Das Passah des HERRN
Eine aktuelle Auslegung

4. Christus – Gottes Weg zur Erlösung – eine bildliche Auslegung

Das Passah des HERRN

„Meine Stärke und mein Gesang ist Jah, denn er ist mir zur Rettung geworden.“ (2. Mose 15,2)

Das Alte Testament ist das Bilderbuch des Neuen Testaments genannt worden. Im Neuen Testament finden wir die christliche Wahrheit offenbart. Sie war in den Zeiten des Alten Testaments verborgen. Und dennoch brauchen auch wir Christen das Alte Testament: nicht nur, um aus praktischen Begebenheiten zu lernen, sondern auch, weil eine ganze Anzahl von christlichen Grundsätzen in einer Art Bildersprache im Alten Testament erklärt wird. Gottes Wort ist eben eine Einheit.

Dabei ist die Darstellungsweise im Alten Testament häufig eine andere als die im Neuen Testament. Während wir in den Briefen vor allem die christliche Wahrheit vorgestellt bekommen, wie die Sache ihrem Wesen nach in Gottes Augen ist – z. B. die Errettung – finden wir diese Wahrheit in den Büchern des Alten Testaments so erklärt, wie sie ein Gläubiger durch geistliches Wachstum mehr und mehr versteht. Das trifft besonders auf die Kapitel 12–15 von 2. Mose zu, die uns im Folgenden beschäftigen sollen.

Wir erhalten in diesen Kapiteln zusammenhängende Belehrungen, die eigentlich von Kapitel 12–18 reichen (und in gewissem Sinn auch noch das Überqueren des Jordan in Josua 3–5 umfassen). Das ist nämlich die Zeit, in der das Volk Israel aus Ägypten gerettet und erlöst sowie in die Wüste geführt wurde, allerdings ohne bis dahin das Gesetz Gottes verordnet bekommen zu haben. Das Volk lebte also in dieser Zeit ganz von der Gnade Gottes. Und genau das ist auch der Charakter unserer heutigen Zeit: Wir leben nicht unter der Autorität des Gesetzes, sondern von der Gnade Gottes.

2. Mose 12–15: Von der Rettung vor dem Gericht zur erlösenden Errettung

Das Werk unseres Herrn hat verschiedene Seiten, die schon angesprochen wurden. Aber auch die Auswirkungen dieses Werkes sind vielfältig: Es bewirkt Rechtfertigung, Vergebung, Versöhnung, Erlösung, Errettung, Heiligung, Reinigung, usw. Sowohl im Neuen als auch im Alten Testament finden wir immer wieder einzelne dieser Seiten vorgestellt, die wir alle nötig hatten.

Als Schuldige brauchten wir Vergebung, als Verurteilte die Rechtfertigung, als Knechte Satans und der Sünde die Erlösung, als Feinde Gottes die Versöhnung, als Unreine die Reinigung, als Verlorene die Errettung, als Angehörige der Gott feindlichen Welt die Heiligung, als Tote brauchten wir Leben. Und das sind bei weitem nicht alle Seiten, die betrachtet werden könnten.

1) 2. Mose 12–13: Das Blut rettet das Volk vor dem Gericht Gottes

„Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.“ (1. Joh 1,7)

Das Volk Israel befand sich in der Sklaverei Ägyptens und war dem Pharao vollständig unterworfen. Aber wenn Gott den Pharao und sein Volk richten musste1, war es zugleich nötig, auch im Hinblick auf den Zustand Israels ein gerechtes Gericht zu üben. Denn auch das Volk Israel war kein gerechtes Volk. „Nicht um deiner Gerechtigkeit und der Geradheit deines Herzens willen … denn ein hartnäckiges Volk bist du“ (5. Mo 9,5.6). Deshalb hätte das Gericht Gottes an den Ägyptern ebenso die Israeliten treffen müssen.

Aber es kam anders, weil Gott ein Rettungsmittel schaffte: Es gab jemanden, der das Gericht Gottes stellvertretend für die Israeliten erduldete: das Lamm. Aus diesem Grund handelte Gott gerecht, als er das Gericht nicht an Israel vollzog, sondern ihnen die Rettung schenkte.

Und genau das ist eine Belehrung, die wir im Neuen Testament, gerade im Römerbrief, wiederfinden. Die ersten beiden Kapitel und auch der Anfang des dritten Kapitels belegen eindrucksvoll, dass es keinen Menschen und kein Volk auf dieser Erde gibt, die vor Gott schuldlos wären. Das gipfelt in der Anklage: „Denn wir haben sowohl Juden als auch Griechen zuvor beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde sind, wie geschrieben steht: Da ist kein Gerechter, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer“ (Röm 3,9–12).

Zu dieser „Rasse“ von Menschen gehörten wir alle, jeder Mensch. Gab es dann keine Hoffnung? Doch! – Gott sei Dank! „Denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist; den Gott dargestellt hat als ein Sühnmittel durch den Glauben an sein Blut …; zur Erweisung seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, dass er gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist“ (Röm 3,23–26).

Wie kann jemand gerechtfertigt, vor Gott gerecht gesprochen werden? Dadurch, dass es jemanden gibt, Christus, der Gott in Bezug auf unsere Sünden vollkommen befriedigt, der stellvertretend für unsere Sünden gestorben ist. Und der Beweis seines Werkes ist, dass sein Blut geflossen ist: Christus hat sein Leben hingegeben in den Tod. Wer an die Kraft dieses Blutes, dieses hingegebenen Lebens glaubt, wird gerettet vor dem Zorn Gottes über die Sünde. Gott kann keine Sünde zweimal bestrafen. Wenn Jesus Christus dafür bestraft wurde, geht derjenige frei aus, der anerkennt, dass der Tod Jesu nötig war, damit die Schuld für seine eigenen Sünden bezahlt werden konnte. Das ist die Belehrung, die wir in 2. Mose 12 finden.

2) 2. Mose 14: Die Wasser des Todes retten Israel aus der Gewalt Ägyptens

„Das Pferd und seinen Reiter hat er ins Meer gestürzt“ (2. Mo 15,1).

Aber wir haben es nicht nur mit Gott zu tun. Er ist die zweifellos wichtigste „Instanz“. Doch wir sind noch nicht vollständig erlöst, wenn wir „nur“ frei von dem Gericht Gottes sind – denn es gibt noch den Teufel, die Welt, in der wir verwurzelt sind, und die Sünde, die in uns wohnt. So war auch das Volk Israel bei weitem noch nicht aus Ägypten befreit, von der Macht des Pharao erlöst, nachdem die Erstgeborenen verschont worden waren.

Das Erste, was das Volk jetzt lernen konnte, war, dass der Gott, der als Richter-Gott eigentlich gegen das Volk auftreten musste, ein Gott war, der für das Volk wirkte. Und das ist es, was wir nach den Vorschriften des Passahs in 2. Mose 12 und 13 in Kapitel 14 lernen. Wenn Gott zunächst in seiner Heiligkeit und seinen gerechten Ansprüchen befriedigt worden war, konnte Er jetzt als ein Erlöser-Gott für das Volk tätig werden.

Was war nun die Situation für die Israeliten in 2. Mose 14? Das Volk befand sich zwischen Migdol und dem Roten Meer (Vers 2). Gott war in der Wolkensäule des Tages und der Feuersäule des Nachts bei ihnen – und Gott stand in der Nacht zwischen den Israeliten und den Ägyptern. Damit bekannte Gott sich auch äußerlich zu seinem Volk. Er wohnte noch nicht inmitten des Volkes, aber Er stellte einen sichtbaren Schutz für sein Volk dar. Er stand eindeutig auf der Seite des Volkes Israel.

In dieser Situation verfolgte der Pharao mit seinem Volk, seiner Heeresmacht und seinen besten Kriegsmitteln die Israeliten. So wird das Volk Israel hart bedrängt – auf der einen Seite ist das Meer, auf der anderen Seite die Macht der Ägypter. Und das Volk Israel hatte furchtbare Angst! Das macht deutlich, dass von einer vollständigen Erlösung aus Ägypten noch keine Rede sein konnte.

Aber Gott hilft. Er schafft eine Errettung, die Er ankündigt, und zu der das Volk nichts beitragen kann: „Fürchtet euch nicht! Steht und seht die Rettung des HERRN, die er euch heute schaffen wird; denn die Ägypter, die ihr heute seht, die werdet ihr fortan nicht mehr sehen in Ewigkeit. Der HERR wird für euch kämpfen, und ihr werdet still sein“ (2. Mo 14,13.14).

Was ist nun das Mittel der Rettung? Mose musste seine Hand mit dem richterlichen Stab Gottes ausstrecken über das Meer, so dass Gott einen Ostwind schickte, der das Rote Meer an der Stelle, an der das Volk lagerte, austrocknen ließ. Das Volk konnte am nächsten Morgen trockenen Fußes über den Meeresgrund gehen und erreichte die Wüste auf der anderen Seite des Ufers. Als die Ägypter das Volk Israel verfolgten, kamen alle, die Israel verfolgten, inklusive des Pharaos in genau dem Wasser um, durch das das Volk Israel gerettet worden war. Damit sind die Israeliten endgültig aus der Macht Ägyptens und des Pharaos erlöst. Und so kann das Volk das Triumphlied (2. Mo 15) über die erfahrene Erlösung singen.

Welche geistlichen Belehrungen können wir für unsere Erlösung als Christen daraus ziehen? Zunächst einmal wird das Volk von dem Vertrauen zum „Passahlamm“, das sie vor dem Gericht Gottes bewahrte, zum Vertrauen auf Gott geführt, der sich auf die Seite des Volkes stellt und für das Volk diese Errettung bewirkt. Genau diesen Gedanken finden wir im Römerbrief wieder. In Römer 3 haben wir schon gesehen, dass es das Blut und die Person Christi sind, auf die sich unser Glaube richtet. Dadurch bekehrt sich ein Mensch. In Römer 4 dagegen werden wir weitergeführt, um zu sehen, dass wir an den Gott glauben, der für uns ist und das Werk des Herrn Jesus eindrucksvoll bestätigt hat: „Darum ist es ihm [Abraham] auch zur Gerechtigkeit gerechnet worden. Es ist aber nicht allein seinetwegen geschrieben, dass es ihm zugerechnet worden ist, sondern auch unsertwegen, denen es zugerechnet werden soll, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, aus den Toten auferweckt hat, der unserer Übertretungen wegen hingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist“ (Röm 4,22–25).

Errettung bedeutet also, nicht nur an den Herrn Jesus zu glauben, der stellvertretend für uns gestorben ist, sondern auch Gott zu vertrauen, der Christus aus den Toten auferweckt hat und damit bewiesen hat, dass Er Christi Werk annimmt und auf unserer Seite steht – denn die Auferweckung fand im Hinblick auf unsere Rechtfertigung statt.

Erst dieses Bewusstsein des Glaubens an Gott, des Vertrauens zu Ihm gibt dem Menschen Frieden ins Herz. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir erst in Römer 5 vom Frieden lesen: „Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Vers 1). Der Friede mit Gott beruht auf dem Werk unseres Herrn, wie jede Segnung, die wir als Gläubige genießen dürfen. Es ist der Friede mit Gott, den wir als Erlöste haben. Wir rühmen uns sogar in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes (Vers 2). Auch das Volk Israel konnte das Lied der Erlösung (2. Mo 15) erst singen, nachdem es nicht allein durch das Passahlamm vor dem göttlichen Gericht bewahrt, sondern auch ganz aus der Macht Ägyptens erlöst war. Erst dann zeugt ihr Lied davon, dass sie Frieden gefunden haben. So ist es auch bei uns!

Gott schafft eine wirkliche Erlösung durch das Werk des Herrn

Aber Erlösung hat auch mit dem Tod und der Auferstehung unseres Herrn zu tun – das macht Römer 4 ebenfalls klar. Und damit sind wir bei der Bedeutung des Wassers in 2. Mose 14. Auf der einen Seite war es das Wasser, durch das die Israeliten hindurch mussten. Auf der anderen Seite war es das gleiche Wasser, welches das Gericht für das Volk der Ägypter und seinen Pharao bedeutete – nämlich den Tod.

Wasser ist in der Bibel nicht nur ein Symbol für das Wort Gottes, sondern auch für das Gericht und den Tod (vgl. 2. Sam 14,14; Ps 22,15; 42,8; 69,2.16). So ist das Wasser auch in 2. Mose 14 ein Bild des Todes. Gott trieb das Wasser durch den ausgestreckten Stab Moses, der oft mit Gericht in Verbindung steht (vgl. 2. Mo 4,3; 9,23; 10,13; usw.), „die ganze Nacht“ hinweg. Am nächsten Morgen konnte das Volk Israel dann durch das Meer gehen und am anderen Ufer wieder aus dem Meer herauskommen. Spricht diese Nacht nicht von dem Tod des Herrn, der die Wasser des Gerichtes Gottes erdulden musste? Er selbst sagt durch den prophetischen Geist in Psalm 22,3 (vgl. auch Ps 42,4; 88,2.7): „Mein Gott, ich rufe am Tag, und du antwortest nicht; und bei Nacht, und mir wird keine Ruhe.“

Der Herr Jesus musste sterben. Aber Er ist nicht im Tod geblieben. Er ist auferstanden. Und zwar unserer Rechtfertigung wegen. Und das Bewusstsein, dass wir gerechtfertigt sind, bringt uns inneren Frieden. Aber nicht nur das. Denn Christus ist nicht nur für uns gestorben – das haben wir im Bild des Passahs gesehen. Sondern wir sind auch mit Christus gestorben – das finden wir im Roten Meer. „Wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft worden sind, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, damit, so wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln … Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, da wir wissen, dass Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn“ (Röm 6,3–9). Hierin erkennen wir die eigentliche Bedeutung des Durchzugs durch das Rote Meer.

Zeichnen wir noch einmal die „Schritte“ seit unserer Bekehrung nach: Als wir erkannt hatten, dass wir Sünder sind und der Herr Jesus für uns am Kreuz gestorben ist, hatten wir Ihm unsere Sünden bekannt, wir waren bekehrt und Kinder Gottes. Aber sehr schnell stellten wir fest, dass wir immer noch sündigen. „Denn nicht das, was ich will, tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus“ (Röm 7,15). Wir wollten nicht sündigen, und dennoch sündigten wir noch, leider sogar sehr oft. Das sollte einen Gläubigen in tiefe Übungen führen, denn er muss erkennen, dass es nicht ausreicht zu wissen, dass Jesus Christus für uns gestorben ist, um frei von der Knechtschaft der Sünde zu werden. Warum? „Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was recht ist, finde ich nicht“ (Röm 7,18). Wir erkennen, dass es in dem Gläubigen noch „das Fleisch“ gibt, die alte Natur, die sündigt. Sie kann gar nicht anders als sündigen. Und das tut sie auch mit geballter Kraft, indem sie uns ständig zum Sündigen treibt.

Da stellt sich ein Gläubiger die Frage: Bin ich überhaupt errettet, erlöst? „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?“ (Röm 7,24). Und diese Frage stellt er mit voller Berechtigung, denn zumindest kann er bei sich selbst nichts von dieser Erlösung erkennen. Er fühlt sich nach wie vor in Knechtschaft – so wie das Volk Israel am Ende von 2. Mose 12 noch nicht wirklich aus Ägypten, aus der Knechtschaft des Pharaos, erlöst war. Noch war es im Machtbereich des Pharaos. Erst durch das Überwinden des Roten Meeres befand sich das Volk auf einem neuen Boden in erlöstem Zustand.

So ist es auch bei uns. Wir müssen erkennen, dass der Herr Jesus nicht nur für uns gestorben ist, sondern dass wir selbst an seinem Kreuz mit Ihm mit-gestorben sind. Unser alter Mensch ist dort mit Ihm mit-gekreuzigt worden, er starb mit Christus. Denn den alten Menschen konnte Gott nicht gebrauchen, weil sein Kennzeichen die Sünde ist. Aber Christus ist aus den Toten auferstanden und so können wir, weil wir sein Auferstehungsleben geschenkt bekommen haben, in Neuheit des Lebens wandeln. Und dieses neue Leben kann nicht sündigen, es kann nur das tun, was Gott gefällt.

Christus hat durch den Tod den Teufel besiegt

Und wir erkennen auch, dass derjenige, der uns vorher in Knechtschaft geführt hat, der Teufel, keine Macht mehr über uns hat. Christus hat ihn besiegt. Mit welcher Waffe? Christus hat die stärkste Waffe Satans genommen, den Tod, und ihn mit dieser seiner eigenen Waffe geschlagen: „Durch den Tod machte er den zunichte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel, und befreite alle die, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren“ (Heb 2,14.15). So, wie die Wasser für die Israeliten zur Rettung wurden, während sie für den Pharao, der ein Bild des Teufels ist, und die Ägypter den Tod brachten, wurde der Teufel durch den Tod besiegt, während uns der Tod Christi das Leben brachte.

Und weil wir mit Ihm mit-gestorben und mit-auferstanden sind, besitzen wir „neues Leben“, das nicht sündigt, und darum brauchen wir nicht mehr zu sündigen. Nein, das neue Leben, der neue Mensch kann gar nicht unter die Knechtschaft der Sünde und Satans gebracht werden. Dieses neue Leben widersteht dem Teufel und der Sünde. Und dieses ewige Leben ist direkt mit dem Heiligen Geist verbunden (vgl. Röm 8,6). Und wenn wir dieses neue Leben nähren und uns bewusst sind, dass der Heilige Geist nicht zum Sündigen, sondern dazu führt, Gutes zu tun, werden wir uns nicht wieder versklaven lassen. „Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde wart, aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Bild der Lehre, dem ihr übergeben worden seid! Freigemacht aber von der Sünde, seid ihr Sklaven der Gerechtigkeit geworden“ (Röm 6,17.18).

Was ist unser Anteil an diesem Sieg? Keiner! Wir haben nur geglaubt und uns die Rettung bewusst gemacht. Das Volk Israel musste einfach zuschauen und still sein. So ist es auch bei uns. Viele haben versucht, gegen die in ihnen wohnende Sünde zu kämpfen. Mancher versucht auch, das Fleisch, die alte Natur, praktisch im Tod zu halten, also gewissermaßen zu töten. Andere strengen sich an, um besser zu werden. Das alles werden wir nicht schaffen, weil die Kraft des Fleisches so groß ist, dass wir sie nicht besiegen können.

Dazu werden wir auch gar nicht aufgefordert, weil wir es gar nicht zu tun brauchen. Denn Christus hat doch am Kreuz längst diesen Sieg errungen, und wir müssen uns diesen Sieg nur zu Eigen machen, ihn auf unser Leben anwenden: „So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde tot seid, Gott aber lebend in Christus Jesus“ (Röm 6,11) – so lautet die Aufforderung an uns. Wir sollen uns genau für die halten, die wir sind: Wir sind für die Sünde sozusagen Tote; sie findet keinen Anknüpfungspunkt mehr in unserem (neuen) Leben. Und dann leben wir Gott in Christus Jesus. Dann prägt uns das neue Leben und wir erlauben der alten Natur nicht, die Oberhand zu gewinnen. Wir sollen nicht mehr sündigen – das ist wahr. Wir brauchen es aber auch nicht, weil das neue Leben gar nicht sündigen kann. Denn es ist Christus. Wenn die Begierden also kommen, denken wir im Gebet an den Herrn Jesus und stützen uns allein auf seine Kraft. Wir schauen auf ihn! Dann müssen wir nicht mehr sündigen – und tun es auch nicht. Das ist erlebte Rettung, die wir in 2. Mose 15 und Römer 8 finden. Aber schon in Römer 7,25 beginnt diese wahre Erlösung: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Also nun diene ich selbst mit dem Sinn dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.“

3) 2. Mose 15: Erfahrene Erlösung

„Durch Glauben gingen sie durch das Rote Meer wie durch trockenes Land, was die Ägypter versuchten und verschlungen wurden.“ (Heb 11,29)

Nachdem das Volk Israel das Rote Meer durchquert hat und der Pharao und sein Volk im Wasser umgekommen sind, sind die Israeliten wirklich erlöst. Und dessen sind sie sich bewusst. Daher können sie diesen Sieg, den nicht sie selbst, sondern Gott für sie errungen hat, auch feiern. So singen sie dieses Lied der Erlösung, von dem wir in 2. Mose 15 lesen.

„Singen will ich dem HERRN, denn hoch erhaben ist er; das Pferd und seinen Reiter hat er ins Meer gestürzt“ (Vers 1). Das Volk war sich bewusst, dass der Feind jetzt wirklich besiegt war. Natürlich handelte es sich beim Volk Israel nur um eine zeitliche Errettung, aber diese war vollständig. Der Feind hatte sich nicht nur zurückgezogen, er war vollständig vernichtet und besiegt worden. Nun konnte das Volk den preisen, dem die Ehre dafür zukam.

„Meine Stärke und mein Gesang ist Jah, denn er ist mir zur Rettung geworden“ (Vers 2). Hier nennt das Volk das, was es erfahren hat, beim Namen. Rettung, Errettung hatten sie erlebt. Und auch hier ist ihnen bewusst, dass sie nicht sich selbst diese Rettung verdankten, sondern allein ihrem HERRN, dem Gott Israels.

„Der HERR wird König sein immer und ewig!“ (Vers 18). Durch die Erlösung war Gott zum König für Israel geworden. Natürlich war Er dies in gewissem Sinn auch vorher, aber vorher war sich das Volk dieser Beziehung nicht bewusst. Erst durch diese wunderbare Erlösung wurde ihnen klar, dass der HERR ihr König war, dem sie gehorchen durften und mussten.

Auch in Römer 8 finden wir einen „Lobgesang“. Denn ein Gläubiger, der sich seiner Erlösung bewusst wird, kann nicht anders als zu jubeln: „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Verse 1.2). Als Gläubige wird uns klar, dass nichts und niemand uns mehr verdammen kann. Wir sind frei gemacht worden, befreit von allem, was mit der Sünde und dem Tod in Verbindung steht. Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht noch sterben müssen, wenn der Herr Jesus nicht zuvor zur Entrückung der Gläubigen kommt, oder leider auch sündigten. Aber die Macht des Todes und die Macht der Sünde haben keine Gewalt mehr über uns, denn selbst der physische Tod kann uns nicht mehr schrecken2 – er führt uns zu Christus.

Triumphale Erlösung für die Gläubigen

Und so, wie Gott durch die Wolken- und Feuersäule bei dem Volk wohnte, so besitzen wir den Geist Gottes, der uns das Bewusstsein der christlichen Freiheit unserer Beziehung zu Gott als Vater schenkt: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes … Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wiederum zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, so auch Erben – Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir nämlich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden“ (Röm 8,11–17).

Welch einen Triumph stellt das Werk des Herrn am Kreuz von Golgatha dar! Und wenn wir durch die Reihenfolge dieser Ereignisse im Alten Testament3 sehen, dass es bei uns Gläubigen eine ganze Zeit dauert, bis wir uns dieser Wahrheiten bewusst werden und sie in unserem Leben verwirklichen, so waren alle diese Aspekte letztlich doch wahr, als wir uns bekehrt haben und zum Glauben an den Herrn Jesus gekommen waren. Wir erfassen sie nur nicht so schnell. Wirklich glücklich aber sind wir erst, wenn wir diese Wahrheit dann auch im Glauben annehmen. Nur dann können wir wirklich als befreite, erlöste und freudige Kinder Gottes leben und die Freiheit und den Frieden des Christen genießen.

Fußnoten

  • 1 Das Gericht an dem Erstgeborenen ist letztlich das Gericht an dem ganzen Volk. Es mag in diesem Zusammenhang von Nutzen sein, darauf hinzuweisen, dass, wenn wir in der Schrift „von einem Teil einer Sache“ lesen, dieses Teil oft für das Ganze steht. Hier war es nur das „Teil Erstgeburt“, das gerichtet wurde – aber damit wurde das Ganze gerichtet, ganz Ägypten. Wenn es darum ging, dass „nur“ die Vorhaut des Mannes in der Beschneidung abgeschnitten wurde, soll damit deutlich gemacht werden, dass Gott den ganzen Menschen nicht gebrauchen kann, da er für Gott unbrauchbar ist. Wenn Gott den Zehnten von dem Volk verlangte, so ist das nur ein Beweis, dass das Volk mit seinem gesamten Besitz Gott gehört.
  • 2 Auch wenn der Vorgang des Sterbens für einen Christen schwer bleiben wird.
  • 3 Die Reihenfolge dieser Ereignisse im Alten Testament zeigt uns bildlich, wie wir Christen diese Wahrheiten des Neuen Testaments nacheinander praktisch in Besitz nehmen.
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