Biblische Gemeinde - heute verwirklichen

Schluss

Biblische Gemeinde - heute verwirklichen

„Wenn ihr als [in] Versammlung zusammenkommt“ (1. Korinther 11,18).

Wir haben einige wesentliche Aspekte der biblischen Gemeinde im Licht des Wortes Gottes angeschaut. Dadurch sollte es möglich sein, auf wichtige Fragen zum Thema „Gemeinde“ Antworten geben zu können. Dazu gehören: Gibt es heute noch die biblische, die „richtige“ Gemeinde? Wie soll man unter den vielen christlichen Gruppierungen heute den richtigen Weg finden können?

Besonders wertvoll ist es, darüber nachzudenken, was für ein Vorrecht wir besitzen, im Namen des Herrn Jesus auf dieser Erde zusammenkommen zu können. So etwas gab es nicht in der Zeit des Alten Testaments. Und wenn der Herr Jesus seine Kirche in den Himmel entrückt, wird es solch einen Vorzug auf dieser Erde nie wieder geben.

Gott hat uns eine Möglichkeit geschaffen, während sein geliebter Sohn im Himmel ist, auf der Erde dessen persönliche Gegenwart zu genießen. Denn die Versammlung Gottes hat ein Zentrum: Das ist Christus. Sie hat ein Fundament: Das ist Christus, der Sohn Gottes. Sie hat eine Hoffnung: Das ist Christus. Sie hat eine Sicherheit: Das ist Christus. Und es gibt keinen anderen „Ort“ auf der Erde, wo man in dieser einzigartigen Weise Ihm selbst begegnen könnte, als dann, wenn man in seinem Namen versammelt ist. Er hat zugesagt, dann persönlich in der Mitte zu sein. Er ist dann zwar unsichtbar, weil Er nicht leibhaftig erscheint. Aber das heißt nicht, dass Er nicht persönlich anwesend wäre. Was für ein Segen, zu Ihm hin versammelt zu sein.

Wenn uns dieser Segen mehr bewusst ist, werden wir alles das tun wollen, was Er uns in seinem Wort über seine Kirche und ihr Zusammenkommen mitteilt. Unser Gemeindeleben soll ja nicht auf menschlichen Überlegungen ruhen, sondern auf Gottes Wort. Wir haben auch gesehen, was eine örtliche Gemeinde, die der Lehre des Neuen Testaments gehorsam sein will, nicht tut. Die Verwirklichung der biblischen Grundsätze hängt oft nicht davon ab, was man weiß, und erst recht nicht davon, wie intelligent man ist. Entscheidend ist unsere innere Haltung: Bin ich bereit, in allem gehorsam zu sein, auch wenn es zunächst schmerzhaft sein mag?

Vielleicht werden Sie in Ihrer Familie allein dastehen, was die Verwirklichung von Gottes Gedanken zu seiner Kirche betrifft. Möglicherweise erfahren Sie durch eine entschiedene Haltung Verachtung und sogar Hass von Seiten derer, die Sie bislang für Freunde hielten. Lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen. Wer Gott gehorsam sein möchte, wird von Ihm geehrt werden (1. Samuel 2,30). Er wird den Segen Gottes erfahren!

Drei Aspekte, die bislang noch nicht angesprochen worden sind, möchte ich abschließend erwähnen.

  1. Gläubige suchen eine Gemeinde, in der sie sich wohlfühlen können. Das ist verständlich. Und es ist auch richtig. Allerdings werden wir immer enttäuscht werden, wenn wir auf Menschen und ihre liebevolle Zuwendung sehen. Denn an jedem Ort wird es sowohl Personen geben, die uns eher sympathisch erscheinen, als auch solche, die uns menschlich gesehen eher unsympathisch sind. Daher sollte man die Entscheidung, welche christlichen Zusammenkünfte man besuchen will, nicht von Menschen und ihrer Ausstrahlung abhängig machen. Denn auch hier werden früher oder später menschliche Konflikte auftreten. Dabei müssen wir immer bedenken: So, wie andere Gläubige Kanten und Ecken besitzen, haben auch wir selbst solche; meistens noch mehr als die anderen ...
    Dennoch möchte unser Herr, dass wir uns in der örtlichen Versammlung wohlfühlen. Man denke an den barmherzigen Samariter, von dem Jesus Christus einmal sprach. Dieser Samariter hat den unter die Räuber gefallenen Menschen nicht in irgendeine Unterkunft abgeschoben. Er selbst trug Sorge für ihn und brachte ihn in eine Herberge (Lukas 10,30–37). Eine Herberge ist ein Ort, an dem man sich wohlfühlt. Er steht für eine liebevolle Atmosphäre. Man kann dieses Haus mit der örtlichen Gemeinde vergleichen, die eine Atmosphäre der Liebe und Fürsorge ausstrahlt. Könnte Christus da sein, wo dieses Klima nicht vorhanden ist? Er möchte, dass wir uns wohlfühlen an dem Ort, wo wir nicht nur mit anderen Christen zusammentreffen, sondern gerade auch mit Ihm selbst (Matthäus 18,20). Mit anderen Worten: Wenn wir Gottes Gedanken über seine Kirche wirklich in die Tat umsetzen, wird eine solche Atmosphäre zu spüren sein.
  2. Die örtliche Gemeinde ist kein Ort, wo nur ein bestimmter Menschenschlag oder eine in besonderer Weise ausgebildete Menschengruppe (sagen wir Arbeiter oder Akademiker) willkommen ist. Wenn man sich die Menschen anschaut, aus denen die Versammlung in Korinth bestand, wird das deutlich. Dort waren Menschen mit moralisch schlimmer Herkunft zusammen vorhanden wie Intellektuelle. Wer das bedenkt, wird jeden, der sich bekehrt, also Jesus Christus in sein Herz aufgenommen hat und in Aufrichtigkeit dem Herrn Jesus nachfolgen will, gerne aufnehmen.
    Die Korinther waren vor ihrer Bekehrung Unzüchtige, Götzendiener, Ehebrecher, Homosexuelle, Diebe, Habsüchtige, Alkoholabhängige, Schmäher, Räuber usw. gewesen (1. Korinther 6,9–11). Mit anderen Worten: Es gab nichts, was es dort nicht gab. So ist das auch heute.
    Die christliche Gemeinde ist kein Platz für solche, die sich besser fühlen als andere. Sie ist ein Ort, wo die Herkunft keine Rolle spielt. Dort hat sowohl der schlimmste Verfolger der Gemeinde, Paulus, seinen Platz wie ein frommer Hauptmann, Kornelius. Dort hat der intelligenteste Professor seinen Platz wie der einfachste Arbeiter. Sie alle sind dem Herrn Jesus Christus willkommen. Wer Ihm willkommen ist, ist es auch uns. Wo das nicht Wirklichkeit ist, kann in der Praxis nicht die Versammlung Gottes sein. Denn Jesus Christus hat gesagt: „Kommt her zu mir, alle [ausnahmslos], ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben“ (Matthäus 11,28).
  3. Der Segen, den Gläubige als Glieder der Gemeinde gemeinschaftlich haben, steht nicht im Wettbewerb zum Segen des persönlichen Glaubenslebens. In Gottes Wort finden wir sowohl persönliche als auch gemeinschaftliche Segnungen (Epheser 1 und 3). Gott schenkt uns beides. Wir können jedoch beide Arten von Segnungen nur dann genießen, wenn wir in beiden Bereichen Gottes Wort gehorsam sein wollen. Gott wünscht von uns, dass wir nicht mit einem Teil seines Segens zufrieden sind. Er hat uns beides geschenkt. In dieser Hinsicht sollen wir kühn und im geistlichen Sinn ehrgeizig sein.

Der Weg des Gehorsams unter Gottes Wort ist immer der Weg des Segens – äußerlich gesehen vielleicht nicht auf kurze Sicht, aber sicher auf lange Sicht. Was kann es Schöneres geben, als die Zustimmung unseres Herrn und Meisters zu haben? Wenn man über die Versammlung Gottes nachdenkt, dann führt das gedanklich zu Ihm. Gott hat uns in Christus persönlich und auch als Gemeinde Gottes korporativ reich gesegnet. Ihm sei dafür die Ehre durch seinen Sohn, unseren Retter, Jesus Christus.

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