Gottes Rettung
Die Rechtfertigung des Sünders und die Befreiung des Gläubigen

Weil der Mensch keine Gerechtigkeit für Gott besitzt, stellt Gott dem Menschen Gerechtigkeit bereit

Unterabschnitt (e), (Kapitel 3,21–4,25)

Das Zeugnis Abrahams wird angeführt, um zu beweisen, dass Gerechtigkeit auf der Grundlage des Glaubens angerechnet wird, nicht aufgrund von Werken; und das Zeugnis Davids, um zu beweisen, dass es dem Sünder, nicht dem Gerechten angerechnet wird.

Gott offenbart seine Gerechtigkeit

Jetzt aber, nach 4000 Jahren, in denen der Mensch unter jeder möglichen Bedingung geprüft worden ist;1 nachdem Gott all seine Sorgfalt an seine bevorrechtigte Nation verwendet hatte (Jes 5,4); nachdem ihnen das Gesetz gegeben worden war und die Propheten geschickt worden waren, um sie an den von ihnen gebrochenen Bund zu erinnern, indem Gott früh sich aufmachte und sie sandte; nach drei Jahren der geduldigen Pflege durch den Sohn Gottes an dem fruchtlosen Baum Israels; und nachdem der Mensch im Ganzen, sei er Heide oder Jude, bewiesen hat, dass er Gott keine Gerechtigkeit vorweisen kann, jetzt, in der äußerst schlechten Notlage des Menschen, kommt Gott selbst und offenbart seine Gerechtigkeit für den Menschen, ohne2 das (das heißt, gänzlich getrennt von dem) Gesetz; das Gesetz selbst ist, anstatt dass es das Mittel ist, wodurch der Mensch Gerechtigkeit erlangen könnte, zusammen mit den Propheten nur ein Zeuge für Gottes Gerechtigkeit; es spricht, wie das Gesetz es durch jedes Opfer, das es vorschrieb, tat, von der Notwendigkeit eines fleckenlosen Stellvertreters für den Menschen, der an seiner, des Sünders, Stelle steht; es berichtet, wie die Propheten von dem Herrn berichtet hatten: „Nahe ist meine Gerechtigkeit, mein Heil ist ausgezogen“; „meine Rettung wird in Ewigkeit sein, und meine Gerechtigkeit wird nicht zerschmettert werden“; „meine Gerechtigkeit wird in Ewigkeit sein und meine Rettung durch alle Geschlechter hindurch“ (Jes 51,5.6.8).

Vorhergesagt durch Gesetz und Propheten

So bezeugten das Gesetz und die Propheten gleicherweise diese Gerechtigkeit Gottes, die damals noch nicht offenbart war, aber nun vor der Welt dargestellt wurde; eine Gerechtigkeit, eine völlige Übereinstimmung mit allem, was Gott in sich selbst ist. Diese Gerechtigkeit zeigte sich in dem fleckenlosen Opfer, das gleichzeitig der Sohn des Menschen und doch Gottes Sohn war, das am Kreuz allem, was Gottes Heiligkeit gegenüber der Sünde verlangte, völlig entsprach und dort das gewaltige Problem löste, dass Gott, der gleichzeitig Licht und Liebe ist, sich selbst gerecht und doch der sein könne, der den Gottlosen rechtfertigt. Denn wäre Gott nur Licht, könnte kein Sünder gerettet werden (und alle waren solche Sünder). Wenn Er nur Liebe wäre, dann müsste Er, um Sünder zu retten, seinen gerechten Hass auf die Sünde aufgeben. Aber am Kreuz, als Licht und Liebe sichtbar wurden, wird sein Hass auf Sünde völlig offenbart und doch fließt von dort sein Herz von Liebe aus in Gerechtigkeit gegenüber dem armen Sünder – dort sind sich „Güte und Wahrheit […] begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst“ (Ps 85,11).

Gottes Gnade ist nicht wie das Gesetz begrenzt

An wen ist also diese Gerechtigkeit Gottes gerichtet? Spricht sie nur, wie das Gesetz, die Juden an? Sicherlich nicht. Es ist keine menschliche Gerechtigkeit durch Werke, sondern eine, die im vollständigen Widerspruch zu solch einem Gedanken steht. Es ist Gottes Gerechtigkeit durch Glauben an Jesus Christus und als solche wendet sie sich an Juden und Nichtjuden gleichermaßen. Das Gesetz war zwar in seiner Anwendung begrenzt, aber die Gerechtigkeit durch Glauben ist gegen alle3, die glauben, denn es gibt keinen Unterschied (nicht zwischen Mensch und Mensch als Sündern, obwohl dies sicher in einem gewissen Sinn wahr ist), sondern zwischen Juden und Nichtjuden, denn alle haben mit Blick auf die Vergangenheit gleichermaßen gesündigt und mit Blick auf die Gegenwart erreichen4 sie wirklich nicht Gottes Herrlichkeit, – das, was seine Gegenwart moralisch fordert.

Christus das Sühnmittel

Und nun werden alle, die an das bereitgestellte Lamm glauben, umsonst gerechtfertigt durch Gottes Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist, den Gott dargestellt hat als ein Sühnmittel oder Sühndeckel5 (3. Mo 16) durch den Glauben an sein Blut, zur Erweisung (1) seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der Sünden jedes Sünders, dem in der Zeit vor dem Kreuz vergeben wurde, unter seiner Nachsicht; und (2) mit Blick auf das Erweisen seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, dass Er gerecht sei und alle, die an Jesus glauben, rechtfertigt. Auf diese Weise sah Gott, für den Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleich sind, auf das Blut Christi, das (damals noch nicht vergossen) auf den Sühndeckel der wahren Stiftshütte gebracht werden sollte, die der Herr und nicht der Mensch errichtet hat (Heb 8,2) und konnte in Nachsicht gerechterweise die Sünden der Heiligen hingehen lassen, die gestorben sind, bevor Christus starb, und erklärt jetzt seine Gerechtigkeit darin, dass Er damals so getan hat; und nicht nur das, sondern jetzt auch (nicht mehr länger durch Nachsicht), sondern indem Er zurückblickt auf dasselbe Blut, wobei Er durch die Tatsache, dass es seinen Forderungen gegenüber der Sünde begegnet ist, gerecht in sich selbst ist und den an Jesus Gläubigen rechtfertigt. Denn wenn wir zu Christus kommen, dem Sühndeckel, den Gott bereitstellt, finden wir, genau wie der Hohepriester damals am großen Versöhnungstag herbeikam, einen Sühndeckel, der mit Blut besprengt ist. Einmal wurde das Blut auf den Sühndeckel gesprengt, um den gesenkten Augen der Cherubim zu begegnen, und sieben Mal vor ihn, wo der Mensch stand, um der Not seines Gewissens zu begegnen (3. Mo 16,14.15). Auf diese Weise hatte die Nation damals vorbildlich, hat der einzelne Sünder heute tatsächlich Zugang zu Gott in Gerechtigkeit.6

Wo ist der Ruhm?

„Umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade!“ Wie diese Worte Verachtung über den ganzen Stolz des Menschen ausgießen, über seine Bemühungen, seine Errungenschaften und seine Selbstgerechtigkeit, die, wenn sie überhaupt etwas erreicht hätten, nur von ihm benutzt worden wären, um sich selbst ihrer zu rühmen! Wo ist nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen worden – nicht durch ein Gesetz von Werken, das eine Gelegenheit dafür geschaffen hätte, sondern durch das Gesetz oder das Prinzip des Glaubens. Denn Gott wird kein Fleisch in seiner Gegenwart haben, das sich selbst rühmt; das ewige Zeugnis der erlösten Menge wird nicht „Würdig sind wir“ sein, sondern „Du bist würdig […], denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation“ (Off 5,9).

Die große Schlussfolgerung also, zu der wir von dem kommen, was vorangeht, ist, dass ein Mensch gerechtfertigt wird durch Glauben ohne Werke eines wie auch immer gearteten Gesetzes. Aber wenn dies so ist – wenn Gott und Glaube betroffen sind –, muss Gott notwendigerweise der Gott der Nationen wie der der Juden sein, weil es der eine Gott ist, der den letzteren aufgrund des Glaubens rechtfertigen wird und den erstgenannten auch durch Glauben; der Unterschied ist, dass im Fall der Juden der Glauben ein anerkanntes bestehendes Prinzip war oder gewesen sein sollte, aber nicht so im Fall der Nichtjuden.

Das Gesetz wurde eingesetzt, indem sein Fluch angenommen wurde

„Aber“, mag der Kritiker der freien Gnade sagen, und leider tut er das auch oft, „das ist reine Gesetzlosigkeit; du machst das Gesetz ungültig durch deinen Glauben.“ „Nein“, antwortet der Gläubige, der von Gott unterwiesen ist, „wäre ich unter dem Gesetz, könnte ich Gerechtigkeit nicht dadurch erlangen, dass ich es halte, weil ich weiß, dass es vollkommene Gerechtigkeit von mir fordert, der ich ein Sünder bin und deshalb keine besitze, und es mich im selben Atemzug verdammt, weil ich keine habe. Ich gebe zu, dass meine Verurteilung durch das Gesetz gerecht ist, und deshalb suche ich nach Gerechtigkeit außerhalb von mir selbst; so dass ich es bin, der das Gesetz bestätigt, und nicht der arme Pharisäer, der auf der Grundlage seiner Gesetzesbeobachtung nach Gerechtigkeit in sich selbst sucht, indem er vergisst, dass das Gesetz jeden verflucht, der nicht in allem bleibt, was im Gesetz vorgeschrieben ist. Er ist es in Wirklichkeit, der es nicht anerkennt, indem er seine eigene Verdammung durch das Gesetz ablehnt; ich aber bin es, der das Gesetz bestätigt.“

Das Prinzip, durch das Menschen gerechtfertigt werden

Der Apostel fährt danach damit fort, seinen Standpunkt zu beweisen, indem er zwei Zeugen anführt; einen in Bezug auf das Prinzip, aufgrund dessen Menschen gerechtfertigt werden, und den anderen in Bezug auf die Sorte von Personen, die gerechtfertigt werden – Zeugen, deren Zeugnis jeder Jude zulassen würde, weil er weiß, dass sie niemand anderes als die beiden großen Verwalter der Verheißungen sind, Abraham und David.

Abrahams Zeugnis darüber

Welchen Hinweis hat Abraham denn in Bezug auf das Prinzip zu geben, aufgrund dessen Menschen gerechtfertigt werden? Wenn er sagen kann, dass er durch Werke in den Augen seiner Mitmenschen gerechtfertigt wurde, hat er etwas zum Rühmen – aber nicht vor Gott. Denn was sagt die Schrift? „Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.“ Also hatte er keine Gerechtigkeit vor Gott, aber sein Glaube wurde ihm dafür angerechnet; er tat das einzig Richtige, das der Mensch tun kann – er glaubte Gott. Und in der Tat gilt das allgemeine Prinzip, dass dann, wenn ein Mensch für Lohn arbeitet, der Lohn, wenn er verdient wurde, einer Schuldigkeit entspricht – ein von der Gnade völlig verschiedenes Prinzip; aber sein Glaube wird ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, wenn er, statt zu versuchen, Gott zu seinem Schuldner zu machen, indem er für Gerechtigkeit arbeitet, seinen Platz als jemand einnimmt, der keine Gerechtigkeit hat (d. h. den des Gottlosen), und an den glaubt, der solche rechtfertigt.

Davids Zeugnis darüber

Dies ist also die Sorte Menschen, die Gott rechtfertigt – die „Gottlosen“, die zu ihm kamen und ihre Sünde bekannten; dafür legt auch David Zeugnis ab, wenn er die Glückseligkeit des Menschen beschreibt, dem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet, indem er nicht sagt: „Glückselig sind die Gerechten,“ (denn wie wir gesehen haben, gibt es niemand Gerechten), sondern „Glückselig die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden bedeckt sind! Glückselig der Mann, dem der Herr Sünde nicht zurechnet“ – ein passendes Zeugnis für Gottes Gnade im Mund eines Menschen, der ein Ehebrecher und Mörder war.

Reicht diese Glückseligkeit also nur bis zu den beschnittenen Juden oder auch bis zu den unbeschnittenen Nationen? – denn bis jetzt haben wir nur gelernt, dass Glaube als Gerechtigkeit für die Vorfahren der Juden angerechnet worden ist. Um diese Frage zu beantworten, lasst uns ein andere stellen: „Wie wurde er Abraham angerechnet?“ – als einem beschnittenen oder als einem unbeschnittenen Mann?“ Als er unbeschnitten war natürlich; und er empfing die Beschneidung als ein Siegel des Glaubens, den er vorher hatte, als er noch unbeschnitten war; und so ist er Vater aller Gläubigen, selbst wenn sie Nichtjuden sind, damit Gerechtigkeit auch ihnen zugerechnet werden möge; und der Vater der Beschneidung, d. h. der Juden, die nicht nur äußerlich beschnitten sind, sondern die auch in den Fußstapfen dieses Glaubens leben, den er hatte, während er noch unbeschnitten war.

Das Prinzip erweitert auf die Nationen

Beschneidung also war nicht, wie jemand anderes passenderweise gesagt hat, ein Mittel der Gnade, sondern ein Siegel der Gerechtigkeit; und zuzugeben, dass Abraham der Vater der Gläubigen war, wie jeder Jude es bereitwillig tun würde, bedeutete, zuzugeben, dass sein Beispiel, wenn möglich, stärker zugunsten des unbeschnittenen Nichtjuden sprach als für den beschnittenen Juden, d. h. wenn der Zeitpunkt der Beschneidung Abrahams berücksichtigt wird; und dies ist gerade die Kernaussage der ganzen Argumentation des Apostels. Nun, das Versprechen, dass Abraham der Erbe der Welt sein sollte (was, wie wir gesehen haben, sowohl Juden als auch Nichtjuden einschließt), wurde Abraham (ihm persönlich wie in 1. Mose 12 oder seinem Nachkommen wie in Kapitel 22) nicht durch das Gesetz gegeben (denn das Gesetz wurde erst 430 Jahre später gegeben, Gal 3,17), sondern durch die Gerechtigkeit des Glaubens. Denn wenn die nach dem Prinzip des Gesetzes Erben sind, wird Glaube als ein Prinzip beiseite gesetzt und die Verheißung weggetan; denn das Gesetz wirkt Zorn und kann nichts anderes wirken und schon gar nicht Gerechtigkeit, insofern als sein Zwang nur dazu dient, die böse Natur, die sich über seine Einschränkungen ärgert, zur Rebellion anzustacheln; daneben gilt: Wo es kein Gesetz gibt, da würde es zwar Sünde geben, so wie sie von Adams Zeit bis zu Mose existierte, der das Gesetz gab, aber keine Übertretung eines bekannten Gebotes; daher bewirkt die Auferlegung eines bekannten Gebotes Zorn, insofern als es die Schuld des Sünders zur tatsächlichen Übertretung hin verstärkt.

Das Gesetz also bewirkt Zorn – nicht Gerechtigkeit; diese basiert auf einem völlig anderen Prinzip, dem Prinzip des Glaubens, damit sie einzig und allein von Gottes freier Gnade abhängt, so dass die Verheißung der ganzen Nachkommenschaft versichert sei: nicht nur der Nachkommenschaft, die vom Gesetz ist, nämlich Israel, sondern auch der Nachkommenschaft, die von Abrahams Glauben stammt, der unser aller Vater ist (von gläubigen Juden und Nichtjuden gleichermaßen – denn Gottes Aussage ist „viele Nationen“), vor dem Gott der Auferstehung, an den Abraham glaubte. „Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt“, sagte Gott, indem Er den alten, kinderlosen Patriarchen anredete. Und Abraham glaubte Gott als einem, der die Toten lebendig macht, der das ruft, was nicht war, wie wenn es da wäre. So glaubte er, als alle menschliche Hoffnung am Ende war, in der Hoffnung der Vater vieler Nationen zu werden, gemäß Gottes Wort: „So wird deine Nachkommenschaft sein.“ Die Tatsache, dass sein Körper schon eine tote Sache war, da er hundert Jahre alt war, und die Tatsache von Sarahs Unfruchtbarkeit waren wie nichts für den Glauben, der auf Gottes Verheißungen schaute, dass ihm ein Nachkomme gegeben würde: – war es nicht Gott, der sprach? Und so gibt er, mächtig im Glauben, doch schwach im Körper, Gott Ehre, völlig überzeugt, dass, wenn Er etwas verspricht, Er es auch zu tun vermag. Und darum wurde es ihm zur Gerechtigkeit angerechnet.

Und so arbeitet Gott immer. Er benötigt unsere kümmerliche Hilfe nicht, wie wir tendenziell immer denken. Darum nimmt Er als Gefäße seiner Gnade solche, die ihre Hilflosigkeit fühlen und sich nicht selbst helfen können. Wie oft berichtet uns das Wort von unfruchtbaren Frauen, die von dem Gott, der die Toten lebendig macht, zu Müttern großer Persönlichkeiten seines Ratschlusses gemacht wurden! Sarah, Rebekka, Hanna, Elisabeth, ja, die Jungfrau selbst, alle weisen auf dieselbe große Lektion hin, während die Starken nach dem Fleisch beiseitegesetzt werden. „Hungrige hat er mit guten Gaben erfüllt und Reiche leer fortgeschickt“ (Lk 1,53).

Das Prinzip auf uns angewandt

Nun, wenn die Schriften ausdrücklich zu uns davon reden, dass durch Glauben an Gottes Fähigkeit, die Toten lebendig zu machen, Abraham Gerechtigkeit zugerechnet wurde, dann ist uns die Geschichte nicht allein um seinetwillen mitgeteilt worden, sondern auch um unsertwillen (und beachte, dass wir hier zum ersten Mal im Brief persönlich auf den Plan treten), denen Gerechtigkeit gleicherweise auf ähnlichen Grundlagen zugerechnet werden wird; mit diesem großen Unterschied jedoch, dass er an Gottes Fähigkeit glaubte, die Toten lebendig zu machen, wir aber an Gott glauben, der das getan hat, der Jesus, unseren Herrn, aus den Toten auferweckt hat. So ist der eine, der unsere Sünden auf sich genommen hat und sie an seinem eigenen Leib auf dem Holz getragen hat und Gott darüber völlig zufriedengestellt hat, durch ihn auferweckt worden, und zwar gerechterweise, um zu beweisen, dass Gott in der Bezahlung der Strafe durch Christus, die Er von uns hätte erwarten müssen, vollständig Genüge getan wurde; so dass unsere Rechtfertigung hier nicht als ein Resultat des Glaubens an Christus und sein Blut gesehen wird, wie in Kapitel 3, sondern an Gott, der zum Beweis seiner völligen Annahme des Werkes Christi am Kreuz, ihn aus den Toten auferweckt und den Gläubigen in völliger Annahme vor sich gestellt hat, gemäß seiner eigenen göttlichen Beurteilung des Wertes dieses Werkes.

Zittert der mutlose Gläubige immer noch vor Angst, dass seine Sünden zu guter Letzt wieder gegen ihn auftreten werden? Er darf aufsehen und die völlige Befreiung erkennen, die Gott ihm gegeben hat, indem Er den Einen auferweckt hat, der seine Sünden trug, und ihn sich in den Himmeln hat setzen lassen, als Beweis dafür, dass sein Werk getan ist (Heb 1,13; 10,12). Er darf die ganze Herrlichkeit Gottes selbst sehen – eine Herrlichkeit, die forderte, dass Jesus, als Er vor Gott als der Sündenträger erschien, sterben sollte –, wie sie im Angesicht genau dieses Menschen scheint, der starb (2. Kor 3,18), und der mutlose Gläubige darf für immer solche Gott entehrenden, Christus entehrenden Gedanken von sich werfen und sich freuen in Gottes vollem und freiem Heil, genau wie Gott es sich wünscht, dass seine Kinder sich freuen.

Früher war es so; der sturmumtobte Berg,
das Echo von Donnern, laut und tief,
der Zaun ringsum ein ernstes Werk,
der mich als Sünder fernzubleiben rief.

Denn du, o Gott, warst noch nicht offenbart.
Zu sehen deine Herrlichkeit, bedeutete den Tod;
Jetzt durch ew’gen Bund besiegelt und bewahrt,
bin ich durch Jesu Blut, nun nah gebracht zu Gott.

Und deine Gegenwart schreckt mich nicht mehr,
Einen Sünder, der durch Gnade versöhnt ist,
mit unverhülltem Auge sehe ich nun hier
die Fülle deiner Herrlichkeit in seinem Angesicht.

Fußnoten

  • 1 Vgl. Anhang A
  • 2 χωρὶς νόμου)
  • 3 Wenn wir die verschiedenen Lesarten im Griechischen vergleichen (und dabei gibt es einige Unsicherheiten), sollten wir hier wohl noch hinzufügen: „und auf alle“. Das heißt, die Gerechtigkeit Gottes wendet sich selbst an alle, aber ist nur auf all denen, die glauben.
  • 4 Beachte, dass das Verb „nicht erreichen“ (ὑστεροῦνται) im Präsens steht und nicht vom vorangehenden Hilfsverb „haben“ regiert wird.
  • 5 ἱλαστήριον, ein Sühndeckel [auf der Bundeslade].
  • 6 Wir dürfen wissen, dass wir nun unmittelbaren Zugang besitzen, während die Nation Israels mittelbaren Zugang hatte; sie hatten mittelbaren Zugang durch ihren Hohenpriester, wir selbst als Priester sind berechtigt, innerhalb des Vorhangs einzutreten (Heb 10,19–22); Israel wird selbst in der Zukunft keinen unmittelbaren Zugang haben (Hes 46,3).
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