Die Welt der Engel

Engel am Tag des Herrn

Die Welt der Engel

Die harrenden Himmel. - Christus und die Engel warten. - Seine Wiederkunft und ihre Bedeutung. - Die sichtbare Erscheinung. - 1. Thessalonicher 4,16-18 - Am Richterstuhl. - Noch ein großer und herrlicher Gerichtstag im Himmel. - Satan hinausgeworfen. - Die Offenbarung und die Engel im Gericht. - Die himmlischen Heerscharen am Tage Seiner Herrlichkeit. - Er verwendet sie. - Hebräer 1,6. - Die auf- und niedersteigenden Engel. - Schluss.-

Die Himmel hatten. Einst hatten sie geharrt, da der Herr die erste Prophezeiung ausgesprochen, zum ersten Male von der Erlösung geredet hatte. Dieses Harren begann mit dem dritten Kapitel des ersten Buches Mose. Die Engel harrten der Erfüllung von Gottes Erlösungsplänen, wie wir in den vorhergehenden Kapiteln gezeigt haben. Sie begehrten in diese Dinge hineinzuschauen, und Gott verwendete sie während jener viertausend Jahre als Seine Diener, bevor Er als der verheißene Weibessame erschien.

Aber noch immer harren die Himmel. Christus nimmt, als der verherrlichte Mensch, den Thron der höchsten Himmel ein. Er wartet, bis Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße gelegt werden. Und dies wird an jenem Tage geschehen, wenn der Vater Ihn zum zweiten Male sendet, um Sein Herrscherrecht über die mit Seinem Blut erkaufte Erde geltend zu machen. Die Geister der Erlösten harren des künftigen Tages, an welchem sie ihre Auferstehungsleiber, ihren Lohn und ihre Kronen erhalten sollen (2. Tim 4,8). Auch die unzähligen Engelscharen harren, und auf Erden harrt die wahre Kirche und mit ihr die ganze Schöpfung (Röm 8,19). Die lebenden Glieder Seines Leibes, die Gläubigen der ganzen Erde, sehnen Sein Kommen herbei, und die langvergessene Bitte: „Komm, Herr Jesus“ wird heute mehr gebetet als je zuvor.

Die ganze Schöpfung seufzet noch
Und harret voll Verlangen.
Erlöse sie vom eitlen Joch,
Befrei' sie von dem Bangen.
Es ruft der Geist, des Erbteils Pfand,
Es schaut die Braut zum Heimatland
Und fleht: O komm, Herr Jesus!

Ja, die Engel mögen sich mit uns nach diesem verheißenen Tag der Vollendung sehnen. Wir ersehnen ihn, weil wir wissen, dass er Seine Herrlichkeit bringen wird. Wenn Christus in Macht und großer Herrlichkeit erscheint, wird jede Streitfrage, die jetzt die so genannte „religiöse Welt“ bezüglich Seiner Person bewegt, auf immer beigelegt werden. Männer, die sich „Gelehrte“, große „Denker“ oder „Wissenschaftler“ nennen, zucken spöttisch die Achsel über die Geburt unseres Herrn von der Jungfrau Maria und leugnen Seine Wunder, weil sie trotz ihrer Taufe Ungläubige sind, die an Seiner Gottheit zweifeln. Sie spotten über Seine Auferstehung und ziehen Seine Wiederkunft ins Lächerliche. Aber wenn Er wiederkommt, wenn dieser Jesus, der hier war und nun zur Rechten Gottes sitzt, in dem gleichen Leibe, den Er auf Erden trug, - wohl verklärt und verherrlicht (vgl. Mt 17,1-2; Phil 3,21) - wiedererscheint, dann werden die „Gelehrten“, die „großen Denker“ und die „Wissenschaftler“ mit ihrer Verleugnung Christi und Seiner leiblichen Auferstehung als elende Lügner erfunden werden und beschämt dastehen. Der Fluch Gottes wird auf ihnen sein, denn es steht geschrieben: „Wenn jemand den Herrn Jesus Christus nicht lieb hat, der sei Anathema; Maranatha!“ (das heißt: er sei verflucht; der Herr kommt!) 1. Kor 16,22.

Die Engel wissen das alles, und darum sehnen sie mit uns den Tag Seines Ruhmes und Sieges herbei. Sie wissen auch, dass, wenn der Tag des Herrn kommt, sie in ihrer Herrlichkeit offenbar werden. Jener Tag wird ihnen bringen, was sie ersehnen: ihre sichtbare Erscheinung. Dann wird das moderne Sadducäertum seine Antwort erhalten, wenn die Existenz der Engel durch ihre glorreiche Anwesenheit bewiesen sein wird.

Es hat dem Herrn gefallen, den Seinen in Seinem Wort die Reihenfolge der Ereignisse in Bezug auf das Ende dieses gegenwärtigen Zeitalters, Seine sichtbare Wiederkunft, die Morgendämmerung und die Herrlichkeiten des künftigen Zeitalters mitzuteilen. In Verbindung mit allen diesen Ereignissen werden die Engel in beiden Testamenten ganz besonders erwähnt.

Allen ernsten Christen, die das Wort der Wahrheit recht teilen, ist es wohlbekannt, dass der Herr die Ereignisse am Ende des Zeitalters mit der Erfüllung einer Verheißung einleitet, die er nicht der Welt, sondern den Seinen gegeben hat. Es ist die bekannte Stelle in Johannes 14: „Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seiet.“ Aber wie diese Verheißung erfüllt werden soll, das hat Er damals nicht geoffenbart. Seine Jünger, welche jenen Worten lauschten, waren Juden. Niemals vorher hatten sie etwas Ähnliches vernommen. Die Hoffnung der alttestamentlichen Juden ging dahin, mit dem Messias in Seinem irdischen Königreich zu sein und die Segnungen des Reiches in Immanuels Land zu genießen. Die volle Offenbarung über die Art der Erfüllung dieser Verheißung wurde uns durch den Apostel Paulus zuteil, der uns sagt, dass er sie vom Herrn selbst empfangen habe. „Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und also werden wir allezeit bei dem Herrn sein“ (´1. Thes 4,16.17). Das ist „die glückselige Hoffnung“, die wahre Hoffnung der Kirche. Wir heben hervor, dass in dieser großen Offenbarwerdung die Stimme des Erzengels erwähnt ist. Der Erzengel ist Michael. Er steht mit den Geschehnissen am Ende des Zeitalters in enger Verbindung (Dan 12 und Off 12). Der Herr selbst erscheint als das Haupt aller Dinge und gibt das Wort an. Der Erzengel gibt es weiter, und die Posaune Gottes wird ertönen. Dann naht das große herrliche Ereignis. Die Toten in Christus stehen auf; die lebenden Gläubigen werden in einem Nu, in einem Augenblick verwandelt, und alle werden zugleich entrückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft.

Der Erzengel Michael vertritt offenbar, als das Haupt der Engelwelt, die gesamten himmlischen Scharen, die bei diesem großen Wunder Zuschauer sein werden. Alsdann werden, so glauben wir, wiederum alle Himmel in Bewegung sein, denn nun kommen die Erlösten, die Heiligen Gottes, die Genossen Christi, um Seine Herrlichkeit zu empfangen. Und wie es mit dem Vorläufer war, so werden auch jetzt wieder alle Gesetze des Raumes, der Entfernung und der Zeit aufgehoben werden, wenn die „himmlischen Wagen“ die Heiligen Gottes von der Erde zum Himmel führen werden. Gleichwie Er durch die Himmel ging, so werden es auch die Erlösten tun; gleichwie die Engel Ihn damals sahen, so sehen sie dann die Miterben Christi bei ihrer herrlichen Einkehr ins Vaterhaus. Dann werden auch die Geheimnisse der Sterne und des weiten Weltenraumes von den künftigen Himmelsbewohnern erkannt werden.

Die Engel werden auch am Richterstuhle Christi Zeugen sein, wenn das Verborgene ans Licht gebracht, wenn der Lohn für treuen Dienst ausgeteilt wird, wenn manche belobt und viele andere getadelt werden, wenn viele Kronen erhalten, andere aber „Schaden leiden“, sie selbst aber „gerettet werden, doch so wie durchs Feuer“ (1. Kor 3,15). Hierbei werden die Engel zugegen sein, denn auch sie haben auf das Werk der Gläubigen und auf ihr Zeugnis für Christus geblickt (Lk 12,2.3.8.9; 1. Kor 3,11-15; 4,5).

Wenn sich alle Erlösten vor dem Thron Gottes versammeln werden, wird im Himmel wiederum ein wunderbarer Gerichtstag stattfinden. Die Söhne Gottes, die Engel, sowie die Kinder Gottes, die erlösten und verherrlichten Menschen, werden da alle zusammenkommen, und vermutlich wird sich auch Satan einfinden. Eines der Nachtgesichte Sacharjas lässt darauf schließen (Sach 3,1-4). In diesem Gesicht handelt es sich allerdings um Israel, das irdische Bundesvolk, aber gilt dies nicht auch von der Kirche: „Wie ein Brand, aus dem Feuer gerettet!“? Satan ist der Verkläger der Brüder. Er versucht sein Äußerstes, die Glieder des Leibes Christi zu fangen und sie aus Seiner Hand zu rauben. Christus, der Fürsprecher, antwortet auf alle seine boshaften Anschuldigungen. Bald wird sich der vollständige Leib Christi in der Herrlichkeit befinden. Nicht ein einziges Glied wird fehlen. Seine herrlichen Worte der Zusicherung, die die ewige Sicherheit der Seinen - die der Vater Ihm gegeben - verbürgen, werden sich restlos erfüllen (Joh 10,28.29). Der Verkläger der Brüder wird vollständig zum Schweigen gebracht und kann kein Wort mehr vorbringen.

Zu dieser Zeit erfüllt sich auch die eindrucksvolle Szene, die im 12, Kapitel der Offenbarung beschrieben wird. Der Augenblick ist gekommen, da der Verkläger der Brüder aus dem Himmel geworfen werden soll. Die wahre Kirche, der vollständige Christus, das Haupt und Sein Leib, sind in der Herrlichkeit. Ein Krieg findet im Himmel statt. Der Herr beruft Michael, und der Erzengel versammelt seine Scharen, um mit dem Drachen und seinen Engeln zu kämpfen. „Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen. Und ich hörte eine laute Stimme in dem Himmel sagen: Nun ist das Heil und die Macht und das Reich unseres Gottes und die Gewalt Seines Christus gekommen; denn hinabgeworfen ist der Verkläger unserer Brüder, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte“ (Off 12,9-10).

Das große Schauspiel der Anbetung wird nun stattfinden, das Johannes auf Patmos erblickte, als ihm die Tür im Himmel aufgetan wurde, und die Stimme ihm befahl heraufzukommen (Off 4 u. Off 5). Die vierundzwanzig Ältesten, die, in weiße Gewänder gekleidet, auf Thronen sitzen und Kronen tragen, stellen die Erlösten dar. Sobald der Herr Jesus im Begriff ist, Seine königlichen Rechte zu entfalten, jauchzt die Menge der Engel Ihm zu mit Lobgesang und Anbetung.

Wenn der Herr Jesus Christus das Buch mit den sieben Siegeln aus der Hand dessen nimmt, der auf dem Thron sitzt, um es zu öffnen - das Buch, in welchem die Gerichte, die über diese Erde kommen werden, aufgezeichnet sind, und dessen Siegel zu brechen. Er allein würdig ist - dann werden die vier Cherubim und die Engel in Tätigkeit gesehen werden. Während der sieben Jahre zwischen Seinem Kommen für Seine Heiligen (1. Thes 4,13-18) und Seinem Kommen mit Seinen Heiligen werden übernatürliche Kräfte auf Erden tätig sein. Satan befindet sich auf der Erde, und die zwei Tiere aus Offenbarung 13 beeinflussen, von dem Drachen angespornt, die politischen und kirchlichen Angelegenheiten der abtrünnigen Christenheit. Lügenzeichen und Lügenwunder geschehen auf allen Seiten, die „kräftigen Irrtümer“ feiern Triumphe (2. Thes 2). Die Engel, als die Vollstrecker des Gerichts, greifen in die Weltgeschehnisse ein. Diese Gerichte, der Inhalt des Buches, das unser Herr empfangen, werden vom 6. bis zum 19. Kapitel der Offenbarung beschrieben. Dies alles muss noch geschehen. Nichts von dem, was in diesen Kapiteln steht, ist bis jetzt schon erfüllt oder wird in Erfüllung gehen, bevor die Heiligen Gottes in die Herrlichkeit gebracht sind.

Sobald der Herr Sein Gericht beginnt, indem Er die ersten vier Siegel öffnet, sagt jeder der Cherubim: „Komm!“ Als Antwort darauf erscheinen die vier apokalyptischen Reiter. Im siebenten Kapitel sieht man die vier Engel die vier Winde der Erde festhalten, während ein anderer Engel die hundertvierundvierzig Tausend, den Überrest aus Israel, der sich während der „Zeit der Drangsal für Jakob“ (Jer 30,7) zum Herrn bekehrt, versiegelt. Sieben Engel erscheinen mit ihren Posaunen, und nach jedem Posaunenstoß kommt ein Gericht über die Erde 1. In fast jedem Kapitel werden Engel erwähnt, ein genügender Beweis dafür, dass der Herr sich ihrer für Seine, die Erde betreffende Gerichte bedient. Sechs Engel im vierzehnten Kapitel nehmen einen besonderen Platz ein. Der eine verkündet das „Ewige Evangelium“, der zweite den Fall Babylons, und der dritte warnt vor der Anbetung des Tieres, des Antichristus und seines Bildes und vor dem Annehmen seines Malzeichens. Der vierte Engel geht aus dem Tempel und ordnet die Ernte der Erde an, gefolgt von dem nächsten Engel, der eine scharfe Sichel hat. Der sechste Engel „rief dem, der die scharfe Sichel hatte, mit lautem Schrei zu und sprach: Schicke deine scharfe Sichel und lies die Trauben des Weinstocks der Erde“ (Off 14,18). Nach diesem erscheinen sieben andere Engel, welche mit dem Zorne Gottes gefüllte Schalen tragen. Ein jeder von ihnen gießt seine Schale aus, und eine Gerichtsplage nach der anderen kommt über die Erde. Einer von diesen sieben Engeln zeigt Johannes auch die große, geheimnisvolle Babylon, die Mutter der Huren und der Gräuel der Erde, während ein anderer Engel den Fall Babylons verkündet (Off 17,1; 18,1.2). Aus alldem ersehen wir, auf welche Art unser Herr, dem alles Gericht übergeben ist, bei diesen zukünftigen Gerichten auf der Erde die Engel verwenden wird.

Und endlich kommt der Höhepunkt des großen Tages von den Propheten „Tag des Herrn“ genannt. Es ist der Tag, von dem unser Herr so oft geredet hat, an welchem „das Zeichen des Sohnes des Menschen in dem Himmel“ erscheinen wird; an welchem die Bewohner der Erde „den Sohn des Menschen kommen sehen werden auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit“ (Mt 24,30.31). Es ist der glorreiche Augenblick, an welchem Er in der Herrlichkeit Seines Vaters mit Seinen Engeln erscheint, der Moment an welchem der Schleier gelüftet wird und die Engel in noch weit größeren Scharen sichtbar sein werden als bei Seinem Eintritt in die Welt zu Bethlehem.

Das neunzehnte Kapitel der Offenbarung gibt uns ein großes prophetisches Bild dieser kommenden Ereignisse. Wiederum ist der Himmel in Bewegung, denn nun ist die Zeit gekommen, da Er mit Seinen mächtigen Engeln vom Himmel geoffenbart werden soll; da Er kommen wird und alle Seine Heiligen mit Ihm. Eine laute Stimme einer großen Volksmenge in dem Himmel ruft ihr Halleluja. „Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht unseres Gottes!“ „Und zum anderen Male sprachen sie: Halleluja! ... Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier lebendigen Wesen fielen nieder und beteten Gott an, der auf dem Throne sitzt, und sagten: Amen! Halleluja! ... Und ich hörte wie eine Stimme einer großen Volksmenge und wie ein Rauschen vieler Wasser und wie ein Rollen starker Donner, welche sprachen: Halleluja! denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat die Herrschaft angetreten!“ Der Himmel ist mit Jubel und Lobgesang erfüllt. Alles ist bereit für die große Offenbarung, auf welche die Zeitalter harrten. Das Weib des Lammes, die verherrlichte Kirche, ist für ihre große und glückselige Darstellung bereit. Sie ist in feine Leinwand gekleidet, glänzend und rein. Der Erzengel Michael steht als der Hauptführer der himmlischen Heere bereit, um seine Aufgabe zu erfüllen (Dan 12). Auch alle die Engelscharen sind bereit und warten auf den Befehl, ihren Platz in dem Gefolge des Königs der Könige und des Herrn der Herren einzunehmen.

Die Stätte, auf welche der Herr Jesus hernieder kommen will, ist der Ölberg, östlich von Jerusalem. An jenem Tag ist die „geliebte Stadt“ noch einmal in höchst bedrängter Lage. Alle Nationen haben sich zum Kampf gegen Jerusalem vereinigt. Inmitten der Stadt ist ein gläubiger Überrest, der um Hilfe zum Himmel ruft: „O, dass Du die Himmel zerrissest, herniederführest, dass vor Deinem Angesicht die Berge erbebten“ (Jes 64,1). Sie warten auf das Kommen des Königs. Sie wissen, dass der Prophet Sacharja diese Belagerung Jerusalems voraussah, und sie wissen auch, was geschehen wird. Denn es steht geschrieben: „Und Jehova wird ausziehen und wider jene Nationen streiten, wie an dem Tage da Er streitet, an dem Tage der Schlacht. Und Seine Füße werden an jenem Tage auf dem Ölberge stehen.... Und kommen wird Jehova, mein Gott, und alle Heiligen mit Dir“ (Sach 14). Und wie der Überrest nun aufwärts gen Himmel blickt, da erstrahlt plötzlich ein herrliches Licht. Das Zeichen des Menschensohnes erscheint - die Schechina-Wolke! Bei diesem Anblick jubeln die gläubigen Juden in großer Freude: „Siehe da, unser Gott, auf den wir harrten, dass Er uns retten würde; da ist Jehova, auf den wir harrten! Lasst uns frohlocken und uns freuen in Seiner Rettung!“ (Jes 25,9). Eine noch größere Herrlichkeit leuchtet vom Himmel, als die, welche die Engel umleuchtete in der Nacht, da Christus geboren wurde, eine Herrlichkeit so groß, dass die Sonne am Himmel verdunkelt wird. Die Sonne der Gerechtigkeit geht auf; der Himmel steht offen und das Gesicht des einsamen Gefangenen auf Patmos wird zur Tatsache (Off 19,11-16). Der Führer und Mittelpunkt von allem ist der Sohn des Menschen - Er, der einen Namen besitzt, den niemand kennt, als nur Er selbst, dessen Name „Das Wort Gottes“ ist, und auf dessen Hüfte ein Name geschrieben steht: „König der Könige und Herr der Herren“. Mit Ihm sind die Himmelsheere, die Heiligen Gottes, alle in weiße Gewänder gekleidet. Ihm am nächsten ist Seine geliebte Braut, Sein Leib, die wahre Kirche. Und nahe der Kirche stehen die Freunde des Bräutigams, die Heiligen des Alten Testamentes. Nun folgt die Menge der Engel in unübersehbaren Scharen. Soweit das Auge zu reichen vermag, erblickt es Engel, schaut es die herrlichen Gestalten der Himmelsbewohner, die nun bei Seinem Offenbarwerden sichtbar erscheinen. Sie alle beten den Herrn an und preisen Ihn.

Wir möchten hier auf das erste Kapitel des Hebräerbriefes verweisen: „Und wiederum, wenn Er den Erstgeborenen in den Erdkreis einführt (die bewohnte Erde) spricht Er: Und alle Engel Gottes sollen Ihn anbeten“. Dieser Vers wird aus dem 97. Psalm angeführt und bezieht sich nicht auf die Geburt Christi; denn damals war Er nicht der Erstgeborene sondern der Eingeborene. Der Erstgeborene aus den Toten wurde Er durch die Auferstehung. Die Einführung des Erstgeborenen geschieht bei Seinem zweiten Kommen. Dann werden die Engel Gottes Ihn anbeten. Jetzt ist Er in Seinen Heiligen verherrlicht, sie sind in Sein Bild verwandelt. Erfüllt ist die glückselige Hoffnung: „Wir werden Ihm gleich sein, den wir werden Ihn sehen, wie Er ist“. Und an jenem Tage wird Er „bewundert werden in allen denen, die geglaubt haben“ (2. Thes 1,10).

An aller Herrlichkeit jenes Tages und den mit ihm verbundenen Ereignissen haben die Engel großen Anteil. Dies ist die Lehre beider Testamente. Auch unser Herr sprach auf Erden hiervon, und ebenso lehrte der Apostel Paulus. Prophetisch spricht Paulus von jener Zeit und von der „Ruhe mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesu vom Himmel mit den Engeln Seiner Macht in flammendem Feuer, wenn Er Vergeltung gibt, denen, die Gott nicht kennen, und denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorchen“ (2. Thes 1,7-8). In der Sonne stehend, wird ein Engel sichtbar, der die Völker unter dem Himmel zum großen Mahl Gottes ladet (Off 19,17). Gott wird die Engel dazu verwenden, alle Ärgernisse aus Seinem Reiche zu entfernen und die Guten von den Bösen trennen. Sie werden auch bei der Sammlung Israels mitwirken. „Und Er wird Seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden Seine Auserwählten versammeln (Israel) von den vier Winden her, von den äußersten Enden der Himmel bis zu ihren äußersten Enden“ (Mt 24,31). Zweifellos wird sich der Herr der Engel auch auf mancherlei andere Art bedienen.

Wenn Sein Reich auf Erden aufgerichtet sein wird; wenn die Herrlichkeit des Herrn auf Jerusalem ruhen (Jes 4) und ihre Erkenntnis nicht auf geistige, sondern auf natürliche und sichtbare Art die Erde bedecken wird, wie die Wasser den Meeresgrund bedecken, dann wird ein wunderbarer Verkehr zwischen Himmel und Erde bestehen. Keines Menschen Geist vermag sich vorzustellen, wie das sein wird.

Hoch oben am Himmel, wo wir jetzt Sonne, Mond und Sterne die Herrlichkeit Gottes bekunden sehen, wird das neue Jerusalem erblickt werden. Dort steht Sein herrlicher Thron. Von dort her, über der Erde 2, regiert Er und Seine Heiligen mit Ihm Der Thron im irdischen Jerusalem ist gleicherweise der Seinige, denn es ist der Thron Seines Vaters David. Wie Hesekiel uns berichtet, wird ein Fürst den Thron einnehmen und unter Ihm regierten.

Jakob sah in seinem Traumgesicht die Engel Gottes auf der Leiter auf- und niedersteigen. Der Herr Jesus Christus verhieß Nathanael und Seinen Jüngern einen offenen Himmel: „Und die Engel Gottes werden auf den Sohn des Menschen auf- und niedersteigen“ (Joh 1,51). Bis jetzt hat dies noch niemals stattgefunden, aber an jenem Tage wird es geschehen, wenn Er geoffenbart werden wird. Himmel und Erde werden miteinander verbunden sein. Das Halleluja der Erde wird durch das Halleluja der Himmel beantwortet werden, und die Botschaft der himmlischen Heerscharen über den nächtlichen Gefilden Bethlehems: „Herrlichkeit Gott in der Höhe und Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!“ wird erfüllt sein.

Erd' und Himmel werden spenden
Ruhm und Preis an allen Enden;
O, welch seliges Vollenden!

Nie bedurfte das Volk Gottes des Verständnisses für die unsichtbaren Dinge und des gläubigen Ausblicks nach ihrer Offenbarwerdung so sehr wie in unseren Tagen. Immer mehr trachtet der Gott dieser Welt den Sinn des Ungläubigen zu verblenden. Auch wir stehen in beständiger Gefahr, das Unsichtbare aus den Augen zu verlieren, weil der Materialismus unserer Zeit den Blick des Glaubens mehr und mehr verdunkelt. In allem, was wir zu erkennen vermögen, erblicken wir die ersten Strahlen der anbrechenden Dämmerung; das Erscheinen des Morgensterns ist sehr nahe!

Möge es dem Herrn gefallen, diese Seiten zu benützen, um unsere, Seines harrenden Volkes, Herzen zu erquicken, uns mit heiligem Eifer zu erfüllen, unsere Füße auf dem Pfad der Absonderung zu leiten und uns den Glaubensmut zu schenken, in Seinem Dienste vorwärts zu schreiten, bis die Schatten fliehen und der Tag anbricht.

Fußnoten

  • 1 Das von Luther in Offb. 8,13 mit „Engel“ übersetzte Wort muß „Adler“heißen.
  • 2 Die richtige Lesart ist nicht „auf“, sondern „über“ der Erde.
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