Einführung in das Buch Esra

Das Buch Esra führt uns in die Zeit unmittelbar nach der babylonischen Gefangenschaft. Im ersten Teil des Buches erfahren wir, was unter der Leitung Serubbabels und Jeschuas passierte. Im zweiten Teil des Buches erfahren wir, was unter der Leitung Esras passierte. Das Buch spricht jeden Leser an, und das nicht nur wegen seines Inhaltes, sondern besonders durch die handelnden Personen.

Das Buch Esra beschreibt chronologisch, wie ein Überrest der aus Babel zurückgekehrten Juden den Tempel in Jerusalem wiederaufbaute, den die Babylonier Jahrzehnte vorher zerstört hatten. Das Buch trägt den Namen Esras, weil er der inspirierte Schreiber ist und selbst eine entscheidende Rolle in seinem Buch spielt. Der Wiederaufbau des Tempels wird ebenso vollständig beschrieben wie das folgende Buch Nehemia den Wiederaufbau der Stadt und ihrer Mauer beschreibt.

Die Botschaft des Buches Esra ist einfach und gut verständlich für jeden, der es aufrichtig liest. Die Botschaft ist zugleich aufrüttelnd und herausfordernd. Das Buch behandelt einen wichtigen Zeitabschnitt der Geschichte des Volkes Gottes mit wichtigen Belehrungen für jeden Leser – damals wie heute.

Der Bericht der Wegführung der Juden aus ihrem Land ist einerseits traurig und demütigend. Die Rückkehrer werden siebenmal „Kinder der Wegführung genannt“ (Kap 4,1; 6,16.19.20; 8,35; 10,7.16). Dieser Ausdruck spricht von Schwachheit, denn er zeigt, dass das Volk damals kein freies Volk war, sondern unter der Herrschaft der Nationen stand. Der Bericht über die Rückkehr des Überrestes der Juden ist andererseits Mut machend, weil er Gottes Werk zeigt. Es fällt auf, dass der Überrest in diesem Buch wiederholt mit „Israel“ identifiziert wird, obwohl es nur einige wenige aus den Stämmen Juda und Benjamin waren. Gott sah diese wenigen als Repräsentanten des ganzen Volkes. Dreimal kommt sogar der Ausdruck „ganz Israel“ vor (Kap 2,70; 6,17; 8,35). Es ist eine Zeit „kleiner Dinge“ (Sach 4,10) und einer „kleinen Kraft“ (Off 3,8), die wir jedoch nicht verachten sollten, weil Gott gerade in dieser Zeit zugleich ein „großes Werk“ hat (Neh 6,3). Das gilt bis heute unverändert. Wo zwei oder drei zu dem Namen des Herrn hin versammelt sind, gilt unverändert seine Zusage, in der Mitte zu sein (Mt 18,20). So können wir heute „Versammlung Gottes“ realisieren.

Wir sehen im Buch Esra – ebenso wie im Buch Nehemia – erstens das wunderbare Handeln Gottes in Vorsehung mit seinem Volk in der Zeit der Nationen. Wir sehen zweitens, wie Gott Männer gebraucht, um andere zu motivieren, Interesse für die Sache Gottes zu zeigen und Widerstände zu überwinden. Wir sehen drittens, wie sich selbst bei einer von Gott hervorgebrachten Erweckung sehr schnell erneutes Abweichen einschleicht.

Es lohnt sich, das Buch Esra unter Gebet zu lesen und zu studieren. Es wird nur zu unserem Nutzen und zum Nutzen des Volkes Gottes sein und dazu beitragen, dass Gott in einer Zeit des Endes durch uns geehrt und verherrlicht wird.

1. Der historische Hintergrund

Zum Verständnis der geschichtlichen Bücher Esra und Nehemia sowie der drei korrespondierenden Propheten Haggai, Sacharja und Maleachi (diese fünf Bücher sind nach dem Exil in Babel geschrieben worden)1 ist eine gewisse Kenntnis des geschichtlichen Hintergrundes unerlässlich.2

Das geeinte Königreich Israel wurde nach der Regierung Salomos in das Nordreich (zehn Stämme) und das Südreich (zwei Stämme Juda und Benjamin) geteilt. Die Ursache dafür lag vor allem in dem Fehlverhalten Salomos. 722/721 v. Chr. kam das Nordreich zu einem Ende und wurde aufgelöst. Gott benutzte dazu die Assyrer. Im Jahr 605 v. Chr. begann der Zerfall des Südreiches Juda durch den ersten Angriff der Babylonier und einer ersten Deportation von Juden. Im Jahr 586 v. Chr. endete dieses Reich unter König Zedekia. Nahezu alle Juden wurden nach Babylon verschleppt. Was Gott angekündigt hatte (vgl. Jer 25,11; Dan 9,2), traf ein. Gott bediente sich der Babylonier, um die heilige Stadt Jerusalem in Schutt und Asche zu legen und zu einer nahezu menschenleeren Stadt zu machen.

Insgesamt fanden drei große Deportationen nach Babel statt, und zwar:

  • unter König Jojakim im Jahr 606/605 v. Chr.
  • unter König Jojakin im Jahr 598/597 v. Chr.
  • unter König Zedekia im Jahr 587/586 v. Chr.

Damit wohnte das irdische Volk Gottes nicht mehr in dem Land, das Gott ihnen als Erbteil versprochen hatte. Doch nicht nur das. Die Vertreibung der Juden aus ihrem Land hatte zwei weitere wichtige Folgen:

  • Die Herrlichkeit Gottes verließ den Tempel (Hes 9–11), der dann zerstört wurde. Die Geräte des Tempels wurden in mehreren Etappen nach Babel gebracht und im Schatzhaus der babylonischen Götter verwahrt (2. Kön 24,13; Dan 1,2. Später wurden sie in Babel sogar missbraucht (Dan 5,1–4).
  • Der Thron und die Regierung Gottes waren nicht mehr in Jerusalem3. Die „Zeiten der Nationen“ hatten begonnen (Lk 21,24) und dauern an. Die Regierung lag nun in den Händen heidnischer Könige. Die vier Weltreiche, von denen Daniel ausführlich spricht, nahmen ihren Anfang (Babel, Persien, Griechenland, Rom). Gott hatte natürlich nicht die Kontrolle über die Geschicke der Völker verloren, doch seine Regierung war nun eine mittelbare4.

Gott hatte angekündigt, dass die Gefangenschaft 70 Jahre dauern würde (Jer 25,11.12; 29,10) Sie begann um 606/605 v.Chr. und endete um 536 v.Chr. mit der Genehmigung des Königs Kores, den Tempel in Jerusalem wieder zu bauen.5 An dieser Stelle beginnt das Buch Esra (Esra 1,1). Gott nahm zwar die Folgen der Sünde des Volkes nicht ganz weg, denn die Herrlichkeit Gottes kehrte nicht in den damaligen Tempel zurück, und die Zeiten der Nationen hörten nicht auf6. Dennoch schenkte Er seinem Volk eine Erweckung und brachte sie – einen Überrest der Juden – in das Land ihrer Väter zurück7.

So wie es drei Deportationen nach Babel gegeben hatte, gab es drei Gruppen von Rückkehrern:

  1. Ca. 536 v. Chr. kehrte eine erste Gruppe von 42.360 Juden unter Serubbabel (königlicher Nachkomme Davids) und Josua (priesterlicher Nachkomme Aarons) (Esra 2,64) nach Jerusalem zurück. Diese beiden Führer repräsentieren den politischen (königlichen) bzw. geistlichen (priesterlichen) Charakter des Überrestes. Im Zentrum dieser ersten Rückkehr standen der Bau des Altars und des Tempels.
  2. Ca. 458 v. Chr. kehrten ca. 4000 weitere Juden unter dem Schriftgelehrten Esra zurück (Esra 7 und 8). Im Zentrum dieser Rückkehr standen besonders das Wort Gottes und die Einhaltung der Vorschriften des Gesetzes.
  3. Ca. 445 v. Chr. kam eine dritte – relativ kleine Gruppe – mit Nehemia zurück (Neh 2). Die genaue Anzahl der Rückkehrer ist nicht bekannt. Im Mittelpunkt dieser Rückkehr standen die Stadt Jerusalem und besonders ihre Mauer und ihre Tore. Das öffentliche und zivile Leben in der Stadt wurde wiederhergestellt. Den Bericht darüber finden wir im Buch Nehemia.

Das Buch Esra beschreibt die Zeit der ersten und zweiten Rückführung. Das Buch Nehemia beschreibt die Zeit der dritten Rückführung.

2. Inhalt und Zweck der Niederschrift

Das Buch Esra beschreibt im ersten Teil vor allem den Altar, der an seiner Stelle aufgerichtet wurde und den Bau des Tempels. Im zweiten Teil finden wir Esra als Person und sein vorbildliches Verhalten. Beides wird geschildert, um nachfolgenden Generationen zu zeigen, wie mächtig Gott wirkt und welche Folgen es hat, wenn man Gott vertraut.

König Kores hatte – unter der Vorsehung Gottes – den Juden die Rückkehr in ihr Land und nach Jerusalem erlaubt, um dort den Tempel Gottes wieder zu bauen. Unter der Leitung von Serubbabel und Jeschua folgte eine gewisse Anzahl der Juden in Babel dem Dekret des Königs. Sie kehrten nach Jerusalem zurück. Nachdem sie in Jerusalem angekommen waren, machten sie sich zuerst an Bau und Weihe des Altars. Das schien für sie offensichtlich erste Priorität zu haben. Danach wurde die Grundlage zum Tempelbau gelegt. Im weiteren Verlauf wollte das samaritische Mischvolk beim Bauen helfen. Dieses Ansinnen wurde jedoch von den Juden aus gutem Grund zurückgewiesen,

Wo Gott wirkt, ist Satan nie untätig. Es gab Widersacher, die den Bauenden große Schwierigkeiten bereiteten. Sie engagierten Ratgeber gegen die Juden, und es gelang ihnen, den Bau für einige Jahre stillzulegen. Kapitel 4 berichtet über den in aramäischer Sprache geschriebenen Brief an den König von Persien. Die wirklichen Ursachen für den Baustopp finden wir im Propheten Haggai. Es waren nicht nur die Drohungen der Feinde, sondern es waren vor allem falsche Prioritäten der Juden, denen ihr eigenes Fortkommen wichtiger war als der Bau des Hauses Gottes. Die Botschaft der Propheten Haggai und Sacharja erreichte jedoch ihr Ziel. Die Herzen der Juden konnten gewonnen werden; die Bauarbeiten wurden wieder aufgenommen.

Doch die Feinde gaben nicht auf. Der Gouverneur Tatnai erschien auf der Bildfläche mit dem erneuten Versuch, die Arbeiten am Tempel zu stoppen – doch er blieb erfolglos. Er richtete eine Beschwerde an den König in einem auf aramäisch geschriebenen Brief. Esra hatte Zugriff auf diese Dokumente und gab sie in der aramäischen (chaldäischen) Sprache wieder, in der sie geschrieben waren. Als der König Darius die Sache daraufhin untersuchen ließ, wurde die Schriftrolle mit dem Bericht von König Kores gefunden, der den Tempelbau genehmigt hatte. König Darius erließ jetzt ein Dekret, das den Feinden der Juden verbot, den Wiederaufbau des Tempels weiter zu behindern. Die Juden konnten weiterbauen und den Bau vollenden. Das Dekret setzte sogar eine großzügige Spende aus Mitteln des Königs für die Juden fest.

Eine geraume Zeit nach diesen Ereignissen erscheint Esra auf der Bildfläche. Der zweite Teil des Buches beschreibt sein Werk und wie er – mit der Genehmigung von König Artasasta – eine weitere, deutlich kleinere Gruppe von Exiljuden aus Babel anführte, um nach Jerusalem zurückzukehren. Die Reise wurde sorgfältig vorbereitet. Sie versammelten sich am Fluss Ahawa, wo sie drei Tage lang lagerten. Bevor sie sich dann auf die Reise machten, fasteten sie und demütigten sich vor Gott. Sie erbaten seine Hilfe für ihren Weg. Wenig später erreichten sie Jerusalem, indem Gott sie beschützte.

Dann erfolgt der Bericht einer tiefgreifenden Reformation, in der Esra mit dem Fehlverhalten des Volkes aufräumt, das sich eingenistet hatte. Dabei ging es vor allem um verkehrte Verbindungen, die das Volk eingegangen war. Esra trauert über den Zustand des Volkes und demütigt sich vor seinem Gott. Kapitel 9 enthält sein ergreifendes Gebet, das vorbildhaften Charakter trägt. Das Ende des Buches zeigt uns die segensreichen Folgen des Dienstes dieses hingebungsvollen Dieners Gottes in einer schweren Zeit.

3. Hinweise zur Chronologie

Esra beschreibt Ereignisse in einem Zeitraum von ca. 80 Jahren. Er nennt eine Reihe von persischen Königen, nämlich Kores (im ersten Teil des Buches vierzehnmal), Ahasveros (einmal in Kapitel 4,6), Artasasta (in Kapitel 4 fünfmal), Darius I8 (in den Kapitel 4–6 zehnmal), Artasasta (Artaxerxes I Longimanus) (in den Kapiteln 7 und 8 sechsmal).

Insgesamt wird siebenmal konkret mit Jahreszahlen auf die Regierung der persischen Könige verwiesen (vgl. Esra 1,1; 4,24; 5,13; 6,3.15; 7,7.8). Alle genannten Könige finden sich in der säkularen Geschichtsschreibung wieder.

Folgende Übersicht mag hilfreich sein, die verschiedenen Aktivitäten im Umfeld des Buches Esra zeitgeschichtlich besser einordnen zu können (die genannten Jahreszahlen sind ca.-Angaben und können geringfügig abweichen):

  • 559–529 v. Chr.: Kores (Cyrus) regiert (Esra 1,1)
  • 539 v. Chr.: Eroberung Babels durch die Perser und Meder
  • 538/537 v.Chr.: Das erste Jahr von König Darius, dem Meder, beginnt (Dan 6,1)
  • 537/536 v. Chr.: Erlass des Königs Kores zum Tempelbau (Esra 1,2)
  • 537/536 v. Chr.: Ende der 70-jährigen Gefangenschaft
  • 537/536 v. Chr.: Erste Rückkehr unter Serubbabel und Jeschua
  • 536–510 v.Chr.: Serubbabel Statthalter in Jerusalem
  • 536 v. Chr.: Der Tempelbau beginnt (Esra 3,8)
  • 529–523 v. Chr.: Ahasveros (Kambyses II) regiert (Esra 4,6)
  • 523–522 v. Chr.: Artasasta (Semerdis/Bardiya) regiert (Esra 4,7)
  • 522–485 v. Chr.: Darius I Hystaspes, (der Große) regiert über Persien (Esra 4,5)
  • 522 v. Chr.: Der Tempelbau wird unterbrochen (Esra 4,24)9
  • 520 v. Chr.: Haggai und Sacharja weissagen (Hag 1,1; Sach 1,1)
  • 520 v. Chr.: Der Bau des Tempels wird wieder aufgenommen (Esra 4,24; 5,2)
  • 516 v. Chr.: Der Tempelbau wird abgeschlossen (Esra 6,15)
  • 485–464 v. Chr.: Ahasveros (Xerxes I) regiert (Est 1,1)
  • 479/478 v. Chr.: Esther wird zur Königin gekrönt
  • 464–424 v. Chr.: Artasasta (Artaxerxes I Longimanus) regiert (Esra 7,1)
  • 458 v. Chr.: zweite Rückkehr der Juden unter Esra (Esra 7,1.8)
  • 458–440 v. Chr.: Esra Statthalter in Jerusalem
  • 445 v. Chr.: dritte Rückkehr unter Nehemia (Neh 2,1)
  • 445–415 v.Chr.: Nehemia Statthalter
  • 444 v. Chr.: Die Mauer wird gebaut und fertiggestellt (Neh 3)
  • 424–423 v. Chr.: Xerxes II regiert
  • 423–404 v. Chr.: Darius II regiert (Neh 12,22)
  • 404–358 v. Chr.: Artaxerxes II regiert

4. Stellung des Buches Esra im biblischen Kanon

In den meisten modernen Bibelausgaben folgen die geschichtlichen Bücher Esra und Nehemia den Büchern Könige und Chronika. In der hebräischen Bibel gehören sie zu dem Teil der sogenannten „Schriften“ und stehen vor den Büchern Chronika, obwohl sie inhaltlich eine Fortsetzung dessen sind, was dort beschrieben wird.

In der hebräischen Bibel und der Septuaginta (griechische Übersetzung des Alten Testaments) bilden die Bücher Esra und Nehemia ein Buch. Erst später wurden beide Bücher getrennt10. Es gibt allerdings gute Gründe anzunehmen, dass es sich tatsächlich ursprünglich um zwei separate Bücher gehandelt hat, die von zwei verschiedenen Verfassern – allerdings etwa zur gleichen Zeit – geschrieben wurden.11 Beide Bücher behandeln zwar die Zeit nach dem babylonischen Exil und gehören thematisch tatsächlich zusammen (gemeinsam mit den ebenfalls in dieser Zeit geschriebenen Prophetenbüchern von Haggai, Sacharja und Maleachi). Dennoch sind es zwei verschiedene Werke mit verschiedenen Schwerpunkten. Esra und Nehemia waren Zeitgenossen der genannten drei Propheten.

Haggai und Sacharja (vgl. Esra 5,1; 6,14) bestätigen und ergänzen in ihren Schriften Tatsachen, die im Buch Esra beschrieben werden, d. h., diese Bücher werfen sich gegenseitig Licht zu. Haggai fordert die Juden zum Bauen des Hauses Gottes (des Tempels) auf, während Sacharja darüber hinaus besonders über die Ankunft des Messias spricht12.

Außer dem uns bekannten Buch Esra gibt es noch zwei weitere Bücher, die den Namen Esra tragen, die allerdings nicht göttlich inspiriert sind. Sie werden mit unterschiedlichen Namen bezeichnet, u. a. I Esdras (oder Esdras A) und Esdras-Apokalypse. Manche nennen das Buch Nehemia auch Esdras 3 (oder Esdras C). In den Apokryphen findet sich zum Teil noch ein IV Esdras. Für Bibelleser, die an die göttliche Inspiration der Bibel glauben, ist lediglich das in der Bibel enthaltene Buch Esra Gottes Wort. Eine Besonderheit des Buches ist, dass einzelne Teile nicht in Hebräisch, sondern in Aramäisch geschrieben sind (Kap 4,8–6,18 und 7,12–26).13

Die Juden haben das Buch Esra immer zum Kanon ihrer Heiligen Schriften gezählt und selbst bibelkritische Kommentatoren haben die Echtheit von Esra kaum in Frage gestellt. Die beschriebenen Ereignisse und Jahreszahlen stimmen mit der säkularen Geschichtsschreibung überein. Die Anweisung von König Kores ist beispielsweise historisch belegt. Ende des 19 Jahrhunderts wurde der sogenannte „Kyros-Zylinder“ in Babel entdeckt. Er befindet sich heute im britischen Museum in London. Es handelt sich um einen Tonzylinder mit persischer Handschrift, auf dem u. a. der Sieger der Perser über Babel erwähnt wird. Dort sind ebenfalls die Worte zu lesen: „Die Götter, die in ihnen (d. h. den Städten) lebten, brachte ich an ihre Orte zurück ..., alle Bewohner sammelte ich und ließ sie an ihre Wohnstätte zurückkehren...“

5. Das Buch Esra – Verfasser und Verfassungszeit

Der Name des Buches leitet sich aus der Hauptperson des zweiten Teils des Buches ab, den wir noch einmal in Nehemia 8 und 12 finden. Da er als Verfasser des ganzen Buches gilt, trägt das Buch seinen Namen. Der Name bedeutet „Hilfe“. Diesen Namen gaben seine Eltern ihm, als er im babylonischen Exil geboren wurde. Esra ist durch Gottes Gnade tatsächlich das geworden, was seine Eltern mit seinem Namen ausdrücken wollten. Doch nicht nur das. Sein Name war vor allem eine Erinnerung daran, dass Gott derjenige war, der hinter den Kulissen dafür sorgte, dass sein Volk wieder in das Land seiner Väter zurückkehren konnte. Er wusste, dass die „gute Hand Gottes“ mit ihm und über ihm war (Esra 7.9; 8,18).

Esra war aus priesterlichem Geschlecht und zugleich ein kundiger Schriftgelehrter, der Zugang zu den unzähligen Urkunden, Briefen und weiteren offiziellen Dokumenten hatte, die in den Büchern Esra und Nehemia erwähnt werden. Das war eher die Ausnahme, denn nur wenigen Personen wurde im Persischen Reich Zugang zu den königlichen Archiven gewährt. In Esra 1,2–4; 4,9–22; 5,7–17; 6,3–12 finden wir solche direkten Zitate aus offiziellen persischen Dokumenten. Esra wird darüber hinaus als hingebungsvoller, engagierter und gottesfürchtiger Führer des Volkes dargestellt (7,10; Neh 8,1–9; 12,36). Im Jahr 458 v. Chr. kam er nach Jerusalem und war dort von 458–440 v. Chr. Statthalter.

Esra nennt sich selbst nicht als Verfasser, er gilt aber in der hebräischen Tradition als solcher, zumal der Bericht ab Kapitel 7 meistens in der „Ichform“ verfasst ist.14 Das Buch muss also zu Lebzeiten Esras geschrieben worden sein. Das genaue Datum kennen wir nicht. Man nimmt an, dass es zwischen den Ereignissen am Ende des 10. Kapitels (456 v.Chr.) und der Ankunft Nehemias in Jerusalem (444 v.Chr.) geschrieben wurde. Der Entstehungsort wird Jerusalem gewesen sein.

Eine im fünften Jahrhundert v. Chr. auf der Nilinsel Elephantine lebende jüdische Gemeinschaft hat Papyri hinterlassen, deren Aramäisch dem von Esra (und Nehemia) gleicht. Dieser Fund unterstützt die traditionelle Datierung dieser Bücher ins fünfte Jahrhundert und widerlegt die liberale Ansicht, die Bücher Esra und Nehemia seien erst in der Zeit Alexanders des Großen (356–323 v.Chr.) geschrieben worden.

6. Schlüsselpersonen im Buch Esra

Abgesehen von Esra – dem Verfasser des Buches – spielen zum einen die persischen Könige und zum anderen vier Männer Gottes eine besondere Rolle.

Werfen wir zunächst einen Blick auf einige der genannten persischen Könige:

  1. Kores: Er regierte von 559–529 v. Chr. Er war es, der das Babylonische Reich besiegt hatte und die Juden in ihrer Rückkehr aus dem Exil in Babel unterstützte. Kores war ein besonderes Werkzeug in der Hand Gottes. Er beweist die Aussage, dass Gott selbst die Herzen von Königen wie Wasserbäche neigt (Spr 21,1). Kores gehört zu den wenigen Personen, deren Namen bereits von Gott genannt werden, bevor sie geboren wurden (Jes 44,28; 45,1).15
  2. Artasasta: Er regierte von 523–522 v.Chr. Er wird in Esra 4 erwähnt und sorgte dafür, dass die Feinde vorübergehenden Erfolg hatten und der Tempelbau gestoppt wurde.
  3. Darius I (der Große oder Hystaspes): Er regierte von 522–485 v. Chr. Er unterstützte den Wiederaufbau des Tempels durch die Juden – wie Kores – aktiv.
  4. Artasasta I oder Artaxerxes (Longimanus oder Langhand). Er regierte von 464–424 v.Chr. Er war es, der Esra gestattete, nach Jerusalem zurückzukehren (Esra 7,1), um den Tempeldienst wieder einzuführen und das Gesetz zu lehren. Im Buch Nehemia wird er ebenfalls erwähnt (Neh 2,1; 5,14; 13,6).

Im ersten Teil des Buches sind die handelnden Führer des Volkes Serubbabel und Jeschua,16 die von den Propheten Haggai und Sacharja unterstützt werden.

  1. Serubbabel war Landpfleger (Gouverneur) von Juda. Er trug die politische Verantwortung. Für das, was er tat, war er dem heidnischen König Rechenschaft schuldig. Sein Name bedeutet: „gesät in Babel“ oder „geboren in Babel“. Offensichtlich war er während des Exils in Babel geboren worden. In Matthäus 1,12 und Lukas 3,27 finden wir ihn im Geschlechtsregister des Herrn Jesus wieder. Er war ein Nachkomme Davids und somit königlicher Abstammung.
  2. Josua (Jeschua), der Sohn Jozadaks, war der erste Hohepriester nach der Gefangenschaft. Er war der religiöse Führer des Volkes. Im Propheten Sacharja wird er mehrmals erwähnt. Sein Großvater wurde durch den König von Babel in Ribla getötet (vgl. 2. Könige 25,18–21) und sein Vater gefangen weggeführt.
  3. Haggai war ein postexilischer (nach dem Exil) Prophet Gottes, der Serubbabel, Jeschua und dem Überrest der Juden den Spiegel Gottes vor die Augen hielt und sie dann ermutigte, den Wiederaufbau des Tempels fortzuführen.
  4. Sacharja war ebenfalls ein postexilischer Prophet, der einen ähnlichen Dienst tat wie Haggai, dabei jedoch besonders auf den Herrn Jesus als den kommenden Messias hinweist und spezielle Weissagungen aussprach, die in der Zeit des Endes (vor der Aufrichtung des 1000-jährigen Reiches) erfüllt werden.

7. Prophetische Sichtweise

Viele historische Berichte im Alten Testament haben nicht nur eine geschichtliche Bedeutung, sondern beinhalten zugleich eine prophetische Sicht zukünftiger Dinge. Das ist im Buch Esra ebenfalls der Fall. Das Babylonische Reich ist das erste der vier Weltreiche und ist unter anderem ein prophetisches Bild für den Niedergang der Macht der Nationen, so wie wir es am Ende im Römischen Reich finden werden. Christus selbst wird die Weltreiche zerstören und damit den Zeiten der Nationen ein Ende machen. Kores ist Gottes Werkzeug und unter diesem Blickwinkel ein Bild von Christus selbst (Jes 41,2–5; 44,28; 45,1; 48,14). Der Überrest damals ist ein Bild des kommenden Überrestes der Juden.

Die Rückkehr der Juden in das Land Kanaan veranschaulicht die göttliche Gnade und Barmherzigkeit, die diesem Volk trotz ihrer großen Sünde in Christus gegeben werden. Gottes bewahrende Hand hält die Zusagen an David, dass einmal einer seiner Nachkommen auf dem Thron sitzen würde, um dem ganzen Volk und Land Errettung und Frieden zu geben. Das wird sich im 1000-jährigen Reich erfüllen.

Der Tempel zur Zeit Esras weist auf den Tempel hin, den einmal die Herrlichkeit Gottes füllen wird. Davon spricht Haggai: „Die letzte Herrlichkeit dieses Hauses wird größer sein als die erste, spricht der Herr der Heerscharen; und an diesem Ort will ich Frieden geben, spricht der Herr der Heerscharen“ (Hag 2,9). Das wird sich im 1000-jährigen Reich erfüllen.

8. Geistliche Lektionen für uns

Neben der prophetischen Sichtweise interessiert und besonders, was Gott uns für unser Leben zu sagen hat, denn alles, was im Alten Testament geschrieben wurde, ist zu unserer Belehrung geschrieben (Röm 15,4; 1. Kor 10,11). Der historische Bericht der Rückkehr des Überrestes der Juden nach Jerusalem hat eine unmittelbare Botschaft für uns. Wir erkennen göttliche Prinzipien, die zu allen Zeiten auf das Volk Gottes angewandt werden können. Gott möchte bei uns immer erreichen, dass wir zu den Belehrungen des Wortes Gottes zurückkehren. Das schließt ein, dass wir in der richtigen Gesinnung die biblischen Belehrungen über die Art und Weise des Zusammenkommens praktizieren, wo unser Herr in der Mitte ist. A. Remmers schließt seine ausführliche Auslegung zum Buch Esra mit den Worten: „Absonderung vom Bösen ist die Grundlage des Zusammenkommens im Namen des Herrn Jesus und seine Gnade die Kraftquelle für die Darstellung der Einheit seiner Versammlung. Beides wird im Buch Esra in beispielhafter und lehrreicher Weise vorgestellt“.17

Wir wollen in der Anwendung des Buches Esra auf uns zwei verschiedene Blickwinkel unterscheiden:

8.1. Kirchengeschichtliche Sichtweise

Beim Lesen der Geschichte Israels werden interessante Parallelen zur sogenannten „Kirchengeschichte“ sichtbar.18 Das gilt besonders für die Zeit nach dem babylonischen Exil. Die Rückkehr aus Babel erinnert allgemein an die geistliche Rückkehr vieler Gläubiger – beginnend mit der Zeit der Reformation – aus der Verwirrung christlicher und götzendienerischer Systeme (Babel), mit dem schlichten Wunsch, den Anforderungen Gottes an sein Haus zu genügen und Gott in Geist und Wahrheit anzubeten. Sie erinnert besonders an die Zeit im 19 Jahrhundert, in der man die Wahrheit der Versammlung und der Anbetung des Vaters wieder neu entdeckte19. Esra spricht davon und zeigt, dass ein solches Werk Gottes Widerstand hervorruft, der überwunden werden muss. Das ist bei jeder Erweckung so und wird heute nicht anders sein, wenn wir unser Leben nach Gottes Gedanken einrichten – auch, was das Haus Gottes und den Gottesdienst betrifft.

  • Babel bedeutet „Verwirrung“ (vgl. 1. Mo 11,9) und symbolisiert die weltlich religiöse Macht und Herrschaft und spricht zugleich vom religiösen Götzendienst (vgl. Off 17 und 18). Es war jedoch nicht ausreichend, dass der Überrest sich nur äußerlich am richtigen Ort (in Jerusalem) befand. Die richtige innere Haltung (Gesinnung) war erforderlich. Und die hatten viele der Juden leider nicht. Darüber hinaus gab – und gibt – es Widerstände von innen und von außen, die es zu überwinden gilt.
  • Die Stadt Jerusalem ist ein Bild des „neuen Jerusalem“ (Off 3,12; 21,2.9–21) und damit ein Bild von der Gemeinde (Versammlung) Gottes, sowohl in der Zukunft als auch in der Gegenwart. Der Ausdruck „Mitbürger der Heiligen“ (Eph 2,19) lässt uns in der Tat an die Bürger eine Stadt denken. Im Bild der Stadt erkennen wir etwas von dem Miteinander des Volkes Gottes auf der Erde. Vollkommen wird das in der Zukunft sein, wenn das neue Jerusalem wie eine für ihren Mann geschmückte Braut aus dem Himmel erscheinen wird – zunächst im kommenden Reich auf der Erde (Off 21,9ff) und dann in der Ewigkeit nach der Zeit (Off 21,2ff).20
  • Der Tempel – das herausragende Symbol in diesem Buch – ist ebenfalls ein Bild der Versammlung, und zwar als Wohnort Gottes (1. Kor 3,16.17; 2. Kor 6,16; Eph 2,21). Der Gedanke des Wohnens Gottes durchzieht die ganze Bibel. Gott möchte bei Menschen wohnen, und das kann Er nur in der Mitte eines erlösten Volkes. In 1. Mose 28 wird das angedeutet, als Jakob in Bethel (Haus Gottes) ist und Angst hat (1. Mo 28,17). Nach der Durchreise durch das rote Meer (Erlösung) ist die Rede von der Wohnung Gottes (2. Mo 15,13.17). Gott möchte mit Menschen Gemeinschaft haben. Diese Menschen müssen Ihm jedoch entsprechen. Deshalb soll die Versammlung als das Haus Gottes heilig sein, denn Gott ist heilig und wo Gott wohnt, muss alles seiner Heiligkeit entsprechen (3. Mo 10,3; Ps 93,5). Der Tempel in Jerusalem war der Wohnort Gottes. Dort hatte der Thron Gottes gestanden (1. Chr 29,23), und dort wird er im kommenden Tempel im 1000-jährigen Reich erneut stehen (Jer 3,17). Heute ist der Herr da in der Mitte, wo zwei oder drei zu seinem Namen hin versammelt sind (Mt 18,20).
  • Die Wiederherstellung des Tempeldienstes erinnert uns im Licht des Neuen Testamentes daran, dass wir Gott als Anbeter nahen und dass der Vater solche als „seine Anbeter“ sucht (Joh 4,23.24). Gottes Kinder dienen Gott „durch den Geist“ (Phil 3,3). Sie kennen den geistlichen Ort, wo sie allein zum Namen des Herrn Jesus hin zusammenkommen (Mt 18,20), um Gott zu dienen und das Mahl des Herrn nach den Grundsätzen der Bibel über die kirchlichen Mauern hinweg zu nehmen. Auch das wurde den Gläubigen klar, die die von Menschen gemachten Benennungen verließen und sich fortan allein zum Namen Jesu hin versammelten. Sie begannen gemeinsam darüber nachzudenken, „wie man sich verhalten soll im Haus Gottes, das die Versammlung des lebendigen Gottes ist“ (1. Tim 3,15). Den Gläubigen wurde deutlich, dass es nicht um einen äußeren Gottesdienst, nicht um offizielle Ämter und ordinierte „Geistliche“ geht, die das Haus Gottes führen, sondern dass jeder Gläubige seinen Platz im Haus und Dienst Gottes hat und der Geist Gottes alles führt und leitet, wie der Herr es will.
  • Der Brandopferaltar, der im Buch Esra ebenfalls eine besondere Rolle spielt, ist ein Bild des Tisches des Herrn, so wie er schon im Alten Testament genannt wird (Mal 1,7.12). In 1. Korinther 10,18.21 verbindet Paulus diesen Ausdruck mit dem Brotbrechen. Er spricht dort besonders von dem Friedensopfer, in dem sich die Gemeinschaft der Israeliten mit Gott ausdrückt (3. Mo 3; 7,11–13) und unsere Gemeinschaft mit dem Herrn. Der Altar ist zugleich der Ort der Anbetung, denn dort wurden die Opfer für Gott gebracht, die für Ihn ein „lieblicher Geruch“ waren. Unsere Gemeinschaft mit Gott und untereinander gründet sich auf das sühnende Opfer des Herrn Jesus, dass Er zur Ehre Gottes vollbracht hat.

Wirkliche Erweckung und Rückkehr führen die Gläubigen zum Wort Gottes zurück. So war es in der Zeit vergangener Erweckungen. Doch das ist nicht alles. Ein Überrest teilt Gottes Gedanken über die Versammlung (Gemeinde), den Tisch des Herrn und die Anbetung. Das steht sogar an erster Stelle. Davon spricht das Buch Esra. Doch es zeigt zugleich, dass es selbst bei einem Überrest sehr schnell wieder Verfallserscheinungen gibt. Das ist für uns mehr als beschämend. Doch Gott bemüht sich darum, dass die Herzen wieder neu für Ihn schlagen.

8.2. Persönliche Sichtweise

Das Buch Esra belehrt uns über viele praktische Themen des täglichen Lebens. Es schreibt über Situationen von Rückkehr und Abweichen, über Erweckung und nachlassenden Eifer, über Interesse an der Sache Gottes und Gleichgültigkeit. Es zeigt uns den Wert des Gebets und die Wichtigkeit des Wortes Gottes. Es warnt vor Fehlentwicklung. Es macht Mut, Überwinder zu sein und gegen den Strom zu schwimmen. Es hat eine Botschaft für Gläubige in alles Situationen, in denen Rückkehr, Heilung, Widerherstellung und Wiederbelebung notwendig sind. Es behandelt wichtige Themen wie Anbetung, praktisches Verhalten, Arbeiten für den Herrn, Zeugnis für den Herrn und Feindschaft. Besonders deutlich werden die Themen der praktischen Heiligkeit, der unheiligen Allianzen und der Trennung vom Bösen behandelt (siehe dazu Haggai 2,10–19). Das Buch Esra lehrt uns, wie wichtig es ist, dass wir in einer Zeit des Endes nach Gottes Gedanken über seine Haus – die Versammlung (Gemeinde) – fragen. Es macht uns Mut, uns für die alten Grundsätze des Zusammenkommens zu interessieren und zu versuchen, sie zu verwirklichen – selbst wenn es in großer Schwachheit geschieht. Gott hat Gefallen daran (Hag 1,8). Die wenigen Gläubigen, die sich für die Gedanken Gottes über sein Haus (die Versammlung) interessieren, sind für Gott Stellvertreter des ganzen Volkes Gottes auf der Erde, weil sie – obschon in großer Schwachheit – die unveränderliche Wahrheit festhalten, dass alle Gläubigen ein Leib sind (Eph 4,4) – eine Wahrheit, die wir am Tisch des Herrn bekunden, wenn wir zum Brotbrechen zusammenkommen (1. Kor 10,17).

Geistliche Erweckung ist immer ein Werk Gottes, selbst wenn Er dazu Menschen benutzt. Die Juden – ein Überrest des Volkes Gottes – befanden sich wieder da, wo Gott seinen Namen wohnen lassen wollte, nämlich in Jerusalem (5. Mo 12,5; 1. Kön 11,36). Deshalb ist das Buch Esra – zusammen mit den übrigen Büchern, die in dieser Zeit geschrieben worden sind – besonders dazu angetan, Gottes Gedanken über einen Überrest kennenzulernen.21 Einige Kennzeichen eines solchen Überrestes sind:

  • Das Bewusstsein der eigenen Schwachheit und der Verzicht auf jeden Anspruch, Macht auszuüben
  • Trauer vor Gott über gemeinsames Fehlverhalten (das der Väter eingeschlossen)
  • Liebe zu Gott und seinem Wort und Hingabe an Ihn, sowie Gehorsam seinen Geboten gegenüber (Gottesfurcht)
  • Trennung von dem, was nicht Gottes Willen entspricht. Keine unheiligen Allianzen mit der Welt
  • Gottes Interessen stehen im Vordergrund (besonders die Anbetung Gottes und sein Haus). Rückkehr zum göttlichen Mittelpunkt
  • Hingabe und Aufopferung im Dienst für Gott und seine Sache
  • Bewusstsein der Einheit des Volkes Gottes. Identifikation mit dem ganzen Volk
  • Die Bereitschaft, gegen den Strom zu schwimmen und Hindernisse (von außen und innen) zu überwinden
  • Die Akzeptanz des prophetischen Dienstes

9. Die Person Esras

Werfen wir abschließend einen Blick auf die Person Esras. Esra war nicht nur eine bemerkenswerte historische Führerpersönlichkeit, sondern zugleich ein Held des Glaubens, der bleibende Spuren hinterlassen hat. Von ihm lernen wir Folgendes:

  • Esra interessierte sich für seine Abstammung und kannte seine Herkunft (Esra 7,1–5). Bei anderen Zeitgenossen Esras war das nicht der Fall (Esra 2,62). In der Zeit vor dem Exil wäre das undenkbar gewesen. Offensichtlich hatten sich diese Männer in Babel nicht sonderlich dafür interessiert, weil es ihnen unwichtig erschien. Der Grund mag der fehlende Tempel und Tempeldienst gewesen sein. Für uns ergibt sich daraus die Frage, ob uns unsere Stellung als „auserwähltes Geschlecht“ als „königliche Priesterschaft“ und „heilige Nation“ wichtig ist oder nicht (1. Pet 2,9). Gott legt Wert darauf, dass wir wissen, wer wir sind.
  • Esra war Priester von Geburt (Esra 7,1–5). Doch er gab sich mit dieser „Stellung“ nicht zufrieden, denn er wurde ein kundiger Schriftgelehrter (Esra 7,6). Das bedeutete nicht nur, dass er – im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen – lesen und schreiben konnte, sondern dass er sich für das Gesetz seines Gottes interessierte. Ein kundiger Schriftlehrter war er nicht von Geburt, sondern das wurde er. Er hatte sein Herz darauf gerichtet, das Wort Gottes zu erforschen (Esra 7,10). Wir wollen von Esra lernen, ein echtes Interesse für Gottes Gedanken zu haben. Bibelstudium war für ihn keine Kopfsache und auch keine lästige Pflicht, sondern eine Herzenssache.
  • Esra kannte nicht nur das Gesetz seines Gottes, sondern es war ihm ebenso eine Herzenssache, dass Gesetz zu tun (Esra 7,10). Er wollte dem Wort Gottes gehorsam sein. Für uns wollen wir lernen, dass es nicht nur darauf ankommt, das Wort Gottes zu kennen, sondern dass die Kenntnis der Gedanken Gottes mit dem Wunsch synchronisiert werden muss, das Wort Gottes in unsere Lebenspraxis umzusetzen und mit den Gedanken Gottes in unserem Leben – persönlich, als Familie, als Volk Gottes – Rechnung zu tragen (Jak 1,22).
  • Esra hatte den Wunsch, in Israel Satzung und Recht zu lehren (Esra 7,10). Esra war kein Prophet, der neue Offenbarungen von Gott bekam. Darin unterschied er sich von Haggai und Sacharja. Sein Anliegen war es vielmehr, das bekannte Gesetz (Wort) Gottes dem Volk nahezubringen und sie zu ermutigen, diesem Wort zu folgen. Er wollte Bekanntes wieder in den Fokus rücken. Wir sehen das sehr deutlich im Buch Nehemia, wo Esra das Wort Gottes vor die Ohren des Volkes bringt (Neh 8). Auch darin ist er für uns ein Beispiel. Wenn wir das Wort Gottes kennen, lieben und tun, kann Gott uns gebrauchen, es anderen nahezubringen.
  • Esra war ein Mann des Gebets. Sowohl in Kapitel 9,5 als auch in Kapitel 10,1 finden wir ihn im Gebet vor seinem Gott – und zwar in tiefer Trauer über die Missstände im Volk Gottes. Im Gebet identifizierte er sich mit der Not seines Volkes. Darin gleicht er Daniel und Nehemia (vgl. Dan 9, Neh 9). Männer und Frauen Gottes werden immer davon geprägt sein, dass sie die Not des Volkes Gottes zu ihrer eigenen Not machen und sie im Gebet vor Gott bringen.
  • Esra genoss das Vertrauen des heidnischen Königs. Er wird von Artasasta ein „vollkommener Schriftgelehrter“ genannt (Esra 7,12). Der König wusste, dass das Gesetz seines Gottes in seiner Hand war (Esra 7,14) und dass Gottes Weisheit bei ihm zu finden war (Esra 7,25). Paulus sagt von einem Aufseher, dass er „ein gutes Zeugnis haben muss von denen, die draußen sind“ (1. Tim 3,7). Im erweiterten Sinn gilt das für jeden Christen. Es sollte unser Wunsch sein, dass man uns in unserem Umfeld – auch im beruflichen Umfeld – als solche kennt, für die das Wort Gottes Maßstab des Verhaltens ist.
  • Esra war ein demütiger und zugleich mutiger und konsequenter Mann. Er führte alles auf die „gute Hand Gottes“ zurück, von dem er alles erwartete. In der gleichen demütigen Gesinnung finden wir ihn im Gebet, um die Sünden des Volkes zu bekennen. Seine Demut machte ihn jedoch nicht handlungsunfähig. Im Gegenteil, wenn es darauf ankam, war Esra bereit, gegen den Strom zu schwimmen, Missstände anzuprangern und Widerstände zu überwinden.
  • Esra war ein hingebungsvoller Mann. Er bewies große Liebe für seinen Gott, für das Volk Gottes und für das Haus Gottes. Und in seinem Eifer war er zugleich ein Vorbild für andere, die ihm folgten. Der Vorwurf Haggais an den Überrest, nur mit ihren eigenen Interessen beschäftigt zu sein, traf auf Esra nicht zu (vgl. Hag 1,2–11). Dieser Eifer für Gott, für das Volk Gottes und für die Versammlung (das Haus) Gottes sollte uns ebenfalls kennzeichnen. Der Herr fordert seine Jünger auf, ihre Prioritäten richten zu setzen (Mt 6,33).

10. Gliederung des Buches

Das Buch Esra teilt sich in zwei große Teile auf, die durch einen Zeitabstand von knapp 60 Jahren voneinander getrennt sind22.

Der erste Teil (Kapitel 1–6) beschreibt die erste Rückkehr der Exiljuden unter Serubbabel und Jeschua sowie den Bau des Altars und des Tempels. Der zweite Teil (Kapitel 7–10) beschreibt die zweite Rückkehr der Exiljuden unter Esra und dessen Wirken unter dem Volk.

Im Detail kann man das Buch Esra wie folgt gliedern: 23

Teil A: Rückkehr unter Serubbabel: Kapitel 1–6 (539–516 v. Chr.)

Kap 1: Erweckung durch den Rückkehrerlass des Königs Kores

Verse 1–4: Der Erlass des Königs
Vers 5–11: Die Rückkehrer werden unterstützt

Kap 2: Aufzählung der Zurückkehrenden

Kap 3: Bau des Altars und Beginn des Tempelbaus

Verse 1–6: Der Altar wird an seiner Stelle gebaut
Verse 7–13: Die Grundlage zum Tempelbau wird gelegt

Kap 4: Widerstand durch Feinde und Unterbrechung des Tempelbaus

Verse 1–5: Widerstand der Feinde
Verse 6–16: Die Anklageschrift an König Artasasta
Verse 17- 24: Die Antwort des Königs und der vorläufige Baustopp

Kap 5: Prophetendienst, Neuanfang und erneuter Widerstand

Verse 1.2: Der Dienst der Propheten und sein Ergebnis
Verse 3–17: Erneuter Widerstand der Feinde und Anklage vor König Darius

Kap 6: Der Tempelbau wird vollendet

Verse 1–13: Die Prüfung des Königs und seine Antwort
Verse 14–18: Das Haus wird vollendet und eingeweiht
Verse 19–22: Das Passah wird gefeiert

Teil B: Rückkehr unter Esra: Kapitel 7–10 (457–445/443 v. Chr.)

Kap 7: Esras Reise und der königliche Empfehlungsbrief

Verse 1–10: Esra reist nach Jerusalem
Verse 11–26: Artasasta schreibt einen Brief
Verse 27.28: Esra dankt seinem Gott

Kap 8: Die Rückkehrer und ihre geistliche Verfassung

Verse 1–14: Esras Reisebegleiter
Verse 15–30: Versammlung und Vorbereitung am Fluss Ahawa
Verse 31–36: Esra und seine Begleiter kommen in Jerusalem an

Kap 9: Esras Beugung und Gebet über den traurigen Zustand im Volk

Verse 1–4: Esra trauert über den Zustand des Volkes
Verse 5–15: Esra betet zu seinem Gott

Kap 10: Rettung durch Trennung vom Bösen

Verse 1–4: Das Gebet Esras zeigt Wirkung
Verse 5–15: Eine Versammlung wird einberufen
Verse 16.17: Das Böse wird gerichtet
Verse 18–44: Die Übertreter werden verzeichnet

Fußnoten

  • 1 Eigentlich gehört das Buch Esther ebenfalls dazu. Die Ereignisse dieses Buches fallen in die Zeit zwischen Esra 6 und 7. Dennoch hat das Buch Esther einen völlig anderen Charakter. Es beschreibt nicht die Geschichte des Überrestes, der nach Jerusalem zurückkehrte, sondern er zeigt etwas von der Geschichte der Juden, die im Exil geblieben waren und in Persien wohnten.
  • 2 Vgl. hierzu auch die „Einführung in das Buch Nehemia“ vom gleichen Verfasser (ebenfalls in bibelkommentare.de)
  • 3 In 1. Chronika 29,23 wird der Thron, auf den sich der König Salomo an seines Vaters David statt setzte, ausdrücklich der „Thron des Herrn“ genannt, d. h., mit dem (vorläufigen) Ende der Dynastie Davids war dieser Thron des Herrn (Symbol der Regierung) nicht mehr in Jerusalem.
  • 4 Es fällt auf, dass gerade die drei Bücher Daniel, Esra und Nehemia häufig von dem „Gott des Himmels“ sprechen. Zur Zeit der Könige von Israel und Juda finden wir diesen Titel nicht. Gott hatte sich – was die Regierung über die Erde betrifft – sozusagen in den Himmel zurückgezogen und die Autorität den Königreichen der Nationen übergeben.
  • 5 Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus schreibt, dass Kores die Weissagung Jesajas über ihn gelesen habe und die Vorsehung Gottes bewunderte. Daraufhin habe er den Erlass gegeben, den Tempel wieder zu bauen (Flavius Josephus, Jüdische Altertümer). Ob es tatsächlich so war, wissen wir nicht. Es ist jedoch nicht auszuschließen.
  • 6 Beides wird erst im 1000-jährigen Reich der Fall sein. Dann wird die Herrlichkeit Gottes den Tempel wieder erfüllen und der Thron Gottes in Jerusalem stehen.
  • 7 Der Tempel im Buch Esra unterscheidet sich nicht nur in seiner Pracht deutlich von dem Tempel Salomos (Hag 2,3). Es gab in diesem Tempel keine Bundeslade. Das Allerheiligste war leer. Es gab keine Wolke der Herrlichkeit (die Schechina, das sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes), die das Haus erfüllt hätte. Es gab kein Feuer Gottes auf dem Altar (vgl. 3. Mo 9,24; 2. Chr 7,1). Das Feuer auf dem Altar im Buch Esra war menschliches Feuer. Es gab keine Urim und keine Tummim (vgl. 2. Mo 28,30, 3. Mo 8,8; 4. Mo 27,21; 5. Mo 33,8 u. a.) um Gottes Willen zu erfragen (Esra 2,62; Neh 7,65). Dennoch war der Tempel das Haus Gottes, und Haggai schreibt davon, dass die Herrlichkeit Gottes diesen Tempel einmal – nämlich im 1000-jährigen Reich – erfüllen wird (Hag 2,7).
  • 8 Nicht zu verwechseln mit Darius, dem Meder, der in der Geschichte Daniels in Kapitel 6 genannt wird. Der Darius im Buch Esra wird auch Darius der Große oder Darius Hystaspes genannt.
  • 9 Es fällt auf, dass viele Kommentatoren den Beginn des Baustopps in das Jahr 536 v. Chr. legen und damit von einer Unterbrechung von 16 Jahren ausgehen. Dies ist jedoch nicht korrekt. Esra 4 macht klar, dass es in den Tagen Artasastas war, dessen Regierung 523/522 v. Chr. war. Damit ergibt sich eine Phase von ca. 2 Jahren, in der nicht am Tempel gebaut wurde.
  • 10 Die Zweiteilung ist erstmals bei dem Kirchenvater Origenes (gest. 254 n. Chr.) bezeugt. Die Vulgata (lateinische Übersetzung der Bibel, Ende des vierten Jahrhunderts durch Hieronymus) erwähnt beide Bücher separat.
  • 11 Ein Hinweis darauf sind die Namenslisten in Esra 2 und Nehemia 7. In einem einzigen Buch würde man eine solche „Wiederholung“ kaum erwarten. Der unterschiedliche Schreibstil von Esra und Nehemia deutet auf zwei unterschiedliche Autoren hin.
  • 12 Es ist schön zu sehen, wie diese beiden Propheten miteinander arbeiteten, obwohl ihr Dienst sehr unterschiedlich war. Haggai sprach vor allem das Gewissen des Überrests an. Er nahm kein Blatt vor den Mund. Mit sehr klaren und sehr direkten Botschaften weckte er das Volk aus seiner Lethargie. Darüber hinaus motivierte er sie, indem er auf die zukünftige Herrlichkeit des Hauses hinwies, an dem sie bauten (Hag 2,9). Sacharjas Dienst hingegen hatte einen anderen Charakter. Er sah viele Nachtgesichte und schilderte – oft in symbolischer Sprache – wie Gott sich in der Zukunft über Jerusalem erbarmen würde. Deshalb spricht er immer wieder von Christus und von seinem Kommen.
  • 13 Aramäisch ist wie Hebräisch eine semitische Sprache und war im Persischen Reich die Amts- und Verkehrssprache (Lingua Franca). Die in aramäisch geschriebenen Teile enthalten offizielle Dokumente, die von bzw. für die persischen Autoritäten geschrieben wurden.
  • 14 Weil es im Schreibstil Übereinstimmungen mit 1. und 2. Chronika gibt, gehen einige Ausleger davon aus, dass Esra auch diese beiden Bücher geschrieben hat.
  • 15 Kores ist – obwohl ein heidnischer Regent – tatsächlich ein Hinweis auf den kommenden Messias. Gott nennt ihn in den zitierten Stellen „meinen Hirten“ und „meinen Gesalbten“. Er bezeichnet ihn als jemanden, der das Wohlgefallen Gottes ausführt und den der Herr liebt. Diese Ausdrücke weisen ohne Frage auf den Herrn Jesus in seiner messianischen Herrlichkeit hin.
  • 16 Beide Personen sind zusammen ein wunderbarer Hinweis auf den Herrn Jesus – und zwar in seiner Herrlichkeit als König und Priester. Im 1000-jährigen Reich wird der Herr König und Priester sein. Haggai 2,23 zeigt uns Serubbabel, den Knecht des Herrn, der von Gott erwählt worden ist, um das Königtum auszuüben. Sacharja 3,8–10 spricht in Verbindung mit Josua von dem Hohenpriestertum des Herrn Jesus.
  • 17 A. Remmers: Die gute Hand Gottes – eine Auslegung zum Buch Esra (erschienen bei CSV, Hückeswagen)
  • 18 Die „Kirchengeschichte“ beschreibt im weitesten Sinn die äußere und innere Entwicklung des christlichen Bekenntnisses von Beginn an bis heute. Sie zeigt, was die Glaubenden im Lauf der Jahrhunderte erlebt haben, welche Höhen und Tiefen und welche Fehlentwicklungen und Reformen es gab. Es geht also zum einen um die äußere Entwicklung des Christentums, aber eben vor allem um die innere Entwicklung der Versammlung (Kirche, Gemeinde) Gottes auf dieser Erde. Der Blickwinkel ist weniger der Ratsschluss Gottes im Blick auf die Versammlung, sondern ihre Entwicklung auf dieser Erde.
  • 19 Wobei klar ist, dass man die Belehrung des Buches Esra nicht darauf beschränken kann, sonst hätte das Buch für Christen, die vorher gelebt haben, keine Bedeutung gehabt. Gottes Wort ist jedoch zeitlos, d. h., es hat immer eine Ansprache für den, der es liest. Die kirchengeschichtliche Anwendung ist eine mögliche Anwendung des Buches für uns. Sie ist jedoch nicht die einzige.
  • 20 Das „neue Jerusalem“ ist nicht mit dem „himmlischen Jerusalem“ (Heb 12,22), der „zukünftigen Stadt“ (Heb 13,14), dem „Jerusalem droben“ (Gal 4,26) oder der „Stadt, die Grundlagen hat“ (Heb 11,10) zu verwechseln. Auf diese Stadt warteten schon die Patriarchen. Sie symbolisiert die Segnungen der Freude und Hoffnung, die das Teil aller Gläubigen zu allen Zeiten ist. Darüber hinaus wird es natürlich im 1000-jährigen Reich eine tatsächliche Stadt Jerusalem geben, die „Stadt des großen Königs“ (Ps 48,3; Mt 5,35).
  • 21 Das hebräische Wort Überrest bedeutet wörtlich „verbleiben“ oder „übrig“. Es beschreibt eine kleinere Gruppe von Menschen, die eine Katastrophe überleben. In der Bibel geht es in der Regel bei dem „Überrest“ um einen zahlenmäßig stark reduzierten Rest des Volkes Israel, sei es in der Vergangenheit (babylonisches Exil), sei es in der Zukunft (in der Zeit des Endes). Häufig beschreibt es gerade diejenigen, die Gott treu geblieben sind. Die Existenz eines Überrestes ist also zugleich demütigend und ermutigend. Demütigend deshalb, weil ein Überrest beweist, dass die große Masse abgewichen ist. So war es damals. Der große Teil der Juden war in Babel geblieben, weil sie dort heimisch geworden waren und ihre Geschäfte gut liefen. Nur ein verhältnismäßig kleiner Teil war bereit, die Beschwernisse der Rückkehr nach Jerusalem auf sich zu nehmen. Ermutigend deshalb, weil es immerhin einige wenige gab, die sich für die Gedanken Gottes interessierten und da sein wollten, wo Gott sein ganzes Volk haben wollte. Von solchen schreibt der Prophet Maleachi: „Da unterredeten sich miteinander, die den Herrn fürchten, und der Herr merkte auf und hörte; und ein Gedenkbuch wurde vor ihm geschrieben für die, die den Herrn fürchten und die seinen Namen achten“ (Mal 3,16). Das Wort Überrest lenkt unseren Blick also auch auf Gott und auf seine Treue, denn Er ist es, der sich einen Überrest erhalten wird.
  • 22 Zwischen dem zweiten Teil von Esra und den Ereignissen, die im Buch Nehemia beschrieben werden, liegt hingegen nur eine Zeitspanne von gut 10 Jahren.
  • 23 In die Zeit zwischen diesen beiden Teilen finden die im Buch Esther beschriebenen Ereignisse statt. In diese Zwischenzeit fallen ebenfalls die in der weltlichen Geschichte berühmten Schlachten von Marathon, an den Thermopylen und vor Salamis.

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