Betrachtung über den Propheten Jona (Synopsis)

Kapitel 2

Betrachtung über den Propheten Jona (Synopsis)

Wir haben gesehen, dass der untreue Zeuge schließlich selbst die Strafgerichte, von denen er betroffen wird, als solche anerkennt, wodurch dieselben dazu dienen, dass der Name des HERRN unter den Heiden bekannt und angebetet wird. Damit beginnt dann das zweite Bild, das uns hier von dem Zeugniss entworfen wird: Der Zeuge wird in seiner Stellung als Träger der ersten Botschaft vollständig und unbedingt verworfen. Er unterzieht sich dem Gericht Gottes und wird aus seiner Gegenwart heraus in die Tiefen des Hades geworfen.

Das ist das Los, das Israel gerechterweise verdient hat, da es sich als untreu im Ablegen des Zeugnisses Gottes, ja als völlig unfähig dazu erwiesen hat. Christus kam in unendlicher Gnade an diesen Platz herab, indem Er gerade um seiner Treue willen verworfen wurde. In Jonas Gebet können wir aufs deutlichste den Geist des israelitischen Überrestes erkennen. Es geht dies besonders aus den Versen 7–9 von Kapitel 2 hervor.

Obwohl die Gnade in dem Überrest Israels Aufrichtigkeit bewirkt hat, so ist derselbe tatsächlich doch nur Fleisch; wenn ihm das Zeugnis Gottes anvertraut wird, kann er demselben nicht entsprechen. Das Fleisch hat keine Kraft; darum muss das Urteil des Todes über alles das ergehen, was vom Menschen ist. Dieser ist nichts als Eitelkeit; und wer ist imstande, ihn wieder aufzuwecken, wenn er in den Tod hinabfährt? Wer kann aus einem toten Mann einen Zeugen Gottes machen?

Aber Gott sei gepriesen – Christus stieg in den Tod hinab, und wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des Fisches war, so begab sich auch der Sohn des Menschen für dieselbe Zeitdauer in den Schoß der Erde hinab. Wer aber hätte es verhindern können, dass Er wieder aufstand? In diesem Fall war es der Tod, der sich als kraftlos erwies, nicht der Mensch. Der Tod stritt hier gegen Einen, der die Macht des Lebens hatte. Mögen wir die Macht Gottes in Betracht ziehen, von dem Christus seine Auferweckung beanspruchen konnte, oder die Person des getreuen Zeugen selbst: immer war es unmöglich, dass Er von den Banden des Scheol festgehalten würde. Er ist nicht nur der getreue Zeuge, sondern auch der Erstgeborene aus den Toten.

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