Botschafter des Heils in Christo 1864

Betrachtungen über die Opfer im dritten Buch Mose - Teil 5/6

Nachdem wir nun die Opfer des „süßen Geruchs“ betrachtet haben, nähern wir uns jetzt den „Opfern für die Sünde.“ Diese werden in 2 Klassen geteilt, nämlich in Sündopfer und in Schuldopfer. Bei den Sündopfern gaben es drei Gerade; erstens, das Opfer für den „Priester, der gesalbt war“, und „für die ganze Versammlung.“ Diese beiden standen in Betreff ihrer Gebräuche und Zeremonien völlig gleich (vgl. V 3–12 mit V 13–21). das Resultat war dasselbe, ob der Stellvertreter der Versammlung oder die Versammlung selbst gesündigt hatte. In jedem Fall waren drei Dinge miteingeschlossen: Gottes Wohnplatz in der Versammlung, die Anbetung der Versammlung und das einzelne Gewissen. Da nun alle drei von dem Blut abhängig waren, so finden wir bei dem ersten Gerade des Sündopfers, dass mit dem Blut dreierlei geschah. Es wurde „siebenmal gesprengt vor dem Herrn, gegen den Vorhang im Heiligen“ (V 6). Dies sicherte Jehovas Verwandtschaft mit dem Volk und sein Wohnen in ihrer Mitte. Dann lesen wir: „Und der Priester soll desselben Bluts tun auf die Hörner des Räucheraltars der vor dem Herrn in der Hütte des Stifts steht“ (V 7). Dies sicherte die Anbetung der Versammlung. Die wahre Grundlage der Anbetung wurde dadurch bewahrt, dass das Blut auf „den goldenen Altar“ getan wurde, so dass die Flamme des Weihrauchs und der Wohlgeruch desselben beständig aufsteigen konnten. Endlich „und alles andere Blut soll er gießen an den Boden des Brandopferaltars, der vor der Tür der Hütte des Stifts steht“ (V 7). Hier wird den Forderungen des einzelnen Gewissens völlig begegnet; denn der eherne Altar war der Ort, wo der Einzelne nahen konnte; es war der Ort, wo Gott dem Sünder begegnete.

In den beiden übrigen Graden, für einen „Fürsten“ und für eine „Seele vom gemeinen Volk“, handelte es sich nur um das persönliche Gewissen; und darum geschah hier mit dem Blut nur eins: es wurde „an den Boden des Brandopferaltars ausgegossen“ (vgl. V 7 mit V 25.30). Es gibt in diesem allen eine göttliche Genauigkeit, die von meinem Leser große Aufmerksamkeit fordert, wenn er anders in die wunderbaren Einzelheiten dieses Vorbildes einzudringen wünscht. {Folgender Unterschied besteht zwischen dem Opfer für einen „Fürsten“ und für „eine Seele vom gemeinen Voll.“ Bei dem Ersteren sollte ein „Ziegenbock ohne Fehl“ sein, bei dem Letzteren eine „Ziege ohne Fehl.“ Die Sünde eines Fürsten übte notwendigerweise einen größeren Einfluss aus, als die Sünde einer gewöhnlichen Person, und darum war eine kräftigere Anwendung von dem Wert des Blutes erforderlich. In Kapitel 5 finden wir Fälle, die eine noch geringere Anwendung des Sündopfers erforderten, wenn z. B. Jemandem „ein Schwur entfahren“ war oder er „etwas Unreines angerührt“ hatte; in welchen Fällen „der zehnte Teil von einem Efa Semmelmehl“ zum Sündopfer erlaubt war (Siehe Kap 5,11–13). Welch ein Unterschied zwischen einer Versöhnung, die durch den Ziegenbock des Fürsten und einer solchen, die durch die Handvoll Semmelmehl des armen Mannes dargestellt wird! Dennoch lesen wir bei Letzterem ebenso wie bei Ersterem: „Es wird ihm vergeben sein.“

Der Leser wird bemerken, dass Kapitel 5,1–13 einen Teil des 4. Kapitels ausmacht. Beide sind in eins zusammengefasst, und stellen die Lehre des Sündopfers in allen ihren Anwendungen vom Stier bis zum Handvoll Semmelmehl dar. Eine jede Klasse der Opfer wird eingeführt durch die Worte: „Und der Herr: redete mit Mose.“ So lesen wir auch bei den Opfern des süßen Geruchs (Kap 1–3): „Und der Herr rief Mose.“ Diese Worte werden nicht wiederholt bis Kapitel 4,1, wo sie das Sündopfer einführen. In Kapitel 5,14 kommen sie wieder vor, und führen das Schuldopfer ein, für Versündigungen „an dem, das dem Herrn heilig ist;“ und dann wieder in Kapitel 6,1, wo sie das Schuldopfer für das an dem Nächsten verübten Unrecht einführen.

Diese Einteilung zeugt von einer schönen Einfachheit, und wird dem Leser das Verständnis der verschiedenen Klassen der Opfer erleichtern. In Betreff der verschiedenen Gerade einer jeden Klasse – sei es ein „Stier“, ein „Ziegenbock“, eine „Ziege“, ein „Vogel“ –oder „eine Handvoll Semmelmehl“ – scheinen diese ebenso Mannigfache Anwendungen von derselben großen Wahrheit zu sein.} Die Wirkung der persönlichen Sünde konnte nicht über das persönliche Gewissen hinausgehen. Die Sünde eines „Fürsten“ oder einer „Seele vom gemeinen Volk“ konnte in ihrem Einfluss weder den „Altar des Weihrauchs“, den Ort der priesterlichen Anbetung, noch den „Vorhang im Heiligtum“, die heilige Grenze des Wohnplatzes Gottes in der Mitte seines Volkes erreichen. Es ist gut, dieses zu erwägen. An dem Ort der priesterlichen Anbetung oder in der Versammlung darf nie von persönlicher Sünde oder Fehltritten die Rede sein. Dieses muss an dem Ort des persönlichen Hinzunahens in Ordnung gebracht werden. Viele irren in dieser Beziehung, Sie kommen in die Versammlung oder an den Ort der priesterlichen Anbetung mit beflecktem Gewissen, und ziehen also die ganze Versammlung hinab und schaden ihrer Anbetung. Dies sollte genau geprüft und mit Sorgfalt darüber gewacht werben. Es tut uns Not, wachsamer zu wandeln, damit unser Gewissen immer im Licht sein möge. Und wenn wir fehlen, wie wir es leider in so vielen Dingen tun, so lasst uns im Verborgenen mit Gott über unsere Fehltritte beschäftigt sein, damit die wahre Anbetung und die wahre Stellung der Versammlung stets völlig und klar vor der Seele bewahrt bleiben.

Nachdem wir so viel über die drei Gerade des Sündopfers gesagt haben, wollen wir weitergehen und im Einzelnen die Grundsätze untersuchen, die in dem Ersten dieser Gerade entfaltet werden. Wir werden dadurch befähigt werden, uns einiger Maßen eine richtige Idee von den Grundsätzen aller zu machen. Ehe wir aber zu dem schon früher vorgenommenen direkten Vergleich übergehen, möchte ich die Aufmerksamkeit meines Lesers auf einen hervorragenden Punkt lenken, der im zweiten Verse dieses vierten Kapitels dargestellt ist. Er ist in folgendem Ausdruck enthalten: „Wenn eine Seele sündigen würde aus Versehen“ oder Unwissenheit. Dies stellt, in Verbindung mit der Versöhnung des Herrn Jesus Christus, eine tief gesegnete Wahrheit vor unsere Seele. Wenn wir jene Versöhnung betrachten, so sehen wir unendlich mehr als die bloße Befriedigung des Gewissens, selbst wenn das Gewissen den höchsten Punkt der Empfindsamkeit erreicht hätte. Es ist unser Vorrecht, das darin zu sehen, was alle die Anforderungen der göttlichen Heiligkeit, der göttlichen Gerechtigkeit und der göttlichen Majestät völlig befriedigt hat. Die Heiligkeit des Wohnplatzes Gottes und der Grund seiner Beziehung zu seinem Volk, konnten nie nach der Richtschnur des menschlichen Gewissens geregelt werden, wie hoch auch diese Richtschnur sein mochte. Es gibt viele Dinge, die das Gewissen des Menschen übersehen würde – viele Dinge, die der Kenntnis des Menschen entgehen würden – viele Dinge, die seinem Herzen ganz recht dünken würden, die aber Gott nicht hingehen lassen könnte, und folglich das Hinzunahen des Menschen zu Gott, sowie seine Anbetung und seine Beziehung zu Ihm verhindern würden. Wenn also die Versöhnung des Christus nur für solche Sünden gesorgt hätte, welche innerhalb der Grenze der Fassungskraft des Menschen liegen, so würden wir uns weit von dem wahren Grund des Friedens befinden. Es ist uns nötig zu verstehen, dass die Sünde versöhnt worden ist nach dem, wie Gott sie gemessen hat, dass den Forderungen seines Thrones vollkommen Genüge geleistet ist, dass die Sünde, wie sie im Licht seiner unveränderlichen Heiligkeit gesehen wird, auf göttliche Weise gerichtet worden ist. Dies gibt der Seele einen festen Frieden. Sowohl für die unwissentlichen, als auch für die wissentlichen Sünden des Gläubigen ist eine völlige Versöhnung geschehen. Die Grundlage seiner Beziehung und Gemeinschaft mit Gott ist durch das Opfer Christi den Anforderungen gemäß, die Gott daran stellt.

Es ist von unaussprechlichem Wert, ein richtiges Gefühl davon zu haben. Wenn dieser Zug der Versöhnung nicht ergriffen wird, so kann da weder ein fester Frieden, noch ein richtiges, moralisches Gefühl von der Tragweite und Fülle des Werkes Christi sein, oder von der wahren Natur der Beziehung, die darauf gegründet ist. Gott wusste, was nötig war, damit der Mensch ohne einen einzigen Zweifel in seiner Gegenwart sein konnte; und auf dem Kreuz hat Er völlig dafür gesorgt. Die Gemeinschaft zwischen Gott und dem Menschen wäre ganz unmöglich gewesen, wenn nicht mit der Sünde, nach den Gedanken Gottes über dieselbe, verfahren wäre; denn wenn auch das Gewissen des Menschen befriedigt worden wäre, so würde sich doch immer die Frage aufdrängen: Ist Gott befriedigt worden? Und solange diese Frage nicht bejahend beantwortet werden kann, so kann die Gemeinschaft nimmer bestehen. 1 Der Gedanke würde sich stets dem Herzen aufdrängen, dass sich in den Einzelheiten des täglichen Lebens Dinge offenbarten, welche die göttliche Heiligkeit nicht ertragen könnte. Es ist wahr, wir könnten solche Dinge durch „Unwissenheit“ oder „aus Versehen“ tun; aber vor Gott würde das die Sache nicht ändern, da Ihm alles bewusst ist. Deshalb würde immer Furcht, Zweifel und Bangigkeit vorhanden sein. Allen diesen Dingen ist aber auf eine göttliche Weise durch die Tatsache begegnet worden, dass die Sünde versöhnt worden ist – nicht nach unserer Unwissenheit, sondern nach Gottes Erkenntnis. Diese Zuversicht gibt dem Herzen und dem Gewissen völlige Ruhe. Den Anforderungen Gottes ist durch sein eigenes Werk Genüge geleistet worden. Er selbst hat Vorsorge getroffen, und darum je zarter das Gewissen des Gläubigen unter der vereinten Wirkung des Wortes und des Geistes Gottes sein wird, desto mehr wird Er in dem göttlich geordneten Gefühl dessen wachsen, was sich moralisch für das Heiligtum geziemt, desto tiefer wird er alles empfinden, was nicht in die göttliche Gegenwart passt, desto völliger, klarer, tiefer und kräftiger wird seine Auffassung von dem unendlichen Werte jenes Sündopfers sein, das nicht nur über die äußersten Grenzen des menschlichen Gewissens hinausgeht, sondern auch in absoluter Vollkommenheit allen Anforderungen der göttlichen Heiligkeit begegnet.

Nichts kann des Menschen vollkommene Unfähigkeit, mit der Sünde zu handeln, stärker ausdrücken, als die Tatsache, dass er „aus Versehen“ oder aus Unwissenheit sündigen kann. Wie könnte er dem begegnen, das er nicht weiß? Wie könnte er sich von dem befreien, das nie in den Bereich seines Gewissens gekommen ist? Unmöglich! Des Menschen Unwissenheit über die Sünde beweist seine gänzliche Unfähigkeit, sie hinweg zu tun. Wenn er nichts von ihr weiß, was kann er mit ihr machen? Nichts. Er ist ebenso machtlos, als er unwissend ist. Dies ist aber nicht alles. Die Tatsache einer „Sünde ans Unwissenheit“ bezeugt sehr deutlich die Ungewissheit, welche jede Bestimmung über die Frage der Sünde begleiten müsste, wenn dabei keinen höheren Anforderungen entsprochen wäre, als denen, die von dem zartesten menschlichen Gewissen ausgehen. Ans diesem Grund könnte nimmer ein fester Frieden bestehen. Da würde stets die schmerzliche Besorgnis sein, dass etwas Unrechtes dabei sein möchte. Wenn nicht das Herz durch das Zeugnis der Schrift, dass den unbiegsamen Anforderungen der göttlichen Gerechtigkeit begegnet worden, zur völligen Ruhe gebracht ist, so muss notwendigerweise ein peinliches Gefühl von Unruhe da sein; und jedes Gefühl der Art stellt unserer Anbetung, unserer Gemeinschaft und unserem Zeugnis ein Hindernis dar. Wenn ich in Bezug auf die Feststellung der Frage der Sünde unruhig bin, so kann ich nicht anbeten und nicht die Gemeinschaft genießen, weder mit Gott noch mit seinem Volk; noch kann ich ein einsichtsvoller oder wirksamer Zeuge für Christus sein. Was die Vergebung der Sünde betrifft, so muss das Herz in vollkommener Ruhe vor Gott sein, ehe wir Ihn „in Geist und Wahrheit anbeten können.“ Wenn irgendwelche Schuld auf dem Gewissen ist, so ist Furcht im Herzen; und sicherlich kann ein mit Furcht erfülltes Herz kein glückliches oder anbetendes Herz sein. Nur von einem Herzen, das mit der süßen und heiligen Ruhe, welche das Blut Christi mitteilt, erfüllt ist, kann die wahre und annehmbare Anbetung zum Vater aufsteigen. Derselbe Grundsatz gilt in Bezug auf unsere Gemeinschaft mit dem Volk Gottes, in Bezug auf unseren Dienst und auf unser Zeugnis unter den Menschen. Alles muss ans der Grundlage eines gesicherten Friedens ruhen, und dieser Friede ruht auf der Grundlage eines vollkommen gereinigten Gewissens; und dieses gereinigte Gewissen ruht auf der Grundlage der vollkommenen Vergebung aller unserer Sünden, sowohl der unwissentlichen als auch der wissentlichen.

Wenn wir jetzt fortfahren, und das Sündopfer mit dem Brandopfer vergleichen, so werden wir zwei sehr verschiedene Seiten von Christus entdecken. Aber wiewohl diese Seiten verschieden sind, so ist es doch ein und derselbe Christus; und daher war das Opfer in jedem Fall „ohne Fehl.“ Dies ist leicht zu begreifen. Von welcher Seite wir auch den Herrn Jesus betrachten mögen, Er muss immer als derselbe Reine, Fleckenlose, Heilige und Vollkommene gesehen werden. Es ist wahr, in seiner überströmenden Gnade erniedrigte Er sich selbst, um der Sündenträger seines Volkes zu sein, aber es war ein vollkommener, fleckenloser Christus, der dieses tat; und es würde nichts weniger als teuflische Bosheit sein, von der Tiefe seiner Erniedrigung Veranlassung zu nehmen, um die persönliche Herrlichkeit des Erniedrigten zu verdunkeln. Die wesentliche Vortrefflichkeit, die ungetrübte Reinheit und die göttliche. Herrlichkeit unseres gesegneten Herrn erscheinen ebenso völlig im Sündopfer als im Brandopfer. In welcher Beziehung Er auch steht, welchen Dienst Er auch erfüllt, welches Werk Er auch vollbringt, welche Stellung Er auch einnimmt, immer strahlt seine persönliche Herrlichkeit in ihrem göttlichen Glänze hervor.

Diese Wahrheit des ein und desselben Christus wird, sowohl im Brandopfer als auch im Sündopfer, nicht nur in jener Tatsache gesehen, dass in jedem Fall das Opfer „ohne Fehl“ war, sondern auch im Gesetz des Sündopfers, worin wir lesen: „Sage Aaron und seinen Söhnen, und sprich: Dies ist das Gesetz des Sündopfers: An der Stätte, da man das Brandopfer schlachtet, soll auch das Sündopfer geschlachtet werden vor dem Herrn; es ist hochheilig“ (Kap 6,25). Beide Vorbilder zeigen auf dasselbe große Gegenbild hin, obgleich sie Ihn in solch entgegengesetzten Seiten seines Werkes darstellen. Im Brandopfer steht man Christus als den, der den göttlichen Zuneigungen entspricht; im Sündopfer sieht man Ihn als den, der den Tiefen des menschlichen Bedürfnisses begegnet. Jenes stellt Ihn uns als den Erfüller des Willens Gottes dar; dieses als den Träger der Sünde des Menschen. In Ersterem lernen wir die Köstlichkeit des Opfers, in Letzterem die Hassenswürdigkeit der Sünde. – So viel in Betreff der beiden Opfer im Allgemeinen. Die genaueste Untersuchung der Einzelheiten wird nur dazu beitragen, das Gemüt in der Wahrheit dieser allgemeinen Darstellung zu befestigen.

Wenn wir also zuerst das Brandopfer betrachten, so werden, wir bemerken, dass es ein „freiwilliges“ Opfer war. „Will er ein Brandopfer tun von Rindern, so opfere er ein Männlein, das ohne Fehl sei; vor der Tür der Hütte des Stifts bringe er es freiwillig vor den Herrn“ (3. Mo 1,3). 2 das Wort „freiwillig“ kommt beim Sündopfer nicht vor. Und dies ist es gerade, was wir erwarten konnten. Es entspricht völlig dem eigentümlichen Gegenstand des Heiligen Geistes im Brandopfer, dasselbe als ein freiwilliges Opfer darzustellen. Es war Christi Speise und Trank, den Willen Gottes zu tun, was dieser Wille auch sein mochte. Er dachte nie daran, zu fragen, was die Bestandteile des Kelchs seien, den der Vater in seine Hand gab. Es genügte Ihm völlig, dass der Vater ihn bereitet hatte. So war es mit dem Herrn Jesus, wie Er im Brandopfer vorgebildet ist. Im Sündopfer aber wird uns eine ganz andere Seite der Wahrheit entfaltet. Dieses Vorbild stellt Christus nicht vor uns als den „freiwilligen“ Erfüller des Willens Gottes, sondern als den Träger jener schrecklichen Sache, welche „Sünde“ genannt wird, und als den Träger all ihrer schrecklichen Folgen, worin das schrecklichste für Ihn, das Verbergen des Antlitzes Gottes, war. Daher würde das Wort „freiwillig“ mit dem Gegenstand des Geistes im Sündopfer nicht Harmonieren. Es würde in jenem Vorbild so völlig am unrechten Platze sein, wie es im Brandopfer auf eine göttliche Weise am rechten Platze ist. Dessen Vorhandensein und dessen Nachvorhandensein sind beide gleich göttlich, und beide stellen ebenso die vollkommene, die göttliche Genauigkeit der Vorbilder im dritten Buch Moses dar.

Der Gegensatz, den wir soeben betrachtet haben, erklärt uns zwei Ausdrücke des Herrn, oder bringt sie vielmehr in Einklang. Bei einer Gelegenheit sagt Er: „Den Kelch, welchen mir der Vater gegeben, soll ich den nicht trinken?“ (Joh 18,11) Und wiederum: „Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch von mir vorüber“ (Mt 26,39). Der Erste dieser Ausdrücke war die völlige Verwirklichung der Worte, mit denen Er seinen Lauf begonnen hatte, nämlich: „Siehe ich komme, um deinen Willen, o Gott, zu tun;“ und zudem ist es die Sprache Christi als Brandopfer. Der Letzte ist im Gegenteil die Sprache Christi, als Er den Platz betrachtete, den Er als Sündopfer einnehmen sollte. Was jener Platz war und was Er für Ihn enthielt, indem Er ihn einnahm, werden wir bei Fortsetzung unserer Betrachtung denk ich erkennen; aber es ist interessant und belehrend, zu finden, dass die ganze Lehre der beiden Opfer in der Tatsache enthalten ist, dass ein einziges Wort in dem einen eingeführt und in dem anderen weggelassen ist. Finden wir im Brandopfer die völlige Bereitwilligkeit des Heraus mit welcher Christus sich für die Erfüllung des Willens Gottes opferte, so finden wir beim Sündopfer, wie vollkommen Er in alle die Folgen der Sünde des Menschen eintrat, und wie Er in Bezug auf Gott in der weitesten Entfernung der menschlichen Stellung seinen Platz nahm. Es war seine Freude, den Willen Gottes zu erfüllen; aber Er bebte davor zurück, nur einen Augenblick das Licht seines gesegneten Antlitzes zu entbehren. Kein Opfer allein hätte Ihn in diesen beiden Phasen vorbilden können. Wir bedurften ein Vorbild, um Ihn uns als den darzustellen, dessen Freude es war, den Willen Gottes zu tun; und wir bedurften ein Vorbild, um Ihn uns als den darzustellen, dessen heilige Natur vor den Folgen der zugerechneten Sünde zurückbebte. Gelobt sei Gott! wir haben beides. Das Brandopfer gewährt das eine, das Sündopfer das andere. Darum je völliger wir in die Ergebenheit des Herzens Christi an Gott eintreten, desto völliger werden wir seinen Abscheu gegen die Sünde verstehen, und umgekehrt. Jedes wirft ein helles Licht auf das andere, und der Gebrauch des Wortes „freiwillig“ in dem einen und nicht in dem anderen stellt die besondere Wichtigkeit eines jeden fest.

Es könnte nun aber gesagt werden: „War es denn nicht der Wille Gottes, dass Christus sich selbst als eine Versöhnung für die Sünde opfern sollte? Und wenn dies der Fall war, wie konnte Er da irgendwie vor der Erfüllung jenes Willens zurückbeben?“ Gewiss war es der „bestimmte Ratschluss Gottes“, dass Christus leiden sollte, und überdies war es die Freude Christus, Gottes Willen zu erfüllen. Wie aber haben wir den Ausdruck zu verstehen: „Wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch von mir vorüber?“ Ist es nicht der Ausspruch Christi? Ist da kein deutliches Vorbild von dem, der diese Worte aussprach? Ohne Zweifel. Es würde eine bedeutende Lücke unter den Vorbildern der mosaischen Haushaltung sein, wenn nicht eins vorhanden wäre, um den Herrn Jesus genau in der Stellung vorzubilden, in welcher der obige Ausdruck Ihn darstellt. Aber das Brandopfer zeigt Ihn uns nicht also. Da ist kein einziger, mit jenem Opfer verbundener Umstand, der mit einer solchen Sprache übereinstimmen würde. Das Sündopfer allein liefert uns das passende Vorbild von dem Herrn Jesus, als dem, der jene Worte der tiefsten Angst seiner Seele ausströmen ließ; denn in diesem allein finden wir die Umstände, welche solche Worte aus der Tiefe seiner fleckenlosen Seele hervorbrachten. Der furchtbare Schatten des Kreuzes mit seiner Schande, mit seinem Fluch und mit seinem Ausschließen von dem Licht des Angesichts Gottes ging an seinem Geist vorüber, und Er konnte es selbst nicht betrachten, ohne auszurufen: „Wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch von mir vorüber.“ Aber kaum hatte Er diese Worte ausgesprochen, so offenbarte sich sogleich seine tiefe Unterwürfigkeit in den folgenden: „Dein Wille geschehe!“ Welch ein bitterer Kelch muss es gewesen sein, der einem vollkommen unterwürfigen Herzen die Worte auspresste: „Er gehe von mir vorüber!“ Welch eine vollkommene Unterwürfigkeit muss es gewesen sein, die in der Gegenwart eines so bitteren Kelchs von Herzen ausrufen konnte: „Dein Wille geschehe!“

Wir wollen nun die vorbildliche Handlung vom „Auflegen der Hände“ betrachten. Diese Handlung war beiden Opfern – dem Brandopfer wie dem Sündopfer – gemein; aber bei dem Ersteren brachte es den Opfernden unter einen gleichen Begriff mit einem unbefleckten Opfer, bei dem Letzteren schloss es die Übertragung der Sünde des Opfernden auf das Haupt des Opfers in sich. Also war es bei dem Vorbild; und wenn wir das Gegenbild betrachten, so lernen wir eine Wahrheit von der trostreichsten und erbaulichsten Art – eine Wahrheit, die, wenn deutlicher verstanden und völliger erfahren, einen festeren Frieden mitteilen würde, als man gewöhnlich besitzt.

Was ist denn die Lehre, die in dem „Auflegen der Hände“ dargestellt wird? Dieses hier: Christus wurde „für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in Ihm die Gerechtigkeit Gottes würden“ (2. Kor 5). Er nahm unsere Stellung mit all ihren Folgen ein, damit wir seine Stellung mit all ihren Folgen einnehmen könnten. Er wurde auf dem Kreuz als Sünde behandelt, damit wir in der Gegenwart der unendlichen Heiligkeit als Gerechtigkeit behandelt werden könnten. Er wurde aus Gottes Gegenwart verstoßen, weil Er durch Zurechnung die Sünde auf sich hatte, damit wir in das Haus Gottes und in seinen Schoß aufgenommen werden könnten, weil wir durch Zurechnung eine vollkommene Gerechtigkeit haben. Er musste das Verbergen des Antlitzes Gottes erduldest, damit wir uns im Licht seines Antlitzes sonnen könnten. Er musste durch jene schrecklichen Stunden der Finsternis hindurchgehen, damit wir in ewigem Licht wandeln möchten. Er war von Gott verlassen, damit wir seine Gegenwart für immer genießen könnten. Alles was uns als verlorenen Sündern gebührte, wurde auf Ihn gelegt, damit alles, was Ihm, dem Vollender der Erlösung, gebührte, unser sein könnte. Als Er an dem verfluchten Holz hing, da war alles gegen Ihn, damit nichts gegen uns sein möchte. Er wurde in der Wirklichkeit des Todes und des Gerichts mit uns eins gemacht, damit wir in der Wirklichkeit des Lebens und der Gerechtigkeit mit Ihm eins gemacht werden könnten. Er trank den Kelch des Zornes, den Kelch des Zagens, damit wir den Kelch des Heils, den Kelch der unendlichen Gunst trinken könnten. Er wurde nach unserem Verdienst behandelt, damit wir nach seinem Verdienst behandelt werden könnten.

Dies ist die wunderbare Wahrheit, die durch die zeremonielle Handlung des „Auferlegens der Hände“ dargestellt wird. Wenn der Anbeter seine Hand auf das Haupt gelegt hatte, dann war es zu Ende mit der Frage, was er war, oder was er verdiente, sondern es galt nur die Frage, was das Opfer in dem Urteil Jehovas war. War das Opfer ohne Tadel, so war es auch der Opfernde; wurde das Opfer angenommen, so wurde es auch der Opfernde; sie wurden vollkommen unter einen Begriff gebracht. Die Handlung des „Auslegens der Hände“ machte sie völlig eins in dem Urteil Gottes. Er blickte den Opfernden durch die Vermittlung des Opfers an. So war es beim Brandopfer. Aber beim Sündopfer, wenn der Opfernde seine Hand auf das Haupt des Opfers gelegt hatte, so handelte es sich um das, was der Opfernde war, und was er verdiente. Das Opfer wurde nach dem Verdienst des Opfernden behandelt. Sie wurden vollkommen unter einen Begriff gebracht. Die Handlung „des Auslegens der Hände“ machte sie in dem Urteil Gottes völlig eins. Im Sündopfer wurde mit der Sünde des Opfernden gehandelt, im Brandopfer wurde die Person des Opfernden angenommen. Dies machte einen großen Unterschied. Wenn auch die Handlung des Auflegens der Hände bei den Vorbildern gemein war, und wenn es auch bei jedem Einzelnen die Gleichmachung ausdrückte, so waren doch die Folgen so verschieden als möglich. Der Gerechte wurde behandelt wie der Ungerechte, und der Ungerechte angenommen in dem Gerechten. „Christus hat einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, auf dass Er uns zu Gott führe.“ Dies ist die Lehre. Unsere Sünden brachten Christus an das Kreuz; aber Er bringt uns zu Gott. Und wenn Er uns zu Gott bringt, so geschieht es in seiner eigenen Annehmlichkeit, als auferstanden aus den Toten, nachdem Er nach der Vollkommenheit seines Werkes unsere Sünden hinweggetan hatte. Er hat sie weit vom Heiligtum Gottes entfernt, damit Er uns nahebringen möchte, sogar in das Allerheiligste, in der vollen Zufriedenheit des Herzens und mit einem Gewissen, das durch sein kostbares Blut von jedem Flecken der Sünde völlig gereinigt ist.

Je sorgfältiger wir nun alle die Einzelheiten des Brandopfers und des Sündopfers vergleichen, desto deutlicher werden wir die Wahrheit von dem erfassen, was droben in Bezug auf die Auslegung der Hände und deren Resultate in beiden Fällen erwähnt worden ist.

Im ersten Kapitel dieses Buches bemerkten wir die Tatsache, dass die „Söhne Aarons“ beim Brandopfer eingeführt wurden, was aber nicht beim Sündopfer der Fall war. Als Priester hatten sie das Vorrecht, um den Altar zu stehen, und die Flamme eines angenehmen Opfers zu dem Herrn aufsteigen zu sehen. Aber beim Sündopfer handelte es sich um ein feierliches Gericht der Sünde, und nicht um priesterliche Anbetung oder Bewunderung; und darum erscheinen hier die Söhne Aarons nicht. Als überzeugte Sünder haben wir es mit Christus, dem Gegenbild des Sündopfers, zu tun. Als anbetende Priester, angetan mit den Kleidern des Heils, betrachten wir Christus als das Gegenbild des Brandopfers.

Weiter kann der Leser bemerken, dass dem Brandopfer die „Haut abgezogen“ wurde, was beim Sündopfer nicht geschah. Das Brandopfer wurde „in seine Stücke zerhauen“, das Sündopfer nicht. „Die Eingeweide und die Schenkel“ des Brandopfers wurden „mit Wasser gewaschen“, welche Handlung beim Sündopfer nicht vorkommt. Endlich wurde das Brandopfer auf dem Altar verbrannt; aber das Sündopfer außerhalb des Lagers. Dies sind wichtige Punkte der Verschiedenheit, die einfach ans dem unterscheidenden Charakter der Opfer entspringen. Wir wissen, dass da nichts im Wort Gottes ist, das nicht seine besondere Bedeutung hat; und jeder einsichtsvolle und sorgfältige Forscher der Schrift wird die obigen Punkte der Verschiedenheit bemerken; und wenn er sie bemerkt, so wird er natürlicherweise ihren wahren Sinn zu ermitteln suchen. Wohl mag Unwissenheit in Betreff der Bedeutung da sein; aber Gleichgültigkeit darüber sollte nie vorhanden sein. In irgendeinem Teil der heiligen Schrift, und besonders in einem so reichhaltigen, als dem uns hier vorliegenden, einen einzigen Punkt zu übersehen, hieße auf den göttlichen Urheber Unehre bringen, und unseren eigenen Seelen vielen Nutzen rauben. Wir sollten über die geringsten Einzelheiten sinnen entweder um die Weisheit Gottes darin anzubeten, oder um unsere Unwissenheit darin zu bekennen. Mit einem Geist der Gleichgültigkeit an ihnen vorüberzugehen, heißt folgern, dass der Heilige Geist bemüht gewesen sei, das niederzuschreiben, was wir nicht der Mühe werthalten, zu verstehen. Kein gutgesinnter Christ wird dies zu denken wagen. Wenn der Geist, als Er die Verordnung des Sündopfers niederschrieb, die verschiedenen, oben erwähnten Gebräuche ausgelassen hat Gebräuche, die in der Verordnung des Brandopfers einen so hervorragenden Platz einnehmen, so muss jedenfalls ein guter Grund dazu vorhanden sein, und auch eine wichtige Bedeutung darin liegen. Deshalb sollten wir jene Gebräuche wohl zu erfassen suchen; und ohne Zweifel sind sie bei jedem Opfer aus dem besonderen Vorsatz des göttlichen Sinnes entstanden. Das Sündopfer stellt jene Seite des Werkes Christi dar, in welcher man Ihn gerichtlich die Stelle einnehmen sieht, die uns moralisch gehörte. Um dieser Ursache willen konnte da nicht jener erhabene Ausdruck von dem sein, was Er in all den geheimen Quellen seiner Handlungen war, wie in dem vorbildlichen Akt des „Hautabziehens“ entfaltet wird; noch konnte da jene ausgebreitete Darstellung von dem sein, was Er nicht nur als ein Ganzes, sondern auch in den kleinsten Zügen seines Charakters war, wie es in jenem Akt gesehen wird, wo das Opfer „in seine Stücke zerhauen“ würde; noch konnte da jene Offenbarung von dem sein, was Er persönlich, praktisch und wesentlich war, wie es in dem bedeutungsvollen Akt des „Waschens der Eingeweide und der Schenkel mit Wasser“ dargestellt wird.

Alle diese Dinge gehörten einzig und allein zu dem Brandopfer, worin wir unseren gesegneten Herrn als den sehen, der sich selbst dem Auge, dem Herzen und dem Altar Jehovas opferte, ohne dass da irgendwie eine Frage von zugerechneter Sünde, von Zorn oder von Gericht gewesen wäre. Im Sündopfer sehen wir, was die Sünde ist, anstatt die große vorherrschende Idee von dem zu haben, was Christus ist. Anstatt der Köstlichkeit Jesu haben wir die Hässlichkeit der Sünde. Im Brandopfer, indem sich Christus selbst Gott opferte und durch Ihn angenommen wurde, sehen wir alles getan, das möglicherweise offenbaren konnte, was Er in jeder Hinsicht war. Im Sündopfer, indem es die durch Gott gerichtete Sünde ist, ist das Gegenteil der Fall. Dies alles ist so einfach, dass es keiner großen Anstrengung des Geistes bedarf, um es zu erfassen. Es fließt ganz natürlich aus dem unterscheidenden Charakter des Vorbildes hervor.

Obwohl aber der Hauptgedanke beim Sündopfer ist, das vorzubilden, was Christus für uns wurde, und nicht das, was Er in sich selbst war, so gibt es dennoch einen mit diesem Vorbild verbundenen Ritus, der seine persönliche Annehmlichkeit vor Jehova aufs völligste ausdrückt. Dieser Ritus ist in den folgenden Worten niedergelegt. „Und alles Fett des Stiere soll er von ihm heben, nämlich das Fett, sodass Eingeweide bedeckt, und alles Fett am Eingeweide; und die zwei Nieren, mit dem Fett, das darüber ist, an den Lenden, und das Netz um die Leber, an den Nieren abgerissen; gleich wie man es hebt vom Ochsen im Dankopfer; und der Priester soll es anzünden auf dem Brandopferaltar“ (3. Mo 4,8–10). Also ist nicht einmal im Sündopfer die innere Vortrefflichkeit Christi übergangen worden. Das auf dem Altar verbrannte Fett ist der geeignete Ausdruck von der göttlichen Würdigung der Köstlichkeit der Person Christi, was für einen Platz Er auch in vollkommener Gnade um unsertwillen oder an unserer statt einnehmen mochte. Er wurde für uns zur Sünde gemacht; und in dieser Beziehung ist das Sündopfer das göttlich bestimmte Vorbild von Ihm. Aber weil es der Herr Jesus Christus war, der Auserwählte Gottes, sein Heiliger, sein reiner, sein fleckenloser, sein ewiger Sohn, der zur Sünde gemacht wurde, so wurde das Fett des Sündopfers auf dem Alter verbrannt, als ein geeignetes Material für jenes Feuer, welches die ausdrückliche Darstellung der göttlichen Heiligkeit war.

Doch selbst in diesem Punkt sehen wir, welch ein Gegensatz zwischen dem Sündopfer und dem Brandopfer war. Bei Letzterem war es nicht nur das Fett, sondern das ganze Opfer, das auf dem Altar verbrannt wurde, weil es Christus war, ohne dass irgendwie vom Sündentragen die Rede gewesen wäre. Bei Ersterem wurde nur das Fett auf dem Altar verbrannt, weil es sich um das Sündentragen handelte, obgleich Christus der Sündenträger war. Die göttlichen Herrlichkeiten der Person Christi leuchten sogar inmitten der dunkelsten Schatten des verfluchten Holzes hervor, an welches Er sich nageln ließ, als ein Fluch für uns. Die Hässlichkeit dessen, womit Er in der Ausübung der göttlichen Liebe seine gesegnete Person verband, konnte nicht verhindern, dass der süße Geruch seiner Köstlichkeit zum Thron Gottes aufstieg. Auf diese Weise wird uns das tiefe Geheimnis enthüllt, wie Gottes Antlitz sich vor dem verbarg, was Christus wurde, und Gottes Herz sich an dem erquickte, was Christus war. Dies verleiht dem Sündopfer einen besonderen Reiz. Die glänzenden Strahlen der persönlichen Herrlichkeit des Christus brechen inmitten der schrecklichen Finsternis Golgathas hervor. Sein persönlicher Wert wird in den tiefsten Tiefen seiner Demütigung offenbart; Gottes Wonne wird an dem erwiesen, vor welchem Er zur Rechtfertigung seiner unveränderlichen Gerechtigkeit und Heiligkeit sein Angesicht verbergen musste; und dies alles wird in der Tatsache dargestellt, dass das Fett des Sündopfers auf dem Altar verbrannt wurde.

Nachdem wir nun zuerst versucht haben, zu zeigen, was mit dem „Blut“ und dann, was mit dem „Fett“ geschah, so haben wir jetzt noch zu betrachten, was mit dem „Fleisch“ gemacht wurde. „Aber das Fell des Stiere mit alle seinem Fleisch ... und also den ganzen Stier, soll er hinausführen außer dem Lager, an eine reine Stätte, da man die Asche hinschüttet, und soll es verbrennen auf Holz mit Feuer, auf der Aschenschütte soll es verbrannt werden“ (3. Mo 4,11–12). In diesem Akt haben wir den Hauptzug des Sündopfers der es sowohl vom Brandopfer als auch vom Dankopfer unterscheidet. Sein Fleisch wurde nicht, wie beim Brandopfer, auf dem Altar verbrannt; noch wurde es vom Priester oder vom Anbeter, wie beim Dankopfer, gegessen. Es wurde gänzlich außerhalb des Lagers verbrannt. 3 „Aber all das Sündopfer, von dessen Blut in die Hütte des Stifts gebracht wird, zu versöhnen im Heiligen, soll man nicht essen, sondern mit Feuer verbrennen“ (3. Mo 6,30). „Denn von den Tieren, deren Blut für Sünde durch den Hohepriester in das Heiligtum gebracht wird, werden die Leiber außerhalb des Lagers verbrannt“ (Heb 13,11–12).

Indem wir nun das, was mit dem „Blut“ geschah, mit dem zusammenstellen, was mit dem „Fleisch“ oder dem „Körper“ des Opfers getan wurde, so treten zwei große Zweige der Wahrheit vor unsere Augen, nämlich, die Anbetung und die Jüngerschaft. Das ins Heiligtum gebrachte Blut ist die Grundlage des Ersteren. Der außerhalb des Lagers verbrannte Körper ist die Grundlage des Letzteren. Ehe wir mit Frieden im Gewissen und mit befreitem Herzen anbeten können, müssen wir, gestützt auf die Autorität des Wortes und durch die Kraft des Geistes, wissen, dass die ganze Frage der Sünde durch das Blut des göttlichen Sündopfers für immer in Ordnung gebracht, dass sein Blut vor dem Herrn vollkommen gesprengt und dass allen Anforderungen Gottes und allen unseren Bedürfnissen, als verlorenen und schuldigen Sündern, für immer begegnet worden ist. Dies gibt vollkommenen Frieden; und im Genuss dieses Friedens beten wir Gott an. Wenn vor Alters ein Israelit sein Sündopfer dargebracht hatte, so war sein Gewissen in Ruhe gebracht, insoweit das Opfer fähig war, Ruhe mitzuteilen. Freilich war es nur eine zeitliche Ruhe, da es die Frucht eines zeitlichen Opfers war. Aber es ist klar, welche Art von Ruhe das Opfer auch zu geben vermochte, der Opfernde durfte sie genießen. Daher weil unser Opfer ewig und göttlich ist, so ist auch unsere Ruhe ewig und göttlich. Wie das Opfer, so auch die Ruhe, die darauf gegründet ist. Ein Jude hatte nie ein ewig gereinigtes Gewissen, und einfach deshalb nicht, weil er kein ewig wirksames Opfer hatte. Er konnte in einem gewissen Sinne auf einen Tag, auf einen Monat oder auf ein Jahr sein Gewissen gereinigt haben; aber er konnte es nicht für immer gereinigt haben. „Christus aber, gekommen als Hohepriester der zukünftigen Güter, in Verbindung mit der größeren und vollkommeneren Hütte, die nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht durch Blut von Böcken und Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut, ist ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen, als Er eine ewige Erlösung erfunden hatte. Denn wenn das Blut von Stieren und Böcken und die Asche einer jungen Kuh, auf die Unreinen gesprengt, zur Reinheit des Fleisches heiligt, wie vielmehr wird das Blut des Christus, der durch den ewigen Geist sich selbst ohne Flecken Gott geopfert hat, euer Gewissen von toten Werken reinigen, um dem lebendigen Gott zu dienen!“ (Heb 9,11–14)

Hier haben wir die völlige, bestimmte Darstellung der Lehre. Das Blut der Böcke und Kälber verschaffte eine zeitliche Erlösung; das Blut Christi aber verschafft eine ewige Erlösung. Das Erstere reinigte äußerlich, das Letztere innerlich. Jenes reinigte das Fleisch für eine Zeit, dieses das Gewissen für immer. Die ganze Frage dreht sich nicht um den Charakter, oder den Zustand des Opfernden, sondern um den Wert des Opfers. Es handelt sich durchaus nicht darum, ob ein Christ ein besserer Mensch ist, als ein Jude, sondern ob das Blut Christi besser ist, als das Blut einer jungen Kuh. Und gewiss ist es besser. Wie viel besser? Unendlich viel. Der Sohn Gottes teilte die ganze Würde seiner eigenen, göttlichen Person dem Opfer mit, welches Er darbrachte; und wenn das Blut einer jungen Kuh das Fleisch für ein Jahr reinigte, „wie vielmehr“ wird das Blut des Sohnes Gottes das Gewissen für immer reinigen. Wenn jenes einige Sünde hinwegnahm, wie viel mehr wird dieses alle hinwegnehmen.

Warum aber war der Jude für eine Zeit in Ruhe gebracht, wenn er sein Sündopfer dargebracht hatte? Wie wusste er, dass die besondere Sünde, wofür er sein Opfer dargebracht hatte, vergeben war? Weil Gott gesagt hatte: „Es wird ihm vergeben werden.“ Der Friede seines Herzens, in Bezug auf jene besondere Sünde, ruhte auf dem Zeugnis des Gottes Israels, und auf dem Blut des Schlachtopfers. So ruht auch jetzt der Friede des Gläubigen in Bezug auf „alle Sünde“ auf der Autorität des Wortes Gottes und dem kostbaren „Blut Christi.“ Wenn ein Jude gesündigt hatte und sein Sündopfer darzubringen vernachlässigte, so würde er von seinem Volk ausgerottet worden sein; wenn er aber seinen Platz als Sünder nahm, wenn er seine Hand auf das Haupt seines Sündopfers legte, so wurde das Opfer an seiner Statt ausgerottet, und er war insoweit frei. Das Opfer wurde behandelt wie es der Opfernde verdiente; und ein solcher würde deshalb, wenn er nicht wusste, dass ihm seine Sünden vergeben waren, Gott zu einem Lügner gemacht und das Blut des göttlich verordneten Sündopfers als Nichts geachtet haben.

Und wenn dieses wahr ist in Bezug auf jemand, der nur auf dem Blut eines Bockes ruhen konnte, wie viel kräftiger ist es auf den anwendbar, der auf dem kostbaren Blut Christi ruhen kann? Der Gläubige sieht in Christus den, der für alle seine Sünde gerichtet worden ist den, welcher, als Er auf dem Kreuz hing, die ganze Last seiner Sünde trug – Den, welcher, nachdem Er sich für jene Sünde verantwortlich gemacht hatte, nicht sein könnte, wo Er jetzt ist, wenn nicht die ganze Frage der Sünde nach allen Anforderungen der unendlichen Gerechtigkeit Gottes in Ordnung gebracht wäre. So unbedingt nahm Christus des Gläubigen Platz auf dem Kreuz ein, so gänzlich wurde Er mit ihm unter einen Begriff gebracht, so völlig wurde Ihm dort die Sünde des Gläubigen zugerechnet, dass jede Frage der Verantwortlichkeit für den Gläubigen, jeder Gedanke von Schuld, jede Idee, dem Gericht und dem Zorn ausgesetzt zu sein, auf ewig bei Seite gesetzt ist. Es wurde alles auf dem Fluchholz zwischen der göttlichen Gerechtigkeit und dem fleckenlosen Opfer in Ordnung gebracht. Und nun ist der Gläubige so vollkommen mit Christus auf dem Thron eins gemacht, wie Christus auf dem Kreuz mit ihm eins gemacht war. Die Gerechtigkeit hat keine Anklage gegen den Gläubigen vorzubringen, weil sie keine Anklage gegen Christus vorzubringen hat. Also steht es für immer. Könnte eine Anklage gegen den Gläubigen erhoben werden, so würde sowohl die Wahrheit, dass Christus auf dem Kreuz mit ihm eins, d. h. zur Sünde gemacht ist, als auch die Vollkommenheit des Werkes Christi um seinetwillen in Frage gestellt werden. Wenn vor Alters der Anbeter auf seinem Rückweg, nachdem er sein Sündopfer dargebracht hatte, von irgendjemandem wegen der speziellen Sünde, wofür sein Opfer geblutet Hatte, angeschuldigt worden wäre, was würde seine Antwort gewesen sein? Sicher diese: Die Sünde ist durch das Blut des Schlachtopfers hinweggetan worden, und Jehova hat die Worte ausgesprochen: „Es wird ihm vergeben werden.“ Das Schlachtopfer war anstatt seiner getötet, und er lebte anstatt des Schlachtopfers.

Also war das Vorbild. Und was das Gegenbild betrifft, wenn das Auge des Glaubens auf Christus, als dem Sündopfer ruht, so sieht es Ihn als den, welcher, da Er ein vollkommenes, menschliches Leben angenommen hatte, jenes Leben auf dem Kreuz dahingab, weil dort, und dort allein, durch Zurechnung die Sünde damit verbunden war. Aber es erblickt Ihn auch als den, welcher, da Er in sich selbst die Macht des göttlichen und ewigen Lebens besaß, in demselben aus dem Grab auferstand, und welcher jetzt dieses, sein auferstandenes, sein göttliches, sein ewiges Leben allen denen mitteilt, die an seinen Namen glauben. Die Sünde ist nicht mehr da, weil das Leben, womit sie verbunden war, nicht mehr da ist. Und jetzt besitzen alle wahren Gläubigen, anstatt des Lebens, womit die Sünde verbunden war, ein Leben, womit die Gerechtigkeit verbunden ist. Und in Bezug auf das auferstandene und siegreiche Leben Christi kann nie mehr von Sünde die Rede sein; aber dies ist das Leben, welches die Gläubigen besitzen. Es gibt kein anderes Leben. Alles außer demselben ist der Tod, weil alles außer demselben unter der Macht der Sünde ist. „Wer den Sohn hat, hat das Leben“ (1. Joh 5,12), und wer das Leben hat, hat auch die Gerechtigkeit. Diese beiden Dinge sind unzertrennlich, weil Christus beides, das eine wie das andere ist. Wenn das Gericht und der Tod Christi am Kreuz Wirklichkeiten waren, so sind auch das Leben und die Gerechtigkeit des Gläubigen Wirklichkeiten. Wenn die Christus zugerechnete Sünde eine Wirklichkeit war, so ist auch die dem Gläubigen zugerechnete Gerechtigkeit eine Wirklichkeit. Das eine ist so wirklich wie das andere; wenn aber nicht, dann wäre Christus vergeblich gestorben. Der wahre und unumstößliche Grund des Friedens ist dieser, dass den Anforderungen der Natur Gottes, in Betreff der Sünde, vollkommen begegnet worden ist. Der Tod Jesu bat sie alle befriedigt, auf ewig befriedigt. Worin findet das erweckte Gewissen einen befriedigenden Beweis davon? In der großen Tatsache der Auferstehung. Ein auferstandener Christus verkündigt dem Glaubenden die völlige Errettung seine vollkommene Lossprechung von jeder nur möglichen Forderung. Er wurde „unserer Übertretungen wegen dahingegeben, und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt“ (Röm 4,26). Wenn ein Christ nicht weiß, dass seine Sünde hinweggetan ist hinweggetan für immer, so ist das eine Geringschätzung des Blutes seines göttlichen Sündopfers. Er leugnet die vollkommene Darstellung die siebenfache Sprengung des Blutes vor dem Herrn.

Und jetzt, ehe wir diesen wesentlichen Punkt, der uns beschäftigt hat, herlassen, möchte ich mich mit einer ernsten und feierlichen Frage an das Herz und das Gewissen meines Lesers wenden, saß mich dich fragen, lieber Freund, bist du dahin gebracht worden, auf diesem heiligen und glücklichen Grund zu ruhen? Weißt du, dass die Frage deiner Sünde für immer beseitigt worden ist? Hast du durch den Glauben deine Hand auf das Haupt des Sündopfers gelegt? Hast du gesehen, dass das versöhnende Blut Jesu deine ganze Schuld hinweggewälzt und in die mächtigen Wasser der Vergessenheit Gottes geworfen hat? Hat die göttliche Gerechtigkeit noch etwas gegen dich? – Gib dich nicht zufrieden, bis du auf diese Fragen eine freudige Antwort geben kannst. Sei versichert, dass es das glückliche Vorrecht des schwächsten Kindleins in Christus ist, sich einer völligen und ewigen Vergebung zu erfreuen, auf dem Grund einer vollendeten Versöhnung; und darum, wer etwas anders lehrt, erniedrigt das Opfer Christi und stellt es auf gleichen Boden mit den Opfern der „Böcke und Kälber.“ Wenn wir nicht wissen können, dass unsere Sünden vergeben sind, wo ist dann die frohe Botschaft des Evangeliums? Ist ein Christ in Betreff des Sündopfers nicht besser daran, als ein Jude? Es war das Vorrecht des Letzteren, zu wissen, dass seine Angelegenheiten für ein Jahr durch das Blut eines jährlichen Opfers vollkommen berichtigt waren. Kann der Erstere gar keine Gewissheit haben? Ohne Zweifel. Nun, wenn da überhaupt eine Gewissheit vorhanden ist, so muss sie ewig sein, weil sie auf einem ewigen Opfer ruht.

Dies, und dies allein, ist die Grundlage der Anbetung. Die volle Gewissheit, dass die Sünde hinweggetan ist, erweckt nicht einen Geist des Selbstvertrauens, sondern einen Geist des Lobes, der Danksagung und der Anbetung. Sie bringt nicht einen Geist der Selbstgefälligkeit hervor, sondern einen Geist, der an Christus sein Wohlgefallen hat und welcher, gelobt sei Gott! der Geist ist, der die Erlösten durch die Ewigkeit hindurch charakterisieren wird. Sie verleitet uns nicht, von der Sünde gering zu denken, sondern hoch zu denken von der Gnade, die sie vollkommen vergeben, und von dem Blut, das sie vollkommen getilgt hat. Es ist unmöglich, dass jemand das Kreuz anblicken kann – dass er den Platz ansehen kann, den Christus einnahm – dass er die Leiden betrachten kann, die Er erduldete – dass er über jene drei schrecklichen Stunden der Finsternis nachsinnen, und zu gleicher Zeit über die Sünde leichtsinnig hinweggehen kann. Wenn man in der Kraft des Heiligen Geistes in all diese Dinge eintritt, so gibt es zwei Resultate, die daraus hervorgehen müssen, nämlich: eine Verabscheuung der Sünde in all ihren Formen, und eine wahrhaftige Liebe zu Christus, zu seinem Volk und zu seiner Sache.

Lasst uns jetzt betrachten, was mit dem „Fleisch“ oder dem „Körper“ des Opfers getan wurde, worin, wie gesagt, der wahre Grund der Jüngerschaft vorgebildet wird. „Und also soll er den ganzen Stier hinausführen außer dem Lager, an eine reine Stätte, da man die Asche hinschüttet, und soll es verbrennen auf Holz mit Feuer, auf der Aschenschütte soll es verbrannt werden“ (3. Mo 4,12). Diese Handlung muss auf doppelte Art betrachtet werden. Zuerst bezeichnet sie den Platz, in welchen Er durch eine Welt, die Ihn verwarf, versetzt wurde. Dies ist der Punkt, worauf ich hier die Aufmerksamkeit meines Lesers richten möchte.

Die Anwendung, welche der Apostel in Hebräer 13 davon macht, dass Christus „außerhalb des Tores litt“, ist von praktischer Wichtigkeit. „Lasst uns zu Ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend“ (V 13). Wenn die Leiden Christi uns den Eingang in den Himmel gesichert haben, so drückt der Ort, wo Er gelitten, unsere Verwerfung von der Erde aus. Sein Tod hat uns droben eine Stadt bereitet. Der Ort, wo Er starb, beraubt uns einer Stadt hienieden. 4 „Er litt außerhalb des Tores“, und indem Er es tat, setzte Er Jerusalem, als den gegenwärtigen Mittelpunkt der göttlichen Wirksamkeit, bei Seite. Jetzt ist kein geweihter Ort mehr auf Erden. Christus hat als ein Leidender seinen Platz genommen außer dem Bereich der Religion dieser Welt außer ihrer Politik und allem, was ihr angehört. Die Welt hasste Ihn und verwarf Ihn. Darum heißt es: „hinausgehen.“ Dies ist der Wahlspruch in Bezug auf alles, was die Menschen hier in der Form eines Lagers, worin es auch bestehe, errichten möchten. Wenn die Menschen „eine heilige Stadt“ aufrichten, so muss du einen verworfenen Christus „außerhalb des Tores“ suchen. Wenn die Menschen ein religiöses Lager, wie du es auch nennen magst, aufrichten, so musst du aus demselben hinausgehen, um einen verworfenen Christus zu finden. Der blinde Aberglaube wird freilich unter den Ruinen Jerusalems umhertappen, um von Christus Reliquien zu suchen. Er wird es sicherlich tun, und er hat es getan. Er wird vorgeben, die Stätte seines Kreuzes und seines Grabes zu finden und ihr Ehre anzutun. Die Habsucht der Natur hat, indem sie aus dem Aberglauben der Natur Vorteil zog, seit Jahrhunderten einen einträglichen Handel getrieben, unter dem listigen Verwandt den so genannten heiligen Stätten des Altertums Ehre zu erweisen. Doch ein einziger Strahl des Lichts von der himmlischen Lampe der Offenbarung ist hinreichend, um uns zu befähigen, dir zu sagen, dass du aus diesem allen hinausgehen musst, um mit einem verworfenen Christus Gemeinschaft zu finden und zu genießen.

Mein Leser muss sich erinnern, dass in der herzerregenden Aufforderung „hinaus zu gehen“, weit mehr enthalten ist, als ein bloßes Entfliehen von der groben Lächerlichkeit eines unwissenden Aberglaubens oder den Plänen einer listigen Habsucht. Es gibt viele, die mit Kraft und Beredsamkeit alle diese Dinge bloßstellen können, und sind in der Tat doch weit davon entfernt, daran zu denken, der apostolischen Aufforderung Folge zu leisten. Wenn die Menschen ein „Lager“ aufrichten, und sich um eine Fahne scharen, die mit irgendeinem wichtigen Dogma von Wahrheit, oder einer wertvollen Verordnung ausgeschmückt ist wenn sie sich auf ein orthodoxes Glaubensbekenntnis, auf einen fortgeschrittenen, erleuchteten Lehrentwurf, auf einen prächtigen Ritus, der befähigt ist, das brünstige Sehnen der andächtigen Natur des Menschen zu befriedigen, berufen können, wenn diese Dinge teilweise oder völlig existieren, so erfordert es viel geistliche Einsicht, um die wahre Kraft und die geeignete Anwendung der Worte: „Lasst uns hinausgehen“, zu verstehen und viel geistliche Energie und Entschiedenheit, um jener Aufforderung gemäß zu handeln. Wir sollten sie aber verstehen, und danach handeln; denn es ist vollkommen gewiss, dass die Atmosphäre eines Lagers, was auch sein Grund und seine Fahne sein möge, für die persönliche Gemeinschaft mit einem verworfenen Christus verderblich ist, und keine so genannten religiösen Vorzüge können jemals den Verlust jener Gemeinschaft ersetzen. Es ist die Neigung unserer Herzen, in kalte, festgestellte Formen zu versinken. Dies ist mit der bekennenden Kirche immer der Fall gewesen. Diese Formen mögen ihren Ursprung in wirtlicher Kraft gehabt haben; sie mögen einst das Resultat von bestimmten Heimsuchungen des Heiligen Geistes gewesen sein; die Versuchung aber besteht darin, die Form festzustellen, wenn der Geist und die Kraft verschwunden sind. Dies heißt grundsätzlich ein Lager aufrichten. Das jüdische System konnte sich eines göttlichen Ursprungs rühmen. Ein Jude konnte triumphierend auf den Tempel mit seinem prächtigen System der Anbetung, auf sein Priestertum, auf sein Opfer, auf seine ganze Einrichtung hinweisen und sagen, dass es alles von dem Gott Israels überliefert worden sei. Er konnte, so zu sagen, Vers und Kapitel für alles anführen, was mit dem System, wozu er sich bekannte, verbunden war. Wo ist ein System des Altertums, des Mittelalters oder der jetzigen Zeit, das solche hohen und kräftigen Ansprüche vorlegen, oder mit einem so überwältigenden Gewicht von Autorität auf das Herz einwirken könnte? Und dennoch war die Aufforderung: „hinauszugehen.“

Dies ist eine ernste, feierliche Sache. Es betrifft uns alle, weil wir alle geneigt sind, uns von der Gemeinschaft eines lebendigen Christus zu entfernen und in tote Formen zu versinken. Daher die praktische Kraft der Worte: „Lasst uns zu Ihm hinausgehen.“ Es heißt nicht, von einem System in das andere, von einer Gattung von Meinungen in eine andere, von einer Gesellschaft von Menschen in eine andere zu gehen. Nein; sondern von allem auszugehen, das den Namen eines Lagers verdient, „zu Ihm“, der „außerhalb des Tores litt.“ Der Herr Jesus ist jetzt ebenso völlig außerhalb des Tores, wie Er es war, als Er vor 18 Jahrhunderten dort litt. Was war es, das Ihn außerhalb stellte? „Die religiöse Welt“ jener Zeit; und die religiöse Welt jener Zeit ist, was Geist und Grundsatz betrifft, die religiöse Welt des jetzigen Augenblicks. Die Welt ist noch immer die Welt. „Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“ Christus und die Welt sind nicht eins. Die Welt hat sich mit dem Mantel des Christentums bedeckt; aber nur, damit unter demselben ihr Hass gegen Christus sich in noch tödlicheren Formen erhebe. Mögen wir uns nicht täuschen! Wenn wir mit einem verworfenen Christus wandeln wollen, so müssen wir ein verworfenes Volk sein. Wenn unser Herr und Meister „außerhalb des Tores litt“, so können wir nicht erwarten, innerhalb des Tores zu regieren. Wenn wir in seinen Fußstapfen wandeln, wohin werden diese uns führen? Sicherlich nicht zu den erhabenen Orten dieser gottlosen und unchristlichen Welt. Sein Pfad führt uns zu dem Kreuz. Er ist ein verachteter Christus, ein verworfener Christus, ein Christus außerhalb des Lagers. O, lieber christlicher Lesers lass „uns zu Ihm hinausgehen, seine Schmach tragend.“ Lass uns nicht im Sonnenschein der Gunst dieser Welt uns wärmen; denn sie kreuzigte den Geliebten; und sie hasst noch mit ungemildertem Hass den, dem wir alles, unser jetziges und ewiges Glück zu verdanken haben, und der uns mit einer Liebe liebt, die alle Wasser nicht zu löschen vermögen. Lass uns weder direkt, noch indirekt der Sache Glauben schenken, die sich nach seinem heiligen Namen nennt, aber in Wirklichkeit seine Person hasst, seine Wege hasst. Seine Wahrheit hasst, die bloße Erwähnung seiner Ankunft hasst. Lass uns dem abwesenden Herrn treu sein. Lass uns für den leben, der für uns gestorben ist. Während unser Gewissen in seinem Blut ruht, mögen die Neigungen unserer Herzen sich um seine Person drehen, damit unsere Trennung voll dem „gegenwärtigen bösen Zeitlauf“ nicht nur Sache eines kalten Grundsatzes sein möge, sondern die Trennung eines liebenden Herzens, das den Gegenstand seiner Neigungen nicht hier unten hat Möge uns der Herr von dem Einfluss jener geweihten, klugen Selbstsucht befreien, die in der gegenwärtigen Zeit so gewöhnlich ist – einer Selbstsucht, die nicht ohne Religion sein möchte, die aber ein Feind des Kreuzes Christi ist! Was wir bedürfen, um mit Erfolg dieser schrecklichen Form des Bösen entgegen zu treten, sind keine besonderen Ansichten, keine speziellen Grundsätze oder sonderbare Theorien, oder eine kalte, berechnende Genauigkeit. Wir bedürfen einer tiefen Hingebung an die Person des Sohnes Gottes, eine von Herzen gehende Weihung unserer selbst, mit Leib, Seele und Geist, zu seinem Dienst, eine ernstliche Sehnsucht nach seiner herrlichen Ankunft. Dieses, mein geliebter Leser, sind die besonderen Bedürfnisse der Zeiten, in denen wir leben. Willst du nicht aus der Tiefe deines Herzens in den Ruf mit einstimmen: „O Herr, belebe dem Werk! Vollende die Zahl deiner Auserwählten! Beschleunige dein Reich! – Komm, Herr Jesu, komm bald!“ (Schluss folgt)

Fußnoten

  • 1 Ich wünsche, dass man sich besonders daran erinnere, dass der uns vorliegende Gegenstand einfach die Versöhnung ist. Der christliche Leser wird, wie ich nicht zweifele, völlig überzeugt sein, dass der Besitz der „göttlichen Natur“ zur Gemeinschaft mit Gott wesentlich ist. Ich brauche nicht nur ein Recht, um Gott zu nahen, sondern auch eine Natur, um Ihn zu genießen. Die Seele, die „an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes glaubt“, hat sowohl das eine als auch das andere (Siehe Joh 1,12–13; 3,36; 5,24; 20,31; 1.Joh, 5,11–13).
  • 2 Einige mögen Schwierigkeit In der Tatsache finden, dass das Wort „freiwillig“ in Beziehung zu dem Anbeter und nicht zu dem Opfer steht. Aber dies kann in keiner Weise die in dem Text vorgestellte Lehre antasten, welche auf die Tatsache gegründet ist, dass ein besonderes, in dem Brandopfer gebrauchtes Wort in dem Sündopfer ausgelassen ist. Der Kontrast besteht, wir mögen nun an den Opfernden oder an das Opfer denken.
  • 3 Dies bezieht sich nur auf die Sündopfer, deren Blut ins Heiligtum gebracht wurde. Es gaben auch andere Sündopfer, von denen Aaron und seine Söhne aßen (Siehe 3. Mo 6,26.29; 4. Mo 18,9–10).
  • 4 Der Brief an die Epheser liefert uns den erhabensten Blick auf den Platz der Kirche droben, nicht nur in Betreff des Rechts, sondern auch in Betreff der Art und Weise. Sicherlich ist das Recht nur auf das Blut gegründet; die Art und Weise wird also angegeben: „Gott aber, weil Er reich an Barmherzigkeit ist, hat wegen seiner vielen Liebe, womit Er uns geliebt hat, als auch wir in den Vergehungen tot waren, uns mit dem Christus lebendig gemacht, durch die Gnade seid ihr errettet; – und hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christus Jesus“ (Eph2,4–6).
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