Meine Feste

Einleitung

„Ohne ein Studium der drei 7 werden wir kaum einordnen können, wo wir uns in den haushaltsmäßigen Wegen Gottes befinden“. Diese Worte werden Dr. W.T.P. Wolston zugeschrieben. Die drei 7, auf die er sich dabei bezieht, sind:

  • die Feste des HERRN (3. Mo 23)
  • die Gleichnisse vom Reich der Himmel (Mt 13)
  • die Sendschreiben (Off 2 und 3).

Diese Bemerkung ist jedenfalls zutreffend, und ein Studium dieser Schriftabschnitte wird sich für jeden Bibelleser reichlich lohnen. Es gibt dabei einen interessanten Punkt, der auf alle drei Gegenstände zutrifft: sie können alle jeweils in drei und vier eingeteilt werden. Für jeden Bibelleser ist es offensichtlich, dass zunächst die ersten vier Feste des HERRN und dann die letzten drei Feste zusammengehören. In den Gleichnissen vom Reich der Himmel bilden die ersten vier eine Gruppe, und dann die letzten drei. Nur in den Sendschreiben stehen zunächst die ersten drei Sendschreiben zusammen, und dann die letzten vier. Einige Bemerkungen darüber mögen hilfreich sein.

Die ersten vier Feste des HERRN finden ihre Erfüllung im Christentum, die letzten drei warten noch auf ihre Erfüllung im Blick auf Israel in zukünftigen Tagen. In Mt 13 werden die ersten vier Gleichnisse außerhalb des Hauses am See ausgesprochen, und die letzten drei im Haus. Die ersten vier Gleichnisse beschreiben das Reich der Himmel in seinem äußerlichen Aspekt, wie es in der ganzen Welt von allen wahrgenommen werden kann. Die letzten drei Gleichnisse stellen es auf eine Weise vor, die nur von solchen verstanden werden kann, die von Gott belehrt werden. Seine Größe und seine Verderbtheit sind nach außen sichtbar; sein Wert und seine Einheit bleiben für innen verborgen und werden nur von solchen verstanden, die durch den Heiligen Geist von Gott gelehrt sind. Dies wird darin angedeutet, dass die Jünger bei den letzten drei Gleichnissen allein mit dem Herrn im Haus waren. Augen und Ohren wurden ihnen von Gott geöffnet, damit sie sowohl die äußeren als auch die inneren Merkmale des Reiches der Himmel verstehen könnten (Mt 13,16). In den Sendschreiben an die Versammlungen dann sind die ersten drei beschrieben Zustände schon Vergangenheit, während die letzten vier nebeneinander bestehen bleiben bis zum Ende. Die in diesen örtlichen Versammlungen beschriebenen Zustände dienen dazu, uns zu zeigen, wie die Versammlung in ihrer Verantwortlichkeit im Lauf ihrer Geschichte gehandelt hat. So viel zu den drei 7; aber wir werden uns in diesem Aufsatz hauptsächlich mit den ersten dieser drei 7 beschäftigen, nämlich mit den Festen des HERRN.

Anfangend mit dem Sabbat und endend mit dem Laubhüttenfest finden wir in diesem Kapitel streng genommen acht Feste. Dabei müssen wir allerdings bemerken, dass der Sabbat ein wöchentliches Ereignis war, während die übrigen sieben Feste nur jährlich wiederkehrten. Es ist offensichtlich, dass der Sabbat eine besondere Stellung einnimmt, denn es ist das einzige Fest, von dem in der ersten Ankündigung der „bestimmten Zeiten“ gesprochen wird (Vers 2). Eine Fußnote bei JND1 sagt uns, dass diese Feste bestimmte Zeiten um Gott zu nahen bedeuten. Ein anderer Gedanke, der diese Ausdrucksweise unterstreicht, ist Festsetzung. Das gibt uns in der Tat einen Anhaltspunkt für die Bedeutung dieses heiligen Kalenders, wie er in diesem Kapitel entfaltet wird. Die Erklärung der bestimmten Zeiten haben wir dann in Vers 4 noch einmal wiederholt, wodurch der Sabbat von den übrigen Festen getrennt und für sich allein in eine besondere Ordnung gestellt wird. Der Grund dafür ist schon oft darin gesehen worden, dass uns der Sabbat als das erste Fest das große Ziel vorstellt, auf das alle diese sieben Feste hinwirken. Die Psalmen sind diesem Aufbau oft ganz ähnlich; der eigentliche Gegenstand wird in den einleitenden Versen eines Psalms vorgestellt, und die übrigen Verse nehmen dieses Thema auf und zeigen, wie dieses Ziel wirklich erreicht wurde. Der Sabbat also ist das große Ziel und Ende aller Wege Gottes in dieser Zeit. Um uns nun darüber aufzuklären, wie dieses Ende erreicht werden wird, haben wir diese detaillierten Unterweisungen dieses hochinteressanten Kapitels. Diesem wollen wir uns nun zuwenden.

„Und der HERR redete zu Mose und sprach: Rede zu den Kindern Israel und sprich zu ihnen: Die Feste des HERRN, die ihr als heilige Versammlungen ausrufen sollt, meine Feste sind diese“ (3. Mose 23,1.2).

Und der Herr redete zu Mose

Das ist verbindlich. In diesen Tagen vieler falscher Lehrer (2. Pet 2,1) müssen die Gläubigen sehr sorgfältig darauf achten, dass das, was sie hören, und die, denen sie zuhören, von Gott autorisiert sind. „Der Herr redete“! Wir müssen sicher gehen, dass das, was wir als Wahrheit Gottes annehmen, auch wirklich das ist, was Gott in seinem Wort zu uns geredet hat. Und wenn wir dann sicher sind, dass es sich um Gottes Wort handelt, dürfen wir nicht träge darin sein, es auch auszuführen. „Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des HERRN zu erforschen und zu tun und in Israel Satzung und Recht zu lehren“ (Esra 7,10). Unser Gott möchte uns wissen lassen, was Er zu seiner eigenen Verherrlichung und zur Befriedigung seines Herzens der Liebe tun wird. Mehr noch, Er möchte, dass wir einsichtsvoll darin mitarbeiten. Er redet im Blick darauf, die Aufmerksamkeit und das Interesse seines Volkes zu wecken und eine Antwort auf das Verlangen seines Herzens zu erreichen.

Rede zu den Kindern Israel

Es ist sein eigenes erlöstes Volk, an das Er sich wendet. Zu wie vielen spricht Er? Zu allen! Sein Reden war nicht beschränkt auf die Priester oder die Fürsten, nein, es war ein Wort an das ganze Volk. Es gibt immer eine Neigung, solche Angelegenheiten den Lehrern oder den älteren Brüdern oder so zu überlassen. Gott möchte aber, dass jeder Einzelne aus seinem Volk auf das hört, was Er zu sagen hat, damit jeder über sein Handeln Verständnis erlangt und erkennt, was er persönlich in seinem Dienst in Abhängigkeit von dem göttlichen Mittelpunkt tun kann. Wenn ich zu dieser Gemeinde gehöre, dann bin verantwortlich dafür, auf diese Mitteilungen zu hören und Gnade zu erbitten, ihnen zum Wohlgefallen Gottes zu entsprechen.

Die Feste des Herrn

Dieser Ausdruck zeigt uns, worüber Gott nun zu seinem Volk sprechen möchte – seine Feste, Zeiten von feierlichem Charakter, an denen sich sein Volk um Ihn versammeln und Ihm zur Freude seines liebenden Herzens etwas bringen kann. Er möchte unsere Herzen anrühren mit diesem Ausdruck meine bestimmten Zeiten. Haben unsere Herzen das Verlangen, darauf eine Antwort zu geben? Nicht um ausschließlich damit beschäftigt zu sein, was Er zu unserem Segen getan hat, sondern herausfinden, was wir nun für Ihn tun können. Denken wir an das liebliche Bild in Johannes 12: „Sie machten ihm nun dort ein Abendessen“. Geliebte Geschwister, wie oft nahen wir Gott auf diese Weise? Nicht um nur danach zu suchen, etwas für uns zu erlangen oder Ihm für das zu danken, was wir empfangen haben, sondern um Ihm in Lob und Anbetung das zu bringen, was von Ewigkeit her das Herz unseres Gottes erfreut. Sich damit zu beschäftigen, was Er zu seinem eigenen Genuss getan hat, und nicht nur an dem interessiert zu sein, was Er für uns getan hat! Wir empfinden, dass Gott mit diesem Ausdruck meine bestimmten Zeiten an unsere Herzen appellieren will.

Heilige Versammlungen

Dieser Ausdruck weist auf gemeinsame Zusammenkünfte hin. Es scheint, dass unser Gott seine Freude daran hat, sein Volk mit einem einzigen Herzenswunsch versammelt zu sehen – Ihm gemeinschaftlich zu dienen. Durch das beständige Erinnern daran, dass wir „heilig“ sind, wird Er wird uns vor jedem Eindringen der fleischlichen Gesinnung des Menschen bewahren. So wunderbar dieses Vorrecht auch ist, müssen wir uns doch in jeder unserer Zusammenkünfte daran erinnern, um uns immer dessen bewusst zu sein, dass Er anwesend ist; dass wir zu seinem Wohlgefallen zusammenkommen, Ihm unterworfen, in Abhängigkeit und mit heiliger Ehrfurcht in unseren Herzen. Ein solcher Zustand wird diese geistlichen Ergebnisse bewirken, die wirklich für Gott ein Fest sind. Und in dem Maß, wie es Qualität bewirken wird, wird es bloße Quantität zurückdrängen und alles zum Besseren wirken und zu einem volleren Lob Gottes sein.

Das also sind die lehrreichen Mitteilungen für unsere Seelen, die uns zubereiten für das Entfalten seiner Gedanken in diesem wunderbaren Kapitel.

Fußnoten

  • 1 Gemeint ist der Autor John Nelson Darby (Anm. der Red.).
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