Das wahrhaftige Licht
Eine Auslegung zum Johannesevangelium

Kapitel 5

Das wahrhaftige Licht

Einleitung

In Kapitel 3 haben wir gesehen, wie das Fleisch beiseitegesetzt wird durch das Werk des Heiligen Geistes in uns und die Sünde verurteilt wird durch das Werk Christi für uns (Kap. 3,6.7.14).

In Kapitel 4 haben wir dann in der Geschichte der Frau am Brunnen in Sichar erfahren, wie ein Mensch von der Macht der Sünde befreit wird: Er bekommt neues Leben, das ihn fähig macht, in der Kraft des Geistes zu leben, um so nicht länger der Sünde zu dienen. Es ist so, wie der Apostel Paulus es ausdrückt: „Das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm 8,2).

Kapitel 5 stellt uns nun vor, wie ein Mensch von den Forderungen des Gesetzes frei wird. Darüber hinaus zeigt es uns die Schwachheit des Fleisches. Durch die Macht des Sohnes Gottes wird ein Mensch zum einen von seiner Schwachheit, die die Sünde über ihn gebracht hat, befreit, zum anderen vom Gesetz, das ihm nicht helfen kann. Das Kapitel besteht aus vier großen Abschnitten:

  1. Der Kranke am Teich Bethesda (V. 1–9);
  2. die Erlösung des Menschen führt in die Ruhe Gottes (V. 10–16);
  3. die Herrlichkeit der Person, die Menschen erlöst und die Ruhe Gottes sicherstellt (V. 17–30) und
  4. die verschiedenen Zeugnisse der Herrlichkeit Christi (V. 31–47).

Der Mann am Teich oder: Die Befreiung vom Gesetz

Johannes 5,1–9

Verse 1–9: Danach war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Es ist aber in Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der auf Hebräisch Bethesda genannt wird und fünf Säulenhallen hat. In diesem lag eine Menge Kranker, Blinder; Lahmer, Dürrer, die auf die Bewegung des Wassers warteten. Denn zu gewissen Zeiten stieg ein Engel in den Teich herab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, wurde gesund, mit welcher Krankheit irgend er behaftet war. Es war aber ein gewisser Mensch dort, der achtunddreißig Jahre mit seiner Krankheit behaftet war. Als Jesus diesen daliegen sah und wusste, dass es schon lange Zeit so mit ihm war, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, dass er mich, wenn das Wasser bewegt worden ist, in den Teich wirft; während ich aber komme, steigt ein anderer vor mir hinab. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher! Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett auf und ging umher. Es war aber an jenem Tag Sabbat.

Die Szene am Brunnen von Sichar hat uns gezeigt, wie Gott von der Macht der Sünde befreit; der Teich von Bethesda zeigt uns, wie Gott vom Gesetz befreit. Die verachteten Samariter sind ein Bild davon, dass der Mensch von der Sünde befreit werden muss – das religiöse Jerusalem ein Bild davon, dass der Mensch vom Gesetz befreit werden muss.

In den fünf Säulenhallen am Teich waren viele Kranke: Menschen, die blind oder lahm waren oder deren Hände oder Arme verkrüppelt waren. Sie alle warteten auf Heilung. Sie lagen rund tun den Teich, durch den sie wieder gesund werden konnten. Denn von Zeit zu Zeit, so wie Gott es in seiner Gnade gab, bewegte ein Engel das Wasser. Der Kranke nun, der zuerst in den Teich gelangte, nachdem sich das Wasser bewegt hatte, wurde gesund.

Zwei Dinge werden hier bereits deutlich: Erstens – die Heilung geschieht durch Wasser; zweitens – der Kranke muss sich anstrengen, sonst kann er nicht gesund werden.

Somit ist der Teich ein eindrucksvolles Bild von dem Menschen unter Gesetz. Ihm wird Segen verheißen. So will es Gott und so bestätigt es das Gesetz. Doch dieser Segen kann nur erlangt werden, wenn der Mensch sich darum bemüht. Er muss sich anstrengen – und dazu braucht er Kraft. Das heißt aber, dass gerade dann, wenn die Not am größten ist und er die meiste Hilfe nötig hat, die Chance am geringsten ist, den Segen zu erlangen. Was für ein Dilemma! Die Krankheit, von der er geheilt werden will, raubt ihm die Kraft, das Heilmittel, das ihn gesund machen kann, zu ergreifen. Er ist bereits seit achtunddreißig Jahren krank – ein hoffnungsloser Zustand.

Wir können die körperliche Situation des Mannes mit unserer geistlichen Situation vergleichen. Die Macht der Sünde, von der wir befreit werden mussten, nimmt uns die Kraft, um uns selbst zu befreien. Der Kranke hier hat sich viele Jahre abgemüht, um gesund zu werden – doch vergeblich. Jetzt ist er am Ende und muss zugeben, dass er jemanden braucht, der ihm hilft. Er muss frei werden von seinen eigenen Anstrengungen, gesund zu werden. Dazu braucht er allerdings eine Kraft, die größer ist als alles, was er bisher erlebt hat. Auf die Frage des Herrn: „Willst du gesund werden“, antwortet er: „Herr, ich habe keinen Menschen, dass er mich ... in den Teich wirft.“ Er gibt zu, dass er kraftlos ist und dass seine eigenen Anstrengungen nutzlos sind und dass nur ein anderer ihn aus seinem traurigen Zustand befreien kann. Er gibt seine eigenen Bemühungen auf und hält nach einem Retter Ausschau und sofort findet er ihn vor sich. Der Herr sagt zu ihm: „Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher!“ Der Mann ist erlöst von seinen Anstrengungen, gesund zu werden; er wird durch die Kraft eines anderen gesund. Er ist sofort in der Lage, das zu tragen, was ihn bis dahin getragen hat. Was für ein Wechsel!

Der Gelähmte ist ein eindrucksvolles Bild von dem Menschen, der in Römer 7 beschrieben wird. Auch bei ihm ist der Wille vorhanden, das Gute zu tun – nur die Kraft dazu fehlt ihm. Doch dann erkennt er, dass seine eigenen Anstrengungen, um frei zu werden, vergeblich sind, und er ruft aus: „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten?“ (V. 24). Und sofort danach sieht er seinen Retter vor sich und ruft aus: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ (V. 25). Christus ist der, der uns von unseren eigenen Anstrengungen erlöst und uns fähig macht, das zu überwinden, was bis dahin uns überwunden hat.

Was genau meint, vom Gesetz erlöst zu sein? Das Prinzip des Gesetzes ist: Wir überwinden, indem wir tun. Der Mensch in Römer 7 handelt nach diesem Prinzip: Er strengt sich an, um durch seine eigenen Anstrengungen seine Begierden zu überwinden. Erlöst vom Gesetz bedeutet also in der Praxis, die eigenen Bemühungen einzustellen. Dann sind wir von dem mühsamen Kampf erlöst, das Fleisch und die Macht der Sünde überwinden zu müssen. Wir müssen ja nicht nur von unseren Leidenschaften und Begierden frei werden, sondern auch von unseren eigenen Anstrengungen, sie zu überwinden. Wir müssen eben nicht gegen unsere Leidenschaften und Begierden ankämpfen – und dabei doch ständig Niederlagen erleiden – nein, wir müssen auf den Herrn blicken und werden dann in Ihm den Retter finden.

Das Prinzip in Bethesda lautet also: Gott hilft denen, die sich selbst helfen können. Christus dagegen zeigt uns, dass Er denen hilft, die eingestehen, dass sie selbst hilflos sind. Er selbst gibt die nötige Kraft – denn die Befreiung hängt vom Befreier ab!

Die Erlösung des Menschen führt in die Ruhe Gottes

Johannes 5,10–16

Verse 10–16: Die Juden nun sagten zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, und es ist dir nicht erlaubt, dein Bett zu tragen. Er aber antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sagte zu mir: Nimm dein Bett auf und geh umher. Sie fragten ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett auf und geh umher? Der Geheilte aber wusste nicht, wer es war; denn Jesus hatte sich zurückgezogen, weil eine Volksmenge an dem Ort war. Danach findet Jesus ihn im Tempel, und er sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nichts Schlimmeres widerfahre. Der Mensch ging hin und verkündete den Juden, dass es Jesus sei, der ihn gesund gemacht habe. Und darum verfolgten die Juden Jesus und suchten ihn zu töten, weil er dies am Sabbat tat.

Nachdem der Mensch geheilt worden ist, lesen wir: „Es war aber an jenem Tag Sabbat.“ Das Kennzeichen des Sabbats ist: Ruhe von der Arbeit - so wie Gott bei der Schöpfung am siebten Tag ruhte von all seinem Werk, das er gemacht hatte (1. Mo 2,2; 2. Mo 20,11). Doch die Ruhe der Schöpfung wurde durch die Sünde gestört. Nun gibt keine Ruhe für Gott und Menschen, solange der Mensch unter der Macht der Sünde und des Todes steht. Erst wenn der Mensch durch das Werk und die Macht Christi von der Sünde frei und geheilt ist, ist „an jenem Tag“ der wahre Sabbat gekommen.

Diese Ruhe kann der Mensch durch eigene Anstrengungen unter dem Gesetz nicht erreichen. Das Gesetz sagt: „Tu dies und du wirst leben.“ Doch der Mensch hält das Gesetz nicht und kann es auch nicht halten. Allein sein Versuch, es zu halten, zeigt umso deutlicher, wie schrecklich die Sünde ist, und beweist, dass er schwach und unfähig ist, durch eigene Anstrengungen zur Ruhe Gottes zu gelangen.

Dennoch besteht der Mensch darauf, den Sabbat zu halten, weil er religiös erscheinen möchte, wiewohl er die wahre Bedeutung des Sabbats gar nicht kennt. Er legt Wert auf die äußere Befolgung des Sabbats – und zeigt sich dabei völlig gleichgültig gegenüber der Sünde, die die Ruhe des Sabbats längst zerstört hat. Der Segen der Sabbatruhe ist für ein Volk, das das Gesetz hält – aber nicht für solche, die das Gesetz brechen. Der Mensch mag damit zufrieden sein, sich angesichts von Sünde und Elend auszuruhen; doch Gott kann nicht ruhen, solange Er die Sünde und ihre Folgen vor Augen hat. Seine Heiligkeit verlangt, dass Sünde gerichtet wird, aber zugleich drängt Ihn seine Liebe, für die Erlösung des Sünders tätig zu werden.

Der Mann antwortet seinen jüdischen Gegnern, und seine Antwort überzeugt (es sei denn, man ist Christus gegenüber feindlich eingestellt): „Der mich gesund machte, der sagte zu mir: Nimm dein Bett auf und geh umher.“ Der, der Kraft und Macht hatte, ihn gesund zu machen, gab ihm die Erlaubnis oder die Anweisung, sein Bett am Sabbat zu tragen. Nur jemand, der Böses im Sinn hat, würde wohl eine Autorität, die solche Macht hat, infrage stellen!

Man spürt die offene Feindschaft, als Jesu Gegner ihn nun fragen: „Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett auf und geh umher?“ Was auch immer sie im Einzelnen denken, für sie läuft alles auf die Frage hinaus: „Wer ist dieser Mensch?“ Das ist auch heute noch die Frage: Wer ist diese herrliche Person, die voller Gnade und Wahrheit kam, um unter den Menschen zu wohnen? Jeder Segen für die Menschen hängt von der Herrlichkeit der Person ab, die uns in den folgenden Versen so wunderbar vorgestellt wird.

Der Mann weiß nicht, wer ihn geheilt hat. Denn Jesus, der das Land als der einsame Wanderer durchzieht, ist weggegangen, da eine Volksmenge an dem Ort ist. Er ist nicht bereit, Israel als Ganzes zu segnen, denn es hat sich bereits gezeigt, dass die Menschen Ihn nicht annehmen wollen. Doch Er ist da, um seine Schafe zu suchen und zu erretten und sie aus der Masse des Volkes zu sammeln. So geht der Herr dem geheilten Mann nach und findet ihn im Tempel. Die Heiligung scheint den Mann innerlich berührt zu haben. Jedenfalls ist er jetzt im Tempel, um Gott zu loben. Der Herr spricht ihn an und warnt ihn: Die Krankheit deines Körpers ist zwar geheilt, doch pass auf, dass du nicht wieder gegenüber der Sünde schwach wirst! Denn in den Regierungswegen Gottes hat jede Sünde ihre Folgen.

Der Mann geht fort und erzählt den Juden, dass es Jesus war, der ihn geheilt hat. Vermutlich hat der Mann nicht geglaubt, dass sie Böses Vorhaben; er hat wohl gedacht, sie hätten ebenfalls den Wunsch, diese wunderbare Person kennenzulernen. Offensichtlich ist er überwältigt von der gewaltigen Tat, denn er erwähnt sie gleich zweimal (V. 11.15). Doch Jesu Gegner sind nur damit beschäftigt, dass das Einhalten des Sabbats – ihr ganzer Stolz – so missachtet worden ist: „Darum verfolgten die Juden Jesus und suchten ihn zu töten, weil er dies am Sabbat tat.“

Die Herrlichkeit der Person, die Menschen erlöst und die Ruhe Gottes sicherstellt

Johannes 5,17–29

Die Juden haben die Frage gestellt: „Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett auf und geh umher?“ Im Folgenden sehen wir nun die Herrlichkeit dieses Mannes, der allein von der Macht der Sünde und der Knechtschaft des Gesetzes frei machen und damit Menschen in die Ruhe Gottes bringen kann. Wenn seine Herrlichkeit offenbar wird, dann werden alle den Sohn ehren.

Verse 17–19: Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. Darum nun suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, sich selbst Gott gleichmachend. Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst aus tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was irgend er tut, das tut auch in gleicher Weise der Sohn.

Der Herr eröffnet die Unterredung und sagt: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke.“ Wieder sind es Worte von großer Bedeutung, über die wir gut nachdenken sollten. Denn diese Worte offenbaren die Herrlichkeit Christi als

Sohn und beantworten daher die Anklage der Juden, dass „er dies am Sabbat“ getan hat. Vielleicht fragen wir uns, was denn die Werke des Vaters und des Sohnes kennzeichnet. Die Weltgeschichte zeigt, dass die Werke der Menschen durch Gewalt und Verdorbenheit gekennzeichnet sind. Menschliche „Größe“ zeigt sich darin, Dinge zu erfinden, die dazu dienen, Leben zu zerstören. Diese Szene hier in Jerusalem bestätigt den Charakter der menschlichen Werke: Die Juden suchen in diesem Moment den zu töten, der einen Menschen von seinem Krankenbett gerettet hat. Im Gegensatz zu den Werken der Menschen lassen die Werke des Vaters und des Sohnes Menschen vom Tod auferstehen und bringen ihnen Leben und Segen.

Darüber hinaus wirkt der Vater „bis jetzt“. Es ist wahr, dass wir den Vater erst so tätig sehen, seitdem der Sohn in die Welt gekommen ist. Doch hinter allem, was Gott von Beginn der Zeit an in der Welt getan hat, sehen wir nun die Hand des Vaters, die – seinem Willen und seiner Gnade entsprechend – tätig ist, um den Menschen von Sünde und Tod zu erlösen. So können wir nun im Rückblick das Wirken des Vaters verfolgen: in der Verheißung im Garten Eden, in seinem Handeln mit Abel und Henoch, in der Flut, in den Verheißungen an die Patriarchen und in den Aussprüchen der Propheten.

Dann fügt der Herr hinzu: „und ich wirke“ – das zeigt uns die ganze Herrlichkeit seiner Person. Die Juden interpretieren dieses Wort des Herrn richtig, wenn sie ihm vorwerfen, dass Er sich damit Gott gleichmacht. Seine Worte unterstreichen seine Göttlichkeit und offenbaren die Herrlichkeit seiner Person, sie sagen: Der Sohn ist dem Vater gleich, denn alles, was der Vater tut, tut auch der Sohn. Darüber hinaus wirkt der Sohn nicht unabhängig vom Vater, denn Er tut alles in vollkommener Übereinstimmung mit Ihm. Er hat die gleichen Gedanken und Zuneigungen, „denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut“ (V. 20).

Der Herr ist Mensch geworden und sein Verhalten entspricht vollkommen diesem Zustand. Er betont einerseits, dass seine Herrlichkeit der des Vaters entspricht und sagt andererseits: „Der Sohn kann nichts von sich selbst aus tun.“ Der Sohn ist dem Vater gleich – und empfängt doch alles vom Vater. Göttliche Personen sind einander gleich; doch das bedeutet nicht, dass sie unabhängig voneinander handeln, so als ob da zwei Götter wären. Nein, es gibt nicht zwei höchste und allmächtige Wesen getrennt voneinander! Deshalb sagt der Herr hier: „Denn was irgend er [der Vater] tut, das tut auch in gleicher Weise der Sohn.“

Der Sohn tut nichts von sich selbst aus und Er tut auch nur die Dinge, die der Vater Ihm zeigt. Das unterstreicht, dass in allem, was der Sohn tut, der Vater offenbart wird. Wenn die Juden den Sohn sahen, sahen sie den Vater; wenn sie den Sohn ablehnten, lehnten sie auch den Vater ab. Dieser Abschnitt stellt uns nicht nur die Herrlichkeit des Sohnes vor, sondern sagt uns auch, dass Er in allem, was Er tut, den Vater darstellt. In Kapitel 4 werden wir durch die Quelle lebendigen Wassers, die ins ewige Leben quillt, zum Vater gebracht und beten Ihn an. Hier nun wird der Vater in der Person des Sohnes zu uns gebracht.

Vers 20: Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm größere Werke als diese zeigen, damit ihr euch verwundert.

„Der Vater hat den Sohn lieb.“ Diese Aussage zeigt, dass es auf der Erde Einen gab, der in der Lage war, die Liebe des Vaters zu offenbaren. Wenn man sagen würde: Der Vater liebt einen der Gläubigen (und das tut Er gewiss) – selbst wenn es der vortrefflichste Gläubige wäre, würde diese Aussage die Größe der Liebe des Vaters nicht in angemessener Weise ausdrücken. Die Gegenstände, durch die Menschen oft ihre Zuneigung ausdrücken, sind klein. Sie zeigen dadurch, wie armselig klein ihre Liebe ist, denn je größer der Gegenstand der Liebe, desto größer auch das Wesen der Liebe. In dem Sohn findet sich nun jede moralische Eigenschaft in Vollkommenheit. Die Liebe des Vaters ist so groß, dass sie mit keinem geringeren Gegenstand als dem Sohn selbst zufrieden gestellt wird.

Dann wird uns die Herrlichkeit des Sohnes von einer anderen Seite aus gezeigt, nämlich durch seine Werke und Wunder. Er war es, der das Wasser in Wein verwandelt, den Sohn des reichen Mannes geheilt und den Mann am Teich gesund gemacht hat. Das waren Werke, die in Verbindung mit dem Segen für den Menschen auf der Erde standen. Doch es gab größere Werke, die der Vater für den Sohn vorgesehen hatte, die über den Tod hinausgingen und die das ewige Leben betrafen.

Verse 21–23: Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.

Der Herr fährt fort und zeigt, was größere Werke sind: wenn Er jemanden auferweckt und lebendig macht – und wenn Er Gericht übt. Diese größeren Werke betreffen alle Menschen, ob gläubig oder ungläubig. Die Gläubigen werden auferweckt und lebendig gemacht, dagegen werden die Ungläubigen und die Feinde, wie die Juden, zu denen der Herr hier sprach, durch Ihn gerichtet werden. Doch Gericht ist ein fremdes Werk für Ihn (Jes 28,21).

Wenn Er lebendig macht, gibt Er Leben: Leben, das dann für Gott lebt. In einem geistlichen Sinn ist der Gläubige bereits jetzt lebendig gemacht: Er war geistlich tot für Gott und ist nun „mitlebendig gemacht“ (Kol 2,13). Doch der Gläubige ist nicht nur hinsichtlich seiner Seele lebendig gemacht, sondern auch im Hinblick auf seinen sterblichen Leib: Dieser wird beim Kommen Christi vollkommen vom Tod erlöst werden und wird dann „Unsterblichkeit anziehen“ (Röm 8,11; 1. Kor 15,53). Der Ungläubige dagegen wird aus dem Tod auferstehen, aber von ihm heißt es nicht, dass er lebendig gemacht wird.

Menschen mögen es ablehnen, den Sohn zu ehren, weil Er dem Vater gleich ist. Doch einmal werden sie Ihn ehren müssen: wenn sie Ihm als ihrem Richter begegnen. Wenn sie

Ihn als Sohn ablehnen, entziehen sie sich dem Segen; wenn sie Ihm als Richter begegnen, ist ihr Verderben besiegelt. Es heißt hier: „damit alle den Sohn ehren“. Wer lebendig gemacht ist, freut sich, Ihn in der Kraft des neuen Lebens als Sohn Gottes anzuerkennen; doch wer Ihn ablehnt, wird im Gericht gezwungen werden, Ihn als Sohn Gottes anzuerkennen. Dann wird er nicht nur gerichtet werden, weil er den Sohn abgelehnt hat, sondern auch, weil er dadurch den Vater abgelehnt hat. „Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.“

Vers 24: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.

In den folgenden Versen unterscheidet der Herr nun zwischen dem moralischen und dem physischen Tod. Tod bedeutet Trennung: entweder die Trennung von Seele und Leib (wie bei dem physischen Tod) oder die Trennung zwischen Gott und der Seele (wie bei dem moralischen Tod). Von dem zuletzt genannten Tod spricht der Herr in diesen Versen. Er zeigt, wie solche, die in ihren Sünden und Vergehen für Gott tot sind, lebendig gemacht werden: Sie hören sein Wort und glauben dem Vater, der Ihn gesandt hat. Sie entgehen nicht nur dem Gericht, sondern sie haben Leben. Schon hier im Leben verlassen sie den Zustand, in dem sie tot für Gott sind, und treten ein in einen Zustand, in dem sie Gott leben. Sie sind „aus dem Tod in das Leben übergegangen“.

Verse 25–27: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben. Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst; und er hat ihm Gewalt gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist.

Jeder Mensch ist verantwortlich, zu hören und zu glauben. Doch hier geht es eher um das souveräne Handeln des Sohnes, der die moralisch Toten lebendig macht. So hören sie die Stimme des Sohnes Gottes und leben.

„Die Stimme des Sohnes Gottes“ zu hören, bedeutet nicht einfach, bestimmte Worte zu hören, die der Herr gesagt hat. Aus Apostelgeschichte 13,27 lernen wir, dass das Volk in Jerusalem jeden Sabbat die Aussprüche der Propheten hörte und doch die „Stimmen der Propheten“ nicht wirklich erkannte. Offenbar kann man Worte hören und die Stimme doch nicht verstehen. In 1. Korinther 14,10 lesen wir: „Es gibt vielleicht soundso viele Arten von Stimmen in der Welt, und keine Art ist ohne bestimmten Ton.“ Die Stimme meint die wahre Bedeutung der Worte – die Botschaft, die die Worte enthalten. Die Stimme des Sohnes Gottes ist also die Offenbarung Gottes in Liebe, die dem Menschen gegenüber in souveräner Gnade handelt.

Die Stimme macht das Besondere und Eigentümliche der Aussagen einer Person aus. Die Propheten des Alten Testaments hatten eine solche Stimme: Es war das, was ihr besonderes Zeugnis kennzeichnete. Johannes der Täufer spricht von sich selbst als von einer Stimme: Das war das, was seine ganz besondere Bedeutung in seinem Zeugnis hatte. Aber auch die Stimme des Sohnes Gottes ist einzigartig und besonders: Die Schafe hören seine Stimme (Kap. 10,3).

Da, wo die Stimme des Sohnes Gottes gehört wird, zeigt sich Leben. „Die sie gehört haben, werden leben“: Sie verlassen den Zustand des Todes und gehen ein in das Leben, wo man Gott kennt.

Der Sohn des Menschen hat darüber hinaus Gewalt, Gericht auszuüben. Die Menschen lehnten Christus als Sohn Gottes ab und suchten, Ihn als Sohn des Menschen zu töten. Doch die, die Ihn verwerfen, werden Ihn einmal ehren müssen: sowohl als Sohn Gottes als auch als Sohn des Menschen. Dafür wird Gott sorgen – durch Gericht. Dieses Gericht wird Christus ausführen: als Sohn Gottes (V. 22) und als Sohn des Menschen (V. 27).

Verse 28.29: Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.

In den Versen 24 bis 27 erfahren wir, welche Auswirkung es hat, die Stimme des Sohnes Gottes zu hören: Es führt zum Leben. In den Versen 28 und 29 ändern sich Wesen und Wirkung der Stimme. Nun hat die Stimme eine echte physische Wirkung, indem die Toten aus ihren Gräbern auferstehen. Jemand hat einmal gesagt: „Bei Gott kommt das Moralische vor dem Physischen.“ In Vers 25 ist von Gläubigen die Rede: „Die sie gehört haben, werden leben“; in Vers 28 dagegen, wo Gläubige und Ungläubige zusammen gesehen werden, wird nichts von Leben gesagt, sondern nur, dass die, die „seine Stimme hören ... hervorkommen werden“.

Es gibt zwei Auferstehungen: die Auferstehung des Lebens und die Auferstehung des Gerichts. An welcher Auferstehung wir teilhaben werden, wird hier von dem moralischen Lebensprinzip abhängig gemacht, davon, ob wir Gutes oder Böses getan haben. Hier geht es nicht um Glauben oder Unglauben, wiewohl ohne Glauben an Gott kein Mensch Gutes tun kann. Das, was Gott als „Gutes tun“ bezeichnet, entspricht nicht unbedingt dem, was sich die Menschen unter „gute Werke“ vorstellen. Doch wo Leben ist, zeigt es sich im „Gutes tun“.

Beides, Leben und Gericht, macht eine Auferstehung notwendig. Wenn Leben in dem ihm entsprechenden Bereich gesehen und genossen werden soll, muss der Körper vom Tod auferstehen. Aber die Menschen müssen ebenfalls auferstehen, um gerichtet zu werden. Die Auferstehung ist notwendig, damit die Herrlichkeit Christi zur Darstellung kommt.

Die verschiedenen Zeugnisse der Herrlichkeit Christi

Johannes 5,30–47

Verse 30–31: Ich kann nichts von mir selbst aus tun; so, wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis nicht wahr.

Von diesen Versen an stellt uns der Herr unterschiedliche Zeugnisse von der Herrlichkeit seiner Person vor. Diese Zeugnisse lassen diejenigen, die Christus verworfen haben, ohne Entschuldigung. Zunächst gibt Er Zeugnis über sich selbst. Es ist nicht das Zeugnis eines Menschen, der nach seinen eigenen Gedanken spricht oder handelt, oder das eines Menschen, der seinen eigenen Willen tut. Es ist das Zeugnis dessen, der den Platz eines vollkommen abhängigen Menschen eingenommen hat. In Übereinstimmung mit diesem Platz kann Er nichts aus sich selbst tun. Hinter seinem Zeugnis steht das verborgene, unsichtbare Leben in Gemeinschaft mit und in Abhängigkeit von dem Vater. Deshalb kann Er sagen: „So, wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ Sein Urteil ist gerecht: Zum einen wird es nicht durch das gebildet, was Er von Menschen hört; zum anderen ist es nicht durch den eigenen Willen verzerrt. Unser Urteil ist oft mangelhaft, weil unsere Gedanken durch andere Menschen beeinflusst werden und weil wir nicht frei von unserem eigenen Willen sind.

Doch selbst wenn das Zeugnis des Herrn vollkommen ist, nach dem Gesetz ist es als solches nicht gültig. Nach dem Gesetz gilt nur das übereinstimmende Zeugnis von zwei Menschen. Jemand hat gesagt: „Das Zeugnis eines Menschen kann wahr sein – sogar absolut wahr sein, genauso wahr wie das von zwei Menschen. Doch für andere ist es nicht gleich wahr, weil das einzelne Zeugnis eine Bestätigung benötigt.“ Obwohl das Urteil des Herrn gerecht und seine Motive rein sind, verlangt Er nicht von anderen, dass sie nur aufgrund seines eigenen Zeugnisses an Ihn glauben. Deshalb stellt Er uns nun der Reihe nach vier weitere Zeugen vor:

  1. das Zeugnis Johannes des Täufers (V. 32–35),
  2. das Zeugnis seiner Werke (V. 36),
  3. das Zeugnis des Vaters selbst (V. 37–38) und
  4. das Zeugnis der Schriften (V. 39–47).

Verse 32–35: Ein anderer ist es, der von mir zeugt, und ich weiß, dass das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt. Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat der Wahrheit Zeugnis gegeben. Ich aber nehme kein Zeugnis von einem Menschen an, sondern dies sage ich, damit ihr errettet werdet. Er war die brennende und scheinende Lampe; ihr aber wolltet für eine Zeit in seinem Licht fröhlich sein.

Johannes der Täufer gab Zeugnis von Christus und der Wahrheit, und sein Zeugnis war wahr. Der Herr brauchte kein Zeugnis von Menschen, aber um den Juden in Gnade zu begegnen und sie zu retten, weist der Herr sie auf das Zeugnis Johannes des Täufers hin. Johannes war zu dieser Zeit eine „brennende und scheinende Lampe“ inmitten der Dunkelheit, die dem Kommen Christi vorausging. In seinem Licht wollten die Menschen eine Zeit lang fröhlich sein, denn er galt als ein „Prophet“ (Lk 20,6).

Vers 36: Ich aber habe das Zeugnis, das größer ist als das des Johannes; denn die Werke, die der Vater mir gegeben hat, damit ich sie vollbringe, die Werke selbst, die ich tue, zeugen von mir, dass der Vater mich gesandt hat.

Es gab jedoch noch ein größeres Zeugnis als das von Johannes: Die Werke, die der Vater Ihm zu tun gegeben hatte (die großen Zeichen des Johannesevangeliums). Sie waren die Vollendung der Werke des Vaters (vgl. V. 17) und sie gaben Zeugnis von der Herrlichkeit seiner Person. Sie zeugten von Ihm als dem, der vom Vater gesandt worden war.

Verse 37–38: Und der Vater, der mich gesandt hat, er hat Zeugnis von mir gegeben. Ihr habt weder jemals seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen, und sein Wort habt ihr nicht bleibend in euch; denn dem, den er gesandt hat, diesem glaubt ihr nicht.

Dann lesen wir, dass der Vater selbst Zeugnis gibt von der Herrlichkeit seiner Person. Bei der Taufe hatte die Stimme aus dem Himmel gesagt: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Dieses Zeugnis blieb ohne Einfluss auf seine Gegner. Der Vater hatte zwar gesprochen, doch sie hatten die Stimme nicht gehört, denn für sie war es wie ein Donnern. Offenbar hatte sein Wort keinen bleibenden Platz in ihren Herzen, da sie dem nicht glaubten, den Er gesandt hatte.

Verse 39,40: Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen; und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt.

Schließlich gab es noch das Zeugnis der Schriften. Die Juden rühmten sich ihrer und dachten, darin Leben und Segen zu finden. Sie taten natürlich gut daran, die Schriften zu untersuchen – denn diese sprachen von Christus. Doch obwohl sie sich in die Schriften vertieften, fanden sie nicht den, von dem die Schriften sprechen und in dem allein Leben und Segen gefunden werden kann. Der Herr sagt nicht: „Ihr könnt nicht zu mir kommen“, sondern: „Ihr wollt nicht zu mir kommen.“ Der Mensch ist tot in Sünden und Übertretungen und kann nicht kommen; genau so wahr ist, dass er in der Sünde lebt und deshalb nicht kommen will.

Verse 41.42: Ich nehme keine Ehre von Menschen an; sondern ich kenne euch, dass ihr die Liebe Gottes nicht in euch habt.

Der Herr lud Menschen ein, zu Ihm zu kommen. Er tat das nicht, um von den Menschen geehrt zu werden, sondern Er wollte, dass die Menschen Segen von Gott empfingen. Doch die Menschen wollten nicht zu Christus kommen, und das machte ihren Zustand offenbar. Es war der Beweis, dass die Liebe Gottes ihnen nichts bedeutete; sie hatte keinen Platz in ihren Herzen.

Vers 43: Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht auf; wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen.

Der Herr war im Namen des Vaters gekommen und stellte die Liebe vor, die im Herzen des Vaters war. Doch die Menschen lehnten Christus ab. Sie lehnten sein Zeugnis ab, das die Liebe des Vaters offenbarte, aber auch das Böse und ihre Eigenliebe aufs Äußerste verurteilte. Diese Ablehnung Christi wird sie einmal dem schrecklichen Einfluss des Antichristen, der in seinem Namen kommen wird, ausliefern. Der Antichrist wird dann das Verlangen des Menschen nach Größe, Macht und Ruhm befriedigen. Nach ihrem sündigen Zustand wird er mit keinem Wort fragen, und auch keine moralische Veränderung im Menschen verlangen: Er will nur, dass der Mensch ihm Macht und Herrlichkeit gibt. Dieser Mensch, der Antichrist, wird wie ihr eigenes Herz sein und deshalb werden sie ihn aufnehmen.

Vers 44: Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre, die von Gott allein ist, nicht sucht?

In ihrem eigenen schlechten moralischen Zustand konnten die Menschen nicht an Christus glauben und die Wahrheit empfangen. Sie suchten nach Ehre und Wertschätzung von ihren Mitmenschen, und das hinderte sie, sich zu demütigen. Sie mussten ihren wahren sündigen Zustand erkennen, dann erst konnten sie Segen und Ehre von Gott empfangen.

Verse 45–47: Meint nicht, dass ich euch bei dem Vater verklagen werde; da ist einer, der euch verklagt, Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. Denn wenn ihr Mose glaubtet, so würdet ihr mir glauben, denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

Die Juden bekannten sich zu Mose, doch der würde ihr Ankläger werden. Hätten sie wirklich und wahrhaft an Mose geglaubt, hätten sie auch an Christus geglaubt, denn dieser hatte von Christus geschrieben.

Der Herr schließt die Unterredung mit einem eindrucksvollen Zeugnis von der Wichtigkeit und dem Wert der Schriften Moses. Er weist der Form, in welcher die Mitteilungen Moses gegeben wurden, größeren Wert zu als der Form seiner eigenen Mitteilungen. Die Worte Moses waren schriftlich festgehalten, seine waren zu diesem Zeitpunkt nur mündlich. Die Schriften Moses und die Worte des Herrn hatten die gleiche göttliche Autorität, doch der dauerhafte Wert der durch Inspiration geschriebenen Worte ist größer als inspiriert gesprochene Worte.

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