Das Berufsleben des Christen
Biblische Grundsätze für das Berufsleben

Warum arbeiten wir?

Das Berufsleben des Christen

Vielleicht überrascht die Frage nach dem Grund für unser Arbeiten. Denn wir wissen alle, dass wir Geld verdienen müssen, um auf dieser Erde leben zu können. Es geht aber jetzt nicht um die Frage nach menschlichen Überlegungen, die zum Erlernen eines Berufs führen. Man fragt sich vielmehr, was Gott zu dieser Frage sagt. Denn es ist immer gut, bei diesem Thema nach Gottes Willen zu fragen. Die Antworten werden nicht überraschen.

Gottes Auftrag

Gott hat dem Menschen den Auftrag gegeben, zu arbeiten. In 1. Mose 1,28 lesen wir: „Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen!“ Darüber hinaus „nahm Gott der HERR den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren“ (1. Mo 2,15).

Gott gab dem Menschen also schon vor dem Sündenfall den Auftrag, zu arbeiten. Dieser Auftrag ist zugleich ein Geschenk an den Menschen, denn Arbeiten ist ein Segen. Denn alles das, was Gott uns Menschen als Auftrag gegeben hat, ist zu unserem Nutzen. Gott hat bei allem, was Er anordnet, den Segen des Menschen im Auge.

Menschen sind nicht zum Müßiggang geschaffen. Daher hat Gott dem Menschen diese Arbeitsaufträge gegeben. Wir haben bereits gesehen, dass Arbeit vor dem Sündenfall noch nicht mit Mühe verbunden war. Dennoch handelte es sich um „Arbeit“, sogar im Sinn von bezahlter Arbeit, denn Adam bekam Lohn für seine Arbeit: Nahrung. Im engeren Sinn betrachtet bekam Adam diese Nahrung natürlich auch ohne diese Tätigkeit. Und doch ist es interessant, dass sowohl in 1. Mose 1,28 als auch in 1. Mose 2,15 auf den jeweiligen Auftrag Gottes, sich die übrigen Geschöpfe untertan zu machen bzw. den Garten zu bebauen, der Segen Gottes kommt: Nahrung.

Der Sündenfall änderte nichts an dem Auftrag zu arbeiten. Aber er machte ihn zu einem Gebot mit körperlichen Folgen: „Im Schweiß deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zur Erde“ (1. Mo 3,19). Diese Strafe Gottes bedeutet nichts anderes, als dass Gott Adam den Auftrag erteilte, weiter zu arbeiten. Doch von jetzt an würde diese Tätigkeit mit Mühsal und Schweiß verbunden sein.

Unter Gesetz wiederholt Gott den Auftrag, dass die Menschen arbeiten sollen. In 2. Mose 20,9 lesen wir: „Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk tun.“ Daraus erkennen wir, dass Gott seinen Auftrag, dass der Mensch arbeiten soll, nicht widerrufen hat, übrigens auch später nicht.

Dieser Vers ist nicht zuletzt deshalb von Interesse, weil im Grundtext (im Hebräischen) die Worte für „Werk“ und „Bote“ (Engel, Prophet) miteinander verwandt sind. Gott sendet seine Boten, die Engel, damit sie für Ihn tätig sind. Auch für uns Menschen hat Er – neben vielem anderen – eine Botschaft: sein Werk, das geschaffene Universum samt aller Lebewesen, auch der Menschen (vgl. 1. Mo 2,2.3). Es ist eine Erinnerung daran, dass Er der Schöpfer ist und dass wir selbst von diesem Schöpfer gemacht worden sind. Somit sind wir in allem, was wir tun, Ihm verantwortlich.

Dass der Mensch arbeitet, ja arbeiten muss, ist zudem eine Botschaft an den Menschen: Es erinnert ihn durch die dafür nötige Anstrengung daran, dass er ein Sünder ist. Denn ohne Sünde gäbe es diesen „Schweiß“ und diese „Mühsal“ nicht.

Das alles unterstreicht, dass Arbeit von Gott so gewollt und für uns Menschen wirklich ein Segen ist. Andererseits vermitteln wir unseren Mitmenschen durch das, was wir tun und wie wir es tun, ebenfalls eine Botschaft. Sie können an der Art und Weise unseres Arbeitens lesen, was wir denken. In jedem Fall wird unsere Lebenseinstellung in unserer Arbeitsausführung ein Stück weit sichtbar.

Belehrungen im Neuen Testament

Auch im Neuen Testament lesen wir davon, dass der Mensch arbeiten soll. Dies wird ausdrücklich Christen gesagt, damit diese nicht auf falsche Gedanken kommen. Der Glaube und die Erwartung des baldigen Wiederkommens Jesu Christi berechtigen niemand, seine Arbeit an den Nagel zu hängen. Sehr früh brachten Christen falsche Lehren unter die Gläubigen. Sie versuchten offenbar, die Thessalonicher vom Arbeiten abzuhalten. Anscheinend waren die Griechen und Mazedonier in der damaligen Zeit überhaupt sehr arbeitsscheu (vgl. Tit 1,12)1. Paulus musste sich den Korinthern daher selbst als Vorbild im Blick auf fleißige Arbeit nennen (vgl. 1. Kor 4,12).

Auch die Kreter werden als „faule Bäuche“ bezeichnet (Tit 1,12). Und in Athen brachten die Männer ihre Zeit mit nichts anderem zu, als zu reden und zu diskutieren (Apg 17,21). Daher schreibt der Apostel Paulus: „Wir ermahnen euch aber, Brüder, reichlicher zuzunehmen und euch zu beeifern, still zu sein und eure eigenen Geschäfte zu tun und mit euren eigenen Händen zu arbeiten, so wie wir euch geboten haben“ (1. Thes 4,10.11). Wenn die Aufforderung, zu arbeiten, den Christen zur Zeit des Apostels Paulus galt und im Wort Gottes niedergelegt worden ist, dann kann man mit Recht sagen: Auch heute gilt noch immer dieses Gebot, zu arbeiten.

Teilweise war es in der damaligen Zeit üblich, sich auf den Straßen aufzuhalten, zum Beispiel, um zu schwätzen (Apg 17,21; Tit 1,12). Diese Gewohnheiten sollten aber schon die ersten Christen ablegen.

Warnung vor unordentlichem Lebenswandel

So gilt bis heute der Auftrag Gottes, dass Menschen arbeiten sollen. Doch was ist mit solchen, die nicht arbeiten, obwohl sie es könnten? Die Heilige Schrift belehrt uns darüber: „Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben“ (2. Thes 3,11). Gott ist kein Gott der Unordnung, sondern des Friedens (1. Kor 14,33). Daher lesen wir im Brief an die Thessalonicher: „Wir gebieten euch aber, Brüder, im Namen des Herrn Jesus Christus, dass ihr euch zurückzieht von jedem Bruder, der unordentlich wandelt und nicht nach der Überlieferung, die er von uns empfangen hat“ (2. Thes 3,6).

Paulus hatte die Thessalonicher bereits während seines kurzen Aufenthalts von vermutlich nicht viel mehr als drei Wochen über diesen wichtigen Punkt belehrt (vgl. V. 10). Ein Christ sollte ordentlich leben und daher einer (geregelten) Arbeit nachgehen. Ein unordentlicher Lebenswandel dagegen steht im Widerspruch zum christlichen Bekenntnis.

Nun mag man einwenden, dass es Christen gibt, denen es finanziell so gut geht, dass sie nicht zu arbeiten brauchen, um für ihren Lebensunterhalt aufkommen zu können. Das ist aber im Blick auf einen „ordentlichen Lebenswandel“ nicht das Kriterium. Gott will, wie wir gesehen haben, dass Männer arbeiten, unabhängig von ihren finanziellen Verhältnissen. Wenn Er einem Christen Vermögen anvertraut hat, ist er allerdings dafür verantwortlich, dieses als guter Verwalter für die Interessen Gottes zu verwenden (vgl. 1. Kor 7,31).

Für den eigenen Lebensunterhalt sorgen

Wir haben nicht nur den Auftrag Gottes, zu arbeiten. Gott fordert uns dazu auf, für unseren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Um das zu untermauern, wenden wir uns erneut den Thessalonicherbriefen zu, die für unsere Thematik einen reichen Schatz an Belehrungen darstellen. In 2. Thessalonicher 3,12 lesen wir: „Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie in dem Herrn Jesus Christus, dass sie, in der Stille arbeitend, ihr eigenes Brot essen.“

Paulus spricht in diesem Vers von einem Mann, der vermutlich durch falsche Belehrungen und alte Gewohnheiten („Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen“, 2. Thes 3,10) zum Schluss gekommen war, er müsse nicht mehr arbeiten. Dieser Überzeugung widerspricht der Apostel mit deutlichen Worten und ermahnt diesen Menschen, sich erneut um eine Arbeitsstelle zu bemühen. Wir sollen uns nicht von anderen Menschen abhängig machen, sondern selbst für unseren Lebensunterhalt aufkommen. Wir sollen, soviel an uns ist, dafür sorgen, dass wir selbst in der Lage sind, unser Leben zu bestreiten.

Es mag in unserer Gesellschaft Menschen geben, die sich über Arbeitslosengeld (Hartz IV) oder andere Einnahmequellen versorgen lassen (möchten). Gottes Weg für den Christen aber ist ein anderer. Er erwartet von uns, dass wir arbeiten.

Warnung vor der Verweigerung der Arbeit

Auch seinem Kind im Glauben, seinem persönlichen Freund Timotheus, schreibt Paulus: „Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger“ (1. Tim 5,8). Natürlich könnte eine solche Versorgung auch mithilfe eines komfortablen Bankkontos erfolgen. Und das Verwenden eines solchen für diesen Zweck braucht man nicht auszuschließen. Im Zusammenhang mit unserem Thema aber geht es darum: Wenn ein Christ nicht arbeiten will, handelt er in den Augen Gottes schlimmer als unbekehrte Menschen, von denen wir in unserer Gesellschaft umgeben sind. Denn wenn man arbeiten soll, um Bedürftigen etwas geben zu können (vgl. Eph 4,28), dann kommt die eigene Familie zweifellos vor anderen Bedürftigen. Selbst Ungläubige sorgen in der Regel für sich und ihre Familienangehörigen. Gott erwartet von uns, dass wir für unsere Familien sorgen. Gerade im täglichen Leben sollten wir Vorbilder sein, nicht nur für andere Gläubige, sondern besonders für Ungläubige.

Gott weiß genau, ob jemand wirklich krank ist und deshalb nicht arbeiten kann, ob jemand auch nach intensiven Bemühungen arbeitslos geblieben ist und ob jemand auch trotz fleißiger Arbeit seine Stelle verloren hat. Um solche Personen geht es hier nicht. Allerdings gibt es leider Menschen, welche die Freizügigkeit von Ärzten, manchmal relativ schnell einen Krankenschein auszustellen oder sogar eine länger- bzw. langfristige Krankschreibung (Verrentung) zu bewirken, ausnutzen. Gott sieht das, was Menschen nicht erkennen können. Gott sieht genau, was wir tun und was wir innerlich bezwecken. Gerade ungläubige Menschen haben zudem oft ein feines Empfinden, ob sich ein Christ vor Arbeit drückt oder ernsthaft krank ist bzw. trotz Anstrengungen keine Arbeit findet. Das zeigt die Erfahrung.  

Fußnoten

  • 1 Interessant ist auch, dass der Apostel Paulus in Thessalonich das Thema Arbeitspflicht schon bei seinem ersten Besuch angesprochen hat. Obwohl er dort vermutlich nur drei Wochen im Dienst für den Herrn arbeiten konnte (vgl. Apg 17,2), wies er auf dieses Problem hin (vgl. 2. Thes 3,10).
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