Betrachtung über Römer (Synopsis)

Kapitel 7

Betrachtung über Römer (Synopsis)

Wir haben die Auswirkung des Todes und der Auferstehung Christi in Bezug auf die Rechtfertigung und auf das praktische Leben betrachtet. Im ersten Teil des Briefes (bis Röm 5,11) geht es darum, dass Er für unsere Sünden gestorben ist, von Röm 5,12 an darum, dass, da Er gestorben ist, wir uns der Sünde für tot halten, Gott aber lebend durch Ihn. Unser Zustand, als unter zwei Häuptern stehend, Adam und Christus, ist besprochen worden. Es blieb dem Apostel noch ein Punkt zu erörtern - die Wirkung dieser letzten Lehre auf die Frage des Gesetzes. Der Christ, oder besser gesagt der Gläubige hat an Christo teil, als an einem Christus, der gestorben ist, Gott aber lebt, da Christus durch Ihn aus den Toten auferweckt worden ist. Was ist die Bedeutung dieser Wahrheit in Bezug auf das Gesetz (denn das Gesetz herrscht über den Menschen nur solange er lebt)? Da er nun tot ist, hat es keine Macht über ihn. Dies ist unsere Stellung in Bezug auf das Gesetz. Schwächt dies seine Autorität? Nein; denn wir sagen, dass Christus gestorben ist, also auch wir; das Gesetz bezieht sich aber nicht mehr auf einen Toten.

Beim Hervorbringen der Wirkung dieser Wahrheit gebraucht der Apostel das Beispiel des Ehegesetzes. Das Weib wäre eine Ehebrecherin, wenn sie, während ihr Mann lebt, eines anderen Mannes werden würde; wenn aber ihr Mann stirbt, ist sie frei. Die Anwendung dieser Satzung verändert die Form der Wahrheit. Gewiss kann man nicht gleichzeitig der Autorität zweier Männer unterstehen. Das eine schließt das andere aus. Das Gesetz und der auferstandene Christus können in ihrer Autorität über die Seele nicht miteinander vereinigt sein. In unserem Fall aber verliert das Gesetz nicht seine Kraft (d. h. seine Rechte über uns) dadurch, dass es stirbt, sondern dass wir sterben. Es herrscht nur so lange über uns, wie wir leben. Der Apostel begann mit der Vernichtung des Bundes durch den Tod. Der Mann starb; bei der Anwendung wird es durch unser Sterben vernichtet. Dann sind wir dem Gesetz durch den Leib Christi gestorben (denn wir haben es mit einem Christus zu tun, der nach Seinem Tode auferstanden ist), auf dass wir eines anderen werden, des aus den Toten Auferweckten, auf dass wir Gott Frucht brächten; wir können aber nicht beiden gleichzeitig gehören.

Als wir im Fleisch waren - wenn jemand als Mensch für einen gehalten wurde, der in der Verantwortlichkeit eines Menschen im Leben der Natur wie ein Kind Adams wandelte, war für ihn das Gesetz die Regel und das vollkommene Maß jener Verantwortlichkeit und der Vertreter der Autorität Gottes. Die Lüste, die zur Sünde trieben, wirkten in jener Natur, und wenn sie auf die Schranken des Gesetzes stießen, fanden sie in ihm das, was durch den Widerstand gegen das Gesetz den Eigenwillen hervorrief und schon durch das Verbot auf das Böse hinwies, welches das Fleisch liebte, das Gesetz aber verbot; und so wirkten diese Lüste in den Gliedern, um zum Tod führende Frucht zu erzeugen. Jetzt aber war er außerhalb seiner Gewalt, er war seiner Verfolgung entschwunden 1, da er jenem Gesetz, dessen Gewalt er unterstellt gewesen war, gestorben ist.

Unter dem Gesetz zu sterben wäre auch Verdammnis; Christus aber ist es, der dies durchgemacht und die Verdammnis auf Sich genommen hat, während wir die Befreiung vom alten Menschen haben, der im Tode ist. Unser alter Mensch ist mit Ihm gekreuzigt, so dass unsere Befreiung darin besteht, dem Gesetz zu sterben. Es hat uns nur verdammt, seine Gewalt endet aber mit dem Tode dessen, der sich unter dieser Gewalt befand. Wenn sie nun in Christo tot sind, so kann das Gesetz nicht mehr die erreichen, die unter ihm waren: wir gehören dem neuen Mann, dem auferstandenen Christus an, auf dass wir in Neuheit des Geistes dienen sollten, dem Wert der Gnade in unserem neuen Leben und, wie der Apostel später erklären wird, durch den Heiligen Geist 2 - nicht in der Knechtschaft des Buchstabens.

Dies ist die Lehre. Und nun zur Folgerung, die man aus ihr ziehen kann. Ist denn das Gesetz Sünde, dass wir seiner Autorität entzogen sind? Das sei ferne! Es gab aber die Erkenntnis der Sünde und rechnet sie zu. Denn der Apostel sagt, dass er nicht verstanden hätte, dass der bloße Impuls seiner Natur Sünde war, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: „Lass dich nicht gelüsten.“ Das Gebot aber gab der Sünde den Anlass, die Seele anzugreifen. Die Sünde, jener böse Grundsatz unserer Natur 3, bediente sich des Gebotes, um die Seele zur verbotenen Sünde zu verleiten (benutzte aber die Gelegenheit, schon durch das Verbot die Sünde anzuregen und auch den Willen zu beeinflussen, der sich dem Verbot widersetzte) und erzeugte jede Art Begierde. Denn ohne das Gesetz konnte die Sünde die Seele nicht in diesen Konflikt bringen und ihr darin das Urteil des Todes geben, und zwar dadurch, dass es das Gewissen für die Sünde verantwortlich machte, die es ohne dieses Gesetz nicht erkannt hätte. Unter Gesetz wirkte die Lust mit dem Bewusstsein der Sünde im Herzen, und das Ergebnis war das Bewusstsein des Todes, aber ohne irgendeine Befreiung von der Macht der Begierde für das Herz.

Ohne das Gesetz hätte die Sünde nicht so einen Willen erregt, der es ablehnte, sich dem zu unterwerfen, der ihn zügelte. Denn eine dem Willen gesetzte Schranke weckt und erregt den Willen: und ein Bewusstsein von der Sünde in der Gegenwart des Verbotes Gottes ist ein Gewissen, das unter dem Urteil des Todes steht. Das Gebot also, das an sich zum Leben war, führte tatsächlich zum Tode. „Tue dies und lebe“ wurde zum Tode, weil es einer sündigen Natur die Forderungen Gottes zeigte, dessen Wille sie verwarf, und einem Gewissen, das nicht umhin konnte, das gerechte Urteil anzunehmen.

Ein Mensch wandelt in ruhiger Gleichgültigkeit, er tut seinen eigenen Willen ohne Erkenntnis Gottes oder folglich ohne irgendein Bewusstsein von der Sünde oder der Empörung. Das Gesetz kommt, und er stirbt unter seinem gerechten Urteil, welches alles verbietet, was er begehrt. Die Lust war etwas Böses, sie offenbarte aber nicht das Urteil Gottes - im Gegenteil - sie vergaß es. Als aber das Gesetz kam, ergriff die Sünde (sie wird hier als ein Feind betrachtet, der irgendeine Person oder einen Ort angreift) die Gelegenheit des Gesetzes, da sie wusste, dass der Eigenwille beharren und das Gewissen verurteilen würde, und trieb den Menschen in die dem Gesetz entgegengesetzte Richtung und tötete ihn in dem Bewusstsein der Sünde, die das Gesetz von Gott aus verbot. Das Ergebnis von Seiten Gottes im Gericht war Tod für den Menschen. Das Gesetz war also gut und heilig, da es die Sünde verbot, aber den Sünder verdammte. Brachte denn das Gute den Tod 4? Nein. Die Sünde aber, damit sie in ihrem wahren Lichte gesehen wird, gebrauchte das Gute, um der Seele den Tod zu bringen, und so wurde sie durch das Gebot überaus sündig. In all diesem ist die Sünde personifiziert als jemand, der die Seele zu töten sucht.

Solcherart war also die Wirkung des Gesetzes, des ersten Mannes, da die Sünde im Menschen war. Um das deutlicher ans Licht zu bringen, teilt der Apostel seine geistliche Erkenntnis dessen, was eine Seele unter Gesetz erlebt, mit.

Wir müssen hier bemerken, dass der Gegenstand, von dem hier die Rede ist, nicht die Tatsache des Kampfes zwischen den zwei Naturen ist, sondern die Wirkung des Gesetzes, indem vorausgesetzt wird, dass der Wille erneuert ist, dass das Gesetz das Stimmrecht des Gewissens erlangt hat und zum Gegenstand der Zuneigung des Herzens geworden ist - eines Herzens, das die Geistlichkeit des Gesetzes anerkennt. Dies ist weder die Erkenntnis der Gnade noch des Heilands Christus noch des Geistes 5. Hier ist nicht die Verdammnis die Hauptsache (obwohl das Gesetz die Seele unter Gericht lässt), sondern das völlige Bedürfnis der Kraft es zu erfüllen, damit es uns nicht verdamme. Das Gesetz ist geistlich, ich aber als Mensch bin fleischlich, der Sklave der Sünde, wie das Urteil meines inneren Menschen auch sein mag; denn ich billige nicht das, was ich tue. Das, was ich will, das tue ich nicht, und was ich hasse, das übe ich aus. Ob ich nun liebe oder hasse, ich stimme dem Gesetz bei, dass es gut ist. Es geht nicht darum, dass ich das Böse als die moralische Absicht des Willens tue, denn ich will nicht das Böse, das ich tue, sondern ich hasse es vielmehr. Es ist somit die in mir wohnende Sünde, denn tatsächlich ist in mir (d. h. in meinem Fleische - in dem ganzen natürlichen Menschen, wie er ist) nichts Gutes, denn selbst da, wo das Wollen vorhanden ist, finde ich nicht die Erfüllung dessen, was recht ist. Es ist ein totaler Mangel an Kraft.

Während der Apostel diese Erklärung hat, unterstreicht er in Vers 20 das Ich und das Mich. „Wenn ich aber dieses, was ich nicht will . . .“ und „so vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde“. Also finde ich bei mir, der Gutes will, Böses vorhanden, denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen. Es ist aber in mir ein anderer beständiger Grundsatz, der dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist, in Gefangenschaft bringt. Welcherart meine Wünsche auch sein mögen, ja, je besser sie auch sind, bin ich selbst ein elender Mensch. Da ich Mensch bin und ein solcher Mensch, kann nicht anders als elend sein. Wenn man aber dazu gekommen ist, ist ein riesengroßer Schritt getan worden.

Das Böse, von dem hier die Rede ist, ist das Böse in unserer Natur, und der Mangel an Kraft, es loszuwerden. Die Vergebung der Sünden war voll und ganz gelehrt worden. Was hier betrübt, ist das gegenwärtige Wirken der Sünde, das wir nicht loswerden können. Das Bewusstsein hiervon ist oft schmerzlicher als vergangene Sünden, die der Gläubige als durch das Blut Christi beseitigt betrachten darf. Hier haben wir aber das Bewusstsein von der immer noch in uns wohnenden Sünde, obwohl wir sie hassen mögen, und die Frage der Befreiung vermischt sich mit unseren Erfahrungen, und zwar wenigstens bis wir das, was in diesem Teil des Briefes gelehrt wird, gelernt haben, nämlich den alten Menschen der Sünde in uns, nicht uns selbst, zu verurteilen und uns selbst für tot zu halten. Da Christus, durch den wir nun leben, gestorben und ein Opfer für die Sünde ist, ist unsere Verdammnis unmöglich, während die Sünde verdammt ist, wir aber frei sind durch „das Gesetz des Geistes des Lebens in ihm“. Es ist nicht Vergebung, sondern Befreiung, die Sünde im Fleische ist im Kreuze verdammt.

Unter der göttlichen Gnade lernte der erneuerte Mensch drei Dinge. Erstens hat er entdeckt, dass in ihm, das ist in seinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; zweitens hat er aber zu unterscheiden gelernt zwischen sich selbst, der das Gute will, und der in ihm wohnenden Sünde; weiter aber, dass, wenn er das Gute will, die Sünde zu stark für ihn ist. Da er auf diese Weise zur Selbsterkenntnis gelangt ist, strebt er nicht danach, im Fleische besser zu sein, sondern nach Befreiung, und er hat sie in Christo. Danach kommt Kraft. Er ist zur Entdeckung und zu dem Bekenntnis gelangt, dass er keine Kraft hat. Er wirft sich auf einen Anderen. Er spricht nicht: wie kann ich? oder: wie soll ich? sondern: wer wird mich retten? Das ist aber geschehen, als wir ganz kraftlos waren, dass Christus für die Gottlosen starb. Dieser Mangel an Kraft wird entdeckt, und schließlich finden wir Gnade in Bezug auf das, was wir sind, und bezüglich jeglicher Hoffnung auf eine Besserung in uns selbst ist Gnade unsere einzige Hilfsquelle.

Wenn wir uns aber auf die Gnade werfen, ist glücklicherweise nichts als Gnade vor uns. Die Errettung vollzieht sich dadurch, dass wir im Fleische gar nicht leben: wir sind von ihm und auch unter dem Gesetz weggestorben, das uns in Knechtschaft und Verdammnis hielt, und wir sind eines Anderen geworden, des aus den Toten auferweckten Christus; sobald also die betrübte Seele gesagt hat: „Wer wird mich retten?“ ist die Antwort bereit: „Ich danke Gott durch Jesum Christum, unseren Herrn!“ Die Antwort lautet nicht: Er wird retten. Die Errettung ist schon vollbracht, er bringt Dank dar.

Der Mensch war elend im Kampfe unter dem Gesetz, ohne die Erkenntnis der Erlösung. Im Tode Christi aber ist er aus dieser Natur, die ihn zu einem solchen machte, heraus gestorben; er hat mit sich selbst ganz abgeschlossen. Die Errettung Gottes ist vollständig. Die zwei Naturen sind einander noch immer entgegengesetzt, die Errettung aber ist nicht unvollkommen. Diese von Gott bewirkte Errettung und der Fortschritt ihrer Kundmachung werden im nächsten Kapitel erörtert.

Wir können hier bemerken, dass der Apostel nicht sagt: „Wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, wir aber fleischlich.“ Hätte er das getan, so hätte das bedeutet, von Christen als solchen in ihrem gebührenden und normalen Zustande zu reden. Es geht aber um die persönliche Erfahrung dessen, was das Fleisch unter dem Gesetz ist, wenn der Mensch lebendig gemacht ist, und nicht um den Zustand des Christen als solchen vor Gott. Man beachte auch, dass das Gesetz vom Standpunkte der christlichen Erkenntnis aus - „wir wissen“ - betrachtet wird, wo wir nicht mehr unter ihm sind, und wo wir fähig sind, seine ganze Bedeutung nach dem geistlichen Vermögen des Urteilenden zu beurteilen; der auch, da er geistlich ist, sieht was das Fleisch ist, weil er ja jetzt nicht im Fleische, sondern im Geiste ist 6.

Buchstäblich ist das gar nicht der Zustand von irgendeinem Menschen, sondern es sind einander entgegen gesetzte Grundsätze, deren Ergebnis dadurch bloßgestellt wird, dass man einen Menschen unter dem Gesetz stehend betrachtet: das Wollen ist immer recht, das Gute wird niemals vollbracht, das Böse aber immer. Für das Gewissen aber ist das nichtsdestoweniger der praktische Zustand eines jeden erneuerten Menschen unter dem Gesetz. Wir können noch einen wichtigen Grundsatz bemerken: der Mensch in diesem Zustande ist ganz und gar mit sich selbst beschäftigt: er will das Gute, er vollbringt es nicht, er tut das, was er nicht will. Weder Christus noch der Heilige Geist werden genannt. Im normalen Zustande eines Christen ist er mit Christo beschäftigt. Das aber, was in Kapitel 7 zum Ausdruck kommt, ist das natürliche und notwendige Ergebnis des Gesetzes, wenn das Gewissen erweckt und der Wille erneuert ist. Denn das Wollen ist bei ihm vorhanden. Er ist aber unter Gesetz, er sieht es geistlich, er stimmt ihm zu, er findet an ihm Wohlgefallen nach dem inneren Menschen, kann aber das Gute nicht ausüben. Die Sünde herrscht über ihn. Das Bewusstsein von der nicht erfüllten Verantwortlichkeit und das nicht Vorhandensein des Friedens lenken notwendigerweise die Seele auf sich selbst. Sie befasst sich voll und ganz mit sich selbst; von Vers 14 an ist beinahe vierzigmal von ihr die Rede. Es ist gut so, besser als gleichgültig zu sein. Es ist aber nicht Friede.

Dieser Friede wird anderswo gefunden, und er besteht darin, dass, wenn wir bei dem Bewusstsein von unserer Unfähigkeit, Gott gegenüber Gutes zu tun, angelangt sind, wir finden, dass Gott das Gute, dessen wir bedürfen, für uns vollbracht hat. Wir haben nicht nur die Vergebung erlangt, sondern wir sind errettet, und wir sind in Christo, wir sind gar nicht im Fleische.

Der Kampf geht weiter, der Widerstreit zwischen den zwei Naturen besteht weiterhin, wir danken aber Gott durch unseren Herrn Jesum Christum 7.

Man beachte hier, dass die Errettung nur bei der vollen Überzeugung von unserer Unfähigkeit und unserem Mangel an Kraft wie auch unseren Sünden gefunden wird. Es ist viel schwerer, zu dieser Überzeugung von unserer Unfähigkeit zu gelangen, als zur Überzeugung, dass wir gesündigt haben. Aber die Sündhaftigkeit unserer Natur - ihre unheilbare Verkehrtheit, ihr Widerstand gegen das Gute, das Gesetz der Sünde in unseren Gliedern - wird nur in ihrer gesetzlichen Schwere durch die Erfahrung der Nutzlosigkeit unserer Anstrengungen, recht zu handeln, erkannt. Unter dem Gesetz lässt die Nutzlosigkeit dieser Anstrengungen das Gewissen in Kummer und Knechtschaft und erzeugt das Empfinden, dass es unmöglich ist, mit Gott zu sein. Unter der Gnade sind diese Anstrengungen nicht nutzlos, und die böse Natur zeigt sich uns (entweder in Gemeinschaft mit Gott, oder bei Niederlagen, wenn wir die Gemeinschaft vernachlässigen) angesichts dieser Gnade in ihrer ganzen Verunstaltung. In diesem Kapitel aber wird die Erfahrung der Sünde in der Natur dargestellt als unter dein Gesetz erworben, damit der Mensch sich selbst in dieser Stellung erkennt - dass er erkennt, was er in Bezug auf sein Fleisch ist, und dass er tatsächlich auf diese Weise nicht mit einem guten Gewissen vor Gott treten kann. Er steht noch unter dem ersten Ehemann: der Tod hat das Band betreffs des Seelenzustandes noch nicht getrennt.

Wir müssen jetzt im Sinn behalten, dass diese Erfahrung der Seele unter Gesetz hier als Einschaltung eingefügt ist, um den sündigen Zustand, auf den sich die Gnade und auch die Wirkung des Gesetzes beziehen, aufzuzeigen. Unser Thema ist, dass der Gläubige am Tode Christi teilhat und gestorben ist, und durch Den lebt, der auferstanden ist, auch dass Christus, nachdem Er durch Gnade in den Tod ging, indem Er zur Sünde gemacht wurde, für immer mit jenem Zustand abgeschlossen hat, in dem Er es in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde mit der Sünde und dem Tode zu tun hatte; indem Er nun für immer mit allem, was damit verbunden war, abgeschlossen hat, ist Er durch die Auferstehung in eine ganz neue Ordnung der Dinge eingegangen - in einen neuen Zustand vor Gott, gänzlich außerhalb der Reichweite von allem, dem Er Sich für uns unterworfen hatte (was in uns mit unserem natürlichen Leben verbunden war), und auch außerhalb der Reichweite des Gesetzes, das von Seiten Gottes die Sünde dem Gewissen zur Last legte. In Christo sind wir in dieser neuen Ordnung der Dinge.

Fußnoten

  • 1 Ich zweifle nicht daran, dass diese Stelle so gelesen werden soll. Mein Leser mag vielleicht finden, „da das Gesetz tot war“. Der Ausdruck: „Da wir dem gestorben sind, in welchem wir festgehalten wurden“, bezieht sich auf Vers 4, wo es heißt: „Also seid auch ihr ... dem Gesetz getötet worden.“ Unter dem Gesetz starb Christus unter seinem Fleisch. Im Fleische zu sein bedeutet, unter der Verantwortlichkeit eines Menschen in seinem natürlichen Leben zu leben - ein Kind des gefallenen Adams. In diesem Leben (es sei denn, es ist gesetzlos) ist das Gesetz die Satzung der menschlichen Gerechtigkeit. Wir dürfen nicht das Fleisch, das im Christen vorhanden ist, mit dem, wenn ein Mensch im Fleische ist, verwechseln. Der Grundsatz des alten Lebens ist noch da, er ist aber keinesfalls der Grundsatz seiner Beziehung zu Gott. Wenn ich im Fleische bin, ist es der Grundsatz meiner Beziehung zu Gott; da sein Wille aber sündig ist, ist es unmöglich, dass ich Gott wohlgefalle. Ich mag in ihm Gerechtigkeit suchen, das mag auf der Grundlage des Gesetzes sein. Der Christ aber ist durch Christum diesem ganzen Zustande der Dinge gestorben - er lebt nicht jenes Leben: sein Leben ist in Christo, und er hat den Heiligen Geist empfangen. Das Fleisch ist nicht mehr der Grundsatz seiner Beziehung zu Gott; auf dieser Grundlage hat er zugegeben, dass er verloren ist. Anderswo erfahren wir, dass er in Christo auf dem Boden steht, auf dem Christus vor Gott steht. Wie wir sehen werden, stellt ihn der Heilige Geist in der Kraft des Glaubens dorthin, da Christus sein Leben ist.
  • 2 Er sagt hier nicht durch den Geist, weil er noch nicht von der Gabe des Heiligen Geistes infolge des Werkes Christi gesprochen hat. Er spricht nur von der Art, vom Charakter des ausgeübten Dienstes.
  • 3 Es muss in Erinnerung behalten werden, dass wir es durch diesen ganzen Teil dieses Briefes hindurch (also beginnend mit Röm 5,12) mit der Sünde, nicht mit Sünden zu tun haben.
  • 4 Sünde und Tod sind wechselwirkend. Das Gesetz wird eingeführt, um durch die Übertretung offenbar zu machen, was sie beide sind. Der Apostel fragt zuerst: „Ist das Gesetz Sünde?“ da ja das Ergebnis des Menschen Tod war. Gott bewahre! sondern es gab die Erkenntnis der Sünde und schrieb den Tod durch Gericht auf die Seele, da der Mensch ein Sünder ist. Die zweite Frage lautet: „Gereichte nun das Gute mir zum Tode?“ Nein. Es ist die Sünde, welche (auf dass sie in all ihrer Ungeheuerlichkeit erscheinen möchte) mich in meinem Gewissen getötet hat, indem sie das Gesetz als Mittel benutzte. Im Zustande des Menschen fand sie das Mittel, diese gute Sache zu verdrehen, damit sie ihm zum Tode gereichte.
  • 5 Wenn der Heilige Geist in uns wohnt, gibt es auch Kampf. Darüber redet Galater 5. „Das Fleisch gelüstet wider den Geist“ usw. Wir sind aber nicht unter Gesetz, wie der Apostel weiter sagt: „Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter Gesetz.“ Hier ist die Person, von der die Rede ist, unter Gesetz: alles ist mit dem Gesetz verbunden. Das Gesetz ist geistlich; wir stimmen dem Gesetz bei; wir haben Wohlgefallen am Gesetz. Weder Christus noch der Geist werden erwähnt, bevor die Frage der Befreiung aufgenommen wird.
  • 6 Das gibt den Schlüssel zu diesem leider vielmals erörterten Abschnitt - weil die Seelen nicht frei sind. Es ist nicht die gegenwärtige Erfahrung irgendeines Menschen, sondern eine errettete Person beschreibt den Zustand einer nicht erretteten Person. Eine nicht errettete Person könnte nicht genauso reden, weil sie wegen des Ergebnisses für sich selbst beängstigt ist. Ein in den Sumpf Gefallener beschreibt nicht ruhig, wie man darin versinkt, weil er befürchtet, dort versinken und bleiben zu müssen; wenn er heraus ist, beschreibt er, wie ein Mensch dort versinkt. Das Ende von Römer 7 schildert den Menschen, der aus dem Sumpf ist, der in Frieden den Grundsatz und die Weise beschreibt, wie einer darin versinkt. Dieser ganze Teil des Briefes ist komplizierter als das, was Röm 5,12 vorausgeht, weil unsere eigenen Erfahrungen dem, was der Glaube uns zu sagen lehrt, widerstreitet. Wenn ich durch die Gnade Vergebung empfangen habe und gerechtfertigt bin, ist in meinen Erfahrungen kein Widerspruch. Es geht darum, was Gott, ohne mein Zutun, für mich getan hat. Meine Schuld ist bezahlt. Wenn ich aber sagen soll: „Ich bin der Sünde gestorben“, widerspricht dem meine Erfahrung. Deshalb haben wir in dieser Hinsicht keine Ruhe, bis wir uns selbst oder das Fleisch als völlig schlecht und unverbesserlich aufgeben und lernen, dass wir als Folge der Erlösung überhaupt nicht im Fleische sind. Vergleiche Kapitel 7 und 8.
  • 7 Der letzte Vers von Kapitel 7 redet vom abstrakten Sinn und Charakter der entgegen gesetzten Naturen. Die eine redet jedenfalls von dem Sinn und der Absicht (des Herzens bei dem erneuerten Menschen), die andere von der Tatsache, dass das Fleisch da ist; das eine ist „ich selbst“, das andere „mein Fleisch“. Also ist das „Ich“ recht, es wird aber nicht als unter Gesetz oder umgekehrt betrachtet.
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