Das Manna in der Wüste
Gedanken zu 2. Mose 16

Verse 14–21: Manna vom Himmel

„Und die Tauschicht stieg auf, und siehe, da lag es auf der Fläche der Wüste fein, körnig, fein, wie der Reif auf der Erde. Und die Kinder Israel sahen es und sprachen einer zum andern: Was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Und Mose sprach zu ihnen: Dies ist das Brot, das der Herr euch zur Nahrung gegeben hat. Dies ist das Wort, das der Herr geboten hat: Sammelt davon, jeder nach dem Maß seines Essens; einen Gomer für den Kopf, nach der Zahl eurer Seelen, sollt ihr nehmen, jeder für die, die in seinem Zelt sind. Und die Kinder Israel taten so und sammelten, der viel und der wenig. Und sie maßen mit dem Gomer: Da hatte, wer viel gesammelt hatte, nicht übrig, und wer wenig gesammelt hatte, dem mangelte nichts; sie hatten jeder nach dem Maß seines Essens gesammelt. Und Mose sprach zu ihnen: Niemand lasse etwas davon übrig bis zum Morgen. Aber sie hörten nicht auf Mose, und einige ließen etwas davon übrig bis zum Morgen; da wuchsen Würmer darin, und es wurde stinkend. Und Mose wurde zornig über sie. Und sie sammelten es Morgen für Morgen, jeder nach dem Maß seines Essens; und wenn die Sonne heiß wurde, zerschmolz es“.

Eine göttliche Beschreibung

Das Neue Testament nennt das Manna „das Brot Gottes“ (Joh 6,33). Wir sahen schon, dass es ein Bild des Wortes Gottes und vor allem des Herrn Jesus ist, der als das Brot Gottes vom Himmel kam und nun unsere Nahrung während unseres Lebens auf der Erde ist. Ohne jedem Detail eine geistliche Bedeutung zumessen zu wollen, liefert unser Kapitel eine Reihe von Hinweisen, die wir zu unserer Belehrung anwenden können:

a) Der Name

Die Kinder Israel fragten: Man hu? Das bedeutet: Was ist das? Daraus leitet sich der Name Man (= Manna) ab. Das Volk Israel hat dieses Manna 40 Jahre lang gegessen. Was immer in der Wüste passierte, ob sie unterwegs waren, lagerten oder kämpften, das Manna gab ihnen alles, was sie an Nährstoffen brauchten.

Gott gibt uns sein Wort als Nahrung für unseren inneren Menschen. In seinem Wort finden wir die Person seines Sohnes. Er ist das personifizierte Wort. Das Wort Gottes können wir nie von der Person des Herrn Jesus trennen. „Da sprach ich: Siehe, ich komme; in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben“ (Ps 40,8). „Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen“ (Joh 5,39). Beim Lesen der Bibel stellen wir ebenfalls staunend die Frage: „Was – oder wer – ist das?“ Obwohl wir uns täglich von Ihm nähren, werden wir das Geheimnis seiner Person nie ganz ergründen. Er sagt selbst: „Niemand erkennt, wer der Sohn ist, als nur der Vater“ (Lk 10,22).

b) Es regnete vom Himmel

Es ist völlig unmöglich, das Manna natürlich erklären zu wollen, obwohl bibelkritische Ausleger das immer wieder versucht haben.1 Es ist und bleibt ein Wunder Gottes. Das Manna kam vom Himmel, so wie später der Herr Jesus vom Himmel auf die Erde gekommen ist. Er sagt selbst: „... denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Joh 6,38; vgl. auch Joh 3,31; 1. Kor 15,47). Die Menschwerdung unseres Heilandes ist und bleibt ein Wunder, das man nicht erklären kann.

Das Manna „regnete“ vom Himmel. Der Regen ist an manchen Stellen ein Bild vom Gericht Gottes (z. B. 1. Mo 7,4; 2. Mo 9,18; Hes 38,22), während er an anderen Stellen von Segen spricht (z. B. 5. Mo 11,14; Hos 6,3; Mal 3,10). Hier ist es eindeutig ein Hinweis auf den Segen Gottes, der von oben kommt. Gott öffnete die „Fenster des Himmels“ und ließ dieses Himmelsbrot auf die Erde kommen, von dem das Volk sich sättigen konnte. „Und doch hatte er den Wolken oben geboten und die Türen des Himmels geöffnet und Manna auf sie regnen lassen, damit sie äßen, und ihnen Himmelsgetreide gegeben. Der Mensch aß Brot der Starken, Speise sandte er ihnen bis zur Sättigung“ (Ps 78,23–25).

c) Tau des Himmels

Das Manna stand in Verbindung mit dem Tau des Himmels (vgl. 4. Mo 11,9). Es fiel nicht direkt auf die staubige und trockene Erde, sondern auf den Tau. Der Tau ist das Köstlichste vom Himmel. „Gesegnet von dem Herrn sei sein Land – vom Köstlichsten des Himmels, vom Tau“ (5. Mo 33,13). Tau ist eine besondere Erscheinungsform des Wassers. Wasser wiederum spricht an manchen Stellen von dem Heiligen Geist, der das Wort Gottes anwendet, um uns mit dem Herrn Jesus zu beschäftigen (z. B. Joh 7,39). Wenn der Herr Jesus Speise für uns ist, dann nur in Verbindung mit dem Wort Gottes und unter der Leitung des Heiligen Geistes. Auf einem anderen Weg können wir von Ihm nicht lernen. Der Geist zeugt von Ihm (Joh 15,26) und verherrlicht Ihn (Joh 16,14). Dazu benutzt Er das Wort Gottes. Es geht nicht darum, was Menschen oder was wir selbst über Ihn denken, sondern entscheidend ist, was Gott über Ihn sagt. Das allein kann unsere Speise sein. Nur wenn wir uns mit dem Wort Gottes beschäftigen, können wir uns von Ihm nähren und so innerlich wachsen und stark werden.

d) Weiß, rund, körnig und rein

Das Manna wird mit diesen Attributen beschrieben. Sie weisen uns auf die Niedrigkeit und Reinheit des Menschen Jesus Christus auf dieser Erde hin. F. B. Hole schreibt Folgendes: „Indem der Herr vom Himmel kam und Mensch wurde, so dass Er sein Fleisch für das Leben der Welt geben konnte, hat sich der Sohn Gottes sehr klein gemacht und wurde in den Augen der Menschen für nichts geachtet. Mehr noch, das Manna war rund und nicht eckig oder gar uneben. Ebenso wurde in dem einst erniedrigten Christus hier auf der Erde eine Gleichmäßigkeit offenbar, die in jeder Einzelheit seines Lebens vollkommen dargestellt wurde“.2 Das Neue Testament legt großen Wert darauf, uns die völlige Sündlosigkeit des Herrn Jesus zu zeigen. Er kannte keine Sünde (2. Kor 5,21), Er tat keine Sünde (1. Pet 2,22) und Sünde ist nicht in Ihm (1. Joh 3,5). „Denn ein solcher Hoherpriester geziemte uns auch: heilig, unschuldig, unbefleckt, abgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden“ (Heb 7,26). Die Farbe Weiß könnte darüber hinaus darauf hinweisen, dass Er das Licht der Welt ist (Joh 1,4), derjenige, der die Herrlichkeit Gottes ausstrahlt (Mt 17,2; Heb 1,3).

e) Süß wie Kuchen mit Honig

Das Manna war süß wie Kuchen mit Honig und wird mit einem Koriandersamen – einem runden und aromatischen Samen – verglichen (vgl. 4. Mo 11,7). Der Samen erinnert uns zum einen an das lebendige und bleibende Wort Gottes (1. Pet 1,23), zum anderen ebenfalls an den Herrn Jesus selbst, der sich z. B. mit einem Weizenkorn vergleicht (Joh 12,24). Das Manna wird nicht mit einem Kristall verglichen, der zwar schön aussieht, aber tot ist. Gott vergleicht diese Speise mit einem Samen, der Leben hat. Christus hat Leben in sich selbst und Er kann Leben vermitteln.

Die Speise Gottes war süß, d. h. angenehm im Geschmack. Wenn wir uns von Christus ernähren, finden wir nicht nur Nahrung, sondern zugleich Freude. „Deine Worte waren vorhanden, und ich habe sie gegessen, und deine Worte waren mir zur Wonne und zur Freude meines Herzens“ (Jer 15,16). Die Braut im Lied der Lieder beschreibt ihren Bräutigam mit den Worten: „Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Geliebter inmitten der Söhne; ich habe mich mit Wonne in seinen Schatten gesetzt, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß“ (Hld 2,3). Die Beschäftigung mit unserem Herrn tut uns gut. „ ... sein Gaumen ist lauter Süßigkeit, und alles an ihm ist lieblich. Das ist mein Geliebter, und das mein Freund, ihr Töchter Jerusalems“ (Hld 5,16). David schreibt von den Worten Gottes: „ ... sie, die kostbarer sind als Gold und viel gediegenes Gold, und süßer als Honig und Honigseim (Ps 19,11; vgl. Ps 119,103; Hes 3,3). Doch nicht nur das. Der Vergleich mit Honig lässt uns daran denken, dass die Beschäftigung mit Christus uns einen klaren Blick und Einsicht gibt (vgl. 1. Sam 14,27–29) und wir gleichzeitig die nötige Kraft finden, um unseren Weg gehen zu können (vgl. Ri 14,8–18).

Das Manna essen

Das Manna lag auf der Erde, auf der Fläche der Wüste. Das erinnert uns daran, dass der Herr Jesus vom Himmel auf die Erde gekommen ist. Er ist wahrer Mensch geworden, so wie wir von der Erde sind. Diese Erde war für Ihn eine Wüste, in der Er nichts fand. Wir sehen das z. B. deutlich am Brunnen von Sichar, wo der Sohn Gottes müde von der Reise in tiefer Niedrigkeit am Brunnenrand sitzt und um etwas zu trinken bittet (Joh 4,6.7). Gerade in diesem Charakter als vollkommener Mensch nähren wir uns von Ihm. Wir sind mit Ihm, seinem Leben, seiner Liebe und seiner Hingabe bis in den Tod beschäftigt. Jesus war Mensch, wie wir Menschen sind. Er wurde in allem in gleicher Weise versucht, ausgenommen die Sünde (Heb 4,15). So kann Er in unseren Schwachheiten, Nöten und Problemen Mitleid mit uns haben. Er ist der „Anfänger und Vollender des Glaubens“ (Heb 12,2). Er kann den Müden aufrichten und dem Unvermögenden Kraft geben (Jes 40,29). Er hat Verständnis für uns, weil Er selbst hier gelebt hat. Der Hebräerbrief fordert uns auf: „Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet, indem ihr in euren Seelen ermattet“ (Heb 12,3). Wenn wir das tun, essen wir das Manna. Ganz praktisch finden wir das Manna vor allem – jedoch nicht nur – beim Lesen der Evangelien. Wir erkennen, wie wichtig gerade dieser Teil der Bibel für uns ist.

Das Manna sollte gegessen werden. Dadurch bekam das Volk Kraft3 für den Weg, mehr noch: das Manna sollte ein Teil von ihnen werden. Der Volksmund sagt: „Man ist, was man isst“. Das gilt im Natürlichen wie im Geistlichen. Das Essen spricht von Gemeinschaft und von „Sich-Einsmachen“. Wir brauchen das Manna in allen Lebensumständen, ob sie uns „günstig“ oder „ungünstig“ erscheinen. Und dabei ist Er zugleich das große und vollkommene Vorbild für unser praktisches Verhalten. Wenn wir mit Ihm beschäftigt sind, prägt uns seine Gesinnung (Phil 2,5), und wir können in seinen Fußspuren folgen (1. Pet 2,21). Christus wird ein Teil von uns. Er prägt uns. Auf diese Weise wird das göttliche Leben in uns genährt. Das ist es, was der Herr Jesus in Johannes 6,56 sagt: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm“. Das ist Gemeinschaft. „Wir in Ihm“ deutet unsere Stellung an, der wir in der Praxis entsprechen und die wir verwirklichen sollen. Er ist der Maßstab unseres praktischen Verhaltens in der Wüste. Wir sollen so leben, wie Er gelebt hat: „Wer sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt ist“ (1. Joh 2,6).

Das Manna musste tatsächlich gegessen werden. Es genügte keineswegs, es nur anzuschauen oder zu bewundern. Freude an Christus zu haben ist das eine; sich praktisch von Ihm zu nähren, Ihm ähnlicher zu werden, die notwendige Konsequenz.

Um das Manna wirklich essen zu können, waren bestimmte Aktivitäten erforderlich. Besehen wir einige Details:

a) Hinausgehen und sammeln

Gott gab seinem Volk das Manna. Niemand konnte einen Beitrag dazu leisten, dass es Morgen für Morgen auf dem Erdboden lag. In diesem Punkt waren alle völlig auf Gott und seine Gnade angewiesen. „Der Segen des Herrn, er macht reich, und Anstrengung fügt neben ihm nichts hinzu“ (Spr 10,22). Trotzdem waren nun Fleiß und Energie gefragt, das Manna tatsächlich einzusammeln. Man kann sich mehrere Stunden an einem herrlichen Buffet aufhalten, das andere zubereitet haben und trotzdem hungrig nach Hause gehen. Man muss zugreifen und essen. Das Sammeln spricht von unserer Verantwortung. Sich mit Christus zu beschäftigen und sich von Ihm zu nähren, kostet durchaus Zeit und Mühe. Wir sollen „Fleiß anwenden“ (2. Pet 1,5). Ein positives Beispiel ist Ruth, die Moabiterin. Einerseits war sie ganz auf Boas angewiesen, der für sie sorgte, andererseits betont der Bibeltext, dass sie selbst fleißig auflas und sammelte (Rt 2).

Bevor das Manna „gesammelt“ wurde, mussten die Israeliten allerdings „hinausgehen“ (Vers 4). Das zeigt uns eine wichtige Voraussetzung, wenn wir uns mit unserem Herrn und seinem Wort beschäftigen möchten. Wir benötigen inneren Abstand von den Dingen des täglichen Lebens. Der Herr Jesus ging wiederholt in die Wüste oder an einen „öden Ort“, um dort allein zu sein. Der Alltag fordert uns, und deshalb ist es gut, regelmäßig „hinauszugehen“, um das Manna zu sammeln.

Das Manna lag auf der Erde. Es wuchs nicht an einem Baum. Man musste sich deshalb bücken – und nicht recken – um es zu bekommen. Das lässt uns einerseits an die demütige Haltung denken, die wir brauchen, wenn wir uns mit dem Wort Gottes und unserem Herrn beschäftigen. Andererseits könnten wir auch an das Gebet denken, das mit dem Lesen des Wortes Hand in Hand geht und in dem wir unsere Abhängigkeit vor Gott sichtbar werden lassen.

b) Es sollte täglich gesammelt werden

Das Manna konnte – von einer Ausnahme abgesehen – nicht auf Vorrat gesammelt werden. Es musste jeden Tag – und zwar am Morgen – geschehen. Die Lektion für uns liegt auf der Hand: Was wir gestern in Gemeinschaft mit Christus gelernt haben, reicht nicht für die Notwendigkeiten von heute. Natürlich kann uns das, was wir gestern von unserem Herrn gelernt haben, neu groß werden, doch mit den Erfahrungen von gestern können wir heute nicht leben. Wir müssen uns jeden Tag von Ihm nähren und sein Wort lesen. Der „tägliche“ Bedarf sollte gesammelt werden. Das war nötig, um den Weg durch die Wüste gehen zu können.

So wie wir üblicherweise unseren Körper regelmäßig täglich nähren (in der Regel mehrmals), muss das neue Leben ebenfalls regelmäßig genährt werden. Das vollkommene Beispiel ist der Herr Jesus selbst. Prophetisch hören wir Ihn sagen: „Er weckt jeden Morgen, er weckt mir das Ohr, damit ich höre wie solche, die belehrt werden“ (Jes 50,4). Das Neue Testament gibt uns keine Vorschrift, es am Morgen zu tun, dennoch es ist ohne Frage ein geeigneter Zeitpunkt. L. M. Grant schreibt sehr treffend: „Faulheit am Morgen hat Folgen für den ganzen Tag, aber geistlicher Fleiß am Morgen macht den ganzen Tag heller“.4 Am Morgen liegt der Tag noch vor uns. Wenn erst die „Sonne heiß geworden ist“, zerschmilzt das Manna, und es bleibt nichts mehr übrig. Sobald uns der Alltag mit seinen Anforderungen erst „im Griff“ hat, ist es in der Regel zu spät, noch geistliche Nahrung zu sich zu nehmen. Dann finden wir häufig keine Zeit mehr. Es gibt in der Tat keinen besseren Zeitpunkt, als es morgens früh zu tun.5 Es ist gut, wenn die ersten Eindrücke des Tages von seiner Person geprägt werden und wir mit Ihm allein sind. Später kommen die Eindrücke des Tages dazu und es wird schwierig, sich davon freizumachen. Niemand weiß, was ein Tag bringen wird. Welche Schwierigkeiten kommen? Welche Fragen kommen? Wenn wir hingegen den Tag mit dem Herrn Jesus begonnen haben und am inneren Menschen gestärkt worden sind, dann können wir mit Ihm durch den Tag gehen. Auch im Laufe eines Tages haben wir immer Kontakt nach oben, dennoch ist es gut, wenn wir die „stille Zeit“ am Morgen nutzen.

c) Es musste verarbeitet werden

Das Manna musste nicht nur gesammelt, sondern auch „verarbeitet“ werden, damit man es essen konnte. Vers 5 spricht vom „Zubereiten“ und Vers 23 vom „Backen“ oder „Kochen“. Das wird in 4. Mose 11 bestätigt: „Das Volk lief umher, und sie sammelten und mahlten es mit Handmühlen oder zerstießen es in Mörsern; und sie kochten es in Töpfen, auch machten sie Kuchen daraus“ (4. Mo 11,8). Ruth, die Moabiterin, hatte nicht nur auf dem Feld etwas gesammelt, sondern sie hatte es anschließend „ausgeschlagen“ (Rt 2,17). Das spricht von der Nacharbeit, die erforderlich ist, um wirklich Nutzen von dem zu haben, was wir gesammelt haben. Die Beschäftigung mit dem Herrn in seinem Wort allein bedeutet noch nicht automatisch, dass wir tatsächlich Nahrung für unser geistliches Leben haben. Wir sollten über das Gelesene nachdenken und – ähnlich wie die Beröer es taten – die Schriften „untersuchen“ (vgl. Apg 17,11). Es geht nicht einfach darum, einen Bibelabschnitt flüchtig zu lesen, sondern darum, dass uns Gottes Wort wirklich zur Nahrung wird.

d) Es sollte nach dem Maß des Essens gegessen werden

Das Maß des Essens spricht von den Bedürfnissen des Einzelnen, die unterschiedlich sind. Die Gnade gibt in der Tat immer nach unseren Bedürfnissen. Das „Maß des Essens“ ist verschieden (z. B. nach Alter oder geistlichem Fassungsvermögen), und doch gibt Gott jedem eine Fülle. Keiner bekommt zu viel und keiner hat Mangel, wenn es um die Seite Gottes geht. Wann immer wir das Wort Gottes aufschlagen – ob kürzer oder länger – wir werden immer das bekommen, was wir gerade brauchen. Das Lesen des Wortes ist immer mit Segen verbunden. Gott gibt immer Segen „bis zum Übermaß“ (Mal 3,10).

E. Dennet schreibt dazu: „Der Appetit führt zu der Menge, die gesammelt wird. Wir alle genießen so viel von Christus, wie es unser Begehren ist – nicht weniger und nicht mehr. Wenn unser Begehren groß ist, öffnen wir unseren Mund weit, und Er wird ihn füllen“ (vgl. Ps 81,11). 6

e) Es sollte nichts übrig gelassen werden bis zum nächsten Tag

Noch einmal wird betont, dass das Manna für den jeweiligen Tag war. Gott gibt immer, was wir für einen Tag brauchen – nicht mehr. Die Anforderungen von morgen sind anders als die von heute. Wir sind in allem von Ihm abhängig. Der Herr Jesus sagt in der Bergpredigt: „So seid nun nicht besorgt für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug“ (Mt 6,34).

Gott warnte sein Volk ausdrücklich davor, diese Vorschrift zu missachten. Dennoch hörten einige nicht auf das, was Gott gesagt hatte. Sie mussten feststellen, dass Würmer in der Nahrung waren und das Manna nicht mehr brauchbar war. Es fing an zu stinken. Gottes Wort muss wirklich Nahrung für unseren inneren Menschen werden. Wenn wir es lediglich sammeln ohne es zu essen, dann nehmen wir das Wort zwar intellektuell auf und haben es vielleicht „im Kopf“, doch es kommen Würmer hinein. Wir müssen das, was wir „lernen“, tatsächlich in uns „aufnehmen“ und ein Teil von uns werden lassen. Gott gestattet es nicht, geistliches Wissen nur im Kopf zu haben. Das führt zu Unabhängigkeit von Ihm.

L. M. Grant schreibt: „Wir können uns nicht auf das verlassen, was wir gestern von Christus genossen haben. Wir brauchen jeden Tag neu die frische Gemeinschaft mit unserem Herrn, indem wir das aufsammeln, was unsere Herzen für den jeweiligen Tag brauchen. Wenn wir das vernachlässigen, kann unser Zeugnis leicht anfangen zu stinken. Unsere Faulheit kann das Gute leicht in Verderbnis verwandeln“.7

Fußnoten

  • 1 Es ist wahr, dass es in manchen Wüstengebieten Bäume gibt, die zu bestimmten Zeiten ein essbares Harz absondern, das in Form kleiner Kleckse auf die Erde fällt. Wenn man das jedoch als Erklärung heranziehen will, bleiben eine Reihe Fragen offen, z. B. wie es möglich war, dass die Kinder Israel das Manna zu jeder Zeit und in so großer Menge bekamen, so dass zwei Millionen Menschen davon täglich satt werden konnten und das 40 Jahre lang. Das Wunder des Mannas kann auf diese Weise nicht erklärt werden.
  • 2 F. B. Hole, Exodus
  • 3 Dabei wollen wir beachten, dass das Neue Testament uns klarmacht, dass unsere Kraft untrennbar mit dem verherrlichten Christus im Himmel verbunden ist. Wir werden „gekräftigt mit aller Kraft nach der Macht seiner Herrlichkeit“ (Kol 1,11). Das sind die gerösteten Körner, die im Land gegessen wurden. Christus hat „überwunden“ (Offb 5,5) und sitzt zur Rechten Gottes. Der Blick dorthin füllt uns mit Kraft. Wir können das eine nicht vom anderen trennen. Wenn wir Ihn als Mensch auf der Erde sehen, wissen wir doch zugleich, dass dieser niedrige Mensch der Sieger ist, der jetzt im Himmel zur Rechten Gottes ist.
  • 4 L. M. Grant, Comments on the Book of Exodus
  • 5 Dabei verkennen wir nicht, dass man die Bibel natürlich zu jeder Tages- und Nachtzeit lesen kann. Die Gewohnheiten und Erfordernisse mögen unterschiedlich sein, dennoch gilt, dass wir ohne eine zumindest kurze „stille Zeit“ mit unserem Herrn nicht in den Tag gehen sollten.
  • 6 E. Dennet, Typical Teachings of Exodus
  • 7 L. M. Grant, Comments on the Book of Exodus
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