Betrachtung über den Propheten Hosea

Kapitel 2,3-25

Die Ratschlüsse Gottes bezüglich Israel

2.   Die Verheißung zukünftiger Segnungen: Kap. 2,3–25

Das verworfene Volk wird von einem Überrest aus seiner Mitte verklagt: Kap. 2,3–15

Mitten aus der schuldigen, sich unter dem doppelten Urteil des Gerichts 1 befindlichen Nation, gefällt es Gott in seiner Souveränität, einen Überrest für sein Herz anzuerkennen und ihm Barmherzigkeit zu erweisen (V.3). „Hat Gott etwa sein Volk verlassen?“ Keineswegs, denn es besteht ein „Überrest nach der Auswahl der Gnade“ (Rö 11,1.5).

Diese bei Gott anerkannten Treuen sind sich seiner Gunst bewusst und werden dazu aufgefordert, ihre Mutter, Israel, zu verklagen (Kap. 2,4). Diese hatte in ihrer Ergebenheit gegenüber dem Götzendienst ihre Beziehung mit Gott völlig vergessen: Ihr Zustand war der geistlicher Hurerei. Gott richtet sich hier durch den Mund treu gebliebener Kinder inmitten des Volkes an die gesamte Nation. Als geistliche Söhne des Propheten entstammten sie sozusagen aus Gott und konnten im Geist der Prophetie reden.

Würde der Aufruf zur Buße unbeachtet gelassen werden (und das wurde er in der Tat), so würde das Gericht über die Nation (Kap. 2,5) und über ihre Kinder kommen, welche den gleichen Charakter der Untreue trugen wie sie (Kap. 2,6).

Die Parallele zum Gericht über die untreue Christenheit und ihre Kinder ist sehr ernst: Die Hure wird öde und nackt gemacht werden (Off 17,16) und Gott wird die Kinder Isebels mit Tod töten (Off 2,23).

Das Betragen der Nation Israels, die als untreue Frau gegenüber Gott gesehen wird, welcher sich mit ihr vermählt hatte, war die Folge einer vorsätzlich gewählten Unabhängigkeit (Kap. 2,7). Dies ist genau das Gegenteil von dem, was Gott von einer verheirateten Frau gegenüber ihrem Ehemann erwartet (Eph 5,24). Anstatt die Liebe Gottes anzuerkennen, die sie mit allen irdischen Segnungen (Brot, Wasser, Wolle, Flachs, Öl und Getränk) überhäuft hatte, schrieb das untreue Volk diese Gaben seinen falschen Göttern (ihren „Liebhabern“) zu.  Erst wenn die göttliche Quelle versiegt wäre (Kap. 2,11), würde die Nation Israel gezwungen sein, den wahren Ursprung der Segnungen anzuerkennen. Aber es kam noch schlimmer: Gott hatte sein Volk mit Reichtum (Silber und Gold) gesegnet; dieser wurde dem Baal geopfert, einem falschen Gott und grausamen Herrn.

Das der irdischen Gütern entledigte Israel wird nun vor den Augen der anderen Nationen gedemütigt (Kap. 2,12) und zur Beute seiner Feinde, welche in den „Tieren des Feldes“ (Kap. 2,14) vorgebildet werden. Sogar die Vorrechte des Gottesdienstes (die Feste und Festzeiten) werden ihm genommen (Kap. 2,13). Die Reaktion des untreuen Volkes ist typisch für eine unaufrichtige Umkehr zu Gott: „Ich will hingehen und zu meinem ersten Mann zurückkehren“ (Kap. 2,9). Das Verfolgen der Trugbilder dieser Welt bringt nur Entmutigung hervor und wiegt die Menschen durch eine an äußere Formen gebundene Religion in falscher Sicherheit.

Schließlich hielt Gott sein Volk auf seinem Weg der Unabhängigkeit auf und richtete dessen Götzendienst. Israel hatte den HERRN vergessen, während es den Baalim diente (Kap. 2,15).

Die Buße (Kap. 2,16–19)

Um die Nation zu sich zurückzuführen, würde Gott sie in die Wüste führen und zu ihrem Herzen reden. In diesem „unbesäten Land“ wurde einst der Brautstand zwischen Israel und dem HERRN gefeiert (Jer 2,1–3). Beim Auszug aus Ägypten kannte das Volk die Frische der ersten Liebe seinem Erlöser gegenüber. Jedoch hatte Israel Gott schnell für die Götzen aufgegeben (Amos 5,25.26; Apg 7,42.43). Es hatte die Herrschaft der Baalim  (Herren) über sich anerkannt: „HERR, unser Gott, über uns haben Herren geherrscht außer dir“ (Jes 26,13).

Mit dem HERRN allein in der Wüste würde Israel nun seine Sünde bekennen. Gott würde sein Volk in der Gemeinschaft und der Freude mit ihm wiederherstellen, was durch den Weinberg symbolisiert wird. Einst durch das Gericht zerstört (Kap. 2,14) würde dieser Weinberg als Segen an Israel zurückgegeben werden. Die Hoffnungstür, die den Zugang zu den göttlichen Segnungen öffnet, ist gewiss das Tal Achor (Tal der Trübsal), wo die Sünde Achans zu Beginn der Eroberung des Landes gerichtet wurde (Jos 7,19–26). Der Ort, an dem Gott einst die Sünde des Volkes nach dem Prinzip der Verantwortlichkeit strafte, wurde dem Prinzip der Gnade gemäß das Eingangstor zum Segen. Dieser Wechsel ist für uns von besonderem Interesse. Ein Überrest des Volkes findet die Zuneigung seiner Jugend wieder, die Israel bei seinem Auszug aus Ägypten gekannt hatte. Im selben Zug ändern sich die Beziehungen des HERRN zu seinem Volk. Ohne aufzuhören, ihr Herr zu sein (Mal 1,6), offenbart Gott sich Israel gegenüber als „ihr Mann“. Die Sklaverei des Götzendienstes ist nun abgeschafft und für immer vergessen.

Der tausendjährige Segen (Kap. 2,20–25)

Nach dem notwendigen Werk der Buße und Umkehr zu Gott eröffnet sich dem wieder aufgerichteten Volk Israel nun der Bereich des tausendjährigen Segens. Gott hält das Wirken der Mittel zu seinem Gericht (Tiere des Feldes, Raubvögel und giftige Schlangen) zurück und zerbricht die Kriegsgeräte (Bogen und Schwert). Sein Volk lässt sich „an jenem Tag“ (Kap. 2,20.23), dem Tag des Segens, endlich in Frieden nieder.

Die Beziehungen zwischen dem HERRN und Israel werden einem neuen Verlöbnis verglichen, einem Verlöbnis „in Ewigkeit“ (Kap. 2,21). Es handelt sich um die durch das Blut Christi am Kreuz besiegelten Vorrechte des „neuen Bundes“ (Jer 31,31.32; Mt 26,28). Gerechtigkeit und Gericht, die Fundamente des Thrones Gottes, sind nun vereint, um das Volk zu segnen (Ps 89,15; 94,15). Güte und Wahrheit, die sich am Kreuz Christi begegnet sind (Ps 85,11), vereinen sich, um ein glückliches Volk zu segnen, welches den HERRN kennt. Die Harmonie zwischen Himmel und Erde ist vollkommen und die Schöpfung ist von der Knechtschaft des Verderbens befreit (Rö 8,21). Israel als Saat Gottes wird durch Gott selbst in dem den Vätern (insbesondere Abraham) verheißenen Land gesät (dies ist die Bedeutung von Jisreel).

Gott kann „Lo-Ruchama“ gegenüber nun Barmherzigkeit erweisen und zu „Lo-Ammi“ sagen: „Du bist mein Volk“ (Kap. 2,25). Die von den Aposteln Paulus und Petrus angeführten Zitate dieser Passage in Römer 9,25 und 1. Petrus 2,10 machen deutlich, dass sie sich auf Israel bezieht, während die Verheißung, mit der das zweite Kapitel beginnt,  den zukünftigen Segen der Nationen ankündigte.

Mit dem Apostel Paulus können wir ausrufen: „O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes!“ (Rö 11,33).

Fußnoten

  • 1 1.“Lo-Ruchama“: Das Volk ist nicht länger Gegenstand der Erbarmungen Gottes; 2. „Lo-Ammi“: Das Volk ist nicht länger das Volk Gottes.
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