Die Opfer
Kommentar zu 3. Mose 1–7

Das Friedensopfer

Die Opfer

Allgemeine Züge

Dies ist das letzte von den freiwilligen Opfern. Gleich dem Brandopfer war es ein Tieropfer; gleich dem Speisopfer oder Minchah wurde es teilweise gegessen. Wie bei ersterem legte der Opfernde seine Hand auf den Kopf seines Opfers und schlachtete es am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft. Die Söhne Aarons, die Priester, sprengten das Blut an den Altar ringsum. Wie das Brandopfer wurde es selbstverständlich vor dem HERRN dargebracht; doch nur ein Teil wurde auf dem Altar verbrannt: das Fett, das das Eingeweide bedeckt, und alles Fett am Eingeweide und die beiden Nieren und das Fett, das an ihnen, das an den Lenden ist, und das Netz über der Leber, samt den Nieren sollte es abgetrennt werden. Das besondere Merkmal dieses Opfers (shelem) war es, zu vervollständigen oder abzuschließen, wie sich aus der Bedeutung des verwandten Verbs ergibt. Sein Zweck war, Gemeinschaft auszudrücken, und dies tat es tatsächlich in umfassender Weise – ein staunenswertes Zeugnis für Den, der seinem Knecht Mose diese inspirierten Mitteilungen gab.

Im Gesetz des Friedensopfers (Kapitel 7, 11–21) finden wir die folgende Unterscheidung hinsichtlich seines Charakters oder des Beweggrundes. Es konnte zum Dank (Lob-Dankopfer) dargebracht werden mit den zugehörigen ungesäuerten Kuchen, gemengt mit Öl, ungesäuerten Fladen, gesalbt mit Öl, Feinmehl, eingerührt mit Öl, Kuchen gemengt mit Öl, doch nicht ohne gesäuertes Brot, denn auch wenn er danksagt, ist der Mensch nicht makellos. In diesem Fall war das Fleisch des Opfers am Tag seiner Darbringung zu essen, nichts davon durfte übrig bleiben bis zum Morgen. Wenn aber das Schlachtopfer seiner Opfergabe ein Gelübde oder eine freiwillige Gabe war, durfte das Fleisch nicht nur am Tag der Darbringung gegessen werden, sondern übriges Fleisch auch am folgenden Tag; doch am dritten Tag mussten mögliche Reste verbrannt werden. Würde dann noch davon gegessen, so wäre es durchaus nicht wohlgefällig, sondern würde dem Opfernden als ein Gräuel zugerechnet. Wer trotzdem davon aß, sollte seine Ungerechtigkeit tragen, ebenso wie die Unreinigkeit eines Essenden ihm die Ausrottung aus seinem Volk eintrug. Danksagung ist einfach und wird vom einfachsten Gläubigen erwartet. Aber sie hat nicht solche unterstützende Kraft wie jene Frömmigkeit eines Herzens, das Christus und sein Opfer tiefer erkannt hat und deshalb auch die Gnade Gottes besser versteht. Getrennt von dem Glauben an das Opfer Christi und der dadurch bewirkten Danksagung gibt es keine echte Gemeinschaft. Gelöst von Ihm und dem Glauben, der sein Werk anerkennt, ist sie fleischlich, vor Gott verabscheuungswürdig und für den Menschen verderblich. Doch die Energie des Geistes, die das Herz mit Christus füllt und zur Hingabe antreibt, schafft größere Beständigkeit und Wachsamkeit gegen jede Befleckung, obwohl diese Tugenden im Prinzip vorhanden sind bei solchen, die aus Gott geboren sind, wie schwach auch ihr Zustand sein mag.

In einem späteren Abschnitt desselben Kapitels (V. 28–34) finden wir die bezeichnende Gemeinschaft, die zu dem Friedensopfer gehört. Mit eigenen Händen sollte der Opfernde zuerst dem HERRN die Gabe darbringen. Die Brust, für Aaron und seine Söhne bestimmt, war vor dem HERRN zu weben, wie das Fett auf dem Altar zu räuchern war. Der rechte Schenkel sollte als ein Friedensopfer dem Priester gegeben werden. Alles Übrige war für den Opfernden und seine Familie oder seine Freunde. So bekam der HERR seinen Teil, ebenso Christus, vorgebildet durch den Priester, der das Blut und das Fett darbrachte, Er und sein Haus („dessen Haus wir sind“), und schließlich die Gläubigen miteinander, indem sie in die Gemeinschaft des Werkes Christi eingehen und sie genießen. Doch jede Unreinheit wird ganz entschieden als unvereinbar mit dem Essen dieses Opfers behandelt und wird als solche streng geahndet. Wenn hier die Gemeinschaft unter Menschen im Vordergrund steht, wird umso mehr Sorge getragen, dass nicht vergessen wird, was sie Gott und seiner Heiligkeit schuldig sind.

Das Friedensopfer eines Rindes – 3. Mose 3,1–5

„Und wenn seine Opfergabe ein Friedensopfer ist: Wenn er sie von den Rindern darbringt, es sei ein Männliches oder ein Weibliches, so soll er sie ohne Fehl vor dem HERRN darbringen. Und er soll seine Hand auf den Kopf seines Opfers legen und es schlachten am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft; und die Söhne Aarons, die Priester, sollen das Blut an den Altar sprengen ringsum. Und er soll dem HERRN von dem Friedensopfer ein Feueropfer darbringen: das Fett, das das Eingeweide bedeckt, und alles Fett, das am Eingeweide ist, und die beiden Nieren und das Fett, das an ihnen, das an den Lenden ist, und das Netz über der Leber, samt den Nieren soll er es abtrennen. Und die Söhne Aarons sollen es auf dem Altar räuchern, auf dem Brandopfer, das auf dem Holz über dem Feuer ist: Es ist ein Feueropfer lieblichen Geruchs dem HERRN.“

Das Friedensopfer betont eindringlich Gemeinschaft und unterscheidet sich darin von den anderen Opfern. In diesem Abschnitt wird es uns unter seinem höchsten Aspekt vorgestellt. Doch nur in „dem Gesetz“ dieser Opfer wird die umfassende Gemeinschaft dargestellt. Es ist sehr passend, dass an erster Stelle Gott geehrt werden sollte, und das wird im ganzen Kapitel sorgfältig beachtet.

Wie gewöhnlich, steht das wertvollste Opfer an erster Stelle. Es stellt Christus dar als Den, der vollkommen in die Gedanken Gottes eingegangen ist, nicht zur Sühnung wie in 3. Mose 1, noch weniger Sünde und Schuld wegen, wie in den Kapiteln 4 und 5, doch als geschlachtet und mit seinem an den Altar ringsum gesprengten Blut, und so unterschieden von jeder Art des Speisopfers. Einfältiger Glaube ist immer stark und verständig; dem Wort unterworfen, ruht er durch Gnade auf der göttlichen Gerechtigkeit. Er anerkennt nach dem Zeugnis des Geistes, dass der Mensch ganz und gar böse, schuldig und verloren ist. Nicht weniger anerkennt er, dass der Gläubige Vergebung und Errettung besitzt gemäß der Wertschätzung des Werkes Christi in den Augen Gottes. Ein Zweifel kommt jetzt der Sünde gleich, und das Evangelium wird in voller Gewissheit des Glaubens angenommen. Christus wird daher erfasst in der reichsten Form dieser neuen Darstellung der Gnade Gottes, wobei sein Wohlgefallen an der ganzen Vortrefflichkeit der Hingabe des Heilandes in den Tod als der tiefste Grund der Gemeinschaft zur Freude des Glaubens herausgestellt wird. Eine schöne Antwort hierauf, ebenso wie in Hinsicht auf das Brandopfer, mögen wir in den Worten des Herrn über seinen Tod in Johannes 10,17.18 sehen: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wiedernehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Gewalt, es zu lassen, und habe Gewalt, es wieder zu nehmen. Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen.“ Unter diesem Gesichtspunkt weichen die Gegenstände seines Erbarmens und ihre Reinigung durch Sühnung zurück vor der unbedingten Hingebung Christi zur Verherrlichung Gottes allein. Sie lieferte dem Vater das höchste Motiv für seine Liebe, unabhängig davon, ob das Böse gerichtet und Segnungen gerechterweise übertragen werden könnten. Wie staunenswert, dass so schuldige und ichsüchtige Geschöpfe, wie wir sind, herzutreten dürfen, um an dieser göttlichen Freude teilzuhaben und in ihr schon jetzt die Quelle unserer tiefsten Anbetung zu finden!

Verglichen mit dem Brandopfer, wurde ein Spielraum zur Auswahl gewährt; ein Männliches oder ein Weibliches konnte dargebracht werden; denn der Mensch sollte teilhaben, ebenso wie Gott. Es musste aber „ohne Fehl“ sein, denn es stellte Christus dar. Und in beiden Fällen legte der Opfernde seine Hand auf den Kopf seines Opfers – ein Zeugnis der Einsmachung mit der Wirkungskraft des Opfers, wie es in der Tat auch bei den Sündopfern war, wenn auch zu einem anderen Zweck. Brand-, Speis- und Friedensopfer waren gleicherweise Feueropfer und zu einem lieblichen Geruch dem HERRN. Aber hier war es das Fett, alles inwendige Fett – ein Zeichen des gesunden Zustands und der inneren Kraft des Opfers – nicht weniger als das Blut, das für den HERRN allein war. Abel sah sich auf diesen Weg geführt, um durch Glauben in seinem wohlannehmlichen Opfer Gott zu ehren, als Kains Unglaube gegen Ihn sündigte.

Es war völlig am Platz und zeigte die gebührende Huldigung, dass Gott, als in dieser Weise geehrt, dargestellt wurde. Selbst wenn die Gemeinschaft mit anderen, ja, mit allen, die sein sind, später mit gewissenhafter Genauigkeit gelehrt werden sollte, so erscheint in diesem Bild doch allein sein Anteil. Das Blut war für Ihn allein, ebenso das Fett ausschließlich für Ihn. Welche Vortrefflichkeit fand Er in dem, was die Bedeutung, der Gehalt und der Zweck dieser Schatten war! Für jeden anderen war das Blut, Zeichen des verwirkten Lebens, strengstens verboten. So auch das Fett, an anderer Stelle das Zeichen stolzer, rebellischer Selbstgefälligkeit, die sich gegen Gottes Willen und Herrlichkeit auflehnte. In dem Herrn Jesus war statt dessen in beider Hinsicht der Wohlgeruch heiliger und wohlgefälliger Ergebenheit gegenüber seinem Namen, innerlich und äußerlich bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz! Was für ein neuer und mächtiger Beweggrund zu unendlicher Liebe, die ihren angemessenen Gegenstand und ihr beständiges Wohlgefallen in dem „Tod des Herrn“ fand! Was für eine unerschöpfliche Quelle der Anbetung für die Seinen, die im Glauben seine Freude schmecken – Freude in Gott!

Beachten wir (3. Mose 17), dass, wann auch immer jemand aus dem Haus Israel in der Wüste ein Rind, ein Lamm oder eine Ziege innerhalb oder außerhalb des Lagers tötete, er verpflichtet war, das Tier an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft zu bringen und dem HERRN als eine Opfergabe darzubieten, denn Er hatte das Recht an dem Blut auf seinem Altar und ebenso an dem Fett. Alles Fleisch dieser Art musste, bevor es gegessen wurde, so als Friedensopfer dem HERRN dargebracht werden. So sollte Israel leben und selbst in der täglichen Nahrung die Gemeinschaft mit Dem bezeugen, der sie ihnen gab, und dazu alles andere. Sollten wir Christen hinter Israel zurückbleiben? Haben wir nicht „Besseres“ (Heb 11,40)?

Das Friedensopfer eines Schafes – 3. Mose 3,6–11

„Und wenn seine Opfergabe vom Kleinvieh ist zum Friedensopfer dem HERRN, ein Männliches oder ein Weibliches, so soll er sie ohne Fehl darbringen. Wenn er ein Schaf darbringt als seine Opfergabe, so soll er es vor den HERRN herzubringen; und er soll seine Hand auf den Kopf seines Opfers legen und es schlachten vor dem Zelt der Zusammenkunft; und die Söhne Aarons sollen sein Blut an den Altar sprengen ringsum. Und er soll von dem Friedensopfer als Feueropfer dem HERRN darbringen: sein Fett, den ganzen Fettschwanz; dicht beim Rückgrat soll er ihn abtrennen; und das Fett, das das Eingeweide bedeckt, und alles Fett, das am Eingeweide ist, und die beiden Nieren und das Fett, das an ihnen, das an den Lenden ist, und das Netz über der Leber, samt den Nieren soll er es abtrennen. Und der Priester soll es auf dem Altar räuchern: Es ist eine Speise des Feueropfers dem HERRN.“

Verglichen mit dem Brandopfer, war bei dem Friedensopfer ein gewisser Spielraum zur Auswahl gegeben. Bei ersterem war ein Männliches vorgeschrieben, bei letzterem konnte es ein Männliches oder ein Weibliches sein. Wo das ganze Opfer auf dem Altar verzehrt wurde, außer der Haut, die der opfernde Priester bekam, da war ein Tieropfer in seiner höchsten Form gefordert, ob nun von den Rindern oder vom Kleinvieh. Es sollte Sühnung tun, denn der Opfernde war ein sündiger Mensch, auch wenn im Augenblick keine besonderen Übertretungen vorlagen, wofür ein Sünd- oder Schuldopfer nötig gewesen wäre. Doch die Besonderheit des Friedensopfers lag darin, dass es nicht allein Gott dargebracht wurde, sondern auch der Mensch seinen Anteil daran hatte. Demgemäß brauchte der Maßstab nicht so streng zu sein, als wenn es sich ausschließlich um eine Darbringung für Gott handelte.

Deshalb finden wir hier, obgleich die Hand auf den Kopf des Opfers gelegt und es am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft dargebracht wurde, wie das Brandopfer, doch kein Wort darüber, dass es für ihn wohlgefällig war oder gar Sühnung für ihn tat, obgleich es gleicherweise dort geschlachtet wurde und die Söhne Aarons, die Priester, ebenso das Blut ringsum an den Altar sprengten. Nichts wird hier vom Abziehen der Haut gesagt, wie beim Brandopfer, und nichts von einem Zerlegen in seine Teile, wie es beim Brandopfer zweckmäßig war, um es vollständig auf dem Altar zu räuchern. Nichtsdestoweniger war das Friedensopfer als ein Feueropfer dem HERRN darzubringen. Was für ein Vorrecht auch genossen werden konnte, es war nicht vom Opfer zu trennen, und an erster Stelle empfing Gott seine Ehre. Wie hätte das Opfer ohne diese Huldigung ein Abbild von Christus sein können? Und gewiss wird das hier ausdrücklich und sorgfältig vorgeschrieben.

Das Fett wird jedoch in ungewöhnlicher Weise hervorgehoben. Beim Brandopfer wird ein Ausdruck gebraucht, der sonst nicht vorkommt. Hier wird der allgemeinere Ausdruck verwendet, der aber durch Betonung und sorgsame Beschreibung sehr an Bedeutung gewinnt: „... das Fett, das das Eingeweide bedeckt, und alles Fett, das am Eingeweide ist, und die beiden Nieren und das Fett, das an ihnen, das an den Lenden ist, und das Netz über der Leber: samt den Nieren soll er es abtrennen.“ Zu diesen genauen Angaben tritt beim Opfern eines Schafes noch der besonders bezeichnete Fettschwanz hinzu, der dicht am Rückgrat abzutrennen und mit dem übrigen Fett auf dem Altar zu räuchern war. Während das Tierblut das Leben bedeutete und Gott dargebracht wurde, spricht das Fett von der inneren Energie. Der wertvollste Teil wird hier als Opfer für den Altar beansprucht.

Bei dem Opfer des Rindes wurde formell erklärt, dass das Fett und zugehörige Teile auf dem Altar auf dem Brandopfer, das auf dem Holz über dem Feuer war, geräuchert werden sollten. Das war das vollste Unterpfand für die Annehmlichkeit auf Seiten Gottes. Bei dem Opfer vom Kleinvieh ist das Wort kürzer, doch ein neuer und gesegneter Ausdruck wird hinzugefügt; es ist „die Speise“ oder „das Brot“ des Feueropfers dem HERRN. Wie wunderbar für Ihn und uns, dasselbe Opfer zu genießen! Was für ein Abweichen von der Wahrheit Christi auch hier wieder, wenn man zu erkennen meint, das Fett räuchern bedeute, dass wir „unsere herzlichen Zuneigungen Gott darbringen in unseren Gebeten und Lobeserhebungen“, oder, schlimmer noch, „das Abtöten unserer verderblichen Begierden und Lüste und deren Verbrennung im Feuer der göttlichen Gnade“. Doch zitiere ich hier nicht Augustinus oder Chrysostomus, und auch nicht Bossuet oder Pusey, sondern Matthew Henry; und Scott ist auch nicht besser. Man frage sich: Könnte eines von beiden „die Speise des Feueropfers, dem HERRN zu seinem Wohlgeruch der Ruhe“ sein? Nein, es war weder unser Gutes, das dargebracht wurde, noch unser Schlechtes, das abgetötet wurde, sondern die innerliche Energie Christi selbst als die vollkommene und bleibende Grundlage der Gemeinschaft für Gott und seine Familie. Denn Gottes Gnade wollte es so, dass seine Kinder ein gemeinsames Teil mit Ihm selbst genießen; und es ist der besondere Zweck des Friedensopfers zu zeigen, wie das Opfer Christi diese gesegnete Gemeinschaft für uns sicherstellt. Christus allein konnte sie stiften, indem Er sich selbst Gott opferte. Es ist eine ganz andere Frage, was Er in uns hervorbringt, und, was noch weiter geht, wovon Er uns freigemacht hat.

Wir bemerken in diesem dritten Kapitel, dass vergleichsweise wenig von diesem Opfer auf dem Altar geräuchert wurde. Was aber geräuchert wurde, war das Vorzüglichste und Innigste; außerdem werden wir in Kapitel 7 sehen, dass ein Anteil Aaron und seinen Söhnen allgemein gegeben wurde, ein weiteres Teil dem opfernden Priester besonders, und dass der größte Anteil dem Opfernden, seiner Familie und seinen Freunden verblieb. Im selben Opfertier kommt diese bemerkenswerte Gemeinschaft mit dem HERRN, der priesterlichen Familie, dem wahren Priester und mit den Treuen in ihrer Gesamtheit zum Ausdruck – die unterscheidende Besonderheit des Friedensopfers. Das wird durch den Apostel in 1. Korinther 10 eindringlich vorgestellt, wenn er im Blick auf die Gemeinschaft des Christus fest darauf besteht, dass man sich vor allem hütet, was mit dieser Gemeinschaft unvereinbar ist. „Seht auf Israel nach dem Fleisch. Sind nicht die, welche die Schlachtopfer essen, in Gemeinschaft mit dem Altar?“ Indem sie davon aßen, hatten sie Gemeinschaft mit dem Altar. Dies war ihre Gemeinschaft, die es moralischerweise unmöglich machte, in Gemeinschaft zu sein mit den Heiden und ihren Götzen, hinter denen sich Dämonen verbargen. Wie viel hassenswürdiger und widersinniger wäre es für uns, die wir den Kelch des Herrn trinken und an seinem Tisch teilnehmen! Denn das Mahl des Herrn ist der beständige und feierliche Akt der Gemeinschaft für die Versammlung Gottes. Es ist die Gemeinschaft des Blutes und des Leibes Christi; und weil wir dabei seiner im Tod für uns, ja, in Tieferem als dem Tod gedenken, so möchte Er uns umso mehr stärken im Selbstgericht und im Verabscheuen alles dessen, was Gott beleidigt oder etwas vom Feind gutheißt.

Es gibt keinen Zweifel, ob wir nun essen oder trinken oder was immer wir Tag für Tag tun, wir sind zum Gehorsam und zur Heiligkeit berufen. All unser Tun sei zur Ehre Gottes! Doch wir haben eine besondere Handlung in dem Brechen des Brotes beständig vor uns, an jedem „ersten“ Tag der Woche, am Tag des Herrn. Das stimmt im Geist mit dem Essen des Friedensopfers überein, obgleich das Mahl des Herrn tiefer geht, so wie das Christentum weit über das Gesetz hinausgeht, und Christus selbst über jenes Opfer, das in gewisser Hinsicht Ihn abbildet.

Das Friedensopfer einer Ziege – 3. Mose 3,12–17

„Und wenn seine Opfergabe eine Ziege ist, so soll er sie vor den HERRN herzubringen; und er soll seine Hand auf ihren Kopf legen und sie schlachten vor dem Zelt der Zusammenkunft; und die Söhne Aarons sollen ihr Blut an den Altar sprengen ringsum. Und er soll davon seine Opfergabe als Feueropfer dem HERRN darbringen: das Fett, das das Eingeweide bedeckt, und alles Fett, das am Eingeweide ist, und die beiden Nieren und das Fett, das an ihnen, das an den Lenden ist, und das Netz über der Leber, samt den Nieren soll er es abtrennen. Und der Priester soll es auf dem Altar räuchern: Es ist eine Speise des Feueropfers zum lieblichen Geruch; alles Fett gehört dem HERRN. Eine ewige Satzung bei euren Geschlechtern in allen euren Wohnsitzen: Alles Fett und alles Blut sollt ihr nicht essen.“

Beim Friedensopfer gab es nicht die Breite der Auswahlmöglichkeiten wie beim Brandopfer oder beim Speisopfer. Es war nichts Geringeres gestattet als eine Ziege, die als dritte Alternative jetzt unsere Aufmerksamkeit beansprucht.

Obwohl die Ziege nicht mit dem Wert eines Rindes verglichen werden konnte oder gar mit dem unschuldigen Schaf, das so geeignet ist, den untadeligen, beharrlichen Dulder darzustellen, ermunterte der HERR den Israeliten, der keines von beiden bringen konnte und doch wünschte, seine Danksagung oder sein Gelübde zu erfüllen. Eine Ziege war vollkommen gültig und ganz gewiss annehmlich. Er sollte sie herzubringen vor dem HERRN, seine Hand auf ihren Kopf legen und sie vor dem Zelt der Zusammenkunft schlachten. Und die Söhne Aarons sprengten mit nicht geringerem Eifer und nicht weniger sorgfältig ihr Blut an den Altar ringsum. Er war angewiesen, davon seine Opfergabe darzubringen, ein Feueropfer dem HERRN: alles inwendige Fett usw. genau wie jemand, der das inwendige Fett eines Rindes darbrachte.

Bei dem Opfer eines Schafes wurde eine Sache ausdrücklich verlangt und war somit in besonderer Weise notwendig: „... den ganzen Fettschwanz, dicht beim Rückgrat soll er ihn abtrennen.“ Bei den Schafen Syriens wurde kein Teil mehr geschätzt oder galt als wertvoller, nicht nur seiner Größe, sondern seiner Qualität wegen, als Fett mit dem Wohlgeschmack des Markes. Deshalb war es für den HERRN bestimmt und wurde ohne Murren gegeben, „dicht beim Rückgrat“. So hat gewiss das Gegenbild alle seine Energien dem Vater gewidmet, nicht nur sein Leben. Kein Wunder, dass solch ein Vorbild im Fall des Schafes die schöne Anerkennung hervorrief: „Es ist eine Speise (oder das Brot) des Feueropfers dem HERRN“.

Umso auffallender ist das im Fall der Ziege, als sie ja keinen Fettschwanz hatte und es infolgedessen in dieser Hinsicht keine Vorschrift geben konnte. Doch unumschränkte Gnade ermunterte hier den, der seine Ziege opferte: „Es ist eine Speise des Feueropfers zum lieblichen Geruch“. Es war ebenfalls sein Brot und ein Geruch der Ruhe für Ihn.

Wie viel mehr dürfen wir uns in der Freude des Vaters mitfreuen, der die unendliche Wirksamkeit erkennt, die wir entsprechend in dem Opfer des Herrn Jesus gefunden haben, in seinem Blut und seinem Tod und seinen innerlichen Energien, die Er ohne Flecken zu seiner Verherrlichung geopfert hat! Welches Wohlgefallen für den Vater an Ihm, der sich selbst für uns darbrachte und sich Gott opferte zu einem duftenden Wohlgeruch! Wenn alles Fett, der innere Reichtum des Opfers, für den HERRN war, wenn nichts von diesem Fett von den Israeliten gegessen werden durfte, ebenso wenig wie das Blut, in welch gesegneter Weise hat dann Christus für uns alles erfüllt und die Grundlage zu unserer Gemeinschaft mit unserem Gott und Vater gelegt! Das Gesetz des Opfers sagt noch mehr aus über den höchsten Wert, doch an dieser Stelle brauchen wir nicht mehr zu sagen.

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