Das wahrhaftige Licht
Eine Auslegung zum Johannesevangelium

Kapitel 18

Das wahrhaftige Licht

Einleitung

Wenn das Johannesevangelium über die letzten Ereignisse im Leben Christi berichtet, so hebt es besonders die Herrlichkeit Christi als eine göttliche Person hervor. Das ist das große Thema des Evangeliums. Immer wieder finden wir Einzelheiten, die die Gottheit Jesu unmittelbar bezeugen. Gleichzeitig stellt das Evangelium den vollkommenen Gehorsam dessen dar, der Fleisch geworden ist. So werden unsere Herzen in Anbetung zu Ihm hingezogen werden – zu Ihm als dem eingeborenen Sohn des Vaters und dem, der Fleisch geworden ist und voller Gnade und Wahrheit unter uns wohnte.

Verrat und Gefangennahme Jesu

Johannes 18,1–11

Vers 1: Als Jesus dies gesagt hatte, ging er mit seinen Jüngern hinaus auf die andere Seite des Baches Kidron, wo ein Garten war, in den er hineinging er und sein Jünger.

Diese Wahrheiten werden in beeindruckender Weise gezeigt in der ernsten Verratsszene, die in den ersten elf Versen dieses Kapitels beschrieben wird. Im ersten Vers lesen wir: „Jesus ... ging mit seinen Jüngern hinaus.“ So sehen wir den guten Hirten vorausgehen und die Schafe nachfolgen.

Verse 2–9: Aber auch Judas, der ihn überlieferte, wusste den Ort, weil Jesus sich oft dort mit seinen Jüngern versammelte. Als nun Judas die Schar Soldaten und von den Hohenpriestern und Pharisäern Diener erhalten hatte, kommt er dahin mit Leuchten und Fackeln und Waffen. Jesus nun, der alles wusste, was über ihn kommen würde, ging hinaus und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus, den Nazaräer. Jesus spricht zu ihnen: Ich bin es. Aber auch Judas, der ihn überlieferte, stand bei ihnen. Als er nun zu ihnen sagte: Ich bin es, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie wiederum: Wen sucht ihr? Sie aber sprachen: Jesus, den Nazaräer. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin; wenn ihr nun mich sucht, so lasst diese gehen! – damit das Wort erfüllt würde, das er sprach: Von denen, die du mir gegeben hast, habe ich keinen verloren.

In den folgenden Versen sehen wir den Wolf kommen: Judas. Aber auch wenn Judas „den Ort wusste“ (V. 2), wo Jesus sich mit seinen Jüngern oft aufgehalten hatte, so hatte er Jesus doch niemals wirklich gekannt. Er wusste weder etwas von der Herrlichkeit seiner Person, von seiner gewaltigen Macht gegenüber allen seinen Feinden, von seiner unendlichen Liebe zu seinen armen Schafen noch von seinem vollkommenen Gehorsam dem Vater gegenüber. Judas' Bosheit ist einerseits der Anlass, dass die Vollkommenheit Jesu offenbar wird, und andererseits, dass sich die Schwachheit und das Böse des Fleisches zeigen – selbst bei einem hingegebenen Jünger wie Petrus. Auch wir handeln bei Widerstand, Angriff und Verrat leider zu oft fleischlich. Dann tun wir gut daran, wenn wir diese bewegende Szene betrachten und Christus als Vorbild nehmen, damit wir seinen Fußstapfen nachfolgen. Genau dazu ermuntert Petrus uns später in seinem Brief (1. Pet 2,21–23).

Als Erstes sehen wir, wie die Herrlichkeit der Gottheit Jesu sowie die Vollkommenheit seiner Menschheit hervorstrahlen, denn wir lesen: „Jesus nun, der alles wusste, was über ihn kommen würde, ging hinaus“ (V. 4). Ein Mensch, der nur Mensch gewesen wäre und auch nur die geringste Ahnung gehabt hätte von dem, was kommen würde, wäre sicherlich zurückgewichen. Nur von einer göttlichen Person konnte in einem absoluten Sinn gesagt werden, dass Er „alles wusste“; und nur von einem vollkommenen Menschen, der alles wusste, konnte gesagt werden, dass Er „hinausging“ Er unterwirft sich dem Menschen, allerdings in Gehorsam dem Vater gegenüber. Er war „nicht widerspenstig, ist nicht zurückgewichen“ (Jes 50,5).

Zweitens sehen wir seine gewaltige Macht als eine göttliche Person; denn als Er gesagt hatte: „Ich bin es“, wichen seine Feinde zurück „und fielen zu Boden“. Sie befanden sich in der Gegenwart des großen „Ich bin“, in der Gegenwart des Schöpfers, gegen den die Welt, trotz vereinter Kräfte, nichts ausrichten kann mit ihren Laternen, Fackeln und Waffen. Als der Herr der Herrlichkeit hinausging, wichen seine Feinde zurück. Der Psalmist spricht prophetisch von Christus, wenn er sagt: „Lass zurückweichen und zuschanden werden, die Gefallen haben an meinem Unglück!“ (Ps 40,15; 70,3.4).

Drittens sehen wir die unendliche Liebe des guten Hirten zu den Schafen. Als der Wolf kommt, gibt Er „sein Leben für die Schafe“ (Kap. 10,11.12), anstatt wie der Mietling die Schafe zu verlassen und zu fliehen. Aber wenn Er sich selbst gibt, dann wird Er es nicht erlauben, dass die Schafe angetastet werden. So kann Er sagen: „Wenn ihr nun mich sucht, so lasst diese gehen!“ (V. 8). Auf diese Weise erfüllen sich seine eigenen Worte: „Von denen, die du mir gegeben hast, habe ich keinen verloren“ (V. 9). Seine armen Schafe mögen versagen: Petrus zum Beispiel verleugnete Ihn und alle anderen verließen Ihn. Aber auf der Seite des Herrn ist alles Vollkommenheit, und deswegen wird nicht einer der Seinen verloren gehen. Deshalb werden auch zum Schluss alle seine Schafe nach Hause gebracht werden – wie groß unser Versagen auch war und obwohl „reißende Wölfe“ Eingang in das Volk Gottes gefunden haben, „die die Herde nicht verschonen“ (Apg 20,29). Nicht ein einziges Schaf wird verloren sein und keins wird an jenem großen Tag fehlen.

Verse 10.11: Simon Petrus nun, der ein Schwert hatte, zog es und schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Name des Knechtes aber war Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Stecke das Schwert in die Scheide! Den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?

Viertens sehen wir den vollkommenen Gehorsam Christi gegenüber dem Willen des Vaters. Im Gegensatz dazu sehen wir, wie schwach das Fleisch in einem der hingebungsvollsten Jünger des Herrn ist. Als der Herr im Garten wachte, schlief Petrus; als der Herr dem Willen des Vaters gehorsam ist und sich seinen Feinden übergibt, leistet Petrus in fleischlichem Eifer Widerstand. Petrus meinte es ernst, aber gerade die Ernsthaftigkeit eines Gläubigen richtet nur Schaden an, wenn er im Fleisch handelt. William Kelly hat gesagt: „Selbst die anerkanntesten Diener des Herrn versagen, und sie versagen dann am meisten, wenn sie sich in natürlichem Eifer und in ihrer eigenen Weisheit nach vorne drängen und zu viel Selbstvertrauen haben, um auf Gottes Wege zu achten und auf sein Wort zu hören und so von Ihm zu lernen.“ Petrus wird kaum gedacht haben, dass es in direktem Gegensatz zum Willen des Vaters war, als er dem Knecht des Hohenpriesters mit dem Schwert das Ohr abschlug. Der Herr tadelt Petrus: „Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?“ Natürliche Liebenswürdigkeit und Eifer hätten den Kelch von seinen Lippen weggenommen und damit unwissentlich den Ratschluss des Vaters zunichtegemacht: Er hatte es seit ewigen Zeiten in seinem Herzen, Christus zu verherrlichen und Menschen zu segnen.

Jesus vor Annas

Johannes 18,12–14

Verse 12–14: Die Schar nun und der Oberste und die Diener der Juden nahmen Jesus fest und banden ihn; und sie führten ihn zuerst zu Annas, denn er war Schwiegervater des Kajaphas, der jenes Jahr Hoherpriester war Kajaphas aber war es, der den Juden geraten hatte, es sei nützlich, dass ein Mensch für das Volk sterbe.

Wenn es der Wille des Vaters gewesen wäre, dass der Herr sich selbst von seinen Feinden befreit, so hätte es keinen Grund gegeben, das Schwert zu benutzen. Jesus hätte still weggehen können, als seine Feinde zu Boden fielen. So war es zu Beginn seines Dienstes, als böse Menschen Ihn vom Gipfel des Hügels hinabwerfen wollten und Er still durch ihre Mitte hindurch seines Weges ging. Aber nun hatte Er das Ende seines Weges erreicht und die Stunde für das große Werk am Kreuz war gekommen. So unterwirft Er sich dem Willen des Vaters und erlaubt es, dass Er gebunden und weggeführt wird. Obwohl die Menschen Werkzeuge Satans sind, benutzt Gott sie, damit sie seinen vorherbestimmten Ratschluss ausführen und seine Vorkenntnis Wirklichkeit werden lassen. Auf die gleiche Weise wird auch Kajaphas, ein böser Mensch, vom Geist Gottes gebraucht, um die große Wahrheit vorauszusagen, dass „ein Mensch für das Volk sterben“ sollte.

Petrus im Hof

Johannes 18,15–18

Verse 15–18: Simon Petrus aber folgte Jesus und der andere Jünger. Dieser Jünger aber war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus hinein in den Hof des Hohenpriesters. Petrus aber stand an der Tür draußen.

Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und sprach mit der Türhüterin und führte Petrus hinein. Da spricht die Magd, die Türhüterin, zu Petrus: Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sagt: Ich bin es nicht. Es standen aber die Knechte und die Diener da, die ein Kohlenfeuer gemacht hatten, weil es kalt war, und wärmten sich; Petrus aber stand auch bei ihnen und wärmte sich.

Wir haben die fleischliche Energie des Petrus gesehen; nun sehen wir die Schwachheit des Fleisches. Petrus folgt Jesus zwar, aber er tut das im Selbstvertrauen und lernt so seine eigene Schwachheit kennen. Ein anderer Jünger geht in den Palast – nicht als ein Jünger Jesu, sondern als ein Bekannter des Hohenpriesters – und wird zu dem Werkzeug, das Petrus an einen falschen Ort bringt. Das Ergebnis ist: Petrus bricht wegen der einfachen Frage einer Magd zusammen. Er spürt die Gefahr, die droht, wenn er sich als Jünger Jesu bekennt – der Hohepriester hatte schon vorausgesagt, dass Jesus sterben soll – und so lügt er vorsätzlich. Auf diese Weise bricht ein von Natur aus tapferer und mutiger Mann zusammen, als er an einem falschen Ort ist. Damit wir dem Herrn folgen können, benötigen wir übernatürliche Kraft, die uns stützt. Gerade hatte der Herr zum Vater gebetet, seine Jünger vor dem Bösen zu bewahren. Petrus dagegen meint, er könne sich selbst bewahren; auch wir denken oft so. Der Herr lässt es zu, dass Petrus fällt, damit er seine eigene Schwachheit kennenlernen kann. So leugnet er, dass er ein Jünger ist. Jetzt kann er sich den Feinden des Herrn anschließen und sich am Feuer der Welt wärmen.

Verse 19–24: Der Hohepriester nun fragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe öffentlich zu der Welt geredet, ich habe allezeit in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen, und im Verborgenen habe ich nichts geredet; warum fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, diese wissen, was ich gesagt habe. Als er aber dies gesagt hatte, schlug einer der Diener, der dabeistand, Jesus ins Angesicht und sagte: Antwortest du so dem Hohenpriester? Jesus antwortete ihm: Wenn ich übel geredet habe, so gib Zeugnis von dem Übel; wenn aber recht, warum schlägst du mich? Annas nun sandte ihn gebunden zu Kajaphas, dem Hohenpriester.

Nun ändert sich die Szene: Der Jünger hatte sich mit der Welt verbunden und versagt; jetzt sehen wir die Vollkommenheit Jesu angesichts des Widerstandes vonseiten der Welt. Der Hohepriester fragt Ihn nach seinen Jüngern und nach seiner

Lehre. Solche Fragen unterstellten, dass der Herr ein geheimer Verschwörer gegen die Autoritäten gewesen sein sollte. Der Herr weist diese Unterstellung von sich, indem Er den Hohenpriester daran erinnert, dass Er offen zur Welt gesprochen und an öffentlichen Orten gelehrt hatte. Im Geheimen hatte Er nichts gesagt. Der Hohepriester brauchte nur jene zu fragen, die Ihn gehört hatten, und sie würden seine Lehre bezeugen. Die Antwort des Herrn ist nicht zu widerlegen. Doch wenn es kein Gegenargument gibt, dann greifen die Gegner, wie so oft, auf Beleidigung und Misshandlung zurück. Deshalb schlägt ein Diener, dessen Aufgabe es war, die Ordnung aufrechtzuerhalten, dem Herrn ins Gesicht. Doch solchen Angriffen begegnet der Herr in gerechter und furchtloser Würde.

Petrus verleugnet seinen Herrn

Johannes 18,25–27

Verse 25–27: Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sprach: Ich bin es nicht. Einer von den Knechten des Hohenpriesters, der ein Verwandter dessen war, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, spricht: Sah ich dich nicht in dem Garten bei ihm? Da leugnete Petrus wiederum; und sogleich krähte der Hahn.

Wieder ändert sich die Szene. In auffallendem Unterschied zum Meister sehen wir, wie der arme Diener versagt, als er geprüft wird. Der Herr ist gebunden und steht vor seinen Feinden. Petrus ist frei und steht inmitten der Feinde des Herrn und wärmt sich. Wieder wird die Frage an ihn gerichtet: „Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern?“ (V. 25). Und wieder leugnet Petrus aus Furcht vor Menschen seine Jüngerschaft. Zum dritten Mal fragt jemand, der bezeugen kann, dass er Petrus im Garten mit Christus gesehen hatte, ihn nach seiner Verbindung mit dem Herrn, und schließlich leugnet Petrus zum dritten Mal. Wie Petrus haben auch wir das Fleisch in uns und den Teufel gegen uns, und so müssen wir lernen, dass keine Liebe zum Herrn – und sie mag wirklich vorhanden sein – uns davor bewahren wird, den Herrn zu verleugnen, wenn wir von Furcht belastet sind.

Auch andere Dinge werden uns nicht davor bewahren: keine Kenntnis der Schrift, wie groß sie auch sein mag; keine guten Absichten, wie aufrichtig sie auch immer sind; keine Erfahrungen, wie tief sie auch sind; keine Gabe, wie groß auch immer sie ist; kein göttliches Leben, das wir besitzen. All das wird uns auch nicht davor bewahren, den hässlichsten Begierden nachzugeben, wenn die Versuchung kommt, oder zornig zu werden und Rache zu üben, wenn beleidigende Angriffe kommen – es sei denn, wir bleiben nahe bei dem Herrn und sind stark in der Gnade, die in Christus Jesus ist. Petrus musste die Wahrheit der Worte des Herrn lernen: „Außer mir [o. getrennt von mir] könnt ihr nichts tun“ (Kap. 15,5). Auch wir müssen dies lernen – vielleicht durch bittere Erfahrung.

Jesus vor Pilatus

Johannes 18,28–40

Vers 28: Sie führen nun Jesus von Kajaphas in das Prätorium; es war aber frühmorgens. Und sie gingen nicht in das Prätorium hinein, um sich nicht zu verunreinigen, sondern das Passah essen zu können.

Die religiösen Führer der jüdischen Nation hatten Christus abgelehnt; nun werden die politischen Führer der Nationen auf die Probe gestellt. Der Herr wird vor Pilatus gebracht, und was ist das Ergebnis? Die Regierungsgewalt, die den Nationen gegeben war, um das Gute zu loben und Gericht auszuüben über den, der Böses tut (Röm 13,4), wird benutzt, um den zu verurteilen, von dem man bekennen musste, dass keine Schuld an Ihm gefunden werden konnte.

Verse 29,30: Pilatus ging nun zu ihnen hinaus und sprach: Welche Anklage bringt ihr gegen diesen Menschen vor? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wenn dieser nicht ein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht überliefert.

Pilatus mag ein hartherziger Weltmensch gewesen sein, aber immerhin zeigt er hier ein gewisses Gerechtigkeitsempfinden. Er möchte nämlich von den Juden wissen, was die Anklage gegen Christus sei. In ihrer Antwort geben die Juden vor, ganz aufrichtige Leute zu sein: Zu denken, sie brächten keinen Übeltäter vor den Richter, empfinden sie als unverschämt.

Verse 31.32: Da sprach Pilatus zu ihnen: Nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Es ist uns nicht erlaubt, jemand zu töten - damit das Wort Jesus erfüllt würde, das er sprach, andeutend, welchen Todes er sterben sollte.

Pilatus versucht, die Juden für die Verurteilung des Herrn verantwortlich zu machen. In ihrer Antwort verraten sie, was sie sich fest vorgenommen haben: Wie auch immer das Urteil des Pilatus ausfallen würde – Jesus sollte sterben. Doch da die Römer den Juden die Macht genommen hatten, ein Todesurteil zu vollstrecken, mussten sie die Sache in der Hand des Pilatus lassen. So werden Juden und Heiden die Instrumente, durch die die Worte des Herrn über den Tod, den Er sterben sollte, sich erfüllten (Apg 4,27.28).

Verse 33–37: Pilatus ging nun wieder hinein in das Prätorium und rief Jesus und sprach zu ihm: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du dies von dir selbst aus, oder haben dir andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich etwa ein Jude? Deine Nation und die Hohenpriester haben dich mir überliefert; was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde; jetzt aber ist mein Reich nicht von hier. Da sprach Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, dass ich ein König bin. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme.

Nachdem Pilatus sich mit den Juden beraten hat, geht er wieder in die Gerichtshalle zurück und stellt dem Herrn zwei Fragen: „Bist du der König der Juden?“ und „Was hast du getan?“. Der Herr antwortet: „Sagst du dies von dir selbst aus, oder haben dir andere von mir gesagt?“ Er lässt Pilatus wissen, dass Er gegen alle Regeln der Gerechtigkeit dem Richter gegenüber verleumdet worden war. Wenn Er sich selbst zum König gemacht hätte als Konkurrent zu Caesar, würden seine Diener gekämpft haben. Dennoch hatte Er ein Reich und war Er ein König, aber sein Reich ist nicht von dieser Welt. Sein Reich ist von Gott und vom Himmel, und wenn Er als König der Könige kommen wird, werden die Heere des Himmels Ihm folgen und aus seinem Mund wird ein scharfes Schwert hervorgehen, um die Nationen zu schlagen. Er war tatsächlich als König geboren, aber Er war gekommen, um „der Wahrheit Zeugnis zu geben“ (V. 37). Hier sehen wir die Herrlichkeit seiner Person als der eingeborene Sohn hervorstrahlen, der Fleisch wurde und unter uns wohnte, voller Gnade und Wahrheit (Kap. 1,14). Der Herr spricht das Gewissen des Pilatus an: War er jemand, der unter die überführende Macht der Wahrheit gekommen war? Solche Menschen hören die Stimme des Herrn. Pilatus zeigt leider, dass die Stimme Jesu weder jemals sein

Gewissen erreicht noch je sein Herz berührt hatte, denn er fragt Ihn frech: „Was ist Wahrheit?“ Hätte die Wahrheit ihn von seiner Sünde überführt, so würde sie ihm auch die Gnade Gottes gezeigt haben, und er würde, mit der Frau aus Kapitel 4, gesagt haben: Er „hat mir alles gesagt, was ich getan habe! Dieser ist doch nicht etwa der Christus?“ (V. 29).

Verse 38–40: Pilatus spricht zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er dies gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und spricht zu ihnen: Ich finde keinerlei Schuld an ihm; ihr seid aber gewohnt, dass ich euch an dem Passah einen Gefangenen freilasse. Wollt ihr nun, dass ich euch den König der Juden freilasse? Da schrien wiederum alle und sagten: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber.

Auch wenn das Gewissen des Pilatus nicht erreicht wird, so sagt ihm seine natürliche Intelligenz jedoch, dass es keine Schuld an Jesus gibt. Nur Bosheit war es, die die Juden dazu gebracht hatte, Christus vor den Richterstuhl zu bringen. Deswegen sucht Pilatus einen Ausweg, damit er nicht eine unschuldige Person zum Tod verurteilen muss: Er greift auf eine jüdische Sitte zurück. Doch die Antwort der Juden beweist nur noch mehr, wie erbittert das menschliche Herz den Herrn Jesus hasst; es bevorzugt einen Räuber und Mörder: „Nicht diesen, sondern Barabbas!“

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