Betrachtung über 1.Johannes (Synopsis)

Kapitel 2

Betrachtung über 1.Johannes (Synopsis)

Der Apostel schrieb den Gläubigen von dem, was auf die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn Bezug hat, damit ihre Freude völlig sei. Von der Offenbarung der Natur Gottes aber, die er von Dem empfangen hatte, der das Leben vom Himmel war, schrieb er, damit sie nicht sündigten (V. 1). Das setzt voraus, dass sie sündigen konnten. Nicht als ob sie es notwendig hätten tun müssen; denn das Vorhandensein der Sünde im Fleisch zwingt uns keineswegs, nach dem Fleisch zu wandeln. Aber wenn es vorkommen sollte, dass wir sündigen, so ist durch die Gnade Vorsorge getroffen, dass Gnade in Tätigkeit tritt, damit wir weder verloren gehen, noch auch aufs Neue unter das Gesetz gestellt werden. Wir haben einen Sachwalter bei dem Vater, jemand, der unsere Sache droben vertritt, aber nicht um Gerechtigkeit zu erwerben oder um uns aufs Neue von unseren Sünden zu waschen. Alles das ist geschehen. Göttliche Gerechtigkeit hat uns in das Licht gestellt, geradeso wie Gott selbst im Licht ist. Aber die Gemeinschaft wird unterbrochen, sobald nur ein leichtsinniger Gedanke in unserem Herzen Raum findet, denn dieser Gedanke ist vom Fleisch, und das Fleisch hat keine Gemeinschaft mit Gott. Wenn die Gemeinschaft unterbrochen ist, wenn wir gesündigt haben (nicht wenn wir unseren Fehltritt schon bereut haben, denn die Fürsprache Christi leitet uns erst zur Buße), verwendet sich Christus für uns. Gerechtigkeit ist stets vor Gott gegenwärtig, unsere Gerechtigkeit, „Jesus Christus, der Gerechte“, indem also weder die Gerechtigkeit noch der Wert der Sühnung für die Sünde verändert sind, handelt die Gnade – man kann sagen, notwendigerweise – kraft dieser Gerechtigkeit und dieses Blutes, das vor Gott ist, sie wirkt infolge der Fürbitte Jesu, der uns niemals vergisst, um uns mittels der Buße wieder in die Gemeinschaft zurückzuführen. So betete Jesus, während Er noch auf Erden war, für Petrus, ehe dieser gesündigt hatte; dann warf Er ihm im geeigneten Augenblick einen Blick zu, und Petrus bereute und beweinte seinen Fehltritt bitterlich. Hernach tat der Herr alles, was nötig war, um Petrus dahin zu führen, auch die Wurzel seiner Sünde zu richten; doch alles ist Gnade.

Geradeso ist es in unserem Fall. Die göttliche Gerechtigkeit bleibt die unveränderliche Grundlage unserer auf das Blut Christi gegründeten Beziehungen zu Gott. Wenn die Gemeinschaft, die nur im Licht bestehen kann, unterbrochen ist, so stellt die Fürsprache Christi, die kraft seines Blutes Gültigkeit hat (denn es ist auch Sühnung für die Sünde getan worden), die Seele wieder her, damit sie die Gemeinschaft mit Gott wieder genieße, dem Licht gemäß, in das die Gerechtigkeit sie eingeführt hat 1. Diese Sühnung ist für die ganze Welt geschehen, nicht für die Juden allein, noch mit Ausschluss irgendjemandes, sondern für die ganze Welt, indem Gott in seiner Natur durch den Tod Christi vollkommen verherrlicht worden ist.

Drei Hauptpunkte – oder wenn man will, zwei Hauptpunkte und eine Ergänzung, nämlich die Fürsprache – sind es also, welche die Einleitung, die Lehre unseres Briefes bilden. Alles Übrige ist eine erfahrungsmäßige Anwendung dessen, was dieser Teil enthält. Die drei Punkte sind folgende.- 1. Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn, nachdem das Leben uns geschenkt ist; 2. die Natur Gottes: Er ist Licht, und das beweist, wie falsch jede Behauptung ist, Gemeinschaft mit dem Licht zu haben, wenn man in der Finsternis wandelt; 3. angesichts der Tatsache, dass Sünde in uns ist und dass wir noch fehlen können, obwohl wir vor Gott gereinigt sind, um uns des Lichtes erfreuen zu können, gibt es eine Fürsprache, die Jesus Christus, der Gerechte, aufgrund der Gerechtigkeit, die stets in der Gegenwart Gottes ist, und aufgrund des für unsere Sünden vergessenen Blutes beständig vor Gott üben kann, um unsere Gemeinschaft mit Ihm wiederherzustellen, wenn wir sie durch unsere sträfliche Nachlässigkeit verloren haben.

Der Geist geht jetzt dazu über, die Kennzeichen dieses göttlichen Lebens zu entwickeln. Wir sind geheiligt zu dem Gehorsam Jesu Christi, d. h. um nach denselben Grundsätzen zu gehorchen, nach denen Er gehorcht hat, wobei der Wille seines Vaters sowohl den Beweggrund als auch die Richtschnur seines Handelns bildete. Es ist der Gehorsam eines Lebens, für das es Speise und Trank war, den Willen Gottes zu tun, jedoch nicht um dadurch Leben zu erlangen, wie einst unter dem Gesetz. Das Leben Jesu Christi war ein Leben des Gehorsams, in dem Er die Liebe seines Vaters vollkommen genoss – ein Leben, das in allem auf die Probe gestellt und auf diese Weise als vollkommen erwiesen wurde. Seine Worte, seine Gebote waren der Ausdruck dieses Lebens: sie regieren dieses Leben in uns und sollten über uns die ganze Autorität Dessen ausüben, der sie ausgesprochen hat.

Das Gesetz verhieß denen das Leben, die seinen Geboten gehorchen würden. Christus ist das Leben. Dieses Leben ist uns den Gläubigen, mitgeteilt worden. Somit muss es durch die Worte, die der Ausdruck dieses Lebens (in seiner Vollkommenheit in Jesu) waren, in uns regiert und geleitet werden, und zwar gemäß jener Vollkommenheit. Außerdem hat es Autorität über uns. Die Gebote des Herrn sind der Ausdruck desselben. Wir haben deshalb zu gehorchen und „zu wandeln, wie er gewandelt hat“; das sind die beiden Formen des praktischen Lebens. Es genügt nicht, gut zu wandeln; man muss gehorchen, denn eine Autorität ist vorhanden. Das ist der wesentliche Grundsatz eines richtigen Wandels. Andererseits ist der Gehorsam des Christen, wie es an demjenigen Christi selbst klar zu sehen ist, nicht das, was wir oft denken. Wir nennen ein Kind gehorsam, wenn es sich, obwohl es einen eigenen Willen hat, unterwirft, sobald die Autorität der Eltern dazwischen tritt, um es zu verhindern, seinem eigenen Willen zu folgen. Christus aber gehorchte niemals in dieser Weise. Er kam, um den Willen Gottes zu tun. Gehorsam war die Art seines Seins. Der Wille seines Vaters war der Beweggrund und, in Verbindung mit der Liebe, die nie davon getrennt war, der einzige Beweggrund einer jeden Handlung und eines jeden Antriebes. Das ist, im eigentlichen Sinn des Wortes, christlicher Gehorsam. Es ist ein neues Leben, das seine Freude darin findet, den Willen Christi zu tun, indem es seine völlige Autorität über sich anerkennt. Wir halten uns allem anderen für gestorben, wir leben Gott und gehören nicht mehr uns selbst an. Wir kennen Christus nur insoweit, wie wir leben durch sein Leben. Denn das Fleisch kennt Ihn nicht und kann sein Leben nicht verstehen. Da also dieses Leben Gehorsam ist, so ist derjenige, der sagt: „ich kenne ihn“, und hält seine Gebote nicht, ein Lügner, und die Wahrheit ist nicht in ihm (V. 4). Johannes sagt hier nicht, dass ein solcher „sich selbst betrüge“, denn es ist wohl möglich, dass er sich nicht betrügt, wie in dem anderen Fall in Kapitel 1, 8, wo es sich um eine eingebildete Gemeinschaft handelt; denn hier ist der Wille in Tätigkeit, und das weiß ein solcher, wenn er es bekennen will. Aber die Wirklichkeit fehlt; er ist ein Lügner, und die Wahrheit in der Erkenntnis Jesu, die er bekennt, ist nicht in ihm.

Es gibt hier zweierlei zu bemerken: Erstens, dass Johannes die Dinge stets so nimmt, wie sie in sich selbst sind, auf eine abstrakte Weise, ohne die Beschränkungen, die durch andere Umstände verursacht werden, in deren Mitte jene Dinge sich finden oder zu denen sie in Beziehung stehen. Zweitens, dass die Folgerungen, die der Apostel zieht, nicht eine Kette von äußeren Schlüssen bilden, deren Beweiskraft naturgemäß auf der Oberfläche des Beweises liegt. Er geht vielmehr von einem großen inneren Grundsatz aus, so dass man die Kraft seiner Beweise nicht verstehen kann, ohne das Vorhandensein jenes Grundsatzes und selbst dessen Tragweite zu kennen, und insonderheit ohne zu wissen, was das Leben Gottes in seiner Natur, in seinem Charakter und in seiner Tätigkeit ist. Wer dieses Leben nicht besitzt, versteht nichts davon und kann nichts davon verstehen. Allerdings sagt ihm die Autorität des Wortes und des Apostels, dass die Sache sich also verhält, und das ist genug; aber die Gedankenverbindung versteht er nicht, weil er eben das Leben nicht besitzt, das die Worte des Apostels auslegt oder erklärt und selbst von dem Gesagten ausgelegt wird.

Kehren wir jetzt zu dem Text zurück: „Wer aber irgend sein Wort hält, in diesem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollendet“ (V. 5). Auf diese Weise wissen wir also, dass wir Ihn kennen. Der Ausdruck: „Sein Wort“ hat einen etwas weiteren Sinn als „Seine Gebote“; das will sagen: obwohl es in gleicher Weise den Gehorsam einschließt, ist „das Wort“ doch weniger äußerlich. Bei dem Ausdruck „Seine Gebote“ wird der Gedanke mehr auf die Einzelheiten des göttlichen Lebens gelenkt, während „Sein Wort“ den ganzen Ausdruck desselben, den Geist dieses Lebens, in sich begreift 2. Es ist allgemein und unbedingt. Dieses Leben nun ist das göttliche Leben, das in Jesus offenbart und uns mitgeteilt worden ist. Haben wir es in Christus gesehen? Zweifeln wir daran, dass dieses Leben Liebe war und dass die Liebe Gottes darin offenbart worden ist? Wenn ich daher sein Wort bewahre, und auf diese Weise die ganze Tragweite und Bedeutung des Lebens, das in diesem Wort zum Ausdruck kommt, verstanden und verwirklicht wird, so ist die Liebe Gottes in mir vollendet. Der Apostel spricht, wie wir gesehen haben, immer in abstrakter Weise. Wenn ich in irgendeinem Augenblick auf „Sein Wort“ tatsächlich nicht achte, so verwirkliche ich in dem betreffenden Punkte seine Liebe nicht; die glückselige Gemeinschaft mit Gott ist unterbrochen. Aber insoweit ich ausschließlich durch sein Wort getrieben und geleitet werde, ist seine Liebe völlig in mir verwirklicht; denn sein Wort drückt aus, was Er ist, und dieses Wort bewahre ich. Das ist die bewusste Gemeinschaft mit seiner Natur in ihrer Fülle – einer Natur, an der ich teilhabe; so weiß ich, dass Er vollkommene Liebe ist, ich bin mit ihr erfüllt, und dies zeigt sich in meinen Wegen. Denn jenes Wort, das ich bewahre, ist der vollkommene Ausdruck seiner selbst 3. Wir wissen folglich auf diese Weise, dass wir in Ihm sind, denn wir verwirklichen, was Er ist, in der Gemeinschaft seiner Natur. Wenn wir aber sagen, dass wir in Ihm bleiben, so ist es nach der soeben von dem Apostel gegebenen Unterweisung klar, dass wir schuldig sind, auch so zu wandeln, wie Er gewandelt hat. Unser Wandel ist der praktische Ausdruck unseres Lebens, und dieses Leben ist Christus, gekannt in seinem Wort. Und weil wir Ihn durch sein Wort kennen, so sind wir, die wir dieses Leben besitzen, offenbar verantwortlich, dem Wort zu folgen, das heißt, so zu wandeln, wie Er gewandelt hat; denn dieses Wort ist der Ausdruck seines Lebens. Insoweit ist also der Gehorsam, als Gehorsam, das sittliche Kennzeichen des Lebens Christi in uns. Und er ist der Beweis von dem, was im Christentum unzertrennlich von dem Leben Christi in uns ist.- wir sind in Ihm (vgl. Joh 14,20). Wir wissen nicht nur, dass wir Ihn kennen, sondern dass wir in Ihm sind. Der Genuss der vollkommenen Liebe Gottes auf dem Pfad des Gehorsams gibt uns durch den Heiligen Geist das Bewusstsein, dass wir in Ihm sind. Allerdings kann ich, wenn ich in Ihm bin, nicht sein, was Er war – denn Er war ohne Sünde –, aber ich sollte so wandeln, wie Er gewandelt hat. Hieran weiß ich, dass ich in Ihm bin. Wenn ich bekenne, dass ich in Ihm bleibe, dass mein Herz und mein Geist ganz und gar dort sind, so sollte ich so wandeln, wie Er gewandelt hat. So also sind der Gehorsam, als ein Grundsatz, und das Bewusstsein, dass ich in Ihm bin – indem ich sein Wort halte und die Liebe Gottes auf diese Weise in mir vollendet ist – die bildenden Grundsätze und Charakterzüge unseres Lebens.

In den Versen 7 und 8 werden uns die beiden Formen der Richtschnur dieses Lebens, die zugleich den zwei soeben bezeichneten Grundsätzen entsprechen, vorgestellt. Nicht ein neues Gebot schreibt der Apostel den Gläubigen, sondern ein altes Gebot. Es ist das Wort Christi von Anfang. Wenn es nicht so wäre, wenn es in diesem Sinn neu wäre – um so schlimmer für den, der es verkündigte; denn es wäre dann nicht mehr der Ausdruck des vollkommenen Lebens Christi selbst, sondern irgendetwas anderes, oder eine Fälschung dessen, was Christus verkündigt hatte. Das entspricht dem ersten Grundsatz, nämlich dem Gehorsam Geboten gegenüber, den Geboten Christi. Was Er sagte, war der Ausdruck dessen, was Er war. Er konnte gebieten, dass sie einander liebten, so wie Er sie geliebt hatte (vgl. die Seligpreisungen).

In einem anderen Sinn war das Gebot neu; denn der Geist Gottes tat (indem wir durch die Kraft des Geistes Christi mit Christo vereinigt sind und unser Leben aus Ihm schöpfen) die Wirkung dieses Lebens dadurch kund, dass Er in einer ganz neuen Weise einen verherrlichten Christus offenbarte. Jetzt aber war es nicht mehr ein bloßes Gebot, sondern wie die Sache selbst wahr war in Christus, so war sie auch wahr in den Seinigen, weil diese teilhatten an seiner Natur und in Ihm waren, und Er in ihnen. Durch diese Offenbarung und durch die Gegenwart des Heiligen Geistes verschwand die Finsternis, sie verging 4, und das wahrhaftige Licht leuchtete tatsächlich. Es wird kein anderes Licht im Himmel geben; nur dass es dort in völlig geoffenbartem, herrlichem Glanz, ohne Wolken, strahlen wird.

Im 9. Verse zeigt es sich, wie in Johannes 1,4, dass das Leben das Licht der Menschen ist, nur dass es jetzt für den Glauben um so heller scheint, weil Christus „hingegangen“ ist; denn das Licht strahlt am hellsten durch den zerrissenen Vorhang hindurch. Von der Behauptung, Ihn zu kennen und in Ihm zu sein, ist bereits gesprochen, worden; wir kommen jetzt zu derjenigen, in dem Licht zu sein, und zwar bevor der Heilige Geist im einzelnen die Eigenschaften dieses Lebens dazu benutzt, um den Herzen der Gläubigen das Vorhandensein desselben zu beweisen, als Antwort auf die Anstrengungen der Verführer, welche die Christen durch neue Lehren zu schrecken suchten, als ob sie nicht wirklich das Leben, und mit dem Leben den Vater und den Sohn, besäßen. Das wahre Licht leuchtet jetzt. Und dieses Licht ist Gott, es ist die göttliche Natur; und als ein Mittel, die Verführer selbst zu verurteilen, stellt der Apostel jetzt eine andere Eigenschaft vor, die mit der Tatsache in Verbindung steht, dass wir im Licht sind, oder mit anderen Worten, dass Gott völlig offenbart ist. Christus war das Licht in der Welt; wir sind dazu gesetzt, es zu sein, insofern wir aus Gott geboren sind. Und wer diese göttliche Natur hat, liebt seinen Bruder; denn ist Gott nicht Liebe? Hat nicht Christus uns geliebt, indem Er sich nicht schämte, uns seine Brüder zu nennen? Kann ich sein Leben und seine Natur haben, wenn ich die Brüder nicht liebe? Nein! Ich wandle dann in der Finsternis, ich habe kein Licht für meinen Pfad. Wer seinen Bruder liebt, bleibt in dem Licht, die Natur Gottes wirkt in ihm, und er bleibt in dem Licht des geistlichen Verständnisses dieses Lebens, in der Gegenwart und Gemeinschaft Gottes. Wenn jemand hasst, so ist es klar, dass er kein göttliches Licht besitzt. Wie könnte er mit Gefühlen, die einer Gott völlig entgegen gesetzten Natur entsprechen, im Licht sein?

Überdies ist in einem, der liebt, kein Anlass zum Ärgernis, denn er wandelt dem göttlichen Licht gemäß. Es gibt in ihm nichts, das einen anderen zum Straucheln bringen könnte; denn die Offenbarung der Natur Gottes in Gnade tut das sicherlich nicht; und gerade das ist es, was in dem, der seinen Bruder liebt, zur Offenbarung kommt 5.

Hiermit schließt der erste, einleitende Teil des Briefes. Er enthält in seiner ersten Hälfte den bevorzugten Platz des Christen, die Botschaft, die uns der Wahrheit gemäß unseren Zustand hienieden schildert, nebst der Vorsorge, die für den Fall eines Fehltritts unsererseits getroffen ist. Dieser Teil endet mit Joh 2,2. In der zweiten Hälfte finden wir die Beweise, die der Christ hat von dem wahrhaftigen Besitz des der Botschaft entsprechenden Vorrechtes: Gehorsam und Liebe zu den Brüdern; er kennt Christus, er ist in Ihm, er genießt die vollkommene Liebe Gottes, er bleibt in Ihm, er ist in dem Licht. Nachdem der Apostel so die beiden großen Grundsätze: Gehorsam und Liebe, als Beweise des Besitzes der göttlichen Natur, eines Christus, der als das Leben gekannt ist, sowie unseres Bleibens in Ihm aufgestellt hat, wendet er sich persönlich an die Christen und zeigt uns in einer eingeschalteten, aber überaus wichtigen Anrede die christliche Stellung auf dem Boden der Gnade in drei verschiedenen Graden der Reife.

Zunächst nennt er alle Christen, an die er schrieb „Kinder“. Es ist ein Zärtlichkeitsausdruck seitens des liebenden und bejahrten Apostels. Und wie er ihnen (Kap. 2, 1) geschrieben hatte, damit sie nicht sündigen möchten, so schreibt er ihnen auch, weil ihnen alle ihre Sünden vergeben waren um des Namens Jesu willen (V. 12). Das war das gewisse Teil aller Christen, das was Gott ihnen verliehen hatte, indem Er ihnen den Glauben schenkte, damit sie Ihn verherrlichen möchten. Johannes lässt keinen Zweifel über die Tatsache aufkommen, dass ihre Sünden vergeben waren; er schreibt ihnen, weil sie vergeben waren.

Dann finden wir drei Klassen von Christen: Väter, Jünglinge und Kinder. Der Apostel wendet sich zweimal an jede dieser Klassen: zum ersten Mal in Vers 13 an alle drei; dann in der ersten Hälfte des 14. Verses an die Väter; von der zweiten Hälfte desselben Verses bis zum Schluss des 17. an die Jünglinge; und endlich von Vers 18 bis 27 an die Kinder6. In Vers 28 kommt der Apostel wieder auf alle Christen zurück, indem er sie wieder mit „Kinder“ anredet.

Was die „Väter“ in Christus kennzeichnet, ist, dass sie Den erkannt haben, der von Anfang ist, das ist Christus. Das ist alles, was der Apostel von ihnen zu sagen hat. Darauf war alles hinausgelaufen. Er wiederholt nur dasselbe noch einmal, wenn er sich von neuem mit etwas veränderter Ausdrucksweise an alle drei Klassen wendet. Die Väter haben Christus erkannt; das ist das Ergebnis aller christlichen Erfahrung. Das Fleisch ist gerichtet, es ist erkannt worden, wo immer es sich in unseren Gefühlen mit Christus vermischte; die Erfahrung hat uns gelehrt, dass es keinen Wert hat, und als Ergebnis der Erfahrungen bleibt Christus allein übrig, frei von aller Beimischung. Die Väter haben gelernt, zu unterscheiden, was nur den Schein des Guten hat. Sie beschäftigen sich nicht mit Erfahrungen, denn das hieße, sich mit sich selbst, mit dem eigenen Herzen, beschäftigen. Alles das ist vorüber, und Christus allein bleibt das Teil der Seele, frei von jeder fremden Beimischung, ja, so wie Er sich uns gegeben hat. Ferner kennen die Väter Christus weit besser; sie haben in so vielen Einzelheiten erfahren, was Er ist, sei es in der Freude seiner Gemeinschaft oder in dem Bewusstsein ihrer Schwachheit, sei es in der Erfahrung seiner Treue und Liebe sowie der Reichtümer seiner Gnade, oder in der Art und Weise, wie Er sich unseren Bedürfnissen anpasst, und in der Offenbarung seiner eigenen Fülle, so dass sie jetzt sagen können: „Ich weiß, an wen ich geglaubt habe.“ Das ist der Charakter der „Väter“ in Christus.

Die „Jünglinge“ bilden die zweite Klasse. Sie unterscheiden sich durch geistliche Kraft im Kampf, durch die Energie des Glaubens; sie haben den Bösen überwunden. Denn der Apostel redet von ihrem Charakter als solchen, die in Christus sind. Sie haben als solche Kampf, aber die Kraft Christi offenbart sich in ihnen.

Die dritte Klasse sind die „Kinder“. Diese kennen den Vater. Wir sehen hier, dass der Geist der Sohnschaft und der Freiheit das kleinste Kind im Glauben an Christus kennzeichnet, und dass das nicht etwa das Ergebnis des Fortschritts ist. Nein, es ist der Anfang. Wir besitzen es, weil wir Christen sind, und es ist stets das unterscheidende Merkmal der Anfänger. Die Jünglinge und Väter haben es nicht verloren, aber sie werden durch andere Dinge gekennzeichnet.

Bei seiner zweiten Anrede an diese drei Klassen von Christen wiederholt der Apostel, wie wir schon bemerkt haben, im Blick auf die „Väter“ nur das, was er schon vorher gesagt hat (V. 14). Es ist das volle Ergebnis des christlichen Lebens.

Hinsichtlich der „Jünglinge“ (V. 14–17) entwickelt er seinen Gedanken näher und fügt einige Ermahnungen hinzu. „Ihr seid stark“, sagt er, „und das Wort Gottes bleibt in euch.“ Das ist ein wichtiges Kennzeichen. Das Wort ist die Offenbarung Gottes an das Herz und gleichsam die Anwendung Christi auf dasselbe, so dass wir auf diese Weise die Beweggründe besitzen, die das Herz bilden und regieren, und ein Zeugnis, das auf den Zustand des Herzens und auf Überzeugungen gegründet ist, die eine göttliche Kraft in uns haben. In unseren Beziehungen zu der Welt ist das Wort das Schwert des Geistes. Wir selbst sind durch die Dinge gebildet worden, von denen wir in unseren Beziehungen zu der Welt Zeugnis ablegen, und diese Dinge sind in uns gemäß der Kraft des Wortes Gottes. Der Böse ist somit überwunden, weil er unseren Lüsten nichts weiter zu bieten hat als die Welt; und das Wort, das in uns bleibt, erhält uns in einem ganz anderen Gedankenkreis, in dem eine andere Natur erleuchtet und gestärkt wird durch göttliche Mitteilungen. Die Neigung des „Jünglings“ geht zur Welt hin; die Lebhaftigkeit seiner Natur und die Kraft des Jünglingsalters wollen ihn nach dieser Seite hin fortreißen. Er hat sich davor zu hüten, indem er sich von der Welt sowie von dem, was in der Welt ist, gänzlich absondert; denn „wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm“, weil die Dinge der Welt nicht vom Vater sind. Er hat eine Welt für sich, deren Mittelpunkt und Herrlichkeit Christus ist. Die Lust des Fleisches, die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens – das sind die Dinge, die in der Welt sind und sie kennzeichnen. Außer diesen gibt es wirklich keine anderen Triebfedern in der Welt, und diese Dinge sind nicht vom Vater.

Der Vater ist die Quelle von allem, was seinem Herzen entspricht. Jede Gnade, jede geistliche Gabe, die Herrlichkeit, die himmlische Heiligkeit von allem, was in Christus Jesus offenbart worden ist und noch offenbart werden wird, die ganze Welt der zukünftigen Herrlichkeit, deren Mittelpunkt Christus ist – alles das ist vom Vater. Und alles das hat hienieden nur das Kreuz als sein Teil gefunden. Doch der Apostel spricht hier von der Quelle, und sicherlich ist der Vater nicht die Quelle jener anderen Dinge. Doch die Welt vergeht, wer aber den Willen Gottes tut, wer bei dem Gang durch diese Welt nicht die Begierden der Natur, sondern den Willen Gottes zu seinem Führer nimmt – einen Willen, der der Natur Gottes entspricht und der Ausdruck derselben ist – ein solcher wird bleiben in Ewigkeit, der Natur und dem Willen gemäß, dem er gefolgt ist. Wir werden finden, dass die Welt und der Vater samt allem, was von ihm ist, sodann das Fleisch und der Geist, und schließlich der Sohn und der Teufel ganz klar in Gegensatz zueinander gestellt werden. Die Dinge werden ihrer Quelle und inneren Natur nach behandelt, seien es die Grundsätze, die in uns wirksam sind und unser Wesen und unsere Stellung kennzeichnen, oder die beiden Kräfte im Guten und im Bösen, die einander entgegengesetzt sind, ohne dass jedoch, Gott sei Dank! irgendwelche Ungewissheit über den Ausgang des Kampfes bestände; denn die Schwachheit Christi im Tod ist stärker als die Kraft Satans. Satan vermag nichts gegen das, was vollkommen ist. Christus ist gekommen, um die Werke des Teufels zu vernichten.

Zu den „Kindern“ (V. 18 ff.) redet der Apostel hauptsächlich von den Gefahren, denen sie von Seiten der Verführer ausgesetzt waren. Er warnt sie mit der größten Zärtlichkeit, indem er sie zugleich daran erinnert, dass alle Quellen der Weisheit und der Kraft ihnen geöffnet waren und angehörten. „Kinder, es ist die letzte Stunde“, sagt er, nicht gerade „die letzten Tage“, sondern die Zeit, die den Endcharakter der Wege Gottes mit dieser Welt angenommen hatte. Der Antichrist sollte kommen, und schon gab es viele Antichristen, daran konnten sie erkennen, dass es die letzte Stunde war. Es handelt sich hier nicht um bloße Sünde, oder um die Übertretung des Gesetzes, sondern es erhob sich, da Christus offenbart worden und jetzt abwesend und der Welt verborgen war, ein förmlicher Widerstand gegen die besondere Offenbarung, die Gott den Menschen gegeben hatte. Es war nicht ein unklarer oder unwissender Unglaube; er nahm vielmehr eine bestimmte Form an, indem er einen gegen Jesum gerichteten Willen offenbarte. Man konnte z. B. alles glauben, was ein Jude glaubte, so wie es im Wort offenbart war; sobald aber das Zeugnis Gottes durch Jesus Christus in Frage kam, offenbarten jene Verführer ihren Widerstand. Sie wollten nicht anerkennen, dass Er der Christus sei; sie leugneten den Vater und den Sohn. Das ist, im Blick auf das religiöse Bekenntnis, der eigentliche Charakter des Antichristen. Er mag wohl glauben, oder wenigstens behaupten zu glauben, dass ein Christus kommen werde; ja, er mag sich selbst dazu aufwerfen. Aber die beiden Seiten des Christentums: die Erfüllung der den Juden gegebenen Verheißungen in der Person Jesu einerseits, und die in der Offenbarung des Vaters durch den Sohn dargebotenen himmlischen und ewigen Segnungen andererseits, diese nimmt der Antichrist nicht an. Was ihn als Antichrist kennzeichnet, ist, dass er den Vater und den Sohn leugnet. Zu leugnen, dass Jesus der Christus ist, ist allerdings der jüdische Unglaube, und dieser macht einen Teil seines Charakters aus; was ihm aber den eigentlichen Charakter des Antichristen gibt, ist, dass er die Grundlage des Christentums leugnet. Er ist ein Lügner, indem er leugnet, dass Jesus der Christus ist; mithin ist es das Werk des Vaters der Lüge. Doch alle die ungläubigen Juden hatten dasselbe getan, ohne der Antichrist zu sein. Was ihn kennzeichnet, ist, dass er den Vater und den Sohn leugnet.

Doch das ist nicht alles. Die Antichristen, von denen der Apostel hier redet, waren aus der Mitte der Christen hervorgegangen. Der Abfall war da; nicht dass jene wirklich Christen gewesen wären, aber sie waren unter ihnen gewesen und von ihnen ausgegangen. (Wie belehrend ist dieser Brief auch für unsere Tage!) Es offenbarte sich auf diese Weise, dass sie nicht wirklich zu der Herde Christi gehörten. Alles das wirkte dahin, den Glauben der „Kinder“ zu erschüttern. Der Apostel suchte sie daher zu befestigen. Es gab zwei Mittel, ihren Glauben zu stärken, und diese erfüllten auch den Apostel mit Vertrauen. Zunächst hatten sie die Salbung von dem Heiligen, und dann war das, was von Anfang war, der Prüfstein für jede neue Lehre, und sie besaßen bereits das, „was von Anfang war“.

Das Innewohnen des Heiligen Geistes, als eine Salbung und ein geistliches Verständnis in ihren Herzen, sowie die Wahrheit, die sie im Anfang empfangen hatten, die vollkommene Offenbarung Christi – das waren die Schutzmittel gegen die Verführer und Verführungen. Jede Ketzerei, jeder Irrtum, jede verderbte Lehre wird sich als ein Angriff auf die erste und göttliche Offenbarung der Wahrheit erweisen, wenn die Salbung des Heiligen in uns ist, um jene Dinge zu beurteilen. Diese Salbung nun ist das Teil selbst der jüngsten Kind in Christus, und sie bedürfen der Ermunterung, um sie zu verwirklichen, so zärtlich auch sonst für sie gesorgt werden mag, wie der Apostel es hier tut.

Welch wichtige Wahrheiten entdecken wir hier auch für uns! Die letzte Stunde ist bereits gekommen, so dass wir Ursache haben, auf der Hut zu sein vor den Verführern, vor solchen, die sogar aus dem Schoß der Christenheit selbst hervorkommen. Der Charakter des Antichristen ist, dass er den Vater und den Sohn leugnet. Auch der Unglaube in jüdischer Form tritt wieder auf den Schauplatz, indem man wohl anerkennt, dass es einen Christus gibt, aber leugnet, dass Jesus dieser Christus ist. Unser Schutz gegen diese Verführer ist die Salbung von dem Heiligen, d. h. der Heilige Geist, aber in besonderer Verbindung mit der Heiligkeit Gottes, die uns befähigt, die Wahrheit klar zu erkennen (ein anderer Charakterzug des Geistes); und das zweite Schutzmittel besteht darin, dass das, was wir von Anfang gehört haben, in uns bleibt. Und dies ist offenbar das, was wir in dem geschriebenen Wort besitzen. Man redet viel von einer „Entwicklung“. Aber beachten wir es wohl, Entwicklung ist nicht das, was wir von Anfang gehabt haben. Der Ausdruck an und für sich steht schon in unmittelbarem Gegensatz zu dem von dem Apostel angezeigten Schutzmittel. Was die Kirche als Entwicklung der Wahrheit gelehrt hat, ist – woher sie es auch erhalten haben mag – nicht das, was „von Anfang“ gehört worden ist.

Noch ein anderer Punkt, der hier von dem Apostel berührt wird, ist sehr beachtenswert. Es hätte behauptet werden können, dass man, wenn man Gott im Allgemeinen den Vaternamen beilege, den Vater habe, ohne in Wahrheit den Sohn, Jesus Christus, zu besitzen. Doch das ist unmöglich. Wer den Sohn nicht hat, hat auch den Vater nicht, durch Ihn ist der Vater offenbart worden, in Ihm allein wird der Vater erkannt. Wenn die Wahrheit, die wir von Anfang gehört haben, in uns bleibt, so bleiben wir in dem Sohn und in dem Vater, denn diese Wahrheit ist die Offenbarung von dem Sohn, und sie ist auch durch den Sohn offenbart worden, der die Wahrheit ist. Sie ist lebendig, wenn sie in uns bleibt; und so besitzen wir, wenn wir die Wahrheit haben, den Sohn und in dem Sohn auch den Vater. Wir bleiben in ihr, und dadurch haben wir ewiges Leben (vgl. Joh 17, 3).

Der Apostel hatte die gute Zuversicht, dass die Salbung, die sie von Gott empfangen hatten, in ihnen blieb, so dass sie nicht nötig hatten, von anderen belehrt zu werden; denn dieselbe Salbung belehrte sie über alles. Sie war die Wahrheit; denn es war der Heilige Geist selbst, der im Wort wirksam war, und dieses Wort war die Offenbarung der Wahrheit von Jesu selbst, und es gab keine Lüge darin. So sollten sie in Ihm bleiben, dem entsprechend, was die Salbung sie gelehrt hatte.

Beachten wir hier auch, dass die Wirkung dieser Belehrung durch die Salbung von oben hinsichtlich der Unterscheidung der Wahrheit eine doppelte ist. Sie wussten, dass keine Lüge aus der Wahrheit war. Indem sie nun diese Wahrheit von Gott empfangen hatten, war alles, was nicht diese Wahrheit war, Lüge. Ferner wussten sie, dass die Salbung, die sie über alle Dinge belehrte, die Wahrheit war, und dass es keine Lüge in ihr gab. Die Salbung belehrte sie über alles, d. h. über die ganze Wahrheit, als Wahrheit Gottes. Somit war alles, was nicht mit ihr übereinstimmte, Lüge; und es war keine Lüge in der Salbung. So hören die Schafe die Stimme des guten Hirten; wenn ein anderer sie ruft, so ist es nicht seine Stimme, und das genügt. Sie fürchten und fliehen die fremde Stimme, weil sie dieselbe nicht kennen (Joh 10).

Mit dem 27. Verse schließt die zweite Reihe von Ermahnungen, die der Apostel an die drei Klassen von Christen richtet. Im 28. Verse wendet er sich von neuem an die Christen in ihrer Gesamtheit. Dieser Vers scheint mir dem 8. Verse des zweiten Briefes und dem 3. Kapitel des ersten Briefes an die Korinther zu entsprechen.

Nachdem der Apostel so seine Anrede an alle, die in 1. Johannes 2 der Gemeinschaft des Vaters standen, beendigt hat, wendet er jetzt die wesentlichen Grundsätze des göttlichen Lebens, der göttlichen Natur, wie sie in Christus offenbart worden war, als Probe auf diejenigen an die behaupteten, daran teilzuhaben; und er tut das, nicht um in den Gläubigen Zweifel zu wecken, sondern zur Zurückweisung dessen, was falsch war. Ich sage, „nicht um in den Gläubigen Zweifel zu wecken“, denn der Apostel spricht von seiner Stellung und von der Stellung derer, an die er schreibt, mit der völligsten Gewissheit (1. Joh 3, 1–2) 7. Er hatte, um wieder auf Vers 28 zurückzukommen, gesagt, dass Jesus offenbart werden wird. Das führt den Herrn in der vollen Offenbarung seines Charakters ein und gibt Veranlassung, die Behauptungen derer zu prüfen, die sich nach seinem Namen nannten. Es gibt zwei Beweise, die wesentlich zum göttlichen Leben gehören: Gerechtigkeit oder Gehorsam, und Liebe, und drittens kommt, als ein Vorrecht, die Gegenwart des Heiligen Geistes hinzu.

Im Fleisch ist keine Gerechtigkeit. Wenn sich also bei jemand wirklich Gerechtigkeit findet, so ist er „aus ihm geboren“; er hat seine Natur in Christus von Gott empfangen. Es ist noch zu bemerken, dass es sich hier um eine Gerechtigkeit handelt, wie sie in Jesus offenbart worden ist; denn weil wir wissen, dass Er gerecht ist, erkennen wir, „dass jeder, der die Gerechtigkeit tut, aus ihm geboren ist“. Es ist dieselbe Natur, erwiesen durch dieselben Früchte.

Fußnoten

  • 1 Der Gegenstand, um den es sich hier handelt, ist „Gemeinschaft“, und daher ist von tatsächlichen Fehltritten die Rede. Im Hebräerbrief handelt es sich um den Zugang zu Gott, wir sind „für immerdar vollkommen gemacht“, und das Priestertum ist da, „damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe“. Es handelt sich nicht um Sünden, ausgenommen in dem Sinn, dass Christus die große Tat der Versöhnung vollbracht hat.
  • 2 Die beiden Ausdrücke sind im Grund nicht verschieden, wie der siebente Vers dies deutlich zeigt: „Das alte Gebot ist das Wort, welches ihr gehört habt.“ Man kann mit vollem Recht sagen: Das Gebot ist das Wort Christi; aber ich bezweifle, ob man sagen kann: Das Wort ist das Gebot, und das macht den Unterschied zwischen den beiden Ausdrücken fühlbar. Der Gegensatz zwischen den Versen 4 und 5 ist bemerkenswert; er hat seinen Grund darin, dass wir in dem einen dem Besitz des göttlichen Lebens sowie dem einsichtsvollen, völligen Bewusstsein dieses Besitzes dem Wort gemäß, und in dem anderen dem Nichtvorhandensein desselben begegnen. „Wer da sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in diesem ist die Wahrheit nicht“; denn diese Wahrheit ist nichts anderes, als was sein Wort offenbart; und wenn wir von der Natur leben, von der das Wort Christi der Ausdruck ist, und so durch das Wort Ihn kennen, gehorchen wir diesem Wort. Andererseits ist, wenn wir dieses Leben besitzen und der göttlichen Natur teilhaftig sind, die Liebe Gottes in uns. Wir haben die Gebote Christi, Sein Wort, die vollkommene Liebe Gottes, einen Wandel entsprechend dem Wandel Christi, die Mitteilung des Lebens Christi, so dass das Gebot wahr ist in Ihm und in uns - der Wandel ist im Licht, die Bruderliebe in Tätigkeit. Welch eine Kette reicher Segnungen! Die Behauptungen, von denen hier die Rede ist, sind folgende: Christum kennen, in Ihm bleiben, im Licht sein. Der Beweis der Wahrheit der ersten Behauptung ist der Gehorsam. Was die zweite betrifft, so müssen wir, wenn wir in Christo bleiben (und dies wissen wir dadurch, dass wir sein Wort halten), wandeln, wie Er gewandelt hat. Ob die letzte Behauptung wahr ist, wird durch die Liebe zu den Brüdern bewiesen. In dem zweiten Fall wird es als unsere Pflicht festgehalten, dass der Wandel völlig auf der Höhe des Wandels Jesu stehe; aber dieser Wandel wird nicht als Beweis hingestellt, dass wir in Ihm bleiben und sein Wort halten. Beachten wir, dass der Apostel nicht sagt: „Wir wissen, dass wir glauben“ - darum handelt es sich hier nicht - sondern: „Wir wissen, dass wir in ihm sind“. Ich füge noch hinzu, dass der Apostel diese Beweise nie dazu gebraucht (wie dies leider so allgemein geschieht), um zu sagen: „Hierdurch zweifeln wir, dass usw.“ Aus Vers 12 und 13 geht deutlich hervor, dass er die Gläubigen alle als der Vergebung teilhaftig und als im Besitz des Geistes der Sohnschaft stehend betrachtet - selbst die jüngsten und schwächsten unter ihnen. Anders würde er nicht an sie geschrieben haben. Andere suchten Zweifel in ihnen zu erwecken; er aber schreibt ihnen, damit ihre Herzen vor Gott versichert und sie nicht zum Zweifeln verführt werden möchten, als ob sie nicht einen völligen Christus und ein völliges Christentum, ewiges Leben, besäßen. Es war das Mittel, die Zuversicht, falls sie sie besaßen, zu bewahren und festzuhalten, wenn sie in Gefahr standen, erschüttert zu werden - nicht aber, diese Zuversicht zu erlangen. Sie hatten völlige Vergebung; sie waren Söhne. Wenn andere sie zweifeln machen wollten, so schrieb Johannes ihnen, um sie zu versichern, dass sie nicht den geringsten Grund hatten, zu zweifeln.
  • 3 Das ist, wie ich nicht bezweifle, der wahre Sinn von Johannes 8, 25. „Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du? Und Jesus sprach zu ihnen: Durchaus das, was ich auch zu euch rede.“ In den Grundsätzen meiner Natur, in meinem Wesen, bin ich das, was ich euch gesagt habe. Das, was Er gesagt hatte, war wesentlich und vollständig das, was Er war. Was Er war, zeigte sich in dem, was Er sagte. Dieses Leben nun ist uns mitgeteilt worden; es war die Liebe Gottes unter den Menschen und im Menschen. Da nun dieses Leben unser Leben ist und das Wort Christi uns Kenntnis davon gibt, so ist, wenn wir dieses Wort bewahren, Seine Liebe in ihrer ganzen Ausdehnung in uns verwirklicht.
  • 4 Es heißt nicht: die Finsternis ist verschwunden, ist vergangen. Es gibt noch viel Finsternis in der Welt; das Licht aber hat tatsächlich geleuchtet.
  • 5 Der Leser wird gut tun, das hier Gesagte mit Eph 4,21 - 5,17 zu vergleichen, wo jene beiden Namen Gottes (Liebe und Licht), die einzigen, die gebraucht werden, um seine Natur zu offenbaren, gleichfalls angewandt werden, und zwar um uns den Pfad und den wahren Charakter des Christen zu zeigen; dort natürlich den Mitteilungen entsprechend, die der Heilige Geist uns durch Paulus gibt, nämlich gemäß der Ratschlüsse und dem Werk Gottes in Christo. In Johannes handelt es sich mehr um die Natur.
  • 6 Das hier genutzte Wort ist von dem Wort Kinder in Vers 12 zu unterscheiden. In der unrevidierten Elberfelder Bibel wurde hier das Wort Kindlein benutzt. In der Elberfelder Bibel (CSV) steht hinter dem Wort Kinder ein kleiner Kreis um den Unterschied deutlich zu machen. [Anm. der Red.]
  • 7 Wir werden später sehen, in welch bemerkenswerter Weise von Gott und Christo, als einem Wesen oder als einer Person, gesprochen wird; es handelt sich dabei nicht um die Lehre von den beiden Naturen des Herrn, sondern Christus steht vor dem Geist des Apostels, und er spricht in demselben Satze von Ihm als Gott, und dann wieder von seiner Erscheinung als Mensch. So heißt es im 28. Verse: „Wenn er offenbart wird“, und im 29. Verse ist der Gerechte aus Ihm geboren, und wir sind Kinder Gottes. In Kap. 3, 1 erkennt Ihn die Welt nicht; hier ist es Christus auf der Erde. Im 2. Verse sind wir Gottes Kinder, und zugleich hören wir, dass Er offenbart werden wird und wir Ihm gleich sein werden. Der Umstand, dass wir auch mit Ihm eins gemacht sind, macht das noch wunderbarer. Wir werden Kinder Gottes genannt, weil das sein Titel und sein Verhältnis zum Vater ist. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie Ihn nicht erkannt hat. Wir wissen, dass, wenn Er offenbart werden wird, wir Ihm gleich sein werden. Derselbe Platz ist uns gegeben hier und dort (vgl. 1.Joh 5,20).
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