Das Berufsleben des Christen
Biblische Grundsätze für das Berufsleben

Frauen in der Bibel und ihre Arbeit

Das Berufsleben des Christen

Bevor wir andere Themen zur beruflichen Beschäftigung von Christen weiter behandeln, werfen wir einen kurzen Blick in die Bibel, was die berufliche Tätigkeit von Frauen betrifft. Denn dort lesen wir von einer ganzen Reihe von Frauen, die einem Beruf nachgingen.

Sehen wir uns dazu vier Beispiele etwas genauer an, die gläubige Frauen motivieren sollten. 

Dorkas

Tabitha bzw. Dorkas hat einen Ehrenplatz im Neuen Testament. Von ihr lesen wir in Apostelgeschichte 9,36: „In Joppe aber war eine gewisse Jüngerin, mit Namen Tabitha, was übersetzt heißt: Dorkas; diese war reich an guten Werken und Almosen, die sie übte.“ Sie wird also als hingebungsvolle Christin charakterisiert, die für ihren Herrn und für die Gläubigen lebte.

Zu ihren Lebzeiten erhielt sie vermutlich keine große Anerkennung. Als sie dann aber krank wurde und schließlich starb, hinterließ sie aufgrund ihrer vielen Arbeit eine große Lücke. Man vermisste sie, weil sie vielen eine Hilfe gewesen war. Daher rief man Petrus, der in der Nähe war, vielleicht in der Hoffnung, er könne sie auferwecken, damit sie ihre Arbeit fortsetzen könne? „Und alle Witwen traten weinend zu ihm und zeigten ihm die Unterkleider und Gewänder, die Dorkas gemacht hatte“ (Apg 9,39).

Wir lesen hier nicht, dass Dorkas eine eigene „Fabrik“ besessen hätte. Dennoch hatte sie offensichtlich „beruflich“ mit der Herstellung von Kleidern zu tun – vielleicht im Sinn des Vorläufers einer kleinen Fabrik. Sie besaß von Gott die Fähigkeit, solche Kleidungsstücke fachgerecht anzufertigen. So nutzte sie ihren Beruf, um Christen durch das Schenken von guter Kleidung sowie durch finanzielle Zuwendungen (Almosen) zu unterstützen und ihre Zeit, ihr Kapital und ihre Fähigkeiten für sie einzusetzen. Letztlich kann man in seinem Beruf in dieser Weise nur aufgehen, wenn er auch Freude bereitet. Bei Dorkas aber kam hinzu, dass sie im Beruf durch das, was sie tat, ihrem Herrn Jesus Christus dienen konnte. Wir wollen nicht übersehen, dass Dorkas wahrscheinlich eine unverheiratete Frau war. Denn wir lesen an keiner Stelle von einem Ehemann.

Lydia

Von Lydia lesen wir in Apostelgeschichte 16. Dort wird uns berichtet, dass sie eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira war. Dass sie ein Haus besaß, bedeutet, dass sie über eine Dienerschaft verfügte, denn das griechische Wort für „Haus“, das in dieser Stelle benutzt wird, unterscheidet sich von dem, das im engeren Sinn für eine Familie steht. In diesem Sinn muss Lydia eine Art Kleinunternehmerin gewesen sein (vgl. Apg 16,14.15).

Wir lesen nicht, dass Lydia einen Ehemann oder Kinder gehabt hätte. So ist es gut möglich, dass sie keine Familie hatte. Insofern verwundert es uns nicht, dass sie gottesfürchtige und zugleich begabte Frau die ihr zur Verfügung stehende Zeit nicht nur für ihren eigenen Lebensunterhalt benutzte. Sie diente auch anderen Gläubigen. Nicht ohne Grund heißt es von ihr: „die Gott anbetete“ (Apg 16,14). Sie war dem Herrn Jesus treu. Zudem stellte sie ihr Haus dem Apostel Paulus und seinen Mitarbeitern zur Verfügung. Darin dient sie Christinnen als Vorbild (Apg 16,15).

Priszilla

Priszilla war die Ehefrau von Aquila. Beide werden im Neuen Testament immer zusammen genannt, insgesamt sechsmal. Das erste Mal lesen wir von diesem Ehepaar in Apostelgeschichte 18. Dort heißt es: „Sie waren Zeltmacher von Beruf“ (Apg 18,3). Das traf also auf beide zu, nicht nur auf Aquila. Für den Apostel Paulus stellte Priszillas Berufstätigkeit offensichtlich keine Schwierigkeit dar, denn wir lesen, dass er gerade deshalb bei ihnen wohnen wollte, weil er das gleiche Handwerk ausübte wie dieses Ehepaar.

Im Unterschied zu Lydia lesen wir also von Priszilla, dass sie verheiratet war. Weil jeglicher Hinweis auf Kinder fehlt, obwohl Priszilla mehrfach zusammen mit ihrem Mann erwähnt wird, können wir wohl auf Kinderlosigkeit schließen. Möglich ist allerdings auch, dass die Kinder bereits erwachsen waren. So konnte Priszilla ihrem Beruf nachgehen, ohne ihren Mann oder ihren Haushalt zu vernachlässigen. Abgesehen davon konnte sie ihre Tätigkeit als Zeltmacherin vermutlich von zu Hause aus ausführen, wie es damals üblich war (vgl. Apg 18,3). So war sie in dem Bereich tätig, den Paulus später im Blick auf die Frau als richtigen „Arbeitsort“ nennt.

Aus dem Bericht am Ende des 18. Kapitels der Apostelgeschichte können wir schließen, dass Priszillas Tätigkeit nicht dazu geführt hatte, dass sie ihre „stille Zeit“ und den Dienst für den Herrn vernachlässigt hätte. Denn sie war zusammen mit ihrem Mann Aquila in der Lage, den hingebungsvollen Christen Apollos nicht nur nach Hause einzuladen, um Gastfreundschaft zu üben; sie konnten diesem begabten Diener des Herrn beim Verständnis der göttlichen Gedanken auch gemeinsam eine Hilfe sein. Es ist auffallend, dass an dieser Stelle die Frau an erster Stelle steht. Wir können davon ausgehen, dass sie eine geistliche Frau war, die sich Zeit für das Erforschen der göttlichen Gedanken nahm. Jedenfalls können wir aus den Berichten über Aquila und Priszilla schließen, dass sie nicht als Zeltmacherin arbeitete, um sich einen hohen Lebensstandard leisten zu können.

Die tüchtige Frau (Spr 31)

Zum Schluss schauen wir uns noch die tüchtige Frau an, über die wir manches in Sprüche 31 lesen. In den Versen 10–31 lernen wir eine Menge über ihre beruflichen Aktivitäten. Diese Aufzählung kann man sicher unterschiedlich gliedern und überschreiben. Eine uns einleuchtende Charakterisierung der Tätigkeiten dieser Frau ist:

  1. Sie war mit ihren Händen aktiv (V. 13).
  2. Sie hatte strategisches Denkvermögen (V. 14).
  3. Sie leistete ein großes zeitliches Pensum (V. 15).
  4. Sie war in der Lage, nicht nur mit den Händen, sondern auch mit dem Kopf zu arbeiten (V. 16).
  5. Sie hatte Ausdauer (V. 17).
  6. Sie wusste, was sie tat (V. 18).
  7. Sie ließ nicht nur andere arbeiten, sondern war auch selbst aktiv (V. 19).
  8. Sie war nicht nur für sich und ihre Familie tätig, sondern auch für Bedürftige (V. 20).
  9. Sie arbeitete vorausschauend (V. 21.25).
  10. Ihre Kleidung stimmte mit ihrem Stand überein (V. 22).
  11. Sie war sehr vielseitig in ihrer Tätigkeit (V. 23).
  12. Sie handelte ökonomisch klug (V. 24).
  13. Ihre Worte und ihr ganzes Benehmen waren angemessen (V. 26).
  14. Sie war fleißig (V. 27).
  15. Ihr Ehemann hatte Vertrauen zu ihr (V. 11).
  16. Ihrer Tätigkeit konnte man das Prädikat „gut“ zuordnen (V. 12).
  17. Sie lebte auf Augenhöhe mit ihrem Mann, der zu ihr passte (V. 23).
  18. Sie vernachlässigte ihre Kinder nicht, die ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter hatten (V. 28).
  19. Sie wurde als Person und in ihrer Arbeit geachtet (V. 29).
  20. Sie putzte sich äußerlich nicht heraus, war nicht durch äußeren Schmuck geprägt, sondern durch innere Werte (V. 10.30).
  21. Abschließend heißt es dann ausdrücklich, dass sie großen Lohn erhalten wird.

Man kann sich vermutlich keine größere und erfolgreichere Unternehmerin in der Bibel vorstellen als diese Frau. Zwar mag man einwenden, dass sie in der Zeit des Alten Testaments lebte, sicher auch in einem anderen Kulturkreis, als wir das in Deutschland oder der westlichen Welt gewohnt sind. Die Aufgaben, die diese Frau übernahm, waren schon zu der damaligen Zeit „Frauenarbeit“, auch wenn das in westlichen Ländern erst sehr viel später dazu gekommen ist. Dennoch darf man nicht übersehen, dass Gott diesen Bericht nicht nur Menschen aus diesem Kulturkreis gegeben hat, sondern uns allen. Zudem zeichnet sich diese Frau aus durch ihre Gottesfurcht, Hingabe und durch ihre Zeit, die sie für ihre Familie eingesetzt hat. Zugleich kann man ihr unternehmerisches Geschick nur bewundern.

Dennoch können wir diese Frau nicht pauschal zum Vorbild für alle gläubigen Frauen machen. Denn die meisten Frauen werden ein solches Arbeitspensum nicht schaffen können. Wenn Gott Kinder geschenkt hat, wird eine Frau so viele zusätzliche Aufgaben kaum bewältigen können, ohne dass etwas zu kurz kommt. Diese Frau hatte vermutlich eine Reihe von Bediensteten (vgl. V. 15). Ob sie überhaupt selbst gekocht, geputzt, gewaschen, gebügelt hat? Das ist wohl zu bezweifeln. Allerdings konnte sie überall Hand anlegen und mithelfen; sie überwachte alle diese Tätigkeiten. So heißt es, dass nicht einmal des Nachts das Licht ausging. So darf diese hingebungsvolle Frau zwar ein Ansporn für christliche Frauen sein, ein Ehemann sollte sie jedoch nicht zum Maßstab für seine Frau machen, erst recht nicht zum Prüfstein.

Schlussfolgerung

Das Wort Gottes untersagt der Frau an keiner Stelle, beruflich tätig zu sein. Wenn sie allerdings verheiratet ist und Kinder zu versorgen und zu betreuen hat, stellen der Ehemann und die Kinder sowie der Haushalt ihre erste Aufgabe dar.1 Dann gibt es noch viele Aufgaben in der örtlichen Gemeinde. Sie hat die Chance, Gastfreundschaft für Christen zu üben (vgl. Heb 13,2). Sie kann ältere gläubige Frauen besuchen und jüngeren Christinnen, die nicht lange verheiratet sind, eine geistliche Hilfe sein und ihnen ebenso in äußerlichen Dingen (wie Haushaltsführung, nicht zuletzt aber auch angemessenes Auftreten und Kleidung) Rat geben. Sie kann am Büchertisch und in der Kinderstunde mithelfen usw. 

Wenn eine Frau meint, darüber hinaus noch Zeit für eine berufliche Tätigkeit aufbringen zu können, spricht nichts dagegen, dass sie einer solchen Tätigkeit nachgeht. Entscheidend ist dabei, was für ein Beweggrund hinter dem Wunsch steht, einer beruflichen Tätigkeit nachgehen zu wollen. Will sie sich selbst verwirklichen, wäre das keine gute Motivation. Aber es mag andere Gründe geben, die anders zu beurteilen sind.

In jedem Fall sollte die Frau darauf achten, dass sie nicht auf Kosten ihrer wichtigsten Aufgaben einer beruflichen Tätigkeit nachgeht. Vor diesem Hintergrund können wir uns kaum vorstellen, dass eine Mutter von mehreren Kindern einem Beruf nachgeht, der außerhalb ihres Hauses liegt oder der über ihre ehelichen und familiären Aufgaben hinausgeht. Sie hat schon so mehr als genug zu tun.

Allerdings sollten wir bei diesem Punkt nicht dogmatisch werden. In manchen Ländern ist die Familie auf die Arbeit der Ehefrau und Mutter angewiesen, um leben zu können. Das mag in Ausnahmefällen auch in Deutschland der Fall sein. Hinzu kann kommen, dass eine Krankheit des Ehemanns und die damit verbundene geringe Erwerbsrente ein zusätzliches Einkommen der Ehefrau nötig macht.

Ausblick

Abschließend kann man vielleicht folgende praktische Ratschläge weitergeben:

  1. Junge Christinnen sollen einen Beruf erlernen; einen, an dem sie Freude haben. Sie wissen nicht, ob sie einmal heiraten und Kinder bekommen werden. Daher sollten sie nüchtern sein und eine Berufsausbildung absolvieren. Denn wir lesen im Neuen Testament, dass Frauen gearbeitet haben.
  2. Unverheiratete gläubige Frauen sind – wie Männer – dafür verantwortlich, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Sie sollten nicht meinen, dass andere für ihr Auskommen zu sorgen hätten.
  3. Verheiratete Frauen, die keine Kinder haben, werden gemeinsam mit ihrem Ehemann vor dem Herrn im Gebet entscheiden, ob sie (teilweise) arbeiten gehen sollten oder nicht. Das ist eine persönliche Glaubensentscheidung. Es ist sicher der vorzüglichere Weg, keiner bezahlten Arbeit nachzugehen, sondern sich um das Wohl der Gläubigen am Ort und darüber hinaus zu kümmern.
    Viele Frauen, welche die erste Ehezeit (ohne Kinder) keiner bezahlten Arbeit nachgegangen sind, bezeugen im Nachhinein oft den Segen dieser Zeit, ohne besondere Verantwortung den Gläubigen helfen und die Ehe und den Ehepartner genießen zu können. Gerade die Zeit in der Ehe, wenn noch keine Kinder da sind, ist nämlich die einzige Zeit, wo eine Frau nicht von morgens bis abends verantwortlich beschäftigt ist. Auch wenn Frauen, die sich für diesen Weg entscheiden, heute oft unter Druck kommen, wie sie sich diese „Auszeit“ nehmen könnten, lohnt es sich, diesen Weg einzuschlagen. Viele Generationen haben so zu ihrem persönlichen Segen und dem der Familie gehandelt. Und wir sehen in der Schrift, dass sich Familien und Ehepaare zusammen den Gläubigen zum Dienst verordnet haben (Aquila und Priszilla, das Haus des Stephanas, 1. Kor 16,15.19).
  4. Ehefrauen, die Kinder haben, sollten – wenn möglich – keiner beruflichen Tätigkeit außerhalb des Hauses nachgehen. Ihre erste Aufgabe ist es, sich um den Ehemann und die Kinder zu kümmern (Tit 2,4). Auch bei „knapper Kasse“ ist es nicht immer notwendig, ein zweites Einkommen zu erzielen. Es ist ernsthaft zu erwägen, ob die finanziellen Mittel nicht doch reichen, vielleicht indem der Lebensstandard angepasst wird. Wenn das nicht so ist, haben einsichtige Christen, denen der Herr mehr Vermögen anvertraut hat, sicher die Aufgabe, zu helfen.

Fußnoten

  • 1 Dass die Frau in Sprüche 31 dieser Verantwortung gerecht geworden ist, zeigen die lobenden Worte der Söhne und ihres Mannes.
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