Das Manna in der Wüste
Gedanken zu 2. Mose 16

Verse 22–30: Das Manna und der Sabbat

„Und es geschah am sechsten Tag, da sammelten sie das Doppelte an Brot, zwei Gomer für jeden; und alle Fürsten der Gemeinde kamen und berichteten es Mose. Und er sprach zu ihnen: Dies ist es, was der Herr geredet hat: Morgen ist Ruhe, ein heiliger Sabbat dem Herrn; was ihr backen wollt, backt, und was ihr kochen wollt, kocht. Alles aber, was übrig bleibt, legt euch hin zur Aufbewahrung bis zum Morgen. Und sie legten es hin bis zum Morgen, so wie Mose geboten hatte; und es stank nicht, und es war kein Wurm darin. Da sprach Mose: Esst es heute, denn heute ist Sabbat dem Herrn; ihr werdet es heute auf dem Feld nicht finden. Sechs Tage sollt ihr es sammeln; aber am siebten Tag ist Sabbat, an dem wird es nicht da sein. Und es geschah am siebten Tag, dass einige vom Volk hinausgingen, um zu sammeln, und sie fanden nichts. Und der Herr sprach zu Mose: Bis wann weigert ihr euch, meine Gebote und meine Gesetze zu halten? Seht, weil der Herr euch den Sabbat gegeben hat, darum gibt er euch am sechsten Tag Brot für zwei Tage; bleibt jeder an seiner Stelle, niemand gehe am siebten Tag von seinem Ort weg. Und das Volk ruhte am siebten Tag“.

Es fällt auf, dass Gott in Verbindung mit dem Manna zum ersten Mal konkret über den Sabbat spricht und ihn mit Namen nennt. Der Sabbat war im jüdischen Kalender der siebte und letzte Tag der Woche und sollte ein heiliger Tag sein (vgl. z. B. 2. Mo 20,10.11). Bereits im Schöpfungsbericht ist vom siebten Tag die Rede (ohne ihn dort „Sabbat“ zu nennen): „Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte“ (1. Mo 2,3). Danach wird der Sabbat während der Zeit der Patriarchen nicht mehr erwähnt. Jetzt spricht Gott wieder darüber und bestätigt, dass der Sabbat heilig sein sollte, d. h. dieser Tag gehörte nicht den Kindern Israel, sondern dem Herrn. An diesem Tag würden sie kein Manna finden. Stattdessen sollten sie am sechsten Tag die doppelte Menge sammeln.

Der Sabbat ist keineswegs mit dem christlichen Sonntag, dem „Tag des Herrn“ (Off 1,10) zu verwechseln. Zwar gehört auch der Sonntag unserem Herrn (wörtlich: „der dem Herrn gehörende Tag“1), dennoch trägt er einen völlig anderen Charakter als der Sabbat. Der Sonntag ist nicht der siebte Tag der Woche, sondern „der erste Tag der Woche“ (vgl. Mk 16,2; Joh 20,1; Apg 20,7). Er ist der Tag des Sieges und der Auferstehung des Herrn, der Tag, mit dem etwas völlig Neues eingeleitet wird.

Das Hauptmerkmal des Sabbats ist, dass er ein Ruhetag nach getaner Arbeit ist. Gott hatte alles geschaffen und ruhte am siebten Tag von seinem Werk. Diese Ruhe Gottes wurde allerdings durch die Sünde jäh unterbrochen. Gott ruht jetzt nicht und der Herr ruht nicht. Er sagt selbst in Johannes 5,17: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke“. Dennoch hat Gott seinen Gedanken der Ruhe nie aufgegeben. Deshalb spricht der Sabbat vorausblickend von der zukünftigen Ruhe, wenn das Werk Gottes mit dieser Erde vollendet sein wird. Das macht der Hebräerbrief in Kapitel 4,3–11 deutlich. Christus allein wird diese Ruhe bringen, und es ist Glaube nötig, um in diese Ruhe einzugehen.

Der Sonntag ist kennzeichnend für die christliche Haushaltung, während der Sabbat kennzeichnend für die jüdische Haushaltung ist. Der Sonntag spricht von der neuen Schöpfung. Mit dem Sabbat beginnt nichts Neues, sondern es wird etwas abgeschlossen – nämlich das Werk Gottes. Der Sabbat ist ein Bild der ewigen Ruhe Gottes, jedoch einer Ruhe, die nach der Arbeit folgt.

Der Sabbat war – ebenso wie das Manna – eine Gabe Gottes (Vers 29). Gott macht deutlich, dass Er sein Volk an seiner Ruhe teilhaben lassen wollte. Der Text sagt ausdrücklich, dass das Volk am siebten Tag ruhte (Vers 30). Deshalb sollten sie am Tag vorher doppelt so viel einsammeln. Auf diese Weise wurden sie daran erinnert, dass die Wüstenreise einmal ein Ende haben würde und sie dann im Land zur Ruhe kommen sollten. Dann würde es kein Manna mehr geben. Wie so oft haben die Menschen durch ihre Sünde den Absichten Gottes entgegengestanden. So wie es in der ersten Schöpfung war, so auch hier. Hebräer 4,6 spricht von dem Ungehorsam des Volkes und der eigenen Sünde, die verhinderten, dass Josua sie in diese Ruhe bringen konnte. Das wird in 2. Mose 16 durch diejenigen angedeutet, die sich nicht an die Vorschrift hielten, und trotzdem am Sabbat Manna aufsammeln wollten. Gott zürnte darüber, denn die Sünde verletzt und unterbricht die Ruhe Gottes.

Dennoch verfolgt Gott seinen Plan und wird ihn einmal zustande bringen. Der Hebräerbrief sagt sehr klar: „Also bleibt eine Sabbatruhe dem Volk Gottes übrig“ (Heb 4,9). Auf der Grundlage des Werkes vom Kreuz wird diese Ruhe einmal kommen. Mit dieser Ruhe ist nicht die Ruhe des Gewissens gemeint (vgl. Mt 11,28), sondern es geht um die ewige Ruhe Gottes, die noch zukünftig ist und an der wir als sein Volk teilhaben werden. Diese Ruhe ist „übrig“, d. h. sie ist zukünftig. Israel konnte wegen des Unglaubens nicht in die Ruhe eingehen, doch wir werden es einmal tun. Im Tausendjährigen Reich wird dann auch Israel in einem gewissen Maß in diese Ruhe eingehen (vgl. z. B. Jes 32,17), dennoch liegt die eigentliche Bedeutung darin, dass wir einmal diese Ruhe Gottes teilen werden, wenn wir in der Ewigkeit (nach der Zeit) bei Ihm sind.

Heute sind wir noch in der Wüste und brauchen das Manna, um für unseren Weg gestärkt zu werden. Doch der Tag wird kommen, an dem die Wüstenreise zu Ende gehen wird. Dann werden alle Prüfungen und Schwierigkeiten ein Ende finden. Dann wird es keine Mühe und keine Arbeit mehr geben, sondern wunderbare Ruhe in der Gegenwart Gottes. Wohl wird uns der Herr Jesus dann immer noch beschäftigen, und wir werden Ihn ungestört genießen, aber es wird nicht mehr ein „Sammeln“ geben, das uns in irgendeiner Form unter Verantwortung stellt. E. Dennet schreibt dazu: „Auch in der Ewigkeit wird Christus unsere Nahrung sein. Wir können sagen, dass unser Genuss dieser Ruhe darin bestehen wird, dass wir volle Gemeinschaft mit Ihm im Hinblick auf seinen geliebten Sohn haben“.2

Fußnoten

  • 1 Der Sonntag als „Tag des Herrn“ ist nicht zu verwechseln mit dem „Tag des Herrn“, so wie wir ihn aus vielen Stellen im Alten Testament kennen (zuerst Jes 13,6) und wie er ebenfalls im Neuen Testament erwähnt wird (zuerst in Apg 2,20). Dieser „Tag des Herrn“ ist kein Tag von 24 Stunden, sondern eine Zeitperiode, die dadurch gekennzeichnet wird, dass der Herr Jesus auf dieser Erde als Herr öffentliche Anerkennung finden wird und man seine Rechte achtet. Wenn es um den Sonntag geht, ist das anders. Dieser Tag hat tatsächlich 24 Stunden, und er gehört dem Herrn.
  • 2 E. Dennet, Typical Teachings of Exodus
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