Die Erziehung in der Schule Gottes

Hesekiel

Hesekiel ist Priester. Seine Stellung unter den Gefangenen am Fluß Kebar bereitete ihn für die Gnade Gottes zu: „Da taten sich die Himmel auf, und ich sah Gerichte Gottes.“ Der Knecht muß notwendig in Umstände versetzt werden, die ihn mehr befähigen, die Gunst Gottes zu würdigen, die völlig außerhalb und getrennt von allem Irdischen steht. Er sieht die Herrlichkeit sich von der Erde erheben, wegen der Bosheit des angeblichen Volkes Gottes, aber dennoch steht an der hellsten Stelle der verschwindenden Herrlichkeit die Gestalt eines Menschen, die andeutet, daß, obwohl die Herrlichkeit die Erde wegen der Schlechtigkeit der Menschen verläßt, der Mensch den strahlendsten Platz in der Herrlichkeit einnehmen wird.

Kap. 2. Nachdem Hesekiel die Wege Gottes im Lichte der Herrlichkeit gesehen hat, wird ihm gesagt: „Stelle dich auf deine Füße, und ich will mit dir reden.“ Nun empfängt er seinen Auftrag. Jehova macht ihn mit dem Charakter des Volkes bekannt, warnt ihn aber, nicht wie sie zu sein: „Sei nicht widerspenstig wie das widerspenstige Haus: tue deinen Mund auf und iß was ich dir gebe.“

Kap. 3. „Und ich öffnete meinen Mund, und er gab mir diese Rolle zu essen ..., und sie war in meinem Munde süß wie Honig.“ Dann wird er gesandt, um zu dem Hause Israel zu reden. Die Aufforderung wird ihm tief eingedrückt; er soll sich nicht fürchten, denn „ich habe dein Angesicht hart gemacht gegenüber ihrem Angesicht. Darüber hinaus wird er ermahnt: „Alle meine Worte ... nimm in dein Herz auf und höre sie mit deinen Ohren.“ Es ist höchst wichtig, daß der Knecht Gottes die Wahrheit, die er anderen nahebringen soll, selbst praktisch zur Darstellung bringt, und er muß reden, ob sie hören wollen oder nicht. Die in den Versen 12–14 dargestellte Art seines Dienstes ist sehr bemerkenswert. „Und der Geist hob mich empor; und ich hörte hinter mir den Schall eines starken Getöses: „Gepriesen sei die Herrlichkeit Jehovas von ihrer Stätte her!“ ... Und der Geist hob mich empor und nahm mich hinweg; und ich fuhr dahin, erbittert in der Glut meines Geistes; und die Hand Jehovas war stark auf mir.“ Welch wunderbare, gnadenreiche Vorbereitung auf die ihm bestimmte Art des Dienstes! Als er nach Tel-Abib kam, wo die Weggeführten am Flusse Kebar wohnten, sagte er: „Und es geschah am Ende von sieben Tagen, da geschah das Wort Jehovas zu mir also: Menschensohn, Menschensohn, ich habe dich dem Hause Israel zum Wächter gesetzt; und du sollst das Wort aus meinem Munde hören und sie von meinetwegen warnen.“ (V. 16) Er war am rechten Orte, und mußte dennoch auf das Wort Jehovas warten. Aber der Prophet wird für einen wichtigen Dienst bestimmt, und in V. 22 lesen wir: „Mache dich auf, gehe hinaus in das Tal, und dort will ich mit dir reden.“ Es ist interessant, zu bemerken, wie der Knecht allmählich zubereitet wird, und zwar nicht nach einem vorher bekannten System oder auf eine Weise, die der Mensch ersinnen oder entdecken könnte. Hesekiel geht in das Tal hinaus: „und siehe, daselbst stand die Herrlichkeit Jehovas, gleich der Herrlichkeit, die ich am Flusse Kebar gesehen hatte; und ich fiel auf mein Angesicht nieder.“ Dies ist die Vorbereitung auf die wunderbaren und schweren Übungen geduldigen Leidens, die er in seinem Dienst ertragen mußte. In Kap. 4 wird zu Hesekiel gesagt: „Nimm dir einen Ziegelstein und lege ihn vor dich hin, und zeichne darauf eine Stadt, Jerusalem. Und mache eine Belagerung wider sie, und baue Belagerungstürme wider sie, und schütte wider sie einen Wall auf, und stelle Heerlager wider sie, und errichte Sturmböcke wider sie ringsum. Und du, nimm dir eine eiserne Pfanne und stelle sie als eine, eiserne Mauer zwischen dich und die Stadt: und richte dein Angesicht gegen sie, daß sie in Belagerung sei und du sie belagertest. Das sei ein Wahrzeichen dem Hause Israel.“ Der Knecht hat es mit Wirklichkeiten zu tun, die jedoch nur in sehr schwachem Maße den wirklichen Tatsachen gerecht werden, die er aber bis zu einem gewissen Grade selbst erfahren muß. Es besteht ein großer Unterschied im Verhalten und in der Kraft zwischen jemand, der gewisse Umstände am eigenen Leibe erfahren, und jemand, der nur von ihnen gehört hat, sei es auch sehr ausführlich. Es ist der Unterschied zwischen dem Zeugen und dem Geschichtsschreiber.

Hesekiel muß nun die Leiden von Israel und Juda während der Belagerung kennenlernen und erdulden; er muß sie persönlich fühlen. Selbst wenn es für jedes Jahr nur ein Tag ist, muß er 390 Tage die Ungerechtigkeit tragen. „Und du sollst die Ungerechtigkeit des Hauses Israel tragen. Und hast du diese vollendet, so lege dich zum zweiten auf deine rechte Seite und trage die Ungerechtigkeit des Hauses Juda vierzig Tage; je einen Tag für ein Jahr habe ich dir auferlegt.“ Ebenso mußte er Brot nach Gewicht essen und Wasser nach Maß trinken, und zwar mit dem Gefühl der größten Erniedrigung für den natürlichen Menschen. Wie anders würde ein Knecht Gottes seinen Dienst beginnen und verfolgen, wenn er vorher in seiner Seele den Zustand der Dinge, von dem er spricht oder den er zu verbessern sucht, wahrhaftig, wenn auch in schwacher Weise, erfahren hat. Ich glaube, dass man keine Seele vor Bösem warnen kann, das man nicht selbst durch die Gnade bekämpft hat. Sei es der Vogel, der nicht vom Netz gefangen worden, oder einer, der aus der Schlinge des Vogelstellers befreit worden ist, sie erfahren wie Petrus: „Und du, bist du einst zurückgekehrt, so stärke deine Brüder.“

Kap. 5. Eine neue Erfahrung wartet nun auf Hesekiel. Sein Aussehen soll leiden. Das teilweise Abschneiden seines Haupthaares und seine Teilung nach Gewicht soll das Maß und den Zustand des an Zahl kleinen Überrestes ausdrücken. „Und du sollst davon eine kleine Zahl nehmen und in deine Rockzipfel binden. Und von diesen sollst du abermals nehmen und sie mitten ins Feuer werfen und sie mit Feuer verbrennen; davon wird ein Feuer ausgehen wider das ganze Haus Israel.' Der Knecht soll mit Bewußtsein, in eigener Person, den Zustand der Zerstreuung und des Verfalls des Volkes erfahren. Paulus stellte in seinem Lebensweg die Wechselfälle und Leiden, die der himmlische Wandel mit sich bringt, dar. Er hat nichts, was das menschliche Auge sehen kann, und doch besitzt er alles, was zum Trost und zur Freude des geistlich gesinnten Herzens nötig ist.

In Kap 6 und 7 werden dem Propheten die Gerichte, die über das Volk kommen sollen, mitgeteilt. Ihm wird erzählt, wie Jehova mit ihnen handeln wird, und wie schmerzlich ihr Weg dem Herzen Jehovas ist. Auf diese Weise wird der Knecht gebührend von der Bosheit der Menschen beeindruckt. Erst wenn Jehova ihm Seine Gedanken darüber kundgetan hat, kann er es richtig kennen. In Kap 8 wird der Prophet in Gesichten Augenzeuge der verschiedenen Greueltaten, die zu Jerusalem begangen wurden. Der Mensch in der Herrlichkeit streckt Seine Hand aus und nahm mich beim Haarschopf meines Hauptes“, und brachte ihn nach Jerusalem. Die Erziehung eines Knechtes, der berufen ist, das Urteil anzukündigen, ist von besonderer und für die Person schwerer Art. Nicht nur muß er die Gedanken Gottes bezüglich des Bösen kennen, sondern er muß über die Art und Weise desjenigen Bösen, über das das Urteil ausgesprochen wird, klar und deutlich unterrichtet sein. Dennoch darf er in keiner Weise damit verbunden sein. Zunächst wird er in V. 5 aufgefordert: „Hebe nun deine Augen auf gegen Norden! ... und siehe, nördlich vom Tore des Altars war dieses Bild der Eifersucht, am Eingang.“ Sodann in V. 7.brachte er mich an den Eingang des Vorhofs; ... Und er sprach zu mir: Gehe hinein und sieh die bösen Greuel, die sie hier verüben. Und ich ging hinein und sah: und siehe, da waren allerlei Gebilde von scheußlichem Gewürm und Vieh, und allerlei Götzen des Hauses Israel, ringsumher an die Wand gezeichnet.“ Das verborgene Böse wird enthüllt. Dieser schreckliche Zustand war durch die Ältesten des Volkes hervorgerufen, die von den verderblichsten Auffassungen durchsäuert waren. „Jehova sieht uns nicht, Jehova hat das Land verlassen!“

In V. 14 sehen wir das 3. Greuel: „Und er brachte mich an den Eingang des Tores des Hauses Jehovas, das gegen Norden ist; und siehe, dort saßen die Weiber, welche den Tammuz beweinten.“ Nicht nur Gesinnung und Gedanken, auch die Zuneigungen und Gefühle sind befleckt; jedes Element des Volkes ist verderbt und götzendienerisch.

In V. 16 sehen wir das vierte der Greuel: „Und er brachte mich in den inneren Vorhof des Hauses Jehovas; und siehe, am Eingang des Tempels Jehovas, zwischen der Halle und dem Altar, waren 25 Männer, ihre Rücken gegen den Tempel Jehovas und ihre Angesichter gegen Osten gerichtet; und sie bückten sich gegen Osten hin vor der Sonne.

Diese 4 verborgenen, tief eingewurzelten Greuel werden dem Propheten enthüllt, und in Kap. 9 wird ihm die Ausführung des Urteils gezeigt. Aber vorher, oder zu gleicher Zeit, geschieht etwas von außerordentlicher Bedeutung: diejenigen, die sich voll Herzenskummer vom Bösen jener Zeit fernhalten, werden gekennzeichnet: „Mache ein Zeichen an die Stirnen der Leute, welche seufzen und jammern über all die Greuel, die in ihrer Mitte geschehen.“ Dem Manne Gottes ist das Urteil über das Volk Gottes immer etwas Schreckliches; daher heißt es: „Und es geschah, als sie schlugen, und ich allein übrigblieb, da fiel ich nieder auf mein Angesicht und schrie und sprach: Ach, Herr, Jehova! willst du den ganzen Überrest Israels verderben, indem du deinen Grimm über Jerusalem ausgießest?“

In Kap. 10 wird Hesekiel nun eine ganz andere Erfahrung zuteil. Es ist der Anblick der Herrlichkeit Gottes, einerseits ein kummervoller Anblick, weil sie das Haus, die Erde verläßt, anderseits dem Manne Gottes ein ermunternder Anblick, weil die Wege und Absichten (von denen die „Räder“ im Vorbild sprechen) im voraus bestimmt und sicher sind. Das Gebilde einer Menschenhand war unter den Flügeln der Cherubim: einst würde ein Mensch zur Verherrlichung Gottes handeln. Nichts ermuntert das Herz des treuen Knechtes in Zeiten des Niedergangs so sehr wie der ungetrübte Anblick der Herrlichkeit Gottes. Als die Sünde Israels den Geist Moses bedrückte, sagte er: „Laß mich doch deine Herrlichkeit sehen!“ Ebenso sah Stephanus die in dem Menschen Christus Jesus geoffenbarte und versicherte Herrlichkeit, als die Sünde Israels vollständig gemacht wurde, indem sie Ihn als den König in Herrlichkeit verwarfen. Sie ist eine schöne Vorbereitung auf Leiden, Dienst und Zeugnis auf Erden. Aber nicht nur das, in Kap. 11 lesen wir „Und der Geist hob mich empor und brachte mich zum östlichen Tor des Hauses Jehovas“, damit er die öffentlichen Lehren der Führer Israels anhören könnte, die sagen: „Es ist nicht an der Zeit, Häuser zu bauen; sie ist der Topf, und wir sind das Fleisch.“ Zweimal wird zu Hesekiel gesagt: „Weissage.“ – „Und es geschah, als ich weissagte, da starb Pelatja, der Sohn Benajas.“ Der bloße Anblick des Urteils berührte den Propheten tief; der Mann Gottes, wie große Gerichte er auch wegen der Heiligkeit Gottes verkünden mag, ist immer bewegt, wenn auch nur ein Mensch davon betroffen wird. Er sagt: „Und ich fiel nieder auf mein Angesicht und schrie mit lauter Stimme und sprach: Ach, Herr, Jehova! willst du dem Oberrest Israels den Garaus machen?“ Er wird durch eine Mitteilung Gottes über zukünftige Gnade gegen Israel getröstet. Die Herrlichkeit Gottes verläßt die Stadt, und Hesekiel kehrt zu den Weggeführten zurück und erzählt ihnen alles, was Jehova ihm gezeigt hat. Die ganze frühere Erziehung war bestimmt, den Propheten passend zu machen, den Weggeführten die Gedanken Jehovas zu übermitteln.

In Kap. 12 muß er wegen des Zustandes des Volks wieder eine andere Erfahrung machen. Er soll dem Hause Israel ein Zeichen sein. Und ich tat also, wie mir geboten war. Meine Geräte trug ich wie Auswanderergeräte bei Tage hinaus, und am Abend durchbrach ich mir die Mauer mit der Hand; in dichter Finsternis trug ich sie hinaus, ich nahm sie vor, ihren Augen auf die Schulter.“ Es ist etwas Wunderbares, daß der Prophet sagen kann, er sei ein Zeichen, wie Paulus später sagen konnte: „Auf daß wir uns selbst euch zum Vorbild gäben, damit ihr uns nachahmet.“ Er zeigt, daß er persönlich die Leiden des drohenden Gerichts, vor dem er warnt, erduldet. Weiter geschieht das Wort Jehovas zu ihm: „Menschensohn, mit Beben sollst du dein Brot essen, und mit Zittern und in Angst dein Wasser trinken. Und sprich zu dem Volke des Landes: So spricht der Herr, Jehova, von den Bewohnern Jerusalems im Lande Israel: In Angst werden sie ihr Brot essen und in Entsetzen ihr Wasser trinken, weil ihr Land veröden wird von seiner Fülle wegen der Gewalttat aller seiner Bewohner. Und die bewohnten Städte werden wüst, und das Land wird eine Einöde werden. Und ihr werdet wissen, daß ich Jehova bin.“

Es ist eine große Ermutigung, daß dieselben Leiden an unseren Brüdern, die in der Welt sind, vollbracht werden, daß die Knechte Gottes zu anderen Zeiten ebenso gelitten haben, wie wir jetzt: Hesekiel hatte mit demselben Geist des Unglaubens zu kämpfen wie wir in unseren Tagen. Wenn man heute sagt: „Wo ist die Verheißung Seiner Wiederkunft?“ so sagte man damals: „Die Tage werden sich in die Länge ziehen, und jedes Gesicht wird zunichte werden“. (Hes 12,22). je weniger der natürliche Mensch von den Absichten und Wegen Gottes sehen kann, desto mehr vertraut der geistliche Mensch einfältig auf das Wort Gottes und wird dadurch im Glauben gestärkt. Daher lautet die Antwort auf diesen Spott der Ungläubigen: „Nahe sind die Tage und das Wort eines jeden Gerichts.“ Um dem Propheten die Wahrheit dessen zu zeigen, geschieht wiederum das Wort Jehovas zu ihm, und er soll zu dem Hause Israel sagen: „Keines meiner Worte soll mehr hinausgeschoben werden; das Wort, das ich rede, wird auch geschehen, spricht der Herr, Jehova.“ Es folgt nun ein wichtiger, schwerer Dienst für den Propheten, vielleicht der schwerste überhaupt in solcher Zeit. Die falschen Lehrer unter dem Volk, Männer und Frauen, sollen bloßgestellt werden. Für einen besonderen Dienst ist eine besondere Erziehung notwendig; und die einzige Möglichkeit, falsche Lehren heute zu widerlegen und zum Schweigen zu bringen ist die Tatsache der baldigen Wiederkunft Christi, und daß die Hoffnungen der Menschen alle eitel sind. Kap. 13 belehrt den Knecht über die Gedanken Gottes hinsichtlich dieser falschen Propheten. Wir finden hier große Grundsätze zu unserer Hilfe und Leitung. Die übertünchte Wand wird schließlich fallen. Der Knecht muß lernen, seine Seele in Geduld zu beherrschen; eines der Kennzeichen, daß er in der göttlichen Kraft steht, ist die Geduld, mit der er auf Gottes Zeit wartet, indem er weiß, daß die Langmut des Herrn Errettung ist. Wer glaubt, wird nichts übereilen. Wenn ich wahrhaft sicher bin, daß der Herr an mich denkt und zu meiner Rechten ist, kann ich geduldig auf Ihn warten und vertrauen, daß er es gutmachen wird. Hesekiel empfängt den Platz der größten göttlichen Ehre für einen Knecht auf Erden: ein Licht für Gott zu sein. Das ist der wahre Platz eines Knechtes und Propheten Gottes.

Kap. 14. „Und es kamen Männer von den Ältesten Israels zu mir, und sie setzten sich vor mir nieder.“ Sicher sollten wir uns jeder Zucht gerne unterwerfen, damit wir für einen so großen Dienst passend gemacht werden. Wie gesegnet wäre es, wenn wir von Gott zubereitet wären, in diesen bösen Tagen die Erklärer Seiner Gedanken zu sein, so daß die Führer menschlicher Religionen sich zu uns um Licht und Belehrung wenden würden; und soweit wir wirklich für Christum leben, sind wir von Ihm zu diesem Zweck bereitet und hingestellt, wie wenig wir auch anerkannt werden mögen. Hesekiel erhält hier nicht so sehr Erziehung als vielmehr Unterweisung; Erziehung ist die Voraussetzung für Unterweisung, und daher ist es anziehend und nützlich, die Zeit und Ordnung der Unterweisung zu beachten.

In Kap. 15 ist Israel der Weinstock, von Natur aus nichts wert, ist er doch das Bild des Volkes Gottes auf Erden, das das Herz Gottes und der Menschen erfreuen soll. Unter den Bäumen des Waldes ist der Weinstock nichts, „wieviel weniger, wenn das Feuer das Holz verzehrt hat, ... kann es dann noch zu einer Arbeit verwendet werden!“ denn Jehova spricht: „ich werde mein Angesicht wider sie richten.“

Kap 16 gibt einen Überblick über alle Gnadenwege Gottes mit Israel und zeigt im Einzelnen, wie sündig Israel gehandelt hat. Daher wird zum Propheten gesagt: Menschensohn, tue Jerusalem seine Greuel kund.“ Der Knecht muß notwendigerweise nicht nur das Gericht Gottes an dem Weinstock – dem anerkannten Volke Gottes – sehen, sondern ihnen ihren Fall und ihr Abweichen von dem Platz und dem Zustand, wohin Gott sie gestellt hatte, klar und deutlich vor Augen führen. So geschieht es jetzt. Vielleicht ist unser Dienst in diesem Punkt mangelhaft, d. h., daß wir Jerusalem seine Greuel nicht genügend kundtun. Ein Knecht ist niemals imstande, mit Kraft und Schärfe das Abweichen anderer aufzudecken, wenn er nicht selbst davor bewahrt oder errettet worden ist.

Bis zum Ende von Kap 39 wird der Prophet nun über die Gedanken Gottes hinsichtlich aller mit Israel in Verbindung stehenden Nationen belehrt. Aber auch der Ratschluß Gottes wird ihm verkündet. Nun, nachdem die große Fülle der Gerichte ihm verkündet worden ist, kann er mit der Gnadenbotschaft des gepriesenen Gottes enden. „Und ich werde meine Herrlichkeit unter den Nationen erweisen; und alle Nationen sollen mein Gericht sehen, welches ich gehalten, und meine Hand, die ich an sie gelegt habe... Und ich werde mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen, wenn ich meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen habe, spricht der Herr, Jehova.“ Und zum Schluß sieht Hesekiel im Gesicht die Aufrichtung von Gottes Heiligtum inmitten Seines Volkes (Kap 40–48); ein ermunterndes, gesegnetes Ende seiner Erziehung als Knecht und Prophet Gottes.

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