Ährenlese im Neuen Testament (Markus)

Markus 1-8

Ährenlese im Neuen Testament (Markus)

Markus 1,1–13

Das Evangelium nach Markus ist das Evangelium des vollkommenen Dieners. Daher finden wir hier weder den Bericht von der Geburt des Herrn Jesus noch sein Geschlechtsregister. Denn der Wert eines Knechtes wird nur nach seinen Eigenschaften des Gehorsams, der Treue und des Fleisses beurteilt. Aber Er wird vom ersten Satz an als der Sohn Gottes bezeichnet, damit der Leser sich nicht über die Person täusche, von deren demütigem Dienst ihm erzählt wird: es handelt sich um einen freiwilligen Sklaven. Christus Jesus hat, da Er in Gestalt Gottes war, selbst Knechtsgestalt angenommen (Philipper 2,6.7). – Johannes hat sein Zeugnis abgegeben, und unmittelbar darauf beginnt der Herr seinen Dienst. Das erste Kapitel ist durch die Verwendung des Wortes «alsbald» (elfmal) gekennzeichnet. – Jesus unterwirft sich der Taufe. Obwohl Er «heilig, unschuldig, unbefleckt» war (Hebräer 7,26), nimmt Er seinen Platz inmitten der reumütigen Sünder ein. Aber damit Er nicht mit ihnen verwechselt werde, gibt Gott vom Himmel aus eine feierliche Erklärung ab über seinen «heiligen Knecht Jesus» (Apostelgeschichte 4,27 und 30), eine Erklärung, die seinem Dienst vorausgeht. Es heisst nicht: An dir werde ich, sondern «habe ich mein Wohlgefallen gefunden». Dann wird Jesus durch den Geist in die Wüste hinausgetrieben, um dort den Feind zu binden, der uns geknechtet hielt (Kap. 3,27). Überall, wohin uns die Sünde gebracht hatte, hat die Liebe und der Gehorsam den Herrn Jesus hingeführt, um uns zu erlösen.

Markus 1,14–28

Nach der Erscheinung des Herrn Jesus ist der Dienst Johannes des Täufers beendet.

Das Reich Gottes ist nahe gekommen; der König befindet sich persönlich inmitten seines Volkes. Und seine Verkündigung ist in zwei Geboten zusammengefasst, die heute noch gültig sind: «Tut Busse und glaubet an das Evanqeliurn!» Der Herr liest im Herzen jedes einzelnen die Antwort auf diese dringende Einladung. Dann richtet Er an die, die sie gehört und angenommen haben, einen anderen, persönlichen Appell, den Aufruf, Ihm in seiner Nachfolge zu dienen. «Kommst mir nach», sagt Er zu den vier Jüngern, deren Herzenseinstellung Er kennt. Und sie folgen Ihm alsbald nach. Damit sie dies tun konnten -wir wollen es betonen -war diese Berufung unbedingt notwendig. Der Mensch kann nicht aus sich selbst zu Gott sagen: Ich gebe mich dir hin. Es ist der Herr, der in voller Kenntnis entscheidet: Ich nehme dich in meinen Dienst.

In Kapernaum heilt der Herr Jesus einen Mann, der von einem bösen Geist besessen ist und sich in der Synagoge befindet -ein deutlicher Beweis von dem schrecklichen Zustand des Verfalls, in den Israel geraten war.

Vom Anfang des Dienstes des Herrn an sehen wir den Kampf zwischen seiner Macht und der Macht Satans -an die so wenig geglaubt wird -und die sowohl Körper als Seelen gefangen hält.

Markus 1, 29–45

Nach der Synagoge in Kapernaum ist es das Haus des Andreas und Simon, das Schauplatz eines Wunders der Gnade wird. Der Herr Jesus ist immer bereit, in unsere Häuser aufgenommen zu werden und uns seine Hilfe und Befreiung erfahren zu lassen. Machen wir es wie die Jünger: Sagen wir Ihm, was uns bewegt und beunruhigt (Vers 30)!

Sobald die Schwiegermutter des Simon geheilt ist, beeilt sie sich, dem Herrn und den Seinen zu dienen. Hatte sie nicht das Beispiel des grössten aller Diener vor Augen?

Es wird Abend. Aber für einen solchen Diener ist das Tagewerk noch nicht beendet. Man bringt alle Kranken zu Ihm, und unermüdlich heilt Er sie. Was war das Geheimnis dieser wunderbaren Tätigkeit? Wo schöpfte der Herr Jesus immer wieder neue Kräfte? Aus dem 35. Vers erfahren wir, dass es die Gemeinschaft mit seinem Gott war. Beachten wir, wie dieser vollkommene Mensch seinen Tag begann (vergleiche Jesaja 50,4b). Aber als man Ihm mitteilt, dass Er bekannt geworden ist, verlässt Er die Volksmengen, die nur neugierig sind, Wunder zu sehen, und geht weg, um das Evangelium anderswo zu verkündigen.

Dann heilt der Herr Jesus einen Aussätzigen und gibt ihm genaue Anweisung, wie er sein Zeugnis ablegen soll, ein Zeugnis nach den Schriften (Vers 44; 3. Mose 14). Leider handelt der Geheilte nach seinen eigenen Gedanken, und dies ist zum Schaden des Werkes Gottes in dieser Stadt.

Markus 2,1–17

Im Hause in Kapernaum gibt sich der Herr Jesus als Den zu erkennen, der nach Psalm 103,3 alle unsere Ungerechtigkeiten vergibt, der alle unsere Krankheiten heilt. Dem Gelähmten gegenüber erfüllte Er beide Teile dieses Verses als ein Zeugnis für alle. Ja, Er, der die Sünden vergibt ~ ein geistliches Werk -und der einen äusseren Beweis dafür erbringt, indem Er die Krankheit heilt, kann niemand anders als Jehova, der Gott Israels, sein.

Die Zöllner erhoben die Steuern für die Römer, was ihnen wohl Reichtum (denn ein Teil der Steuern gehörte ihnen), aber auch die Verachtung ihrer Landsleute einbrachte. Der Herr aber zeigt durch die Berufung Levis und durch die Annahme seiner Einladung, dass Er niemand verachtet noch abweist. Im Gegenteil, Er ist für die offenkundigsten Sünder gekommen, für die, die ihren Zustand nicht verbergen (1. Timotheus 1,15). Und Er setzt sich mit ihnen zu Tisch, indem Er sich zu ihrem Freund macht. Denn seit dem Sündenfall hat der Mensch Angst vor Gott und flieht vor Ihm, weil er ein schlechtes Gewissen hat. So war es die erste Bemühung Gottes, bevor Er sein Geschöpf rettete, sich ihm zu nahen, um sein Vertrauen zu gewinnen. Das tat der Herr Jesus, indem Er sich so tief erniedrigte, dem elenden Menschen zu begegnen, um ihm verstehen zu geben, dass Gott ihn liebt.

Markus 2, 18–28

Wenn das Wort «alsbald» den vollkommenen Diener kennzeichnet, so geben sich die ungläubigen Juden mit den Worten «was?» und «warum?» zu erkennen (Verse 7,16,18,24). Auf die Frage nach dem Fasten erklärt der Herr Jesus, dass es sich dabei um ein Zeichen der Betrübnis handelt, das während seiner Gegenwart bei ihnen nicht angebracht war. Sollte sein Kommen nicht dem ganzen Volk zur grossen Freude sein? (Lukas 2,10).

Dann ergreift Er die Gelegenheit, um die Vorschriften und Überlieferungen des Judentums dem Evangelium der freien Gnade gegenüberzustellen, wofür Er gekommen war, es ihnen zu bringen. Wie traurig ist die Feststellung, dass der Mensch diesem Evangelium religiöse Formen vorzieht, weil sie ihm erlauben, sich in den Augen anderer einen guten Ruf zu verschaffen -und dabei weiterhin seinen eigenen Willen zu tun. Dagegen legt uns der 22. Vers nahe, dass der Christ ein ganz neuer Mensch ist. Wenn sein Herz erneuert und er von einer neuen Freude erfüllt ist, dann muss das notgedrungen auch sein äusseres Benehmen verändern.

Die Pharisäer tadelten die Jünger, weil sie am Sabbathtag Ähren abpflückten. Der Mensch verdreht immer das Ziel dessen, was Gott ihm gab. Der Sabbath war eine Gnade, die Israel gewährt wurde, aber dieses Volk hat ihn als Joch benutzt, um seine moralische Knechtschaft zu vergrössern (Apostelgeschichte 15,10).

Markus 3,1–19

Eine zweite Heilung findet in der Synagoge von Kapernaum statt, und zwar wieder am Sabbath (Kapitel 1,21ff.). Der Herr fordert diesen Kranken, dessen Hand verdorrt ist, auf, gerade das zu tun, wozu er unfähig ist. Aber indem dieser mit Gehorsam beginnt, beweist er seinen Glauben, und dieser Glaube ist es, der dem Herrn Jesus erlaubt, ihn zu heilen. Und da sehen wir die Herzenshärtigkeit der Anwesenden! Statt sich mit dem geheilten Mann zu freuen und die Macht des Herrn zu bewundern, nehmen diese bösen Menschen das Wunder zum Vorwand, Ihn umzubringen. Er aber fährt in seinem Dienst der Gnade fort, und die Volksmengen, einschliesslich die Fremden von Tyrus und Sidon (und sogar Edomiter), kommen weiterhin zu Ihm, um Ihn zu hören und Heilung zu finden.

Dann wählt Er zwölf Jünger aus und bestellt sie, «auf dass sie bei ihm seien, und auf dass er sie aussende» (vergleiche Johannes 15,16). Beim Herrn Jesus zu sein, das ist ein wunderbares Vorrecht und gleichzeitig eine unerlässliche Bedingung, um dann ausgesandt zu werden. Wie könnte man einen Dienst erfüllen, ohne vorher seine Anweisungen empfangen zu haben? (Jeremia 23,21.22).

In diesem Evangelium wird jeder der zwölf für sich genannt, um uns daran zu erinnern, dass ein Diener seine Anweisungen und seine Hilfe direkt und persönlich von seinem Meister erwarten muss.

Markus 3, 20–35

Der Herr ist immer bereit für die, welche zu Ihm kommen wollen, und so erlaubt Er der Volksmenge, das Haus zu füllen, in das Er eingetreten ist; und alsbald beginnt Er, sie zu lehren, ohne sogar Zeit zu haben, um zu essen. Wir, die oft so wenig bereit sind, Fremden unsere Tür zu öffnen, uns stören zu lassen, unsere Gewohnheiten irgendwie zu ändern, lasst uns an dieser unermüdlichen Hingabe und diesem völligen Verzicht ein Beispiel nehmen! Denken wir auch daran, dass uns ein solch unerwünschter Besucher vielleicht deshalb gesandt wurde, damit wir ihm etwas über das Heil seiner Seele sagen!

Über den 29. Vers sind manche beunruhigt. Sie fürchten, sie könnten einmal unbedacht ein schuldhaftes Wort ausgesprochen haben, das nie vergeben werden könne. Das bedeutet aber, die Gnade Gottes zu verkennen. «Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde» (1. Johannes 1,7). Die Lasterunq wider den Heiligen Geist war die schrecklichste Sünde, deren sich das ungläubige Israel schuldig machte. Dieses Volk schrieb die Macht des Heiligen Geistes, mit der der Herr Jesus bekleidet war, dem Satan zu. Das war äusserst schwerwiegend und zudem entgegen jeder vernünftigen Einsicht (Vers 26).

Im letzten Abschnitt dieses Kapitels sagt der Herr Jesus deutlich, wen Er zu seiner Familie rechnet. Den Willen Gottes tun, hiess -und das gilt heute noch dem Herrn Jesus gehorchen.

Markus 4,1–12

Der Herr Jesus hält sich am See auf und unterweist die Volksmengen, indem Er sich der bildlichen Sprache der Gleichnisse bedient. Das erste Gleichnis ist das des Sämanns. Er stellt sich darin selbst vor als Der, der den guten Samen des Evangeliums in die Welt bringt und dort ausbreitet. Obwohl Er die Herzen kennt und weiss, wie sie die Wahrheit aufnehmen -oder nicht aufnehmen -würden, gibt Er jedem die Gelegenheit, mit dem Wort des Lebens in Verbindung zu kommen. Hast du es angenommen?

Der 12. Vers darf uns nicht irremachen, als ob der Herr fürchten könnte, dass sich die Menschen bekehrten und dass Er wider seinen Willen gezwungen sein würde, ihnen ihre Sünden zu vergeben! Wir müssen verstehen, dass es sich hier um das Volk Israel in seiner Gesamtheit handelt. Es hat den Herrn Jesus beschuldigt, einen Dämon zu haben, und damit das Zeugnis des Heiligen Geistes verworfen. Eine solche Sünde kann ihm nicht vergeben werden, und als Volk wird Israel verhärtet sein (Kapitel 3,29; Römer 11, 7.8.25). Aber alle, die den Herrn Jesus noch «allein» fragen wollen, finden Platz «um ihn», heute wie damals, um die Offenbarung der Geheimnisse des Reiches Gottes zu hören (Verse 11,34; vergleiche Sprüche 28,5b). Möchten wir doch alle von diesem grossen Vorrecht Gebrauch machen, und versäumen wir vor allem keine Zusammenkünfte, wo wir uns um den Herrn scharen, um sein Wort zu hören!

Markus 4, 13–25

Der Herr erklärt seinen Jüngern das Gleichnis vom Sämann. Es ist der Ausgangspunkt seiner ganzen Unterweisung (Vers 13). Um die Lehre des Herrn zu verstehen, ist es in der Tat nötig, dass das Evangelium zuerst in dem Herzen Wurzel gefasst hat.

Selbst als wahre Gläubige haben wir nötig, uns davor zu hüten, manchmal den ersten drei Bodenarten zu gleichen; denn Satan sucht nicht nur die gute Botschaft des Heils gleich nach der Aussaat wegzunehmen. Wie viele Worte hat Gott schon an uns gerichtet, für die unser Herz unempfindlich gewesen ist, weil unsere Verbindungen mit der Welt es so hart gemacht haben, wie den Weg? (siehe Kapitel 6,52). Und ist es nicht auch schon vorgekommen, dass wir unter der Wirkung unserer Gefühle gehandelt haben, bis eine Prüfung unseren Mangel an Abhängigkeit und Glaube offenbarte? (vergleiche Vers 17).

Im Gegensatz zur Sorglosigkeit sind ferner unsere Sorgen ebenso schädlich! (Lukas 21,34). Mit «dem Betrug des Reichtums und der Begierde nach den übrigen Dingen» können sie das geistliche Leben des Kindes Gottes für eine Zeit ersticken und den Herrn der Frucht berauben, die es zur Zeit der Ernte bringen sollte (Titus 3,14b). «Sehet zu, was ihr höret», legt der Herr Jesus uns ans Herz (Vers 24). In Lukas 8,18 lesen wir: «Sehet nun zu, wie ihr höret. «Ja, in welcher Weise nehmen wir das Wort Gottes auf?

Markus 4,26–41

Das Gleichnis in den Versen 26–29, das dem Gleichnis vom Unkraut im Acker, in Matthäus 13, entspricht, bietet hier eine ganz andere Unterweisung. Hier ist nur die Rede vom Wirken Gottes, während in Matthäus auch der Feind tätig wird, und zwar wegen der Nachlässigkeit der Menschen; die schlafen. In unserem Vers 27 scheint auch der grosse Sämann zu schlafen. Aber in Wirklichkeit wacht Er Tag und Nacht über seine kostbare Saat und umgibt sie mit aller notwendigen Pflege, damit sie bis zur Ernte wachse. Liebe gläubige Freunde, es mag uns manchmal scheinen, als sei der Herr gleichgültig, als höre Er unsere Gebete nicht, als habe Er sein Werk aufgegeben. Aber erheben wir unsere Augen, so wie der Herr Jesus die Jünger auffordert, es im Glauben zu tun. Die Felder sind schon weiss zur Ernte (Johannes 4,35).

Auf der Überfahrt an das andere Ufer, was der gefahrvollen Reise durch diese Welt entspricht, sind die Jünger nicht allein. Sie haben in ihrem Schiff den Herrn Jesus «wie er war» mitgenommen (Vers 36). Viele machen sich vom Herrn Jesus ein falsches und ungenaues Bild. «Wer ist denn dieser?», fragen die Jünger. Er ist der gleiche, der den Wind in seine Fäuste gesammelt, die Wasser in ein Tuch gebunden hat (Sprüche 30,4).

Markus 5, 1–20

Der Herr und seine Jünger legen am andern Ufer im Land der Gadarener an. Der erste Mensch, der ihnen begegnet, ist ein Mann, der ganz von Dämonen besessen ist, die ihn rasend und unbändig machen. Schreckliche Tatsache! Wir haben in diesem Rasenden das moralische Bild des Sünders, der ein Spielball des Teufels ist und durch seine brutalen Leidenschaften angetrieben und gequält wird, der bei dem Tod (in den Grüften) wohnt, der für seinesgleichen gefährlich ist und auch sich selbst nur Übles tun kann. Ein schrecklicher Zustand, aber es ist unser Zustand der Natur nach!

Wir hätten uns sicher mit Abscheu und Entsetzen von einem solchen Geschöpf abgewandt. Aber der Herr Jesus wendet sich nicht ab. Im Gegenteil, Er geht hin, um sich des Unglücklichen anzunehmen, nicht um ihn mit Ketten zu binden, wie es seine Mitbürger vergeblich versucht hatten, sondern um ihn aus seinem Elend und seiner Knechtschaft zu befreien.

Den Bewohnern der Stadt scheint bei diesem Wunder nur der Verlust ihrer Schweine von Bedeutung zu sein! Der Herr folgt ihrer Aufforderung und geht fort, aber Er lässt einen Zeugen zurück, und was für einen? Den ehemals Besessenen!

Ist das nicht ein Bild der gegenwärtigen Zeit? Von der Welt verworfen, hat der Herr doch solche in ihr, die Er errettet hat, und Er gibt ihnen den Auftrag, von Ihm zu reden. Wie erfüllen wir diese Aufgabe? (lies Psalm 66,16).

Markus 5,21–43

Ein Synagogenvorsteher mit Namen Jairus hat sich wegen der Heilung seiner Tochter an den Herrn Jesus gewandt. Aber während der Meister unterwegs ist zu ihm, kommt eine Frau, der kein Arzt hatte helfen können, um heimlich zu seiner Macht Zuflucht zu nehmen.

Lieber Freund, der du vielleicht da und dort ein Heilmittel für dein moralisches Elend gesucht hast, der Herr Jesus geht noch heute bei dir vorbei. Mach es, wie diese arme Frau: Rühr den Saum seiner Kleider an! (vergleiche Kapitel 6,56b).

Die Frau weiss, dass sie von ihrer Plage geheilt ist, und der Herr weiss es auch. Aber es ist nötig, dass alle es hören; deshalb führt sie der Herr Jesus dahin, dass sie ihre Schüchternheit überwindet und öffentlich «die ganze Wahrheit» bekennt. So erhält sie als Antwort auf ihren Glauben ein Wort der Gnade, das unendlich wertvoller ist als die blosse Heilung: «Tochter, dein Glaube hat dich geheilt; gehe hin in Frieden!» (Vers 34).

Währenddessen hört man im Haus des Jairus trostloses Weinen und Heulen (das nicht sehr echt war, siehe Vers 40). Aber der Herr ermutigt den armen Vater mit einem Wort, durch das Er die Gedanken dieses Mannes -und auch die unsrigen -auf Gott hinlenkt: «Fürchte dich nicht, glaube nur» (Vers 36). Mit einem andern Wort, so ergreifend, dass der Geist es uns in derselben Sprache mitteilt, die der Heiland benutzt hat, weckt Er dann das junge Mädchen auf.

Markus 6,1–13

Für die Bewohner von Nazareth war der Herr Jesus '«der Zimmermann». Bis zu seinem dreissigsten Jahr hatte Er seine Herrlichkeit unter der demütigen SteIlung eines Dorf-Handwerkers verborgen. Eine solche Erniedrigung ist für den natürlichen Menschen unverständlich, weil er gewohnt ist, nach äusserem Schein zu urteilen.

Wenn es schwer war, dass das Zeugnis des Herrn «in seiner Vaterstadt und unter seinen Verwandten und in seinem Haus» angenommen wurde, wieviel mehr ist das für unser Zeugnis der Fall, dort, wo wir mit allen unseren Fehlern und unserer traurigen Vergangenheit bekannt sind. Aber dort werden auch die Früchte eines neuen Lebens offensichtlicher sein und die wirksamste Predigt darstellen (Phil 2,15). In Kapitel 3,13–19 hatte der Herr seine zwölf Jünger ausgewählt. Nun sendet Er sie aus, um Busse zu predigen. Der Herr ermahnt sie, nichts mit auf den Weg zu nehmen. Ihr Leben soll ein Leben des Glaubens sein. Augenblick für Augenblick werden sie das empfangen, was sie zum Dienst und für ihre eigenen Bedürfnisse nötig haben. Nähmen sie Vorräte mit, würden ihnen kostbare Erfahrungen entgehen, und sie würden das Band aus den Augen verlieren, das sie mit ihrem abwesenden Meister verbindet. Dagegen sind die Sandalen unerlässlich. Sie erinnern uns an «die Bereitschaft des Evangeliums des Friedens» (Eph 6,15). Jeder Gläubige muss seinen Wandel damit zieren, um die Botschaft der Gnade, deren Träger er ist, zu bestätigen (vgl. Röm 10,15).

Markus 6,14–29

Für ein schlechtes Gewissen ist alles ein Anlass zur Furcht (Sprüche 28,1). Als Herodes, der Johannes hatte enthaupten lassen, von Jesus reden hört, wird er bestürzt bei dem Gedanken, dass der Prophet auferstanden sein könnte. Denn das bedeutete, dass Gott selbst für den von ihm Umgebrachten Partei ergriffen hatte. Aus dem gleichen Grund werden die Menschen mit Schrecken erfüllt werden, wenn Jesus, der Gekreuzigte, auf den Wolken des Himmels erscheinen wird (Offenbarung 6,2 und 15–17; siehe auch Offenbarung 11,10.11).

Glückselig ist das Teil Johannes', des grössten der Propheten, und welch ein Gegensatz zu dem Los seines elenden Mörders! Dieser ist eher feige als grausam wie sein Vater, Herodes der Grosse. Schwachen Charakters und von seinen Begierden beherrscht, «tat er vieles», wenn er Johannes gehört hatte, ausser dem einen, sein Leben mit dem Willen Gottes in Übereinstimmung zu bringen. Vieles, selbst gute Dinge zu tun, reicht nicht aus, um Ihm wohlzugefallen. Dann kam «ein geeigneter Tag», ja, geeignet für Satan und die beiden Frauen, deren sich dieser bediente. Ein Festmahl, die Verführung eines Tanzes, ein unüberlegtes Versprechen, aus Eigenliebe gehalten – mehr ist nicht nötig, um das abscheuliche Verbrechen auszuführen, das mit den schrecklichsten Gewissensbissen bezahlt wird.

Markus 6, 30–44

Die Apostel kehren wieder zum Herrn zurück. Sie sind ganz erfüllt von dem, was sie getan haben, und beeilen sich, es Ihm zu erzählen. Der Meister weiss, dass sie jetzt ein wenig Ruhe nötig haben, und Er gibt sie ihnen an «einem öden Ort besonders», mit Ihm zusammen. Wir machen manchmal so schnell geltend, wir hätten Erholung nötig. Betrachten wir einmal einige der Bedingungen, unter denen die Jünger diese Ruhe geniessen:

  1. Die Ruhe folgt auf eine Tätigkeit für den Herrn.
  2. Es kann sich nur um «ein wenig» Ruhe handeln, denn die Erde kann keine dauerhafte Ruhe geben (siehe Micha 2,10).
  3. Man findet sie abgesondert von der Welt, nicht in Zerstreuungen, die uns die Welt bietet.
  4. Man geniesst sie mit dem Herrn.

Die Ruhe dauert tatsächlich nicht lange! Schon versammeln sich die Volksmengen. Der Herr Jesus wird ihre Seelen nähren, dann ihren Leib (Matthäus 4,4); aber zunächst stellt Er seine Jünger auf die Probe. Sie hatten ja gerade alles erzählt, was sie getan hatten. Nun also, jetzt war der Augenblick da, wo sie ihre Fähigkeiten zeigen konnten, anstatt die Leute fortzuschicken. «Gebet ihr ihnen zu essen», sagt der Herr, um sie erkennen zu lassen, dass alle Macht von Ihm kommt. Gleichzeitig lässt Er sie in Gnaden an dem Zeichen seiner Güte teilnehmen. Weisheit, Macht und Liebe: einmal mehr sehen wir diese Züge des vollkommenen Dieners miteinander leuchten.

Markus 6,45–56

Bei der ersten Überfahrt über den See (Kapitel 4, 35–41) war der Herr mit seinen Jüngern, obwohl Er im Schiff schlief. Hier wird der Glaube der Zwölf noch mehr erprobt, denn dieses Mal ist ihr Meister nicht bei ihnen. Er ist auf den Berg gestiegen, um zu beten, während sie allein in der Nacht gegen Wind und Wellen ankämpfen. Sie haben den Herrn Jesus aus den Augen verloren, aber Er, das ist bedeutsam, sieht sie auf dem aufgewühlten See (Vers 48). Und Er kommt gegen Ende der Nacht zu ihnen (lies Hiob 9,8). Wie wenig sind sie auf sein Kommen vorbereitet! Da gibt Er sich ihnen mit einem Wort zu erkennen und ermuntert sie: «Seid gutes Mutes, ich bin's; fürchtet euch nicht!» (Vers 50; Jesaja 43,2). Wie viele Gläubige, die durch Prüfungen gingen, am Ende ihrer Kräfte angelangt waren und allen Mut verloren hatten, durften so die bekannte Stimme des Herrn hören, der sie an seine Gegenwart und seine Liebe erinnerte!

Als sie nun ein zweites Mal am Ufer in der Gegend von Genezareth ankommen, wird der Herr Jesus ganz anders aufgenommen als bei seinem ersten Besuch. Obwohl es sich nicht mehr um den handelt, dessen Name «Legion» gewesen war, kann doch der Empfang, der Ihm bereitet wird, nur ein Ergebnis des treuen Zeugnisses dieses Mannes sein (Kapitel 5,20). Möge der Herr auch unser Zeugnis segnen können, während wir seine Wiederkunft erwarten!

Markus 7,1–16

Die Pharisäer sind eifersüchtig auf den Erfolg des Herrn bei den Volksmengen; doch da sie diese fürchten, wagen sie es nicht, Ihm öffentlich zu widerstehen. So beschuldigen sie seine Jünger, wie sie es schon in Kapitel 2,24 getan haben. Für diese Heuchler war die äussere Reinheit von ungleich grösserer Wichtigkeit als die ihres Gewissens, die sie weniger beschäftigte. Wie wahr ist es doch, dass Religion ohne Heiligkeit dem natürlichen Herzen so ganz entspricht. Die Pharisäer sorgten sich um die Ehre bei den Menschen und keineswegs um die Anerkennung Gottes.

Das Ziel der Gläubigen dagegen ist vor allem, dem Herrn zu gefallen (siehe Galater 1,10). Und da Er auf das Herz sieht, wird uns dies dahin bringen, eine sorgfältige innere «Reinigung» vorzunehmen, oder anders gesagt, unsere Gedanken, unsere Beweggründe und unsere Absichten im Licht des Wortes zu beurteilen, das die kleinste Beschmutzung offenbar macht.

Der Herr Jesus zeigt diesen Pharisäern, dass ihre Überlieferungen so weit gehen, dass sie göttlichen Geboten widersprechen, und dies in einem besonders offensichtlichen Fall: in der Achtung vor den Eltern und der Sorge für sie. Hüten wir uns vor der Gefahr der Überlieferung! Etwas tun, einfach «weil man es immer getan hat», nimmt jede Übung weg und kann uns schlimm irreführen. Wir sollten immer nachforschen, was die Schrift sagt.

Markus 7,17–37

Der Herr, der das menschliche Herz gut kennt, ermahnt die Jünger zur Wachsamkeit gegenüber allem, was aus dem Herzen hervorkommen kann. Auch wir haben dieses natürliche Herz, aber Gott sei gepriesen, es gibt ein Heilmittel für diesen Zustand (Psalm 51,10).

Nach der traurigen Feststellung, die der Herr Jesus machen musste, können wir uns vorstellen, welche Freude die Begegnung mit der Syro-Phönicierin für Ihn war. Die scheinbare Härte, mit der Er ihr anfangs gegenübertrat, lässt nicht nur ihren grossen Glauben, der durch nichts entmutigt wird, um so mehr hervorstrahlen, sondern offenbart auch wahre Demut bei ihr. Im Gegensatz zu den hochmütigen Pharisäern erhebt diese Frau weder irgendwelche Ansprüche, noch macht sie irgendein Verdienst geltend. Sie nimmt den ihr geziemenden Platz vor Gott ein und anerkennt das Urteil, das ihrer Stellung auferlegt ist (Jes 57,15).

Dann finden wir einen Taubstummen, dem der Herr Jesus, nachdem Er ihn abseits von der Volksmenge, «besonders» genommen hat, den Gebrauch seiner Sinne wiedergibt. Wer hätte das Recht gehabt, sich in diese Begegnung des Heilands mit dem armen Kranken einzumischen? Die Bekehrung eines Sünders erfordert eine unmittelbare, persönliche und innere Berührung mit dem Herrn (siehe auch Kapitel 8,23).

Unser Abschnitt endet mit dem Zeugnis der Volksmenge über den Herrn: «Er hat alles wohlgemacht» (Vers 37). Und jeder Gläubige sollte rückblickend auf sein eigenes Leben sagen können: Ja, Herr, Du hast alles wohlgemacht!

Markus 8, 1–21

Gutes tun kann die verschiedensten, mehr oder weniger anerkennbaren Beweggründe haben: das Suchen des eigenen Ansehens, wie bei den Pharisäern, oder die Beruhigung seines Gewissens, indem man eine soziale Pflicht erfüllt. Und wie viele Werke in der Christenheit haben keine andere Triebfeder! Was aber den Herrn Jesus stets bewegte, war sein Mitleid mit dieser Volksmenge, die Er hier ein zweites Mal durch eine Tat seiner Macht speist (Vers 2; Kapitel 6,34). Unsere täglichen Berührungen mit der Welt, ihren Begierden, ihrem Schmutz, können uns verhärten. Wenn wir uns daran gewöhnt haben, um uns her materielles, sittliches und vor allem geistliches Elend zu sehen, dann leiden wir nicht mehr viel darunter. Aber der Herr Jesus bewahrte ein göttlich empfindsames Herz. Der Zustand des Taubstummen in Kapitel 7,34 liess Ihn seufzen, indem Er zum Himmel emporblickte. Hier, in Vers 12, ist es der Unglaube der Pharisäer, der Ihn veranlasst, in seinem Geist tief zu seufzen. Und schliesslich schmerzt Ihn auch die Herzenshärtigkeit seiner eigenen Jünger (siehe auch Kapitel 6,52; 7,18). Die beiden Wunder, bei denen sie zugegen waren, hatten nicht genügt, ihnen Vertrauen zu ihrem Meister zu geben! (vergleiche Johannes 14,8.9). Wie sehr hat der Herr während seines Lebens auf Erden aus Mitgefühl gelitten, wieviel aber auch wegen des Unglaubens und der Undankbarkeit der Menschen -und manchmal der Seinen!

Markus 8,22–38

In Bethsaida, jener Stadt, deren Unglauben der Herr besonders hervorhebt (Matthäus 11,21), vollbringt Er noch ein Wunder an einem armen Blinden. Ein zweifaches Eingreifen ist nötig, um ihn zu heilen. So kommt es manchmal vor, dass wir erst nach und nach in das Licht Gottes kommen (Psalm 138,8; Philipper 1,6).

Dann fragt Jesus seine Jünger nach den Meinungen, die über Ihn im Umlauf sind. Und schliesslich stellt Er ihnen die direkte und wichtigste Frage: Wer bin ich für euch? Ja, welche Gedanken auch andere über den Herrn Jesus haben mögen, ich muss Ihn ganz persönlich kennenlernen. Aber diese Wertschätzung ist nur der Ausgangspunkt des Weges, auf den zu treten Er mich einlädt, um Ihm zu folgen: ein Weg der Selbstverleugnung und des Kreuzes, wo ich mit Ihm gestorben bin. Manche Menschen, die durch Prüfungen gehen, sprechen vom «Kreuz», das sie zu tragen hätten, das sie in Ergebenheit hinnehmen müssten. Aber das ist es nicht, was der Herr hier meint. Er erwartet von jedem Gläubigen, dass er freiwillig die Bürde der Verachtung und des Leidens auf sich nimmt, die die Welt nicht versäumt ihm zu geben, wenn er treu ist (Galater 6,14). «Um meinetwillen», betont der Herr Jesus, denn das ist das grosse Geheimnis, das dem Christen hilft, sich der Welt und sich selbst gegenüber als gestorben zu betrachten (Vers 35; Römer 8,36).

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