Das Berufsleben des Christen
Biblische Grundsätze für das Berufsleben

Einführende Gedanken

Das Berufsleben des Christen

Arbeit – oder in aktueller Weise ausgedrückt: der Beruf – ist keine Erfindung des modernen Menschen. Schon der erste Mensch, Adam, erhielt von Gott die Anweisung zu arbeiten. In 1. Mose 1,28 lesen wir, dass Gott seinen Geschöpfen Adam und Eva den Auftrag gab: „Herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen!“

Der Mensch sollte also herrschen. Das kostete damals keine Anstrengung, denn es gab weder Sünde noch die Folgen des Sündenfalls. Gott hatte Adam und allen Männern als Folge des Sündenfalls Mühsal und Schweiß bei der Arbeit vorhergesagt (vgl. 1. Mo 3,17.19). In diesem Sinn unterschied sich die Arbeit von Adam und Eva von der Arbeit, die wir heute kennen. Wir können davon ausgehen, dass Adam und Eva Freude an diesem „Beruf“ hatten (vgl. 1. Mo 2,20), der nicht mit Mühe und Schweiß verbunden war. Es gab kein Mobbing, keine Leiden, keine Probleme.

Wir finden von Anfang an zwei verschiedene Arten von beruflichen Tätigkeiten:

Körperliche Arbeit und geistige Arbeit

In 1. Mose 2,15 lesen wir: „Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren.“ Diese Tätigkeit war praktische, handwerkliche, körperliche Arbeit. Mit anderen Worten: Adam und Eva sollten im Garten Eden mit ihren Händen arbeiten.

In 1. Mose 2,19.20 lesen wir dann: „Und Gott der HERR bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels, und er brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde; und wie irgend der Mensch ein lebendiges Wesen nennen würde, so sollte sein Name sein. Und der Mensch gab Namen allem Vieh und den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes.“ Diese Tätigkeit könnte man als eine Art von geistiger Arbeit bezeichnen.

Beide Arten von Arbeit gibt es bis heute. Während früher zweifellos die körperliche Arbeit überwog, liegt heute infolge der Automatisierung der Schwerpunkt auf der geistigen Arbeit. In vielen Bereichen ersetzen Maschinen und Computer die manuellen Tätigkeiten, so dass heute umso mehr qualifizierte Fachleute im Bereich der geistigen Tätigkeiten erforderlich sind.

Gleichwertigkeit der Arbeit

Geistige Arbeit wird heutzutage meist besser bezahlt und höher bewertet als körperliche Arbeit. Bewertet Gottes Wort geistige und körperliche Arbeit anders? Nein, eine solche Unterscheidung finden wir an keiner Stelle in der Bibel. Gottes Wort stellt beide Arten gleichberechtigt nebeneinander. Beispielsweise lesen wir nicht, dass König David solchen in seinem Volk, die eine geistige Arbeit verrichteten, eine höhere Wertschätzung entgegengebracht hätte als anderen, die körperlich arbeiteten. Im Gegenteil – unter seinen Helden finden wir diejenigen, die sich körperlich für ihn und sein Königreich eingesetzt haben (vgl. 2. Sam 23,8 ff.).

Daher sollten auch wir im Blick auf die Wertigkeit keine Unterschiede machen. Wer körperlich arbeitet, muss keine Minderwertigkeitskomplexe haben, weil er meint, er führe minderwertigere Arbeit aus. Menschen wiederum, die eine geistige und aus ihrer Sicht besonders anspruchsvolle Tätigkeit ausüben, sollten nicht meinen, dass dies Anlass ist, sich darauf etwas einzubilden.

Leider leben wir viel zu sehr mit der Überlegung, was andere Menschen von uns und unserer beruflichen Tätigkeit halten. Daher bewerten wir unsere Arbeit oft nach rein menschlichen Maßstäben. Stattdessen sollten wir unseren Beruf und unser ganzes Leben in dem Bewusstsein führen, dass Gott uns sieht und dass seine Beurteilung maßgebend ist. In Gottes Augen sind körperliche und geistige Arbeit gleich wertvoll. Selbst im Blick auf die geistlichen Gnadengaben werden praktische Hilfeleistungen ohne Abstand zu geistigen Aufgaben wie Regierungen (Steuerungen, Lenkungen) und Sprachengaben genannt, ja sogar vor ihnen (vgl. 1. Kor 12,28). Und wenn uns die Arbeit von Christen genannt wird, dann sind es gerade praktische Tätigkeiten (Zeltmacher, Apg 18,3; Kleiderproduktion, Apg 9,39), die genannt werden.

Auch die Höhe des Verdienstes zählt in Gottes Augen nicht. Weder ist geistige Arbeit „wertvoller“ als körperliche Arbeit noch ist besser bezahlte Arbeit „wertvoller“ als weniger gute bezahlte. In Gottes Augen zählt allein, wie treu wir die uns übertragenen Aufgaben ausführen. Darauf sollten wir unser Augenmerk richten, nicht auf die Art der Tätigkeit.

Dramatische Veränderungen durch den Sündenfall: Mühsal

Mit dem Sündenfall hat sich für den Menschen Entscheidendes verändert. Das lernen wir aus 1. Mose 3. Dort sagte Gott zu Adam: „Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und gegessen hast von dem Baum, von dem ich dir geboten und gesprochen habe: Du sollst nicht davon essen! – so sei der Erdboden verflucht um deinetwillen: Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens; und Dornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen. Im Schweiß deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zur Erde, denn von ihr bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren!“ (1. Mo 3,17–19). In Psalm 107,12 heißt es ähnlich: „So beugte er ihr Herz durch Mühsal.“ (Hervorhebungen hier und an weiteren Stellen durch den Autor).

Aus diesen Versen lernen wir, dass Arbeit seit dem Sündenfall des Menschen mit Mühe verbunden ist. Vorher war die Verwaltung des irdischen Erbes und das Herrschen über die Schöpfung eine sehr angenehme Tätigkeit für den Menschen. Seit dem Sündenfall aber ist Arbeit untrennbar mit Schweiß verbunden, das heißt mit Mühe und Beschwerden. Diese Konsequenz haben wir uns selbst zuzuschreiben, denn nicht Gott hat die Sünde in die Welt gebracht, sondern der Mensch.

Zugleich verbindet Gott mit diesem Fluch, der über uns Männer gekommen ist, den Hinweis darauf, dass der Mensch nicht unendlich leben würde, sondern sterben müsse: Er würde zur Erde zurückkehren. Aus der weiteren Geschichte, auch aus Hinweisen über die leidende Schöpfung (vgl. Röm 8,20 ff.), wissen wir, dass diese Folge des Sündenfalls bedeutet, dass der Mensch wie alles auf der Erde vergänglich ist und damit zunehmend degeneriert, also „verfällt“. Das heißt auch: Mit zunehmendem „Alter“ – davon war vor dem Sündenfall keine Rede – würde dem Menschen die Arbeit schwerer fallen, und am Ende seines Lebens würde er größere Mühe haben als zu Beginn, die an ihn gerichteten Anforderungen zu erfüllen. Trotz zunehmender Routine, Erfahrung und Reife, die es bei geistiger und zum Teil auch körperlicher Arbeit zweifellos gibt, bleibt dieser Grundsatz als Folge des Sündenfalls erhalten.

Arbeiten heißt dienen

Dass Arbeit mit zunehmendem Alter mit mehr Mühe verbunden ist als in der Jugend, entspricht unserer Lebenserfahrung. Wir neigen dazu, uns aufgrund der zunehmenden Mühen zu beklagen. Doch dazu gibt es keinen Anlass. Denn nicht Gott trägt die Verantwortung dafür, dass wir „mit Schweiß“, also unter hoher Belastung, Anstrengung und Stress, arbeiten müssen, sondern wir selbst. Daher sollten wir Schwierigkeiten in unserem Arbeitsleben auch nicht Gott zuschreiben. Persönlich mag es sein, dass wir für erlittenes Mobbing keine Verantwortung tragen. Sie ist eine Folge des Sündenfalls. Diesen hat der Mensch begangen, nicht Gott. Gleichwohl sollten wir sie aus seiner Hand annehmen. Er hat Anspruch darauf, dass wir uns in unserem Beruf einsetzen und gute Arbeit abliefern.

Von den Korinthern lesen wir, dass sie damals gerne schon geherrscht hätten (1. Kor 4,8.10.11). Der Apostel Paulus musste ihnen daher deutlich machen, dass die Zeit für das Herrschen noch nicht gekommen war. Gerade das Arbeitsleben sollte uns alle davor bewahren, hier zu einer falschen Gesinnung zu gelangen. Denn Arbeit ist letztlich ein Dienst, den wir für unseren Erhalt, für uns als Person, Ehepaar bzw. Familie, ausführen. Wir wirken „im Schweiß des Angesichts“, selbst wenn wir eine hohe Position bekleiden mögen. 

Für Christen in Führungspositionen besteht in der Tat die Gefahr, dass sie sich durch ihre Arbeit motivieren, eine herrschende Position einzunehmen – in unserer Gesellschaft und inmitten der Christen. Das steht im Gegensatz zu dem, was Gottes Wort uns lehrt. Es wird einmal die Zeit kommen, wo wir nicht mehr im heutigen Sinn in Mühsal zu arbeiten brauchen. Dann werden wir eine freudige und verwaltende, segensreiche Tätigkeit für die ganze Erde ausführen (vgl. Off 22,3), die dann nicht mehr unter dem Fluch stehen wird, der heute noch gilt (vgl. 1. Mo 3,17). Wir freuen uns auf diese Zeit, aber bis sie kommen wird, haben wir vonseiten Gottes den Auftrag, zu arbeiten.

Satan und die Arbeit

Wenn man über den Sündenfall nachdenkt, wird man nicht an dem Einfluss Satans in dieser Welt vorbeigehen können. Durch den Sündenfall hat sich der Mensch der List Satans gebeugt. Denn es ist dieser Feind des Menschen, der Eva vom Gehorsam gegenüber Gott abbrachte (1. Mo 3,1.4.5). Seit diesem Zeitpunkt ist der Mensch ein Sklave Satans, welcher der Gott dieser Welt ist (2. Kor 4,4). Er hat hier das Sagen, denn die Welt ist sein System (vgl. Mt 4,8; 1. Joh 5,19).

Die Unternehmen, in denen ein Christ arbeitet, bilden einen Teil dieser Welt. So dürfen wir uns nicht wundern, dass Satan und seine Prinzipien die Unternehmenswelt regieren. Weder die Welt noch die Unternehmen sind – moralisch betrachtet – neutral. Alles ist verdorben durch die Sünde und den Herrscher dieser Welt. Wer daher an seinem Arbeitsplatz Gutes erwartet, sollte sich bewusst sein, von wem er dieses Gute erhofft. Satan und seine Agenten werden dem Gläubigen nie Gutes anbieten. Denn er will uns allen schaden.

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