Das Manna in der Wüste
Gedanken zu 2. Mose 16

Verse 4–12: Gottes Antwort auf das Murren des Volkes

„Da sprach der Herr zu Mose: Siehe, ich werde euch Brot vom Himmel regnen lassen; und das Volk soll hinausgehen und den täglichen Bedarf an jedem Tag sammeln, damit ich es prüfe, ob es in meinem Gesetz wandeln wird oder nicht. Und es soll geschehen, am sechsten Tag, da sollen sie zubereiten, was sie einbringen, und es wird das Doppelte von dem sein, was sie tagtäglich sammeln werden. Und Mose und Aaron sprachen zu allen Kindern Israel: Am Abend, da werdet ihr erkennen, dass der Herr euch aus dem Land Ägypten herausgeführt hat; und am Morgen, da werdet ihr die Herrlichkeit des Herrn sehen, weil er euer Murren gegen den Herrn gehört hat; denn was sind wir, dass ihr gegen uns murrt! Und Mose sprach: Dadurch werdet ihr es erkennen, dass der Herr euch am Abend Fleisch zu essen geben wird und am Morgen Brot bis zur Sättigung, weil der Herr euer Murren gehört hat, womit ihr gegen ihn murrt. Denn was sind wir? Nicht gegen uns ist euer Murren, sondern gegen den Herrn. Und Mose sprach zu Aaron: Sprich zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israel: Naht herzu vor dem Herrn, denn er hat euer Murren gehört. Und es geschah, als Aaron zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israel redete, da wandten sie sich zur Wüste; und siehe, die Herrlichkeit des Herrn erschien in der Wolke. Und der Herr redete zu Mose und sprach: Ich habe das Murren der Kinder Israel gehört, rede zu ihnen und sprich: Zwischen den zwei Abenden werdet ihr Fleisch essen, und am Morgen werdet ihr von Brot satt werden; und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin“.

Gottes Antwort in Gnade

Gott hatte alles gehört und registriert. Doch Er antwortet auf den traurigen Zustand des Volkes in souveräner Gnade. Auf der Seite des Volkes waren nur Klagen und Unzufriedenheit, bei Gott hingegen nur Gnade und Güte. Er macht dem Volk keinen unmittelbaren Vorwurf und tadelt es nicht. Er stellt nur fest, was geschehen war. Vor dem dunklen Hintergrund des Murrens scheint die göttliche Gnade umso heller. Er lässt nicht im gerechten Zorn „Feuer und Schwefel regnen“, sondern Er kündigt Brot vom Himmel an, das Er regnen lassen würde. Das ist wahre Gnade – völlig unverdient. Gottes erstes Wort lautet: „Siehe“. Er richtet die Aufmerksamkeit des Volkes damit auf etwas ganz Besonderes.

Gott benutzte den Mangel des Volkes, um es umso reichlicher zu segnen. Er wollte sich in der Mitte des Volkes verherrlichen. Es war ja sein Plan, sie Hunger spüren zu lassen. Er nahm ihnen ganz bewusst das, worauf sie natürlicherweise hätten vertrauen können. Sie sollten durch Erfahrung lernen, dass sie ganz auf Ihn angewiesen waren. Sie sollten ihren Mangel fühlen, um seine Antwort wirklich annehmen und wertschätzen zu können. So geht es uns ebenfalls manchmal. Es ist wichtig, dass wir in der Wüste die Abhängigkeit vom Herrn spüren. Er will unsere Sehnsucht nach den „Fleischtöpfen Ägyptens“ wegnehmen, um uns etwas anderes wertschätzen zu lassen, nämlich das Manna, das – wie wir sehen werden – von der Person des Herrn Jesus spricht. Mose sagte später im Rückblick: „Und er demütigte dich und ließ dich hungern; und er speiste dich mit dem Man, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht kannten, um dir kundzutun, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Mund des Herrn hervorgeht“ (5. Mo 8,3). Wenn wir uns nach der Welt sehnen und dort Befriedigung suchen, lässt Gott uns spüren, wie leer das Herz bleibt. Das demütigt uns, ist jedoch heilsam, weil wir dann umso empfänglicher für die Speise sind, die Gott uns geben möchte. Es ist nämlich unmöglich, sich von dem zu nähren, was die Welt bietet und gleichzeitig die Speise zu genießen, die Gott uns gibt. Das eine schließt das andere aus.

Das Manna wird angekündigt

Gott kündigt nun eine Speise vom Himmel an, die Er selbst geben würde. In Ägypten war diese Speise unbekannt. Das Manna ist einerseits ein allgemeiner Hinweis auf das Wort Gottes. Wir haben uns bereits an 5. Mose 8,3 erinnert, wo Mose das Manna mit dem Hinweis in Verbindung bringt, dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Mund des Herrn hervorgeht. Doch es ist mehr: das Neue Testament macht eindeutig klar, dass das Manna anderseits von dem spricht, der das große Thema des Wortes Gottes ist, nämlich von dem Herrn Jesus selbst. Er ist die geistliche Speise, die wir während der Reise durch die Wüste an jedem Tag nötig haben. Das Wort Gottes ist untrennbar mit der Person des Herrn Jesus verbunden und macht uns seine Person groß.

In Johannes 6 greift der Herr Jesus das Thema „Brot vom Himmel“ auf. Siebenmal lesen wir davon, und es steht außer Frage, dass damit der Herr Jesus selbst gemeint ist. Er sagt selbst: „Denn das Brot Gottes ist der, der aus dem Himmel herabkommt und der Welt das Leben gibt“ (Joh 6,33). Die Juden verstanden das sehr wohl. Ihre Reaktion zeigt das deutlich: „Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist“ (Joh 6,41).

Wer das sechste Kapitel des Johannesevangeliums aufmerksam liest, stellt fest, dass der Herr Jesus von einem zweifachen Essen spricht. Das müssen wir gut unterscheiden. Zum einen geht es darum, Ihn als das Brot des Lebens anzunehmen. Das ist ein einmaliger Vorgang. Zum anderen geht es darum, dass wir uns dauerhaft von Ihm nähren:

  • Das einmalige Essen: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nicht hungern“ (Joh 6,35). „Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch“ (Joh 6,51). Hier sehen wir, dass der Sünder Jesus im Glauben annehmen muss, um ewiges Leben zu bekommen. Dieses „Essen“ ist eine einmalige und abgeschlossene Handlung, die nicht wiederholt wird. Man kann Christus nur einmal im Glauben annehmen, um gerettet zu werden.
  • Das wiederholte Essen: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, ... denn mein Fleisch ist wahrhaftig Speise, und mein Blut ist wahrhaftig Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm“ (Joh 6,54–56). Hier haben wir eine andere Verbform als vorher. Es wird ein länger anhaltender Vorgang bzw. eine wiederholte Tätigkeit beschrieben. Das ist das ständige Nähren von Christus während des Lebens auf dieser Erde. Genau das wird im Manna bildlich vorgestellt.
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