Bemerkungen zum Epheserbrief

Kapitel 1

Wir haben den Eindruck, daß der Apostel sich hier mit den Absichten Gottes in Bezug auf uns beschäftigt. Er spricht nicht so sehr von den Mitteln, die Er benutzt hat, um uns mit Sich zu versöhnen (die Genugtuung, die Seiner Gerechtigkeit zuteil wurde, obwohl der Heilige Geist auch dabei verweilt). Das Thema sind vielmehr die besonderen Segnungen, in welche Gott uns in Seinen Ratschlüssen der Gnade versetzt hat.

Es ist sicherlich von großem Segen für uns, die Mittel vollkommen zu verstehen, die Gott gebrauchte, um uns zu Sich zu bringen. Aber Gott hat uns diese Dinge darum bekannt gemacht, damit wir uns mit dem beschäftigen, wozu wir berufen sind. Im Genuß dieser Wahrheiten nehmen wir wirklich den Charakter eines Christen an und wächst die Seele. Die göttlichen Segnungen ergreifen von uns Besitz; und wenn das Herz sie wirklich erfaßt hat, gibt es umso mehr von einem Christen und einem Zeugnis in uns. Dadurch ergibt sich durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wirkt, ein klarerer und stärkerer Anziehungspunkt für die Welt.

Gläubige, die im Heiligen Geist im Himmel weilen, nehmen am Geist des Himmels teil und wachsen in den Dingen, die sie dort finden. Sie stehen mit Gott in besonderer Beziehung. Sie genießen das, was Gott gegeben hat; und das ist bestimmt sehr kostbar. Aber vor allem erfreuen sie sich an Gott Selbst. Darin liegt die außerordentliche Gnade Dessen, Der wünscht, daß wir uns immer in Seiner Nähe aufhalten und Seine Gedanken und Ratschlüsse kennen. Danach sollten auch wir suchen und trachten. Auf diese Weise verstehen wir besser, was dem Herrn wohlgefällt und Seiner würdig ist. Von solchen Gegenständen spricht der Apostel zu uns in dem vorliegenden Kapitel.

Verse 1–3. In Jesus Christus, dem Haupt des Leibes, sind wir gesegnet mit jeder geistlichen Segnung. Dorthin hat Gott uns versetzt; und wir wissen es, Geliebte, wir wissen es – aber mehr in der Theorie als in der Praxis.

Vers 4. Wie ich schon gesagt habe, spricht der Apostel hier nicht nur von den Mitteln, sondern auch von der Quelle unserer Segnung in den unaussprechlichen Ratschlüssen Gottes und von dem Endziel, das Gott sich vorgesetzt hat; denn es wird gesagt: „daß wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe.“ So denkt Gott über uns. Er möchte uns vor Sich haben – und zwar glücklich und für Ihn Selbst.

In nur einer einzigen Sache ist Gott Sich nicht Selbst genug, und das ist in Seiner Liebe. Seine Liebe benötigt andere Wesen außer Sich Selbst, um sie glücklich zu machen. Er verlangt danach, Wesen vor Seinem Angesicht zu haben, die in Übereinstimmung mit dem sind, was Er ist. So stellt Er uns „heilig und tadellos“ vor Sich hin.1 Genau das ist Er in Sich Selbst. Er ist der Heilige und gewiß ohne Tadel; denn unmöglich kann in Ihm irgendein Fehler gefunden werden. Er nennt sich den „Heiligen“. Er ist Liebe. Nun, Er stellt uns heilig und tadellos vor Sich in Liebe. Ein kostbarer und sehr wichtiger Gedanke für uns! Er hatte entschieden, daß die Kirche (Versammlung) von einer solchen Art sein sollte, daß Er an ihr Gefallen finden und vor Seinem Angesicht in ihr eine Wiedergabe Seiner Selbst wahrnehmen konnte. Das ist das vollkommenste Glück, das möglich ist. Er stellt vor Sich Wesen, die Ihm gleichen, um sie so glücklich wie möglich zu machen. Er hat uns Seine Natur mitgeteilt und findet Sein Wohlgefallen an uns. Zu diesem Zweck macht Er uns „heilig und tadellos … in Liebe.“ Diese Wahrheit wird hienieden vom Heiligen Geist bewirkt, obwohl die Ergebnisse erst dann vollkommen gezeigt werden, wenn wir uns droben an dem Ort der Vollkommenheit befinden. Wo ist sogar jetzt schon auf der Erde unser Platz? – Vor Ihm! Dieser Platz ist nicht allein eine große Freude für uns, sondern auch das Kostbarste, das wir uns ausdenken könnten. Wir befinden uns vor Ihm!

Wir mögen es nicht, vor Ihm zu sein, wenn wir nicht heilig sind. Doch wenn das Gewissen durch das Blut Christi gereinigt ist, sind wir wahrhaft glücklich vor Ihm. Um vor Ihm glücklich zu sein, müssen wir heilig sein. Wir müssen den Geschmack jener göttlichen Natur – unserer Natur – verstehen. Wir selbst sollten unser Glück darin finden, „heilig und tadellos … in Liebe“ zu sein. Der Apostel Johannes zeigt uns in seinem ersten Brief (1. Johannes 4, 13), daß die göttliche Natur in einem Christen hervorgebracht wird. Der Christ hat Gottes eigenen Geist empfangen. Das geschieht in einem Menschen, der liebt; und Gott ist in ihm und er in Gott. Uns ist nichts weniger gewährt worden als die Mitteilung der göttlichen Natur, wodurch wir in Gott weilen und Gott in uns, auf „daß wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe.“

Was wir droben sein werden, sollte hienieden schon unser Ziel ausmachen. Es handelt sich nicht um eine uns auferlegte Aufgabe, sondern wir sind zu Teilhabern der göttlichen Natur gemacht worden zur Verherrlichung Gottes. Nun, falls wir diese Wahrheiten verwirklichen wollen, müssen unsere Gedanken droben weilen entsprechend der Natur jener Gnade, die wir empfangen haben. Es ist für uns sehr stärkend, an die Dinge droben zu denken – an ihre Quelle, an Jesus, an die Erfüllung dieser Absicht Gottes in Herrlichkeit.

Verse 5–7. Der Apostel hat immer diese Sohnschaft im Blickfeld. Gott will uns für Sich selbst durch Jesus vor Sich stehen haben entsprechend dem Wohlgefallen Seines Willens, nämlich als Seine Kinder. Das ist die Herrlichkeit dieser Gnade, die uns dorthin gestellt hat. In diesen Versen spricht Paulus zu uns von der Grundlage, von den Mitteln, die Gott angewandt hat, und von der Gewißheit, auf welche wir zählen dürfen. Er spricht davon als von einer fest stehenden Tatsache, als etwas, das wir besitzen. Der Besitz dieser Segnungen ist wirklich notwendig für uns, damit wir an allem teilnehmen können, über das er zu uns reden möchte.

Das ist die Tür, durch welche wir eingetreten sind; und nach dem Durchschreiten der Tür in Jesus habe ich die Gewißheit, daß ich mich im Haus befinde. Es wäre indessen traurig, Jesus nur als die Tür zu besitzen, obwohl es natürlich kostbar ist, diese Wahrheit zu verstehen. Wenn wir uns keines herzlichen Willkommens und der Liebe des Vaters sicher sind, schätzen wir die Reichtümer Seiner Gnade nur gering; denn „wir (haben) die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade.“ (V. 7). Wenn wir unsicher sind, genießen wir diese Gnade nicht; wir erkennen sie nicht wirklich an. Um so handeln zu können, müssen wir uns völlig Gott und der Macht der Liebe Dessen übergeben, der uns zum Eintritt auffordert. Wir mögen hier anmerken, daß der Heilige Geist zwar sehr deutlich das Mittel unserer Errettung erklärt; Er begründet sie indessen nicht, wie anderswo, sondern macht uns einfach mit ihrem Wesen und ihrer Allgenugsamkeit bekannt. Er spricht von ihr als einem Vorrecht, das wir besitzen. Er sagt uns, was wir in Christus besitzen, bevor Er zeigt, was jenen gehört, die sich der Wirkung dieser Erlösung erfreuen. Wir haben die Erlösung. Indem wir in allem belehrt sind, warten wir auf die Erlösung unseres Leibes, um alle Segnungen genießen zu können. Wir müssen nur über die Reichtümer der Gnade Gottes nachsinnen. Das ist ein Mittel, um ganz nah zu Ihm zu gelangen.

Wir haben in den vorhergehenden Versen die Absichten Gottes in Bezug auf uns und das Mittel gesehen, welches Er anwandte, um uns zu Teilhabern derselben zu machen. Das ist die Erlösung durch Christi Blut nach den Reichtümern Seiner Gnade. Was wir jetzt vor uns haben, ist das Teil, welches wir auf der Erde besitzen, nämlich das Verständnis des Geheimnisses Gottes.

Verse 8–9. Gott hat uns von Seiner Gnade gegeben in aller Weisheit und Einsicht. Er ist nicht damit zufrieden, uns dieses gesegnete Teil zu geben, indem Er uns später in dasselbe einführt. Statt dessen möchte Er uns jetzt schon auf der Erde die Kenntnis davon in aller Weisheit und Einsicht nach Seinem Wohlgefallen schenken. Wir haben es nicht mit einem Gott zu tun, der uns vor Seine Gerichtsbarkeit stellt, sondern mit einem Gott der Gnade, der Seinen eigenen Gedanken entsprechend handelt. Gott möchte nicht nur, daß die Kirche sich einst in einer solchen Stellung vor Ihm befindet, sondern auch daß sie schon hienieden der Aufbewahrungsort (Archiv) aller Seiner Ratschlüsse sei. Sie soll Verständnis über das Geheimnis Seines Willens besitzen.

Vers 10 gibt uns die Erklärung dieses Geheimnisses. Gott bringt in der Verwaltung der Fülle der Zeiten in Christus alles zusammen. Alles, was vorausging – das Gesetz, die Propheten, usw., – geschah nur zur Vorbereitung. Dieser Vers spricht von der Fülle der Zeiten, wenn Gott alle Dinge Seinen Vorstellungen entsprechend ordnen wird, indem Er Christus zum Haupt über alles einsetzt; und dadurch, daß wir mit Ihm vereinigt sind, werden wir Teilhaber Seines Erbteils. Gott handelt nach Seinem eigenen Willen und führt alles aus, was Er will. Alles soll in Christus in eins gesammelt werden. Durch Ihn wurde alles erschaffen; und durch Ihn soll alles versöhnt werden. Das wird hier als das Ergebnis der Ratschlüsse Gottes vorgestellt.

Verse 11 und 12. Dieses Geheimnis enthält zwei Teile: 1. Alle Dinge sollen Christus als dem Haupt unterstellt werden. 2. Die Kirche, welche Sein Leib ist, wird an dem Erbe teilhaben. Wir sollen uns vor Gott in Übereinstimmung mit der Vollkommenheit Seiner Natur aufhalten. Nachdem Christus dem Tod übergeben worden war, können Gott und der Sünder zusammenkommen. Doch hier geht es vielmehr um die Erfüllung des Geheimnisses des Willens Gottes zur Verherrlichung Christi. Die Kirche wird an dem Erbe teilhaben. „In welchem“, wird gesagt, „wir auch ein Erbteil erlangt haben.“ Doch die Gesamtheit des Geheimnisses betrifft nicht ausschließlich die Kirche; und das ist einfach zu erkennen, wenn wir die Gedanken der Bibel annehmen. Das bedeutet natürlich nicht, daß wir das volle Ausmaß der Herrlichkeit verstehen. Wir werden indessen sehen, daß alle erschaffenen Dinge in Christus in eins gesammelt werden.

Im Kolosserbrief wird Christus als der Schöpfer vorgestellt. Dort steht die Person Christi an erster Stelle; es geht nicht so sehr um die Ratschlüsse Gottes bezüglich der Kirche. Christus ist der Erstgeborene aller Schöpfung und der Erstgeborene aus den Toten, das Haupt Seines Leibes, welcher die Kirche ist. Aber hier im Brief an die Epheser handelt es sich um die Vorrechte der Kirche in Ihm, welche uns bekannt gemacht werden. In Vers 6 wird gesagt, daß das, was wir schon besitzen, zum Preise der Herrlichkeit Seiner Gnade ist; und in Vers 12, wo Paulus von der kommenden Herrlichkeit spricht, die noch vor uns liegt, lesen wir: „Damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien.“ Die Kirche hat ein besonderes und herrlicheres Teil. Alle Dinge werden in Christus in eins zusammengebracht. Die Kirche, welche mit Ihm vereinigt ist, wird zur Teilhaberin des Erbteils, damit wir zum Preise Seiner Herrlichkeit seien. Die Herrlichkeit Gottes kann verstanden werden, indem sie in uns gesehen wird; und die Welt wird dann erkennen, daß wir geliebt worden sind, wie Christus geliebt worden ist.

Vers 12 mag schwierig erscheinen, wo gesagt wird: „Die wir zuvor auf den Christus gehofft haben.“ Aber Paulus spricht hier von den Juden, welche vor der Offenbarung Christi an die Nation bei Seinem zweiten Kommen und dem nationalen Ruf an die Juden in der Endzeit geglaubt haben. Jene von den Juden, die schon vorher geglaubt und gehofft haben, werden mit Christus verherrlicht sein.

Verse 13 und 14. Vers 13 richtet sich an uns. Es geht nicht allein darum, daß Juden und Nichtjuden an diesem Erbe teilhaben werden. Der Kirche ist es gegeben, durch die Gabe des Heiligen Geistes den Willen Gottes zu kennen. Das ist das unterscheidende Merkmal eines Christen, der, nachdem er geglaubt hat, mit dem Heiligen Geist der Verheißung versiegelt worden ist. Der Heilige Geist wird zum Siegel. Wir können das Erbteil nicht früher empfangen als Christus. Der Heilige Geist ist uns als ein Pfand gegeben, während wir auf das Erbe warten. Gott hat Sein Siegel auf uns gelegt; und dieses ist der Beweis, daß ein Nichtjude (zum Beispiel Kornelius) an den Verheißungen teilhaben darf, die Abraham gemacht worden sind.

Es besteht ein Unterschied zwischen der Wiedergeburt durch den Heiligen Geist und Seiner Gegenwart als ein Siegel. Ein Mensch muß geglaubt haben, damit Gott Sein Siegel auf ihn legen kann. Der Heilige Geist mag vorher schon gehandelt haben, zum Beispiel, indem Er das Herz aufbricht. Das geschieht indessen nicht als Siegel. Manchmal bewirkt die Kraft des Heiligen Geistes Früchte in uns. Zu anderen Zeiten demütigt sie uns und macht uns empfindsam für Gut und Böse. Das bedeutet keinesfalls Freude. Letzteres Werk ist viel wertvoller als Freude selbst, denn es gibt häufig Dinge in uns, welche gerade wegen dieser Freude nicht vor Gott gerichtet sind. Wenn Gott uns den Genuß des wahren Gegenstands, dessen wir uns erfreuen sollen, gewährt, beginnt Er, unser Herz zu zerbrechen, damit das geistliche Werk tiefer eindringe. Der Geist Gottes macht uns empfindsam für alles, was nicht mit Gott in Übereinstimmung steht. Diese Erkenntnis über uns selbst ist notwendig, damit wir Gott erkennen. Ich sage nicht, daß dieses Werk, wenn wir genauso wandeln, wie Gott uns haben möchte, nicht ohne Verlust an Freude ausgeführt werden kann. Aber im allgemeinen ist es bei einem Christen so. Gott muß uns häufig wieder auf Sich hin ausrichten und in uns wirken, damit wir entdecken, wie unsere Unachtsamkeit unser Sehvermögen eingeschränkt hat. Oft wird diese aufgereizte Freude in einem Christen gefunden, der das nicht gerichtet hat, was er in der Gegenwart Gottes richten sollte. Die Bedürfnisse und Wünsche, welche der Heilige Geist durch die Wiedergeburt bewirkt, sind nicht das Siegel des Geistes. Noch weniger ist es die Freude, welche daraus hervor strömt, daß die Gefühle mit einem neuen und göttlichen Gegenstand beschäftigt sind. Dasselbe gilt für die Früchte, welche der Heilige Geist hervorruft, wenn Er in uns wohnt. Das Siegel ist der Heilige Geist Selbst, welcher jenem Glauben gegeben wird, der sich in der Person befindet, die unsere Gerechtigkeit geworden ist. Es ist die Antwort auf alle unsere Bedürfnisse. Dann haben wir Frieden und Freude. Der Heilige Geist in uns ist das Siegel.

Wir sollten nicht überrascht sein, wenn wir von der Absicht Gottes lesen, uns zu zeigen, was wir sind. Zu solchen Zeiten sehen wir nicht Gott, denn Er läßt uns uns selbst erkennen. Viele Menschen denken, daß die völlige und unerschütterliche Sicherheit unserer Errettung uns sorglos hinsichtlich des Zustands unserer Seelen machen könnte. Das ist jedoch ein Irrtum. Der Heilige Geist hat Seinen Thron in unseren Herzen aufgestellt; und wenn wir uns selbst richten, werden wir nicht gerichtet. Der Heilige Geist ist es, der dafür sorgt, daß wir uns an Gott vollkommen erfreuen und alles richten, was in uns nicht von Gott ist. Er allein befestigt uns in der Wahrheit und schenkt uns die Sicherheit bezüglich dessen, was für uns vollbracht worden ist. Gott in uns richtet durch Seinen Geist unser Verhalten und unser Herz. Das verhindert allerdings nicht, daß dieser Geist das Siegel ist, welches Gott auf uns gedrückt hat. Es ist das Zeugnis von Seiner vollkommenen und unwandelbaren Liebe gegen uns, die Kraft eines Lebens der Freiheit, der Geist der Sohnschaft. Wir nehmen mit Jesus zusammen daran teil. Gott legte Sein Siegel auf Jesus, als Er in der Welt war, und zwar nach Seiner Taufe durch Johannes.

Der Heilige Geist ist das Unterpfand unseres Erbteils; und hier müssen wir beachten, daß Gottes Wort im Neuen Testament den Ausdruck „uns“ immer dann verwendet, wenn es von Christen und den Dingen, die sie betreffen, spricht. Die Propheten mußten erkennen, daß die Angelegenheiten, die ihnen geoffenbart wurden, nicht sie selbst angingen, sondern uns. (Siehe 1. Petrus 1, 12!). Der Heilige Geist sagt stets „uns“. Wir besitzen das Erbe noch nicht; aber der Heilige Geist ist das Pfand. Der Besitz des Erbteils hängt von der Erlösung unseres Leibes ab. Hinsichtlich unserer Seelen sind wir jetzt schon mit dem wahren Erben verbunden. Darum seufzen wir wegen unseres Leibes (obwohl wir während der ganzen Zeit die Verheißungen haben), denn seine Erlösung ist noch nicht geschehen. (Römer 8, 23). Diese Erlösung wird bei der Auferstehung stattfinden. Das ist das Geheimnisvolle bei einem Christen. Der Heilige Geist gibt ihm die Sicherheit für seine persönliche Erlösung und ist gleichzeitig das Unterpfand für sein Erbteil. Wir werden zum Preise von Gottes Herrlichkeit sein. Während wir warten, bewirkt der Heilige Geist, daß wir das Seufzen der Schöpfung mitempfinden. Er hilft uns in unseren Schwachheiten, wirkt in uns, nimmt Kenntnis von dem Elend, mit dem wir äußerlich verbunden sind, und tritt für uns [bei Gott; Übs.] ein. Dieser Geist wird zur Quelle aller Gedanken, deren Gegenstände sich im Himmel befinden. Auf der Erde ist gleichzeitig die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen. (Römer 5, 5). Der Geist Gottes erforscht unsere Herzen und bringt unsere Bedürfnisse vor Gott. (Römer 8, 26–27). Im fünften Vers dieses Kapitels zeigt Gott uns ein Bild von dem Teil eines Christen. Wichtig ist für uns die Beschreibung jener Person, der diese Dinge gehören.

Vers 15. Zwei Dinge sollten wir beachten: 1. [Bei den Briefempfängern; Übs.] war Christus der Gegenstand des Glaubens und 2. die Erlösten der Gegenstand der Liebe. Wenn Christus der Gegenstand des Glaubens ist, werden alle jene, die in Christus sind, Gegenstände unserer Liebe. Der Heilige Geist wohnt in dem Leib (der Kirche) sowie in dem Leib eines jeden wahren Christen (1. Korinther 3, 16; 1. Korinther 6, 19) und kennt jedes Glied des Leibes. Wenn wir uns zu den Vorrechten eines Christen aufschwingen können, umschließen wir den ganzen Leib. Das Fleisch versteht diese Vorrechte nicht; aber der Heilige Geist versteht sie; und die Folge dieses Wissens ist Liebe zu allen Heiligen.

Vers 16. Es ist schön, wenn unsere Gebete zu Danksagungen werden. Wir verwirklichen dann die Gewißheit unserer Vorrechte. Falls wir allerdings an den elenden Zustand der Erlösten denken, werden wir davon überwältigt. Wenn wir hingegen daran denken, was Christus für die Erlösten ist, sagen wir Dank. Wir vergegenwärtigen uns dann, was Gott für sie und in ihnen tun will und tut. Gott kann nicht untreu sein hinsichtlich der Liebe, die wir für alle Heiligen haben. Nehmen wir 1. Korinther 1, 4 ff.! Paulus konnte das Schwert des Geistes handhaben. Er würde nicht gewußt haben, wie er sich mit den Korinthern beschäftigen sollte, hätte er nicht damit angefangen, dasjenige Gute in ihnen zu beachten, das die Gnade in ihnen gewirkt hatte. Wie anders ist die christliche Art des Handelns, Denkens und Urteilens als die der Welt! Keine Ausdrücke sind bemerkenswerter als die, welche Paulus in diesen Versen in seiner Anrede an die Korinther benutzt. Paulus war entschlossen, entsprechend dem Heiligen Geist zu handeln. Es kann nicht sein, daß Gott leichtfertig über Sünde hinweggeht, ohne sie zu richten. Nein, Er wird sie in Erlösten ernst richten, falls unter ihnen Böses zu finden ist. Daher ist es für die Kirche wichtig, Sünde so zu behandeln, wie Gott es tut.

Vers 17. Wir finden zwei Namen, die Gott gegeben werden: 1. Er wird der Gott unseres Herrn Jesus Christus genannt. 2. Er ist der Vater unseres Herrn Jesus Christus. Das Gebet von Epheser 3 steht in Verbindung mit dem zweiten dieser Titel, nämlich dem des Vaters. Der siebzehnte und die folgenden Verse unseres Kapitels sprechen von Ihm als Gott.

Der Apostel stellt uns Gott auch als den Vater der Herrlichkeit vor, das ist sozusagen Gott als die sittliche Quelle der Kraft für jegliche wahre Herrlichkeit. Gleichzeitig zeigt er uns den Herrn Jesus als denjenigen, der als Mensch in eine Beziehung zu Gott trat. Dieses Band verursacht, daß alle Zuneigungen Gottes auf Ihm ruhen als dem Gegenstand, in dem alle göttlichen Gedanken ihren Mittelpunkt finden. Darum schreibt Paulus: „Der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit.“

Ich kann Christus als einen verherrlichten Menschen betrachten, dessen Rechte über alles von Gott festgesetzt sind. So spricht Petrus in seinen Briefen. Er schaut auf Christus als einen Menschen, welchen Gott in dieser Weise ansieht, indem Er Ihn von den Toten auferweckte. Johannes hingegen betrachtet Christus in der Herrlichkeit Seiner göttlichen Person – eins mit dem Vater – und als der Gesandte. In unserem Brief wird Christus als der Gegenstand der Ratschlüsse Gottes vorgestellt, in welchen sich die Kraft Gottes entfalten soll. Es ist kostbar für uns, wenn wir sehen, was unsere Stellung in Christus bedeutet – wenn wir sehen, daß wir als Sein Leib in dieselbe Stellung versetzt sind wie Er. Die Ratschlüsse Gottes bezüglich Christus und Seinen Leib – das ist es, was dieser Brief beinhaltet.

Das Gebet, welches mit diesem Vers beginnt, drückt das Verlangen aus, daß wir das Verständnis genießen, welches wir über die Ratschlüsse Gottes empfangen haben. Diese beinhalten die Hoffnung Seiner Berufung, die Reichtümer der Herrlichkeit Seines Erbes in Seinen Heiligen und die Kraft, welche uns in den Genuß dieser Segnungen versetzt hat.

Verse 18–23. Die Einheit zwischen Christus und der Kirche ist so wirklich, daß der Leib bei Ihm sein muß, damit Christus Seine Vollständigkeit erlangt. Diesen Platz nimmt der Mensch in der Auferstehung ein; und diese Lehre ist durchaus von praktischer Art. Sie vermittelt die ganze Kraft Gottes in einem Auferstehungsleben hienieden, welches uns über das Fleisch setzt. Falls wir dieses Leben nicht verwirklichen, wandeln wir einfach als Menschen. Das lebendige Verständnis über dieses Auferstehungsleben bringt den Tod über alles, was nicht himmlisch ist. Die Kraft des Glaubens ermöglicht uns, den himmlischen Örtern entsprechend zu wandeln; und es ist nichts weniger als die Kraft Gottes (dieselbe Kraft, welche Christus aus den Toten auferweckte und Ihn Sich zur Rechten Gottes hinsetzen ließ), welche jetzt in uns sowohl das Wollen als auch das Wirken hervorruft. (Vergl. Philipper 2, 13!). In unseren Tagen stehen der Kirche keine Wunder mehr zur Verfügung, sondern die Kraft des Heiligen Geistes in der unsichtbaren Welt.

Darin liegt das Verständnis des Geheimnisses des Christus. Alle Dinge sollen in Ihm in eins zusammengebracht werden; und da wir mit Ihm verbunden sind, werden wir in gleicher Weise dieses Erbteil genießen. Gott erkauft und erbt in Christus alle Dinge; und Gott setzt Christus als Mensch zum Erben über alles ein. Die Kirche ist jedoch der Leib Christi und vereinigt mit Ihm in dem Genuß dieses Erbes. Darum wird gesagt: „Seines [Gottes] Erbes in den Heiligen.“

In Christus wird sich alles enthüllen – in Christus, dem Sohn, dem Erben aller Dinge. Von Ihm hängt alles ab. Aber nach den Ratschlüssen Gottes sollen diese Dinge auch in uns geoffenbart werden – in uns, den Erlösten, mit welchen Gott Sich umgeben will, damit wir die Fülle Seiner Herrlichkeit genießen, wie geschrieben steht: „Gott zur Herrlichkeit durch uns.“ (2. Korinther 1, 20).

Es bleibt indessen noch eines übrig, welches für unsere Freude an diesem herrlichen Ziel, welches uns nach den Ratschlüssen Gottes zusteht, unbedingt notwendig ist. Uns mußten nicht nur die Ratschlüsse Gottes geoffenbart werden, sondern wir müssen auch bis zu ihrer Höhe emporgebracht werden, um uns in die Stellung zu versetzen, in der wir dieses alles genießen können. Christus ist der Erbe aller Dinge; und wir sind Seine Miterben. In welcher Weise sind wir mit Ihm verbunden, sodaß wir an Seinem Erbe der Herrlichkeit teilnehmen können? Wie wurde Er Selbst (der Eine, der in Gnade auf dem Kreuz an den Folgen der Sünde teilnahm) auferweckt, um die Herrlichkeit genießen zu können? Gott erweckte Ihn aus den Toten und setzte Ihn Seinen Verdiensten und der Würde Seiner Person entsprechend zu Seiner Rechten in den himmlischen Örtern. Dort sitzt Er hoch erhoben „über jedes Fürstentum und jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen.“ Gott hat den Mann, Der tot war, genommen und Sich zu Seiner Rechten in der Herrlichkeit niedersitzen lassen. Der Mensch ist in der Person Christi über alles erhoben worden außer dem Thron selbst, durch den Christus erhöht worden ist. Und ist Er allein? – Nein! Dieselbe Kraft, welche Christus auferweckte und zur Rechten Gottes versetzte – die überschwengliche Größe jener Kraft, die einen toten Menschen zur Rechten Gottes erheben konnte, wirkt jetzt mit derselben Macht in dem Gläubigen.

Diese ist es, welche uns zu jenem Fassungsvermögen und jener Stellung emporhebt, sodaß wir die Herrlichkeit Gottes in Christus genießen können und genießen werden. Wie Gott Christus über alles gesetzt hat, indem Er Ihn aus den Toten wegnahm, so gab Er Ihn auch Seinem Leib, der Kirche, als Haupt. Wir nehmen an dieser Herrlichkeit als Sein Leib teil, als Glieder Dessen, der sie geerbt hat. Wir nehmen an ihr teil entsprechend derselben Kraft, die Christus dorthin versetzt hat. Der auf diese Weise erhöhte Christus ist Haupt über alles und zudem Haupt Seines Leibes, das ist die Kirche. Die Glieder haben ihren Anteil am Erbe kraft der Wirksamkeit derselben Kraft in ihnen, welche in Christus wirkte, als Er aus den Toten herausgenommen und zur Rechten Gottes gesetzt wurde. Der Leib ist die Ergänzung zum Haupt. In diesem Sinn stellt er seine Fülle dar. Christus erfüllt alles; das ist Seine Herrlichkeit. Er ist es, der in göttlicher Weise das ganze Universum erfüllt. Die Kirche ist der Leib Dessen, der so wirkt.

Diese große und wunderbare Wahrheit wird in praktischer und sittlicher Hinsicht im 2. Kapitel enthüllt. Doch bevor wir weitergehen, möchten wir hier anmerken, daß die Wirksamkeit des Heiligen Geistes Sich in der Kirche in zweierlei Weise offenbart. Das sind Weisheit und Kraft. Zur gegenwärtigen Zeit zeigt sich indessen die eine mehr als die andere. Es wird gesagt, daß Christus sowohl die Weisheit als auch die Kraft Gottes ist. (1. Korinther 1, 24). Wenn wir die fortgeschrittendsten Christen nehmen, finden wir in ihnen mehr von Weisheit und Erkenntnis der Wege und Ratschlüsse Gottes als von Kraft. Am Anfang der Kirche war die große Masse der Gläubigen weniger erleuchtet als heutzutage. Dafür war die Kraft größer; denn sogar die Dämonen zitterten. Obwohl diese Kraft wertvoll ist, indem sie ein Zeugnis davon darstellt, daß Jesus als Mensch Satan besiegt hat, ist Weisheit kostbarer, und zwar umso mehr, weil wir jetzt das Böse erkennen sollen, um uns davon abzusondern. Wir sollen keine neue Haushaltung (Dispensation) aufrichten. Gott gibt jedoch immer das, was den Bedürfnissen Seiner Kirche entspricht.

Dasselbe erkennen wir auch in Joseph – zuerst als er von seinen Brüdern verfolgt wurde, später in Ägypten. Was ihn kennzeichnete, war seine Weisheit und seine Erkenntnis über die Gedanken Gottes. Das ist auch uns heute gegeben, nämlich die Gedanken Gottes. Die Stellung der Kirche wird durch geistliches Verständnis erkannt. Durch Weisheit erfahre ich, was mein Teil in Christus ist. Meine Empfindungen werden zu dem hingezogen, was Gott mir für die Ewigkeit vorgestellt hat. Die Kirche soll in einer ganz besonderen Weise diese Wahrheiten verstehen. Dadurch wird sie den Fallstricken Satans entgehen. Wenn der Feind die Überhand hatte, war es in Israel das Wissen über die Gedanken Gottes, was die Treuen stützte. Wir bemerken, daß die Propheten [des Südreiches; Übs.] Juda, denen Gott Seine Gedanken anvertraute, nicht ein einziges Wunder bewirkten. Verständnis über die Gedanken Gottes macht uns demütig. Es ist demütigend zu wissen, daß wir nichts besitzen, außer dem, was sich in Gott befindet. Die geistliche Wirkung wird dann sein, daß wir unsere Herzen Ihm zuwenden, der unser Teil ist. Das wird auch die Kirche von allem dem wegziehen, das von der Welt stammt. Gott wird sie nämlich bald aus der Welt herausnehmen. Dieser Gedanke wird die Kirche dazu zwingen, ihre Quellen der Freude und der Kraft ausschließlich in Ihm zu suchen. In unseren Versen ist jedoch eine gewisse Kraft mit dieser Weisheit verbunden. Das ist die Kraft der Auferstehung, welche uns in dieselbe Stellung versetzt wie Christus im Himmel. Darin liegt unsere Stellung. Falls wir geistliche Einsicht besitzen, erkennen wir, wie Macht und Weisheit vereint sind. Es ist ein Werk der Kraft in uns und nicht unsere eigene Weisheit.

Fußnoten

  • 1 Das erste dieser Wörter spricht von der Wesensart, das andere vom Verhalten. (J. N. D.).
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