Der Brief an die Hebräer

Kapitel 7

Der Brief an die Hebräer

Am Schluss des sechsten Kapitels ist Paulus zu dem Gegenstand zurückgekehrt, den er im fünften zu besprechen anfing, dessen Behandlung er aber abgebrochen hatte, weil der traurige Zustand, in dem die gläubigen Hebräer sich befanden, ihm vor Augen stand. Gott hat Christus, der in das himmlische Heiligtum eingegangen ist, als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks begrüßt. In bezug auf diesen Melchisedek hatte Paulus vieles zu sagen und zu erklären. Es war aber schwierig bei solchen Gläubigen, die träge zum Hören geworden waren; aber er geht doch dazu über, nachdem er sie vor der Gefahr, der sie ausgesetzt waren, eindringlich gewarnt und ihren Blick auf Gottes herrliche und unwandelbare Verheißung gerichtet hatte.

Nach Psalm 110 sollte ein anderer Priester aufstehen, der nicht „nach der Ordnung Aarons“ genannt würde, sondern der Priester wäre „nach der Ordnung Melchisedeks“. dieser Priester ist unser Herr Jesus Christus. Zu Ihm hat Gott nicht nur gesagt: „Du bist Mein Sohn, heute habe Ich Dich gezeugt“; sondern auch: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“ Schon mehrmals hatte Paulus darauf hingewiesen. Aber jetzt war es nötig, die Vortrefflichkeit des Priestertums nach der Ordnung Melchisedeks gegenüber dem Priestertum Aarons zu beweisen.

Dazu führt Paulus seine Leser zurück zu dem bekannten Bericht in 1. Mose 14. Abraham, der sich ganz von der Welt abgesondert hatte und Seine Segnungen allein von Gott, dem Allmächtigen, erwartete, der sich als ein Fremdling hienieden aufhielt und seinen Blick auf das himmlische Vaterland gerichtet hatte, kommt dort siegreich zurück von der Schlacht der Könige, die den gerechten, aber weltlich gesinnten Lot mitgenommen hatten. Er begegnet Melchisedek, dem König von Salem, Priester des höchsten Gottes, der den müden Streitern nach dem errungenen Sieg Brot und Wein brachte und ihr Auge auf Gott, den Höchsten, richtete, der Himmel und Erde besitzt. Treffendes Vorbild von dem, was bald stattfinden wird, wenn der Messias, der Priester-König, unser Herr Jesus Christus, kommen wird auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit, um nach dem Willen und durch die Macht Gottes alle Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße zu legen. Sein Ihn erwartendes Volk wird Er dann segnen und erquicken mit dem, was stärkt und das Herz erfreut, wovon Brot und Wein die Symbole sind.

Doch es ist nicht das, worauf Paulus vornehmlich die Aufmerksamkeit seiner Leser richtet, wiewohl wir daran durch die Art seiner Darstellung erinnert werden. Vor allem geht es ihm hier um das Priestertum des Christus, wie es in Psalm 110 angekündigt wird, und demzufolge stellt er uns die Herrlichkeit, Schönheit und Vortrefflichkeit von Christus als Priester vor.

Melchisedek ist das Vorbild von Christus. Er war nicht der Sohn Gottes selber, wie es von vielen vermutet und gelehrt ward, die sich zum Beweis für ihre Ansicht auf die geheimnisvolle Art berufen, in der er plötzlich in der Geschichte auftritt, um ebenso schnell wieder zu verschwinden und nie mehr genannt zu werden. Paulus widerspricht dieser Ansicht aufs bestimmteste, indem er sagt, „dass dieser Melchisedek dem Sohn Gottes verglichen ist“ (Vers 3). Melchisedek war also nicht eine Erscheinung des Sohnes Gottes, wie wir das im Alten Testament mehrmals antreffen, sondern er war eine wirklich auf Erden lebende Person, die dem Sohn Gottes verglichen ist. Gott hat ihm seinen Platz angewiesen und seinen Dienst geschenkt und ließ ihn nach der Schlacht der Könige dem Abraham entgegengehen, damit er ein Vorbild Seines Sohnes, des Königs von Israel, unseres großen Hohenpriesters, würde. Merkwürdiger Beweis für die Absicht, die Gott nicht nur hatte bei der Mitteilung der Begebenheit im Alten Testament, sondern auch bei der Lenkung der Ereignisse. Von der ganzen alttestamentlichen Verwaltung – sowohl der Zeremonien und Schatten, als auch der Geschichte – ist der Herr, Christus, der Gegenstand. Im Blick auf Ihn, um Ihn darzustellen, abzubilden, zu verherrlichen, Seine vielseitige Schönheit und Vortrefflichkeit aufzuzeigen, hat Gott, der Herr, alles einrichten und stattfinden lassen.

„Denn dieser Melchisedek, König von Salem, Priester Gottes, des Höchsten, der Abraham entgegenging, als er von der Schlacht der Könige zurückkehrte, und ihn segnete, welchem auch Abraham den Zehnten zuteilte von allem; der erstlich verdolmetscht König der Gerechtigkeit heißt, sodann aber auch König von Salem, das ist König des Friedens, ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens habend, aber dem Sohn Gottes verglichen, bleibt Priester auf immerdar“ (Verse 1–3).

Welch ein schönes, herrliches Vorbild unseres Herrn Jesus Christus! Melchisedeks Name bedeutet: „König der Gerechtigkeit“, und er war König der Stadt Salem (später Jerusalem), welches „Friede“ bedeutet; so war er also König der Gerechtigkeit und König des Friedens. Aber zugleich war er Priester Gottes, des Höchsten, von Abraham anerkannt und geehrt; und als solcher war er ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens habend. Als Mensch hatte er Vater und Mutter, ein Geschlechtsregister, Beginn und Ende des Lebens, aber als Priester nicht. In seinem Geschlecht war er der einzige Priester. Sein Vater war kein Priester und seine Nachkommen auch nicht, so dass er in seinem Geschlecht stets der einzige Priester blieb. In diesem allem ist er dem Sohn Gottes zu vergleichen. Der Sohn Gottes ist König und Priester – König der Gerechtigkeit und König des Friedens, und Priester des höchsten Gottes. Wiewohl Er als Mensch eine Mutter und ein Geschlechtsregister hatte, so stand Er als Priester allein in Seinem Geschlecht. Als Priester weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens habend, bleibt Er nach der Ordnung Melchisedeks Priester auf immerdar.

Merkwürdig ist der Name Gottes, der durch Melchisedek dem Abraham bekannt gemacht wird. Abraham kannte Gott als „den Allmächtigen“, El-Schaddai, und hatte auf Ihn sein ganzes Vertrauen gesetzt. Doch nachdem er den Sieg über die Könige errungen hatte, wird ihm Gott als der Höchste offenbart, der Himmel und Erde besitzt. Als den Höchsten hat Nebukadnezar, dessen Macht erniedrigt worden war, Gott anerkannt und angebetet. Und als der Höchste wird Gott sich offenbaren in dem herrlichen Königreich des Christus, wenn die Macht der Völker zerbrochen und die Throne der Fürsten dieser Erde gestürzt sein werden. Daher wird in den Psalmen, in denen die Herrlichkeit des Königreichs des Christus besungen wird, Gott meistens der Höchste genannt, wobei auch beachtet zu werden verdient, dass der Erbe von Gottes Verheißungen der große Sieger über alle Feinde ist (siehe Psalm 91), da nach Gottes Ratschluss in der Fülle der Zeiten alles, was im Himmel und was auf der Erde ist, unter ein Haupt zusammengebracht werden muss. (Siehe Eph 1.)

„Schaut aber, wie groß dieser war!“ Selbst Abraham, der Erzvater, gab den Zehnten der Beute an Melchisedek. In Abrahams Lenden nun war Levi. So hat denn Levi, der nach dem Gesetz vom Volk den Zehnten empfing, durch Abraham den Zehnten gegeben. Und Melchisedek, der kein Geschlechtsregister aus Levi hatte, hat von Abraham den Zehnten genommen, und überdies als Priester des Höchsten den Abraham, der doch die Verheißung hatte, gesegnet. Ohne allen Widerspruch aber wird das Geringere vom Besseren gesegnet. Und so hat Abraham in zweierlei Hinsicht die Überlegenheit Melchisedeks anerkannt. Da nun Christus von Gott als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks begrüßt worden ist, so ist dadurch die Vortrefflichkeit und Überlegenheit Seines Priestertums gegenüber demjenigen Aarons aufs deutlichste bewiesen.

Es ist also eine Änderung des Priestertums, und dadurch tritt die Unvollkommenheit des levitischen Priestertums ans Licht; denn, sagt Paulus, „wenn nun die Vollkommenheit durch das levitische Priestertum wäre, welches Bedürfnis war noch vorhanden, dass ein anderer Priester nach der Ordnung Melchisedeks aufstehe und nicht nach der Ordnung Aarons genannt werde?“ (Vers 11). Und da das Volk das Gesetz empfangen hat in Verbindung mit dem levitischen Priestertum, so findet notwendig auch eine Änderung des Gesetzes statt, wenn das Priestertum geändert wird (Vers 12). Dies ergibt sich erstens daraus, dass unser Herr aus Juda entsprossen ist, zu welchem Stamme Moses nicht in Bezug auf Priester geredet hat, und aus welchem niemand des Altars gewartet hat. Und zweitens ist es noch weit augenscheinlicher, wenn, nach der Gleichheit Melchisedeks, ein anderer Priester aufsteht, der es nicht nach dem Gesetz eines fleischlichen Gebots geworden ist –, wie Aaron, dessen Söhne Priester waren und dazu in ununterbrochener Abstammung –, sondern nach der Kraft eines unauflöslichen Lebens. Denn von Ihm wird in Psalm 110 gesagt: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks“ (Verse 13–17). Bei dieser Beweisführung denke man daran, dass Paulus an Christen schreibt, die Christus als den wahren Messias erkannt und angenommen hatten, aber in Gefahr standen, zu den jüdischen Einrichtungen zurückzukehren.

Was würden sie doch verlieren, wenn sie das täten! Die Abschaffung des vorhergehenden Gebotes war geschehen wegen seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit, denn obschon das Gesetz gut und der Ausdruck von Gottes Willen für den Menschen hier auf Erden war, so hatte dieses Gesetz nichts zur Vollendung gebracht. Die Kluft zwischen Gott und dem Menschen blieb bestehen. Gott war immer vollkommen; das erheischte menschliche Vollkommenheit, auch handelte Er stets nach göttlicher Vollkommenheit. Das konnte nicht anders sein. Täte Er es nicht, dann würde Er aufhören Gott zu sein. Da aber die Sünde gegenwärtig war, konnte das Gesetz keine Hilfe bringen, sondern nur verurteilen. Die Satzungen und Zeremonien des Gesetzes waren entweder Schatten der zukünftigen Güter oder ein schweres Joch, das weder unsere Väter noch wir haben tragen können, wie Petrus an der Synode zu Jerusalem sagte. Durch das Priestertum des Christus haben wir „die Einführung einer bessern Hoffnung, durch welche wir Gott nahen“ (Verse 18–19). Unter dem Gesetz blieb der Mensch stets fern von Gott, und das Gewissen wurde vor Gott nie vollkommen. Unter der Gnade aber wird die Seele zu Gott gebracht, der in Liebe und Gerechtigkeit sich offenbart hat. Es ist eine vollkommene Sühnung geschehen; der Vorhang ist zerrissen, unser Hoherpriester ist im Himmel, und wenn Er kommt, dann kommen wir mit Ihm.

Doch es war nicht nur eine bessere Hoffnung, durch die wir jetzt schon Gott nahen, sondern es sollte auch ein besserer Bund kommen als der, den Israels Sünde gebrochen hatte. Das Priestertum Aarons war nicht mit Eidschwur; das Priestertum des Christus hingegen wohl. Das wird in Psalm 110 ausdrücklich gesagt. Es geht daraus klar hervor, dass der Bund, den Gott in den letzten Tagen mit Seinem Volk machen wird, ein besserer Bund ist. „Und inwiefern dies nicht ohne Eidschwur geschah, insofern ist Jesus eines bessern Bundes Bürge geworden“ (Verse 20–22). Jesus, nach der Ordnung Melchisedeks Priester in Ewigkeit, ist Bürge geworden eines bessern Bundes. Als Hoherpriester im Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, bürgt Er dafür, dass der bessere Bund, den Gott Israel verheißen hat und über den Paulus im folgenden Kapitel ausführlich schreibt, kommen wird.

Das griechische Wort, das mit „Bürge“ übersetzt ist, kommt nur hier vor, und zwar in Verbindung mit dem besseren Bund, den Gott Israel verheißen hat. Die Meinung der Worte des Paulus ist hier keineswegs, dass Christus unser Bürge vor Gott geworden ist, weil Er die Schuld, die wir hätten bezahlen müssen, stellvertretend auf sich genommen hat (wie wahr dies auch ist); sondern die Meinung ist, dass Christus, der das Sühnungswerk vollbracht hat und als Hoherpriester zur Rechten Gottes im himmlischen Heiligtum weilt, uns dafür bürgt, dass der Neue Bund mit Israel einmal aufgerichtet werden wird.

Doch noch in anderer Hinsicht war das Priestertum des Christus vortrefflicher als das Priestertum Aarons. Es war unveränderlich. „Und jener sind mehrere Priester geworden, weil sie durch den Tod verhindert waren zu bleiben, dieser aber, weil Er in Ewigkeit bleibt, hat ein unveränderliches Priestertum“ (Verse 23–24). Aaron starb, Jesus stirbt nicht mehr; Er lebt in Ewigkeit. Aaron hatte Nachfolger; Jesus war nach der Ordnung Melchisedeks ohne Anfang der Tage und Ende des Lebens. „Daher vermag Er auch völlig zu erretten, die durch Ihn Gott nahen, indem Er immerdar lebt, um sich für sie zu verwenden“ (Vers 25). Da unser Hoherpriester immerdar im himmlischen Heiligtum lebt, um uns bei Gott zu vertreten, so kann Er alle, die durch Ihn, durch Sein Opfer und Priestertum, Gott nahen, die mit Freimütigkeit in Gottes Gegenwart erscheinen und mit Gott Gemeinschaft haben, völlig bewahren bis ans Ende ihrer Laufbahn, durch alle Schwierigkeiten, Gefahren und Versuchungen hindurch.

Nach dieser Darlegung der Vortrefflichkeit des Hohenpriestertums des Christus ruft Paulus voll Bewunderung und Freude aus: „Denn ein solcher Hoherpriester geziemte uns: heilig, unschuldig, unbefleckt, abgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden, der nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohenpriester, zuerst für die eigenen Sünden Schlachtopfer darzubringen, sodann für die des Volkes, denn dieses hat Er ein für allemal getan, als Er sich selbst geopfert hat“ (Verse 26–27).

Merkwürdige und herrliche Worte! Um so merkwürdiger, weil Paulus am Anfang dieses Briefes gesagt hat, dass es Gott geziemte, Christus leiden zu lassen, während er hier sagt, dass es uns geziemte, einen solchen Hohenpriester zu haben. Es geziemte Gott, dass Christus herabstieg in die untersten Teile der Erde; es geziemte uns, dass Christus höher als die Himmel erhoben wurde. Warum? Weil Christen ein himmlisches Volk sind und kein Geringerer als ein himmlischer Priester sie vertreten konnte. Es geziemte Gott, wollte Er uns erlösen, Christus in den Tod zu geben; denn durch die Sünde lagen wir im Tod, und nur der Sühnetod des Herrn konnte uns erlösen. Aber nachdem das Erlösungswerk vollbracht war, wollte Er uns einen Platz im himmlischen Heiligtum geben, und darum mussten wir dort einen Hohenpriester haben. Im vollen Sinn des Wortes heiligte sich Jesus selber für uns, als Er in den Himmel fuhr (Joh 17, 19). Anstatt eines Priesters, der sich mit uns hier auf Erden verbindet, wo die Sünde und ihre Folgen gefunden werden, haben wir in Christus einen Priester, der unsere Herzen aus dieser gegenwärtigen, bösen Welt ins himmlische Heiligtum erhebt, wo Er zur Rechten Gottes sitzt.

Auf Erden konnte Er sich nicht mit uns verbinden, denn Er war heilig, unschuldig, unbefleckt, abgesondert von den Sündern. Der heilige Mensch Christus Jesus konnte sich wohl über die Sünder erbarmen und sie vom Verderben erretten; aber sich mit den Sündern zu vereinigen, war für Ihn unmöglich. Zwischen Ihm und uns sündigen Menschen konnte keine Gemeinschaft bestehen. Zu denken, dass durch Seine Menschwerdung eine Vereinigung des Christus mit der Menschheit stattgefunden hätte, ist ein grober Irrtum, durch den die Verdorbenheit und Verlorenheit des Menschen verkannt und die Herrlichkeit des Christus verdunkelt wird. Nachdem Er aber unsere Sünden getragen und am Kreuz gesühnt hat, und von den Toten auferstanden und höher als die Himmel geworden ist, konnte Er uns zu sich ziehen. (Siehe Joh 12, 32.) Der Vorhang ist zerrissen, der Himmel offen. Ein für allemal hat unser Hoherpriester, indem Er sich selber opferte, die Sünden Seines Volkes gesühnt und zunichte gemacht.

Es ist also keine Rede von einer Erneuerung des Opfers und einer wiederholten Anwendung des Blutes. Das wahre Kennzeichen des Priestertums des Christus ist, dass es ein solches für immer ist. Das Opfer kann nicht mehr wiederholt werden und braucht es auch nicht, denn es ist allgenugsam; es hat allen heiligen Forderungen Gottes Genüge geleistet; es hat Gott in jeder Hinsicht verherrlicht und eine vollkommene und ewige Sühnung zustande gebracht. Durch dieses Opfer sind alle unsere Sünden gesühnt. Wäre es nicht so, dann könnten sie nicht mehr hinweggetan werden, denn Er opfert sich nicht ein zweites Mal. Er stirbt nicht mehr, sondern Er lebt immerdar, um sich für uns bei Gott zu verwenden. Wer von einer Wiederholung des Opfers spricht, oder von einer fortdauernden Anwendung des Blutes, der verkennt die Vollgültigkeit des Opfers, das Christus gebracht und Gott angenommen hat, und die allgenugsame Kraft Seines Blutes. Kein Wunder, dass ein solcher unruhig und unglücklich seinen Weg wandelt und keine Freimütigkeit hat, um in Gottes Gegenwart zu erscheinen. Auf dieses Opfer vertrauend und uns stützend auf dieses Blut, wandeln wir im Licht, gleichwie Gott im Licht ist. Und bald werden auch wir dort wohnen, wo der Hohepriester als unser Vorläufer eingegangen ist.

„Denn das Gesetz bestellt Menschen zu Hohenpriestern, die Schwachheit haben; das Wort des Eidschwurs aber, der nach dem Gesetz gekommen ist, einen Sohn, vollendet in Ewigkeit“ (Vers 28). Christus war hienieden als wahrer Mensch, aber heilig und vollkommen. Er konnte den Aussätzigen anrühren und heilen, ohne selbst aussätzig zu werden. Dennoch konnte Er als heiliger Mensch sich nicht mit uns Sündern verbinden; alle Gemeinschaft kann nur von dem Boden des Sühnungswerkes aus geschehen. Jetzt nach vollendetem Werk kann Christus alle zu sich ziehen. Er ist jetzt unser Hohepriester – nach den Vorbildern des Alten Testaments droben im himmlischen Heiligtum. Nur der Sohn konnte Hoherpriester werden; das Wort des Eidschwurs hat Ihn für uns eingesetzt. Ist das nicht eine kostbare Bürgschaft für uns, dass wir ewiglich im Genuss all der herrlichen Vorrechte bleiben sollen, die uns durch Christus geworden sind?

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