Betrachtung über 1. Korinther (Synopsis)

Kapitel 11

Betrachtung über 1. Korinther (Synopsis)

Nachdem der Apostel, in Beantwortung einiger auf Einzelheiten bezüglichen Fragen, diese Regeln gegeben hat, wendet er sich jetzt zu dem, was die Gegenwart und Tätigkeit des Heiligen Geistes betraf, und hierdurch wird dann auch die Frage betreffs des Verhaltens, das sich für die gläubigen Korinther bei ihren Zusammenkünften geziemte, eingeführt.

Man beachte hier, wie der Apostel seine Antworten bezüglich der einzelnen Punkte auf die erhabensten und wichtigsten Grundsätze zurückführt. Das ist die Weise des Christentums (vgl. Tit 2,10–14). Er führt Gott und die christliche Liebe ein, indem er den Menschen in Verbindung mit Gott Selbst bringt. Im Folgenden haben wir ebenfalls ein treffendes Beispiel davon. Es handelt sich um eine Weisung für die Frauen. Sie sollten nicht mit unbedecktem Haupte beten. Um diese Fragen bezüglich dessen, was einfach geziemend und schicklich war, zu entscheiden, setzt der Apostel das Verhältnis und die Ordnung des Verhältnisses, das zwischen den Männern, den Bewahrern der Herrlichkeit Gottes und Gott Selbst besteht, auseinander 1, und redet von den Engeln, vor deren Augen die Christen als ein Schauspiel hingestellt sind, und denen sie das Bild einer den Gedanken Gottes entsprechenden Ordnung darbieten sollen. Das Haupt des Weibes ist der Mann - das Haupt des Mannes Christus - das Haupt Christi Gott. Das ist die Machtordnung, aufsteigend bis zu Ihm hin, welcher der Höchste ist. Und dann fügt der Apostel hinsichtlich ihres Verhältnisses zueinander hinzu: „Der Mann wurde nicht um des Weibes willen geschaffen, sondern das Weib um des Mannes willen.“ Was sodann das Verhältnis des Weibes zu anderen vernünftigen, um die Ordnung der Wege Gottes wissenden Geschöpfen betrifft, so sollte das Weib bedeckt sein um der Engel willen, die den Wegen Gottes in der Verwaltung der Erlösung zuschauen und die Wirkung sehen, die dieses wunderbare Einschreiten Gottes hervorbringen sollte. Anderswo (siehe die Anmerkung unten auf dieser Seite) wird im Blick auf den geschichtlichen Vorgang hinzugefügt, dass nicht der Mann verführt wurde, sondern das Weib, dass sie somit die erste in der Übertretung war; und die Stelle, die wir eben betrachten, erinnert uns daran, dass, was die Schöpfung betrifft, nicht der Mann vom Weibe genommen wurde, sondern das Weib vom Manne. Dennoch ist weder der Mann ohne das Weib noch das Weib ohne den Mann im Herrn, alles aber ist von Gott. Dies alles wird gesagt, um eine Schicklichkeitsfrage hinsichtlich des Verhaltens der Frauen zu regeln, wenn diese vor den Augen anderer beteten 2. Das Ergebnis bezüglich der Einzelheiten ist folgendes: der Mann sollte das Haupt nicht bedecken, weil er eine Macht darstellte und in dieser Beziehung (was seine Stellung betrifft) mit der Herrlichkeit Gottes, dessen Bild er war, bekleidet war. Das Weib dagegen sollte zum Zeichen ihrer Unterwerfung unter den Mann eine Macht auf dem Haupte haben, es war das Zeichen der Macht, der sie unterworfen war. Indes konnte der Mann des Weibes nicht entbehren noch das Weib des Mannes. Schließlich beruft sich der Apostel auf die Ordnung der Schöpfung, demzufolge das Haar des Weibes ihre Ehre und ihr Schmuck anzeigt (im Gegensatz zu dem Haare des Mannes), dass sie nicht geschaffen ist, um sich mit der Freimütigkeit des Mannes vor jedermann zu zeigen. Dass das Haar des Weibes ihr zum Schleier gegeben ist, deutet an, dass Bescheidenheit und Unterwürfigkeit (ein bedecktes Haupt, das sich gleichsam in dieser Unterwürfigkeit und Bescheidenheit verbirgt) die wahre Stellung des Weibes und ihre eigentliche Ehre sind. Wenn übrigens jemand diesen Punkt bestreiten wollte, so war das eine Gewohnheit, die weder der Apostel noch die Versammlungen zuließen.

Man beachte hier auch, dass die göttliche Ordnung in der Schöpfung, wie tief auch der Mensch gefallen sein mag, niemals ihren Wert als Ausdruck der Gedanken Gottes verliert. So wird auch in dem Briefe des Jakobusses gesagt, dass der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen ist. Was seinen sittlichen Zustand betrifft, so muss er, da er jetzt die Erkenntnis des Guten und Bösen besitzt, wiedergeboren, in Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit geschaffen werden, um das Bild Gottes zu sein, wie es jetzt durch Christum geoffenbart ist. Aber seine Stellung in der Welt als Haupt und Mittelpunkt aller Dinge - was kein Engel jemals gewesen ist - ist der Gedanke Gottes Selbst, gerade so wie die Stellung des Weibes als Genossin seiner Herrlichkeit, aber ihm unterworfen: ein Gedanke, der in herrlicher Weise in Christo, und hinsichtlich des Weibes in der Versammlung, erfüllt werden wird, der aber in sich selbst wahr ist, indem er die von Gott festgesetzte Ordnung enthält und als solcher immer richtig ist; denn die Verordnung Gottes schafft Ordnung, wiewohl ohne Zweifel Seine Weisheit und Seine Vollkommenheit darin entfaltet werden.

Der Leser wird bemerken, dass diese Ordnung in der Schöpfung sowie das, was in den Ratschlüssen Gottes hinsichtlich des Weibes, des Mannes, Christi und Gottes Selbst festgestellt ist, sowie ferner die Tatsache, dass die Menschen (wenigstens die Christen unter der Erlösung) den Engeln zu einem Schauspiel dienen (vgl. 1. Kor 4,9), Gegenstände, die ich hier nur andeuten kann, von höchstem Interesse sind 3.

Der Apostel beschäftigt sich dann mit den Zusammenkünften der Gläubigen. In Vers 2 hatte er die Korinther gelobt, aber in diesem Punkte konnte er sie nicht loben (V. 17). Ihre Zusammenkünfte offenbarten einen Geist der Spaltung. Diese Spaltung ging aus einer Unterscheidung der Reichen und der Armen hervor, gab aber, wie es scheint, auch noch zu anderen Spaltungen Veranlassung; wenigstens waren andere Spaltungen notwendig, um die wirklich Bewährten zu offenbaren. Diese Spaltungen nun hatten den Charakter von Sekten, d. h. besondere Meinungen trennten die Christen derselben Versammlung, der Versammlung Gottes, in verschiedene Schulen; sie standen einander feindlich gegenüber, obwohl sie das Abendmahl gemeinschaftlich nahmen, wenn man überhaupt sagen kann, dass sie es wirklich gemeinsam genossen. Eifersüchteleien, welche zwischen den Reichen und Armen entstanden waren, dienten dazu, die sektiererische Trennung zu fördern. Ich habe vorhin bemerkt: wenn man überhaupt sagen kann, dass sie gemeinschaftlich das Brot brachen; denn ein jeder trug Sorge, sein eigenes Abendmahl zu nehmen, bevor die anderen es taten, und einige waren hungrig, während andere im Übermaß aßen. Das war nicht in Wahrheit des Herrn Abendmahl essen.

Der Apostel benutzt, geleitet durch den Heiligen Geist, diese Gelegenheit, um den Korinthern die Natur und Bedeutung dieser Verordnung zu erklären. Wir müssen hier beachten, dass der Herr den Apostel durch eine besondere Offenbarung hierüber belehrt hatte - ein Beweis, welch großes Interesse jene Verordnung verdient 4, und dass sie einen Teil der Gedanken des Herrn hinsichtlich des ganzen christlichen Wandels ausmacht, dem Er Wichtigkeit beilegt im Blick auf unseren sittlichen Zustand und den Stand unserer geistlichen Zuneigung, sowohl der persönlichen als auch derer der Versammlung. In der Freude der christlichen Freiheit, inmitten der mächtigen Wirkungen der Gegenwart des Heiligen Geistes, der Gaben, durch die der Geist Sich in der Versammlung offenbarte, wurde der Tod des Herrn ins Gedächtnis gerufen und dem Glauben gleichsam als das Fundament und die Grundlage von allem vergegenwärtigt. Diese Tat der Liebe, diese einfache und feierliche Handlung, schwach und nichtig, wie sie in ihrer Erscheinung war, behielt ihren ganzen Wert. Der Leib des Herrn ist für uns geopfert worden - eine wunderbare Tatsache, welcher der Heilige Geist Selbst Zeugnis geben sollte, und die im Herzen des Christen ihre ganze Bedeutung behalten sowie die Grundlage und den Mittelpunkt der Erbauung der Versammlung bilden sollte. Wie groß auch die Kraft sein mochte, die in der Versammlung ans Licht trat - das Herz wurde zu dieser Tatsache zurückgeführt. Der Leib des Herrn Selbst war geopfert 5 worden, die Lippen Jesu hatten unser Gedenken an Ihn gefordert. Dieses Mittel zur Erhaltung des sittlichen Gleichgewichts ist für die Heiligen sehr wichtig. Kraft und Ausübung der Gaben wirken nicht notwendigerweise auf das Gewissen und das Herz derer, denen sie anvertraut sind, noch tun sie dieses immer bei denen, die sich ihrer Entfaltung erfreuen. Und obwohl Gott gegenwärtig ist, und Seine Gegenwart, wenn wir in einem guten Zustande sind, empfunden wird, so ist es doch ein Mensch, der spricht und auf andere einwirkt; der Mensch steht dabei im Vordergrunde. Im Abendmahl des Herrn aber wird das Herz zu einem Punkte zurückgeführt, wo es sich in völliger Abhängigkeit befindet, wo der Mensch nichts ist, wo Christus und Seine Liebe alles sind - das Herz wird geübt, und das Gewissen erinnert sich, dass es der Reinigung bedurfte und gereinigt worden ist durch das Werk Christi; es erinnert sich, dass wir ganz und gar von dieser Gnade abhängig sind, auch sind die Gefühle und Zuneigungen in vollster Tätigkeit. - Es ist wichtig, sich stets an diese Dinge zu erinnern.

Die Folgen, die das Vergessen der Bedeutung dieser Verordnung nach sich zog, bestätigten deren Wichtigkeit sowie den ernsten Wunsch des Herrn, dass die Gläubigen bezüglich derselben vorsichtig sein möchten. Der Apostel steht im Begriff, von der Kraft des Heiligen Geistes, die sich in Seinen Gaben offenbarte, zu reden, sowie von den Regeln, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Ermöglichung der Erbauung, da wo diese Gaben in der Versammlung ausgeübt werden, notwendig waren. Doch bevor er das tut, stellt er das Abendmahl hin als den sittlichen Mittelpunkt, den Gegenstand der Versammlung.

Lasst uns einige der Gedanken des Geistes in Verbindung mit dieser Verordnung betrachten. Zunächst verbindet Er in der stärksten Weise die Gefühle und Zuneigungen des Herzens mit dem Abendmahl. Es war in der Nacht, in welcher Jesus überliefert wurde, dass Er dieses Gedächtnis Seiner Leiden und Seiner Liebe hinterließ. Wie das Passahlamm an die Befreiung erinnerte, die das in Ägypten dargebrachte Opfer Israel verschafft hatte, so rief das Abendmahl das Opfer Christi ins Gedächtnis - Er ist in der Herrlichkeit, der Geist ist gegeben; aber die Gläubigen sollten sich Seiner erinnern. Sein für sie hingegebener Leib war der Gegenstand, der bei diesem Gedächtnismahl vor ihren Herzen stand. Beachten wir das Wort: „Zu meinem Gedächtnis.“ Es ist nicht ein Christus, wie Er jetzt besteht - es ist nicht die Verwirklichung dessen, was Er ist; das wäre kein Gedächtnis, denn Sein Leib ist jetzt verherrlicht. Es ist eine Erinnerung an das, was Er auf dem Kreuze war; es ist ein getöteter Leib, vergossenes Blut, nicht ein verherrlichter Leib. Dessen wird gedacht, obwohl von solchen, die jetzt mit Christo in der Herrlichkeit, in die Er eingegangen ist, vereinigt sind. Als Auferstandene und mit Ihm in Herrlichkeit Verbundene schauen sie zurück auf jenes gesegnete Werk der Liebe und auf Seine in demselben geoffenbarte Liebe, die ihnen dort einen Platz gegeben hat. Ebenso trinken sie von dem Kelche in Erinnerung an Ihn. Mit einem Wort, es ist Christus, betrachtet als gestorben; einen solchen Christus gibt es jetzt nicht mehr. Es ist das Gedächtnis an Christum Selbst, es ist das, was an Ihn fesselt, nicht nur der Wert Seines Opfers, sondern ein Hingezogenwerden zu Ihm, die Erinnerung an Ihn Selbst. Wenn es nun ein gestorbener Christus ist, so zeigt uns jetzt der Apostel, wer Der ist, der gestorben ist. Es ist unmöglich, zwei Worte zu finden, in deren Verbindung eine so tiefe Bedeutung liegt wie in den Worten: der Tod des Herrn. Wie vieles liegt in der Tatsache, dass Er, der Herr genannt wird, gestorben ist! Welch eine Liebe! welche Ratschlüsse! welch eine Kraft! welche Folgen! Der Herr Selbst hat Sich für uns hingegeben. Wir feiern Seinen Tod. Zugleich ist dieser Tod das Ende der Beziehungen Gottes zu der Welt auf dem Boden der Verantwortlichkeit des Menschen - mit Ausnahme des Gerichts. Dieser Tod hat jedes Band zerrissen, hat die Unmöglichkeit irgendeiner Verbindung erwiesen. Wir verkündigen diesen Tod bis der verworfene Herr wiederkommt, um neue Verbindungen herzustellen, indem Er uns zu Sich nimmt, um teil daran zu haben. Das ist es, was wir in der Feier des Abendmahls verkündigen. Außerdem ist es in sich selbst eine Erklärung, dass das Blut, auf welches der neue Bund gegründet ist, schon vergossen worden ist: er wurde in diesem Blute errichtet.

Ich gehe nicht über das hinaus, was die vorliegende Stelle besagt; der Zweck des Geistes Gottes ist hier nicht, uns die Wirkung des Todes Christi vorzustellen, sondern das, was das Herz an Ihn fesselt, wenn es Seines Todes gedenkt, sowie die Bedeutung der Handlung selbst. Es ist ein gestorbener, verratener Christus, dessen wir gedenken. Der geopferte Leib war gleichsam vor den Augen der Korinther bei diesem Abendmahl; das vergossene Blut des Heilandes machte Anspruch auf die Zuneigung ihrer Herzen für Ihn. Sie waren der Verachtung dieser kostbaren Gegenstände schuldig, wenn sie in unwürdiger Weise an dem Mahle teilnahmen. Der Herr Selbst hat in der rührendsten Weise, gerade in dem Augenblick, da Er verraten wurde, unsere Gedanken auf diese Verordnung gerichtet.

Aber wenn Christus so das Herz anzog, um dessen Aufmerksamkeit hierauf zu lenken, so wurde auch die Zucht in Verbindung mit dieser Anordnung in ernster Weise ausgeübt. Wenn die Korinther den Leib und das Blut des Herrn verachteten, indem sie leichtfertig am Abendmahl teilnahmen, so wurde Züchtigung auferlegt. Viele waren krank und schwach geworden, und manche waren entschlafen, d. h. gestorben. Es ist hier nicht die Rede davon, ob man würdig ist teilzunehmen, sondern ob man in einer unwürdigen Weise teilnimmt. Jeder Christ war würdig (es sei denn, dass eine Sünde ihn ausgeschlossen hatte), an dem Abendmahl teilzunehmen, weil er ein Christ war. Aber er konnte kommen, ohne sich selbst zu prüfen oder ohne das, woran ihn das Abendmahl erinnerte und was Christus damit verbunden hatte, gebührend zu würdigen. Er unterschied dann nicht den Leib des Herrn, und er unterschied nicht, er richtete nicht das Böse, das in ihm war, Gott kann uns nicht in einer solchen Sorglosigkeit belassen. Wenn der Gläubige sich selbst richtet, so wird der Herr ihn nicht richten; wenn wir es aber unterlassen, uns zu richten, so richtet der Herr. Allein wenn der Christ gerichtet wird, so wird er vom Herrn gezüchtigt, damit er nicht mit der Welt verurteilt werde. Es ist die Regierung Gottes in den Händen des Herrn, der Sein eigenes Haus richtet - eine wichtige und leider zu oft vergessene Wahrheit! Ohne Zweifel entspricht das Ergebnis von allem den Ratschlüssen Gottes, der in Seiner Regierung Seine ganze Weisheit, Seine Geduld und die Gerechtigkeit Seiner Wege entfaltet; aber diese Regierung ist eine Wirklichkeit. Gott begehrt das Wohl Seines Volkes am Ende; aber Er will Heiligkeit haben, ein Herz, dessen Zustand dem entspricht, was Er geoffenbart hat (und Er hat Sich Selbst geoffenbart), und einen Wandel, welcher der Ausdruck davon ist. Der regelrechte Zustand eines Christen ist Gemeinschaft, gemäß der Kraft dessen, was geoffenbart worden ist. Mangelt etwas in dieser Beziehung, so ist die Gemeinschaft verloren und mit ihr die Kraft, Gott zu verherrlichen, eine Kraft, die nirgendwo anders gefunden wird. Aber wenn man sich selbst richtet, so gibt es eine Wiederherstellung; wird das Herz von dem Bösen gereinigt, indem man dieses Böse richtet, so ist die Gemeinschaft wiederhergestellt. Wenn man sich nicht richtet, so muss Gott ins Mittel treten und uns durch Zucht zu Recht bringen und reinigen - eine Zucht, die selbst bis zum Tode führen kann (vgl. Hiob 33 und Hiob 36; 1. Joh 5,16; Jak 5,14+15 ).

Es sind hier indessen noch einige weitere Bemerkungen zu machen. Für „sich selbst richten“ (beurteilen) ist im Griechischen nicht dasselbe Wort gebraucht wie für „von dem Herrn gerichtet werden“. Vielmehr ist es das Wort, welches in Vers 29 gebraucht wird: „indem er den Leib des Herrn nicht unterscheidet.“ Was wir also zu tun haben, ist nicht allein, das begangene Böse zu richten, sondern unseren Zustand zu beurteilen, wie er durch den Wandel im Licht - wie Gott Selbst im Lichte ist - offenbar wird. Dies bewahrt uns vor dem Fallen in die Sünde, sei es in Taten oder in Gedanken. Wenn wir aber gefallen sind, so genügt es nicht, die Tat zu richten; wir müssen uns selbst richten, den Zustand des Herzens, die Neigung, die Nachlässigkeit, durch die unser Fall hervorgerufen wurde - mit einem Wort: das was nicht Gemeinschaft mit Gott ist oder was diese Gemeinschaft verhindert. So handelte der Herr mit Petrus: Er tadelte ihn nicht wegen seiner Sünde, sondern Er richtete ihre Wurzel.

Überdies sollte die Versammlung Kraft haben, um diese Dinge zu beurteilen. Gott handelt in dieser Weise, wie wir in Hiob gesehen haben; aber die Heiligen besitzen den Sinn Christi durch den Geist Christi und sollten ihren eigenen Zustand beurteilen.

Die Grundlage und der Mittelpunkt von diesem allem ist die Stellung, in der wir zu Christo in dem Abendmahl stehen, als dem sichtbaren Mittelpunkt der Gemeinschaft und dem Ausdruck Seines Todes, in dem die Sünde, alle Sünde, gerichtet worden ist. Wir stehen in Verbindung mit diesem heiligen Gericht über die Sünde, als unserem Teil. Wir können den Tod Christi nicht mit der Sünde vermischen. Dieser Tod ist, was seine Natur und Wirkung betrifft, deren volles Ergebnis am Ende geoffenbart werden wird, die völlige Beseitigung der Sünde; er ist die göttliche Verneinung derselben. Christus ist der Sünde gestorben, und zwar aus Liebe zu uns. Sein Tod ist die absolute Heiligkeit Gottes, uns fühlbar gemacht und ausgedrückt in dem, was hinsichtlich der Sünde stattgefunden hat, er ist die völlige Hingabe an Gott zu Seiner Verherrlichung in dieser Beziehung. Sünde oder Nachlässigkeit mit diesem Tode in Verbindung bringen, heißt den Tod Christi entweihen, welcher lieber starb, als dass Er die Sünde vor Gott hätte bestehen lassen. Wir können nicht mit der Welt verurteilt werden, weil Christus gestorben ist und die Sünde für uns beseitigt hat; aber Sünde mit dem in Verbindung zu bringen, was gerade diesen Tod darstellt, in dem Er für die Sünde gelitten hat, ist etwas, das nicht geduldet werden kann. Gott verlangt das, was der Heiligkeit und Liebe eines Christus gebührt, der Sein Leben hingegeben hat, um die Sünde hinweg zu tun. Man kann nicht sagen: ich will nicht zu dem Mahle des Herrn gehen, das würde heißen: ich will die Sünde erwählen und das Bekenntnis des Wertes jenes Todes aufgeben. Wir prüfen uns selbst und gehen, wir stellen in unserem Gewissen die Rechte des Todes Christi wieder her - denn alles ist vergeben und gesühnt, was die Schuld betrifft, und wir gehen hin, um diese Rechte als Beweis der unendlichen Gnade anzuerkennen.

Die Welt ist verurteilt. Die Sünde in dem Christen ist gerichtet; sie entgeht weder dem Auge noch dem Gericht Gottes. Er erlaubt sie niemals, Er reinigt den Gläubigen von ihr, indem Er ihn züchtigt, obwohl Er ihn nicht verurteilt, weil Christus seine Sünden getragen hat und für ihn zur Sünde gemacht worden ist. Der Tod Christi bildet also den Mittelpunkt der Gemeinschaft in der Versammlung und den Prüfstein für das Gewissen, und dies, im Blick auf die Versammlung, in dem Abendmahl des Herrn.

Der andere Teil der Wahrheit, hinsichtlich der Versammlung Gottes im Allgemeinen und hinsichtlich der einzelnen örtlichen Versammlungen, besteht in der Gegenwart und in den Gaben des Heiligen Geistes. Diese sowohl wie das Abendmahl des Herrn stehen mit der Einheit in Verbindung 6, indem jeder einzelne im Blick auf beide Dinge verantwortlich ist. Diesen Gegenstand der geistlichen Offenbarungen behandelt der Apostel im folgenden Kapitel.

Fußnoten

  • 1 In 1.Timotheus 2,11-15 wird die sittliche Wirkung der Umstände des Sündenfalles eingeführt als dasjenige, was dem Weibe seinen wahren Platz in der Versammlung gegenüber dem Manne gibt.
  • 2 Es handelt sich hier noch nicht um die Ordnung in der Versammlung. Das beginnt erst mit Vers 17.
  • 3 Das erste Kapitel des ersten Buches Mose stellt uns den Menschen in seiner Stellung in der Schöpfung dar, wie sie ihm von Gott, dem Schöpfer, gegeben wurde, das zweite seine eigene Beziehung zu Jehova Gott, in die er in Verbindung mit Ihm gebracht war, sowie die Beziehung des Weibes zu ihm selbst.
  • 4 Dies steht auch mit der Tatsache in Verbindung, dass das Abendmahl der Ausdruck der Einheit des Leibes ist - eine Wahrheit, die speziell dem Apostel anvertraut war. Andererseits war er nicht gesandt zu taufen. Die Taufe war nur die Aufnahme in das Haus, das bereits aufgerichtet und in das der Apostel aufgenommen worden war wie andere.
  • 5 Ich sage nicht „gebrochen“, in den besten Handschriften fehlt dieser Ausdruck; doch es ist das Gedächtnis daran, dass Christus geschlachtet und Sein kostbares Blut vergossen worden ist.
  • 6 In Betreff des Abendmahls haben wir dies in 1.Kor 10,17 gesehen; hinsichtlich des Heiligen Geistes werden wir es in 1.Kor 12,13 finden.
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