Biblische Gemeinde - heute verwirklichen

Was sagt die Bibel über die Gemeinde?

Biblische Gemeinde - heute verwirklichen

1. Gemeinde, Kirche, Versammlung – wie drückt man sich richtig aus?

„Den Versammlungen (Gemeinden) von Galatien: Gnade euch und Friede von Gott, dem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, damit er uns herausnehme aus der gegenwärtigen bösen Welt“ (Galater 1,2–4).

Bevor wir uns ein paar Einzelheiten anschauen, will ich etwas über den Begriff „Gemeinde“ sagen. Bestimmt haben Sie schon mindestens diese drei Titel für „Gemeinde“ gehört:

  1. Gemeinde
  2. Kirche
  3. Versammlung

Manche kennen auch noch den Ausdruck „Ekklesia“. Warum diese Auswahl? Muss man sich für einen bestimmten Ausdruck entscheiden?

Das Neue Testament ist in griechischer Sprache verfasst worden. Dort steht immer dann, wenn in deutschen Übersetzungen „Gemeinde“, „Kirche“ oder „Versammlung“ steht, das Wort „ekklesia“. Diesen Ausdruck kann man wörtlich übersetzen mit „Herausrufung“ oder „Herausgerufene“. Allerdings besaß er diese Bedeutung in neutestamentlicher Zeit nicht mehr. „Ekklesia“ wurde vielmehr für

  • eine einberufene Versammlung (Apostelgeschichte 19,39),
  • eine Menschenansammlung (Apostelgeschichte 19,32.40) und
  • die Volksgemeinde Israels (Apostelgeschichte 7,38; Hebräer 2,12) verwendet.

Meistens allerdings wird mit „ekklesia“ im Neuen Testament die Gesamtheit aller Kinder Gottes bezeichnet, sei es

  • in einem Haus,
  • an einem Ort,
  • weltweit oder
  • in ihrer Vollendung (alle Kinder Gottes aller Zeiten).

In 1. Korinther 14,19 und in anderen Stellen werden auch die Zusammenkünfte der „ekklesia“ so genannt.

Noch immer habe ich den Eindruck, dass die Bedeutung von „ekklesia“ am besten und neutralsten durch den Begriff „Versammlung“ fassbar wird. Gott versammelt Kinder Gottes, Er hat sie zu einem wunderbaren Organismus zusammengefügt – zur Versammlung Gottes.

Kirche

Das Wort „Kirche“ ist ein Lehnwort1, eine Verdeutschung des griechischen Wortes „kyriaké“, das „dem Herrn gehörend“ bedeutet. Dieser Ausdruck wurde im frühchristlichen Sprachgebrauch „Herrentag“ genannt und auf den „Sonntag“ bezogen. An diesem Tag versammelte sich die örtliche Gemeinde (vgl. zum Beispiel Apostelgeschichte 20,7). Daher wurde „Kirche“ zu einem Ausdruck für die örtliche Gemeinde.

Es gilt allerdings zu bedenken, dass das Neue Testament gerade nicht davon spricht, dass Jesus Christus „Herr der Versammlung“ ist. Er ist zwar Herr jedes einzelnen Gläubigen, steht aber zu der Gemeinde nicht in einem Herrschaftsverhältnis. Zweifellos hat Er Autorität in der Versammlung. Aber Er wird nicht ihr Herr genannt.

Gemeinde

Der dritte Ausdruck, „Gemeinde“, hebt den Aspekt der Gemeinschaft hervor. Gläubige Menschen haben vieles gemeinsam: ewiges Leben, ihren Herrn und Retter, den himmlischen Vater, sie gehören zur selben Familie Gottes usw. Daher pflegen sie miteinander Gemeinschaft. Sie haben gemeinsame Interessen oder zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine vereinte Anhängerschaft bilden. Sie sind Jünger und Diener des Herrn Jesus.

Das Zusammenkommen der Gläubigen kann man mit „Gemeinde“ nicht ausdrücken. Auch lässt Gemeinde stärker an eine Organisation (allein schon im politischen Sinn) und weniger an einen lebendigen Organismus denken.

Schlussfolgerung

Vor diesem Hintergrund verwende ich die Bezeichnung „Versammlung“ besonders gerne. Dennoch hat sich unter vielen Christen der Begriff „Gemeinde“ durchgesetzt. Zudem denken manche bei „Versammlung“ an eine Bezeichnung für Christen mit einer bestimmten Glaubensüberzeugung. Das führt in die Irre. Deshalb schrieb schon Rudolf Brockhaus, der Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts vertrauenswürdige und bewährte Erklärungen zu Gottes Wort geschrieben hat: „Hätten die Übersetzer ahnen können, zu welch falschen Auslegungen und welchen Unterstellungen die Wahl jenes Ausdrucks [Versammlung] im Laufe der Jahre führen würde, möchten sie vielleicht, trotz ihrer Bedenken, die Übersetzung ‚Gemeinde' gelassen haben.“

In diesem Buch benutze ich alle drei genannten Begriffe: Versammlung, Gemeinde, Kirche. Damit möchte ich verdeutlichen, dass es nicht um eine Gruppe von Christen geht, nicht um eine bestimmte „Gemeinde“, die etwa Versammlung oder ähnlich hieße. Nein, es geht um die biblische Versammlung Gottes, um nicht mehr, aber auch um nicht weniger.

Es ist ohnehin nicht in erster Linie von Bedeutung, wie wir die biblische Versammlung nennen, sondern dass wir darunter das Richtige verstehen, nämlich was die Bibel darüber sagt. Darauf liegt der Schwerpunkt dieser Ausführungen. Zudem sollten wir nicht meinen, dass jeder beim Verwenden des Wortes „Versammlung“ das ganze Bedeutungsspektrum von „ekklesia“ vor Augen hat. Wir verwenden in unserer Sprache viele Vokabeln, die keine in ihnen wohnende Bedeutung verkörpern.

Auf keinen Fall sollte man einen der genannten Begriffe als Bezeichnung für eine besondere Gruppe von Christen verwenden. Das wäre sektiererisch, weil man sich damit von anderen Gläubigen abgrenzen würde. Im Neuen Testament finden wir die Gemeinde als Ausdruck aller Erlösten verwendet. So wollen wir es auch in diesem Buch und als persönliche Überzeugung halten.

2. Wem gehört die Gemeinde?

Die Versammlung Gottes ..., die er sich erworben hat durch das Blut seines Eigenen“ (Apostelgeschichte 20,28).

Es stellt sich zunächst die Frage, wem die Gemeinde eigentlich gehört. Ich habe schon den Titel „Gemeinde Gottes“ verwendet. Hier möchte ich begründen, warum dieser Ausdruck richtig ist.

Die Bibel kennt zwei Eigentümer der Gemeinde. Allerdings sind das nicht zwei Personen, die unabhängig voneinander sind. Sie gehören zusammen:

  1. Der Herr Jesus sagte einmal zu Petrus: „Und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen“ (Matthäus 16,18). Er selbst ist derjenige, der baut. Er spricht davon, „seine“ Gemeinde zu bilden. Sie gehört Ihm.
  2. Der Apostel Paulus sagte einmal zu den Ältesten aus Ephesus: „Die Versammlung Gottes ..., die er sich erworben hat durch das Blut seines Eigenen“ (Apostelgeschichte 20,28). In dieser Stelle lesen wir vom ewigen Gott. Es ist (auch) seine Gemeinde. Er hat sie sich erworben, und zwar durch das Werk des Herrn Jesus. Das heißt, Er hat dafür einen einzigartigen Preis bezahlt: das Leben seines eigenen Sohnes. So wichtig ist Gott diese Gemeinde. Sie gehört Ihm.

Zwischen den Personen der Gottheit gibt es keine Eifersucht, keinen Neid. So kann Gott von „seiner“ Gemeinde sprechen, genauso wie der Herr Jesus das tut. Beide sind Personen der Gottheit und Eigentümer der Versammlung.

3. Wer gehört zur Gemeinde?

„Paulus ... der Versammlung Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen“ (1. Korinther 1,2).

Die Gemeinde Gottes ist keine Organisation und auch kein Gebäude. So mag man landläufig den Begriff „Kirche“ verwenden. In Gottes Augen aber ist die Versammlung ein lebendiger Organismus, der aus unterschiedlichsten Menschen besteht. Paulus schreibt an die Versammlung Gottes in Korinth – und er meint damit Personen in dieser Stadt, die „geheiligt“ und berufene Heilige sind. Das sind nicht Menschen, die nach ihrem Tod heiliggesprochen werden sollen. Es handelt sich um Menschen, die Gott für sich selbst zur Seite gestellt hat, damit sie zu Ihm gehören und Ihm dienen. Sie sind Heilige, weil Gott ihnen seine eigene heilige Natur geschenkt hat und sie so für sich abgesondert hat.

Wie ist so etwas möglich? Gott hat denen, die an den Herrn Jesus glauben, ewiges Leben gegeben. „So viele ihn [den Herrn Jesus] aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die ... aus Gott geboren sind“ (Johannes 1,12.13). „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Johannes 3,16).

Wer gehört zu der Gemeinde Gottes? Jeder, der Jesus Christus als Retter angenommen hat, der stellvertretend für ihn gestorben ist. Dazu gehört eine echte Sinnesänderung (Buße) und das Bekenntnis der eigenen (noch bewussten) Sünden. In Verbindung mit dem persönlichen Glauben ist eine solche Person mit dem Heiligen Geist versiegelt worden (Epheser 1,13). Der Glaube an Jesus Christus und sein Erlösungswerk retten, nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten christlichen Gruppierung oder Organisation. Allein der Glaube bringt uns in Verbindung mit Gott. Und Gott macht den Glaubenden zu einem Glied (nicht Mitglied) seiner Gemeinde.

4. Seit wann gibt es die Gemeinde?

„Und als der Tag der Pfingsten erfüllt wurde, waren sie alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich kam aus dem Himmel ein Brausen, wie von einem daherfahrenden, gewaltigen Wind, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden Einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt“ (Apostelgeschichte 2,1–3).

Als Jesus Christus hier auf der Erde lebte, gab es die Gemeinde noch nicht. Zwar hat Er von ihr gesprochen, aber in der Zukunftsform: „Auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen“ (Matthäus 16,18).

Der Herr nennt in diesem Vers auch das Fundament der Gemeinde: den Felsen. Wer oder was ist das? Jesus Christus selbst. Denn das Symbol „Fels“ wird auf Ihn direkt bezogen (vgl. 1. Korinther 10,4). Dementsprechend lesen wir in 1. Korinther 3,11 über die Gemeinde: „Einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“

Der christliche Glaube und die Gemeinde Gottes haben eine sichere und unzerstörbare Grundlage: Eine Person, die gestorben und auferstanden ist und jetzt im Himmel absolute Sicherheit garantiert (1. Korinther 15,3.4; Epheser 1,20–23). Diese Person ist „der Sohn des lebendigen Gottes“ (Matthäus 16,16). Das heißt, Er ist Gott selbst. Deshalb kann niemand die Versammlung zerstören. Er müsste Gott überwinden können. Das aber ist unmöglich.

Der Tag der Pfingsten

Wenn Jesus Christus davon sprach, dass Er die Gemeinde erst in Zukunft bauen würde – wann war das? Die Antwort gibt uns Apostelgeschichte 2. Auf die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu folgte der Tag der Pfingsten. An diesem Datum ist der Heilige Geist auf diese Erde gekommen und die Gemeinde entstanden.

Das Wort „Pfingsten“ ist ein Lehnwort (griechisch: „pentekoste“) und bedeutet „der 50. Tag“. Das jüdische Pfingstfest fand nach 3. Mose 23 fünfzig Tage bzw. sieben Wochen und einen Tag nach dem Sabbat statt, der auf das Passah folgte. Der Herr Jesus Christus starb am Freitag des Passahfestes und ist am ersten Tag der Woche auferstanden, der auf den Sabbat folgte. Sieben Wochen nach seiner Auferstehung war dann der Pfingsttag, von dem wir in Apostelgeschichte 2 lesen.

An diesem Tag kam Gott, der Heilige Geist, auf die Erde (Apostelgeschichte 2,1–4). Aus 1. Korinther 12,13 lernen wir, was der Heilige Geist an diesem Tag geschaffen hat: die Gemeinde, den Leib Christi. „Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden.“ Es geht hier nicht um die Wassertaufe. Von Wasser ist überhaupt keine Rede. Der Heilige Geist hat die Gläubigen an diesem Tag durch einen Akt göttlicher Kraft zu einer neuen Einheit, einem neuen Organismus zusammengeführt: zu der Gemeinde. Dadurch stehen die Gläubigen jetzt nicht einfach einzeln nebeneinander. Sie sind durch den Heiligen Geist untrennbar miteinander als Versammlung verbunden. „Wir sind Glieder voneinander“ (Epheser 4,25). Damit sind sie zugleich und sogar in erster Linie mit Jesus Christus selbst verbunden worden. Die Versammlung ist sein Leib (Epheser 1,23) und „wir sind Glieder seines Leibes“ (Epheser 5,30).

Voraussetzungen für das Entstehen der Gemeinde

Die Entstehung der Gemeinde hing nicht von Menschen ab. Sie ist das Werk Gottes. Wir Erdenbewohner konnten und können zum Fundament dieses neuen Hauses nichts beisteuern. Das gilt nicht nur für den Beginn, sondern auch das Bestehen der Kirche Gottes auf der Erde. Wir können sie nicht durch eigene Überlegungen und Anstrengungen erhalten, zum Beispiel durch besondere Treue. Die Gemeinde hängt allein von Jesus Christus, von Gott selbst ab. Das nimmt nichts von unserer Verantwortung weg, die wir „die Einheit des Geistes in dem Band des Friedens“ bewahren sollen (Epheser 4,3). Aber wenn die Existenz der Versammlung auf der Erde von uns abhinge, würde sie nicht mehr existieren. Weil Gott sie bewahrt, gibt es sie bis heute.

Das Neue Testament nennt uns zwei Voraussetzungen für die Bildung der Gemeinde:

  1. Jesus Christus musste in den Himmel zurückkehren.
    Im Johannesevangelium wird gesagt: „Noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war“ (Kap. 7,39; vgl. Johannes 16,7). Vor der Gründung der Gemeinde war es nötig, dass Jesus Christus in den Himmel auffährt. Der verherrlichte Menschen Jesus Christus im Himmel zur Rechten Gottes ist ihr Haupt (Epheser 1,20–23).
    Für die Verherrlichung gab es jedoch wiederum eine Voraussetzung: Jesus Christus musste am Kreuz von Golgatha sterben. Dort hat Er Gott, seinen Vater, vollkommen verherrlicht (Johannes 17,1.4.5). Nicht nur das: Er gab sich selbst für die Gemeinde hin (Epheser 5,25) und erlitt Drangsale „für seinen Leib, das ist die Versammlung“ (Kolosser 1,24). Sein Blut war der Preis für seine Gemeinde (Apostelgeschichte 20,28). Und auch dafür gab es eine Voraussetzung: Es hätte keine Gemeinde geben können, ohne dass der ewige Gott Mensch wurde (Johannes 1,1.14). Gott sei Dank – Er ist als Mensch auf diese Erde gekommen.
  2. Der Heilige Geist musste auf die Erde kommen.
    Jesus hatte verschiedene Male angekündigt, dass der Heilige Geist auf diese Erde kommen würde (Johannes 14,26; 15,26; 16,7.13). Die Gemeinde ist nicht nur mit einem himmlischen, verherrlichten Menschen verbunden, sondern Gott, der Heilige Geist, wohnt in ihr. „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1. Korinther 3,16). Es musste also der Heilige Geist auf die Erde kommen, um die Versammlung zu bilden und in ihr zu wohnen.

Gottes ewiger Ratschluss über seine Gemeinde

Die Gemeinde ist am Pfingsttag entstanden, 50 Tage nach dem Tod Christi und 10 Tage nach seiner Himmelfahrt. Das ist die „Geburtsstunde“ der Versammlung auf der Erde. Gab es aber vorher noch keinen Gedanken an die Gemeinde?

In Epheser 3 finden wir auf diese Frage eine klare Antwort: Doch! Schon vor dem Schöpfungswerk hatte Gott den Plan, seine Versammlung zu bilden. Er hatte diesen Beschluss in seinem Herzen „von den Zeitaltern her verborgen“, also in der Ewigkeit, bevor irgendetwas erschaffen worden war (Epheser 3,9). Während die Gemeinde auf der Erde also erst am Pfingsttag entstand, gab es sie für Gott in seinen „Plänen“ schon immer.

Das ist ein sehr wichtiger Unterschied zum Volk Israel. Zwar war Israel vor der Gemeinde auf der Erde. Aber Gottes Pläne der Kirche sind im Gegensatz zum Volk Israel vor Grundlegung der Welt gefasst worden. Das Reich Gottes hier auf der Erde ist „von Grundlegung der Welt an“ bereitet. „Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Königreich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an“ (Matthäus 25,34). Während die „Entstehung“ der Gemeinde also schon vor dem Schöpfungsakt feststand, bezieht Gott sein Handeln im Blick auf das Volk Israel auf die Zeit nach der Schaffung dieser Erde. Die Versammlung ist somit ihrem Ursprung nach göttlich und ihrem Wesen nach himmlisch, das Volk Israel und sein Platz im Reich Gottes dagegen zeitlich und irdisch.

Damit beantwortet sich auch die Frage, bis wann die Gemeinde existieren wird. Man liest in Offenbarung 21,1–8 in einem Abschnitt, der von der zukünftigen Ewigkeit spricht: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde ... Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut ... Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen“ (Offenbarung 21,1–3). Völker, Sprachen und Nationen wird es auf der neuen Erde nicht mehr geben – es ist nur noch von „Menschen“ die Rede. Die Gemeinde dagegen existiert auch in Ewigkeit noch. Auch wenn es auf den ersten Blick kaum erkennbar sein mag: Die Gemeinde verbirgt sich hier hinter der „Stadt“, der „Braut“ und der „Hütte“. Sie ist der ewige Gedanke Gottes für seinen geliebten Sohn Jesus Christus. In diesem Sinn heißt es in Epheser 3,21: „Ihm [Gott] sei die Herrlichkeit in der Versammlung in Christus Jesus auf alle Geschlechter des Zeitalters der Zeitalter hin! Amen.“ Die Versammlung ist eine nie aufhörende Institution mit einer nie aufhörenden Sonderstellung und Beziehung inmitten der Gläubigen.

5. Was für eine Beziehung hat die Gemeinde zum Heiligen Geist?

„Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden“ (1. Korinther 12,13).

Die Tatsache, dass heute mit dem Heiligen Geist eine göttliche Person auf der Erde wohnt, ist nicht nur ein großer Segen, sondern geradezu charakteristisch für die christliche Zeit. In der Zeit des Alten Testaments wirkte der Geist Gottes auf der Erde. Das macht Gott bereits in 1. Mose 1,2 deutlich. Immer wieder beeindruckt uns, wie Gott durch seinen Geist tätig war.

Es hat aber keine andere Zeit gegeben und wird auch keine mehr geben, in welcher der Heilige Geist als göttliche Person in der Versammlung (1. Korinther 3,16) und in jedem einzelnen Gläubigen (1. Korinther 6,19) auf der Erde wohnt, und zugleich ein Mensch, verherrlicht zur Rechten Gottes, mit diesen Gläubigen untrennbar verbunden ist: Christus Jesus, das Haupt des Leibes der Versammlung (Kolosser 1,18).

Warum ist dieser Punkt so bedeutsam? Man kann den Segen, der durch den Geist Gottes und den verherrlichten Christus für die Gemeinde Gottes besteht, gar nicht hoch genug einschätzen. Christus, das Haupt im Himmel, steuert, fördert und segnet seine Kirche hier auf der Erde.

Der Heilige Geist hat sie durch die Taufe überhaupt erst entstehen lassen (1. Korinther 12,13). Er, der in der Versammlung wohnt, führt sie und zeigt ihr die Herrlichkeit des Herrn Jesus (Johannes 16,14). Er ist es, der den Gläubigen die Wahrheit verständlich macht (Johannes 16,13). Er ist es zugleich, der seiner Gemeinde alles das gibt, was sie nötig hat (1. Korinther 12,11). Dazu gehören auch die Gnadengaben (1. Korinther 12,4). Er hat die einzelnen Glieder der Kirche Gottes wohl zusammengefügt zu einem lebendigen, wunderbar funktionierenden Organismus (1. Korinther 12,14–26). Von Ihm geht in der Versammlung alles aus, was sich auch in dem Lebensalltag der Versammlung Gottes wiederspiegeln sollte.

6. Die Gemeinde gehört zum Himmel

„Und er [Gott] setzte ihn [Jesus Christus] zu seiner Rechten in den himmlischen Örtern ... und hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (Epheser 1,20–23).

Wir Menschen leben auf der Erde. Bedeutet das, dass auch die Gemeinde ihren eigentlichen Platz auf der Erde hat, also dem Wesen nach zur Erde gehört? Die Antwort auf diese Frage lautet: Nein.

Die Versammlung ist verbunden mit einer Person, die im Himmel ist. Wir haben schon gesehen, dass die Voraussetzung für die Bildung der Gemeinde die Verherrlichung Jesu Christi war. Er musste erst in die Herrlichkeit, in den Himmel, auffahren, bevor die Versammlung gegründet wurde. Und von dort sendete Er den Heiligen Geist auf die Erde, der in der Gemeinde von dem verherrlichten Christus zeugt.

Aus dem Epheserbrief wissen wir auch, dass die Verherrlichung Christi der Gründung der Gemeinde vorausging. Dort lesen wir von der Macht der Stärke Gottes, „in der er gewirkt hat in dem Christus, indem er ihn aus den Toten auferweckte; und er setzte ihn zu seiner Rechten in den himmlischen Örtern ... und hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (Epheser 1,20–23).

Christus Jesus ist der Himmlische, der auf die Erde kommen musste, um zu leiden. Dann aber ging Er zurück in den Himmel. Weil die Versammlung „seine Fülle“ ist, hat auch sie ihre eigentliche Heimat im Himmel. Sie ist schon heute in den Augen Gottes dort mit Christus untrennbar verbunden und lebt nur für eine Übergangszeit auf der Erde.

Gott hat der Versammlung den Herrn Jesus als Geschenk gegeben. Und genauso gilt: Gott hat die Gemeinde dem verherrlichten Menschen Jesus Christus als Ergänzung geschenkt (Epheser 1,22.23). Die zweite Seite wird durch das erste Menschenpaar illustriert: Adam fand erst durch das Erschaffen von Eva seine vollständige Ergänzung (vgl. 1. Mose 2,18–25). So ist der Herr Jesus Christus als Mensch auch erst durch seine „Ehefrau“, die Gemeinde, „vollständig“. Sie ergänzt Ihn, der im Himmel ist. Ihr Ziel ist der Himmel, wie Jesus Christus schon jetzt dort ist. Er ist im Himmel und der Mensch vom Himmel (vgl. Johannes 6,33). Sie ist sein himmlischer Körper und wird ewig im Himmel sein.

Praktische Schlussfolgerungen aus der himmlischen Stellung der Gemeinde

Vielleicht klingt das alles ein wenig theoretisch. Das ist es aber nicht. Erstens zeigt das himmlische Wesen der Gemeinde, dass sie sich grundsätzlich vom Wesen des Volkes Israel unterscheidet, von dem man viel im Alten Testament liest. Dieses Volk lebte auf der Erde und gehört zu einem auf dieser Erde herrschenden König. Die Gemeinde lebt zwar heute ebenfalls auf der Erde. Sie gehört aber nicht zu einem auf der Erde lebenden Menschen, sondern zu einem himmlischen.

Darüber hinaus hat die himmlische Stellung der Versammlung weitreichende Konsequenzen für unser Leben. Stellung heißt hier, wie Gott die Gemeinde sieht und was für eine Position sie in seinen Augen grundsätzlich besitzt. Wenn wir zum Himmel gehören, suchen wir als diejenigen, die zur Gemeinde Gottes gehören, unsere Befriedigung und Erfüllung nicht auf der Erde. Wir müssen zwar in die Schule gehen, eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren. Wir haben unsere Arbeiten sorgfältig zu erledigen – zu Hause oder an einem anderen Arbeitsplatz. Aber nicht das ist die wahre Lebenserfüllung. Da die Versammlung ewig im Himmel sein und die Herrlichkeit Gottes offenbaren wird (vgl. Offenbarung 21,9–22,5), sollte sie schon hier auf der Erde etwas von dieser himmlischen Wirklichkeit sichtbar werden lassen. Sie sollte Botschafterin des Himmels auf der Erde sein. Sie soll in ihrem Leben den Himmel auf der Erde widerstrahlen, zum Beispiel in der Art und Weise, wie die Gläubigen miteinander umgehen.

Zudem gilt: Die Herrlichkeit wartet auf uns. Der Apostel Paulus schreibt sogar im Epheserbrief, dass wir schon jetzt im himmlischen Bereich wohnen und zu Hause sind. Das betrifft unsere Gesinnung, unsere Gedanken und unsere eigentliche Freude. Unsere Herzen gehören zum Himmel und sehnen sich danach.

Wenn das praktisch in meinem Leben wahr sein soll, geht es mir nicht mehr um eine irdische Karriere. Dann ist auch nicht entscheidend, was meine Mitmenschen von mir halten, ob ich bei ihnen in hohem Ansehen stehe. Sondern mir ist vor allem wichtig, Christus, dem Haupt im Himmel, Freude zu machen. Dann werde ich mich mit den Dingen beschäftigen, die den Himmel ausmachen:

  1. Mein Herz schlägt für den verherrlichten Herrn Jesus Christus und ich lebe für Gott, der durch den Herrn Jesus unser Vater geworden ist.
  2. Ich genieße den Besitz des Heiligen Geistes, den Gott aus dem Himmel in die gläubigen Christen gesandt hat. Ich weiß, dass Er zusammen mit der Gemeinde diese Erde wieder verlassen wird.
  3. Ich freue mich über die Erlösung in Christus und auf das Vaterhaus, in dem Jesus Christus die Stätte für die Seinen bereitet hat.
  4. Ich bin dankbar für die Vergebung der Sünden und die Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater und seinem geliebten Sohn und für noch vieles mehr.

Schließlich bedeutet das himmlische Wesen der Gemeinde praktisch, dass ein Christ auf das Wiederkommen von Jesus Christus wartet. Wir sind heute schon als Gemeinde mit Ihm untrennbar verbunden. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, dass Er die Kirche zu sich in den Himmel holen wird. Im Neuen Testament lesen wir dazu, dass die Gläubigen in den Himmel „entrückt“ werden (1. Thessalonicher 4,17). Eine wunderbare Hoffnung!

7. Die Entrückung der Erlösten

„Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune“ (1. Korinther 15,51.52).

Wie verlässt die Gemeinde die Erde wieder?

Die Gemeinde besteht im Ratschluss Gottes vor Beginn der Zeit. Sie ist ihrem Wesen nach himmlisch. Ihren Anfang nahm sie hier auf der Erde zu Pfingsten. Aber sie wird nicht für immer hierbleiben. Sie wird diese Erde verlassen, um dann für immer im Himmel zu sein. Und wie geschieht das? Das Neue Testament gibt eine eindeutige Antwort auf diese Frage: durch die Entrückung der einzelnen Erlösten. Diese wird besonders in 1. Thessalonicher 4,13–18 behandelt. Auch 1. Korinther 15 und Philipper 3 beziehen sich auf dieses Ereignis.

Dass es eine Entrückung von Menschen in den Himmel gibt, ist keine neue Belehrung für das Christentum. Schon das Alte Testament berichtet von zwei Gläubigen, die entrückt wurden: Henoch und Elia. Hinzu kommt, dass Henoch geweissagt hat, dass der Herr einmal mit seinen heiligen Tausenden auf diese Erde kommen würde (Judas 14). Das sind Engel und erlöste Menschen (vgl. Sacharja 14,5). Wenn diese Menschen zusammen mit Christus auf die Erde kommen sollen, müssen sie zuvor auf irgendeine Weise zu Gott entrückt werden. Nur so können sie dann mit Ihm wieder auf der Erde erscheinen zu können. Daher wartet die Gemeinde auf eine solche Entrückung und ruft ihrem Bräutigam, dem Herrn Jesus, zu: „Komm!“ Es ist der Geist Gottes, der diese Sehnsucht bei ihr bewirkt (Offenbarung 22,17).

Entrückung und Verwandlung

Was die gemeinsame Entrückung der Gläubigen im Einzelnen bedeutet, hat der Apostel Paulus mitgeteilt. Der Herr Jesus wird lebende Menschen verwandeln und zu sich holen. Zugleich werden die Entschlafenen, also gestorbene Gläubige, auferweckt werden. Alle zusammen werden dann dem Herrn Jesus in den Himmel entgegengerückt werden. Das lernen wir aus den Belehrungen von 1. Thessalonicher 4.

Vollkommen unbekannt im Alten Testament war, wie lebende Menschen mit einem Auferstehungskörper direkt in den Himmel kommen können. Dazu ist eine Verwandlung ihres Körpers nötig. Das ist etwas anderes als die Entrückung, die man von Henoch und Elia kennt. Paulus spricht davon, dass Menschen mit verherrlichten Körpern direkt in die Gegenwart Gottes kommen können. Er nennt das in 1. Korinther 15 ein Geheimnis. Dort erklärt der Apostel, dass lebende Gläubige nicht erst sterben müssen, um in den Himmel zu kommen. Sie werden in einer Weise umgewandelt, dass ihr verweslicher Körper durch einen unverweslichen „überkleidet“, also ersetzt wird (2. Korinther 5,2).

Dieses Geheimnis ist nichts Geheimnisvolles. Es handelt sich um eine Tatsache, die in der Zeit des Alten Testaments unbekannt war. Deshalb heißt es Geheimnis. Aber Gott hat diese Sache seinen Aposteln in der Anfangszeit des Christentums offenbart, sodass sie es uns mitteilen konnten. Dadurch wissen wir, dass wir verwandelt werden beim Kommen Jesu. Wie man sich diese Verwandlung ohne Tod im Einzelnen vorstellen muss, sagt er nicht. Offenbar können wir das mit unserem menschlichen Verstand nicht erfassen.

Mit der Entrückung endet das Leben der Gemeinde auf dieser Erde. Im 1000-jährigen Reich wird sie noch einmal mit dieser Erde in Beziehung kommen. Dann aber wird sie nicht mehr auf dieser Erde wohnen. Nach Offenbarung 21,9–27 wird die Versammlung die Verbindung zwischen Erde und Himmel sein, und zwar in beide Richtungen. Wie wir uns das konkret vorstellen können, erläutert die Bibel nicht. Es ist offenbar nicht wichtig für unser heutiges Leben als Gemeinde.

Fußnoten

  • 1 Ein Lehnwort ist das Ergebnis einer sprachlichen Entlehnung. Ein Wort wird aus einer fremden Sprache übernommen. In Aussprache, Schreibweise und Beugung (Flexion) wird es dabei der übernehmenden Sprache angepasst.
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