Das Bild gesunder Worte
„Halte fest das Bild gesunder Worte.“ (2. Tim 1,13)

Kapitel 12: Die Entrückung und die Erscheinung

Der Herr Jesus kommt wieder. Dennoch glauben viele Christen nicht wirklich daran. Sie betrachten dies als eine verträumte, mystische Idee und denken, dass solche, die dies begeistert verkünden, Redewendungen für bare Münze halten.

Wenn wir daran glauben, dass der Herr einst hier auf der Erde war, warum sollte Er dann nicht noch einmal kommen? Was geschah denn, als Er vor 2000 Jahren zum ersten Mal kam? Er wurde verworfen und ermordet. Seine öffentliche Mission von dreieinhalb Jahren endete mit dem Tod (auch wenn dieser Tod für sein Volk die Erlösung bewirkte). Dann stand Er aus den Toten auf. Denkst du, die Geschichte ende an diesem Punkt, dass die Verwerfung des Schöpfers durch seine Welt und seine Geschöpfe das letzte Wort sein könne? Unter keinen Umständen! Wenn auch die Menschen Ihn in seiner Erniedrigung verachtet haben, so wird Er doch in Herrlichkeit, Macht und Autorität wiederkommen.

Dies ist keine Spekulation. Die Lehre über das zweite Kommen ist wie ein roter Faden in der Schrift, sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Einer der deutlichsten Verse steht in Apostelgeschichte 1,11: „Männer von Galiläa, was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.“ Diese Aussage klingt wie ein juristisches Dokument. Juristen drücken einen einfachen Sachverhalt oft umständlich aus, damit nichts fehlinterpretiert werden kann. Ebenso benutzt auch der Engel hier eine Fülle an Ausdrücken, um jeden Versuch zu vereiteln, der diese großeartige Tatsache umgehen oder mystifizieren will.

So wird der Herr Jesus wiederkommen – genau so, wie Er gegangen ist. Wie ist Er denn gegangen? Persönlich: Er wird persönlich wiederkommen. Als ein lebender Mensch: Er wird als tatsächlich lebender Mensch wiederkommen. Sichtbar: Er wird sichtbar wiederkommen. Von dieser Erde: Er wird auf diese Erde zurückkommen. Vom Ölberg: Er wird auf den Ölberg zurückkommen (Sach 14,4; Off 1,7).

Doch wenn ein aufmerksamer Leser alle Verse über das zweite Kommen des Herrn liest, findet er scheinbare Unstimmigkeiten in diesen Versen. Der Schlüssel, der dieses Geheimnis aufschließt, ist, dass es zwei Teile oder Etappen beim zweiten Kommen des Herrn gibt. Diese beiden Teile werden oft als Entrückung („Aufnahme“) und Erscheinung bezeichnet.

Lies bitte sorgfältig 1. Thessalonicher 4,13 bis 5,3. Du wirst bemerken, dass die gläubigen Thessalonicher beunruhigt waren, weil einige von ihnen verstorben waren. Sie befürchteten, dass diese toten Gläubigen die Herrlichkeit der Erscheinung und der Herrschaft Christi verpassen würden. Doch Paulus sagte ihnen, dass sie nicht besorgt sein sollten, denn so sicher, wie Christus gestorben und wieder auferstanden war, so sicher würde Gott auch alle diejenigen mit Jesus bringen, wenn Er kommt, um zu herrschen (V. 14). Dann erklärt Paulus, wie dies geschehen wird, wie die vorher schon in Christus Verstorbenen mit verherrlichten Körpern bei Christus gesehen werden, um an seiner herrlichen Erscheinung und an seinem Reich teilhaben zu können.

Diese Erklärung wird durch folgende Worte eingeleitet: „Dieses sagen wir euch im Wort des Herrn“, was andeutet, dass das, was dann folgt, vorher noch nicht bekannt war, sondern eine neue und unmittelbare Offenbarung von Gott war.

Nun lasst uns die Erklärung selbst ansehen: „Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf ... herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen [den soeben auferstandenen toten Gläubigen] entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein“ (1. Thes 4,13–18). Und 1. Korinther 15,51–54 nennt zwei weitere Tatsachen – die Toten werden unverweslich auferweckt, und wir, die wir zu diesem Zeitpunkt leben, werden verwandelt.

So wird der Herr selbst mit einem gewaltigen Zuruf aus dem Himmel in die Atmosphäre herabkommen (nicht auf die Erde). Sein Zuruf wird die toten Heiligen aufwecken (solche, die in Christus entschlafen sind) und sie in Körpern der Herrlichkeit entrücken (Phil 3,20.21). Wir, die wir zu diesem Zeitpunkt leben, werden eine ähnliche Verwandlung in einen verherrlichten Zustand erfahren. Dann werden die ehemals toten Gläubigen und auch wir, die lebenden Gläubigen, zusammen entrückt werden, um für immer bei dem Herrn zu sein. Oh, was für ein gesegneter Augenblick, die Vollendung unser lang gehegten Hoffnung!

All das geschieht in dem Bruchteil einer Sekunde, „in einem Augenblick“ (1. Kor 15,52). Die nicht erretteten Menschen in der Welt bleiben davon unberührt, abgesehen von dem Rätsel des plötzlichen Verschwindens Millionen Gläubiger. Doch die Stunde des Gerichtes Gottes über die nicht errettete Welt wird bald kommen. Daher unterscheiden die nächsten Verse nach der Beschreibung der Entrückung (z. B. 1. Thes 5,1–3) zwischen der soeben beschriebenen Entrückung und dem „Tag des Herrn“. Dieser Tag kommt nicht wie ein Bräutigam für seine Braut, sondern wie ein „Dieb in der Nacht“.

Als der Herr Jesus (in seiner Erniedrigung, Phil 2,5–8) wie ein Lamm zur Schlachtung geführt wurde, sagte Er zu seinen Feinden: „Dies ist eure Stunde und die Gewalt der Finsternis“ (Lk 22,53). Doch das Blatt wird sich einmal völlig wenden. Er wird auf diese Erde zurückkommen, nicht in Erniedrigung, sondern in Herrlichkeit; nicht als ein Lamm zur Schlachtung, sondern als der Löwe aus dem Stamm Juda; nicht allein, sondern mit „Zehntausenden seiner Heiligen“; nicht in Unterwerfung unter den Willen seiner Feinde, sondern um seine Feinde zum Schemel seiner Füße zu machen. Das wird der große und furchtbare Tag des Herrn sein.

„Der Tag des Herrn“ (1. Thes 5,2) ist nicht ein 24-Stunden-Tag, sondern ein Zeitabschnitt wie der „Tag der Errettung“, in dem wir gegenwärtig leben. Diese Zeit wird durch die völlige Vormachtstellung und Autorität des Herrn gekennzeichnet sein.

Die Propheten des Alten Testamentes haben oft von der Erscheinung gesprochen, weil sie der Höhepunkt der Wege Gottes mit Israel auf der Erde ist. Daher beginnt die Erscheinung des Herrn mit einem kurzen Gericht, um die Erde von offen Bösem zu reinigen, bevor die Herrlichkeit des 1000-jährigen Reiches der Regierung Christi erstrahlen kann. Das ist unmittelbar mit Israel und Jerusalem verbunden, wie Joel 2,1.2 und Amos 5,18 uns zeigen.

Doch zwischen der Entrückung und der Erscheinung müssen sich auf der Erde bestimmte schreckliche Dinge ereignen, wie wir es Matthäus 24, Markus 13 und Lukas 21 sehen. 2. Thessalonicher 2,3–12 zeigt, dass, bevor der Tag des Herrn kommt, zuerst „der Abfall“ kommen muss, und in Verbindung mit diesem Abfall wird der Mensch der Sünde offenbar, der allgemein als Antichrist bezeichnet wird. In ihm wird die Sünde ihren höchsten Ausdruck finden. Dann, wenn die Ungerechtigkeit des Menschen ihren Höhepunkt erreicht hat, wird Gott im Gericht schlagen.

Dann wird sich die älteste Prophezeihung durch einen Menschen (Henoch) erfüllen: „Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausende, Gericht auszuführen gegen alle“ (Judas 14.15).

Da die Entrückung etwa sieben Jahre vorher stattgefunden hat, werden die Heiligen unserer (und der vorherigen) Haushaltung während dieser Zeit bei dem Herrn im Himmel sein und Ihn daher auch begleiten, wenn die Himmel sich öffnen, um Ihn im „flammendem Feuer“ des Gerichtes zu offenbaren. Dann wird Er in „seinen Heiligen verherrlicht werden“ und „bewundert werden in allen, die geglaubt haben“ (2. Thes 1,7–10). Siehe dazu auch Kolosser 3,4. Bis dahin ist es unsere Aufgabe, „dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten“ (1. Thes 1,9.10).

Es mag dennoch Christen geben, die immer noch argumentieren, die Entrückung sei lediglich eine schöne und poetische Art, über den Tod eines Gläubigen zu sprechen, und die Erscheinung sei einfach das allgemeinen bekannte „Ende der Welt“. Doch der Tod eines Christen wird als ein Abscheiden von dieser Welt beschrieben, um bei Christus zu sein (Phil 1,23). Bei unserem Tod gehen wir zu Ihm, doch dann wird Er für uns kommen. So wird, wenn ein Heiliger stirbt und zum Herrn geht, sein Körper in ein Grab gelegt.

Wenn Christus für seine Heiligen kommen wird, wird Er ihre Körper aus den Gräbern herausnehmen und sie in nie sterbende Körper der Herrlichkeit verwandeln (Phil 3,21). Somit ist das Kommen des Herrn für seine Heiligen (die Entrückung) nicht der Tod, sondern die Errettung des Volkes Gottes von der letzten Spur des Todes. Es ist „die Erlösung unseres Leibes“ (Röm 8,23).

Auch ist die Erscheinung Christi mit seinen Heiligen nicht das „Ende der Welt“ – das Ende der Himmel und der Erde, so wie wir sie kennen. Offenbarung 19 spricht über die Erscheinung des Herrn in Herrlichkeit. Kapitel 20 zeigt uns das Ergebnis: Satan wird gebunden, und 1.000 Jahre großen Segens werden für diese müde alte Erde folgen. Danach kommt das Ende, und dann wird Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen (Off 21).

Manchmal wird die Frage gestellt, ob wir die Entrückung nicht als das zweite Kommen des Herrn bezeichnen sollten und seine Erscheinung als sein drittes Kommen. Doch so spricht die Schrift nicht davon. Oft wird sein Kommen auf eine allgemeine Weise erwähnt, ohne dass konkret auf eines der beiden Ereignisse Bezug genommen wird. Somit sind die Entrückung und die Erscheinung einfach zwei Bestandteile des „Kommens“ Christi. Bei dem Wiederkommen Christi werden wir zuerst in die Luft aufgenommen, um Ihm zu begegnen, und nach einer kurzen Zeit der notwendigen Vorbereitung sowohl im Himmel als auch auf der Erde werden wir mit Ihm zurückkehren, um an seinem herrlichen Reich teilzuhaben.

Wir können heute viele Anzeichen erkennen, dass die Erscheinung des Herrn nahe bevorsteht, wie es in solchen Schriftstellen wie Matthäus 24, 2. Thessalonicher 2 und 2. Timotheus 3 beschrieben wird. Der zunehmende Strom des Abfalls in der Christenheit (das Aufgeben der Wahrheit Gottes), die zunehmende Verbreitung falscher Propheten, die viele verführen, die wiederentstandene israelische Nation 1948 als eigenständiges Land, die jüdische Kontrolle über Jerusalem (der Feigenbaum, der Blätter hervortreibt, Mt 24,32), die ökumenische Bewegung, die Europäische Union mit ihrer einheitlichen Währung, dem Euro, in Westeuropa – das sind einige der Zeichen, die uns das herannahende Ende dieses Zeitalters zeigen.

Doch es gibt keine Zeichen, die der Entrückung vorangehen. Es ist ein Ereignis, das außerhalb der Zeitrechnung liegt, die zu dieser Erde gehört. Es wartet nichts mehr auf seine Erfüllung, bevor Christus für seine Heiligen kommt. Er kann jeden Augenblick kommen! [Da die Entrückung mehr als sieben Jahre vor der Erscheinung stattfindet und wir schon jetzt Anzeichen für die nahe bevorstehende Erscheinung erkennen können, wie nah muss dann die Entrückung liegen, Hrsg.].

Viele Gläubigen denken, die Welt müsse erst zu Gott bekehrt werden, bevor der Herr überhaupt für seine Heiligen kommen könne. Nirgendwo deutet die Bibel auch nur an, dass die ganze Welt durch die Verkündigung des Evangeliums bekehrt wird! Das Evangelium wird auf Befehl Gottes verkündigt, damit ein Volk für seinen Namen aus den Nationen gesammelt wird (Apg 15,14).

Die ganze Welt wird durch diese Verkündigung nicht bekehrt werden, sondern sie wird vielmehr gereinigt durch Gericht, das die bösen Arbeiter beseitigen und die Welt Gott unterwerfen wird. „Wenn deine Gerichte [nicht dein Evangelium] die Erde treffen, so lernen Gerechtigkeit die Bewohner des Erdkreises“ (Jes 26,9b).

Eine oft gestellte Frage lautet, ob alle Christen bei der Entrückung aufgenommen werden. Die Antwort lautet: Ja! Als Illustration halte einen starken Magneten über Eisenspäne, die mit Sand vermischt sind. Das Eisen wird angezogen, der Sand bleibt zurück. Aber Christen sind viel mehr als nur Eisenspäne. Durch den Heiligen Geist stehen sie in einer lebendigen Verbindung zueinander. Sie bilden eine Herde, eine Familie, einen Leib. Wenn der Herr Jesus kommt, wird Er seine Versammlung als eine lebende Einheit mitnehmen, als seinen Leib und seine Braut. Es werden keine verstümmelten Fragmente zurückbleiben.

Die Vorstellung, dass einige zurückbleiben könnten, stammt aus zwei Quellen. Erstens behaupten einige falsche Lehrer, dass nur lebendige, treue und wachende Christen aufgenommen würden. Ihre vermeintliche „Treue“ zeigt sich in der Annahme der Belehrungen solcher verkehrten Lehrer! Dies braucht nicht weiter kommentiert zu werden. Zweitens haben wahre Christen Hebräer 9,28 gelesen: „So wird auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Mal denen, die ihn erwarten, ohne Sünde erscheinen zur Errettung.“ Sie denken, dass nur wachende Gläubige bei der Entrückung aufgenommen würden.

Aber kannst du einen echten Christen finden, der nicht auf Christus wartet? Einige mögen nichts über die Entrückung wissen, dennoch halten sie nach Christus Ausschau. Er ist die Hoffnung ihrer Herzen, auch wenn sie nicht wissen, wie diese Hoffnung erfüllt wird. Tatsächlich entspricht der Ausdruck „die Ihn erwarten“ dem Ausdruck „denen, die Gott lieben“ (Röm 8,28): In beiden Fällen sind mit diesem biblischen Ausdruck einfach die Gläubigen gemeint. Wenn jemand Gott nicht liebt oder nach Christus Ausschau hält, kann er nicht ein Christ genannt werden. [Der oben zitierte Vers spricht von der Entrückung, auch wenn das Wort „erscheinen“ verwendet wird. Hier erscheint Christus nur für Gläubige; wenn Er erscheint, um zu regieren, wird jedes Auge Ihn sehen (Off 1,7), Hrsg.].

Viele Gläubige meinen, das zweite Kommen sei nur eine spekulative Wahrheit, die nicht betont werden sollte. Das ist nicht wahr! Sie ist nicht spekulativer als die Wahrheit, die Noah von Gott gegeben wurde in Bezug auf die kommende Flut, oder als die Prophezeiungen an Israel über das erste Kommen ihres Messias. Schwierigkeiten können lediglich zu Detailfragen aufkommen, über welche die Schrift schweigt. Aber die Grundzüge dieser Wahrheit stehen klar und deutlich in der Schrift, und das Ereignis ist sicher.

Tatsächlich sollte die Wahrheit von der Entrückung betont werden, denn das Ereignis steht nahe bevor. Törichte und unschriftgemäße Versuche wurden angestellt, um ein genaues Datum zu fixieren, und ernsthafte Christen haben törichterweise eine überspannte Sprache verwendet, die den Eindruck erweckt hat, dass die Entrückung nicht mehr als ein oder zwei Jahre entfernt sei. Doch diese Jahre vergingen. Infolgedessen sind viele, die auf diese überzogenen Behauptungen gehört haben, skeptisch gegenüber der gesamten Sache geworden. Doch die Wahrheit über sein nahe bevorstehendes Wiederkommen bleibt bestehen. Alles, sowohl in der Versammlung als auch in der Welt, weist auf das Ende dieses Zeitalters hin. Daher sollten wir unsere Köpfe erheben und Ihn erwarten [während wir zugleich keine der Aufgaben vernachlässigen sollten, die Er uns gegeben hat, Hrsg.].

Vor einigen Tagen sah ich im Haus eines Freundes ein Schild, welches lautete: „Vielleicht heute“. Ich wusste, was das bedeutete. Das ist die richtige Haltung. Da sein Kommen mit Sicherheit nahe ist, sollten wir jeden Morgen mit dem Gedanken aufstehen, dass Er vielleicht heute kommt. Mögen wir uns selbst auf diese Weise zur Heiligkeit vor Ihm reinigen, sodass unsere bedingungslose Antwort glücklich lautet: „Amen, komm, Herr Jesus.“

« Vorheriges Kapitel