägyptens verschont wurden. „Und das Blut soll euch zum Zeichen sein an den Häusern, worin ihr seid; und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen; und es wird keine Plage zum Verderben unter euch sein, wenn ich das Land Ägypten schlage“ (Vers 13). Das Blut war somit das Rettungsmittel für Israel.

Brauchte das Volk Israel überhaupt ein solches Mittel zur Errettung? War es denn nicht besser als das Volk der Ägypter? Nein, Gott hatte gesagt: „Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völker, hat der HERR sich euch zugeneigt und euch erwählt; denn ihr seid das geringste unter allen Völkern; sondern wegen der Liebe des HERRN zu euch, und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen hat, hat der HERR euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Haus der Knechtschaft, aus der Hand des Pharaos, des Königs von Ägypten“ (5. Mo 7,7.8). „Nicht um deiner Gerechtigkeit und der Geradheit deines Herzens willen kommst du hinein, um ihr Land in Besitz zu nehmen; ... denn ein hartnäckiges Volk bist du“ (5. Mo 9,5.6).

Das Volk Israel war kein bisschen besser als andere Völker. So hätte vom Volk Israel, genau wie von den Ägyptern, der Erstgeborene sterben müssen. Aber Gott liebte es und wollte es erretten. Dazu jedoch musste es unter das gleiche Gericht kommen wie Ägypten; nur dass der HERR einen Stellvertreter gab, dieses eine Lamm, das anstelle der Erstgeburt Israels die Strafe für die Sünde, den Tod erleiden musste. Also – nicht die Treue der Israeliten, sondern die Treue und Liebe des HERRN, der ihnen ein Lamm gab, führte zum Verschonen dieses Volkes. Aber Er handelte in seiner Liebe nicht auf Kosten der Gerechtigkeit, denn der Erstgeborene in Israel wurde deshalb verschont, weil ein anderer – in diesem Fall das Lamm – an seiner Stelle starb.

Das Blut dieses von Gott gegebenen Lammes musste an die zwei Türpfosten und den Türsturz gestrichen werden. Dazu war es nötig, dass das Lamm geschlachtet wurde, also starb. Wir wissen aus dem Neuen Testament, dass das Blut in den Gedanken Gottes eine sehr wichtige Rolle spielt: „Ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid, ... sondern mit dem kostbaren Blut Christi als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken“ (1. Pet 1,18).

Warum wurde das Blut auf die Türbegrenzungen gestrichen? Der Grund dafür liegt wohl darin, dass der HERR um Mitternacht mitten durch Ägypten ausging, um alle Erstgeburt zu schlagen (2. Mo 12,12). Wenn Er nun – in Ehrfurcht gesprochen – „durch die Tür eines Hauses“ gehen wollte und an diese Tür das Blut gestrichen war, verschonte Er den Erstgeborenen, indem Er vorüberging. Denn es war ja schon jemand gestorben – dieses Lamm. Und der Beweis seines Todes war das an die Türpfosten gestrichene Blut. Wenn aber dieses Blut nicht vorhanden war, musste der Erstgeborene sterben.

Wichtig war nicht, dass der Israelit auf das Blut sah. „Und sehe ICH das Blut, so werde ich an euch vorübergehen“ (Vers 13). Es war somit nicht wichtig, ob der hinter der Tür wohnende Israelit sicher war, dass das Blut ausreichte. Nicht dessen Wertschätzung zählte, sondern diejenige Gottes. Und wenn der HERR das Blut sah, würde Er vorübergehen. Das war seine Zusage.

Vielleicht haben die Ägypter gespottet, als die Israeliten das Blut an die Türpfosten strichen – falls sie es aufgrund der ausgelagerten israelitischen Wohnungen in Gosen überhaupt gesehen haben. Sicherlich war es bereits später Nachmittag, wie wir durch die Bezeichnung „zwischen den zwei Abenden“ gesehen haben. Aber wahrscheinlich bekamen die Ägypter zumindest durch die Aufseher dennoch mit, was die Israeliten taten – und verlachten diese. Wir wissen, dass sich ihr Lachen sehr bald in ein großes Geschrei umwandelte;5 dennoch mag es manchem Israeliten schwer gefallen sein, unter den Augen des einheimischen Volkes eine für den menschlichen Verstand unsinnige Handlung auszuführen. Letztlich wird es jedem gläubigen Christen heute nicht viel anders gehen im Umgang mit Menschen dieser Welt, wenn er sich auf einen gestorbenen Christus stützt.

EUCH zum Zeichen

Weiter oben wurde darauf hingewiesen, dass es unwichtig war, ob der Erstgeborene des Hauses das Blut auf den Türpfosten und dem Türsturz sah. Dorthin musste es von der Familie natürlich gestrichen werden; aber entscheidend war, dass Gott dieses Blut an den Türbegrenzungen sah (Vers 13).

Und doch fällt auf, dass Gott sagt: „Und das Blut soll EUCH zum Zeichen sein an den Häusern, worin ihr seid“ (Vers 13). Es war nicht für Gott das Zeichen, sondern für das Volk. Und wir können uns vorstellen, dass gerade der Erstgeborene, dessen Leben auf dem Spiel stand, immer wieder vor Einbruch der Dunkelheit nach draußen gegangen ist, um zu überprüfen, ob das Blut auch wirklich an die Türschwellen gestrichen worden war. Vielleicht war er dabei, als das Blut dorthin gestrichen wurde. Aber zu seiner inneren Beruhigung mag er dieses Blut immer wieder angeschaut haben, bis zu dem Zeitpunkt, an dem er das Haus nicht mehr verlassen durfte (Vers 22).

So ähnlich geht es heute manchen, die ihre Sünden bekannt und an das Blut des Herrn Jesus geglaubt haben. Viele, die sich als Kinder bekehrt haben, zweifeln nach einer Sünde wieder an ihrer Errettung. Dann kann man sich nicht noch ein zweites Mal bekehren. Aber aus Angst bekennt man vielleicht noch einmal die Sünden, die einem einfallen. Oder ein älterer Gläubiger, der zum Zweifeln neigt, bekommt auf einmal Angst, ob er wirklich bekehrt ist. Und dann hat uns Gott auch gewissermaßen solche sichtbaren „Zeichen“ gegeben, auf die wir uns stützen können – nämlich Bibelverse, die die Zweifel des Ängstlichen zerstreuen.

Davon gibt es eine ganze Menge. Zwei Verse sollen an dieser Stelle zitiert werden: „Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht. Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes“ (1. Joh 5,12.13).

Weitere Anordnungen zum Passah

„Und sie sollen in dieser Nacht das Fleisch essen, gebraten am Feuer, und ungesäuertes Brot; mit bitteren Kräutern sollen sie es essen. Ihr sollt nichts roh davon essen und keineswegs im Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten: seinen Kopf samt seinen Beinen und samt seinem Eingeweide. Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; und was davon bis zum Morgen übrig bleibt, sollt ihr mit Feuer verbrennen. Und so sollt ihr es essen: eure Lenden gegürtet, eure Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand; und ihr sollt es essen in Eile. Es ist das Passah des HERRN.“ (Verse 8–11)

Bislang haben wir uns damit beschäftigt, welche Anordnungen Gott gegeben hatte, damit das Verhältnis des Volkes zu Ihm geregelt war und Gott kein Gericht üben müsste. Wir kommen jetzt noch zu Vorschriften, die besonders das Verhalten der Israeliten im Haus, wo sie das Passah aßen, betreffen. In der entscheidenden Nacht musste alles gegessen werden. Sofern etwas übrig blieb, musste es am nächsten Morgen verbrannt werden.

Damit kann man zwei Gedanken verbinden. Einerseits finden wir eine solche Vorschrift auch bei dem Friedensopfer (3. Mo 7,15), das von Gemeinschaft spricht6. So können wir daran denken, dass Gott Gemeinschaft mit uns sucht, deren Genuss aber auf unserer Wertschätzung des Opfers und der Person Christi beruht. Dabei ist es wichtig, dass unsere Wertschätzung „frisch“, neu ist. Aufgrund dessen, was wir letztes Jahr oder auch nur in der vorletzten Woche erkannt und woran wir uns anbetend erinnert haben, können wir nicht heute Gemeinschaft mit Gott und dem Herrn Jesus genießen. Die Gefahr ist zu groß, dass unsere Gedanken darüber heute bereits abgekühlt sind. Nein, die Freude und der Genuss an Gott müssen immer frisch, neu erlebt sein.

Andererseits verhindert der HERR mit dieser Vorschrift, dass das Essen eines solch kostbaren Opferfleisches wie eine alltägliche Sache angesehen wird. Es ist etwas ganz Besonderes.

Ein dritter Gedanke in Verbindung mit dieser Vorschrift mag sein, dass sich der Familienvater in Bezug auf das „Maß des Essens“ der Hausmitglieder überschätzt haben konnte. Auch hieraus dürfen wir lernen. Wir sollten unsere Kapazitäten nicht überschätzen, auch nicht unsere eigene Wertschätzung der Person unseres Heilandes. Er freut sich immer darüber, wenn wir uns mit Ihm beschäftigen. Er weiß jedoch wohl zu beurteilen, ob wir nach außen hin vorgeben, mehr von Ihm und seinem Wort zu kennen und darin zu leben, als wir in Wirklichkeit tun. Wir Menschen lieben den Schein. Wenn wir aber über die Realität hinausgehen, macht Gott dies offenbar, indem wir sozusagen vom Lamm das Übriggebliebene am nächsten Morgen verbrennen müssen. Wahre Demut und Wahrhaftigkeit sollte uns kennzeichnen.

Die weiteren Einzelheiten sprechen für sich. Das ganze Tier musste gebraten werden, und es durften keine mildernden Elemente wie Wasser verwandt werden. Das tote Tier musste der vollen Hitze des Feuers ausgesetzt werden. Zum Lamm durfte nur Ungesäuertes gegessen werden, Sauerteig war vollständig verboten. Dazu waren bittere Kräuter vorgeschrieben.

Christus und Sünde schließen sich gegenseitig aus

Das macht uns in der Anwendung für unsere Tage deutlich, dass wir Sünde nicht mit unserem Herrn Jesus Christus verbinden können. Denn von ungerichteter Sünde ist der Sauerteig in der Schrift immer wieder ein Bild (Mt 13,33; 16,6; Mk 8,15; 1. Kor 5,7; Gal 5,9). Es wird ausschließlich in negativer Hinsicht verwendet. Sauerteig ist dadurch gekennzeichnet, dass er sich schnell ausbreitet und nur durch Hitze, d. h. durch Backen, aufzuhalten ist. So ist es mit der Sünde: Wenn sie nicht gerichtet und bekannt wird, breitet sie sich immer weiter aus. Nur das Richten der Sünde – im Bild die Hitze, der der Teig ausgesetzt wird – kann den Einfluss der Sünde beenden.

Die bitteren Kräuter mögen ein Hinweis auf Selbstgericht sein. Wenn wir an den Herrn Jesus denken, werden wir uns immer daran erinnern, dass es unsere Sünden waren, die Ihm das Kreuz von Golgatha einbrachten. Und das führt dazu, dass wir auch in unserem täglichen Leben Selbstgericht praktizieren. Denn wir wollen einen Lebenswandel führen, der nicht durch weitere Sünden gekennzeichnet ist, sondern durch gute Werke, die zur Ehre des Herrn sind!

Auch sollte das Volk das Lamm in Eile essen, da es sich kurz vor dem Auszug aus dem Land keine Ruhe und Bequemlichkeit leisten konnte. Die Passahfeier war der unmittelbare Anlass des Aufbruchs Israels. In gewisser Hinsicht ist die Einstellung der „Eile“ auch für uns angemessen. Wir sollten uns mehr bewusst sein, dass unser Leben hier auf der Erde nur kurz ist und bald beendet sein kann – wenn der Herr Jesus wiederkommt. Und Er hat gesagt: „Ich komme bald.“ In einem solchen Bewusstsein lebt man anders: im Verhältnis mit den Mitmenschen, mit den Geschwistern, mit sich selbst, und vor allem mit dem Herrn!

Wenn Gott das Volk auffordert, das Passah in Eile zu essen, sagt Er ihm auch, dass dazu eine bestimmte Kleidung passt, nämlich die von Wanderern. Die Lenden zu umgürten bedeutet, die Kleidung so geordnet zu haben, dass man zügig losmarschieren kann. Die Schuhe sind angesichts der vor dem Volk liegenden Wüste unabdingbar. Auch der Stab kann beim Wandern zu Hilfe genommen werden.

Erinnert uns das nicht auch daran, dass wir in Wirklichkeit nicht zu dieser Erde gehören, sondern Himmelsbürger sind? Wir sind nur vorübergehend hier, unser Heim und unser Ziel ist der Himmel. Unser Lebensweg führt genau zum Himmel. Wir sind Fremdlinge auf der Erde, eben nur Wanderer, auf dem Weg in unsere wahre Heimat. Der Herr schenke, dass unser Leben entsprechend auch in der Praxis aussieht, zu Hause, im Beruf – einfach überall. Das ist es, was auch Petrus meint, wenn er uns auffordert, die Lenden unserer Gesinnung zu umgürten (1. Pet 1,13).

Und das Volk sollte nicht vergessen: „Es ist das Passah des HERRN. Es war keine Feier, bei welcher das Volk, Mose oder irgendeine andere Person im Mittelpunkt stand. Es ging um den HERRN. Er rettete das Volk durch dieses Werk. Ihm gehörte der Dank und das Lob dafür.

„Und die Kinder Israel gingen hin und taten, wie der HERR Mose und Aaron geboten hatte, so taten sie.“ (Vers 28)

Wir finden hier echten Gehorsam durch das Volk. Gott erwähnt ihn, weil Er Treue immer beachtet und wertschätzt. Auch wir dürfen davon lernen. Gott kann von uns Treue erwarten; nicht zuletzt deshalb, weil Er so viel für uns getan hat in der Person unseres Retters, Jesus Christus. Lasst uns Ihn deshalb in allen Dingen durch Gehorsam ehren. „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren“ (Joh 14,21).

Das Essen des Passahlammes und die Folgen

Wie mögen die Israeliten gezittert haben, als sie schließlich das Passahlamm gegessen haben. „Was wird diese Nacht alles mit sich bringen? Wird es ein Geschrei in Ägypten geben? Werden wir verschont werden? Haben wir auch genug Blut auf die Türschwellen gestrichen? Wird unser Erstgeborener überleben?“ Man kann sich gut vorstellen, wie viele Fragen allen durch den Kopf gingen; besonders dem jeweils Erstgeborenen! Vielleicht war es eine ganz stille Mahlzeit. Aber dann durften sich alle Hausbewohner an die Zusage Gottes erinnern: „Und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen“ (Vers 13). Das sollte Sicherheit geben.

Dieses „Vorübergehen“ ist ja auch bereits in dem Wort Passah (englisch: Passover; to pass over; oder auch Passage) enthalten: Es bedeutet vorübergehen, vorbeigehen.7 Das hatte der HERR seinem Volk zugesichert; wenn das Blut an den Türen wäre, würde Er wirklich an ihnen vorübergehen, dann würde das Gericht an ihnen vorbeigehen, um des Lammes willen.

Und dann war es in der Nacht auf einmal so weit: „Und der Pharao stand in der Nacht auf, er und alle seine Knechte und alle Ägypter, und es entstand ein großes Geschrei in Ägypten; denn es war kein Haus, worin nicht ein Toter war“ (Vers 30).

Hatte der Pharao geglaubt, er könne dem Gericht Gottes entrinnen? Bislang war es nur um seine Macht, um sein Ansehen, um seine Besitztümer, um die Herrlichkeit seiner Götter gegangen. Jetzt mit einem Mal ging es jedoch an Menschenleben in jeder Familie, auch an das Leben des Erstgeborenen des Pharaos. Es muss ihm klar geworden sein, dass es beim nächsten Mal nicht nur das Leben einzelner Menschen, sondern aller kosten würde.8

Bereits in Kapitel 10,7, nach dem siebten Wunder, hatten die Knechte ihren Pharao aufgefordert, Mose mit den Israeliten ziehen zu lassen. Sie hatten das Unheil kommen sehen. Damals hatte der Pharao nicht auf seine Untertanen gehört, zu seinem Unheil. Jetzt schickte er sie und ließ Mose und Aaron ausrichten: „Macht euch auf, zieht weg aus der Mitte meines Volkes, sowohl ihr als auch die Kinder Israel, und geht hin, dient dem HERRN, wie ihr geredet habt“ (Vers 31). Somit zogen die Israeliten aus Ägypten, wobei sie von den Ägyptern silberne Geräte, goldene Geräte und Kleider mitnahmen (Verse 35.36).

Damit war das Volk Israel allerdings noch nicht vollständig aus Ägypten befreit. Nachdem sich der Pharao besonnen hatte, verfolgte er die Israeliten. Somit hatten diese vor sich ein scheinbar unüberwindbares Hindernis, das Rote Meer, und hinter sich das erfahrene Heer der Ägypter. In dieser Situation kam der HERR dem Volk erneut zu Hilfe und spaltete das Rote Meer, nachdem Mose seine Hand ausgestreckt hatte (2. Mo 14,21). Dadurch konnte das Volk Israel trockenen Fußes durch das Rote Meer, auch Schilfmeer genannt, wandern.

Nachdem es auf der anderen Seite angekommen war und während die Ägypter ihnen folgten, ließ der HERR das Meer über der ganzen Armee der Ägypter zusammenstürzen – wieder, nachdem Mose seine Hand ausgestreckt hatte (2. Mo 14, 27.28). So rettete der HERR das ganze Volk Israel vollständig vor der Macht Ägyptens und seines Pharaos. Damit waren die Israeliten aus der Knechtschaft, die sie in Ägypten erleiden mussten, befreit.

Der Glaube Moses

Eine Besonderheit soll hier noch vermerkt werden. In Hebräer 11,28 lesen wir: „Durch Glauben hat er [Mose] das Passah gefeiert und die Besprengung des Blutes, damit der Verderber der Erstgeburt sie nicht antaste.“ Man fragt sich unwillkürlich: War es nur Mose, der dieses Passah im Glauben gefeiert hat? Warum lesen wir in diesem Zusammenhang nichts vom Glauben des Volkes, der in Verbindung mit dem Roten Meer doch ausdrücklich genannt wird (Vers 29)?

Gottes Wort gibt uns auf diese Frage keine direkte Antwort. Daher soll darüber nicht spekuliert werden. Gott betont jedenfalls auch an dieser Stelle den hervorragenden Glauben Moses. In 2. Mose 12,39 lesen wir allerdings, dass das Volk offensichtlich nur durch die Vertreibung aus Ägypten daran gehindert wurde, das Ungesäuerte zu säuern. Zumindest hier war von dem Glaubensgehorsam des Volkes nicht viel zu sehen. Nur durch die von Gott zugelassene Bedrängnis der Flucht konnten schlimmere Fehler in Verbindung mit den Vorschriften des HERRN, sieben Tage nur Ungesäuertes zu essen (Vers 15), verhindert werden.

Auch bei uns sind es manchmal Druck und Not, die uns vor Ungehorsam bewahren. Aber Gott sucht unseren Glauben, egal ob wir in Not sind oder nicht. Nur eine Tat aus Glauben hat Wert vor Gott. Und doch dürfen wir festhalten, dass Gott trotz offenbarer Mängel Gnade übt. Er verschont nicht nur das Haus Moses vor dem Gericht an der Erstgeburt, sondern alle Häuser derjenigen, die das Blut an die Türpfosten gestrichen haben. So handelt Gott auch mit uns. Wenn Er nur nach dem Maß unseres Glaubens handeln würde, wäre es schlecht um uns bestellt. Wer könnte dann gerettet werden? Nein, Er handelt nach dem unendlichen Maß seiner Gnade. Lob und Preis sei Ihm dafür!

Fußnoten

  • 1 Eine gewisse Schwierigkeit liegt noch in den Versen 30–32 des zwölften Kapitels. Hier liest man, dass der Pharao Mose und Aaron in der Nacht nach dem Gericht Gottes rufen ließ und ihnen den Auftrag gab, mit dem ganzen Volk aus der Mitte der Ägypter wegzuziehen. Aus dieser Schilderung kann man schließen, dass der Pharao nicht persönlich mit Mose und Aaron sprach und verhandelte, sondern sich seiner Diener und Botschafter, möglicherweise sogar seiner Zauberer bediente, um seine Botschaft Mose zu übermitteln. Wir könnten das gut verstehen, da er durch die soeben geschehenen Vorgänge vor Mose eine ungeheure Angst gehabt haben muss. So wollte er selbst nicht noch einmal mit diesem Mann der schrecklichen Wunder reden.
  • 2 Wenn kein Buch oder Kapitel angegeben ist, dann ist in der Regel 2. Mose 12 gemeint.
  • 3 Für diejenigen, die sich für das jüdische Jahr interessieren, sei angemerkt, dass das bürgerliche Jahr in Israel im Monat Ethanim bzw. Tischri (1. Kön 8,2) begann. Dieser Monat beginnt nach deutscher Zeitrechnung ungefähr Mitte/Ende September und dauert 30 Tage. Nachdem Gott nun den siebten Monat des bürgerlichen Jahres, den Abib bzw. Nisan (2. Mo 13,4; Neh 2,1) zum Jahresbeginn erklärte, gab es zwei parallel laufende Zeitrechnungen, die „ursprüngliche“, traditionelle, und die religiöse. Der Abib/Nisan beginnt nach unserer Monatsrechnung im März/April und dauert ebenfalls 30 Tage. Es ist bemerkenswert, dass in Israel heute nur die bürgerliche Zeitrechnung von Bedeutung ist.
  • 4 Vgl. dazu beispielsweise den im Deutschen geläufigen Ausdruck „zwischen den Jahren“.
  • 5 Vielleicht war das Letzte, was mancher Erstgeborene vor seinem Tod durch das Gericht Gottes sah, das von Israeliten an die Tür gestrichene Blut. Und danach sah er nichts mehr als seinen Richter.
  • 6 Das Friedensopfer spricht von Gemeinschaft, denn ein Teil davon wurde Gott geräuchert, ein Teil diente dem Priester, ein anderer Teil dem Opfernden und auch seinen Freunden, Bekannten, wenn sie rein waren, als Speise. So hatten sozusagen vier Gruppen Anteil an diesem Opfer; ein schönes Beispiel, wie praktische Gemeinschaft aussieht (3. Mo 7,11–21; 28–36).
  • 7 Passah ist von dem hebräischen Wort „Pessach“ abgeleitet, das von einem hebräischen Verb „paßach“ mit der Bedeutung „vorübergehen“ kommt. Das Verb kommt vor in 2. Mose 12,13.23.27 und in Jesaja 31,5.
  • 8 Offenbar hat der Pharao dies schnell wieder vergessen. Anders ist nicht zu erklären, dass er schließlich dem Volk Israel doch folgte, nachdem er dieses weggeschickt hatte. So geht es auch dem Fürsten dieser Welt – Satan. Er ignoriert einfach, dass Gott ihm nicht nur Beute entreißt, sondern dass er seine restliche, vermeintliche Beute auch noch verlieren wird und als eigene Strafe in den Feuersee, die Hölle, geworfen wird. Nicht um andere zu quälen, sondern um selbst ewig gequält zu werden.
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