Die Welt der Engel

Vom Wesen der Engel

Die Welt der Engel

Engel sind Geister. - Haben sie Körper? - Unwissentliches Beherbergen von Engeln. - Sie nehmen sichtbare Körper an, um sich zu offenbaren. - Sie haben auch fortdauernde Körper. Nicht Fleisch und Bein. - 1. Korinther 15. - Himmlische und geistige Leiber. ‑ Christi Antwort an die Sadducäer. ‑ Die Natur der Leiber ist uns noch unbekannt. - Zusammenfassung. - Wo wohnen sie? - Die drei Himmel.

Was für Wesen sind denn nun diese wunderbaren Gottesgeschöpfe? Das Wort Gottes antwortet uns, dass sie Geister sind. „Sind sie nicht dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, welche die Seligkeit ererben sollen?“ (Heb 1,14.) Diese Tatsache bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Die Frage, ob Engel Körper haben, wird oft von denkenden Gläubigen aufgeworfen. Wenn ja, welcher Art sind diese Körper? Betrachten wir daher die Frage über die Körperlichkeit der Engel Gottes ein wenig näher. Nicht wenige Bibelausleger behaupten, ein Geist müsse unkörperlich sein, die Geistigkeit schließe die Körperlichkeit aus, und demzufolge seien die Engel als Geister körperlose Wesen. Wir wissen aus der Heiligen Schrift, dass sie in sichtbarer und zwar gewöhnlich in menschlicher Gestalt erschienen sind. Nehmen unsichtbare Geister eine sichtbare Gestalt an, so scheint es, dass sie nicht immer von gewöhnlichen Geschöpfen unterschieden werden konnten. In einer Ermahnung zur Gastfreundschaft lesen wir in Heb 13,2: „Der Gastfreundschaft vergesset nicht, denn durch dieselbe haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt“. Es ist also in alttestamentlichen Zeiten vorgekommen, wie wir hieraus ersehen, dass fromme Hebräer Fremde bei sich aufnahmen und sie bewirteten, um nachher zu entdecken, dass es Boten Gottes waren. Wir entnehmen daraus, dass sie nicht mit Flügeln und Heiligenschein erschienen, wie sie oft auf Gemälden dargestellt werden, sondern dass sie gewöhnlichen Sterblichen glichen. Aus anderen Schriftstellen sehen wir, dass ihren Leibern manchmal eine wunderbare Herrlichkeit innewohnte. Ihre Gewänder werden als glänzend geschildert, ihre Angesichter als dem Blitz gleichend und ihre ganze Erscheinung weiß wie Schnee. Wie kann dies mit der Behauptung in Einklang gebracht werden, sie seien nur Geister? Man sagt von ihnen, sie besäßen die Fähigkeit, willkürlich in körperlicher Gestalt erscheinen, das Weltall schneller als ein Lichtstrahl durcheilen und, dem Auge der Sterblichen nicht wahrnehmbar, kommen und gehen oder auch sichtbar erscheinen zu können. Wohl glauben auch wir, dass diese heiligen Wesen eine Fähigkeit besitzen, körperliche Gestalt anzunehmen und zu erscheinen oder zu verschwinden, wenn sie wollen. Aber das ist nicht die Frage, die uns jetzt beschäftigt. Haben sie als Geisteswesen fortdauernde Körper? Es handelt sich nicht um ihre Fähigkeit, sich mit einem sichtbar machenden Gewande zu bekleiden, sondern darum, ob sie immer Körper haben oder nicht. Diese Frage können wir nach der Heiligen Schrift mit „ja“ beantworten. Die Bibel lehrt die Körperlichkeit der Engel. Sie sind Persönlichkeiten und, obwohl Geister, besitzen sie ihre eigenen, besonderen Leiber. dass diese nicht den unsrigen gleichen, können wir den Worten unseres auferstandenen Herrn entnehmen. Als Er plötzlich inmitten Seiner Jünger erschien, schrieen diese vor Furcht auf. „Sie aber erschraken und wurden von Furcht erfüllt und meinten, sie sähen einen Geist. Er sprach zu ihnen: Was seid ihr bestürzt, und warum steigen Gedanken auf in euren Herzen? Sehet meine Hände und meine Füße, dass ich es selbst bin; betastet mich und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, dass ich habe“ (Lk 24,37‑39). Demzufolge lehrte unser Herr ausdrücklich, dass ein Geist keinen Körper von Fleisch und Bein besitzt.

In dem großen Auferstehungskapitel, dem 15. Kapitel des ersten Briefes des Apostels Paulus an die Korinther, werden verschiedene Arten von Körpern erwähnt. Der Geist Gottes spricht von irdischen und von himmlischen Körpern. Er sagt uns, dass es einen natürlichen Leib und einen geistigen Leib gibt. Der Mensch erhielt seinen irdischen, seinen natürlichen Leib von der Mutter Erde. Aber die Engel waren niemals mit einem solchen Leibe bekleidet, denn es wird in der Heiligen Schrift berichtet, dass der Mensch ein wenig unter die Engel erniedrigt ist. Diese haben also geistige, d. i. himmlische Körper, die ihrer erhabenen, herrlichen, geistigen Natur entsprechen. Außer dieser allgemeinen Tatsache besitzen wir von den Lippen unseres Herrn noch weitere Aufklärungen.

Die Sadducäer, diese Ungläubigen der Vergangenheit, die ebenso die Existenz der Engel wie auch die Auferstehung leugneten, kamen, um dem Herrn eine Frage vorzulegen: „Lehrer, Moses hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt, der ein Weib hat, und dieser kinderlos stirbt, dass sein Bruder das Weib nehme und seinem Bruder Samen erwecke. Es waren nun sieben Brüder. Und der erste nahm ein Weib und starb kinderlos; und der zweite nahm das Weib, und dieser starb kinderlos; und der dritte nahm sie; desgleichen aber auch die sieben hinterließen keine Kinder und starben. Zuletzt aber von allen starb auch das Weib. In der Auferstehung nun, wessen Weib von ihnen wird sie? Denn die sieben hatten sie zum Weibe“ (Lk 20,27‑36). Aller Wahrscheinlichkeit nach hatten sie diese Geschichte selbst erfunden, um dem Herrn Jesus Christus eine Schlinge zu legen. Seine Antwort enthält die Aufklärung über die Körperlichkeit der Engel: „Und Jesus sprach zu ihnen: Die Söhne dieser Welt heiraten und werden verheiratet; die aber würdig geachtet werden, jener Welt teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten“ (der ersten Auferstehung) „heiratet nicht, noch werden sie verheiratet; denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind Engeln gleich, und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind.“ Hier lehrt der Herr, dass die Engel wirkliche Körper haben. Die logische Schlussfolgerung daraus ist, dass die Engel wohl Körper besitzen, dass diese aber von den menschlichen insofern verschieden sind, als die Engel nicht heiraten noch verheiratet werden, und dass sie nicht sterben. Auch hierin liegt ein wertvoller Hinweis auf die Auferstehungsleiber der Erlösten; die Teilhaber an der ersten Auferstehung werden Leiber besitzen, die zumindest in zwiefacher Hinsicht den Leibern der Engel gleich sein werden. Unsere Auferstehungsleiber sind unsterblich, und die irdische eheliche Gemeinschaft wird nicht mehr existieren.

Aber die wichtigste Offenbarung über den Auferstehungsleib der Erlösten geschah, nachdem der Herr Jesus Christus von den Toten auferstanden war. Der Geist Gottes lehrt uns, dass unsere Leiber Seinem verklärten Leib gleich sein werden. Wie schon gesagt, sprach unser Herr nur von zwei Punkten, in welchen unsere Auferstehungsleiber denen der Engel gleich sein werden. Aus diesen Seinen Worten können wie erkennen, dass die Engel wirklich Körper besitzen. Aber was für eine Art Körper? Diese Frage kann nicht beantwortet werden. Auf den ersten kirchengeschichtlichen Konzilien wurde die Auffassung vertreten, die Körper der Engel seien ätherisch und feuerähnlich, während die Scholastiker 1 und das Laterankonzilium 2 sich dahin festlegten, sie seien materiell. Die Synagogenliteratur der Juden enthält reichlich Annahmen aller Art in Bezug auf die Körper der Engel, sowie seltsame Überlieferungen darüber. Viele Rabbiner erklärten, in Daniel 10,6 sei der Körper eines Engels eingehend beschrieben. Aber das sind rein menschliche Gedanken. Wir müssen zugeben, dass wir hinsichtlich dieser unsichtbaren Dinge in einen dunklen Spiegel blicken. Nach unserer gegenwärtigen Beschaffenheit können wir diese Dinge weder erklären noch verstehen. Über das, was geschrieben steht, dürfen wir nicht hinausgehen. Gewiss wird einmal die Zeit kommen, wo wir nicht länger in einen dunklen Spiegel sehen, sondern vom Glauben zum Schauen gelangen werden. Dann werden wir über das Unsichtbare, die Engel und ihre herrlichen Leiber eingeschlossen, völlige Kenntnis erhalten. Was wir aus der Heiligen Schrift wissen, sind die folgenden Tatsachen:

  1. Die Engel sind Geister, die durch einen unmittelbaren Schöpfungsakt ins Dasein gerufen wurden.
  2. Als sie mit den Menschen in Berührung kamen, entfalteten sie ihre Fähigkeit, willkürlich Menschengestalt anzunehmen, plötzlich zu erscheinen und ebenso plötzlich wieder zu verschwinden. Auch erschienen sie in weißen Gewändern, umgeben von einem strahlenden Licht.
  3. Sie besitzen Körper. Ein Geschöpf ohne Körperlichkeit ist geradezu undenkbar. Körperlichkeit ist das Ziel aller Wege Gottes. Der Herr Jesus Christus zeigt, dass die Auferstehungsleiber der Seinen den Leibern der Engel gleich sein werden.
  4. Die Natur dieser Engelleiber ist unbekannt, denn sie wurde uns nicht kundgetan.

Als Nächstes haben wir ihre Aufenthaltsorte zu ermitteln. Wie wir vorhin ausgeführt haben, ist ihre Zahl so groß, dass keine Schätzung darüber möglich ist. Die unsichtbare Engelwelt ist ein mächtiges Reich mit Thronen, Herrschaften, Fürstentümern und Gewalten. Da nun die Engel mit Leibern bekleidete Geister sind, müssen sie auch bestimmte Wohnstätten besitzen. Wo sie sich aufhalten, ist daher eine weitere, interessante Frage, deren wenigstens teilweise Beantwortung die Heilige Schrift ebenfalls enthält. Ein Kind, das etwas über die Bibel weiß, wird diese Frage sofort beantworten. Es wird sagen: „Die Engel wohnen im Himmel.“ Aber das Wort Himmel besitzt eine mannigfaltige Bedeutung. Im Hebräischen steht dieses Wort stets in der Mehrzahl: „die Himmel“. Die Bibel spricht von drei Himmeln. Der dritte Himmel ist aller Himmel Himmel, Gottes Wohnstätte, wo von jeher Sein Thron gestanden. Die Stiftshütte Seines Bundesvolkes Israel war ein Abbild der Himmel. Mose hatte vom Berg aus in die weiten Himmel geschaut. Er besaß kein Fernrohr. Gott selbst aber zeigte ihm der Himmel Geheimnisse und gebot Seinem Diener, die Stiftshütte zu erbauen, indem Er sprach: „Siehe, dass du alles nach dem Muster machest, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist.“ (Heb 8,5). Die Stiftshütte bestand aus drei Teilen: dem Vorhof, dem Heiligen und dem Allerheiligsten. Einmal im Jahr ging der Hohepriester durch den Vorhof in das Heilige und zuletzt mit dem Opferblut in das Allerheiligste, um es in Jehovas heiliger Gegenwart zu sprengen.

Aber Aaron war nur ein Vorbild des wahren Hohenpriesters, der größer ist als Aaron. Von Ihm, dem wahren Priester, unserem Herrn und Heiland Jesus Christus steht geschrieben, dass Er durch die Himmel gegangen ist (Heb 4,14). „Denn der Christus ist nicht eingegangen in das mit Händen gemachte Heiligtum, ein Gegenbild des wahrhaftigen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen“ (Heb 9,24). Er ist durch die Himmel gegangen: Durch den Vorhof, d. h. den Himmel, der die Erde umgibt; durch das Heilige: durch die unendlichen Welten mit ihren unermesslichen Weiten, und endlich ist Er in den dritten Himmel eingegangen, den aber kein Fernrohr je zu erreichen vermag.

In den himmlischen Örtern befinden sich nach dem Epheserbrief die Fürstentümer und Gewalten, die unzähligen Engelscharen, deren Wohnort in diesen Himmeln ist. Gott, der sie als Geister erschuf und sie mit Leibern bekleidete, die ihrer geistigen Natur entsprechen, muss ihnen auch Wohnstätten zugewiesen haben. Welcher Art und wo sind nun diese Wohnstätten? dass sie sich in den Himmeln befinden, wird nicht nur im Epheserbrief gesagt. In dem Gebet, das unser Herr Seine Jünger lehrt, findet sich eine Bitte folgenden Wortlautes: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden“; dies heißt doch soviel, dass sich im Himmel Wesen befinden, und dass diese Seinen Willen tun. Es ist bezeichnend und nicht bedeutungslos, dass der Ausdruck „die himmlischen Heerscharen“ sowohl Sternen- als auch Engelscharen bedeutet. „Herr der Heerscharen“ hat auch diese zweifache Bedeutung.

Wir werden viel aus der großen Katastrophe lernen können, die lange vor der Erschaffung des Menschen stattfand, als ein mächtiger Engelfürst sich auflehnte und samt einer großen Schar anderer Engel fiel.

Fußnoten

  • 1 Schlolastiker: Christl. Philosophen des Mittelalters.
  • 2 Lateran: päpstlicher Palast in Rom, wo wiederholt Beratungen der Kirche stattfanden.
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