Bemerkungen zum Epheserbrief

Kapitel 5

Verse 1–2. Der erste Vers steht mit dem vorherigen Kapitel in Verbindung. „Wie Gott euch vergeben hat, vergebet einander!“ „Seid nun Nachahmer Gottes, als geliebte Kinder!“ Die allgemeine Regel lautet: „Seid Nachahmer Gottes; folgt Ihm; wandelt in Seinen Fußstapfen; handelt nach denselben Grundsätzen wie Er!“ Insofern wir die Familie Gottes bilden, sollten wir wie Gott, unser Vater, sein. Es liegt etwas sehr Schönes in dieser Grundwahrheit – ganz anders als im Gesetz. Sie ruft im Herzen ganz andere Gefühle hervor. Es geht um Zuneigungen, es geht um die Güte Gottes, die uns im Wandel beeinflußt. Der Apostel führt hier einen Grundsatz ein, der dem letzten Vers des vorstehenden Kapitels entströmt. Das bedeutet, daß wir in Liebe wandeln, Gott nachahmen und Christus folgen sollen. Wenn Gott Liebe ist, dann ist Christus der Ausdruck dieser Liebe gegen uns. Auch wir sollten alles für unsere Brüder aufgeben (1. Johannes 3,16). Die Beweggründe dieses Verhaltens werden im ersten und zweiten Vers, die wir gerade gelesen haben, ausgedrückt. Wir sollten Gott dem Herzen eines Kindes entsprechend nachahmen; und die Wirkung dieser Liebe Gottes im Herzen eines Christen besteht darin, daß er sich für die Bedürfnisse seiner Brüder opfert. Das wurde an Christus gesehen. Da wir das Leben Christi, die göttliche Natur und die Kraft Christi besitzen, sollten wir uns Gott opfern (Römer 12,1). Es muß hier auch angemerkt werden, daß das, was von Gott in Liebe herabkommt, immer in Liebe und Hingabe an Ihn zu Ihm hinaufsteigt. Was für ein gesegneter Gedanke! Warum leben wir nicht ihm entsprechend? – Denn dieses ist es, was wir in unserem Dienst für Gott sein sollten.

Vers 3. Paulus setzt voraus, daß sich der Christ in jener Atmosphäre Gottes aufhält, wo es keine anderen Gedanken gibt als die, welche Heiligen geziemen. Wir erfahren jetzt, welchen Platz das Geld einnimmt. Das menschliche Herz denkt, daß es angenehmer sei, reich zu sein als arm. Doch hier wird gesagt, daß Habsucht unter uns nicht einmal genannt werden sollte. Wir erkennen in der Gegenwart Gottes außerdem, wie weit sich der Maßstab der Sittlichkeit unterscheidet von demjenigen, nach dem wir unter den Menschen urteilen. Der Apostel betrachtet diese Dinge dem Geist Gottes, den Gedanken Gottes und Christus, der in ihm, Paulus, wirkt, entsprechend. Daraus folgt, daß wir so zu handeln haben, wie es Heiligen geziemt. Wir sollen Nachahmer Gottes sein.

Vers 4. In der Gegenwart Christi werden wir Witzelei völlig unpassend finden. Das bedeutet nicht, daß derjenige, der vor dem Angesicht Gottes wandelt, nicht glücklich ist. Keine Wolke liegt über der Freude dessen, der sich in der Gegenwart Gottes aufhält. Doch ein solcher Gläubiger fühlt, welche Dinge sich für ihn nicht gehören, da er berufen ist, Nachahmer Gottes zu sein. Daß die Welt solche Dinge schicklich findet, ist nur zu natürlich; aber „wie das Geknister der Dornen unter dem Topfe, so das Lachen des Toren. Auch das ist Eitelkeit.“ (Prediger 7, 6).

Verse 5–7. Eine habsüchtige Person wird das Reich Gottes nicht ererben. Ein Habsüchtiger wird in 1. Korinther 5 in Hinsicht auf Zucht auf denselben Boden gestellt wie ein Hurer, Götzendiener usw. Es ist indessen schwieriger, sich mit einem solchen Menschen zu beschäftigen, weil bei ihm die Sünde verborgener und nicht unbedingt äußerlich zu sehen ist. Alles dieses entsteht aus dem Fleisch. Bei demjenigen hingegen, der nach dem Geist wandelt, werden solche Sünden gerichtet. Der natürliche Mensch wünscht sich lieber zwei als nur ein Geldstück. Die neue Natur jedoch ist von solchen Gelüsten befreit; sie findet darin keinen Genuß. Der Apostel schreibt hier: „Reich Christi und Gottes.“ Er folgt den Gedanken, die Gott und Christus entsprechen. Wenn ich an Gott denke, habe ich es mit göttlichem Licht zu tun. Denke ich an Christus, erkenne ich die göttliche Kraft, wie sie sich in einem Menschen geoffenbart hat. Wie schön für uns, daß wir sagen können: „Dort befinde ich mich. Ich bin mit diesen Wahrheiten verbunden. Ich befinde mich in derselben Atmosphäre wie Gott und Christus.“ Von dieser Stellung aus beurteilen wir dann alles. Wir sollen uns nicht mit dem einlassen, was nicht von Gott ist, denn Gott ist nicht dort. Außerdem befinden wir uns dann nicht länger in der Atmosphäre, in der wir etwas beurteilen können.

Vers 8. Aus dieser gottfernen Verbindung sind wir herausgeführt worden, sagt der Apostel. Es wird nicht gesagt, daß wir uns „in der Finsternis“ befanden, sondern daß diejenigen, die jetzt Teilhaber der göttlichen Natur sind, selbst Finsternis waren. Aber jetzt sind wir Licht. Das ist die Natur Gottes, und von ihr sind wir zu Teilhabern gemacht worden. Dadurch können wir alles erkennen. Auf diese Weise sind wir Licht in dem Herrn. So weit wir uns wirklich in Jesus aufhalten, können wir entsprechend wandeln. „Wer mir nachfolgt,“ sagt Jesus, „wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. … Wenn aber jemand in der Nacht wandelt, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist.“ (Johannes 8, 12; Johannes 11, 10). Der natürliche Mensch hat kein Licht.

Vers 9. Die Natur Gottes und Christi hat, wenn sie sich in einem Menschen hienieden zeigt, als Kennzeichen Gütigkeit, Sanftmut, praktische Gerechtigkeit und Wahrheit. Wenn wir in der Wahrheit sind, findet jeder Gedanke vor Gott seinen richtigen Platz. Christus war die Wahrheit. Jede Seiner Taten entsprach dem, was Er in Sich selbst war und was Gott war. Entweder offenbarte Er unmittelbar Gott, oder Er war als Mensch vor Gott die Wahrheit. Jede meiner Taten sollte dem entsprechen, was ich vor Gott bin. Das ist die Abhängigkeit des inneren Menschen. Ich sollte andere Menschen in allen meinen Beziehungen zu ihnen dieser Gerechtigkeit und Wahrheit entsprechend betrachten (das heißt, in Bezug darauf, was jemand vor Gott ist). Dort gibt es weder Ungerechtigkeit noch Unwahrheit.

Vers 10. Dieser Vers steht in Verbindung damit, was über das Licht in Vers 8 geschrieben steht. (Vers 9 ist eine Einfügung.). Das müssen wir in unserem Verhalten lernen. Oft wird gesagt, daß es schwierig sei, den Willen Gottes zu erkennen. Das liegt indessen daran, daß wir nicht bereit sind, Schwierigkeiten zu begegnen; und dann können wir Seinen Willen nicht herausfinden. In diesem Vers haben wir den sittlichen Zustand einer Seele, welche [Gott; Übs.] gefallen möchte sowie den Wandel im Geist und die Wünsche Gottes verwirklicht, um Ihm angenehm zu sein. Auf diese Weise zeigen wir als Kinder wahre Aufmerksamkeit hinsichtlich jener Person, Der wir wohlgefällig sein wollen. In Vers 9 werden die Früchte aufgezählt, welche die natürlichen Erzeugnisse des Lebens Gottes in uns sind. Doch in Vers 10 handelt es sich um die Art und Weise, in welcher Gott in uns wirkt. Unser Auge richtet sich auf andere, nicht auf uns selbst. Dieses Werk Gottes in uns wird auf diese Weise weitergeführt. Ein Kind lernt, während es seinen Vater beobachtet, was ihm gefällt. Es lernt seine Wege kennen. Es weiß, was er liebt in den Umständen, die geschehen mögen. Auf diese Weise prüfen wir, was dem Herrn wohlgefällig ist.

Vers 11. Indem wir die Gerechtigkeit in uns praktisch erfahren, wird eine völlige Trennung vom Bösen bewirkt. Diese Erfahrung bewirkt Früchte des Lichts. Paulus besteht auf der Notwendigkeit, keine Gemeinschaft mit den Werken der Finsternis zu haben. Ein Christ kann sich mit diesen nicht verbinden, sondern muß sie vielmehr strafen.

Vers 12. Durch diesen Vers wird uns gezeigt, bis zu welchem Ausmaß unsere böse Natur gehen kann.

Vers 13 schildert uns die Wirkung des Lichts in Christus und in einem Christen. In der Finsternis sehen wir nichts; aber das Licht macht alles offenbar. Der natürliche Mensch schämt sich, im Licht das zu tun, was er in der Finsternis tut – Taten, welche unter den Heiden offen geschehen. Das Christentum hat notwendigerweise bis zu einem gewissen Punkt, selbst unter den Unbekehrten, die abscheulichsten Sünden ausgetrieben. Der Christ befindet sich im Licht, das alles enthüllt. Das Licht richtet sich auf jede Verbindung, welche er mit der Welt anknüpfen könnte.

Vers 14. Die Menschen dieser Welt sind tot; und ein Christ, der dem Geist dieser Welt entsprechend wandelt, sieht wie tot aus. Er schlummert inmitten der Toten, wobei er allerdings hin und wieder davon träumt, daß er sich in einer elenden Stellung befindet. Doch hinsichtlich seiner Wirksamkeit liegt er dort unter den Toten. Er weiß nicht, was er tun soll – und wie sollte er auch? Dasselbe könnte ebenso von allen dem in einem Christen gesagt werden, das, sittlich gesehen, „Schlaf“ genannt werden kann. Das ist ein sehr schmerzlicher Zustand im Gegensatz zu jenem, der uns oben geschildert wurde. Christus kann eine Seele nicht erleuchten, die sich so unter die Toten legt. Er vermag zu wirken, um eine solche aufzuwecken. Er gibt indessen denen kein Licht, welche schlafen – denen, die nicht aus den Toten aufwachen. Da das Licht alles offenbar macht, besteht die unbedingte Notwendigkeit, daß ein Christ aufwacht. Dann wird Christus ihm Licht schenken. Christus Selbst ist die Quelle, der Ausdruck und das Ausmaß des Lichts für eine Seele, die aufwacht. Was für einen Nutzen hat Licht für eine Person, die im Finstern wandeln will?

Vers 15. Im Himmel gibt es den Ausdruck „Sehet nun zu!“ nicht mehr. Dort dürfen wir unsere vollkommene Freude frei entfalten. Dort ist alles heilig. Hier unten in diesem Leben, in der Mitte des Bösen, müssen wir jedoch aufpassen. Wir müssen weise sein. Ein Mensch dieser Welt muß, um Böses zu vermeiden, in der Kenntnis des Bösen belehrt sein. Der Christ hat es nicht nötig, an das Böse zu denken. Er muß weise sein, ohne eine Kenntnis des Bösen zu besitzen, wie geschrieben steht: „Weise … zum Guten, aber einfältig zum Bösen.“ (Römer 16, 19). Christus gibt nämlich völlige und göttliche Weisheit über das Gute inmitten des Bösen. Während Er auf der Erde lebte, besaß Er keine persönliche Bekanntschaft mit dem Bösen. Das Kind Gottes sollte jene Weisheit besitzen, welche einfältig ist wie die der Taube – geistliche Weisheit.

Vers 16. Auch das ist Weisheit. Wir sollen die gelegene Zeit auskaufen, um Gutes zu tun. Derselbe Ausdruck wird in Bezug auf die Zauberer, die Chaldäer, in Daniel 2, 8 benutzt.1 Sie wollten Zeit gewinnen, um ihre Unfähigkeit zu verbergen. Sie besaßen die Klugheit dieser Welt. Wir benötigen Weisheit, um trotz Satan Gutes bewirken zu können, dessen Gewalt die gegenwärtige Zeit so schwierig macht. Falls wir diese Weisheit zum Guten besitzen, entkommen wir den Listen Satans. Wir verlassen seine Netze auf der anderen Seite, um weiter zu schreiten. Wir tun das Gute, das Gott uns zu tun gibt. Wir haben Zeit für Gott. Wenn wir uns im Licht Gottes aufhalten, wandeln wir in der Einfalt des Guten; und Gott wird bei uns sein. Laßt uns an Gott als unseren Vater denken und an das, was Christus tat, um Seinem Vater in Seinem Wirken zu folgen! (Vergl. Johannes 5, 19!). Falls uns Schlaf überwältigt, müssen wir wieder aufwachen; und Christus wird uns Licht schenken.

Verse 17–18. Vers 16 zeigte uns, daß wir die Zeit auskaufen sollen. Die Tage sind böse, in denen Gott Satan erlaubt, seine Macht auszuüben; und so werden sie im allgemeinen bleiben, bis Jesus zurückkehrt. Aber es gibt Zeiten, in denen Gott zuläßt, daß Satan unmittelbarer herrscht. Zu anderen Zeiten hält Er ihn zurück. Die bösen Tage sind eine Züchtigung, eine Demütigung für die Kirche. Doch dem Treuen sind seine Wege vorgezeichnet: Er soll die Zeit auskaufen und die Gelegenheiten, Gutes zu tun, ergreifen. (Nehemia 6, 3). Darum wird gesagt (V. 17): „Seid nicht töricht!“ Doch es gibt auch eine Energie, eine Kraft im Heiligen Geist, die uns gegeben worden ist und die im Gegensatz zu den Aufreizungen steht, mittelst der die Welt Glaube hervorrufen möchte. Das sind Aufreizungen aus dem Bösen, ein böser Ablauf des Lebens, deren wahres Wesen Vers 18 zeigt. Als der Heilige Geist auf die Hundertzwanzig zu Jerusalem herabkam, sagte die Welt: „Sie sind voll süßen Weines.“ (Apostelgeschichte 2, 13). Die Kraft des Heiligen Geistes versetzt einen Menschen wirklich über den Bereich jener Kraft, die ihm von Natur zu eigen ist. Die Worte steigen auf zu den Lippen als Frucht der Wirksamkeit des Geistes Gottes; und ein Erlöster ist dann Gegenstand einer Freude, die überfließt. In dem, der voll Heiligen Geistes ist, befindet sich etwas für Menschen Übernatürliches – etwas ganz und gar Außergewöhnliches.

Verse 19–20. Das ist ein völlig anderes Leben – eine Freude jenseits des Bereichs dieser Welt. Es handelt sich um eine Gruppe von Menschen, die völlig abseits stehen und die an der Welt und ihren Vergnügungen weder Gefallen, noch Freude finden. Dort befindet sich der Heilige Geist in Kraft. Wenn unter den Christen das Leben herrscht, wenn sie sich mit den Dingen beschäftigen, die ihnen mit Recht zustehen, anstatt in geistlichen Angelegenheiten unentschlossen zu sein, wächst ihr Leben. Infolgedessen sehen wir alles mit Gottes Augen an und vermögen für alles Dank zu sagen. Wir leben und wohnen in der Gegenwart Gottes.

Vers 21. Dieser Geist der Sanftmut erkennt Christus in einem Bruder; und dieser Geist der Unterordnung erhöht sich nicht selbst. Wenn Christen sich zusammenfinden und miteinander Umgang haben, verwirklichen sie diese Forderung; denn Vereinzelung zeugt häufig von Stolz.

Verse 22–24. Was in diesen Versen gesagt wird, ist hart; denn oft hat eine Frau mehr Weisheit als ihr Gatte. Doch die Wirkung dieser Weisheit sollte für eine Frau darin bestehen, ihrem Gatten den Platz zu überlassen, den Gott ihm gegeben hat. Wenn die Gnade Gottes in den Herzen wirkt, regiert stets jene Ordnung, welche Gott eingesetzt hat. Andererseits, falls die Frau herrscht, ist Gott abwesend. Wenn indessen diese besondere Weisheit Gottes anerkannt wird, wird die Ordnung Gottes aufrechterhalten; und Segen wird die Folge sein.

Verse 25–26. Im Wort Gottes finden wir immer wieder ausdrückliche Anweisungen; und es ist niemals gut, diesen nicht zu folgen. Wir können hier drei Wahrheiten hinsichtlich Christus und der Kirche erkennen, welche aus der Liebe Christi zur Kirche hervor strömen: 1. Er hat die Kirche geliebt und Sich selbst für sie gegeben, 2. um sie durch das Wort zu heiligen und 3. um Sich selbst eine verherrlichte Kirche darzustellen usw.

Verse 27–28. Christus will die Kirche Sich selbst in Herrlichkeit darstellen. Die Reihenfolge, in der diese Wahrheiten aufgezählt werden, gibt uns große Gewißheit. Christus heiligte die Kirche nicht, bevor Er sie erlöst hatte. Nein, nachdem sie Ihm gehörte, widmete Er Sich ihr, um sie so zu machen, wie Er sie haben möchte. Wir müssen hier feststellen, daß nicht gesagt wird, daß Gott die Kirche liebt. Auch wird nicht auf jene Herzensgüte Gottes verwiesen, welche Seelen zu erretten sucht, obwohl Seine Güte allen Menschen gegenüber wirkt, indem Er Christus zu ihnen sandte. „Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ (Johannes 3, 16). Es gibt jedoch noch mehr, das nicht eigentlich als die Güte Gottes – sei es in der Bedeutung von Vorsehung, noch Liebe Seiner Natur – bezeichnet werden kann. Gott verlangt in Seinen Ratschlüssen in eine gewisse Beziehung zu Seinem Volk zu treten. Gott verlangt, Kinder zu haben – und Christus eine Braut. Das sind Zuneigungen, die auf einer bestehenden Beziehung beruhen. Wenn Gott uns zu Seinen Kindern gemacht hat, kann Er nicht anders, als uns als Seine Kinder zu lieben. Nachdem Er diese Beziehung erst einmal eingegangen ist, kann Er in derselben nicht zurückstehen. Nirgendwo wird gesagt, daß Christus die Welt geliebt hat, während wir gesehen haben, daß Gott die Welt geliebt hat. Beachte auch das Wesen der Güte Gottes in der Vorsehung (Jona 4, 11)! Die Güte Gottes, welche über alle Seine Werke wacht, ist kostbar. Als solche, die Ihm folgen, sollten wir genauso handeln – wir sollten jeden Menschen lieben (Matthäus 5, 44–48).

Wir finden jedoch noch einen anderen Gedanken neben dem dieser Güte Gottes. Es gibt außerdem eine Liebe als Folge einer festen Beziehung. Gott hat uns in diese Beziehung versetzt. Daher strömen die Zuneigungen Gottes und Christi natürlicherweise uns entgegen, da wir ihre Gegenstände sind. Gott liebt Seine Kinder mit einer Liebe, die sich niemals verleugnet. Christus nahm die Verantwortung für alle Schulden Seiner Braut auf sich. Darüberhinaus verlor die Kirche als Braut Christi ihr irdisches Bürgertum und erwarb ein himmlisches. Christus wurde zu demjenigen, der für alles, was Seine Kirche getan hat und tun wird, verantwortlich ist. Die Kirche hat als Braut Christi ihre eigene Persönlichkeit verloren, um Christus, ihrem himmlischen Bräutigam, anzugehören. Christus empfindet als der Gesalbte einen Widerwillen für die Welt. Er möchte nichts von dieser Welt. Seine Gefühle weilen nicht dort. In gleicher Weise sollte auch ein Christ nicht fähig sein, die Welt als Gegenstand seines Verlangens und Wandels zu ertragen. Christus hat Sich selbst hingegeben, um die Gerechtigkeit Gottes zufrieden zu stellen und um der Kirche willen die Macht Satans zu besiegen. Nachdem Er sie befreit hat, ist Er mit ihr beschäftigt; und wenn sie nicht Seinen Wünschen entspricht, heiligt Er sie. Der Geist Gottes macht hier eine Anspielung auf eine Handlungsweise unter den Juden, welche sich reinigten, indem sie sich in reinem Wasser wuschen. Durch das Wort reinigt und heiligt Christus die Kirche. Alle Offenbarungen dessen, was Gott ist, werden so auf das Herz angewandt. Darum sagt Jesus: „Ich heilige mich selbst für sie.“ (Johannes 17, 19). „Ich sondere Mich als Ausdruck aller Gedanken Gottes ab und teile letztere den Meinen mit, damit auch sie durch die Wahrheit geheiligt werden.“ Christus entspricht vollkommen den Gedanken Gottes. Das Wort ist das Mittel, diese mitzuteilen. Es beurteilt alles in uns und offenbart, was sich in Gott befindet. Das bewirkte Christus, als Er hienieden war.

Das letzte Ziel des Werkes Christi für die Kirche besteht darin, sie „sich selbst verherrlicht“ darzustellen als solche, „die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe.“

Wir finden hier eine Bezugnahme auf den letzten Adam und die Kirche, wovon Adam und Eva die Bilder waren. Während Adam schlief, bildete Gott für ihn ein Weib und stellte sie ihm vor, als er erwachte. Hier ist es dasselbe. Während Christus sozusagen in Gott verborgen ist, bildet Gott die Kirche; und wenn sie vollendet ist, wird sie Christus vorgestellt – bzw. Christus wird sie Sich selbst vorstellen, indem Er gleichzeitig sowohl Gott als auch der letzte Adam ist.

Es ist kostbar zu sehen, daß Christus sehr genau weiß, Maß zu nehmen, sodaß nicht das Geringste an Seiner Braut zu finden sein wird, das Seinem Herzen nicht gefällt. Sie wird nicht eine einzige Runzel haben, wenn Er sie Sich selbst darstellt. Das alles beruht darauf, daß Er Sich selbst für sie gegeben hat. Er hat nicht allein Seinen Leib in den Tod gegeben – Sein Leben –, sondern auch Sich selbst. Es gibt in Christus nichts – keine liebenden Gefühle, kein Element der Weisheit, keine Kraft der Hingabe, keinen Gedanken, keine Vollkommenheit, nichts in der Selbsthingabe Christi für die Kirche –, auf das der Christ nicht zählen dürfte.

Verse 29–31. Vers 29 enthält etwas mehr als das Vorherige. Christus reinigt nicht nur die Kirche durch das Wort, sondern Er nährt und pflegt sie auch. Er berücksichtigt ihre Schwachheit. Er zeigt Zartheit und Liebe zu ihr, um sie als Sein Leib zu nähren.

Verse 32–33. In Vers 32 wird gesagt: „Dieses Geheimnis ist groß.“ Vor dem Herzen des Apostels stand die Beziehung zwischen Christus und der Kirche. Wir erkennen in den Versen, die wir gerade gelesen haben, vier Dinge: 1. Christus gab Sich selbst für die Kirche. 2. Er heiligt sie durch das Wort. 3. Er stellt sie Sich selbst ohne Runzel dar. 4. Er nährt und pflegt sie, indem Er alles, was Er besitzt, ihr gibt, um zu zeigen, wie lieb sie Ihm ist. Er liebt sie wie Sich selbst. Es ist kostbar, eine innere Überzeugung von den Zuneigungen Christi für die Kirche zu besitzen. Das ist eine wichtige Wahrheit; und es ist für uns notwendig, zwischen dieser Liebe zu unterscheiden, welche den Beziehungen zugehört, welche Gott geknüpft hat, und der Güte Seiner Natur zu allen Menschen. Die Folge davon ist, daß Christus das ganze Werk auf Sich nimmt. Wir sind ausschließlich Sein – ganz und gar Sein. Das ist nicht das Gesetz, sondern ein Band, welches uns miteinander verbindet; und dieses Band ist Christus. In dem Augenblick, wenn die Kraft des Menschen wirkt, handelt es sich nicht mehr um Christus, der alles für uns auf Sich genommen hat.

Fußnoten

  • 1 Anm. d. Übers.: In der antiken griechischen Über­set­zung, der Septuaginta (LXX).
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