Betrachtung über 1. Korinther (Synopsis)

Kapitel 2

Betrachtung über 1. Korinther (Synopsis)

In diesem Geist war Paulus im Anfang zu den Korinthern gekommen, er wollte nichts wissen als Christus1, und zwar Christus in seiner Demütigung und Erniedrigung, als den Gegenstand der Verachtung törichter Menschen. Die Rede des Apostels hatte nicht die fleischliche Anziehungskraft einer kunstvollen Beredsamkeit, sondern war der Ausdruck der Gegenwart und Wirkung des Geistes und der Kraft, die diese Gegenwart begleitete. Der Glaube der Korinther ruhte daher nicht auf schönen menschlichen Worten, die ein anderer, der noch beredter und klüger war, umstoßen konnte, sondern auf der Kraft Gottes – eine feste Grundlage für unsere schwachen Seelen; gepriesen sei sein Name dafür!

Dennoch gab es, wenn eine Seele einmal in der Lehre vom Heil in Christus unterwiesen und befestigt war, eine Weisheit, und von dieser Weisheit redet der Apostel. Es war nicht die Weisheit dieses Zeitlaufs noch der Fürsten dieses Zeitlaufs, die mit all ihrer Weisheit zunichte werden, sondern die Weisheit Gottes in einem Geheimnis, ein verborgener Ratschluss Gottes (jetzt durch den Geist offenbart), den Er nach seinem Vorsatz zu unserer Herrlichkeit gefasst hat, ehe die Welt war – ein Ratschluss, den keiner der Fürsten dieses Zeitlaufs mit all ihrer Weisheit erkannt hat. Hätten sie ihn erkannt, so würden sie nicht den Einen gekreuzigt haben, in dessen Person alles erfüllt werden sollte. Der Apostel berührt den Gegenstand des Geheimnisses (weil er die Korinther wie Kinder nähren musste) nur, um es der falschen Weisheit dieser Welt gegenüberzustellen; aber die Art und Weise, wie diese Weisheit mitgeteilt wird, ist wichtig. Was niemals in das Herz des Menschen gekommen war 2, hatte Gott durch seinen Geist offenbart, denn der Geist erforscht alles, selbst die Tiefen Gottes. Nur der Geist des Menschen, der in ihm ist, kennt die Dinge, die noch nicht von ihm mitgeteilt sind: so kennt auch niemand die Dinge Gottes, außer dem Geist Gottes. Und diesen Geist Gottes hatten der Apostel und die anderen Werkzeuge der Offenbarung empfangen, die Dinge zu erkennen, die uns von Gott geschenkt sind. Dies ist die Erkenntnis der Dinge selbst in den Gefäßen der Offenbarung. Nachher sollten diese Werkzeuge Gottes die Dinge mitteilen. Der Apostel tat das, nicht mit Worten, die die Kunst des Menschen, sondern die der Geist, die Gott lehrte, mitteilend geistliche Dinge durch geistliche Mittel 3. Die Mitteilung war ebenso wohl durch den Geist wie die mitgeteilte Sache. Doch etwas fehlte noch, wenn auch andere diese Offenbarung besitzen sollten, nämlich die Aufnahme der Mitteilungen. Diese Aufnahme erforderte gleichfalls die Wirksamkeit des Geistes. Der natürliche Mensch nahm sie nicht an, und sie werden geistlich beurteilt. Die Quelle, das Mittel der Mitteilung, die Aufnahme – alles war von dem Geist. So beurteilt der geistliche Mensch alle Dinge; er selbst aber wird von niemandem beurteilt. Die Kraft des Geistes in ihm macht sein Urteil wahr und richtig, verleiht ihm aber zugleich Beweggründe und bewirkt einen Wandel, die beide für denjenigen, der den Geist nicht hat, unverständlich sind. So einfach dies alles ist, könnte es doch nichts Wichtigeres geben als diese Unterweisung.

Fußnoten

  • 1 Beachten wir hier, dass Paulus nicht sagt, dass er nichts anderes wissen wolle als das Kreuz, wie manche, und selbst Christen, diese Stelle verkehrt anwenden. Er wollte nichts wissen als Christus, gegenüber der Philosophie, die unter diesen Heiden herrschte, und zwar Christus in der niedrigsten Gestalt, um den menschlichen Stolz zu zerstören. Ferner teilt uns Paulus mit, dass er unter denen, die in das Christentum eingeführt waren, Weisheit lehre; aber es war die Weisheit Gottes, offenbart durch Den, der die Tiefen Gottes selbst erforscht. Der Missbrauch, der oft mit dieser Stelle getrieben wird (man führt sie außerdem noch ungenau an), ist äußerst beklagenswert.
  • 2 Diese Stelle wird oft in dem Sinn angeführt, als ob die Dinge so groß seien, dass man sie nicht kennen könne, während sie eine Anführung aus Jesaja ist, um zu zeigen, dass das, was damals nicht gekannt sein konnte (als das Böse vorhanden war und mit dem Menschen gehandelt wurde nach dem, was er war), jetzt offenbart ist - jetzt wo der Mensch in der Person Christi in der Herrlichkeit und der Heilige Geist herabgekommen ist, um uns zu zeigen, was dort ist. Christentum ist nicht Judentum.
  • 3 Ich zweifle nicht daran, dass dies der Sinn der Stelle ist. Die Mittel waren von derselben Natur wie die Sache, für die sie angewandt wurden.
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