Das Berufsleben des Christen
Biblische Grundsätze für das Berufsleben

Was für eine Arbeit sollte ein Christ tun?

Das Berufsleben des Christen

Junge Menschen stehen vor der Entscheidung, was für einen Beruf sie ergreifen sollen. Rückblickend werden viele Berufstätige sagen: „Natürlich, dieser Beruf, den ich jetzt ausübe, ist der einzige Beruf, der zu mir passt. Einen anderen Beruf kann ich mir kaum vorstellen.“ Die meisten, die heute so reden, waren vor ihrer Entscheidung ebenfalls unsicher und fragten sich: „Welchen Beruf soll ich nur ergreifen?“

Allerdings gibt es auch unter Christen manche, die nach etlichen Berufsjahren sagen: „Ich musste diesen Beruf erlernen und ausüben, obwohl er mir bis heute keine Freude bereitet.“ Vielleicht wurde man von seinen Eltern zu diesem Beruf gedrängt, vielleicht machten die Umstände eine andere Ausbildung unmöglich. Eines ist klar: Wenn wir dauerhaft keine Freude an unserem Beruf haben, wird sich das auf unsere Stimmung und unser Verhalten auswirken. Daher ist es wichtig, für sich selbst Frieden zu finden, selbst wenn man nicht den „optimalen“ Beruf ergreifen konnte.

Jüngeren Christen, die sich noch mit der Frage beschäftigen, was für einen Beruf sie erlernen sollen, geben wir im Folgenden einige Leitlinien an die Hand, die dabei helfen sollen, den Weg zu finden, den der Herr ganz persönlich mit einem gehen möchte. Eins ist aber ganz klar: Es gibt kein Schema F, das man anwenden kann.

Junge Menschen sollten nicht vergessen: Viele ihrer Väter, in jedem Fall ihre Großväter, hatten nicht die Freiheit, ihren Beruf selbst zu bestimmen. Hier entschieden die Eltern, das zur Verfügung stehende Geld und die in der Nähe vorhandenen Ausbildungsstätten über den Beruf des jungen Menschen. Oft wurden sie bereits mit 14 Jahren in einen Beruf „geschickt“. In dieser Hinsicht hat es die heutige Generation besser. Ob das immer zu besseren Entscheidungen und Ergebnissen führt, steht auf einem anderen Blatt.

Bevor wir weitere Einzelheiten besprechen, sei noch einmal deutlich gesagt, was unsere eigentliche und ständige Arbeit, Berufung, ist und sein sollte: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, was euer vernünftiger Dienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist“ (Röm 12,1.2).

Gebet

Auch wenn dieser Hinweis dem einen oder anderen etwas banal erscheinen mag: Alles fängt mit Gebet an. Das ist nicht banal, sondern lebensnotwendig.

Das Gebet ist ein Hilfsmittel, das Gott uns zur Verfügung gestellt hat und das wir in unserem ganzen Leben anwenden können. Das Gebet ist wichtig für jede Frage, die uns bedrängt, und für jede Not im täglichen Leben. Somit übernimmt das Gebet bei der Entscheidung, welchen Beruf wir ergreifen wollen, eine wichtige Rolle.

Im Gebet bitten wir Gott, unseren Vater, von dem jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt (Jak 1,17), dass Er uns den Beruf zeigt, für den wir begabt sind und der daher unseren Fähigkeiten und unserem Wesen entspricht. Mit dem Beten sollten wir nicht erst dann beginnen, wenn wir eine Bewerbung schreiben. Ein Jugendlicher sollte dieses Anliegen immer wieder vor seinen Herrn bringen.

Die Bedeutung und die Wichtigkeit des persönlichen Gebets kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wenn wir bedenken, dass wir gerade im Lukasevangelium immer wieder lesen, dass unser Herr Jesus Christus zu Gott, seinem Vater, betet (insgesamt 14 Mal), zeigt uns dies, wie wichtig das persönliche Gebet ist. Daher möchten wir jungen Menschen nur empfehlen, diese gewaltigen Hilfsquellen Gottes gerade im Blick auf ihre berufliche Entscheidung intensiv zu nutzen.

Das Wort Gottes

Wenn das Gebet erwähnt wird, darf das Wort Gottes nicht fehlen. Vielleicht fragt sich der eine oder andere: „Wofür brauchen wir im Blick auf die Berufswahl das Wort Gottes? Die Berufswahl ist doch etwas ganz Persönliches, so dass uns das Wort Gottes, in dem wir Grundsätze finden, doch gar keine konkrete Hilfestellung geben kann.“ Das ist wahr. Das Wort Gottes zeigt nicht, dass man zum Beispiel den Beruf eines „Bankkaufmanns“ ergreifen soll. Diesen Beruf gibt es nämlich so nicht in der Schrift. In dieser Hinsicht nennt uns Gottes Wort also in aller Regel nicht den Beruf, den wir erlernen sollen.

Und doch ist dies im Einzelfall möglich. Wenn wir beispielsweise unser tägliches Leben mehr mit unserem Herrn Jesus führten, würden wir Ihn mehr nach konkreten Hilfestellungen fragen. Dann gingen wir zum Beispiel in das Zusammenkommen zur Auferbauung der Gemeinde, wo wir uns im Namen des Herrn Jesus versammeln (vgl. 1. Kor 14), mit dem Gebet: „Herr Jesus, gib mir im Blick auf eine Berufswahl bitte einen konkreten Hinweis.“

Das Wort in den christlichen Zusammenkünften

Unser Herr wird dieses Gebet sicher nicht sofort beim ersten Mal oder auch überhaupt konkret beantworten. Er hat uns ohnehin die christliche Freiheit geschenkt. Wir sollten nicht denken, dass unser Leben in eine falsche Richtung läuft, wenn wir den (scheinbar) einen Beruf, den der Herr für uns „bestimmt“ hat, nicht erkennen und ergreifen. Das wäre eine falsche Vorstellung von göttlicher Führung in unserem Leben.

Aber was wäre, wenn Gott es gerade in einem christlichen Zusammenkommen nach diesem Gebet so führte, dass über den Arzt Lukas gesprochen wird (und du denkst im Moment über den Arztberuf nach), über eine Krankenschwester in einem Krankenhaus (2. Kön 15,5; genau das ist es, was dich in letzter Zeit beschäftigt hat), einen Bankkaufmann (vgl. Mt 25,27; dieser Beruf wurde dir vom Arbeitsamt empfohlen), über einen Zimmermann (Mk 6,3; du hast deinem Vater sowieso gerne beim Handwerken geholfen) oder über …? Ist Gott denn nicht so, dass Er uns nicht auch auf solch direkte Art und Weise Antworten geben kann?

Das Wort Gottes hat noch eine zusätzliche Bedeutung im Blick auf die Berufswahl: Denn das konkrete und intensive Lesen des Wortes Gottes prägt uns. Es macht uns mit den göttlichen Gedanken vertraut. Dadurch leben wir in der Nähe unseres himmlischen Vaters. Wenn wir das mehr täten, entschieden wir mehr so, wie der Herr Jesus es getan hat und auch heute noch tun würde.

Unsere Kinder wissen dadurch, dass sie uns täglich hören, erleben und mit uns reden, was wir denken. Vielfach brauchen sie daher keinen konkreten Hinweis im Blick auf eine bestimmte Situation. Sie entscheiden, wie wir entscheiden würden, weil sie uns Eltern kennen. Wir sind Kinder Gottes. Wenn wir mit den Gedanken Gottes, so wie Er sie in seinem Wort niedergelegt hat, mehr vertraut wären, brauchten wir oftmals weniger konkrete Handlungsanweisungen.

Persönliche Fähigkeiten

Aus Matthäus 25,15 lernen wir, dass der Herr Jesus den Seinen geistliche Gaben überträgt, die zu ihren persönlichen Fähigkeiten passen: „Und einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen eins, jedem nach seiner eigenen Fähigkeit.“ Gott übergeht nicht unsere persönlichen Fähigkeiten, wenn es um die geistlichen Aufgaben geht. Unsere persönliche Fähigkeit ist allerdings nicht die geistliche Begabung, und doch passen sie zueinander. Beides kommt von Gott.

Wenn unser Herr uns also geistliche Aufgaben in Übereinstimmung mit unseren natürlichen Fähigkeiten schenkt, dann liegt es nahe, diesen Grundsatz auch auf „irdische“, berufliche Aufgaben zu beziehen. Wenn jemand sehr gut erklären kann, liegt es sicher nahe, an einen lehrenden Beruf zu denken (Lehramt). Wenn jemand eine besondere Befähigung im Umgang mit kleinen Kindern hat, könnte er an einen Beruf denken, bei dem er mit Kindern zu tun hat. Wenn jemand schon als Kind und Jugendlicher in der Lage war, sein Fahrrad oder sonstige Fahrzeuge oder Computer auseinanderzunehmen und schnell wieder zusammenzubauen, liegt sicherlich ein Beruf wie der des Kfz-Mechanikers usw. nahe. So könnte man fortfahren.

Gott führt uns in aller Regel keinen Weg, auf dem wir uns besonders unwohl fühlen. Genauso wie Er möchte, dass wir bei geistlichen Aufgaben Freude empfinden, so ist das auch sein Wunsch im Blick auf unseren irdischen Beruf. Sicher ist nicht jedem Freude an seiner Arbeit vergönnt, gerade in einer Zeit, in der die Anforderungen und der Druck nahezu jährlich zunehmen. Dennoch können wir uns kaum vorstellen, dass man insgesamt ein ausgeglichenes Leben führen kann, wenn man jeden Morgen, und das über Jahre hinweg, auf dem Weg zur Arbeit ständig starke Abneigung oder sogar Angst empfindet. Aber es mag Fälle geben, wo es so ist. Die Betroffenen benötigen Gottes überreichliche Gnade ganz besonders.

Gott sei Dank, Er führt uns im Allgemeinen keinen Berufsweg, bei dem wir morgens aufwachen und mit Grauen an die Arbeitsstelle denken müssen. Er liebt uns und will jeden von uns segnen. Wenn wir eine Arbeitssituation nicht als Segen empfinden, wollen wir dennoch bereit sein, seine Wege mit uns anzunehmen. Wenn Er uns dann allerdings eine berufliche Alternative zeigt, dürfen wir diese dankbar annehmen.

Eltern

Gott hat den meisten jungen Menschen nicht umsonst Eltern „geschenkt“. Kinder meinen oft, dass sie die aktuellen Herausforderungen besser beurteilen können als ihre Eltern: „Die sind doch gar nicht up to date und können nicht beurteilen, was gut für uns ist.“ Wir Eltern wissen, wovon wir sprechen, denn wir alle waren einmal Kinder und haben die gleichen oder ähnliche Gedanken gehabt. Gott hat Kindern ihre Eltern als Autorität und Vertrauenspersonen gegeben. Junge Menschen wären daher töricht, wenn sie sich an diese „Hilfsquellen“ nicht zu ihrem Nutzen wenden würden. Diese Hilfe muss man nicht auf Eltern beschränken.

Es gibt auch andere, vor allem ältere Personen, die einen jungen Menschen gut kennen. Das mag ein Verwandter sein, es können aber genauso gut andere gläubige Christen sein (die meist einige Jahre älter sind als der junge Mensch). Gott hat uns gerade auch deshalb mit anderen Christen zusammengestellt, damit wir uns gegenseitig eine Hilfe sein können. Wir denken jetzt an die biblische Wahrheit über den einen Leib, die eine Versammlung (Gemeinde, Kirche) Gottes. Christen, die wir regelmäßig treffen, kennen unsere Fähigkeiten, aber auch unsere Schwächen. Hilfestellungen von ihnen sollten wir grundsätzlich als ein Geschenk Gottes annehmen. Fassen wir doch einen Hinweis auf unsere Schwächen nicht immer sofort als negative Kritik auf, sondern nutzen wir ihn, um uns einer solchen Herausforderung zu stellen, indem wir an uns arbeiten.

Der Blick von außen gibt uns eine gute Hilfe und Einschätzung über die eigenen Fähigkeiten. Oft schreibt man sich selbst Fähigkeiten zu, die eher einem Wunschdenken entsprechen. Da ist es gut, wenn einen andere auf ihre Sicht der Dinge hinweisen. Das gilt nicht nur im Blick auf die Berufswahl. Aber gerade dort ist es für junge Menschen eine echte Hilfe. Daher raten wir jungen Menschen, diese Hinweise dankbar anzunehmen.

Weise Ratgeber

„Der Rat Ahitophels aber, den er in jenen Tagen gab, war, wie wenn man das Wort Gottes befragte; so war der Rat Ahitophels, sowohl für David als auch für Absalom“ (2. Sam 16,23). Es ist wahr, dass das Ende Ahitophels furchtbar war. Er wurde zu einem Verräter. Wir wissen nicht, was für Interessen dieser Mann verfolgte, als er zum obersten Berater Davids wurde. Darum geht es uns hier nicht. Jedenfalls zeigt uns sein Beispiel, wie wichtig es ist, den richtigen Ratgeber zu haben.

Wenn wir jemand um Rat fragen, dem nichts wichtiger ist als die berufliche Karriere, brauchen wir uns über seine Antwort nicht zu wundern. Er wird uns wahrscheinlich für einen Beruf begeistern wollen, in dem wir Karriere machen können. Dass unser geistliches Leben auf der Strecke bleiben könnte, wenn wir ein solches Ziel verfolgen, sollte uns rechtzeitig klar sein. Junge Menschen sollten sich daher die richtigen Ratgeber suchen, deren Leben durch geistliche Kraft und Entschiedenheit geprägt ist. Jedenfalls war Ahitophel, solange er bei David war und dieser Gottes Pläne über alles stellte, ein von Gott gegebener Ratgeber. Solche Personen stellt Gott uns allen in den Weg.

„Und Joas tat, was recht war in den Augen des HERRN, solange der Priester Jojada ihn unterwies“ (2. Kön 12,3). Hier finden wir einen sehr jungen König, der durch den Hohenpriester beraten und unterwiesen wurde. Wenn wir den Priesterdienst unter anderem als einen Hinweis auf ein intensives Gebetsleben verstehen wollen, dann wurde Joas durch einen Beter beraten, der in der Gegenwart Gottes lebte. Kann es für uns heute bessere Ratgeber geben als solche, die ein intensives Gebetsleben mit ihrem Herrn Jesus Christus und mit Gott, ihrem Vater, führen? Gerade die Beziehung von Jojada zu Joas zeigt, dass geistliche Ratschläge nicht nur etwas für das geistliche, sondern auch für das irdische Leben sind.

Schlechte Ratgeber

„Auch er [Ahasja] wandelte auf den Wegen des Hauses Ahabs; denn seine Mutter war seine Ratgeberin zum gottlosen Handeln“ (2. Chr 22,3). Das Beispiel Ahasjas zeigt uns, wie wichtig es ist, den richtigen Ratgeber zu haben. Denn sein Ratgeber war Athalja, die Tochter Omris, die Schwester Ahabs. Jeder wusste, dass von ihr nur ein gottloser Rat zu erwarten war. Wer einen solchen Menschen zu seinem Vertrauten macht, darf sich über Ratschläge, die von dem Herrn Jesus wegführen, nicht wundern. Man kann daher nur davor warnen, sich die falschen Ratgeber zu suchen.

Gottlose Eltern oder Eltern, die nicht zuerst nach dem Reich Gottes trachten, werden immer Ratschläge erteilen, die man ganz besonders an Gottes Wort prüfen muss. Dennoch bleiben sie Eltern und besitzen damit Autorität über ihre Kinder. Hier ist für Kinder, die an den Herrn Jesus glauben, viel Weisheit nötig, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Viele junge Menschen und Kinder, die dieses Buch lesen, sind Christen, die ihr Leben für ihren Retter und Herrn, Jesus Christus, führen wollen. Sie haben Eltern, die ebenfalls Christen sind. Seid sehr vorsichtig, euren Eltern falsche Motive zu unterstellen. Akzeptiert, dass eure Eltern euer Gutes wollen, auch wenn ihr selbst das (noch) nicht erkennen könnt.

Der Rat der Eltern

Einige Bibelstellen mögen das unterstreichen: „Mein Sohn, lass sie [die Belehrungen und Gebote der Eltern, Vers 1] nicht von deinen Augen weichen, bewahre klugen Rat und Besonnenheit“ (Spr 3,21). Kinder werden also von Gottes Wort direkt aufgefordert, die Belehrungen der Eltern, die auch für ältere Kinder geboten sind, als klugen Rat und mit Besonnenheit im Blick auf eigene Entscheidungen anzuerkennen.

Eltern haben weitaus mehr Lebenserfahrung als Kinder. Je älter man wird, desto mehr wird einem das bewusst. Gerade in dem Moment, wenn Gott die Eltern wegnimmt, die dann oft schon Großeltern sind, wird einem das schmerzlich bewusst. Besser wäre es, wenn wir diese Erkenntnis frühzeitig bekämen und entsprechend handelten.

Weisheit der Eltern

Gleichwohl müssen wir als Eltern sehr umsichtig sein, wenn wir unseren (älteren) Kindern Rat erteilen wollen. Sehr leicht geraten wir in die Gefahr, unsere eigenen Vorstellungen und Träume bei unseren Kindern verwirklicht sehen zu wollen, anstatt an die Interessen unserer Kinder und an ihre Stärken und Schwächen zu denken. Haben wir schon einmal daran gedacht, dass wir unsere Kinder vielleicht unter einen falschen Druck setzen oder sie sogar auf einen Irrweg schicken?

Unsere Kinder sollen nicht unseren Weg gehen, sondern den Weg, der gut für sie ist. In dem Buch der Weisheit, den Sprüchen, lesen wir: „Erziehe den Knaben [oder jungen Mann] seinem Weg entsprechend; er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt ist“ (Spr 22,6). Wenn wir das Interesse unserer Kinder (und ihre Fähigkeiten) vor Augen haben und für sie einen Weg suchen, der Gott verherrlicht, wird das immer zum Segen der Kinder sein. Und wenn wir ihnen einen solchen Weg glaubhaft vermitteln, werden sie nicht davon weichen, auch wenn sie ihre Füße nicht mehr unter unseren Esstisch stellen.

Das heißt nicht, dass die Eltern per se für die Wege ihrer (erwachsenen oder erwachsen werdenden) Kinder die Verantwortung tragen. Denn jeder Mensch ist selbst verantwortlich, sich zu bekehren und einen Weg mit dem Herrn Jesus zu gehen. Gott hat dem Menschen einen Willen gegeben – auch jungen Menschen. Wenn sie nicht wollen, können auch Eltern nichts (mehr) ausrichten.

Der Beruf des Vaters

In biblischen Zeiten prägte der Beruf des Vaters oft die Kinder (Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Jesus Christus usw.). Das ist auch heute nicht verkehrt, aber es ist nicht zwingend. Vor allen Dingen Väter sollten vorsichtig sein, ihre Kinder in „ihr Berufsfeld“ hineinzudrängen. Gerade das kann für Kinder eine echte Belastung werden, wenn sie ganz andere Begabungen von Gott erhalten haben und sich dann zeitweise oder dauerhaft in einem Beruf quälen müssen, den sie persönlich nicht erlernen wollten.

Die Überlegung müssen ganz besonders solche Väter berücksichtigen, die sich für eine Selbstständigkeit entschieden haben. Oftmals wünschen sie – und das kann man gut verstehen –, dass eines ihrer Kinder ihr Unternehmen fortführt. Was aber, wenn keines der Kinder über eine entsprechende Begabung verfügt, um ein Unternehmen leiten zu können? Wenn keines die dafür notwendige Energie besitzt oder ein entsprechendes zeitliches Engagement leisten will, das fast immer mit der Selbstständigkeit verbunden ist? Dann sollten Eltern ihre Kinder nicht drängen.

Kinder sollten nicht einfach um der Eltern willen diesen Beruf erlernen oder die Firma übernehmen. Sie machen sich damit oft nur unglücklich. Es gibt ausreichend Beispiele dafür, dass Familienunternehmen deshalb zugrunde gingen, weil der Vater und Geschäftsführer darauf bestand, dass der Sohn oder die Tochter das Unternehmen weiterführte. Christen sollten Vorbilder sein, dass sie ihren erwachsenen Kindern die Freiheit einer selbstständigen Entscheidung lassen. Jedenfalls lesen wir nichts davon, dass die Eltern im Alten oder Neuen Testament bestimmten, was für einen Beruf ihr Sohn lernen sollte. Wie immer sollten wir heute eine solche Entscheidung in Gemeinschaft mit unserem Herrn treffen.

Sicher muss man hier auch eine zweite Seite sehen. Es gibt junge Menschen aus sogenannten Unternehmerfamilien, die sich aus Bequemlichkeit oder aus anderen ungesunden Motiven heraus verweigern, das „Erbe der Eltern“ zu übernehmen. In alttestamentlicher Zeit war das Erbe mit einem besonderen Segen und einer klaren Verantwortung vonseiten Gottes verbunden. Denken wir jedoch an Nabot, der von Ahab und Isebel wegen seiner Standhaftigkeit im Blick auf das väterliche Erbe umgebracht wurde. Er verweist in seiner Antwort an Ahab nicht auf Gott, sondern auf seine Väter: „Das lasse der HERR fern von mir sein, dass ich dir das Erbe meiner Väter geben sollte“ (1. Kön 21,3). Und das war eine gute Einstellung.

In diesem Sinn sollten sich Kinder von gläubigen Unternehmern überlegen – falls sie eine gewisse Begabung im Berufsfeld des Vaters haben –, ob und inwieweit sie nicht die Verantwortung haben (und schultern können), dieses Erbe weiterzuführen. Auch der Herr Jesus übernahm den Beruf seines Vaters: Auch Er wurde Zimmermann.

Wie gesagt, hier gibt es keine feste Lösung; die Entscheidung muss unter Gebet und möglichst von Eltern und Kindern gemeinsam gefällt werden. Eltern sollten in dieser Angelegenheit keinen falschen Druck auf Kinder ausüben.

Äußere Umstände

Auch äußere Umstände können junge Menschen bei der Berufswahl in die richtige Richtung leiten. Dabei sollte man das Wort „können“ dick unterstreichen. Man denke nur an Mose. War die Situation in Ägypten nicht geradezu darauf ausgerichtet, dass er in den königlichen Staatsdienst eintreten sollte, um Erleichterungen für sein Volk zu bewirken? Gottes Weg war ein anderer. Und trotz der scheinbar günstigen Lage erkannte Mose sehr deutlich, dass es für ihn darum ging, mit dem Volk Gottes Schmach zu leiden (vgl. Heb 11,25).

Heute ist es üblich, dass junge Menschen ein oder zwei Schulpraktika absolvieren. Auch da ist die Auswahl nicht immer unendlich groß. Wenn man hier jedoch in einen Beruf hineinschnuppern konnte, der einem Freude bereitet und der zu den persönlichen Fähigkeiten passt, dann kann man dies als einen positiven Hinweis verstehen. Gott macht uns im täglichen Leben deutlich, was seine Gedanken für uns sind. So darf ein junger Mensch daraus durchaus ableiten, dass dieses Berufsfeld für die berufliche Zukunft infrage kommt und Gottes Segen ihn dort begleiten wird. Das wird sicher nur dann der Fall sein, wenn sonst nichts aus biblischer Sicht dagegen spricht.

Fügung Gottes

Manchmal sind es nicht die persönlichen Pläne eines jungen Menschen, die ihn auf einen bestimmten Berufsweg führen. Wie war es bei Daniel? Gott hatte zugelassen, dass er mit anderen jungen Menschen nach Babel verschleppt worden war. Er konnte sich gar nicht dagegen wehren, die dortige Ausbildung zu einem Staatsmann zu erhalten. Als man seine außergewöhnlichen Fähigkeiten erkannte, brachte man ihn an eine entsprechende Stelle. Er selbst hatte sich nicht danach gedrängt. Das war Gottes Fügung. So konnte er seinen späteren Berufsweg aus Gottes Hand annehmen.

So geht es uns manchmal im beruflichen Umfeld. Vielleicht hat man einmal eine Ausbildung gemacht, die in eine ganz andere Richtung ging als das, was man heute tatsächlich ausübt. Manchmal kann man bestimmten Umständen gar nicht aus dem Weg gehen. Wenn zum Beispiel eine Abteilung geschlossen wird und man in einer anderen Abteilung eingesetzt wird, muss und kann man das hinnehmen. Auch junge Menschen, die auf der Suche nach einem Beruf sind, werden manchmal durch die Umstände in eine bestimmte Richtung gelenkt: Da wird ihnen eine bestimmte Ausbildungsstelle angeboten, ohne dass sie sich selbst beworben hätten. Vielleicht hatten sie noch nicht einmal an diesen Beruf gedacht. Wenn diese Arbeit nicht vollkommen aus der Luft gegriffen erscheint oder andere Erwägungen dagegen sprechen, darf man dies als Fügung Gottes annehmen. So benutzt Gott in dieser Weise natürlich auch äußere Umstände.

Innerer Frieden

Gott führt uns nie einen Weg, bei dem wir innerlich nicht ruhig werden können. Wir sollten uns nie auf eine Entscheidung einlassen, bei der unser Gewissen unruhig ist. Gerade dann, wenn wir unter einen zeitlichen Druck kommen, innerlich aber keinen Frieden haben, sollten wir sehr vorsichtig sein, Ja zu sagen.

Hektik ist nie ein guter Ratgeber. Manchmal können wir einem gewissen Zeitdruck allerdings nicht ausweichen, weil sich mehrere Bewerber auf eine Stelle beworben haben und der Arbeitgeber diese Stelle nicht endlos offenhalten kann, bis wir uns endlich entschieden haben. Dennoch sollten wir die Frage nach dem inneren Frieden nicht unterdrücken. Der Apostel Paulus schrieb den Christen in Rom: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben“ (Röm 15,13). Und an die Christen in Kolossä schrieb er: „Der Friede des Christus regiere in euren Herzen“ (Kol 3,15). Wenn Christus nicht mehr regieren kann, wenn sein Friede uns nicht mehr erfüllt, dann sollten wir eine entsprechende Entscheidung nicht treffen, sondern überdenken.

Christliche Freiheit

Niemand sollte meinen, Gott habe genau einen einzigen Beruf und genau einen einzigen Arbeitgeber für ihn vorgesehen. Und wenn er nun auf der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen dieses Berufsfeld, diesen Beruf und diesen Arbeitgeber nicht findet, dann habe er die falschen Weichen gestellt. Dieser Gedanke wird manchmal auf die Ehepartnerwahl bezogen, manchmal auch auf die Berufswahl. Beide Bezüge sind aus unserer Sicht gefährlich und führen oft dazu, dass man unglücklich wird.

Den Christen in Galatien schrieb der Apostel Paulus: „Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder; nur gebraucht nicht die Freiheit zu einem Anlass für das Fleisch“ (Gal 5,13). Gott gibt den Seinen einen Weg der Freiheit. Diese Freiheit sollten wir dafür benutzen, Gott in unserem Leben zu verherrlichen. Wir sollten immer fragen: „Was willst Du, dass wir tun sollen?“ Aber Gott ruft uns nicht zu, ob wir bei Bäcker A oder Krankenhaus B arbeiten sollen. Manchmal macht Er das ganz deutlich, manchmal aber auch nicht. Er stellt uns nicht unter ein Gesetz, sondern hat uns zur Freiheit berufen. Wenn wir diese Freiheit zu seiner Ehre einsetzen, sind wir auf einem guten Weg.

Heißt das, dass es egal ist, welchen Beruf ich mir aussuche? Sicherlich nicht. Wir sollen Gott im Gebet bewusst bitten, uns seinen Weg zu zeigen. Dadurch wird Er deutlich machen, in welche Richtung Er mich persönlich führen möchte. Auch die anderen in diesem Kapitel genannten Kriterien machen deutlich, dass Gott bestimmte Mittel benutzt, um uns seine Gedanken verständlich zu machen. Aber genauso wie ein Vater Freude hat, wenn sein Kind mit ihm spielt – und ihm kommt es nicht darauf an, ob es Fußball oder Volleyball, Joggen oder „Mensch ärgere dich nicht“ ist –, und keine konkrete Bestimmung vornimmt, so führt uns Gott in einer solchen Weise, dass Er uns einen Rahmen gibt, innerhalb dessen wir uns bewegen können. Wir leben eben nicht unter Gesetz.

Arbeitszeiten

Ein junger Christ, der seine ersten Schritte im Berufsleben macht – vielleicht auch nach einem Studium –, wird nicht versuchen, eine Stelle zu bekommen, bei der er möglichst wenig arbeiten muss. Denn wir dürfen eine Arbeitsstelle annehmen, die uns eine interessante Tätigkeit verspricht.

Allerdings sollte sich jeder Christ, wenn er eine neue Stelle antreten möchte, die Frage stellen, wie die allgemeinen Arbeitszeiten dort sind. Es ist nicht Gottes Wille, dass unsere Arbeit unser gesamtes Leben auffrisst. Es gibt Perioden, in denen das nicht vermeidbar ist. Im Allgemeinen aber sollten wir Stellen suchen, die uns Zeit für die Familie, besonders Zeit für das persönliche Bibelstudium und auch für den Besuch der christlichen Zusammenkommen geben.

Christliche Zusammenkommen in der Nähe?

Ein Christ führt sowohl ein persönliches als auch ein gemeinschaftliches Glaubensleben. Beide Teile seines Lebens sind wichtig. Für das persönliche Glaubensleben ist nicht allein und nicht einmal in erster Linie entscheidend, ob viele Christen in seiner Nähe wohnen. Das ist anders, wenn es um die Frage des gemeinsamen Glaubenslebens geht.

Wenn es also um eine Ausbildungsstelle oder um einen Arbeitgeber geht, wird sich ein junger Mensch immer die Frage stellen: „Gibt es in der Nähe dieses Arbeitgebers oder dieser Ausbildungsstelle Christen, mit denen ich in Übereinstimmung mit Gottes Wort das Abendmahl einnehmen und an den weiteren christlichen Zusammenkommen teilnehmen kann?“ Wenn man beispielsweise zwei Stellenangebote hat, von denen eines sehr weit von einem solchen Zusammenkommen entfernt liegt, dann dürfte die Antwort auf die Frage, was Gottes Wille ist, nicht schwerfallen.

Es ist nicht auszuschließen, dass der Herr Jesus mich dazu benutzen möchte, an einem Ort mitzuarbeiten, dass christliche Zusammenkünfte in Übereinstimmung mit der Bibel entstehen. Diese Frage sollten wir nicht zu schnell zur Seite schieben. Gleichwohl muss die Frage erlaubt sein, ob Er dazu gerade einen 18-Jährigen, vielleicht noch ganz alleine, benutzen möchte. Darüber hinaus muss man sich selbst fragen: Bin ich überhaupt in einer solchen geistlichen Verfassung, dass der Herr Jesus mich für eine solche Arbeit benutzen kann? Ist nicht eher die Gefahr vorhanden, eine weite Entfernung von einem bibeltreuen Zusammenkommen als Entschuldigung zu benutzen, seltener diese Zusammenkünfte besuchen zu müssen?

Gerade für junge Christen ist es äußerst wichtig, kein Argument gegen den Besuch christlicher Zusammenkünfte aufkommen zu lassen. Man lässt sich so leicht davon abbringen, regelmäßig an den Bibelstunden teilzunehmen. Daher sollte man von Anfang an die richtigen Rahmenbedingungen wählen. Das erleichtert einen geradlinigen Weg für die Dauer der Ausbildungszeit sehr.

Vertrauen zum Herrn Jesus

Wir wollen bei den Überlegungen zu diesem Punkt nie das Vertrauen zum Herrn Jesus verlieren. Er steht nicht nur über allem, Er möchte uns in unserem Leben segnen. Daher gilt der Grundsatz: Was wir im Vertrauen mit dem Herrn begonnen haben, sollten wir zu Ende führen. Wir sollen dem Herrn Jesus dann vertrauen, dass Er uns durchführen und zu Ende führen lässt, was wir mit Ihm begonnen haben.

Wenn es während der Ausbildung oder einer beruflichen Tätigkeit Schwierigkeiten gibt, dann sollten wir nicht zu schnell aufhören oder aufgeben. Es ist grundsätzlich der Gedanke unseres Gottes, dass wir das, was wir (mit Ihm) anfangen, zu Ende führen. So handelt Er mit uns (Phil 1,6), so sollten also auch wir handeln.

Es können durchaus Situationen eintreten, die es nahelegen, die begonnene Ausbildung abzubrechen. Wenn zum Beispiel junge gläubige Frauen in ihrem Ausbildungsbetrieb immer wieder belästigt werden oder wenn man nach ein paar Monaten einer Ausbildung oder eines Studiums merkt, dass einem diese Arbeit oder dieses Fach überhaupt nicht liegt, so ist ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende unbedingt vorzuziehen. Aber niemand sollte leichtfertig sagen: „Das macht mir keinen Spaß mehr! Ich will etwas anderes machen.“ Oftmals besteht die Gefahr, ebenso die zweite Ausbildung abzubrechen, und auch im übrigen Leben ist man nicht stetig. Doch Beständigkeit und Durchhaltevermögen möchte unser Gott bei uns bewirken.

An dieser Stelle nennen wir noch einen weiteren Punkt, der uns wichtig geworden ist: Vermutlich hat keiner von uns bei der Entscheidung über seine berufliche Tätigkeit die Wichtigkeit dieser Entscheidung erkannt. Wer im Alter von 16 oder 18 Jahren seine Ausbildung beginnt, ist sicher noch kein reifer Christ. Weiß Gott das nicht viel besser als wir? Natürlich! Er ist ein guter Gott, der seine Kinder nicht ins Unglück rennen lässt. Gott sei Dank, viele von uns hatten Eltern, die für sie gebetet haben. Dann gab es manche ältere und jüngere Christen, die in gleicher Weise für uns gebetet haben.

Und wenn in deiner Umgebung überhaupt niemand für dich betet? Dann vergiss nie, dass du einen guten Hirten im Himmel hast, der sein Leben für dich gab und dein Leben gestaltete, ehe du davon Notiz genommen hast. Daher noch einmal: Was wir mit Ihm begonnen haben, und selbst wenn es in größter Schwachheit war, das sollten wir mit Ihm auch zu Ende führen. Und wenn wir bei der Entscheidung noch ungläubig waren, so war dennoch seine gütige Vorhersehung zu unseren Gunsten tätig.

Arbeitsplatzwechsel

Die in diesem Kapitel genannten Punkte kann man in gleicher Weise auf die Entscheidung eines Arbeitsplatzwechsels anwenden. Sie mögen nicht in jedem Einzelfall zutreffen. Die hier erarbeiteten Grundsätze gelten gleichwohl auch für diesen Bereich und erleichtern einem Christen die Entscheidung, wie er sich hier von Gott führen lassen kann.

Wir brauchen gute Gründe, um unsere Arbeitsstelle wirklich zu kündigen. Sie sollten für andere Christen nachvollziehbar sein. Wenn man zehn Jahre dieselben Aufgaben ausgeführt hat, gerne aber auch noch dazulernen möchte, ist eine solche Veränderung oft sinnvoll. Zwar soll man nicht gleich nach einem Streit in der Abteilung weglaufen. Wenn man sich aber über Monate und Jahre „Mobbing“ oder anderen verachtenden Bemerkungen ausgesetzt sieht, ist es sicher nicht verkehrt, über einen Wechsel nachzudenken. Manchmal fühlt man sich auch dem Leistungsdruck eines Unternehmens nicht (mehr) gewachsen. Es gibt viele persönliche Gründe, die man hier ebenfalls anführen könnte. Wir haben einen guten Herrn, der uns seinen Weg lehren wird. Wir sollten Ihm mehr vertrauen!

Berufe, die nicht infrage kommen

Abschließend weisen wir kurz darauf hin, dass es Arbeitsfelder und Arbeitsplätze gibt, die für einen Christen nicht infrage kommen. Jede Liste, die man an dieser Stelle anführen würde, bliebe allerdings unvollständig. Daher verzichten wir darauf, eine solche zu erstellen.

Jedem Christen sollte jedenfalls deutlich sein, dass die Arbeit in einem unmoralischen Bereich, in einem Unternehmen, das für jedermann als unethisch oder unmoralisch zu erkennen ist, niemals auch nur angedacht werden sollte. Kein von neuem geborener Mensch braucht Gott im Gebet zu befragen, ob er hier arbeiten sollte. Gott gibt nämlich im Allgemeinen keine Antworten auf Fragen, die Er in seinem Wort längst beantwortet hat.

Wenn man an Institutionen, Unternehmen oder bestimmte Berufsfelder denkt, die für einen Christen nicht infrage kommen, muss man bei der Beurteilung einer anderen Person immer bedenken, ob sie vielleicht vor ihrer Bekehrung diese Arbeitsstelle angetreten hat. Ein Soldat mit einer Ausbildung für Kriegseinsätze, der sich für eine bestimmte Zeit oder als Berufssoldat verpflichtet hat, kann vor solch einer Verpflichtung beispielsweise nicht ohne Weiteres weglaufen.

Jedenfalls sollte es für uns Christen keine Kompromisse geben im Blick auf Unmoral, Okkultismus, Satanismus und andere Punkte, die zu Gottes Wort in direktem Widerspruch stehen. Wenn wir das nicht bedenken, können wir keine glaubwürdigen Zeugen für den Herrn Jesus sein, was wir aber (nicht nur) am Arbeitsplatz sein sollen. Darüber hinaus müssen wir uns fragen: Was sollen unsere Nachbarn von unserem Leben als Gläubige halten, wenn sie wissen, dass wir zum Beispiel in einem Unternehmen arbeiten, das Produkte herstellt, die einen unmoralischen Lebenswandel fördern?

Sich selbstständig machen

Mancher überlegt, sich selbstständig zu machen. Zu diesem Thema finden wir unseres Wissens nach nichts Konkretes in der Bibel. Aus 1. Korinther 7 haben wir gelernt, dass wir in dem bleiben sollen, was wir tun, und von uns aus keine Veränderung suchen sollen (außer, dass sich Sklaven über die Freiheit freuen dürfen und sie benutzen sollten). Allerdings wissen wir, dass Männer wie Philemon als Herren einen solchen Status hatten, wie wir ihn heute im Blick auf die Selbstständigkeit verstehen. Das Gleiche gilt für Paulus und Aquila, die offenbar selbstständige Zeltmacher waren. Auch Zebedäus war ein Arbeitgeber, der Tagelöhner beschäftigte (Mk 1,20). Da wir diese Art von Tätigkeit in der Schrift finden, ist dagegen also auch nichts Grundsätzliches einzuwenden. Wer hierin seinen persönlichen Weg sieht, darf ihn in Gemeinschaft mit dem Herrn auch gehen.

Manche Christen meinen allerdings, dass sie durch eine berufliche Selbstständigkeit mehr Zeit für den Herrn zur Verfügung haben. Das ist in aller Regel ein Trugschluss. Denn zum einen muss man vorher das Einkommen für die arbeitsfreien Wochen, in denen man Urlaub macht, erwirtschaften. Zum anderen übersehen die meisten, dass es sehr mühsam ist, so viel zu verdienen, dass die gesamten Sozialleistungen, die der Arbeitgeber normalerweise zur Hälfte übernimmt, zu zahlen. Das muss natürlich von jedem Unternehmen geleistet werden. Aber dafür liegt die ganze Verantwortung bei demjenigen, der sich selbstständig macht, während ein Angestellter diese Last nicht persönlich trägt. Es gilt also, die Kosten zu überschlagen. Hinzu kommt, dass Selbstständige nicht nur aus den genannten Gründen oft mehr arbeiten (müssen), nicht zuletzt, um dasselbe Einkommen zu erzielen. Niemand sollte hier Täuschungen erliegen.

Das heißt jedoch nicht, dass dieser Weg in irgendeiner Weise negativ belegt wäre. Im Gegenteil – die angeführten Beispiele, die man noch um diejenigen von Joseph und unserem Herrn ergänzen könnte, stellen eine Ermutigung dar. Wer diesen Weg mit Ihm geht, wird entsprechend gesegnet werden.

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