Das Berufsleben des Christen
Biblische Grundsätze für das Berufsleben

Exkurs: Arbeit im „Weinberg des Herrn“

Das Berufsleben des Christen

Jeder Christ befindet sich im Reich (wörtlich: Königreich) Gottes, einem Bereich, in dem Gottes Autorität und Wille anerkannt wird. Wiewohl er in diesem Bereich den göttlichen Segen genießen kann, so steht beim Reich Gottes die Verantwortung des Christen im Blickpunkt. Jeder Erlöste hat hier eine Aufgabe, daher werden wir „Mitarbeiter am Reich Gottes“ genannt (vgl. Kol 4,11). 

Dienst für den Herrn geht jeden an

Zwei Stellen im Neuen Testament zeigen, dass Gott wirklich jedem eine Aufgabe im Blick auf das Königreich Gottes übertragen hat. Petrus schreibt: „Je nachdem jeder eine Gnadengabe empfangen hat, dient einander damit als gute Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes“ (1. Pet 4,10).

Das große Thema dieses Apostels ist das Leben des Gläubigen im Reich Gottes. Das war der wichtige Auftrag des Herrn an diesen Jünger. Im zitierten Vers lesen wir, dass jeder eine Gnadengabe empfangen hat, die er nötig hat, um Gottes Aufträge im Königreich Gottes ausführen zu können. Der Apostel Petrus stellt nicht infrage, ob jemand eine Gnadengabe empfangen hat, sondern er weist darauf hin, dass jeder eine Gnadengabe empfangen hat, die er als ein guter Verwalter benutzen soll. Jeder hat eine andere Gnade geschenkt bekommen, nämlich genau die, die er für seine Aufgabe nötig hat.

Der Apostel Paulus schreibt im Epheserbrief Ähnliches. Auch wenn hier die Gemeinde Gottes unter dem Blickwinkel des Leibes Christi gesehen wird, verbindet sich dieser Vers mit dem Wort von Petrus: „Jedem Einzelnen aber von uns ist die Gnade gegeben worden nach dem Maß der Gabe des Christus“ (Eph 4,7). Jeder Einzelne hat Gnade für die ihm übertragene Aufgabe erhalten. Dieser Vers gilt für alle Gläubigen. Er ist zu unterscheiden von den besonderen Personengaben, die Christus seiner Gemeinde gibt und von denen ab Vers 11 gesprochen wird. In Vers 4 weist der Apostel uns darauf hin, dass jeder Einzelne eine für ihn ganz speziell zubereitete Gnade bekommt, um seine Aufgaben inmitten der Gläubigen und gegenüber Ungläubigen zur Ehre Gottes ausführen zu können.

Wir sollten bei der Arbeit im Weinberg des Herrn (vgl. Mt 22,1 ff.), also im Dienst für den Herrn Jesus, nicht an bestimmte und aus unserer Sicht vielleicht besonders begnadete Diener des Herrn denken. Es geht um jeden von uns. Diese Aufgaben betreffen ebenfalls unser „Arbeitsleben“.1

„Werk des Herrn“

Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Korinther vom „Werk des Herrn“. Zunächst deutet er an, dass wir alle ein Herz für diese Arbeit haben sollen: „Meine geliebten Brüder, seid fest, unbeweglich, allezeit überströmend in dem Werk des Herrn, da wir wisst, dass eure Mühe nicht vergeblich ist im Herrn“ (1. Kor 15,58). Das spricht uns alle an, für kleine und große Dienste. Später weist Paulus dann auf Timotheus hin: „Wenn aber Timotheus kommt, so seht zu, dass er ohne Furcht bei euch sei; denn er arbeitet am Werk des Herrn wie auch ich“ (1. Kor 16,10). Hier sehen wir, dass Timotheus wie auch Paulus in besonderer Weise in diesem Dienst für den Herrn tätig war. Beide stehen für solche Christen und Diener, die über das normale Maß hinaus, das man neben Familie und Beruf bewältigen kann, ihre Energie und Zeit im direkten und vollzeitigen Dienst für den Herrn Jesus einsetzen. Zwar hat Paulus zeitweise, wie wir gesehen haben, noch den Beruf des Zeltmachers ausgeübt. Aber das war auch in seinem Dienstleben eher die Ausnahme.

Der Herr Jesus beruft

Der vielleicht wichtigste Grundsatz im Blick auf jeden Dienst für den Herrn Jesus besteht darin, dass der Herr Jesus selbst seine Diener in den Dienst beruft. Diesen Gedanken finden wir, wenn auch in dem speziellen Zusammenhang der Personengaben, in Epheser 4,11: „Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer.“ Hier spricht der Apostel von dem verherrlichten Herrn Jesus Christus, der Gnadengaben gibt.

Im Folgenden geht es speziell um solche Christen, die der Herr Jesus dazu beruft, ihren irdischen Beruf aufzugeben, um sich ganz einem missionarischen Dienst oder dem Belehren und Ermutigen von Mitgläubigen zu widmen. Sie bilden keine besondere Gruppe von Christen oder Dienern. Denn sie sind nicht besser oder geistlicher als andere. Dennoch gilt es, im Blick auf eine solche Berufung bestimmte biblische Hinweise zu bedenken.

Es sind keine Menschen, die uns in irgendeinen Dienst berufen könnten. Es ist auch keine Kirche (Gemeinde, Versammlung), keine Brüderschaft, keine wie auch immer geartete Organisation, die einen Menschen in den Dienst für Gott einstellt. Das hat weitreichende Konsequenzen, denn derjenige, der uns beruft, hat die Autorität über unser Leben und unseren Dienst. Mit anderen Worten: Wir sind allein Ihm verantwortlich für das, was wir tun, nicht Menschen oder einem sonstigen irdischen Gerichtstag.

Allerdings sollte man die andere Seite nicht übersehen. Als der Heilige Geist bestimmt hatte, dass Barnabas und Paulus (damals noch Saulus genannt) einen Missionsdienst tun sollten, ließ Er die Versammlung an ihrem Ort und in ihrer Region darüber nicht im Unklaren. Gott sprach sogar ausdrücklich zu ihnen: „Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe: Da entließen sie sie, nachdem sie gefastet und gebetet und ihnen die Hände aufgelegt hatten. Sie nun, ausgesandt vom Heiligen Geist, gingen hinab …“ (Apg 13,2–4). Ein Diener wird daher nicht in einen solchen Dienst aufbrechen, ohne in Gemeinschaft mit seinen Mitchristen am Ort zu handeln.

Der Herr ruft aus treuer Arbeit heraus

Der Herr Jesus beruft uns in der Regel aus einer erfolgreichen Tätigkeit heraus in seinen Dienst. Ein schönes Beispiel dafür sind die vier Jünger des Herrn, die Er aus dem Fischerberuf heraus in seine Nachfolge rief (vgl. Mk 1,16–20). Damit ist nicht gemeint, dass jemand Karriere gemacht haben muss, um vom Herrn Jesus benutzt werden zu können; das träfe ja allein schon auf die meisten gläubigen Frauen gar nicht zu. Nein, Erfolg im Sinne einer schnellen, hierarchischen Karriere sollte eher Fragezeichen aufkommen lassen. Sind dafür nicht in aller Regel Eigenschaften wie „Ellenbogen“, Egoismus und Durchsetzungsvermögen nötig, die normalerweise Menschen kennzeichnen, die ein Leben ohne Gott und für die eigenen Ziele führen wollen? Diese Eigenschaften kann Gott bei uns in seinem Weinberg, also im Dienst für Ihn, nicht gebrauchen.

Allerdings müssen wir in unserem täglichen Leben – dazu gehört unser Arbeitsleben – beweisen, dass wir treu und sorgfältig arbeiten. Wie kann jemand auf geistlichem Gebiet treu sein, wenn er in dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen ist (Lk 16,10.11)? Daher sollen wir uns in unserem Berufsleben bewähren, unabhängig davon, wo wir diese Arbeit leisten. Dann kann der Herr uns geistliche Aufgaben übertragen. Wenn jemand unmittelbar nach seiner Ausbildung nur noch missionarische Aufgaben ausführt, ohne sich der Herausforderung einer „normalen Arbeit“ mit allen Unannehmlichkeiten gestellt zu haben, sind in aller Regel Fragen angebracht.

Viele der Personen, die Gott im Alten und im Neuen Testament benutzte, sind uns hier gute Vorbilder. Man denke an David, der treu das Kleinvieh seines Vaters verwahrte, oder an den Apostel Paulus, der sogar während seines unermüdlichen und einzigartigen Dienstes für den Herrn Jesus zeitweise als Zeltmacher seinen eigenen Lebensunterhalt verdiente. Der Prophet Amos wurde ebenfalls wie David von seiner Viehherde weg berufen (vgl. Amos 7,14). Elisa scheint ein „Könner“ seines Berufs gewesen zu sein. Von ihm lesen wir, dass er es verstand, mit zwölf Joch Rindern gleichzeitig zu pflügen (vgl. 1. Kön 19,19), was als Meisterstück angesehen wird. Aus dieser „erfolgreichen“, das heißt treuen Arbeit wurde er in den Prophetendienst berufen. Auch die Apostel Petrus und Johannes waren zunächst treue Fischer. Und von Lukas lesen wir, dass er Arzt gewesen war (Kol 4,14).

Allerdings sollten wir an dieser Stelle nicht einseitig denken. Der Apostel Paulus war sicher ein außergewöhnliches Gefäß in den Händen des Herrn. Insofern können wir nicht jede Einzelheit des Handelns Gottes mit ihm ohne Weiteres auf uns anwenden. Bei ihm finden wir beispielsweise nicht, dass er sich nach seiner Bekehrung als Christ zunächst in einem Beruf bewähren musste, bevor Gott ihn in seinen Dienst berief. Allerdings hatte er zuvor den Beruf eines Zeltmachers gelernt und diesen auch während seines Dienstes zeitweise ausgeübt (vgl. Apg 18,3). 

Auch heute kann es im Einzelfall so sein, dass die berufliche Bewährungszeit sehr kurz ist – Missionare müssen in der Regel vergleichsweise jung in ihren Dienst treten, allein schon aus gesundheitlichen Gründen, um die anstehenden Strapazen bewältigen zu können. Aber man sollte vorsichtig sein, gerade für sich fordern zu wollen, dass es keiner Bewährung im irdischen Beruf bedürfe.

Das Alter spielt (fast) keine Rolle

Vielleicht neigen wir dazu, ein bestimmtes Alter als Voraussetzung für einen Dienst für den Herrn Jesus anzusehen. Und sicher ist es wahr, dass Gott eine gewisse geistliche Reife voraussetzt. Ist es nicht zum Beispiel bemerkenswert, dass der Apostel Paulus ungefähr zehn Jahre bekehrter Christ war, bevor er seine erste Missionsreise antrat? Das zeigt im Übrigen auch, dass man nicht nur in ganz jungen Jahren als Missionar tätig sein kann.

Eine gewisse Bewährungszeit ist also nicht nur nützlich, sondern auch wichtig. Gerade im Bereich des Hirtendienstes (Seelsorge) und der Belehrung (Lehrdienst) ist geistliche Reife und Erfahrung von Bedeutung. Nicht von ungefähr finden wir diese Bewährungszeit bei vielen Männern, die Gott in seinem Dienst benutzt hat (Mose, Josua, David usw.). Aber wie eine Reihe von Beispielen aus der Schrift deutlich machen, kann man kein Gesetz daraus machen, dass jemand erst ein bestimmtes Alter erreicht haben muss, bevor er einen ausgesprochen geistlichen Dienst beginnt.

Samuel zum Beispiel wurde bereits als Kind in den Dienst Gottes gestellt. Er war gerade von seiner Mutter entwöhnt worden, da begann sein Dienst für den Hohenpriester Eli (1. Sam 1,23.24.28; 2,11). Kann solch ein Kind anbeten und Gott dienen? Offensichtlich ist es so. Jeremia wurde recht früh in den Dienst Gottes berufen (vgl. Jer 1,4–10). Waren nicht auch der Prophet Daniel und Johannes, der Jünger Jesu, recht jung, als sie in den Dienst Gottes gestellt wurden? Das sind sicher Ausnahmen, dennoch nennt Gott sie uns ausdrücklich.

Bei anderen Personen haben wir eher den Eindruck, dass sie vergleichsweise alt waren, als Gott sie in seinen Dienst stellte. Das trifft beispielsweise für den Propheten Haggai zu, der nur sehr kurz von Gott benutzt wurde, soweit wir das aus der Schrift erkennen können. Der Unterschied zu Sacharja sticht hervor, der über einen wesentlich längeren Zeitraum hinweg weissagte. Auch Petrus war vermutlich deutlich älter als zum Beispiel sein Freund und Mitapostel Johannes, als beide zu Jüngern Jesu berufen wurden. Johannes muss sehr jung gewesen sein, als er in die Nachfolge Jesu berufen wurde, da er erst um die Jahrhundertwende die Offenbarung Jesu Christi schrieb, das letzte Buch der Bibel. Petrus dagegen war schon verheiratet (vgl. Mk 1,30) und spricht in seinem zweiten Brief, der deutlich vor der Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr.) geschrieben worden ist, bereits von seinem nahenden Tod.

Das macht uns vorsichtig in der Beurteilung, ob jemand zu jung oder zu alt für einen Dienst und für den Dienstbeginn ist. Wir wundern uns ja nicht nur darüber, dass der Herr junge Christen in seinen Dienst stellt. Vielleicht sind wir in gleicher Weise überrascht – um nicht zu sagen: befremdet –, wenn auf einmal ein älterer Christ, von dem wir jahrzehntelang nichts gesehen oder gehört haben, in der Öffentlichkeit einen Dienst für den Herrn Jesus tut. Lasst uns immer bedenken: Gott ist souverän. Er kann benutzen, wen Er will und wann Er will.

Gnade und Fähigkeit

Die Berufung durch den Herrn Jesus steht, wie wir bereits in anderem Zusammenhang gesehen haben, in Verbindung mit den natürlichen Fähigkeiten, mit denen der Herr ihn ausgestattet hat. In Matthäus 25,15 lesen wir: „Und einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen eins, jedem nach seiner eigenen Fähigkeit.“

Gott hat uns natürliche Fähigkeiten geschenkt, die zur ersten Schöpfung gehören und keine direkte Beziehung zur Bekehrung haben. Er ist der Schöpfer, der uns Fähigkeiten übertragen hat. Diese Fähigkeiten stellen nicht die Gnadengaben dar. Aber die Gnadengaben sind in aller Regel nicht vollständig unabhängig von diesen persönlichen Fähigkeiten. Wenn der Herr Jesus jemand als Evangelisten beruft, so braucht dieser die Fähigkeit, reden zu können. Nicht die Redegabe an sich ist die geistliche Gabe, aber es ist schwer vorstellbar, dass jemand als Evangelist tätig ist ohne die Fähigkeit, reden zu können. So wird die geistliche Gabe sozusagen in das von Gott bereitete irdische „Gefäß“ gelegt. Man kann sagen, dass diese Gnadengabe in die ebenfalls von Gott gegebene menschliche Fähigkeit hineingelegt wird.

Die Gnadengabe selbst ist eine geistliche Kraft, die mittels natürlicher Fähigkeiten auf Herz und Gewissen wirkt. Egal, welche Gnadengabe wir nennen – immer geht es um das eine Ziel: andere geistlich zu fördern, das heißt sie näher zu Christus zu ziehen.

Dienst & Beruf

Es ist eine große Herausforderung, auf der einen Seite seinem irdischen Beruf nachzugehen und auf der anderen Seite noch ausreichend Energie zu haben, um im Werk des Herrn zu dienen. Zudem darf man seine Aufgaben in Ehe und Familie nicht vernachlässigen. In dieser Hinsicht ist es gerade in diesem Dienst von Vorteil, wie Paulus nicht verheiratet zu sein (vgl. 1. Kor 7,32). Dennoch ist es normal, dass Diener verheiratet sind (1. Kor 9,5). Daher ist es der Mühe wert, darüber nachzudenken.

Wie immer in solchen Fällen gibt es hier kein Patentrezept. Wie wir gesehen haben, hat jeder von uns eine Aufgabe inmitten des Volkes Gottes bzw. Ungläubigen gegenüber. Wenn man diese Aufgabe neben dem Beruf ausführen will, muss man sich Freiraum schaffen. Denn ohne Anstrengung haben wir unsere Zeit automatisch verplant. Es ist gut, eine solche Prüfung gemeinsam in der Familie vorzunehmen. So bindet man den Ehepartner und die Kinder in diese wichtige Arbeit gleich mit ein.

Wichtig ist, dass man alle Tätigkeiten zur Seite räumt, die Zeit rauben und weder im persönlichen Leben noch im Glauben weiterbringen. Im Allgemeinen gehören zu diesen Zeiträubern das Internet, Chatten, Computerspiele, Shoppen, aktives Musikhören, Zeitschriften, das Auto und viele sonstige Hobbys. Man sollte sich von allem, was einen an einem Leben für den Herrn hindert, konsequent trennen. Das heißt nicht, dass nicht auch ein Diener des Herrn einen Ausgleich nötig hat. Er wird diesen besonnen in Anspruch nehmen.

Die Familie darf durch geistliche Arbeit nicht zu kurz kommen. Das heißt nicht, dass man nicht mit der Familie besprechen kann, dass zeitweise neue Schwerpunkte gesetzt werden können. Und natürlich bietet es sich an, zusammen in der Familie bestimmte Aktivitäten durchzuführen. Wenn man es auf dem Herzen hat, am Wohnort Traktate oder Kalender zu verteilen, kann man dies beispielsweise gut zusammen mit den Kindern tun.

Jeder von uns hat einen anderen Dienst. Daher ist es schwierig, konkrete Aufgaben in der Arbeit des Werkes des Herrn aufzuführen. Einige wenige nennen wir hier beispielhaft, um das Thema fassbarer zu machen. Jeder muss letztlich vor dem Herrn für sich selbst Klarheit erhalten, was seine konkreten Aufgaben sind.

  • Traktate und Kalender verteilen
  • Plakatwände suchen, an denen man über einen christlichen Plakatdienst Bibelverse kleben lassen kann
  • Büchertischarbeit, Mitarbeit an Bibelständen auf Messen, Verbraucherausstellungen
  • Mitarbeit bei einer Evangelisation
  • Durchführung einer Kinderstunde für Ungläubige
  • Mitarbeit bei einem evangelistischen Hauskreis
  • Singen im Chor, der für evangelistische Zwecke oder zur Ermunterung von Geschwistern übt
  • Besuch von Geschwistern, die einsam, krank, alt, traurig usw. sind
  • Beschäftigung mit Gottes Wort, um anderen Bibeltexte erklären zu können
  • Mitarbeit bei der Beantwortung von Bibelkursen für Kinder und Erwachsene
  • Praktische Unterstützung älterer Geschwister (einkaufen, Arztbesuch, Ämtergänge …)
  • Versorgung des Versammlungsraums
  • Mitarbeit bei Kinder- und Jugendstunden
  • Schreiben von Kalenderzetteln, Flyern, Artikeln usw.
  • Mitarbeit bei Internetseiten für Ungläubige bzw. für Gläubige
  • usw.

Es gibt für jeden von uns ausreichend Arbeit. Wir müssen nur die Augen aufmachen, um sie zu sehen. Dann benötigen wir einen Herzensentschluss, um die Arbeiten anzugehen. Für alles brauchen wir die bewusste Abhängigkeit vom Herrn Jesus – in der Planung, in der Durchführung und in der Nacharbeit.

Aufgabe des irdischen Berufs

Manchmal ist es für einen Diener des Herrn nötig, dass er seinen irdischen Beruf aufgibt, um die ihm vom Herrn Jesus übertragenen Aufgaben treu ausführen zu können. Das aber ist die Ausnahme, wie wir an den wenigen Beispielen im Neuen Testament erkennen können. Der „normale“ Weg des Herrn ist ein anderer. Die Herausforderung für uns besteht ja gerade darin, im irdischen Beruf treu und fleißig zu sein. Das aber darf nicht zu einer Trennung führen: Diejenigen, die ihren irdischen Beruf aufgegeben haben, kümmern sich um Dienste und geistliche Aufgaben, die anderen nicht. Nein, wir alle stehen im „Werk des Herrn“, um einander und ungläubigen Menschen zum Segen zu dienen.

Wohlgemerkt: Jeder von uns, der an den Herrn Jesus Christus glaubt, ist ein Diener des Herrn. Aber nur wenige haben die Aufgabe, ihren irdischen Beruf aufzugeben. Wenn jemand beispielsweise einen überörtlichen Hirtendienst tut, dürfte es ihm allerdings kaum möglich sein, regelmäßig Familien oder Personen, die besondere Bedürfnisse haben, zu besuchen und zugleich noch täglich einem irdischen Beruf nachzugehen. Vergleichbares gilt für Missionare oder Diener, die über einen mündlichen Predigt- und Lehrdienst hinaus Aufgaben wahrnehmen, zum Beispiel schriftliche Tätigkeiten, einen Hirtendienst usw.

Abgesehen davon, dass man Besuche nicht nachts machen kann, haben diese Diener ja oft auch noch eine Familie, für die sie nicht nur materiell sorgen müssen. Ihre Kinder haben den Vater dringend nötig. Niemand wird sich später entschuldigen können, wenn Kinder einen eigenen Weg ohne den Herrn Jesus oder in teilweisem Ungehorsam Ihm gegenüber gehen. Niemand wird je sagen können: „Ich hatte ja einen Dienst für Dich! Da konnte ich mich nicht um meine Frau und meine Kinder kümmern.“ Von Petrus und Johannes lesen wir, dass sie ihre Netze und das Schiff aufgrund des Rufs des Herrn Jesus verließen, sich aber dennoch weiter um ihre Familie kümmerten (vgl. Mk 1,30; Joh 19,26.27).

Manchmal ist es für eine gewisse Zeit möglich, einen zeitintensiven Dienst für den Herrn Jesus und die irdische Arbeit, möglicherweise mit einer reduzierten Arbeitszeit, parallel laufen zu lassen. Hier ist uns der Apostel Paulus ein großes Vorbild. Aus verschiedenen Gründen und Motiven heraus sorgte er verschiedentlich selbst für seinen Lebensunterhalt, zum Beispiel in Thessalonich und in Korinth (vgl. 1. Thes 2,9; Apg 18,1–3). Man sollte dabei allerdings nicht übersehen, dass der Apostel nicht verheiratet war und daher keine Kinder hatte. 

Die Kosten überschlagen

Wie schon angeführt, sollte niemand seine eigenen körperlichen und geistigen Kräfte überschätzen. Das wäre nicht geistlich und dürfte oft in einer Überforderung und damit in einem Burn-out enden. Oder es besteht die Gefahr, dass andere wichtige Bereiche unseres Lebens leiden, wie Ehe, Familie, Beruf oder die Mitarbeit in der örtlichen Gemeinde. Auch das wäre nicht gut.

Es ist wahr, dass der Apostel Paulus seinen geistlichen Dienst in einer solchen Intensität ausgeübt hat, zu der heute wohl keiner mehr in der Lage ist. Wer allerdings verheiratet ist und Familie hat, darf sie nie zu kurz kommen lassen. Wir dürfen unsere Aufgaben in der Familie und unsere damit verbundene Verantwortung nicht außer Acht lassen. Unsere Familie steht an erster Stelle.

Für das Aufgeben des irdischen Berufs bedarf es eines deutlichen Rufs vonseiten des Herrn. Es ist undenkbar, dass ein solcher Ruf von geistlich gesinnten Mitchristen nicht erkannt wird. Wir haben in Apostelgeschichte 13 sogar gelesen, dass der „Ruf“ des Geistes Gottes zur Aussendung über die Gläubigen der örtlichen Versammlung (Gemeinde) in Antiochien erfolgte. Leider gibt es auch heute im Blick auf Diener Gefühle wie Neid und Missgunst. Wenn aber vonseiten der Christen, mit denen wir eng verbunden sind und die unseren Dienst regelmäßig erleben, überhaupt keine Zustimmung zu einem solchen Schritt kommt, sollten wir uns noch einmal ernsthaft prüfen. Haben wir erwogen, ob wir im Eigenwillen statt im Auftrag des Herrn handeln?

Grundsätzlich gilt: Auch dieser Schritt der (zeitweisen) Aufgabe des irdischen Berufs liegt in der Verantwortung des Dieners. Keine örtliche Gemeinde kann jemand zu einem solchen Schritt zwingen oder davon abhalten. Der Diener steht und fällt seinem Herrn (vgl. Röm 14,4). Das heißt nicht, dass er – was seinen persönlichen Lebenswandel betrifft – nicht der Verantwortung der örtlichen Versammlung unterliegt. Dennoch müssen wir jeden in seiner Verantwortung vor dem Herrn stehen lassen, was seinen Dienst betrifft (vgl. Mt 7,1.2). Ein Diener wiederum muss mit den finanziellen Konsequenzen leben, wenn seine Mitgeschwister Bedenken bei einem solchen Schritt haben. Er muss seinem Herrn vertrauen, dass Er ihm „Raben“ sendet, wie Er das bei Elia tat. Denn ein Diener wird nicht unaufgefordert über seine finanziellen Bedürfnisse reden; sonst würde er damit sagen, dass der Herr ihn nicht ausreichend versorgt. Nein, ein Diener vertraut seinem Herrn, der ihn angestellt hat, wie auch Paulus dies getan hat. Er hatte sich nicht an die Philipper um Unterstützung gewandt, sondern der Herr hatte es ihnen ins Herz gegeben, den Diener des Herrn zu unterstützen (vgl. Phil 4,10 ff.). Und eines wissen wir: Unser Meister belohnt diejenigen, die um seinetwillen Verzicht üben (vgl. Mt 19,29).

Übrigens: Ein Diener tut nicht dadurch einen wertvolleren Dienst, dass er seinen irdischen Beruf aufgegeben hat; diese Veränderung ist kein Beweis für mehr Hingabe für den Herrn. Jemand ist nicht „besser“, weil er seinen weltlichen Beruf nicht mehr ausübt und vollzeitig „im Werk des Herrn“ tätig ist. Der Herr schätzt jeden Dienst der Seinen, wo und in was für äußeren Umständen sie ihn auch tun mögen. In diesem Sinn hängt die Belohnung nicht von der Aufgabe ab, die wir ausführen sollen, sondern von unserer Treue. Gleichwohl gibt es nach 1. Korinther 12,28 unterschiedlich wichtige Aufgaben in der Gemeinde Gottes. Es gibt Unterschiede in den einzelnen Funktionen am Leib Christi (vgl. 1. Kor 12,23.24). So ist der mündliche Dienst an Gläubigen und Ungläubigen sicherlich von besonderem Wert. Wir dürfen uns aber nicht dazu verleiten lassen, einen Dienst einem anderen vorzuziehen.

Arbeitsmenge

Gerade im Zusammenhang mit dem Aufgeben des irdischen Berufs sollte klar sein, dass das Arbeitspensum nach dem Ausstieg aus unserem Beruf nicht geringer sein sollte als zuvor. Es darf dem Diener nicht darum gehen, mehr Freizeit zu haben! Sein Problem war ja zuvor, dass er zu wenig Zeit hatte, um die spezielle Aufgabe, die der Herr ihm übertragen hat, in angemessener Weise ausführen zu können. Das heißt nun wiederum nicht, dass ein solcher Diener in Arbeit untergehen soll. Er muss seine Zeit und seine Kräfte nüchtern beurteilen.

Es gibt auch die andere Seite: Christen könnten geneigt sein, von einem Diener des Herrn Jesus, der seinen irdischen Beruf aufgegeben hat, einen quasi „endlosen“ Dienst zu verlangen. Ein solcher Diener muss aus Sicht von Christen sozusagen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Ein solcher Gedanke ist abwegig.

Jeder Diener braucht, wie jeder Mensch, eine Zeit der Erholung und der Entspannung. Er muss sich um seine Familie kümmern, um seine Ehefrau und seine Kinder, er hat Aufgaben im Blick auf seine Wohnung, sein Fahrzeug, seine Steuererklärung und viele andere Dinge zu erledigen. Ein Diener des Herrn wird diesen Pflichten in gesundem Maß nachkommen. Darüber hinaus hat ein Diener Aufgaben am eigenen Ort und im Blick auf das örtliche, christliche Zusammenkommen, das er normalerweise regelmäßig besucht. Das sollten wir immer bedenken, wenn wir meinen, andere nach den eigenen Maßstäben beurteilen und für Dienste einteilen zu können.

Berufung auf Lebenszeit?

Ein Diener des Herrn ist nicht bis an sein Lebensende in eine Art „Dauerdienst“ gestellt. Wir müssen dem Herrn überlassen, dass Er den Dienst, den Er uns übertragen hat, zu einem bestimmten Zeitpunkt beendet. Warum lesen wir von einigen der zwölf Jünger so wenig im Neuen Testament? Wir können nicht behaupten, dass sie untreu gewesen wären. Aber wir wissen einfach nicht, was für einen Dienst der Herr ihnen nach seiner Himmelfahrt und nach dem Kommen des Heiligen Geistes übertrug. Zuvor hatte Er sie als Apostel berufen. Über den Propheten Jona zum Beispiel lesen wir von seinem Dienst im Blick auf Ninive. Später tat er einen Dienst im Königreich Jerobeams II. (2. Kön 14,25). War damit sein Dienst beendet? Wir wissen es nicht.

Wir wissen auch nicht, ob der Herr einen Dienst unbefristet und endlos verlängert. Niemand sollte von sich denken, er könne selbst darüber bestimmen und sei unersetzbar. Der Herr ist souverän in der Auswahl seiner Diener, in den Aufgaben, die Er verteilt, und in der Zeitdauer, die Er dafür vorsieht. Kein Christ sollte sich den Wegen des Herrn verschließen, auch kein Diener, der einen vollzeitigen Dienst für den Herrn Jesus tut. Denn ein solcher Dienst für Ihn kann für eine Zeit bestimmt sein; danach kehrt der Diener wieder in seinen irdischen Beruf zurück. Gerade im missionarischen Dienst außerhalb Europas kann der Fall so eintreten.

Ein junges Ehepaar hat vielleicht den Ruf, in die Mission zu gehen. Wenn die Aufgabe zu einem gewissen Ziel geführt worden ist, wenn die Familie bzw. die Kinder krank werden und die klimatischen Verhältnisse nicht gut ertragen können, wenn Kinder älter werden, kommt dieses Ehepaar wieder an seinen Aussendungsort zurück. Ist es dann nicht durchaus möglich, dass der Herr möchte, dass der Mann wieder seinen alten Beruf ausübt? Diesen Gedanken sollte das Ehepaar zumindest einmal erwägen.

Leider gibt es Beispiele, wo man meinte, einmal im vollzeitigen Dienst zu stehen, heiße, es auf Lebenszeit zu sein. Oft wurden dadurch Christen am Ort und in der Region in Schwierigkeiten gebracht. Besser ist es, dann auf den Rat bewährter Christen zu hören und sich zunächst wieder eine Arbeitsstelle zu suchen. Im Laufe der Zeit wird der Herr dem Diener und den Gläubigen in seiner Umgebung den richtigen Weg deutlich machen.

Es gibt noch einen weiteren Aspekt dieses Themas. Arbeitnehmer, die bei einem „weltlichen“ Unternehmen arbeiten, gehen in der Regel mit oder sogar vor dem 65. Lebensjahr (und nach heutigem Stand künftig mit dem 67. Lebensjahr) in Rente oder Pension. Zeitweise gab es in großen Unternehmen keine Arbeitnehmer über 55 Jahre, so dass auch Christen ab diesem Zeitpunkt ihren „Ruhestand“ genießen, ohne dass sich jemand etwas dabei denkt. Es könnte aber sein, dass man ganz andere Erwartungen stellt an Christen, die der Herr Jesus in besonderer Weise für seine Gemeinde oder im Blick auf Ungläubige benutzt. Erwarten wir nicht leicht, dass sie ihren Dienst bis zum letzten Atemzug ausführen? Lasst uns hier fair in der Beurteilung solcher Diener sein, wenn wir auf uns selbst sehen.

Das heißt nicht, dass es nicht für uns alle erstrebenswert ist, nach Vollendung des 67. Lebensjahrs eine Aufgabe wahrzunehmen und dem Herrn und den Geschwistern zu dienen. Gerade das gibt dem Leben im Alter einen wunderbaren Inhalt. Aber das Beispiel der Leviten zeigt, dass Gott für die Seinen durchaus eine Zeit im Alter schenken will, in der sie den vorher gesammelten Segen auch genießen können. Natürlich will Gott uns auch während der Zeit segnen, in der wir bezahlt arbeiten. Und doch sehen wir, dass Gott davon spricht, dass Er „mit Gutem sättigt dein Alter“ (Ps 103,5). Wer dennoch bereit ist, dem Herrn weiter zu dienen, wird dafür reich gesegnet sein. Der Herr hat auch im Alter noch Aufgaben für uns. Das sehen wir an Männern und Frauen Gottes wie Mose, Josua, Samuel, David, Simeon und Anna, die bis in ihr hohes Alter für ihren Herrn tätig waren. Das Rentenalter sollte also niemand dahin führen, Müßiggang zu pflegen. Das kennt die Schrift nicht.

Unterstützung

Ein Diener des Herrn Jesus, den der Herr in einen umfänglichen, direkten Dienst beruft, hat das Recht, nicht arbeiten zu müssen, um sich so seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Apostel Paulus schreibt dazu ausführlich an die Gläubigen in Korinth. Er bezieht sich auf die Apostel. Andere Stellen zeigen uns, dass man diese Gedanken auf Diener ganz allgemein anwenden kann (vgl. Phil 4,10ff.; 3. Joh 5–8).

„Haben wir etwa nicht das Recht, zu essen und zu trinken? Haben wir etwa nicht das Recht, eine Schwester als Frau mit uns zu führen …? Oder haben allein ich und Barnabas nicht das Recht, nicht zu arbeiten? Wer tut jemals Kriegsdienste auf eigenen Sold? Wer pflanzt einen Weinberg und isst nicht von dessen Frucht? Oder wer weidet eine Herde und isst nicht von der Milch der Herde? Rede ich dies etwa nach Menschenweise, oder sagt nicht auch das Gesetz dies? Denn in dem Gesetz Moses steht geschrieben: ‚Du sollst dem Ochsen, der drischt, nicht das Maul verbinden.‘ Ist Gott etwa um die Ochsen besorgt? Oder spricht er nicht durchaus unsertwegen? Denn es ist unsertwegen geschrieben, dass der Pflügende auf Hoffnung pflügen und der Dreschende auf Hoffnung dreschen soll, um daran teilzuhaben. Wenn wir euch das Geistliche gesät haben, ist es etwas Großes, wenn wir euer Fleischliches ernten?“ (1. Kor 9,4–11).

So haben wir die Pflicht, die Diener des Herrn Jesus in gerechter, liebender, gnädiger, barmherziger und freudiger Weise zu unterstützen.2

Ruf nach Unterstützung

Abschließend zu diesem Kapitel sei noch dieser Hinweis gestattet. Ein Diener des Herrn wird, wie wir gesehen haben, seine materiellen Bedürfnisse nicht bekannt zu machen suchen. Wenn er seinen Ruf vonseiten des Herrn Jesus ernst nimmt, wird er alles von diesem Herrn erwarten. Wir haben dieses Thema schon kurz gestreift.

Ein Diener ist nicht bei einer Organisation angestellt, die ihm einen mehr oder weniger regelmäßigen Lohn (z.B. durch Spenden) zahlen könnte. Er ist nicht bei einer örtlichen Gemeinde angestellt, die ihn entlohnen könnte. Er verpflichtet sich auch nicht gegenüber Menschen, die ihn dauerhaft unterstützen. Sein Auftraggeber und seine Belohnung ist der Herr Jesus selbst. Und wenn dieser einzigartige und beste Herr, den es gibt, Durststrecken im Leben eines Dieners zulässt, dann wird er solche Zeiten aus der Hand des Herrn annehmen (müssen). Dass wir Christen eine Aufgabe haben, empfindsam für die Bedürfnisse eines Dieners zu sein, muss nicht weiter betont werden.

„Hat der Herr vielleicht eine Botschaft für mich damit verbunden?“, muss sich der Diener fragen, der in materielle Nöte gerät. Die Botschaft heißt nicht notwendigerweise, dass man sich aus der bewussten Abhängigkeit vom Herrn entfernt hat. Vielleicht prüft Er einfach den Glauben der Seinen. Jedenfalls steht man in Gefahr, in einer solchen Zeit Menschen herbeizurufen und ihnen die Not vorzustellen. Der Herr möchte, dass seine Diener sich bewusst von Ihm abhängig machen und nicht Menschen zu Hilfe zu rufen.

Es mag der schwerere Weg sein, allein auf den Herrn zu vertrauen. Elia lernte seinen Gott gerade so auf eine wunderbare Weise kennen. Gott schickte Raben, die Brot und Fleisch für den Knecht Gottes brachten. Und im Bach Krith hatte Gott noch ausreichend Wasser für seinen Diener. Aber selbst das ging zu Ende. Es waren nicht die Raben, die nicht mehr kamen. Es war die natürliche Hilfsquelle des Baches, die versiegte.

War die Hilfe Gottes damit zu Ende? Nein, Er hatte im Ausland in Zarpat (bei Sidon) eine Witwe, der Er helfen wollte. Und in übernatürlicher Weise erhielt der große Gott seinen Diener Elia am Leben. Immer wieder bewies Er seine Liebe und Fürsorge seinem Knecht gegenüber. Sollte Er uns heute dann nicht ebenfalls alles das geben können, was wir nötig haben? Auch für Diener gilt, so leicht wir das vergessen mögen: „Wenn wir aber Nahrung und Bedeckung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen“ (1. Tim 6,8).

Dieser Bibelvers hat für Diener des Herrn auch noch eine zusätzliche Bewandtnis. Was tun sie, wenn sie Spenden im Übermaß erhalten? Dann haben sie die Verantwortung, mit den ihnen von Gott anvertrauten Gütern verantwortungsbewusst umzugehen. Auch sie können und sollen für das Werk des Herrn geben. Wenn sie von den Bedürfnissen anderer Kenntnis erhalten, werden sie offene Hände dafür haben. Der Apostel Paulus wird wohl kaum die Warnung ausgesprochen haben: „Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten“ (2. Kor 9,6), und nicht selbst segensreich gesät haben. Sein Lebensstil ist für jeden Diener vorbildlich im Blick auf Genügsamkeit und Rücksichtnahme auf die Empfindungen der Empfänger seines Dienstes (vgl. 1. Kor 9,12.19 ff.).

Fußnoten

  • 1 Wer sich mit dem Thema „Werk des Herrn“ im allgemeinen Sinn beschäftigen möchte, dem sei das Buch „Werk des Herrn – ein Arbeitgeber, viele Mitarbeiter“ (Beröa-Verlag, 2011) von Ernst-August Bremicker empfohlen.
  • 2 Zur weiteren Vertiefung dieses Themas empfehle ich das Heft „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert“ (96 Seiten) von Ernst-August Bremicker.
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