Das Reich Gottes und das Reich der Himmel

Kapitel 7

Kapitel 7 Die zukünftige Phase des Königreichs (Erfüllung)

Die zukünftige Phase des Reiches (im Schaubild mit P. 3 angedeutet) beschäftigt sich mit dem prophetisch angekündigten und beschriebenen Königreich. Hier besteht das Reich in Macht und Herrlichkeit auf der Erde und Christus regiert als König der Könige im tausendjährigen Reich mit den Seinen über die Erde.

Wird die heutige Phase des Reiches von ihrem wahrhaftigen und göttlichen Charakter aus gesehen, liegt der Hauptgedanke auf der geistlichen Herrschaft Christi in den Herzen seiner Heiligen. In der künftigen Phase werden die Heiligen dagegen nicht nur moralisch und geistlich unter seiner Leitung und Herrschaft stehen, sondern auch die buchstäbliche und sichtbare Regierung des Herrn auf dieser Erde erfahren, der dann der König über alles sein wird.

Da viele an der Vorstellung festhalten, dass die Herrschaft Christi immer seine geistliche Regierung in den Herzen der Gläubigen und nichts anderes bedeutet und dass er niemals zu dieser Erde kommen wird, um persönliche über sie zu herrschen, möchte ich jetzt ein paar Stellen aus der großen Anzahl derer herausgreifen, die angeführt werden könnten, um zu zeigen, wie schriftwidrig solch ein Gedanke ist.

„Der HERR der Heerscharen herrscht als König auf dem Berg Zion und in Jerusalem, und vor seinen Ältesten ist Herrlichkeit“ (Jes 24,23).

„Habe ich doch meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg“ (Ps 2,6).

Es ist klar, dass weder der „Berg Zion“, noch der „heilige Berg“ oder „Jerusalem“ selbst das Herz der Heiligen ist. Sie sind auch nicht die Kirche, wie manchmal irrtümlicherweise angenommen wird. Die Kirche wird in der Schrift nie Zion genannt, weil es sich an jeder Stelle entweder auf den buchstäblichen Berg Zion Jerusalems bezieht, oder auf Gottes irdisches Volk, die Israeliten.

Einmal wird der Berg Zion auch in Hebräer 12,22 erwähnt, doch selbst da wird kein Bezug auf die Kirche genommen, weil es in Vers 23 - der eine Fortsetzung des vorherigen Satzes ist - heißt: „der allgemeinen Versammlung, und zu der Versammlung der Erstgeborenen“. Daraus kann man ziemlich deutlich erkennen, dass das Wort „Versammlung“ in beiden Fällen wohl kaum wiederholt würde, wenn Zion, das in der ersten Hälfte des Satzes erwähnt wird, die Versammlung bedeuten würde.

„Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werde; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben“ (Lk 1,32). Auch hier steht der „Thron seines Vaters David“ offensichtlich nicht für das Herz seiner Heiligen oder Kirche, selbst wenn man es symbolisch auffassen wollte. Darüber hinaus wäre es recht schwammig zu behaupten, dass dieser Thron seines Vaters David der Thron des Herrn im Himmel ist.

Deswegen müssen sich diese Worte auf den buchstäblichen Thron beziehen, der dem Herrn übergeben wird, wenn er kommt, um seine irdische Herrschaft über die in ihrem Land wiederhergestellten zwölf Stämme Israels anzutreten.

„Die Mehrung der Herrschaft und der Frieden werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über sein Königreich, um es zu befestigen und zu stützen“ (Jes 9,6). „Und der HERR wird ausziehen und gegen jene Nationen kämpfen. … Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem im Osten liegt … Und der HERR wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tag wird der HERR einer sein und sein Name einer“ (Sach 14,3.4.9).

Nichts könnte klarer sein als die Buchstäblichkeit dieser Aussagen. Es ist bemerkenswert, dass, wenn vom Ölberg gesprochen wird, der Zusatz folgt: „der vor Jerusalem im Osten liegt“, um gewissermaßen jeden Zweifel über die Örtlichkeit auszuräumen und einer Vergeistigung vorzubeugen.

Es zeigt nur das erstaunliche Ausmaß, bis zu welchem die Vergeistigung der Schrift ungerechtfertigterweise fortgeschritten ist, wenn die Buchstäblichkeit solch klarer und ausdrücklicher Worte wie die obigen, verneint wird und einige zu der Auffassung leitet, dass der Herr nicht persönlich kommen wird, um über die Erde zu regieren.

Die Bibel ist voller Stellen, die auf diese herrliche Regierung unseres Herrn im Millennium Bezug nehmen. Es ist die Zeit der zukünftigen Phase und Erfüllung des Reiches, das in den schillerndsten und erhabendsten Farben geschildert wird.

In seinem Bund mit Abraham gab ihm Gott zusammen mit seinen Nachkommen die Verheißung, das Land Kanaan zu besitzen „vom Storm Ägyptens bis an den Strom, den Strom Phrath“ (1. Mose 15,18). Sie sollten eine gesegnete Zeit der Ruhe und des Friedens unter der gerechten Herrschaft des verheißenen Messias genießen, der zu seiner Zeit als ihr König kommen sollte, um über sie zu regieren.

Und weil es in den Ratschlüssen Gottes bereits zuvorbestimmt war, dass der Christus aus dem Samen Abrahams kommen würde, war es nur angebracht, dass die Israeliten das besondere Vorrecht genießen sollten, das kommende Königreich unter der Herrschaft eines Sohnes aus dem Samen Abrahams und Davids zu erleben, wobei besonders David den königlichen Charakter des Reiches andeutet. Das verheißene Reich ist deshalb stets die unauslöschliche Hoffnung der Kinder Israel gewesen - weil es ihnen ausdrücklich durch den HERRN selbst gegeben wurde. Es war diese Aussicht, die sie in all ihren Verirrungen und Schwierigkeiten aufgebaut und motiviert hat und zu der sich die Treuen unter ihnen gerade in der heutigen, letzten Zeit noch immer aufrichtig bekennen.

Schon die Propheten vor alters scheinen, göttlich inspiriert, durch die Strahlen des glanzvollen (jedoch noch immer zukünftigen) Tages erleuchtet worden zu sein, an dem die Sonne der Gerechtigkeit mit Heilung in ihren Flügeln aufgehen wird (Mal 3,20).

Der große König und sein herrliches Reich war schon immer das beherrschende Thema, das die träumenden Sänger Israels und andere Psalmisten inspirierte, wie wir es in vielen ihrer wunderschönen und göttlichen Lieder entdecken können. In Psalm 45 heißt es z. B.: „Es wallt mein Herz von gutem Wort. Ich sage: Meine Gedichte dem König! Meine Zunge sei der Griffel eines fertigen Schreibers! Du bist schöner als die Menschensöhne, Holdseligkeit ist ausgegossen über deine Lippen; darum hat Gott dich gesegnet in Ewigkeit. Gürte dein Schwert um die Hüfte, du Held, deine Pracht und deine Majestät! Und in deiner Majestät zieh glücklich hin um der Wahrheit und der Sanftmut und der Gerechtigkeit willen; und Furchtbares wird dich lehren deine Rechte“ (Ps 45,2-5). Hier sehen wir diesen erhabenen Charakter, der sich durch diesen hohen und ausdrucksvollen Psalm über das Königreich zieht.

In der Verklärung auf dem Berg, die uns in Matthäus 17, Markus 9 und Lukas 9 beschrieben wird, gefiel es dem Herrn dreien seiner Jünger, Petrus, Jakobus und Johannes, eine äußerst bemerkenswerte Präsentation des tausendjährigen Reiches zu geben. Dies geschah sechs Tage nachdem er ihnen gesagt hatte, dass sie den Tod nicht schmecken würden, bis sie „das Reich Gottes, in Macht gekommen“, gesehen hätten oder, wie Matthäus es ausdrückt: „den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reich“ (Mt 16,28).

Dort sehen sie den Herrn in all seiner königlichen Herrlichkeit umgestaltet. „Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht“, wobei Mose und Elias ihnen in der Herrlichkeit erscheinen und sich mit ihm unterreden (Mt 17,3). Als die Jünger es hören, fürchten sie sich sehr (V. 6) und Petrus ruft aus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind“ (Lk 9,33).

In dieser Szene empfangen wir ein wunderbares Bild des tausendjährigen Reiches. Der König ist in seiner ganzen Majestät in ihrer Mitte, während Mose und Elia zusammen mit dem Herrn die zwei Klassen von Heiligen der ersten Auferstehung passend widerspiegeln. Mose steht für diejenigen, die sterben mussten, wie auch er gestorben ist, wogegen Elias die repräsentiert, die nicht sterben, sondern in Übereinstimmung mit 1. Thessalonicher 4,16-17 verwandelt werden, wie es bei ihm geschehen ist. Die drei Jünger können als ein Bild der Menschen auf der Erde während des tausendjährigen Reiches gesehen werden, die sich über die Besuche und Anwesenheit ihrer himmlischen Gäste freuen, welche von dem neuen und heiligen Jerusalem droben herabkommen, wenn sie mit dem Herrn über die Erde regieren werden.

Dass diese Szene dazu gedacht war, den König in seiner Herrlichkeit vorzustellen, wenn er sein zukünftiges Königreich auf der Erde aufrichtet, wird durch die Bezugnahme Petrus klar, wenn er in seinem zweiten Brief schreibt: „Denn wir haben euch die Macht und Ankunft unseres Herrn Jesus Christus nicht kundgetan, indem wir ausgeklügelten Fabeln folgten, sondern als solche, die Augenzeugen seiner herrlichen Größe geworden sind. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit, als von der prachtvollen Herrlichkeit eine solche Stimme an ihn erging: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (2. Pet 1,16.17).

Man wird feststellen, dass die Anspielungen auf diese zukünftige Phase des Reiches am stärksten ausgeprägt sind, verglichen mit den anderen Aspekten unseres Themas. Da es aber nicht meine Absicht ist, alle zu behandeln (sie würden alleine ein schmales Buch ergeben), werden wir uns auf die Stellen beschränken, die auf das Reich unmittelbar Bezug nehmen, d. h. in denen die Wörter „Königreich“ bzw. „Reich Gottes“ vorkommen. Doch auch hier werden wir nur die wesentlichen herausgreifen.

Bis auf eine oder zwei Ausnahmen beziehen sich alle Stellen, in denen das Wort „Königreich“ allein auftritt, auf die Phase des Millenniums (vgl. das Verzeichnis am Anfang), weil die christliche Phase aus offensichtlichen Gründen nie Gegenstand der Prophetie gewesen ist.

Die folgenden Schriftstellen dürfen als typische Beispiele direkter Bezugnahmen auf das kommende Reich betrachtet werden.

„Sie werden sprechen von der Herrlichkeit deines Reiches und werden reden von deiner Macht, um den Menschenkindern kundzutun seine Machttaten und die prachtvolle Herrlichkeit seines Reiches. Dein Reich ist ein Reich aller Zeitalter und deine Herrschaft durch alle Geschlechter hindurch“ (Ps 145,11-13).

Die Mehrung seiner Herrschaft und der Frieden werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über sein Königreich, um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit“ (Jes 9,6).

Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht zerstört und dessen Herrschaft keinem anderen Volk überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber in Ewigkeit bestehen“ (Dan 2,44).

Und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen wird, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird. … bis der Alte an Tagen kam und das Gericht den Heiligen der höchsten Örter gegeben wurde und die Zeit kam, dass die Heiligen das Reich in Besitz nahmen. … Und das Reich und die Herrschaft und die Größe der Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen der höchsten Örter gegeben werden. Sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle Herrschaften werden ihm dienen und gehorchen“ (Dan 7,14.22.27).

Auch im Neuen Testament beziehen sich die Stellen, die das Wort „Königreich“ enthalten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf die zukünftige Phase des Reiches.

Zum Beispiel: „Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an“ (Mt 25,34).

„Gepriesen sei das kommende Reich unseres Vaters David! Hosanna in der Höhe!“ (Mk 11,10).

„Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Reich wieder her?“ (Apg 1,6).

„Hat Gott nicht die weltlich Armen auserwählt, reich zu sein im Glauben, und zu Erben des Reiches, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?“ (Jak 2,5).

Es gibt eine ganze Anzahl ähnlicher Stellen im Neuen Testament, die sich ausschließlich auf die zukünftige Phase des tausendjährigen Reiches beziehen und die Worte „Reich Gottes“, „Reich der Himmel“, „Reich des Sohnes“ oder „Reich des Vaters“ enthalten.

Auch davon möchte ich einige der markantesten zitieren:

„Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten sehen werdet in dem Reich Gottes, euch aber hinausgeworfen. Und sie werden kommen von Osten und Westen und von Norden und Süden und im Reich Gottes zu Tisch liegen“ (Lk 13,28.29; Mt 8,11.12).

„Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, welche die Gesetzlosigkeit tun“ (Mt 13,41).

„Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu ihm: Sprich, dass diese meine zwei Söhne einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen sollen in deinem Reich“ (Mt 20,21).

„Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters“ (Mt 13,43).

„Glückselig, wer Brot essen wird im Reich Gottes!“ (Lk 14,15).

„Und es geschah, als er zurückkam, nachdem er das Reich empfangen hatte, dass diese Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich rufen ließ, um zu erfahren, was jeder erhandelt hätte“ (Lk 19,15).

„Ich sage euch aber: Ich werde von jetzt an nicht von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis zu jenem Tag, wenn ich es neu mit euch trinke in dem Reich meines Vaters“ (Mt 26,29; Mk 14,25; Lk 22,16-18).

„Und ich bestimme euch, wie mein Vater mir bestimmt hat, ein Reich, damit ihr esst und trinkt an meinem Tisch in meinem Reich und auf Thronen sitzt, um die zwölf Stämme Israels zu richten“ (Lk 22,29.30).

„Ein offenbares Zeichen des gerechten Gerichts Gottes, dass ihr für würdig erachtet werdet des Reiches Gottes, um dessentwillen ihr auch leidet“ (2. Thes 1,5).

„Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron“ (Off 3,21).

„Und ich sah Throne, und sie saßen darauf, und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, die das Tier nicht angebetet hatten noch sein Bild, und das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand. Und sie  wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre. Die Übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren“ (Off 20,4).

Wenn wir versucht haben, einiges über die Aspekte, grundlegenden Prinzipien und Phasen des Reiches Gottes zu erfahren, sind wir in eins der höchsten Themengebiete eingeführt worden, mit dem sich Menschen oder Engel beschäftigen können und gegenüber dem alles, was die Reiche dieser Welt bieten können, völlig verblasst. Die großen Imperien und Reiche dieser Welt sind alle im Lauf der Zeit in vollständige Vergessenheit geraten, obwohl sie zahlreich und von den Menschen hoch angesehen waren. Das herrliche Reich Gottes mit Christus als seinem erhabenen und gerechten König, wird dagegen für immer bleiben, denn sein Königreich wird nicht nur weit größer und gesegneter als alle übrigen sein, sondern ewig fortdauern. Wie traurig ist es deshalb sehen zu müssen, dass es nur verhältnismäßig wenige Menschen gibt, die offene Augen haben, um die Größe und Herrlichkeit dieses kommenden Reiches Christi zu erkennen.

Mehrheitlich durch den falschen Schein irdischer Bedeutsamkeit und hohlem Prunk weltlicher Dinge geblendet, interessiert sich der Mensch nicht für die wunderbaren Offenbarungen Gottes, die er uns in so gnädiger und freigebiger Weise im Hinblick auf das überragende Königreich seines viel geliebten Sohnes gegeben hat. Dieses Reich steht kurz davor seine Erfüllung zu finden und dennoch sind es die vergänglichen Dinge dieser Zeit und die sich ewig ändernden Fragen der irdischen Reiche, welche die Zeit eines Großteils der Menschheit wegnehmen. Obwohl sie also durch die förmlich vorbei fliegenden Ereignisse ständig daran erinnert werden, dass diese Dinge, ja alles, was den Stolz und die Herrlichkeit des Menschen hervorruft der Blume auf dem Feld gleicht, die einen Moment aufblüht um kurz darauf zu verschwinden. „Der Mensch - wie Gras sind seine Tage; wie die Blume des Feldes, so blüht er. Denn ein Wind fährt darüber, und sie ist nicht mehr, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr“ (Ps 103,15.16).

Wir können die Nichtigkeit all dieser irdischen Dinge nur dann erfassen, wenn wir gewissermaßen den Berg Gottes besteigen, um zusammen mit den Propheten vor alters von dort auf diese kleine Welt herabzublicken, indem wir auf die Stimme des HERRN hören, der zu seinen Propheten spricht. Lasst uns deshalb einmal dem Allmächtigen zuhören, wenn er dem Propheten Jesaja einige Mitteilungen über die Dinge dieser Welt und ihre Bewohner gibt.

„Stimme eines Sprechenden: Rufe! Und er spricht: Was soll ich rufen? „Alles Fleisch ist Gras, und all seine Anmut wie die Blume des Feldes. Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen; denn der Hauch des HERRN  hat sie angeweht. Ja, das Volk ist Gras. Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen; aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit“ … Wer hat die Wasser gemessen mit seiner hohlen Hand und die Himmel abgegrenzt mit der Spanne und hat den Staub der Erde in ein Maß gefasst und die Berge mit der Waage gewogen und die Hügel mit Waagschalen? … Siehe, Nationen werden erachtet wie ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waagschale. Siehe, Inseln sind wie ein Stäubchen, das emporschwebt. … Alle Nationen sind wie nichts vor ihm und werden von ihm erachtet wie Nichtigkeit und Leere. … Er ist es, der da thront über dem Kreis der Erde, und ihre Bewohner sind wie Heuschrecken; der die Himmel ausgespannt hat wie einen Schleier und sie ausgebreitet hat wie ein Zelt zum Wohnen; der die Fürsten zu nichts macht, die Richter der Erde in Nichtigkeit verwandelt“ (Jes 40,6-23).

Trotz dieser Worte des HERRN, hat sich an dem Stolz im Herzen des Menschen nichts geändert, der eine Wiederholung dessen ist, was der König Nebukadnezar in Daniel 4 aussprach: „Ist das nicht das große Babel, das ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit?“ (Dan 4,30). Wenn der Versucher dem Menschen alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit zeigt (Mt 4,8), blickt der Mensch mit Bewunderung auf die faszinierende Szene vor ihm und es steigen dieselben Gedanken wie bei Nebukadnezar auf. Anstatt dem Beispiel des Herrn zu folgen („Geh hinter mich Satan) wird er durch die trügerischen Bilder in den Bann gezogen, vergisst Gott und macht den göttlichen Ratschluss zunichte. Er ist unfähig sein Herz und Ohr auf das zu richten, was der mächtige Gott, der Schöpfer und Erhalter aller Dinge über das große und wunderbare Königtum zu sagen hat, was er bald auf dieser Erde aufrichten wird.

Doch es wird eine folgenschwere Krise geben, wenn ein in dieser Form noch nie dagewesener Wechsel stattfinden wird, denn der Tag kommt (und einige denken, dass er unmittelbar bevorsteht) an dem ein Stein sich „ohne Hände“ losreißen wird, um das große Bild aus Daniel 2 in Stücke zu schlagen.

„Da wurden zugleich das Eisen, der Ton, das Kupfer, das Silber und das Gold zermalmt, und sie wurden wie Spreu der Sommertennen; und der Wind führte sie weg, und es wurde keine Stätte für sie gefunden. Und der Stein, der das Bild geschlagen hatte, wurde zu einem großen Berg und füllte die ganze Erde“ (Dan 2,35). Das wird in Vers 44 näher erklärt: „Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das in Ewigkeit nicht zerstört und dessen Herrschaft keinem anderen Volk überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber in Ewigkeit bestehen“. In Kapitel 7 werden dieselben Tatsachen mit anderen Einzelheiten erwähnt: „Und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen wird, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird“ (Dan 7,14).

Dieses große Ereignis wird bei dem Schall der siebten Posaune ausgerufen werden (um kurze Zeit später ausgeführt zu werden), wenn „laute Stimmen in dem Himmel“ sprechen werden: „Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Off 11,15).

Es wird für viele ein gewaltiger Tag des Erwachens sein, wenn die hoch gelobte Herrlichkeit der irdischen Weltreiche, welche die Zeit und Energie der Menschen so in Anspruch genommen haben, in ihrer ganzen Bedeutungslosigkeit im Vergleich mit der Größe und Herrlichkeit des kommenden Reiches Christi erkannt werden. Einige der führenden Nationen, die sich dann in einer direkten und herausfordernden Haltung gegenüber Gott befinden, werden angesichts der Gegenwart des Herrn, dem König der Könige, dahinschwinden, wenn er in seiner überragenden Majestät im Gericht kommen wird, um seine Regierung der Gerechtigkeit auf der Erde zu errichten (Off 19).

Wie unschätzbar kostbar und ermunternd sind die Aussichten der Kinder Gottes angesichts dieser bald bevorstehenden und rasch nahenden gewaltigen Ereignisse, wenn wir sie mit dem furchtbaren Schicksal dieser armen Weltbürger (den Bewohnern des Erdkreises, Jes 18,3) vergleichen. Nicht nur ihre Herzen, sondern ihre ganze Existenz ist völlig auf irdische Dinge gerichtet und sie haben weiter nichts auf das sie ausschauen könnten, abgesehen von einem gewissen furchtvollen Erwarten des Gerichts (Heb 10,27).

Im Gegensatz dazu besitzt der wahre Christ nicht nur heute Ruhe und Frieden sowie die volle Versicherung des ewigen Lebens durch den Glauben an das vollbrachte Werk Christi, sondern hat auch diese „glückselige Hoffnung“ zusammen mit einem erfüllenden Jubel, wenn er voller Vorfreude auf den leuchtenden und glückseligen Tag vorausschaut (der nahe gekommen ist), an dem er aufgenommen wird, um mit dem Herrn in der Herrlichkeit zu sein. Nach einer kurzen Zeitspanne im Himmel wird er dann ein Teil der himmlischen Heere sein, die den Herrn selbst, den Richter der Nationen, begleiten werden, um anschließend als Teilhaber seiner herrlichen Regierung über diese Erde zu leben (Off 19). Deswegen können und werden sie sich auch mit ganzem Herzen allen Heiligen aus allen Zeitaltern anschließen und die erste Bitte aus dem wunderbaren Gebet unseres Herrn an seine Jünger ewig nachsprechen: „Dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf der Erde“ (Mt 6,10).

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