Das Passah des HERRN

"Der Anfang der Monate"

Das Passah war die fundamentale Einrichtung für das Volk Israel. Es kennzeichnete den Beginn ihrer Geschichte als Nation und als ein Volk, das in besonderer Beziehung zu dem HERRN stand. Diese Nacht in Ägypten sollte niemals von ihnen vergessen werden. Die furchtbaren Ereignisse jener Nacht sollten von Generation zu Generation den Kindern weitererzählt werden.

Was für eine Nacht! Der Engel des HERRN durchquerte mit seinem vernichtenden Schwert das Reich des Pharao von einem Ende zum anderen! Jedes Haus - ausgenommen solche, die mit dem Blut gekennzeichnet waren - wurde seines Erstgeborenen beraubt. Jeder Stall verlor sein Erstes und Bestes. Ein großes, einmütiges Geschrei stieg zum Himmel hinauf, als der HERR auf diese Weise Seine beleidigte Majestät rächte und befriedigte und Seine Überlegenheit über alle heidnischen Götter und über alle Macht und Herrlichkeit des Menschen deutlich machte.

Dieser schreckliche Bericht redet auch heute lebendig zu den Menschen. Gott handelte in Seinem richterlichen Charakter als der Rächer der Sünde. Pharao und sein Volk hatten sich öffentlich den Geboten des HERRN widersetzt. Trotz Plage auf Plage widersetzten sie sich immer weiter, Israel ziehen zu lassen. Aber auch die göttliche Langmut hat ihre Grenzen. Daher finden wir in 2. Mose 12, wie der HERR Seine Drohung aus Kap 4,22+23 Wirklichkeit werden lässt: „Und du sollst zu dem Pharao sagen: So spricht der HERR: Mein Sohn, mein erstgeborener, ist Israel; und ich sage zu dir: Lass meinen Sohn ziehen, dass er mir diene! und weigerst du dich, ihn ziehen zu lassen, siehe, so werde ich deinen Sohn, deinen erstgeborenen, töten“. Sind die Menschen unserer Tage der Stimme Gottes mehr untertan, als zu der Zeit Pharaos? Ist es nicht eine Tatsache, dass unter uns jedes Seiner Gebote mit Füßen getreten und Seine Autorität überall in Frage gestellt wird? Und so sicher, wie Er vor vielen Jahrhunderten Ägypten verwüstet hatte, so wird Er in kurzem die ganze Erde verwüsten. Niemand wird Seiner rächenden Hand entgehen - nur wer hinter dem Blut des Retters Schutz gefunden hat.

Dieses Passah-Kapitel beginnt sehr vielsagend: „Und der HERR redete zu Mose und Aaron im Lande Ägypten und sprach: Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein, er soll euch der erste sein von den Monaten des Jahres“ (Verse 1+2). Dieser fragliche Monat war der Monat Abib, oder auch Nisan (Kap 13,4), und entspricht unserem März oder April. Bis dahin war es der siebte Monat der Zeitrechnung gewesen; von dem Zeitpunkt der Befreiung Israels aus Ägypten jedoch sollte er als der erste Monat gelten. Die Erlösung gab dem Volk also einen neuen Anfang mit ihrem Gott. Und so ist es auch heute. Wenn ein Mensch anerkennt, dass er in den Augen Gottes ein Sünder ist, der dem ewigen Gericht ausgesetzt ist, und in einfältigem Glauben Zuflucht unter das Blut des Lammes nimmt, dann beginnt er ein neues Leben. Sein vergangenes Leben der Sünde und Schuld ist dann göttlich ausgelöscht. Sein ganzer vorangegangener Lauf, „entfremdet dem Leben Gottes“ (Eph 4,18), wird als so sehr vergeudet, so absolut wertlos angesehen, dass es Barmherzigkeit von Seiten Gottes ist, dieser Zeit nicht mehr zu gedenken.

Wir sind uns darüber im Klaren, dass das normalerweise nicht die Sichtweise des Menschen ist. Wenn sich die Bekehrung eines Menschen herumspricht, dann wird das allgemein so angesehen, dass der Betreffende ein für allemal dem 'Leben' entsagt hat. Was der Mensch 'Leben' nennt, und was Gott so beschreibt, sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Die menschliche Vorstellung von 'Leben' ist die Befriedigung der eigenen Lüste und Wünsche in der größtmöglichen Entfernung von seinem Schöpfer. Bitterkeit und Enttäuschung sind das Ergebnis eines solchen Weges, wie der Herr so anschaulich in dem Gleichnis von dem verlorenen Sohn in Lukas 15 schildert, und wie es der Weise in dem Buch der Prediger so schmerzlich berichtet, wenn er seine eigenen Erfahrungen niederschreibt. Es ist ein Sättigen mit Asche und ein Haschen nach Wind. Leben in Übereinstimmung mit Gott ist das Teilhaben an göttlichen Freuden. „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben“ (Joh 3,36). Der glückliche Mensch, auf den dies zutrifft, findet sich in Herz und Sinn verbunden mit Freuden, die außerhalb dieser Welt liegen. Das Leben, dass er als Frucht souveräner Gnade empfangen hat, ist himmlischer Natur und hat in sich die Fähigkeit, in göttliche Gedanken, Zuneigungen und Ratschlüsse eindringen zu können. Das ist in der Tat wahres Leben. Wer dieses Leben besitzt, blickt mit Beschämung und im Selbstgericht auf all die Jahre zurück, die er in Unwissenheit über Gott und Seinen Sohn zugebracht hat. Die Kenntnis der Erlösung bringt eine gewaltige Umwälzung mit sich; es ist 'der Anfang der Monate' - ein neuer Ausgangspunkt, ein ganz und gar neues Sein.

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