"Siehe, Mein Knecht"

Kapitel 3 - Die Änderung der Zeitperiode (Haushaltung)

Im vorigen Kapitel haben wir den vollkommenen Diener gesehen, wie Er durch seinen Dienst der Gnade und Kraft inmitten der jüdischen Nation Segen austeilte. Wir haben auch gesehen, dass, während dieser Dienst den Glauben eines treuen Überrestes ans Licht brachte, er auch die Feindschaft der Führer des Volkes erregte. Sie wagten es, den Herrn der Lästerung, des Umgangs mit Sündern und des Nichteinhaltens des Sabbats zu beschuldigen.

Dieser Widerstand warf seine Schatten auf den grossen Wechsel in der Haushaltung voraus, der kurz bevorstand. Die Juden, die ihren Messias verwarfen und die Sünde gegen den Heiligen Geist verübten, die nicht vergeben werden kann, werden beiseite gesetzt, und die Gnade wird zu den Nationen ausfliessen. Die alte Ordnung unter dem Gesetz im Judentum wird der Herrschaft der Gnade unter dem Christentum Platz machen. Diese Änderung der Zeitperiode wird in diesem neuen Abschnitt des Evangeliums durch eine Reihe von Ereignissen angedeutet. Sie spielen sich in der Synagoge (V. 1–6), am See (V. 7–12), auf dem Berg (V. 13–19) und in einem Haus (V. 20–35) ab. Jeder Ort und jede Szene haben ihre besondere Bedeutung.

Markus 3,1–6. Bei der ersten Begebenheit wird uns gesagt, dass der Herr «wiederum in die Synagoge ging». Auf diese Weise machte Er seine Gegenwart in der Mitte des jüdischen Volkes klar; denn die Synagoge war der Platz des Zusammenkommens derer, die unter Gesetz waren. Welch ein interessanter Vorgang spielt sich in dieser Synagoge in Kapernaum ab! Gottes vollkommener Diener – der Herr der Herrlichkeit – ist in Kraft gegenwärtig, um zu segnen, und mit Gnade in seinem Herzen, um die Macht für den Bedürftigen zu gebrauchen. Der Mensch ist dort mit all seiner tiefen Not, aber unfähig, sich selbst zu helfen, denn seine Hand ist verdorrt. Der religiöse Mensch ist zugegen, aber ohne Empfindung für seine Bedürfnisse, ohne die Herrlichkeit des Herrn zu erkennen und gleichgültig gegenüber der Not anderer.

Von diesen Pharisäern lesen wir, dass «sie ihn belauerten», nicht um von seinen Wegen und der Gnade seines Herzens zu lernen, sondern in der Hoffnung, dass Er in der Heilung des armen, bedürftigen Mannes, der zugegen war, «am Sabbat» Gutes tun würde. Das gab ihnen eine Gelegenheit, die Anklage, Er arbeite am Sabbat, gegen den Herrn vorzubringen. Welch ein Zeugnis seiner Vollkommenheit, dass seine Feinde nichts Böses von Ihm erwarteten, sondern auf sein Gutestun zählten! Ist es in unseren Tagen nicht ähnlich? Die Weltmenschen geben unbewusst der Wahrheit des Christentums Zeugnis, da sie von den Christen erwarten, dass sie Gutes tun und anders handeln als sie. Wenn das Christentum wirklich verkehrt sein soll, warum erwarten dann die Ungläubigen von den Christen, dass diese besser handeln als sie selbst?

Wenn der Herr nicht der Sohn Gottes und der Knecht des Herrn war, warum erwarteten denn diese Juden von Ihm, dass Er diesen Mann heile? Unbewusst zeugten sie von der Gnade seines Herzens und von der Verhärtung ihrer eigenen Herzen. Nachdem wir sahen, dass der Herr wusste, was in ihren Herzen war, und dass sie eine Gelegenheit suchten, gegen Ihn aufzutreten, wäre es uns als vorsichtig erschienen, den Mann nicht in der Öffentlichkeit zu heilen. Auf diese Weise wäre diesen bösen Männern die Gelegenheit entzogen worden, die sie suchten. Aber der Herr war hier, um die Gnade Gottes zu offenbaren. Deshalb fährt Er fort, in aller Öffentlichkeit zu handeln. Er fordert den Mann auf, in Gegenwart aller aufzustehen. Durch seine Frage gibt der Herr den Menschen die Möglichkeit, ihre Schwierigkeiten bezüglich der Heilung am Sabbat vorzubringen. Doch wir lesen: «Sie aber schwiegen.» Dieses Schweigen war nicht die demütige Gnade, die den Herrn kennzeichnete, der auf die Beleidigungen nie ein Wort erwiderte. Es war ein taktisches Schweigen, das, deutlicher als Worte, den ohnmächtigen Hass ihrer Herzen enthüllte. Der Herr blickte mit gerechtem Zorn auf sie umher. Aber hinter dem Zorn stand Schmerz. Er war betrübt über die Verstockung ihrer Herzen, die gegenüber der Not des Mannes völlig gleichgültig war, aber auch vollkommen hilflos, ihr zu begegnen, die dafür dem Einen, der sowohl die Gnade als auch die Macht hatte zu segnen, bitter widerstand. Als Folge davon waren die Menschen, die dem Herrn nicht erlauben wollten, am Sabbat Gutes zu tun, ohne weiteres bereit, Böses zu tun. Sie hatten Ihn schon beobachtet, um Ihn anzuklagen; jetzt hielten sie Rat, den Segnenden umzubringen.

Markus 3,7–12. Die Bosheit der Juden kann die Gnade des Herrn nicht aufhalten, noch seinen Dienst der Liebe hemmen. Sie lenkt diesen Dienst in andere Kanäle und wird zur Gelegenheit, dass die Gnade weitere Kreise erreichen kann. Diese Änderung der Wege Gottes wird dadurch angedeutet, dass der Herr die Synagoge – das jüdische Zentrum – verlässt und seinen Platz am See einnimmt, der in der Schrift oft als Bild für die Nationen gebraucht wird. Die Verwerfung des Herrn Jesus durch die Juden öffnet die Tür zum Segen der Nationen.

Weiter haben wir in dieser neuen Stellung einen Hinweis auf die neuen Grundsätze, die den Tag der Gnade kennzeichnen. Die Juden in der Synagoge wurden durch das Sichtbare geleitet: «Sie belauerten ihn.» Ihre Herzen wurden für ihre eigene Notlage verhärtet und mit Feindschaft gegen den Einen erfüllt, der allein ihren Bedürfnissen hätte begegnen können. Im Gegensatz dazu wird am See eine grosse Menge, die auch Heiden umfasst, vom Herrn angezogen, «als sie gehört hatten, wie vieles er tat». Der Glaube kommt aus der Verkündigung und ist die Folge des Bewusstseins der eigenen Not. Wenn diese Menschen einerseits durch die Gnade von Christus zu Ihm gezogen wurden, so wurden sie anderseits auch durch ihre eigene Not zu Ihm getrieben. Alle, welche Plagen hatten, drängten sich herzu. Salomo spricht in seinem Gebet von jedem, der «die Plage seines Herzens» erkennt, und zeigt den einzigen Weg, auf dem es Erleichterung gibt: indem man sie vor Gott ausbreitet (1. Kön 8,38). Eine Plage des Herzens ist etwas, das nur dem einzelnen bekannt ist. Sie tritt auf und verdirbt ihm die Freude. Es kann eine ungelöste Frage sein, die zwischen der Seele und Gott besteht; oder eine verborgene Sünde, die man nicht bekannt hat. Der Glaube, der die Gnade erfasst, die im Herzen von Christus ist, kann die Plage vor Ihm ausbreiten und Befreiung von jedem bösen Einfluss finden.

Markus 3,13–19. Wieder ändert der Ort der Handlung vom See auf den Berg. Der Herr war mit den Juden in ihrer Synagoge, nur um eine verdorrte Hand, harte Herzen und tödliche Feindschaft zu finden. Er war am See der Mittel- und Anziehungspunkt für bedürftige Seelen aus den Juden und Heiden. Jetzt werden wir über die Welt des Menschen erhöht, um auf dem Berg etwas von den neuen Wegen Gottes zu lernen. In der unumschränkten Wahl der Zwölf sehen wir die Grundlage für die neue Ordnung des Segens gelegt, die kurz vor ihrer Einführung stand. Die Versammlung ist aus Juden und Nationen herausgerufen und aufgebaut worden «auf der Grundlage der Apostel und Propheten, indem Christus Jesus selbst Eckstein ist» (Eph 2,20). Wenn wir schliesslich die Beschreibung der Versammlung in Herrlichkeit haben, finden wir auf den Grundlagen der Stadt die Namen der zwölf Apostel des Lammes (Off 21,14).

Dieses neue Werk entspringt nicht der Verantwortung des Menschen. Es ist ganz von Gott. Nachdem der Herr sich vom Menschen und seiner Welt getrennt hat, ruft Er, entsprechend seiner unumschränkten Wahl, herzu, «welche er selbst wollte». Er ruft sie, Er bestellt sie, sendet sie aus und gibt ihnen Gewalt. Vor allem aber sind sie ausgewählt, «damit sie bei ihm seien». Das grösste und innigste Verlangen seines Herzens ist, sein Volk bei sich zu haben. Hier jedoch wird es in besonderer Weise im Blick auf den Dienst gesehen, dessen einzige wahre Vorbereitung nur in der Gegenwart des Herrn erfolgen kann. So konnte der Herr bei einer früheren Gelegenheit sagen: «Kommt, folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen.» (Und später wieder: «Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach» (Joh 12,26).) Um zu Christus zu gelangen, müssen wir uns wie Er von der Welt trennen und Ihm auf den Berg folgen. Von dort, aus seiner Gegenwart, an dem abgesonderten Platz, werden sie ausgesandt, das Evangelium zu predigen. Das war etwas ganz Neues. Im jüdischen System gab es wohl das Lesen und Auslegen des Gesetzes in ihren Synagogen. Aber es gab keine Verkündigung. Diese neue Sache wurde in Verbindung mit der Gewalt, Krankheiten zu heilen und Dämonen auszutreiben, eingeführt. Nicht nur Christus selbst vollbringt Wunder, Er kann auch anderen die Gewalt geben, sie auszuführen.

Markus 3,20–21. Nachdem der Herr die Jünger mit sich verbunden hat, tritt Er jetzt in ein Haus ein. In Verbindung mit dem Haus haben wir die Beziehungen des Herrn nach dem Fleisch. Wenn wir auf dem Berg die Grundlage für das gelegt fanden, das vollkommen neu ist, lernen wir im Haus, dass der Herr nicht mehr länger irgendeine Verbindung zwischen Ihm und Israel nach dem Fleisch anerkennt. Seine Angehörigen fühlten die Schmach, mit dem Einen verbunden zu sein, der von ihren Führern verworfen worden war und dessen Lehre und Praxis die Welt verurteilte. Da sie nicht bereit waren, die Schmach des Christus auf sich zu nehmen, versuchten sie Ihn zurückzuhalten, denn sie sagten: «Er ist ausser sich.» Sie liessen vermutlich alle die harten Dinge, die ihre Führer über Ihn sagten, gelten, aber sie sagten: «Er ist nicht bei sich» und sollte in Gewahrsam genommen werden.

Markus 3,22. Die Schriftgelehrten von Jerusalem, die aufgrund ihrer offiziellen Stellung und ihrer geistigen Überlegenheit Macht und Einfluss auf das Volk hatten, wollten den Vorwand von Wahnsinn nicht annehmen. Sie wussten, dass es nicht der kranke Geist eines Wahnsinnigen war, der seine ganze Energie auf ein Ziel konzentriert, sondern eine wirkliche Macht, die Dämonen austrieb. Sie wussten, dass es eine Macht war über der des Menschen. Sie wollten nicht zugeben, dass sie von Gott war, und deshalb waren sie gezwungen, seine Macht dem Teufel – der einzigen anderen Macht – zuzuschreiben.

Markus 3,23–30. Diese schreckliche Beschuldigung besiegelte ihr Schicksal. Und doch, mit welch vollkommener Ruhe und Gnade begegnet der Herr dieser Bosheit. Auf dem Berg hatte der Herr soeben die Zwölf zu sich gerufen, um sie im Segen mit sich zu verbinden. Nun ruft Er seine Feinde zu sich, um ihnen ihr Schicksal anzukündigen. Welch ein ernster Gedanke! Der Eine, der in Gnaden ruft, wird einst zum Gericht rufen. Der Herr zeigt, dass ihre Schuld nicht nur unwissende Torheit ist, sondern bewusste Lästerung gegen den Heiligen Geist. Hier war Einer, der stärker war als der Starke, der ihm seinen Hausrat raubte und damit zeigte, dass Er den Starken gebunden hatte. Alle diese Macht wurde durch den Herrn Jesus in der Kraft des Heiligen Geistes ausgeübt (vgl. Apg 10,38). Seine Macht dem Teufel zuzuschreiben, hiess, den Heiligen Geist als einen Dämon bezeichnen. Das war eine Sünde, die nicht vergeben werden konnte. Es war das Ende aller Hoffnung für Israel auf dem Boden der Verantwortlichkeit. Das ist also der ernste Höhepunkt für den ganzen gnädigen Dienst des Herrn in dieser Welt. Der Mensch kann in der Tätigkeit der göttlichen Güte nichts als Wahnsinn und das Werk des Teufels sehen.

Markus 3,31–35. Die ernste Szene, die nun folgt, ist die schreckliche Folge für das jüdische Volk. Jede Beziehung mit Israel nach dem Fleisch wird abgelehnt. Jede Verbindung mit dem Volk ist abgebrochen. Gleichzeitig hebt der Herr einen Überrest hervor, der in Beziehung zu Ihm steht, aber nicht aufgrund seiner natürlichen Verbindung mit Israel, sondern durch den Glauben an sein Wort (siehe Joh 6,39.40).

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