Die Feste des Herrn im Lichte des Evangeliums

Der Sabbat

Die Feste des Herrn im Lichte des Evangeliums

Der Sabbat nimmt eine besondere und unabhängige Stellung ein unter den Festen Jehovas. Während die übrigen Feste in ihrer Gesamtheit ein Vorbild ergeben von dem Tun und Weg Gottes, wodurch er sein Volk in seine Ruhe einführen wird, ist der Sabbat schon für sich allein ein Vorbild von der herrlichen, ewigen Ruhe selbst, welche Gott seinem Volke aufbewahrt hat. Jeder Sabbat sollte das Volk neu an die Ruhe erinnern, die Gott seinem Volke verleiht. 1 Wir lesen im Schöpfungsbericht: „und Gott hatte am siebenten Tage sein Werk vollendet, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebenten Tage von all seinem Werk, das er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn“ (1. Mo 2,2.3). Der erste Tag, den der Mensch nach seiner Erschaffung auf Erden genoss, war schon ein Sabbat, ein Tag der feierlichen Ruhe Gottes; denn der Mensch ist zuletzt erschaffen worden, am sechsten Tage, und schon der nächstfolgende, der siebente Tag, war ein „Sabbat der Ruhe“. Es war Gottes Ruhe, denn er, nicht der Mensch, hatte gearbeitet; Gott aber führte nach seiner Gnade den Menschen in Seine Ruhe ein.

Welch ein herrlicher Beweis ist dies von der Liebe Gottes zum Menschen und von seiner Absicht, den Menschen durch seine Gnade und sein Werk (nicht durch eigene oder anderer Menschen Werke) in eine Ruhe und Seligkeit einzuführen! Von Verdienst konnte ja keine Rede sein, wenn der Mensch schon am ersten Tage seines Daseins einen Sabbat der Ruhe feiern durfte.

Warum aber ruhte Gott? Natürlich bedurfte Gott nicht der Ruhe zur Erneuerung seiner Kräfte. Er ruhte, weil sein Werk vollendet und vollkommen war. Der Sabbat der Ruhe war gleichsam das Siegel, das Gott seinem Schöpfungswerk aufdrückte, um darzulegen, dass alles, was er gemacht, sehr gut war.

So war der Sabbat von Gott dem Menschen gegeben, noch ehe Kampf und Mühe und die Sünde mit ihren verheerenden Folgen und zahllosen Leiden da waren. Der Mensch hätte nun die Ruhe genießen können als ein Anbeter Gottes. Aber er hat es nicht getan, er ist von Gott abgefallen. Die Sünde ist in die Welt gekommen und hat hier, in Gottes Schöpfung, Verderben und Elend, Not und Tod verbreitet.

Konnte nun Gott angesichts einer gefallenen und dem Verderben verfallenen Welt und angesichts aller Seufzer und all des Elends in ihr noch ruhen? O nein; er, der „reich ist an Barmherzigkeit“ und „den Tod des Sünders nicht will“, sondern dessen Heil und Leben sucht, hat „also“, d.h. dermaßen, „die Welt geliebt“, dass er seinen eingeborenen Sohn für uns hernieder sandte, um die Werke Satans zu zerstören. Er hat gleichsam durch Ihn eine neue Schöpfung geschaffen.

Und konnte Christus inmitten des Jammers und Verderbens der gefallenen Welt, in die er trat, mit den Juden Sabbat feiern und ruhen? Wahrlich nicht! Welche Bedeutung hatte dieser Tag, der einst so schön Gottes Wohlgefallen an seiner vollkommenen Schöpfung zum Ausdruck brachte, nun noch, nachdem sie durch die Sünde entweiht und verdorben war?

Wie uns die Evangelien berichten, hat dann auch der Sohn Gottes gerade am Sabbattag so viele Wunderwerke getan. Und als er sich an einem Sabbattag wieder einmal zu einem Werke, zur Heilung eines Blindgeborenen, anschickte, da sagte er zu den Juden: „Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat“ (Joh 9,4.14). Und bei einer früheren Gelegenheit, als er auch an einem Sabbattag heilte und deshalb von den Juden angefeindet wurde, entgegnete er: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke“ (Joh 5,16.17). Welche bedeutungsvollen Worte!

Wir wiederholen, Gott konnte angesichts der Sünde in der Welt und des Elends der Menschenkinder nicht ruhen und Sabbat halten; der Vater wirkte und der Sohn. Ja, der Sohn Gottes kam hernieder, um „die Gefangenen zu befreien“ und „die Werke Satans zu zerstören“. Am Kreuze hat er dem Teufel selbst die Macht genommen und über ihn einen Triumph gehalten. Als er sterbend rief: „Es ist vollbracht!“, da war das große und wunderbare Werk der Erlösung vollendet, auf Grund dessen nun der wahre Sabbat für Gott und sein Volk anbrechen und mit seligem Herzen gefeiert werden kann.

Wie herrlich! Das Opfer Jesu Christi, des Sohnes Gottes, ist die vollkommene Grundlage einer wahren und ewigen Sabbatruhe für Gott und seine Erlösten. Dieses Opfer entspricht sowohl allen gerechten und heiligen Anforderungen Gottes als auch den Bedürfnissen des armen, schuldbeladenen Sünders, der ernstlich nach Vergebung und Frieden verlangt.

In einem Liede darf der Gläubige singen:

Auf dem Lamm ruht meine Seele,
betet voll Bewund'rung an;
alle, alle meine Sünden
hat Sein Blut hinweggetan.
Sel'ger Ruhort! – süßer Friede
füllet meine Seele jetzt;
da, wo Gott mit Wonne ruhet,
bin auch ich in Ruh' gesetzt.

Ja, lieber Leser, am Fuße des Kreuzes von Golgatha, wo das Blut des Lammes Gottes floss, können der heilige, gerechte Gott und der schuldbeladene, nach Heil verlangende Sünder einander begegnen, und beide kommen dort zu ihrem Recht und ihrer Ruhe. Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit ist hier verherrlicht worden, und der nach Heil verlangende Sünder sieht hier seine ganze Schuld in gerechtem Gericht gesühnt und getilgt, so dass er nun jubeln kann:

Da, wo Gott mit Wonne ruhet,
bin auch ich in Ruh' gesetzt.

Was der Psalmist vor Jahrtausenden weissagte, ist am Kreuz und durch das Kreuz Christi geschehen: „Güte und Wahrheit sind sich begegnet; Gerechtigkeit und Friede haben sich geküsst“ (Ps 85,10).

Lieber Leser, suchst du Ruhe für dein Gewissen, Frieden mit Gott? Blicke im Glauben hin aufs Kreuz von Golgatha, wo das Blut des Sohnes Gottes für Sünder floss; es „macht rein von aller Sünde“. Du kennst den Ruf des Herrn: „Kommet her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben“ 2 (Mt 11,28). Und weiter: „Kommt, denn schon ist alles bereit!“ (Lk 14,17).

Ist aber dein Gewissen erst zur Ruhe gekommen vor dem heiligen Gott, und zwar auf Grund der eigenen untrüglichen Aussprüche Gottes über den Wert und die Kraft des kostbaren Blutes Christi, dann kann und soll auch dein Herz nunmehr in der Nachfolge des Herrn Jesus ruhig und glücklich werden, ob auch der Weg durch das Tränental führt. Der Herr verleiht den Seinen auch für ihre Herzen Ruhe, wie er sagt: „Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“ (Mt 11,29).

So ist denn für jeden, der den Herrn Jesus als seinen persönlichen Retter kennt, in seinem Werk und seiner Person eine Ruhe dargeboten und angebrochen, von welcher der Sabbat in Israel nur ein schwaches Vorbild war. Und wie es in Israel eine Todsünde war, d.h. eine Sünde, die mit dem Tod bestraft werden musste, die Sabbatruhe durch irgendein Werk zu entweihen, so dass z.B. der Mann, der am Sabbattag dürres Holz gesammelt hatte, tatsächlich gesteinigt wurde (4. Mo 15,32-36), so soll der Mensch nicht meinen, der Vollkommenheit des Opfers Christi noch durch eigene Werke etwas an Wert hinzufügen zu müssen. Es wäre Vermessenheit und Gott ein Gräuel. Darum, lieber Leser, wage es nicht, wie jener Sabbatschänder in Israel, zu dem heiligen Sabbat der Ruhe, die Gott in Christus findet und die auch deine Seele in ihm finden kann und muss, das mühsam gesammelte dürre Reisig deiner eigenen Gerechtigkeit hinzuzufügen; es wäre dir wahrlich kein Gewinn!

Die Ruhe der Seele oder des Herzens ist eine andere als die des Gewissens; doch sowohl die eine Ruhe als die andere gibt nur Gott, und zwar nur durch Jesus Christus und sein Werk und in dem Herrn Jesus und in seiner Person.

Es gibt für den Gläubigen aber auch noch eine dritte Ruhe, von welcher der Sabbat des Alten Testamentes erst recht das Vorbild war. Diese dritte Ruhe ist noch zukünftig. Niemand erreicht sie in dieser Zeit und Welt, auch der treue Gläubige nicht. Hier gibt es für den Christen noch Kampf und Leid von innen und von außen, ja sogar in besonderer Weise für ihn, wenn auch sein Gewissen wirklich ruhig und das Herz getrost und glücklich geworden ist.

Aber auf dieser Erde werden einmal andere Zeiten kommen in dem verheißenen Tausendjährigen Reich Jesu Christi. Dann wird er, der einst hier verworfen wurde, auch hier regieren. Es wird dies das große Sabbatjahr des Herrn sein, von welchem gleichfalls der Sabbattag ein Vorbild war. 3 Dann wird der Urheber des Bösen, Satan, gebunden sein und die Erde blühen und frohlocken unter dem Friedenszepter und den Segnungen des Herrn.

Doch von einer noch höheren, von einer himmlischen und ewigen Ruhe war der Sabbat vor allem das Vorbild: von der „Sabbatruhe“ des Volkes Gottes in Gottes eigener Herrlichkeit. Von dieser Ruhe lesen wir im Hebräerbrief: „Es ist noch eine Ruhe vorhanden“, wörtlich: „Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volke Gottes aufbewahrt“ (Heb 4,9). Dann erst, in jener ewigen Ruhe, wenn alle wahren Gläubigen mit dem Herrn Jesus in heiliger Anbetung und nie endender Glückseligkeit vor und bei Gott im himmlischen Vaterhause weilen werden, ist der vollkommene Sabbat angebrochen, zu welchem Gott die Seinigen führen wollte und führen wird (Off 21,1–5).

Lieber Leser, dies ist das selige Ziel der Gläubigen. Die Heilige Schrift sagt uns: „Wir, die wir geglaubt haben, gehen in die Ruhe ein“; und ferner: „Nicht wird in sie eingehen irgend etwas Gemeines, und was Gräuel und Lüge tut, sondern nur, die geschrieben sind in dem Buche des Lebens des Lammes“ (Heb 4,3; Off 21,27).

So haben wir denn miteinander gefunden, dass die Sabbatfeier, die Gott mit ihrer Ruhe am Schluss jeder mühevollen Woche dem Volk Israel gab, zunächst ein beständiger Hinweis war auf die kommende herrliche Ruhe- und Segenszeit auf Erden, da seinem irdischen Bundesvolke von Zion aus verkündigt werden wird: „Dein Gott herrscht als König!“ 4 (Jes 52,7).

Vor allem aber sollte, wie wir weiter sahen, der Sabbattag ein Vorbild sein auf die ewige Sabbatruhe, die dem Volke Gottes aufbewahrt ist. Dorthin führt Gottes starke Vaterhand und sein treues Vaterherz alle Erlösten nach des Lebens Mühen und Trübsalen; dort wird er jede Träne abwischen von ihren Augen und ewig bei ihnen sein. Dorthin richtet der Heilige Geist stets Herz und Blick des Gläubigen, der auf Erden ja nur ein Fremdling und ein Pilger ist. Schon hat der Christ für sein Gewissen und sein Herz Ruhe in Christus, dem Erlöser, gefunden, aber er sehnt sich fort von dem Schauplatz der Sünde und des Elends, hin nach der Herrlichkeit, wo sein Herr und Heiland ist, wo er mit ihm und allen Erlösten in Anbetung, fern von Kampf und Leid, vor Gottes Angesicht und in Gottes Herrlichkeit auf immer ruhen wird. Dort, in den Wohnungen des Friedens und des immer strahlenden Lichtes und der vollkommenen Glückseligkeit vor Gottes Auge, ist der wahre Sabbat angebrochen, ewig, ohne Ende.

Dreifache Ruhe

5

Preis sei Dir, Herr Jesus, Preis Dir und Ehr'!
Hast die Schuld getragen, unsre Schuld so schwer.
Hin ist die Nacht, die uns bang gemacht;
Dein Gericht am Kreuze hat uns Ruh' gebracht,
Ruhe von Sünden, Ruhe durch Dich,
Ruhe des Gewissens auf ewiglich!
Preis sei Dir, Herr Jesus, Preis Dir und Ehr'!
Wir sind Gott nun nahe, sind nicht ferne mehr.
Sein Angesicht gibt uns Trost und Licht,
und auf Seinen Wegen fehlt Sein Friede nicht.
Ruhe des Herzens, Ruhe in Dir,
auch im Tal der Tränen ist Ruhe hier!
Preis sei Dir, Herr Jesus, Preis Dir und Ehr'!
Kannst uns nicht versäumen noch verlassen mehr.
Führst durch den Streit dieser kurzen Zeit
in die Sabbatruhe, die uns Gott verleiht.
Ewige Ruhe, Ruhe bei Dir,
bei Dir ewig droben, Herr, ruhen wir!

Fußnoten

  • 1 Das Wort „Sabbat“ ist abgeleitet von dem hebräischen Zeitwort für „ruhen“, das zuerst in 1. Mose 2,3 vorkommt: „Und Gott segnete den siebenten Tag ... denn an demselben ruhte er.“
  • 2 Nicht nur „erquicken“; im Grundtext heißt es: „Und ich werde euch zur Ruhe bringen.“
  • 3 So ist natürlich auch das alle sieben Jahre wiederkehrende Sabbatjahr und das nach 7x7 = 49 Jahren wiederkommende Hall- und Jubeljahr ein Vorbild von dem großen Sabbat, dem Tausendjährigen Friedensreich Christi, gewesen (3. Mo 25).
  • 4 Über diese Zeit, wenn Jehova (Er ist kein anderer als Jesus Christus) über das wieder gesammelte, geläuterte und gläubig gewordene Volk Israel König sein wird, sprechen u. a. folgende Stellen: Jes 2,1–4; 9,6.7; 11,1–12; 24,23; 60,1f.; Jer 23,5.6; Zeph 3,14–20; Sach 14,9; Off 20,1f. Dem Leser, der sich für die Juden und die Hoffnung Israels interessiert, wird es von Wert sein zu hören, dass die frommen Juden in der ganzen Welt, Freitag um Freitag, also vor Anbruch eines jeden Sabbattages, folgendes Lied zu seiner Begrüßung anstimmen: „Lecha dodi likrath kala“, d.h.: Komm, Freund, schon bricht der Sabbat an; auf, lasst uns bräutlich ihn empfahn (= empfangen)! Und indem sie sich bei dieser Stelle des Liedes nach Osten (nach Bethlehem) wenden, singen sie weiter in einem Verse dieses Liedes: Mein gläubig Herz schaut auf dem Thron, von Bethlehem Isais Sohn. Doch Israel ist Verstockung widerfahren und es hat nicht erkannt, dass der verheißene Herrscher aus Bethlehem (Mich 5,1) längst geboren ist; dass „Isais Sohn“, ehe er den Thron besteigen konnte, zuvor am Kreuze für die Sünden seines Volkes sterben musste; dass er, ehe er Israel zum „Laubhüttenfest“, dem Fest der Ruhe und Wonne, dem Schlussfest, führen kann, zuvor noch das erste Fest, das Passah, mit Israel feiern muss, indem sie ihn als das wahre Passahlamm erkennen, dessen Blut für sie geflossen.
  • 5 a) Durch Jesus: Mt 11,28 (vgl. Grundtext); b) in Jesus: Phil 4,4–7 u. Mt 11,29; c) bei Jesus: Heb 4,9; 1. Thes 4,17b.
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