Betrachtung über 1. Korinther (Synopsis)

Kapitel 10

Betrachtung über 1. Korinther (Synopsis)

Der Apostel stellt jetzt den Korinthern die Wege Gottes mit Israel in der Wüste vor als eine Unterweisung hinsichtlich Seiner Wege mit uns, indem er erklärt, dass die Dinge, die Israel einst widerfuhren, Vorbilder waren und uns als Beispiele dienen sollen. Das ist ein wichtiger Grundsatz, der - wollen wir anders Nutzen aus ihm ziehen - deutlich verstanden werden muss. Nicht Israel ist das Vorbild, sondern das, was Israel begegnete: die Wege Gottes mit diesem Volke. Die Dinge selbst sind Israel widerfahren, aber sie sind niedergeschrieben worden zu unserer Belehrung, die wir uns am Ende der Verwaltungen Gottes befinden. Was noch folgt, wird das Gericht Gottes sein, und dann werden jene Beispiele nicht mehr dem Leben des Glaubens dienen.

Sodann werden zwei Grundsätze aufgestellt, die gleichfalls von großer praktischer Bedeutung sind: „Wer zu stehen sich dünkt, sehe zu, dass er nicht falle“, das ist unsere Verantwortlichkeit. Andererseits sehen wir die Treue Gottes: Er lässt nicht zu, dass wir über unser Vermögen versucht werden, sondern Er schafft einen Ausweg, damit wir nicht straucheln. - Im Blick auf den Götzendienst sucht der Apostel jene heilige Furcht einzuflößen, die die Gelegenheit, Böses zu tun, die Gelegenheiten zum Fall, vermeidet. Man steht durch den Tisch, an welchem man teilnimmt, in Verbindung und Gemeinschaft mit dem, was er enthält, und wir Christen, obwohl viele, sind nur ein Brot und ein Leib 1, insofern wir an demselben Brote bei dem Mahle des Herrn teilhaben. Diejenigen, die in Israel von den Opfern aßen, hatten teil mit dem Altar, waren mit demselben einsgemacht. So waren auch die, die von Götzenfleisch als solchem aßen, mit dem Götzen, dem es dargebracht wurde, einsgemacht. Wollte das sagen, dass das Götzenbild etwas sei? Nein, sondern wie geschrieben steht: „Was die Nationen opfern, opfern sie den Dämonen und nicht Gott“ (5. Mose 32). Sollte nun ein Christ an dem Tische der Dämonen teilnehmen? Der Tisch war der Tisch der Dämonen, der Kelch der Kelch der Dämonen: ein wichtiger Grundsatz für die Versammlung Gottes. Wollte man den Herrn zur Eifersucht reizen, indem man Ihn mit Dämonen auf eine Stufe stellte? Hier spielt der Apostel wieder auf 5. Mose 32,21 an. Dann wiederholt er den schon ausgesprochenen Grundsatz, dass er in jeder Beziehung frei sei, dass er sich aber einerseits von nichts unterjochen lassen und andererseits seine Freiheit zum geistlichen Wohle aller gebrauchen wolle. In Befolgung dieser Richtschnur sind seine Unterweisungen folgende: was auf dem Fleischmarkt verkauft wurde, sollten sie ohne Gewissensbedenken essen. Wenn aber jemand sagte: „Dies ist als Opfer dargebracht worden“, so war das ein Beweis, dass der Redende sich wegen des Götzen ein Gewissen machte, und dann sollten sie um des Gewissens des anderen willen nicht davon essen. Was den betraf, der frei war, so konnte seine Freiheit nicht durch das Gewissen des anderen beurteilt werden, denn als Lehre, und da, wo Erkenntnis vorhanden war, erkannte der Apostel es als eine Wahrheit an, dass das Götzenbild nichts ist. Das geschlachtete Tier war einfach ein Geschöpf Gottes. Gemeinschaft mit dem, was falsch ist, sollte ich vermeiden, besonders in dem, was sich auf die Gemeinschaft mit Gott Selbst bezieht. Und die Freiheit, die die Wahrheit mir gegeben hat, sollte ich lieber verleugnen, als das schwache Gewissen anderer zu verletzen.

Übrigens sollten wir in allen Dingen, selbst im Essen und Trinken, die Verherrlichung Gottes suchen und alles zu Seiner Ehre tun, indem wir durch den Gebrauch unserer Freiheit keinen Anstoß geben, weder den Juden noch den Heiden noch der Versammlung Gottes, dem Beispiel des Apostels folgend, der sich selbst verleugnete und allen zu ihrer Auferbauung zu gefallen suchte.

Fußnoten

  • 1 Hier gelangt der Apostel zu dem engeren Kreise des Leibes Christi, der wahren Versammlung Gottes, die miteinander verbunden ist durch den Heiligen Geist, wovon das Mahl des Herrn der Ausdruck ist.
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