Ährenlese im Neuen Testament (1. Korinther)

Kapitel 9-12

Ährenlese im Neuen Testament (1. Korinther)

1. Korinther 9,1–18

Durch ihre Gaben und ihre Erkenntnis aufgeblasen, hatten sich gewisse Männer in der Versammlung von Korinth einen besonderen Platz angemasst. Und weil die Selbsterhöhung immer dazu führt, die anderen zu erniedrigen, waren sie soweit gekommen, die Autorität des Apostels, und dadurch die Autorität Gottes anzufechten. Paulus sieht sich darum gezwungen, seinen Dienst und seinen Wandel zu rechtfertigen. Das Evangelium zu verkündigen, war seine Aufgabe, die er aus dem Mund des Herrn empfangen hatte, und er war dem «himmlischen Gesicht» nicht ungehorsam gewesen (Apostelgeschichte 26,17–19).

Das Beispiel des Ackerbauers wird im Wort häufig gebraucht. Es betont zuerst die Mühe, die mit der Bearbeitung der Erde verbunden ist (1. Mose 3,17); dann die Hoffnung und den Glauben, die den Landwirt anspornen müssen (Vers 10; 2. Timotheus 2,6); und schliesslich die Geduld, mit der er «auf die köstliche Frucht der Erde» warten muss (Jakobus 5,7). Die Korinther waren «Gottes Ackerfeld» (Kapitel 3, 9), und der treue Knecht des Herrn verrichtete darin seine Arbeit indem er vielen rechtmässigen Dingen entsagte, um dem Evangelium des Christus kein Hindernis in den Weg zu legen. (Wieviele Dinge, die weniger rechtmässig sind, hindern oft unseren Dienst!). Paulus war hier am mühseligen Jäten, indem er sozusagen alles Unkraut ausriss, das im Feld der Korinther gewachsen war.

1. Korinther 9,19–27

Der Apostel machte sich allen zum Diener, um sie für das Evangelium zu gewinnen. Muss man deshalb annehmen, dass er zu allen Kompromissen bereit war? Gewiss nicht! Wenn Paulus ein «Verführer» für Christus war, so war er anderseits auch «wahrhaftig» (2. Korinther 6,8). Aber wie der Herr Jesus selbst an der Quelle von Sichar, so wusste auch er jeden Menschen auf seinem eigenen Boden und in der ihm verständlichen Sprache zu erreichen. Den Juden stellte er den Gott Israels vor, ihre Verantwortung in der Verwerfung des Erretters, des Sohnes Davids, und die Vergebung der Sünden (Apostelgeschichte 13,14 ff.). Den götzendienerischen Nationen verkündigte er den alleinigen Gott, der seinem Geschöpf gegenüber Geduld übt und ihm gebietet, Busse zu tun (Apostelgeschichte 17,22 ff.). Der Apostel hatte ständig den Preis vor Augen, der seine Anstrengungen krönen sollte: alle durch seinen Dienst geretteten Seelen (1. Thessalonicher 2,19; Philipper 4,1). Sich nach dem Ziel ausstreckend, lief er wie ein Athlet im Stadion, der seinen Körper strenger Zucht unterwirft und nur an den Sieg denkt. Aber im Sport hat der Läufer nur eine vergängliche Ehre vor Augen, einen Lorbeerkranz, der morgen wieder verwelkt (Vers 25). Unser christlicher Lauf wird mit einer herrlichen, unverwelklichen Krone belohnt werden. Laufen wir alle so, dass wir sie gewinnen! (Vers 24).

1. Korinther 10,1–13

Am Beispiel Israels zeigt der Apostel die schwerwiegende Verantwortung derer, die bekennen, Christen zu sein. Sie haben äusserlich an den vorzüglichsten, geistlichen Segnungen teilgehabt: Christus, sein Werk, sein Geist, sein Wort ... (Verse 3,4). Aber Gott kann an den meisten von ihnen kein Wohlgefallen haben, weil ihnen der Glaube fehlt (Vers 5; Hebräer 10,38). Durch die Geschichte des Volkes in der Wüste, gibt uns der Herr ein trauriges Beispiel davon, was unsere Herzen hervorzubringen vermögen, selbst unter dem Mantel des Christentums: Begierden, Götzendienst, Murren ... Und er warnt uns ernstlich vor den Folgen dieser Früchte des Fleisches -obwohl die Gnade zugunsten des Gläubigen wirkt. Der Versucher unternimmt alles, um das Böse, über das wir Gewalt haben wollen, wirksam werden zu lassen, um uns zu Fall zu bringen. Und das gerade in dem Augenblick, da wir glauben, in eigener Kraft festzustehen (Vers 12). «Gott aber ist treu», welch eine Ermunterung ist dieser Gedanke für uns! Er kennt unsere Schwachheit und wird dem Satan nicht erlauben, uns über das hinaus zu versuchen, was wir zu ertragen vermögen (vergleiche Hiob 1,12; 2,6). Und Er hat der Versuchung im voraus einen siegreichen Ausgang vorbereitet (Vers 13). Stützen wir uns jedesmal, wenn der Feind kommt, auf diese Verheissungen! Ja, Gott ist treu!

1. Korinther 10,14–11,1

Die Gemeinschaft mit Gott ist das gesegnete Teil des Gläubigen und schliesst jede Teilnahme am Götzendienst aus, sei es in noch so feiner Form. Die Gemeinschaft wird am «Tisch des Herrn» in besonderer Weise zum Ausdruck gebracht. Alle, die am Brot und am Kelch teilnehmen, sind grundsätzlich Erlöste des Herrn; aber lange nicht alle Erlösten des Herrn nehmen daran teil. Im Glauben sehen wir sie jedoch alle in dem einen Brot dargestellt, dem sichtbaren Zeichen des einen Leibes. Es bringt die Einheit der Kirche zum Ausdruck, welche die religiöse Welt meint, zustande bringen zu müssen (dabei besteht sie ja schon!).

Wenn ich nicht meine eigenen Interessen suche, werde ich viele freie Augenblicke für die Interessen an derer (die auch die Interessen Jesu Christi sind, vergleiche Philipper 2,21) zur Verfügung haben! Die Interessen anderer suchen, heisst aber nicht nur, für ihr Wohlbefinden besorgt zu sein, sondern auch an ihr Gewissen zu denken. Das bedeutet, um ihretwillen gewisse Dinge zu tun und andere zu lassen. So werde ich dazu geführt, mir immer die gleichen Fragen zu steilen: Habe ich die Freiheit, an dem, was sich mir bietet, mit Danksagung teilzuhaben? Ist das, was ich im Augenblick tue, auch wenn es nur um Essen oder Trinken geht (im Gegensatz zu Vers 7), zur Ehre Gottes oder nicht?

1. Korinther 11,2–16

Wenige Abschnitte in der Bibel haben zu soviel Streitigkeiten geführt, wie die Belehrungen dieser Kapitel (Vers 16). Warum beschäftigt sich der Apostel - oder vielmehr der Heilige Geist - mit scheinbar so unwichtigen Fragen, wie dem langen Haar der Frau oder ihrem Beten ohne Kopfbedeckung? Erinnern wir uns zuerst daran, dass unser Christentum nicht aus einigen bemerkenswerten Taten besteht, die wir von Zeit zu Zeit vollbringen, sondern aus einer Gesamtheit von Einzelheiten, die unser tägliches Leben ausmachen (Lukas 16,10). Anderseits wollen wir auch daran denken, dass Gott erhaben ist. Er ist nicht gehalten, uns den Grund anzugeben für alles, was Er in seinem Wort von uns verlangt. Gehorchen, ohne zu diskutieren, ist der einzig wahre Gehorsam. Diese Anweisungen sind daher ein gewisser Prüfstein für jedes christliche Mädchen oder jede christliche Frau. Es ist, wie wenn der Herr sie fragen würde: Willst du das für mich tun? Hast du es am Herzen, durch diese äusseren Zeichen deine Abhängigkeit und deine Unterwürfigkeit zu zeigen, oder willst du der Mode und der Bequemlichkeit den Vorzug geben?

Vergessen wir schliesslich diese ernste Tatsache nicht: die unsichtbare Welt der Engel beobachtet, auf welche Weise die Gläubigen den Gedanken Gottes entsprechen (Vers 10). Was sehen sie bei uns?

1. Korinther 11,17–34

Es gab Spaltungen in Korinth. Das machte sich auch in den Zusammenkünften bemerkbar. Die Reichen beschämten die Armen und reizten sie zur Eifersucht. Und was noch schlimmer war: das Abendmahl wurde mit dem Liebesmahl (der gemeinsamen Mahlzeit) verwechselt und von vielen unwürdiglich gefeiert. Der Apostel nimmt dies zum Anlass, ihnen das ins Gedächtnis zu rufen, was der Herr ihm besonders geoffenbart hat. Das Abendmahl ist ein heiliges Gedenken an Christus, der sich für uns hingegeben hat. Es ist ein Gedächtnismahl, das gewiss zum Herzen jedes einzelnen Teilnehmers spricht, aber auch allgemein die wichtigste Tatsache verkündigt: Der, welcher der Herr ist, hat sterben müssen. Und wir sind aufgefordert, diesen Tod des Herrn bis zu seiner Wiederkunft zu verkündigen, und zwar so wie wir belehrt worden sind. in dieser so grossen und doch so einfachen Sprache.

Dieses Gedächtnismahl spricht aber auch zum Gewissen des Gläubigen. denn der Tod Christi bedeutet die Verurteilung der Sünde. Das Abendmahl nehmen, ohne sich vorher gerichtet zu haben, setzt uns somit (für die Erde) den Folgen dieser Verurteilung aus. So erklärte sich die Schwachheit mehrerer in Korinth (und vielleicht solcher unter uns), die Krankheit, ja selbst der Tod, wovon etliche betroffen wurden (Vers 30). Die Furcht sollte uns jedoch nicht veranlassen, uns fernzuhalten (Vers 28). Sie soll und kann in Uebereinstimmung mit einer brennenden Liebe Dem Antwort geben, der gesagt hat: «Dies tut zu meinem Gedächtnis».

1. Korinther 12,1–13

Was die Zusammenkünfte als Versammlung betrifft, gibt der Apostel der Feier des Abendmahls den ersten Platz (Kapitel 11,20–34). Erst dann spricht er von den Gaben und Diensten zur Auferbauung. Vergessen wir nicht, dass der Gottesdienst von allen Zusammenkünften der Wichtigste ist.

Paulus erinnert diese ehemaligen Götzendiener daran, dass sie früher von satanischen Geistern geführt wurden (Vers 2). Welch ein Wechsel! Jetzt ist es der Geist Gottes, der sie leitet und in ihnen wirkt, durch die Gaben, die Er ihnen austeilt, «wie er will» (Vers 11). Der Apostel zählt diese Gaben auf und betont, dass sie ihnen zum Nutzen gegeben worden sind. Um sowohl die Einheit der Versammlung, als auch die Verschiedenheit der Dienste zu illustrieren, braucht er das Beispiel des menschlichen Leibes. Obwohl er zusammengesetzt ist aus vielen Gliedern und Organen, die nicht unabhängig voneinander funktionieren können, bildet er trotzdem einen einzigartigen Organismus. Er wird durch einen Willen regiert, den das Haupt jedem Glied bekanntgibt. Ebenso ist es mit dem Leib Christi. Obwohl er viele Glieder umfasst, (soviele, wie es Gläubige gibt), wird er durch einen einzigen Geist geleitet zur Erfüllung eines einzigen Willens, des Willens des Herrn, der das Haupt ist (Epheser 4,15.16). Es ist also nicht an uns, weder unsere Tätigkeit zu wählen (Vers 11), noch den Platz, wo wir sie ausüben (Vers 18).

1. Korinther 12,14–31

Welch ein Gegenstand der Bewunderung ist doch die Beschaffenheit unseres Körpers! «Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin», ruft David aus in Psalm 139,14. Ja, welche Vielfalt und trotzdem welche Harmonie finden wir in dieser zusammenhängenden Gesamtheit von Gliedern und Organen, von denen die geringsten ihre Daseinsberechtigung und ihre eigene Funktion haben. Das Auge und der kleine Finger können einander beispielsweise nicht ersetzen. Aber das kleinste Glied der Hand kann den Staub entfernen, der das empfindliche Sehorgan reizt. Wenn nur ein einziges Organ ungenügend oder unregelmässig funktioniert, ist bald der ganze Körper krank.

All dies ist ein treffendes Bild der Versammlung, des Leibes Christi. «Die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig» (Vers 22), und jedes muss sich hüten, seine eigene Funktion (Verse 15,16) oder die eines andern (Vers 21) zu verachten. Eine alte oder gebrechliche Christin kann durch ihre Gebete, durch ein ermunterndes Wort oder vielleicht durch materielle Hilfe den Eifer eines Evangelisten oder Hirten unterstützen. So soll jeder mit dem, was er empfangen hat, den andern «als guter Verwalter der mancherlei Gnade Gottes» dienen (1. Petrus 4,10).

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