Ährenlese im Alten Testament (Sprüche)

Kapitel 1-9

Ährenlese im Alten Testament (Sprüche)

Sprüche 1,1–19

Gott hat Salomo, den Größten unter den Weisen (1. Könige 5,9ff.), benützt, um uns „die Sprüche“, dieses Buch der Weisheit, zu geben. Obwohl es sich an alle richtet, ist es ganz besonders den Jünglingen gewidmet (Vers 4). Ja, dieses Buch wurde vor allem für dich, gläubiger junger Freund, geschrieben, der du in einem Alter bist, da du deine eigenen Überlegungen anstellst und selbst zu urteilen beginnst. Das ist der Augenblick, in dem du die Richtung finden und Entscheidungen treffen musst. In der Schule Gottes, wo deine christliche Erziehung unter der Autorität und dem Beispiel deiner Eltern weitergeht (Verse 7–9), bilden die Sprüche eines deiner wichtigsten „Schulbücher“. Sie enthalten Begriffserklärungen, Regeln mit ihren Anwendungen, Übungen, Beispiele zur Nachahmung und andere, denen man nicht nachfolgen soll. Aber die Weisheit (wie das Wort, mit dem sie sich identifiziert), ist gleichzeitig eine lebendige Person, die alle, die sie „ihre Söhne“ nennt, in ihrem Wandel unterweist und führt.

Die Psalmen begannen mit der Absonderung der Gläubigen (Psalm 1,1). Hier ist es ebenso. Die erste Unterweisung an den Sohn schärft ihm ein, „den Weg der Sünder“ zu meiden, die ihn zu verführen suchen, indem sie ihn einladen: „Geh mit uns“ (Vers 11). Sie zeigt ihm, wohin dieser Weg führt, und warnt ihn: „Mein Sohn, wandle nicht mit ihnen auf dem Wege“ (Vers 15; lies Epheser 5,11).

Sprüche 1,20–33

Die Weisheit hat sich die Erziehung ihrer Söhne, mit andern Worten ihrer Jünger, zur Aufgabe gestellt. Aber sie wendet sich ebenfalls an die Außenstehenden, um andere einzuladen, Jünger zu werden. Gott hat sein Wort nicht nur zur Unterweisung der Gläubigen gegeben. Es ist auch das Evangelium der Gnade, das den Unbekehrten den Weg des Heils zeigt. Seht wie die Weisheit – und durch sie der Herr Jesus – beharrlich die Seelen überall da sucht, wohin sie sich verirrt haben. Wir kennen diese „lärmenden Plätze“, wo die Welt sich betäubt, vielleicht, weil wir sie vor unserer Bekehrung selbst aufgesucht haben. Die Weisheit schreit, um dieses Tamtam zu übertönen (vergleiche Johannes 7,37 und 12,44). Und dieses Wort, das Gott überall verkündigen lässt, hat eine zweifache Wirkung: Heil für die einen, Verdammnis für die andern (vergleiche Apostelgeschichte 17,32–34). Die gleiche Stimme, die heute den dringenden Ruf der Gnade erlässt, wird eines Tages für die vielen, die nicht auf sie hören wollten, ironisch und schrecklich ertönen (Vers 26). Dann wird es zu spät sein (vergleiche Vers 28 mit Amos 8,12). Wer aber auf sie hört, wird in Sicherheit wohnen, ohne Furcht vor dem Gericht (Vers 33). Für sie gilt die Verheißung von Vers 23: „Ich will euch meinen Geist hervorströmen lassen, will euch kundtun meine Reden.“

Sprüche 2,1–22

Bevor die Weisheit die Erziehung ihres Sohnes wieder in die Hand nimmt, untersucht sie seine Neigungen. Ist er entschlossen, sich belehren zu lassen, um die Erkenntnis Gottes zu finden? (Vers 5). Unterwirft er sich der Disziplin dieser „Schule“ gutwillig? Tatsächlich ist keine Belehrung von wirklichem Nutzen, wenn sie nicht vom Wunsch begleitet wird, diese Erkenntnis zu erlangen, und vom Bewusstsein ihrer Wichtigkeit. Es kommt vor, dass ein schlechter Schüler ein guter Gymnasiast wird, von dem Augenblick an, da er verstanden hat, dass seine Zukunft von seiner Arbeit abhängt.

Hier finden wir also die Weisheit und die Einsicht, die sich uns anbieten. Gott begrenzt die Gaben seines Geistes nicht (Johannes 3,34). Aber gleichzeitig müssen wir nach ihnen trachten, uns selber im Gebet nach ihnen ausstrecken (Vers 3; vergleiche 1. Korinther 14,1). Die Verse 1–4 fordern den Gläubigen zu einer siebenfachen Anstrengung auf. In der Tat wird uns die beste Erziehung nicht lange bewahren können, wenn sich unser Herz nicht persönlich und fest daran beteiligt (vergleiche Verse 10,11; Daniel 1,8). Wir werden in Gefahr stehen, uns der Umgebung, in der wir uns befinden, anzupassen, und werden den schlechten Einflüssen preisgegeben sein (Verse 12–22). Und der Tag, da wir das väterliche Haus verlassen, könnte zum Markstein einer verhängnisvollen Wendung werden (lies 1. Korinther 15,33).

Sprüche 3,1–18

Sie sind für dich, junger gläubiger Freund, diese Worte voller Liebe deines himmlischen Vaters: „Mein Sohn, vergiss nicht...“. Der Ausdruck „mein Sohn“ wird in den Kapiteln 1–7 vierzehnmal wiederholt. Im Hebräerbrief, wo der Apostel die Verse 11 und 12 anführt, ist er gezwungen zu sagen: „Ihr habt der Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht.“ Wägen wir also die Warnungen dieser Kapitel gut ab, indem wir uns bewusst sind, wer sie an uns richtet (Hebräer 12,5.25).

Die Güte und die Wahrheit sind unzertrennlich miteinander verbunden. Sie entsprechen der Natur und dem Wesen dieses Gottes der Liebe und des Lichts, dessen Kinder wir sind. Möchten wir sie in unser Herz einschließen (Vers 3).

Wie das zweite Kapitel uns gezeigt hat, gilt es durch das Gebet ein Verständnis zu erlangen: ein Verständnis, durch das der Heilige Geist uns in die Gedanken Gottes eindringen lässt. Glückselig der Mensch, der es erwirbt (Vers 13). Dagegen gibt es etwas anderes, wovor ich mich hüten muss: mein eigener Verstand (Vers 5). Ich kann mich nicht gleichzeitig auf ihn stützen und von ganzem Herzen auf Gott vertrauen, meinen eigenen Vernunftschlüssen folgen – und zu gleicher Zeit den Anweisungen von oben. „Seid nicht klug bei euch selbst“, ermahnt uns Römer 12,16 in Anlehnung an unseren Vers 7.

Sprüche 3,19–35

Für das Leben meiner Seele ist es in erster Linie nötig, die Belehrungen der Weisheit zu bewahren. „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Worte Gottes“ (Lukas 4,4). Das wird gleichzeitig andern gegenüber ein Schmuck der Gnade sein (Vers 22; Kapitel 1,9; 4,9). Bei Tag wird mein Wandel dadurch befestigt, und während der Nacht werde ich in Sicherheit wohnen. Mein Schlaf wird süß sein (Vers 24). Woher kommen Unsicherheit und Fehler im Urteil, die mich im Lauf des Tages oft zu Fall bringen? Woher die Ängste und Qualen, die meinen Geist manchmal sogar nachts überfallen? Das kommt davon, dass ich die Belehrungen des Herrn aus dem Auge verloren habe und meine Zuversicht nicht mehr einfach auf Ihn setze (Vers 26), sondern meinen eigenen Gedanken folge.

Gott, der mein selbstsüchtiges Herz kennt, erinnert mich nun daran, was ich meinem Nächsten schuldig bin (Vers 27; Lukas 6,30). Und weil ich sein Kind bin, erwartet Er von mir völlige Aufrichtigkeit, das Meiden selbst der geringsten Halbwahrheiten in meinen Taten, meinen Worten und meinen Absichten. Dabei darf auch die christliche Sanftmut nicht vergessen werden, die nicht auf ihren Rechten beharrt (Verse 30,31). Ist das übrigens nicht das Mittel, um „größere Gnade“ zu erlangen, wie Jakobus uns verheißt, indem er den 34. Vers anführt? (Jakobus 4,6).

Sprüche 4,1–19

Das Kind gläubiger Eltern erwirbt in seiner Familie die Anfänge der Weisheit Gottes. Der „guten Lehre“ widersprechen, sie verachten oder verlassen (Vers 2), das ist eine Einstellung, die nicht gesegnet sein kann und die nur zu oft den Ausgangspunkt zu einem für das Zeugnis verlorenen Leben bildet (vergleiche Vers 10 mit 2. Mose 20,12).

„Der Vater gibt den Kindern Kunde von deiner Treue“ (Jesaja 38,19). Die christliche Belehrung ist die Verantwortung der Familienväter, die ihren Kindern das weitergeben, was sie oft von ihren eigenen Eltern empfangen haben (Psalm 78,4–6). Salomo, der inspirierte Schreiber der Sprüche, erinnert sich zweifellos der letzten Worte seines Vaters David (Vers 3; 1. Könige 2,1–3).

Die Verse 11–13 unterweisen uns hinsichtlich des Wandels, die Verse 14–19 was den Weg betrifft. Der Weg der Bösen wird uns beschrieben, damit wir ihn meiden und treu auf dem Pfad der Gerechten vorangehen, der „wie das glänzende Morgenlicht ist, das stets heller leuchtet bis zur Tageshöhe“. Die Weisheit ist ein Bereich, in welchem man nach und nach Fortschritte macht (vergleiche Lukas 2,52). Es ist nicht normal, wenn dieses Wachstum durch einen schlechten Zustand unseres Gewissens gehindert wird. Möchte dieser 18. Vers eine Zusammenfassung des Lebens eines jeden von uns sein.

Sprüche 4,20–5,23

Alle Sinne, alle lebenswichtigen Organe des Gläubigen müssen von der Weisheit beherrscht werden. Diese Weisheit hat Gott dir, gläubiger Freund, zur Verfügung gestellt (Jakobus 1,5). Du bist verantwortlich, durch sie über dein Ohr (Vers 20), deine Augen (Verse 21,25), deine Füße (Verse 26,27; Psalm 119,101), deine Gedanken und deine Lippen (Kapitel 5,2) zu wachen – und vor allem über dein Herz, von dem aus dein ganzes Sein gesteuert wird (Vers 23). Wenn es gefangengenommen wird, bist du erledigt. Wie viele haben ihr Leben verfehlt und bittere Tränen geweint, weil sie in ihrer Jugend in ihrem Innern eine Zuneigung sich entfalten ließen, die nicht nach den Gedanken des Herrn war!

Wenn die Lippen das Ausgangstor des Herzens sind, so sind die Augen die wichtigste Eingangstüre. Wachen wir deshalb darüber, dass unsere Augen geradeaus blicken. Möchten sie unverwandt auf den Herrn Jesus, das Ziel unseres Glaubenslaufs, gerichtet sein (Hebräer 12,2). Auf diese Weise wird keinerlei Lust Eingang finden.

Der 8. Vers und die folgenden beschreiben das Elend dessen, der sich von „einer Fremden“ verführen ließ: er gibt „seine Jahre dem Grausamen“ (Vers 9). Vor unserer Bekehrung haben wir nur zu viele unserer Jahre dem Satan gegeben. Wer wollte schon unter seine Macht zurückkehren?

Sprüche 6,1–19

Bürgschaft leisten heißt, jemand empfehlen, indem man die Verantwortung für dessen eingegangene Verpflichtungen übernimmt. Es macht den Anschein, als wäre das etwas Gutes. Aber in Gottes Augen ist Bürgschaft ein Gräuel, erstens weil das Vertrauen auf einen Menschen gesetzt wird, und zweitens, weil unbedacht über die Zukunft verfügt wird, die Gott allein gehört (Jeremia 17,5; Jakobus 4,13.14).

Dem Faulen empfehlen die Verse 6–8 einen Besuch bei der Ameise. Wie viele nützliche Lektionen kann man bei diesem kleinen, arbeitsamen Volk lernen: Fleiß, Ausdauer, Vorsicht, Ordnung, gegenseitiger Beistand, Selbstdisziplin. Keine bleibt untätig, und wenn die Last zu schwer wird, kommt ihr eine Gefährtin zu Hilfe. Möchten wir es verstehen, die lebendigen Unterweisungen, die Gott uns da und dort in seiner Schöpfung gibt, zu beobachten!

Wir haben bereits gesehen, dass sämtliche Glieder des Gläubigen für Gott bewahrt und geheiligt werden sollten (Kapitel 4,21–27; 5,1.2). Die Verse 12–19 zeigen uns, wie sehr diese Glieder beim natürlichen Menschen im Dienst des Bösen stehen. Das war auch unser Zustand, als wir Sklaven der Sünde waren. Aber Römer 6,18–19 erinnert uns daran, dass wir freigemacht wurden und ermahnt uns eindringlich, unsere Glieder jetzt zur Sklaverei der Gerechtigkeit zur Heiligkeit darzustellen.

Sprüche 6,20–35

Eine erste Pflicht – sie kommt gleich nach der Furcht des Herrn – wird dem jungen Christen von Anfang dieses Buches an in Erinnerung gerufen: auf seine Eltern zu hören und ihnen zu gehorchen (Kapitel 1,8.9). Die Verse 20–22 kommen auf diesen wichtigen Gegenstand zurück, um den Belehrungen von Vater und Mutter den gleichen Platz einzuräumen, wie ihn 5. Mose 11,18.19 dem Wort Gottes selbst zumisst (siehe auch Sprüche 23,22). Seinen Eltern gehorchen heißt also Gott gehorchen. Das ist nicht nur „recht“ (Epheser 6,1), sondern auch „wohlgefällig im Herrn“ (Kolosser 3,20). Möchte dieser Gehorsam in den christlichen Häusern sichtbar sein, und das umso mehr, als er in der heutigen Weit immer mehr abnimmt! (2. Timotheus 3,2). Dem Einfluss der Familie stellt sich einmal mehr derjenige der Fremden entgegen, welche die Sünde in Person darstellt (Kapitel 2,16; 5,3.20; dann 7,5). Wundern wir uns nicht über diese wiederholten Warnungen. Wir wissen aus Erfahrung, dass die Versuchungen sich wiederholen. Aber sie werden umso gefährlicher sein, wenn sie in unseren Gedanken oder unseren Gewohnheiten ungerichteter Unreinheit begegnen.

Auch die Faulheit öffnet der fleischlichen Lust Tür und Tor, wie die Geschichte Davids und seiner schrecklichen Sünde uns belehrt (2. Samuel 11).

Sprüche 7,1–27

Dieses Kapitel illustriert auf ernsteste Weise, welche Gefahr die fremde Frau für den jungen Sohn der Weisheit darstellt. Es geht um eine echte Jagd nach der Seele (vergleiche Kapitel 6,26). Diese unreine, leidenschaftliche und unbändige Frau liegt auf der Lauer. Sie tarnt ihre verderblichen Absichten mit einem religiösen Deckmantel (Vers 14). Sie ist bald hier, bald da, und die Nacht hilft ihr, auf ihr Opfer zu lauern. Ihre Waffen sind: schmeichelnde Worte und Augenaufschlag (Kapitel 2,16; 5,3; 6,25). Ihr Opfer: ein leichtsinniger, untätiger Jüngling, der im voraus besiegt ist, weil er keinen Willen besitzt und von seinen Sinnen beherrscht wird.

Die Szene wickelt sich rasch ab: unwissend, dumm, „ging er ihr auf einmal nach“ (Vers 22). Die Schlinge des „Vogelstellers“ – d.h. Satans – hat ihn alsbald eingeschlossen (Vers 23; Psalm 91,3). Zu spät, er kann nicht mehr zurück; er hat das Vergnügen eines Augenblicks, aber mit welchem Preis bezahlt! Denn „es gilt sein Leben“... und er wusste es nicht. Ihr seid gewarnt worden, junge Christen, und seid deshalb noch mehr verantwortlich. Aber ihr wisst auch, wo die Hilfe zu finden ist: „Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln? Indem er sich bewahrt nach deinem Worte“ (Psalm 119,9). Denkt über das Beispiel Josephs und seine standhafte Haltung nach (1. Mose 39,9). Und ruft in der Stunde der Gefahr zu dem, der jederzeit denen „zu helfen vermag, die versucht werden“ (Hebräer 2,18).

Sprüche 8,1–21

Wie im ersten Kapitel wendet sich die Weisheit an die Verlorenen und lässt ihren Ruf der Gnade erschallen. Sie stellt sich diesmal oben auf den Erhöhungen am Wege auf, da wo Pfade zusammenkommen, am Eingangstor zur Stadt, überall da, wo die Welt vorbeigeht. Die Wegkreuzung (Vers 2) ist ein Ort, wo sich Gelegenheit bietet, die Richtung zu ändern. Dorthin werden im Gleichnis die Knechte des Königs gesandt, um so viele, wie sie finden können, einzuladen (Matthäus 22,9). Das 9. Kapitel wird uns zeigen, dass auch die Weisheit ein Fest bereitet hat und ihre Mägde ausschickt, um einzuladen. Du, der du vielleicht noch auf dem breiten Weg gehst, antworte jetzt auf die eindringliche Stimme, die dich an der Wegkreuzung herzuruft. Diese Stimme ist die Stimme des Herrn Jesu, der dein Glück will. Er lässt die, die auf Ihn hören, Vortreffliches, Geradheit, Wahrheit vernehmen (Verse 6–9). Er besitzt Schätze, die in keiner Weise mit dem Gold und Silber dieser Welt zu vergleichen sind. Er lässt uns „bleibendes“ und „beständiges Gut“ erben (Verse 18 und 21), die „zukünftigen Güter“, eine „bessere und bleibende Habe“, wie sie in Hebräer 10,1+34 auch genannt werden. Wie herrlich ist doch in der Tat das, „was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (1. Korinther 2,9; vergleiche Verse 17–21).

Sprüche 8,22–36

„Was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“, hat seine Quelle in Christus. Er ist „Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, weiche Gott zuvorbestimmt hat, vor den Zeitaltern, zu unserer Herrlichkeit“ (1. Korinther 2,7.9; siehe auch 1. Korinther 1,30). Die Verse 22–31 lassen uns den Lauf der Zeit bis jenseits des Anfangs der erschaffenen Dinge zurückverfolgen, soweit unsere Gedanken nur reichen können. Die Weisheit war schon da, eine Person an der Seite Gottes: der Sohn mit dem Vater, in einer Atmosphäre gegenseitiger Liebe und Freude, um das Werk der Schöpfung miteinander zu planen und dann auszuführen. Aber wir erfahren hier zudem noch etwas ganz Außerordentliches: Bevor ein Mensch existierte, bevor es nur eine Erde gab, um ihn zu tragen, ja selbst „vor Beginn der Schollen (Staub, siehe Fußnote) des Erdkreises“, waren wir, du und ich, gekannt und geliebt. „Meine Wonne war bei den Menschenkindern“, das ist die wunderbare Erklärung des Vielgeliebten Gottes, bevor die Zeit begann. Er wollte die Liebe des Vaters nicht allein genießen. Und das ganze Werk, das Er ausführen wollte, hatte dieses große Endziel: gerettete und vollkommene Menschen in sein eigenes Glück einzuführen, zur Verherrlichung Gottes, seines Vaters.

Sprüche 9,1–18

Das Wort, das „im Anfang bei Gott war“, und das selber „Gott war“, ist herabgekommen, um zu den Menschen zu reden und ihnen die Offenbarung des Vaters zu bringen (das ist der Gegenstand des Johannes-Evangeliums). So ist es auch mit der Weisheit. Sie ist nicht an der Seite Gottes geblieben. Sie hat ihr Haus inmitten der Menschen gebaut (Johannes 1,14 Fußnote), und lädt sie zu sich ein: „Kommet, esset... trinket ...“, (vergleiche Johannes 6,51 und 21,12). Sie sättigt zuerst, dann unterweist sie. Der Herr Jesus füllt das Herz, bevor Er den Geist und das Gedächtnis ausstattet. Denn wenn die Liebe zu Ihm der Erkenntnis „seiner Gebote“ nicht vorausgeht, werden wir nicht fähig sein, sie zu halten.

Zudem muss die Belehrung der Weisheit mit ihrem Anfang beginnen, d.h. mit der Furcht des Herrn (Vers 10): mit dem Bewusstsein der Autorität Dessen, der die Belehrung erteilt. Man hält sich mit Ehrfurcht vor Gott auf, indem man sich der Wichtigkeit jedes seiner Worte bewusst ist. Wir sollten die Bibel nie anders lesen.

In der Welt versucht eine andere Stimme die Menschen zu verführen: die Stimme der Torheit (und der Sünde)! Ihre äußere Erscheinung gleicht der Weisheit (vgl. V. 4 und 16) und sie bietet uns „die zeitliche Ergötzung der Sünde“ an (Hebräer 11,25). Aber lasst uns das Gesicht ihrer Geladenen näher betrachten. An dieser unheilvollen Tafel sitzen die Schatten des Todes (Vers 18; Kapitel 2,18.19).

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