Betrachtung über die Psalmen (Synopsis)

Psalm 40-41

Betrachtung über die Psalmen (Synopsis)

Der folgende Psalm zeigt uns, wie Er den Platz einnimmt, auf dem Er nach den Ratschlüssen Gottes mit den Treuen verbunden sein sollte; und dann wird gezeigt, dass die Kenntnis dieser Stellung die wirklich gesegnete ist.

Psalm 40

In Psalm 40 sehen wir nicht nur, wie Christus durch die Trübsale hindurchging, die auf Seinem Wege lagen, als Er die Sache des ungehorsamen und schuldigen Volkes Seiner Liebe auf Sich nahm – Trübsale, die Ihm die Zunge der Belehrten gaben und Ihn befähigten, in die Leiden derer einzutreten, die in den letzten Tagen geprüft und bewahrt werden, und ihrem Flehen die für ihre Stellung vor Gott passenden Ausdrücke zu verleihen –, sondern dieser Psalm zeigt uns hauptsächlich die Rettung, in der, nachdem Christus in diesen Trübsalen auf Jehova geharrt hatte, sich die Treue Jehovas erwies, indem Er zur Ermutigung vieler aus denselben befreit wurde. Weiter finden wir den Schlüssel zu Seiner ganzen Geschichte darin, dass Er es übernommen hatte, den Willen Jehovas zu tun, indem so das ganze jüdische System unter dem Gesetz sein Ende fand und beseitigt wurde. Er ist angesichts der ganzen Versammlung Israels vollkommen treu für Jehova gewesen, und doch befindet Er Sich in der tiefsten Bedrängnis und Trübsal. Damit endigt der Psalm, und es ist wichtig, dass er so endigen musste, weil sein Gegenstand vollkommene Rettung ist.

Die Anwendung gerade dieser Rettung auf die Leiden Christi, die denen des Überrestes gleichartig waren, wird deshalb so außerordentlich köstlich für den Überrest sein, wenn dieser sich in denselben befinden wird. Und dieser Grundsatz wird hier in so bestimmter Weise klargestellt, dass unser Psalm einer der wichtigsten in diesem wunderbaren Buche ist. Er bringt die Verbindung Christi mit Israel in dem Überrest so treffend und deutlich wie möglich ans Licht und stellt sie als Grundlage für die ganze Belehrung der Psalmen hin, obwohl sich nach dem 41. Psalm die Umstände ändern.

Dass hier von Christo persönlich die Rede ist, brauche ich wohl kaum zu sagen, da der Apostel Stellen aus diesem Psalm als Worte Christi anführt, als Er das gesegnete Werk unternahm, durch das die Schatten und Vorbilder beseitigt wurden, und das die Glaubenden, wie er uns sagt, für immerdar vollkommen gemacht wurden. „Siehe, ich komme“, ist das Wort, mit dem der Sohn Sich freiwillig anbietet, den ganzen Willen Gottes in Seinem Werke hienieden den ewigen Ratschlüssen der Gottheit gemäß zu erfüllen. Der Psalm zeigt uns, wie der hochgelobte Herr dieses Werk unternimmt. Sein Werk war, zu gehorchen; aber in völliger Freiwilligkeit, in der Freude eines freiwillig übernommenen Gehorsams, bietet Er Sich Selbst dazu an. Indem Er Seinen Dienst in der großen Versammlung Israels Jehova darbrachte, war Er (wie man Ihn auch aufnehmen mochte) nicht davor zurückgeschreckt, die Gerechtigkeit zu verkünden; Seine Lippen hatte Er nicht gehemmt. Er war Seinem Dienste treu geblieben, was es auch kosten mochte, und so hatte Er Jehova verkündigt. Seine Gerechtigkeit, Seine Treue, Seine Rettung, Seine Erbarmungen und Seine Wahrheit hatte Er rückhaltlos vor dem ganzen Israel verkündet; – das war Sein Dienst gewesen.

Doch mit einem Male veränderte sich alles im Blick auf diesen treuen Diener: zahllose Übel umgeben Ihn! Er vertraut auf die Erbarmungen und die Wahrheit Jehovas, dem Er treu gewesen ist. Doch nicht nur haben Übel Ihn umgeben, indem Menschen nach Seinem Leben trachten, um es wegzuraffen; sondern Er sagt auch: „Meine Ungerechtigkeiten haben mich erreicht, dass ich nicht sehen kann.“ Selbstverständlich waren es bei Christo die Ungerechtigkeiten anderer, die Vergehungen aller Erlösten, und im besonderen Sinne die Ungerechtigkeiten Israels, als Volk betrachtet. In diesem Zustand begehrt Er, dass die, die Jehova suchen, fähig sein möchten, zu loben und stets zu sagen: „Erhoben sei Jehova!“ während Er darum bittet, dass die anderen beschämt und zuschanden gemacht werden möchten. Er trennt somit den treuen Überrest, der Jehova sucht, von denen, die, wenn Er Sich in Treue und Liebe darstellt, sich als Feinde des Gottes erweisen, der Seinen Namen offenbart. So ist Christus am Ende Seiner Erfahrungen in dieser Welt elend und arm, aber Er ist gewiss, dass Jehova an Ihn denkt. In der hier dargestellten Lage ist Christus nicht von Gott verlassen, sondern Er kommt an diesen Platz durch ein Leben der Treue, indem Er Sich jener schrecklichen Stunde unterziehen musste. Wir hören hier Sein Schreien, wenn Er sozusagen die Sünden bekennt, ehe das Schlachtopfer verzehrt oder getötet wird. Er befindet sich in dem tiefen Leiden, das diese Stellung mit sich bringt, indem Er zu Jehova schreit, aber nicht unter dem Zorn, der sich zu der Zeit offenbarte, als Gott Ihn nicht erhören konnte. Der Psalm schildert nicht jenen Zorn, sondern die Treue Christi, der in den Leiden lieber auf Jehova harrt, als dass Er Erleichterung sucht oder um zwölf Legionen Engel bittet oder die betäubende Myrrhe trinkt oder vor dem zurückschreckt, was Ihm die Unterwerfung unter den Willen Gottes brachte; wie Er auch nicht zurückgeschreckt war, als Er den Menschen den Willen Gottes verkündigte. Er harrt beharrlich auf Jehova; und Jehova neigt Sich zu Ihm und hört Sein Schreien. Hierin bestand Seine Vollkommenheit: Er suchte keinen Ausweg, um Sich dem Gehorsam zu entziehen. Er ist nicht zurückgeschreckt, noch hat Er Sich zurück oder seitwärts gewandt. Er wartete auf dem Pfade des völligen Gehorsams, bis die Zeit Jehovas kommen würde; und sie kam. Wie und wann, wird hier nicht gesagt; die Absicht des Geistes ist hier, denen, die sich in Trübsal befinden, zu zeigen, dass Einer vor ihnen den Pfad der Leiden gegangen und erhört worden ist. Wir können sagen, dass wir diese Erhörung voll und ganz in der Auferstehung erblicken; aber selbst auf dem Kreuze konnte Christus, nachdem die dunkle Stunde durchschnitten war, mit lauter Stimme Seinen Geist dem Vater befehlen und Seine Mutter dem geliebten Jünger anvertrauen.

Doch das sind Einzelheiten, die wir in der Geschichte, nicht in der Prophezeiung, finden; sie würden für die Gläubigen des Überrestes von keinem Nutzen sein, denn was diesen zu wissen not ist, ist, dass sie, wenn sie beharrlich auf Jehova harren, erhört werden. Sollten sie getötet werden, so wird die Erhörung für sie in der Auferstehung kommen; wenn sie am Leben bleiben, so werden sie an der Segnung Israels teilnehmen, und zwar, wie ich nicht bezweifle, mit dem Lamme auf dem Berge Zion, da sie (so schwach und unvollkommen es auch sein mag) durch gleiche Prüfungen und Leiden gegangen sind wie Christus, in Treue gegen Jehova in der großen Versammlung. Werden sie durch ihre Ungerechtigkeiten beunruhigt? Diese werden nicht übergangen. Die Gläubigen des Überrestes kennen die Versöhnung noch nicht, aber sie wissen, dass Einer, der sagen konnte: „Meine Ungerechtigkeiten haben mich erreicht“, beharrlich geharrt hat und erhört und gerettet worden ist. Sie harren aus, trauend auf die Gnade Jehovas, obwohl sie den Frieden noch nicht kennen. Ihre Ungerechtigkeiten haben sie erreicht, so dass die Frage in ihnen entsteht: wie können wir darauf hoffen, dass Jehova uns rettet? Doch bei Ihm ist Vergebung, damit Er gefürchtet werde (Ps 130); und unser Psalm gibt ihnen die Versicherung, dass Einer, der Sich in den gleichen Tiefen befand, befreit worden ist. Wenn sie auf Ihn blicken, werden sie ihre Sünden verurteilen in dem Bewusstsein, dass Er sie getragen hat, und sie werden Frieden finden, aber die Grundlage des Friedens ist hier in Hoffnung für sie gelegt. Wenn ein Herz, das unter der Last der Ungerechtigkeiten niedersinkt, dies ergreift, so kann es Rettung erwarten. Sie ist gefunden worden, und (wie schwach auch das Licht bei dem Überrest sein mag, und es wird schwach sein) der Grund für die Hoffnung ist gelegt. Man vergleiche Jesaja 50, 10. 11, wo gerade dieser Zustand beschrieben wird als die Folge (was den Überrest betrifft) davon, dass Christus gerechtfertigt und befreit worden ist.

Doch das ist noch nicht alles. Der Messias verbindet sich in einer Weise mit dem Überrest, dass Er sagen kann: „In meinen Mund hat er gelegt ein neues Lied, einen Lobgesang unserem Gott. Viele werden es sehen und sich fürchten und auf Jehova vertrauen. Glückselig der Mann, der Jehova zu seiner Zuversicht macht und sich nicht wendet zu den Stolzen und zu denen, die zur Lüge abweichen!“ So auch in Vers 5: „Vielfach hast du deine Wundertaten und deine Gedanken gegen uns erwiesen.“ Der 1. Vers zeigt uns also, wie Christus auf Jehova geharrt hat und erhört und heraufgeführt worden ist aus einer schrecklichen Grube und aus kotigem Schlamm. Ich zweifle nicht daran, dass Davids Herz dies gesungen hat, dennoch hat die Prophezeiung sicher Christum im Auge. Aber dann macht Sich Christus mit Israel eins, obwohl Er, wie wir gesehen haben, den Überrest unterscheidet, indem Er sagt: „Einen Lobgesang unserem Gott.“ Das Ergebnis davon ist, dass viele es sehen und sich fürchten und auf Jehova vertrauen werden. Es übt eine Wirkung auf die Treuen in den letzten Tagen aus und bringt sie dazu, auf Jehova zu vertrauen. Sie dürfen auch die Errettung erwarten, und viele werden es tun. Christi Verkündigung der Gerechtigkeit in der großen Versammlung brachte eine kleine Herde zusammen; Seine Rettung als der Leidende wird für viele gesegnet sein. Wer hat mir alle diese geboren? wird Zion an jenem Tage fragen. Es ist möglich, dass dieser Ausdruck die zehn Stämme mit einschließt; aber jedenfalls wird eine Menge vorhanden sein. Das war bei dem ersten Kommen Christi nicht der Fall; damals musste Er in Seiner Geschichte und Seinem Leiden ein Verachteter und Verworfener sein.

In Vers 5 finden wir die Segensgedanken Jehovas, und das führt zu dem Hauptgedanken, dem Mittelpunkt und der Grundlage von allem, nämlich dass Christus kommt, um den Willen Jehovas zu tun. jetzt können wir über den Wert der Erfüllung des Willens Jehovas durch Christum Betrachtungen anstellen, oder noch besser, der Geist hat dies für uns getan. Hier handelt es sich indes viel mehr um die Treue Christi bei der Vollbringung dieses Willens und um Sein Niedergebeugtsein unter der Last der Ungerechtigkeiten, die Ihn in Seiner eigenen Seele erreichten, wie wir dies in Gethsemane sehen; zugleich aber auch um Rettung. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Bekennen der Sünden auf den Kopf des Opfers nicht dasselbe war, wie das Schlachten oder Ins-Feuer-Werfen des Opfertieres. So auch, wenn Christus die Ungerechtigkeiten, die Er, als wären es Seine eigenen, auf Sich lud, anerkennt und bekennt, so ist das nicht dasselbe wie das Tragen des Zornes oder das Abgeschnittenwerden aus dem Lande der Lebendigen. Schrecklich muss es allerdings für Ihn gewesen sein, wie uns die Evangelien dies zeigen, und Er sah alles, was dieserhalb über Ihn kommen würde, voraus; dennoch war das Bekennen der Sünden und das Tragen des Zornes, der diesen gebührt, wesentlich voneinander verschieden. Sein Bekennen der Sünden muss Sein Volk, ich will nicht sagen nachahmen, aber doch sich aneignen in der Erkenntnis, dass die Sünden, die Er bekannte, ihre Sünden waren; und bis die Gnade völlig gekannt wird, mögen sie dies wohl in großer Angst und in Furcht vor dem kommenden Zorn tun. Dies ist es besonders (abgesehen von den äußeren Trübsalen), was die Ähnlichkeit zwischen dem jüdischen Überrest und dem Herrn bewirkt. Den Zorn, der Ihn als Sühnopfer traf, hat Er getragen, wie wir wissen, damit er uns nie treffen möchte.

In diesem Psalm erblicken wir also Christum, wie Er nach den ewigen Ratschlüssen Gottes kommt, um in der menschlichen Natur den Willen Gottes zu tun; wie Er Seinen Platz einnimmt in der Mitte der großen Versammlung Israels und infolge dessen in tiefe Leiden, ja in die Grube des Verderbens kommt; aber Sein Vertrauen auf Jehova wankt nicht. Er hat beharrlich auf Ihn geharrt und ist heraufgeführt worden, und in Seinen Mund wurde ein neues Lied gelegt. Die drei ersten Verse stellen die große Tatsache fest: Jehova hörte und befreite aus der schrecklichen Grube. Das ist eine Lehre für den ganzen Überrest. Wie glückselig ist der Mensch, der auf Jehova vertraut und nicht auf das Äußere von Personen blickt, um sich der Nichtigkeit zuzuwenden! – Dann wird uns der Lauf der Ereignisse gezeigt. Wunderbar sind Gottes Ratschlüsse gewesen. Christus kommt, um als Mensch den Willen Gottes zu tun; es ist Seine Freude, Ihn zu tun; Er offenbart die Gerechtigkeit Jehovas vor allen. Dies bringt Ihn in die größte Trübsal. Übel bis zur Unzahl kommen über Ihn, und außerdem erreichen Ihn Seine Ungerechtigkeiten (die Ungerechtigkeiten Seines Volkes); aber das Ausharren hat sein vollkommenes Werk, und Er ist vollkommen und vollendet in dem ganzen Willen Gottes, und, wie der Anfang des Psalmes zeigt und uns wohlbekannt ist, Er wird errettet. Doch, wie gesagt, der Psalm schildert uns vor allem Seine Treue. Darum wird Er uns, bis die Trübsal zu Ende ist, noch unter derselben gezeigt. Was Er von Gott erbittet, ist, dass die Bösen, die sich als Seine Feinde erwiesen haben, beseitigt werden möchten, und andererseits, dass die Armen der Herde fähig sein möchten, zu loben, zu frohlocken und sich in Jehova zu erfreuen.

Wie schön ist es, das vollkommene Ausharren Christi in der Trübsal zu sehen, damit der ganze Wille Gottes erfüllt werde; zu sehen, wie Er nach der Freude und der völligen Segnung des armen Überrestes verlangt und doch Selbst den Platz der völligen Abhängigkeit von Jehova einnimmt und Ihn bittet, als Gott ins Mittel zu treten! Gehorsam und Abhängigkeit sind die beiden Kennzeichen der Wirksamkeit des neuen Lebens im Menschen Gott gegenüber.

Es mag hier darauf hingewiesen werden, dass das Zeugnis in der Versammlung aufhört, wenn die zahllosen Übel Ihn erreichen. In der Einleitung des Psalmes ist von der Grube des Verderbens die Rede, nachdem Er aus derselben errettet ist, und wir erfahren dadurch, wie weit Sein Gehorsam ging; von Seinem Tode wird dagegen hier nicht gesprochen. Seinem Hauptinhalt nach enthält der Psalm die Darstellung Seiner Treue in Seinem Leben als Zeuge, indem Er kam, um den Willen Gottes zu tun sowie der übel, die Ihn am Ende erreichten, als Er der Last der Ungerechtigkeit Seines Volkes begegnen musste. Vers 4 wendet das Ergebnis der Treue Christi auf den Überrest an zu dessen Unterweisung und Ermutigung.

Einige Worte möchte ich noch sagen über den Ausdruck: „Ohren hast du mir bereitet“ (oder gegraben). Das hier für „bereitet“ gebrauchte hebräische Wort ist nicht dasselbe wie in 2. Mo 21; dort handelt es sich um das Befestigen des Ohres mit einer Pfrieme an den Türpfosten, wodurch der betreffende Mann für immer als Knecht bestätigt wurde. Auch ist es nicht der Ausdruck, dessen sich Jesaja in Kapitel 50, 4 bedient; dieser hat die Bedeutung, dass man als Knecht so gänzlich dem Willen seines Herrn unterworfen ist, dass man dessen Befehle jeden Morgen von neuem empfängt. Hier heißt es: „Ohren hast du gegraben“; das will sagen: Christus hat die Stellung eines Knechtes angenommen, und Er hat das getan, wie wir in Philipper 2 sehen können, indem Er Mensch wurde. Daher nimmt der Geist Gottes im Neuen Testament die Übersetzung, oder richtiger die Auslegung, der Septuaginta an: „Einen Leib hast du mir bereitet“ (siehe Heb 10, 5). Man vergleiche Johannes 13, welches hinsichtlich der Zeit 2. Mo 21 entspricht, ferner Lk 12, 37 und 1. Kor 15, 28.

Psalm 41

Psalm 41 zeigt uns die Glückseligkeit des Menschen, der diese Stellung der Armen der Herde versteht und in dieselbe eintritt (vergleiche Mt 5, 3; Lk 6, 20). Die Worte dieses Psalmes sind die eines Menschen, der zu dem leidenden Überrest gehört – ohne Zweifel sind sie aber auch der Ausdruck der eigenen Erfahrungen des Psalmisten. Es ist einer der Psalmen, aus denen Christus einen Ausdruck entlehnt, um zu zeigen, wie Er am Ende Seines Lebens, als Er in die Leiden des Überrestes eintrat, diese in all ihrer Bitterkeit geschmeckt hat. Doch der Arme wird in seiner Lauterkeit aufrechterhalten und vor das Angesicht Jehovas gestellt. Der scheinbare Triumph der Gottlosen ist nur von kurzer Dauer.

Hiermit schließt das erste Buch, in dem wir im großen ganzen die Erfahrungen des Überrestes finden, bevor er aus dem Lande vertrieben ist, oder wenigstens die Erfahrungen solcher, bei denen dies nicht der Fall ist. Der Bundesname „Jehova“ wird angewandt. Daher wird die Stellung Christi beleuchtet, insoweit Er kam und Sich den Armen der Herde auf der Erde zugesellte und in Trübsal und Lauterkeit inmitten des Bösen wandelte. Der letzte Psalm (41) hat nicht Ihn zum Gegenstand, wie Vers 4 zeigt.

Wie schon früher gesagt, bilden die ersten acht Psalmen eine Einleitung, in der die ganze Szene vor uns entrollt wird in ihren Grundsätzen und in ihren Ergebnissen nach dem Vorsatz Gottes; dann zeigen Ps 9  und Ps 10  uns die wirklichen geschichtlichen Umstände der Juden in den letzten Tagen. So bildet, was die geschichtlichen Tatsachen betrifft, der Zustand der Juden die Grundlage und den Gegenstand des ganzen Buches, während zugleich völlig dargestellt wird, in welcher Weise Christus in ihre Leiden eintreten und sie durch Sein Beispiel ermutigen konnte. Sein ganzes Leben in der Mitte der Nation geht vor unseren Blicken vorüber, aber ganz besonders das Ende desselben, als Er, nachdem Er die Gerechtigkeit Gottes in der großen Versammlung verkündigt hatte, in die tiefen Leiden der letzten Stunden Seines Weges auf der Erde eintrat, die bis zu dem Verlassenwerden von Gott führten. Dennoch war dieser Pfad für Ihn (und Gott sei Dank! sicherlich für uns) der Weg des Lebens.

In dieser Reihe von Psalmen hat Psalm 40 insofern ein besonderes Interesse für uns, als er uns nicht nur die Geschichte Christi und Seine Treue mitteilt, sondern uns auch zeigt, wie Er Sich Selbst freiwillig darbietet, um alles zu vollenden, was die Ratschlüsse des Vaters von Ihm forderten, und wie Er dann im Gehorsam ausharrt, bis es Jehova gefällt einzuschreiten. Und dann kann Er das neue Lied singen. Von diesem Einschreiten Gottes war die Auferstehung das feierliche Zeugnis, durch die Er, wie wir in Psalm 22  gesehen haben, dieses Lied in so vielen anderen Herzen erweckt oder vielmehr hervorgebracht hat. Wie gewöhnlich geben auch hier die drei ersten Verse den Grundgedanken des Psalmes an, das Weitere teilt dann alles mit, was zu diesem Ergebnis geführt hat, nur geht hier der Geist Gottes bis zu dem Punkte zurück, wo Christus Sich zuerst anbot, das Werk zu vollbringen.

In Psalm 41 wird der Leser die beiden Charakterzüge bemerken, die wir bereits als den Überrest kennzeichnend hervorgehoben haben, nämlich daß der Gläubige seine Sünde bekennt (V. 4) und zugleich seine Lauterkeit betont (V. 12). Wir sehen, dass Christus den Psalm auf Sich Selbst anwendet, obwohl es sich darin nicht um Ihn handelt, indem Er zeigt, wie Er den Platz einnahm, auf den der Inhalt des Ganzen sich bezieht. Die Stolzen und Gottlosen konnten den sanftmütigen, demütigen und vielleicht gezüchtigten Überrest verachten und niedertreten. Doch hier ist es mehr der falsche und verräterische Geist solcher, von denen der Gläubige eigentlich hätte erwarten müssen, daß er sich auf sie verlassen könne. Die Glückseligkeit findet sich bei denen, die Verständnis haben, bei den Sanftmütigen und Demütigen, die gezüchtigt werden; denn sie verstehen die Wege Gottes. Der Sanftmütige wartet auf den Herrn, wenn Seine Hand auf ihm liegt. Der Punkt, um den es sich in diesem Psalm handelt, ist die Glückseligkeit solcher, die mit Verständnis in die Stellung derer eintreten, mit denen Sich Jehova beschäftigt, Diesen Platz nahm Christus völlig ein, obwohl Er nicht mit Krankheit gezüchtigt wurde.

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